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Die Piktogramme der Olympischen Spiele 2020 in Tokio

Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp
Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp

Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp

In Tokio wurden dieser Tage vom Organisationskomitee für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2020 die Piktogramme präsentiert. Im Design Tagebuch werfen wir einen Blick auf die Serie, für die in diesem Fall der japanische Grafikdesigner Masaaki Hiromura verantwortlich zeichnet.

Jede neue Piktogramm-Serie für Olympische Spiele wird stets auch an den von Otl Aicher und seinen Team gestalteten Piktogrammen gemessen, die seinerzeit für die Sommerspiele 1972 in München entwickelt wurden und die in vielerlei Hinsicht nach wie vor Vorbildcharakter haben. Seit dieser Zeit hat sich das Erscheinungsbild von Olympischen Spielen und damit auch das Design von Piktogrammen allerdings signifikant weiterentwickelt – weg vom strengen Funktionalismus hin zu einer spielerischen Formensprache, die starke illustrative Elemente beinhaltet.

Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp
Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp

Besser, so mein Eindruck, wurden die Piktogramme in den vergangenen Jahrzehnten nicht unbedingt, wie ein Blick auf die Piktogramme für Rio 2016 oder vor allem auch die Piktogramme der Winterspiele in Vancouver 2010 verdeutlicht. Je grafisch aufwendiger, opulenter ein Zeichen, umso unverständlicher wird es meist. Eine zu minimalistische Formensprache trägt wiederum dem Umstand zu wenig Rechnung, dass Olympische Spiele heutzutage nicht nur sportlicher Wettstreit, sondern auch bzw. in besonderem Maße eine Unterhaltungs-Show darstellen. Genau deshalb ist die Gestaltung von Olympia-Piktogrammen so anspruchsvoll. Stets gilt es, das richtige Maß zwischen der reinen Informationen und einer identitätsstiftenden Grafik zu finden. Hiromura scheint dies, so mein Eindruck, gelungen zu sein. Die Entwicklung der Piktogramme habe man in großen Respekt in Bezug auf die Spiele von Tokio 1964 vollzogen, wie das zuständige Organisationskomitee mitteilt. Ziel sei neben der Informationsvermittlung auch eine „attraktive Darstellung lebendiger Bewegungen der Sportler“.

Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp
Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp

Was als erstes positiv auffällt: die Piktogramme haben in der Standardversion keinen Korpus (siehe Abb. oben „free type“). Positiv ist dies deshalb, da die Form des Korpus keinerlei Information hinsichtlich der dargestellten Sportart enthält. Bestes Negativbeispiel diesbezüglich sind die Rio-2016-Piktorgramme, deren variable, an einen Stein erinnernde Korpusform zu sehr vom eigentlichen Inhalt ablenkt. Die Tokio-Piktogramme sind im direkten Vergleich verständlicher.

Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp
Toyko 2020 Pictograms, Quelle: toyko2020.jp

Ebenfalls auffällig und positiv ist die vergleichsweise große Varianz in Bezug auf die Abbildung der Figuren. Statt, wie üblich, stets nur die gesamte Figur abzubilden, kommen innerhalb der Tokio-2020-Serie auch Ausschnitte von Figuren zur Anwendung. Beispielsweise wird vom Golfer oder vom Baseball-Spieler lediglich der Oberkörper abgebildet. Die dadurch erreichte Streuung und Formenvielfalt ermöglicht bestmögliche Unterscheidbarkeit der Sportarten. In bin begeistert. Interessant finde ich auch die Idee, den Piktogrammen, je nach Austragungsort, eine individuelle Farbe zu verpassen. Ich bin gespannt, wie die dt-Leser die Piktogramm-Serie bewerten.

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