Die gruseligsten Seiten im Netz – Pearl

Pearl ShopWer kennt es nicht. Das Gefühl beim Betreten eines Ladens, von dem man bereits auf der Türschwelle stehend sagen kann: „Oh je – falsche Türklinke erwischt“. Weil aber die Verkäuferin einen bereits erblickt hat, dreht man eine Runde aus Höfflichkeit nur mit dem Ziel vor Augen: „Schnell wieder raus“. Genau so ergeht es einem als Besucher des Online-Shops Pearl.de. Am liebsten hätte ich das Browsertab inklusive des Auftritts gleich wieder geschlossen, als ich per Zufall auf der Suche nach CD-Labeletiketten dort gelandet bin. Den „Spooky-Award“ in der Handtasche, machte ich mich dann aber doch auf, um mich zwischen den Regalen und Paletten einmal umzuschauen.

Mal sehen, was haben wir da. Zunächst einen winzigen Bereich für das ungelenke Logo. Branding-Bereich nenne ich es nicht. Darunter einen dreispaltigen Aufbau. Wer nach rechts schaut, bemerkt den Scrollbalken und wird sich fragen: Warum zum Kuckuck steckt das Ganze in einem Frameset? Ein weiteres technisches „Highlight“ ist der Ticker. Nicht mal die Nasdaq hat einen Ticker auf ihrer Website, warum sollte ein Shop einen haben? Mir ist kein Grund bekannt. Besonderes Merkmal des Auftritts ist ein ausgeklügelter „Wackeleffekt“, der einen auf „Rollover und Klick“ verfolgt. So hüpfen Bilder, Buttons, Links, die Sprachauswahl und sogar das Logo immer im gleichen Stil. Klar ist ein visuelles Feedback äußerst hilfreich. Geht’s denn aber nicht auch etwas weniger antiquiert?

Pearl LogoIch dachte immer ein Ticker ist mit Abstand das Sinnloseste, was man in einen Auftritt packen kann. Seit Pearl, weiß ich dieses Superlativ ist noch steigerungsfähig: Ein wackelnder Ticker!

Ebenso bizarr, wie der Auftritt selbst ist die Produktpalette. Ein Schmunzeln macht sich breit, wenn man neben einer 2GB-Speicherkarte auf einmal einen aufblasbaren Sumoringeranzug erblickt. Ob dadurch Kompetenz im Elektronikbereich zum Ausdruck kommt, sollen Andere entscheiden. Die schlanke Hauptnavigation umfasst vorbildhafte 6 Begriffe, geht aber gnadenlos unter. Ein Klickpfad ist zwar vorhanden, was aber nicht heißt, dass man auf Anhieb sieht in welchem Produktbereich man sich befindet. Andere Shops färben ihre „Produktwelten“ unterschiedlich ein. Aber auch ohne Farbwelten gibt es Mittel, die das Navigieren einfacher machen. Eine deutliche Kennzeichnung des Bereichs, den man angeklickt hat gehört dazu. Ein gelber Balken auf gelben Grund ist alles andere, als deutlich.Pearl Käufer

Was aber vor allem der Site fehlt, sind klar unterscheidbare Seitentypen. Jede Detailseite ist so vollgestopft, dass sie gleichzeitig wie eine Übersichtsseite aussieht. Man vermisst einfach mal eine schlanke Seite, auf der die Produktgruppen aufgelistet werden. Oder Dropdown-Menüs, mit denen man Produkte nach Kriterien wie z.B. „Hersteller“ filtern kann. So gut wie jede Seite enthält 20 bis 30 sogenannte „Highlights“, die auf einer entsprechend langen Seite ihren Namen nicht verdienen. Es gibt noch viele Details, die man aufzählen könnte. Selbst im Bestellprozess muss man den nervigen Ticker ertragen. Neue Fenster werden geöffnet ohne, dass man damit rechnet. Und, und, und… Erwähnen möchte ich noch ein echtes Schmankerl. Die „interaktive PDF-Ausgabe des druckfrischen PEARL-Katalogs“. Sage und schreibe 66,5 MB hat dieses Prachtstück. Auch ’ne Möglichkeit Traffic zu generieren! Ebenso umwerfend ist die Zahl der im PDF enthaltenen Farben – 16.7 Millionen.

Ist ja nicht so, dass ich nur die negativen Dinge benenne. Hier nun die positiven. Der Warenkorb ist oben rechts. Und Sumoringer find‘ ich gut. Das war’s.
Gratulation zum „Spooky-Award“ des Monats Februar!

31 Kommentare zu “Die gruseligsten Seiten im Netz – Pearl

  1. Also ich gebe dir zu 100 % recht. Die Seite ist zu kotzen. Unübersichtlich, vollgepackt, unstruckturiert, voller Fehler, und gestalterisch für den Ar***!

    Zudem kommt noch diese (schon erwähnte, gruselige) Zwischenseite.

    Zudem kommt nich, dass ich mir dort mal was bestellt habe (ich glaube es war ein USB-Stick) und „nur“ 3,5 Wochen (und auch nur, weil ich 2 beschwerde-Mails geschrieben habe) warten musste!!!

    Und auch der Katalog, den ich mir einfach mal so bestellt habe, weil ich diese „Waren die die Menschheit nicht braucht – Kataloge“ liebe und er um sonst war, ist eine Verletzung jeder gestalterischen Norm…

    Mein Fazit: Zurecht den Spooky!

  2. Eigentlich schade, dass hier nicht das Gesetz der natürlichen Auslese greift und solche grausamen Websites von Besuchern gemieden werden.

  3. „Eigentlich schade, dass hier nicht das Gesetz der natürlichen Auslese greift und solche grausamen Websites von Besuchern gemieden werden.“

    Wirklich die grottigste Seite auf Erden…aber der Shop funktioniert mehr über
    eine Katalog (auch unübersichtlich). Die ideale Klolektüre.
    Bunte Bilder gucken und über die wunderlichen Produkte staunen.
    Vermutlich gehört das alles zum „Trash“ Konzept.
    (So wie die Dorf-Models. =)

    Gott zum Grusse Tom

  4. Da kann man mal wieder sehen, wieviele „kompetente“ möchtegern Designer bzw. Geschäftsleute sich auf einer einzigen Seite wie dieser hier tummeln können.

    Jeder beliebige avantgarde Idiot mit einem halbwegs guten Realschulabschluss gibt hier mehr oder minder konstruktive Kommentare zu einer Seite ab (siehe oben) die es in dieser Form schon seit Jahren gibt und trotzdem wunderbar zu funktionieren scheint.

    Falls auch nur ein einziger von euch Gehirn-Akrobaten ein funktionierendes Geschäftsmodel in der Tasche hat das jährlich wachsende Millionenumsätze einfährt kann er gern nochmal versuchen Kritik zu üben.

    Ansonsten würde ich euch empfehlen eueren Geistigen-Durchfall in Sachen Kritik für euch zu behalten und lieber bei dem zu bleiben was Ihr könnt. (Auch wenn dabei nicht viel zu Stande kommen dürfte) ;-)

  5. ohhh, da scheint sich wohl jemand auf den Schlips getreten gefühlt zu haben, wahrscheinlich jemand von der Art Abteilung PEARLs :-) Der Shop ist wirklich einer der schlechtesten die es gibt, obwohl ich ja „Punisher Paul“ in einer Hinsicht Recht geben muß, ein Unternehmen was jährlich Millionen einfährt kann so viel nicht falsch machen, sollte sich aber ernsthaft Gedanken machen ob der Designverantwotliche der Richtige ist.

  6. @Punisher Paul, ich würde dir empfehlen, deinen Unhöflichkeits-Durchfall mal für dich zu behalten und stattdessen ein paar mehr Argumente für das aktuelle Pearl-Design einzubringen.

  7. Wer wie ich das Glück hat in der Nähe zu wohnen und ohnehin schon mit ständiger (übrigens auch nicht gerade guter) Radiowerbung von Pearl belästigt zu werden, der geht da auch mal hin. Der Laden ist der Hammer. Man bekommt neben den Elektroniksachen (die größtenteils) keiner braucht, auch aufblasbare Faschingskostüme, Langhaarschneider, uvm… Genial ist auch der Katalog, wo einem dann Amateurmodels begegnen, die man ständig in irgendwelchen Dissen in Freiburg sieht. Pearl rules :) Den Katalog sollte man sich mal bestellen!
    Also wenn man mal nicht weiß, was man jemand Lustiges schenken könnte: Pearl.de! Und die Billig-Tintenpatrone für meinen Drucker, hat nicht mal eingerastet :D Fand ich super. Gedruckt hats trotzdem!

  8. Is ja soooo einfach: kaum widerspricht mal einer diesem Schimpf-Kanon, dann MUSS er ja bestimmt von der PEARL-Abteilung sein. Auf Punisher-Pauls Schützenhilfe können die Pearl-Macher warscheinlich gerne verzichten.
    Frage mich nur, warum ihr überhaupt im diesem schreklichen Shop rumklickt oder den Katalog mit aufs Klo nehmt?

    Insgeheim also wohl vom Stamme Geizkragen, Billigheimer, Sonderposten-Abstauber?
    Ich gebs wenigstens zu. Und ich klickere gerne dort rum. Bei Pearl find ich Sachen, die haben andere gar nicht. Und ich schähme mich auch nicht mal was geschenkt dort im Shop abzustauben.

    Wem der Laden zu trashig ist, sollte einfach einen Bogen drum machen und sich z.B. bei Conrad und Co im Megashop den Wolf suchen nach einem bestimmten Artikel. Da bezahle ich für den gleichen Kram das doppelte und vielfache!

  9. @Merlin: es behauptet ja keiner das PEARL ein kompletter Mist ist, es geht hier doch in erster Linie nicht um PEARL sondern um das auftreten dieser Firma nach außen hin. Ich persönlich gebe zu auch Produkt dieser Firma zu besitzen und stolz darauf zu sein das es kein „Jedermannsprodukt“ ist. Also besinnen wir uns zurück auf das, was Auslöser des Awards war -> der schreckliche Internetauftritt! Seit wann gibt es den Internetshop der Firma PEARL? seit 1998? auf jedenfall dürfte PEARL einer der ersten Onlinehändler gewesen sein, und dass sowie es scheint mit Erfolg! Gratulation zu dem Konzept! aber vielleicht wäre es nach knapp10 Jahren mal an der Zeit den Shop der Zeit anzupassen, optisch wie technisch. Denn leider beommt man beim längeren betrachten des Shops Augenkrebs. Aber PEARL darf sich bestimmt über eines sicher sein, die schlechteste Seite ist es bestimmt nicht, nur ein Besipiel das noch schlimmer ist.
    http://www.dhs-mediafox.de/dhs_homepage.html

    in diesem Sinne,
    einen schönen Abend

  10. Jeder sollte vor Pearl seinen Hut ziehen. Erfolg haben mit gut aussehenden Webseiten kann jeder. Aber erst dasselbe mit beschissenen Seiten hinzukriegen, zeugt von echter Kaufmannskunst!

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