Die „menschliche Welt“ von Jörg Kachelmann, in der Designer Logos für lau entwerfen

Ex-Wettermoderator Jörg Kachelmann, seit Mai 2015 mit der eigenen Wetter-Plattform kachelmannwetter.com im Netz aktiv, offenbart im Rahmen einer Abstimmung auf Twitter, wie er sich das so vorstellt mit dem Honorar für Designleistungen: nur wenn die Entwürfe zusagen, wird bezahlt. Ja, von wegen!
Auf dem Twitter-Kanal Kachelmannwettr hatte man dieser Tage die eigene Community befragt, um das Logo für ein neues Produkt namens „Meteosafe“ zu ermitteln. Neben drei Entwürfen, die allesamt Varianten der gleiche Ursprungsform darstellen, einer Art sichelförmiger Wirbel, findet sich auch ein gänzlich anderer Ansatz, der von einem User als „Möge der Blitz in deine Hand einschlagen“-Zeichen beschrieben wird. Aus heiterem Himmel kam sodann ein vierter Wirbel noch dazu. Hier das Ergebnis:
Dialog auf Twitter
Meine persönlichen Eindrücke hinsichtlich der oben dargestellten Auswahl habe ich in einem Tweet formuliert.
@_sebbl_ @Kachelmannwettr @Meteosafe Bleibt zu wünschen, dass die meteorologischen Fertigkeiten überzeugender sind als die gestalterischen.
– Achim Schaffrinna (@aschaffrinna) 9. August 2016
Die Kritik wurde darauf hin von Jörg Kachelmann, der unter dem Kachelmannwettr-Account stets ohne zusätzlichem Namenskürzel schreibt, wie folgt beantwortet:
@aschaffrinna @_sebbl_ @Meteosafe Wir überlegen uns ein analoges Hämemass, falls Designer mal übers Wetter schreiben sollten.
– Kachelmannwetter (@Kachelmannwettr) 9. August 2016
Was ein „Hämemass“ ist, ist mir nicht bekannt. Dafür weiß ich, dass Designer nicht übers Wetter schreiben. Ein Schwätzchen über den verregneten Sommer – das ja, aber das Schreiben über Inversionsschichten und Pollenflugbelastung überlassen wir gerne denen, die sich damit auskennen. Während hingegen Meteorologen sich auch schon mal an der Kreation von Logos versuchen, zumindest einige. Warum auch nicht!? Geht auch ohne Ausbildung. Ist doch keine Wissenschaft. Dann allerdings sieht es halt auch aus wie oben zu sehen. Und in dieser Einschätzung schwingt keinesfalls Häme oder Schadenfreude meinerseits mit. Wollte ich mit Häme reagieren, hätte ich geschrieben, die vorgestellten Logoideen passten doch ganz vorzüglich zum quirligen Gesamterscheinungsbild des Kachelmann’schen Wetterdienstes.
Gänzlich unpassend ist allerdings die Auffassung, die Herr Kachelmann in den darauf folgenden beiden Tweets vertritt.
@aschaffrinna @_sebbl_ @Meteosafe In einer menschlichen Welt würde der Berufsdesigner einen Entwurf skizzieren und schreiben, was es…
– Kachelmannwetter (@Kachelmannwettr) 9. August 2016
@aschaffrinna @_sebbl_ @Meteosafe …kosten würde, wenn mans möchte, So bleibt dem Startup nur etwas schaler Nachgeschmack nach Besserwessi.
– Kachelmannwetter (@Kachelmannwettr) 9. August 2016
Im Klartext: Herr Kachelmann möchte, dass man für ihn ein Logo entwirft, es ihm präsentiert und er es sich offen hält, ob er dafür etwas zahlt. Schon mal in einem Restaurant bei der Bestellung dem Kellner unverhohlen entgegnet, bezahlen werde man nur, wenns auch geschmeckt hat? Eher weniger. Es ist eben jenes in den Tweets dokumentierte verquere Selbstverständnis, das fragwürdige Logo-Ausschreibungen und inakzeptable Pitches entstehen lässt. Entwürfe für lau – ein Unding, und doch leider sehr verbreitet in der Kreativbranche.
Besserwessi? Nun gut. Die fehlende Political Correctness im zweiten Tweet außer Acht lassend habe ich mit dem Hinweis auf die #saynotospec-Kampagne geantwortet.
@Kachelmannwettr @_sebbl_ @Meteosafe #saynotospec! siehe https://t.co/Ka7TAHBSmu
– Achim Schaffrinna (@aschaffrinna) 10. August 2016
Woraufhin Jörg Kachelmann schrieb:
@aschaffrinna @_sebbl_ Komisch, wir haben das andauernd, hier auf Twitter. Wie wird das Wetter am Wochenende, genau bei mir? Sachmafürlau!
– Kachelmannwetter (@Kachelmannwettr) 10. August 2016
Angesichts der von Kachelmannwetter vertriebenen kostenpflichtigen App-Dienste entgegnete ich:
@Kachelmannwettr @_sebbl_ Wetterdaten wollt Ihr nicht für lau hergeben, aber Designer sollen Euch gratis ein Logo zaubern. #Doppelmoral
– Achim Schaffrinna (@aschaffrinna) 10. August 2016
Die Reaktion von Kachelmann folgte in zwei weiteren Tweets:
@aschaffrinna @_sebbl_ Wir geben, wie Sie an https://t.co/NjIrcMhejz sehen, alles für lau her. Ich schrieb in meinem Tweet von einem Angebot
– Kachelmannwetter (@Kachelmannwettr) 10. August 2016
@aschaffrinna @_sebbl_ …das ich gerne hätte. Können Sie lesen, damit Sie keinen Unsinn schreiben müssen?
– Kachelmannwetter (@Kachelmannwettr) 10. August 2016
In der Tat viel Unsinn, der über den Twitter-Account Kachelmannwettr in die Social-Media-Atmosphäre geblasen wird, zumal dies ein Unternehmensaccount darstellt. Der Wortwechsel mit dem Ex-Wettermoderator bringt allerdings etwas viel Wesentlicheres an die Oberfläche als ein paar Unfreundlichkeiten. Kachelmann, der die Arbeit von Meteorologenkollegen mitunter als Vollpfostenmeteorologie tituliert, steht in diesem Zusammenhang exemplarisch für so Viele.
Über die Jahre hat sich, ausgehend von der Fehleinschätzung, Designer machten gewissermaßen ihr Hobby zum Beruf und benötigten dafür im Grunde kein Honorar, gerade in der Kreativbranche eine Kultur des Abgreifens entwickelt, die insbesondere kleinere Agenturen in Existenznot bringt. Eine Parallelwelt ist entstanden. Hier die großen Netzwerkagenturen, die es sich leisten können, wie von Ausschreibenden verlangt, Entwürfe im Rahmen der unentgeltlichen Pitches vorzulegen, und dort alle anderen Kreativschaffenden, die weder zeitlich noch finanziell dazu in der Lage sind, ihre Arbeit zu verschenken. Was in dieser „menschlichen Welt“ tatsächlich noch gefehlt hat, sind Wetterexperten, die ihre Moral-Vorstellungen Designern aufdrängen.
Zum Donnerwetter! No!Spec











Wo genau ist jetzt das Problem? Außer, dass der Designer eine Antwort des Meteorologen anscheinend nicht verstanden und darauf sehr überempfindlich reagiert hat und damit einen Wortwechsel startet. Meinen Eindruck unterstreicht, dass der Designer dieses peinliche Twittergefecht auch noch im Blog verwurstet um vermeintlich noch mehr Leute auf den “doofen” Herrn Kachelmann hinzuweisen.
Der Designer beleidigt den Wettermann, welcher das nicht auf sich sitzen lässt und den Designer zu professionellem Verhalten ermahnt.
Anstatt vielleicht seinen Fehler zu erkennen, zieht sich der Designer arschverletzt in seine Peergruppe zurück, um dort Anerkennung zu suchen.
Jetzt darf natürlich der studierte Psychoanalytiker kommen und mir Vorwürfe machen, weil er als Profi so eine Analyse viel besser kann und ich nur die Preise versaue. :-)
Eine Ermahnung zu professionellem Verhalten kann ich nur schwer erkennen.
Der Anlass für den Blogbeitrag hier war ja die nachgeschobene Ergänzung Kachelmanns, dass seiner Meinung nach, bzw. verallgemeinernd, “in einer menschlichen Welt”, der Designer mit einem Entwurf in Vorleistung zu gehen habe und schreiben solle, “was es kosten würde, wenn mans möchte”. Der letzte Teil legt nahe, dass bei Nichtgefallen, trotz angefallener Arbeits, nicht gezahlt werden muss.
Und dieser Auffassung widerspricht Achim. Meiner Meinung nach zu Recht.
Den Eindruck, dass sich beide dünnhäutig verhalten haben, teile ich allerdings auch.
“bzw. verallgemeinernd, „in einer menschlichen Welt“, der Designer mit einem Entwurf in Vorleistung zu gehen habe”
Hat Kachelmann so nie gesagt. Er wurde von einem Designer angepöbelt und entgegnete darauf (sinngemäß) dass er sich wünschen würde, dass man statt Pöbelei Hilfe anbietet. Woraufhin der besagte Pöbler ihm das Wort im Mund rumdreht und behauptet, Kachelmann wolle, dass alle Designer gefälligst kostenlos zu arbeiten hätten.
Wie sich der Herr Designer dann als Opfer geriert ist ehrlich gesagt: widerlich.
“In einer menschlichen Welt würde der Berufsdesigner einen Entwurf skizzieren und schreiben, was es kosten würde, wenn mans möchte, So bleibt dem Startup nur etwas schaler Nachgeschmack nach Besserwessi.”
Das ist das Zitat. Das “in einer menschlichen Welt” ist nicht allein auf Herrn Schaffrinna bezogen, sondern auf den “Berufsdesigner” im Allgemeinen.
Und ich muss mich entschuldigen, aber jetzt drehen Sie die Worte von Herrn Schaffrinna herum. Es wird nirgendwo behauptet, dass ein Designer gänzlich kostenlos arbeiten solle. Es geht darum, dass Herr Kachelmann den Designer nur dann vergüten möchte, wenn ihm das Logo auch gefällt,.
Twitter ist zugegeben nicht das richtige Medium für sachliche Diskussionen, weil es dort viel zu sehr um die Anzahl der belanglosen “likes” und “retweets” geht.
Das eigentliche Problem scheint mir eher das zu sein:
https://stocklogos.com/topic/famous-logo-designs-and-how-much-did-they-cost
Daß man sich regelmäßig dafür rechtfertigen muß, daß kreative Arbeit auch Arbeit und nicht nur ein Hobby ist.
Das Problem ist dann dass es Leute gibt wie Sie die dann daraus solche Beiträge schreiben obwohl sie nichtmal die Hälfte der Geschichte verstanden haben :)
Tja aber das Logo ist wirklich scheisse
Könnt ihr das Persönliche bitte herauslassen! Es geht doch hier weder um Jörg K. noch um Achim S. und auch nicht um ein bestimmtes Verhalten in einem sozialen Netzwerk. Ich würde lieber das Thema »Arbeit für lau« diskutieren.
Gute Idee. In grauer Vorzeit warnte ver.di https://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/a-864822.html einmal vor den allerschlimmsten Auswüchsen.
Nur, muß man eben mit der Zeit gehen, und die Clowns waren sich dann tatsächlich nicht zu schade, Jovoto so etwas wie eine kostenlose Werbekampagne zu finanzieren:
https://www.jovoto.com/projects/verdi/landing
Es führte dann leider zu diesem erbärmlichem “Wettbewerb”, bei dem es der Nomalfall war, daß jemand seine Seele verkauft und die “Moderatorin” (wie üblich eine Kreatur ohne jeden Sachverstand) dazu lustig in die Hände klatscht.
Das schlimme an diesen “Wettbewerben” ist nicht, daß die Entlohnung ins bodenlose sinkt, sondern daß sie aus den Mitmenschen seelenloses Fleisch macht. Und, jawohl, das ist beweisbar.
Ekelhafterweise versuchen sich diese Unternehmen einen netten Anstrich zu verleihen, indem sie Non profits hinterherlaufen, aber speziell Jovotos “Wettbewerb” für das Stanford University Peace Project ist so widerlich entlarvend für komplette Entmenschlichung.
Ich kann ja durchaus verstehen, dass insbesondere junge und noch unerfahrene Grafikdesigner/-innen angesichts nicht sehr rosiger Berufsaussichten auf dem Markt schnell in Panik geraten. Sie greifen nach jedem noch so kleinen Job-Strohhalm und sind deshalb eher bereit, ohne Vorschuss in grafische Vorleistung zu treten.
Damit geben sie aber ihre individuellen Ideen preis und verschießen ihr ganzes Können, ohne von der Gegenseite auch nur einen einzigen Cent an Bezahlung dafür erhalten zu haben.
Aber was noch schlimmer ist: Sie legen damit die Entscheidung darüber, was ihre präsentierte Arbeit wert ist, ganz in die Hände des Auftraggebers, machen sich von seiner Wertschätzung und Fairness völlig abhängig. Und was, wenn dieser Kunde keine Wertschätzung empfindet? …wenn er ein gutes Logo nicht von einem schlechten unterscheiden kann? …oder gar ein geiziges A-loch ist? Dann heißt es: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann wieder gehen.
Umsetzen lässt er die besten Ideen, die ihm dumme und billige Grafiker gratis vor die Füße gelegt haben, von noch dümmeren und noch billigeren Grafikern. Oder er setzt sich gleich selbst an seinen PC und strickt sich aus allem etwas zusammen.
Und wenn der dumme und billige (und wie du schreibst unerfahrene) Grafiker diese Erfahrung einmal gemacht hat, hat er was gelernt und machts beim nächsten Mal anders.
SCNR ;-)
Es gibt soviel so unglaublich schlechtes Design von ausgebildeten Designern und vielfach ausgezeichneten Agenturen. Aber wehe ein Meteorologe gestaltet ein schlechtes Logo :)
Das ist zweifelsfrei so, ja. Die eigentliche Gestaltung ist in diesem Fall allerdings nur eine Randnotiz. Es geht in diesem Fall doch um was ganz anderes. Es geht um eine Kultur des Mitnehmens und um Leistung, die bezahlt werden sollte. Es geht um den Wert der eignen Arbeit und um ein fehlgeleitetes Selbstverständnis, das den Boden für unfaire und inakzeptable Ausschreibebedingungen bildet. Und es geht auch um Kreativschaffende, die sich so etwas gefallen lassen!
Das ganze Thema rein auf die Gestaltung zu reduzieren, führt an der Diskussion vorbei.
Das ganze Thema rein auf die Gestaltung zu reduzieren, führt an der Diskussion vorbei.
Ist aber immer willkommenes Ablenkmanöver der rhetorischen Trapezkünstler.
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Danke Achim, dass du Unfairness zur Sprache bringst.
Hoffentlich auch, wenn Jauch oder Don Alphonso solche Dinger wie Kachelmann krachen lassen würden. Da bin ich jedoch zuversichtlich.
Kachelmann hätte wissen sollen, dass er nicht in der Lage ist, ein gutes Logo zu gestalten und es lieber in Auftrag hätte geben sollen? Ok. Könnte ein Meteorologe vielleicht wissen. In jedem Fall sollten sowas aber Designer und Agenturen wissen. Oder?
Und dennoch gestalten Grafikdesigner ihre eigenen miesen Webseiten (oder verwenden kostenlose Themes von der Stange) und Webdesigner gestalten ihre eigenen miesen Logos (meist mit aneinandergereihten Buchstaben). Und Agenturen machen die miesen Porträtfotos ihrer Mitarbeiter lieber selbst (vor der Raufasertapete in der Küche), als einen Fotografen zu engagieren.
Webdesigner schimpfen über Grafikdesigner. Grafikdesigner über Webdesigner. Fotografen über Agenturen. Und Schriftdesigner über Kommunikationsdesigner. Etc. Also warum sollten sich nicht mal alle Designer zusammentun und zur Abwechslung über einen Meteorologen schimpfen. Der hat es ja so was von verdient.
Und nun zum kostenlosen Entwurf als Vorleistung. Schlimme Sache. Würden wir Designer niemals von anderen erwarten. Außer vielleicht wenn wir in Geschäft gehen, uns alles genau anschauen, ein Produkt aussuchen und es dann … dann im Internet kaufen, weil es dort 5% billiger ist. Dass das Geschäft erst tausend Vorführmodelle hat kaufen müssen und Miete bezahlen muss, um diese Vorleistung zu bieten, vergisst man bei 5% doch schnell. Oder wenn wir mal einen Film oder Serie im Internet anschauen ohne zu bezahlen. Läuft in ein paar Monaten ja sowieso im Fernsehen. Oder warum den Tausend-Euro-Originalfont kaufen, wenn es auch einen fast identischen Free-Font gibt. Die Ähnlichkeit ist doch sicher nur ein Zufall. Oder wenn sie Adblocker installieren. Ist ja nicht ihr Problem, wenn die Verlage ihre Inhalte kostenlos anbieten. Die Lizenz reicht nur für 10 Rechner? Ach, 1 weiterer Rechner merkt doch niemand und ist doch nur für den Praktikanten. Schöne heile Welt … bis es einen selbst betrifft.
Martin, klar, das ist die Kostenloskultur- und mentalität, die sich in alle Lebensbereiche eingeschlichen hat. Auch Designer sind da Handelnde, nicht nur Opfer.
Einen Tausend Euro-Originalfont gibt es jedoch nur noch, wenn er unzählige gut ausgebaute Schriftschnitte hat, zig Glyphen und auch noch Satzzeichen für ausgefallene fremde Sprachen hat. Selbst dann kostet er selten gleich tausend Euro. Ein free Font ist kein Vergleich, der hat oft nicht einmal Umlaute, taugt gerade mal für ein Poster. Aber egal, wem sage ich das.
Das ist das eine.
Wenn ein öffentlich bekannter Wetterfrosch keinen Unterschied mehr macht zwischen skalierbarem, kopierbarem Produkt und billigen doer gar kostenlosen Marketing-Teaserangeboten auf der einen Seite und individueller Sache nach Maß auf der anderen Seite und beides alles in einen Topf haut, dann unterliegt er eben dem gleichen Kategoriedenkfehler wie viele andere auch. Das Schlimme ist, dass diesen Kategoriedenkfehler nicht nur Lieschen Müller macht, es tun ihn alle. Nur leider ist der Wetterfrosch halt bekannt. Und beharrt dazu noch, obwohl er Widerspruch bekam.
Kostenloskultur ist nicht nur der Geiz der Konsumenten und Auftraggeber – einfach verschenken und das gut finden ist das jahrelange Ergebnis von raffiniertem Marketing, das seine Erlöse eben dann woanders erzeugt. Das Verschenken dient der Akquise und dem Anreiz. Im Netz sammelt man damit zum Beispiel Adressen.
Dass Verschenken was bringt, haben auch schon Werbe- und Designagenturen geschnallt, die mit komplett fertigen Designs und Layouts in eine Präsentation gehen ohne je ein Briefing gesehen zu haben, das den Namen Briefing verdient. Katastroffe! Sie machen trotzdem ihren Umsatz. Das Dumme ist, der kleine Designer nebenan, der kann da nicht mithalten. Gleichzeitig bricht ihm die mittlere, zu einem hohen Teil auch (leider) beratungsresistente Klientel der kleineren, mittleren Firmen weg, die nicht mehr zu ihm, sondern lieber zum günstigeren designenlassen geht, weil sie sich vor größeren Werbeagenturen grausen (‘wissen alles besser’ und ‘sind zu teuer’ ist noch das Mildeste, was ich gehört habe).
Und dann kommt ein Wetterfrosch daher und bildet diese zu großen Teilen hausgemachte Misere nochmal schön öffentlich ab.
Das mag eine Misere für Designer sein. In diesem Fall ist die Misere jedoch etwas einfacher: Kachelmann brauch kein neues Logo und will kein teures Designer-Logo. Das wars.
Für den Fall, daß ich was übersehen sollte und er vielleicht doch ein teures Designer-Logo bräuchte, müsste man ihm das erklären. Denn wenn selbst ich als Designer das nicht weiss, woher sollte es dann ein Meteorologe wissen?
Für mich! hat dieser spezielle Fall auch noch eine andere Nuance, der mich berührt. Ich habe bei dem was Kachelmann ausgesetzt war, mitgefühlt. Egal, was da wirklich passiert ist, hatte ich immer das Gefühl, dass Kachelmann eine Häme abbekommt, die nicht verhältnismässig ist. Er tat mir irgendwie leid. – Dass sich Kachelmann jetzt über meine Branche hämisch äußert und Selbstständigen mit Bildzeitungsargumenten entgegenkommt – ändert mein! Bild von einem zu bedauernden zu einem „arroganten“* Kachelmann.
*fällt gerade kein passender Begriff ein.
Mein Kommentar sollte und wollte auf Achims antworten. Ich habe zum Schreiben zu lange gebraucht ;)
Ich mag’ die Art von dem Kachelmann ja eigentlich echt gerne. Die direkte Art sagt mir einfach zu. Und dass er Springer die Stirn geboten hat, auch.
Das hier jedoch belegt die Weltfremdheit, die er manchmal an den Tag legt, das ärgert mich sehr. Erst einmal nachdenken und tief durchatmen bevor man die eigene undurchdachte Meinung zum besten gibt, denn nicht jede Kritik ist unsachlich, nur weil sie ad hominem geschieht.
Ich glaube nämlich fest daran, dass Herr Kachelmann sich in dieser Sache gerne auch eines Besseren belehren lässt.
Ich hoffe es zumindest.
Ansonsten muss er mal Nachhilfe bei Niggemeier, Heinser und Rosenkranz nehmen, die erklären ihm das wohl.
Obwohl der “Essen schmeckt”-Vergleich eigentlich schon jedem Grundschüler einleuchten sollte.
Bin zwar kein Grafiker, aber als Werbetexter steht man vor der gleichen Misere.
Ist twitter’s inoffizieller Zweck nicht eh die Entstehung solcher beef-Geschichten? Wie soll man denn in 160-Zeichenbotschaften, die direkt öffentl sind, komplex diskutieren ohne, dass es in einer wüsten Beleidigungsorgie endet? Wie sähen denn hier die Diskussionen aus, wenn jeder nur einen Einzeiler verfassen könnte?
Daher würde ich twitter für vermeintl konstruktive Aussagen generell meiden und es fannahen Promis überlassen, die twittern, was es zum Frühstück gibt.
Dieser Eine-Plattform-für-alle-und-alles-Gedanke wird nie aufgehen.
Ich muss auch sagen, dass es mich schaudert, wenn ich hier mitkriege, was einige Agenturen für simpelste Logo-Redesigns an Honorar erhalten.
Und durchaus können Laien im Handwerklichen bessere Arbeiten leisten als Ausgebildete, das betrifft Fliesenleger, Frisöre und auch Designer. In der Ausübung vieler Berufe ist es – ehrlich gesagt – ja doch nur das Werkzeug und die Routine, die dem nicht ganz unbegabten Laien fehlen, um mithalten zu können.
Und wie in der Schule kriegen in der Ausbildung nicht immer zwingend die Besseren die entscheidenden guten Noten, sondern halt auch die Arschkriecher, das sollte man auch nie vergessen, wenn man von ‘ausgebildeten Profis’ redet.
Trotzdem: Das geforderte In-Vorleistung-gehen halte auch ich für unangebracht! Es geht da ja wohl nicht um bloße Skizzen auf einer Serviette, sondern um bereits konkret erbrachte Leistungen. Wer Auswahl haben will, der soll auch dafür zahlen.