„Designer werden selten reich“ – BDG Honorar- und Gehaltsreport 2012

BDG Honorar- und Gehaltsreport 2012

Der BDG Honorar- und Gehaltsreport 2012 gibt nach 2010 zum zweiten Mal Einblick in das Arbeitsleben der Kreativen. 1.880 Designer haben an der zugrunde liegenden Umfrage im vergangenen Herbst teilgenommen. „Wir haben mit ernüchternden Zahlen gerechnet und sind zum Glück ordentlich überrascht worden. Es gibt unter den Kommunikationsdesignern nicht wenige, die gut von ihrer Arbeit leben können. Wir sehen darin einen funktionierenden Markt, der allerdings einen nicht zu übersehenden prekären Vorhof hat.“ so ein Auszug aus dem Report.

  • 75 % der Angestellten verdienen monatlich maximal 3.000 € brutto
  • über die Hälfte (56,31 %) war bei zwei bis vier verschiedenen Arbeitgebern fest angestellt
  • 62 % der Selbstständigen arbeiten für einen Stundensatz < 60 Euro
  • 35,75 % der selbständigen Kommunikationsdesigner arbeitet für 1 bis 3 Auftraggeber

Der BDG-Report belegt die im Rahmen der Studie „Designer und ihre Arbeit“ ermittelte Aussage: selbstständige Designer sind glücklicher als angestellte.

Hier gibt es den Report als Download:

44 Kommentare zu “„Designer werden selten reich“ – BDG Honorar- und Gehaltsreport 2012

  1. Danke für diese Studie und Danke für diesen Artikel. Mich reizt es in unserer FH (Niederrhein) ein Seminar anzubieten. Hier würde ich den Absolventen eine Kostenaufstellung – heruntergebrochen auf einen Monat – vor den Latz knallen, dass die sich künftig gar nicht trauen weniger als € 65 / h anzubieten. Büromiete + NK, Wohnung + NK, Eigenwerbung (inkl. Pitchteilnahme), Versicherungen, Kosten für Mobilität, Komminkationskosten, Hard- und Software und das Bier nach Feierabend – all das kostet Geld, viel Geld.
    Richtig, Feierabend gibt’s ja auch, also mal einen 8h-Tag planen anstatt 24h-Tag + Nacht. Am Tag ist der Designer aber eher 6h produktiv, denn Telefonate, E-Mails, Webseitenpflege, Steuer- und Behördengedöns müssen auch erledigt werden. “Leider” zählt auch nicht jeder Tag als Arbeitstag, denn Feiertage (Besonders hier in NRW), Urlaubstage, Weiterbildungen und auch mal ein bis fünf Krankheitstage werden gerne nebst Wochenenden von den ganzen Tagen im Jahr abgezogen. Das ist wahrscheinlich hier jedem klar und auch nix Neues, aber den Absolventen würde ich das mal gerne verklickern. Besonders wenn diesen – wie ich hier gelesen habe – von Profs oder Lehrbeauftrageten nahegelegt wird, sich sofort nach Abschluss in die Selbstständigkeit zu begeben.

    Dann lese ich im Report auch: “Passt schon, aber eine Familie ist nicht drin” und “Würde Ihr Gehalt/Einkommen für eine Familienplanung reichen? Nein, nicht möglich! + Wäre möglich, aber hartes Brot!” = 59,45%. Über die Hälfte können sich nicht “relativ sorgenfrei” ein Familienleben vorstellen? Hammer! Ohne Familie wäre z.B. mein Leben trotz Traumberuf nicht ausgefüllt. Wenn sich also die Absolventen darüber im Klaren sind, dass ein fininaziell labiles Fundament Auswirkungen auf ihre künftige Lebensalage hat, dadurch auch langfristig Auswirkungen auf Leistungswille und -fähigkeit (besonders in kreativen Branchen!) hat, dann wird vielleicht aus dem Tunnelblick (“Der Prof hat’s mir geraten. Ich hab gut Design studiert, bin motiviert und sowieso alles easy – ich hole jetzt den Gewerbeschein!”) ein Weitwinkelblick, der dazu einläd für sich den ganz persönlichen Kosten-/Nutzenfaktor zu errechnen. Dazu gehört allerdings auch seine Fixkosten inkl. Steuern für Gewerbe, Einkommen, KFZ usw. genau zu kennen und sein gewünschtes Honorar zu verteidigen bzw. sich selbst zu vermarkten. Und das fällt vielleicht vielen schwer, die keine Erfahrungen haben. Ist vielleicht auch eine Typfrage. Aber man muss “Verkäufer” sein, auch wenn die Aufträge – wie der Report zeigt – zu einem sehr großen Teil durch Mundpropaganda generiert werden.

    Ich finde diesen Report wichtig und danke nochmals für den Artikel. Frohes Schaffen allerseits
    Axel

  2. Ich konnte den diesjährigen Honorar- und Gehaltsreport leider noch nicht vollständig, sondern bisher nur in Auszügen lesen. Wohin die Reise bei den Stundensätzen geht, ist schon seit Jahren klar. Großen Anteil an den Zuständen haben die Grafiker / Designer / Mediengestalter, die

    a) ihren tatsächlichen Bedarf nicht berechnen können
    b) den Konflikt mit Interessenten / Kunden scheuen (mangelndes Verhandlungsgeschick?)
    c) die Selbstverwirklichung als Lohnersatz sehen

    Und gerade der letzte Punkt ist – sorry – Quatsch. Ich mag meine Arbeit (sehr sogar!), aber von der Selbstverwirklichung allein werde ich weder satt, noch kann ich Raten bezahlen, meinen Hobbys nachgehen und meiner allgemeine Lebensplanung vorantreiben.

    Ich brauche keine Beschäftigung. Beschäftigen kann ich mich nämlich selber.*

    Vroni hat natürlich Recht, sich über die Marktsituation zu ärgern. Ich ärgere mich auch häufig genug darüber und hätte es lieber, weniger Stolpersteine in den Weg gelegt zu bekommen und die Qualität meiner Arbeit nicht wieder und wieder erklären und predigen zu müssen. Mir wäre es auch lieber, dass ich jeden Tag ohne Kampf in Ruhe arbeiten kann und entspannt meine 75 € / Std. auf die Rechnung pfeffere. Noch mehr ärgere ich mich aber über meine Mitbewerber, die oft trotz Studium keine konkurrenzfähige, geschweige denn qualitativ angemessene Arbeit leisten können und dieses Defizit über den Preis ausgleichen wollen. Als jemand, der kein FH- und kein Hochschulstudium hat, ist es gerade zu erschreckend, wie unprofessionell viele Kollegen kalkulieren und arbeiten. Auch das trägt zum Laissez-faire-Ruf unserer Zunft bei.

    Das Ende vom Lied lautet dennoch: wem der Markt nicht gefällt, wer damit nicht klar kommt, wer davon nicht anständig leben kann oder wer seine Lebensplanung dadurch bedroht sieht, der soll die Branche, den Beruf oder sein Anspruchsdenken ändern. Bitte!

    Den Markt kann man nicht radikal beeinflussen. Man kann
    – sich Nischen suchen
    – Marketing in eigener Sache betreiben
    – vor allen Dingen lernen, Aufträge auch mal abzulehnen

    Man kann lernen, den Wert seiner Arbeit korrekt einzuschätzen und diesen mit seinen eigenen Bedürfnissen in Einklang bringen. Nicht jede Arbeit eines Designer ist es wert, mit 70-90 € Honorar verrechnet zu werden, auch wenn ich es jedem gönnen würde.

    *Volker Pispers

  3. Ich frage mich immer wenn ich solche Studien lese, wo kommen die Leute unter, wenn Sie “in die Jahre kommen” so mit 40… . Die wechseln dann doch nicht alle den Beruf, oder?

  4. @ Axel
    Einverstanden.
    Kleine Korrektur dennoch: Ein Designer muss nicht zwingend bei Beginn der Selbständigkeit ein Gewerbe anmelden, samt Gewerbeschein etc. Er muss sich lediglich als Freiberufler anmelden beim Finanzamt. (“Erkärung einer freiberuflichen Tätigkeit”) und sich das vom Finanzamt attestieren lassen. Auch nix IHK-Zwangsbeiträge.#

    Nur wenn man gewerblich tätig ist, also nicht-Künstlerisch tätig ist, kauft, weiterverkauft, Leute vermittelt, etc.

    @ Stefan
    Mir geht es gar nicht so sehr um den stellenweise ‘schizzophrenen’ Markt, der mich zur Zeit stört. Der ist doch nichts Neues; die Meldungen und auch der BDG-Report gleichen sich doch von Jahr zu Jahr, gähn.

    Was erzählt mir der BDG-REport aber noch – außer der Botschaft, dass immer weniger immer weniger ordentlich verdienen, dafür ein stabiler Rest doch.

    Das hätte man mal etwas vertiefen können. Fragen wie: In welchen Fachbereichen wird noch verdient, in welchen nicht. Sitzt der Gutverdienende nur durch Zufall in den richtigen Gegend, hat er mehr Vitamin B als andere äh ist besser vernetzt hust, akquiriert der besser oder akquiriert der klugerweise aktiv und die Gerupften nicht, oder ist er in einem lukrativeren Teilbereich wie Kundenmagazine beschäftigt, etc. Und außer der Klage, viel zu viele Absolventen würden ahnungslos auf den Markt gehen bzw. losgelassen.
    Der letzte Punkt ist doch seit Jahren quälend bekannt. (Und geändert hat sich dennoch nichts.)

    Der BDG-Report ist gut designt – keine Frage; hat sicher auch viel Arbeit gemacht, das würdige ich. Wer die Reports von GULP kennt: http://www.gulp.de/kb/tools/gulpometer.html, der weiß aber möglicherweise was noch geht. GULP kümmert sich nicht nur regelmäßig ebenfalls wie der BDG in Reports um die Einkunftssituation seiner Mitglieder sondern in Marktbereichen um die aktuellen Ups and Downs. Und um die Interpretation der Zusammenhänge und die verschiedenen fachlichen Ausrichtungen des Marktgeschehens.

    Ich verlang ja keinen Monatsindex, das ist schon recht luxuriös. Muss nicht.
    Doch beim BDG werden die Fächer zusammengeworfen und die Interpretationen zu monokausal angelegt auf das mangelnde Kalkulationskönnen.

    Nur wenn man die Ursachen wirklich kennt und die sind so gut wie immer multifaktoriell (nicht nur die schlechte Betriebswirtschaft vor allem junger unerfahrener Mitglieder, die hat GULP auch), kann man sich an eine Lösung machen. GULP hat nur den Vorteil, dass die freiberufliche IT-Branche insgesamt besser dasteht, Finanz-Unerfahrene oder Bürokratie-hassende Mitglieder haben sie sicher auch nicht zu knapp

  5. @ Vroni:
    vielen Dank für deinen Beitrag. Genau so hatten wir uns das vorgestellt mit dem Report. Wir wollen die Zahlen liefern und dazu Vorschläge für die Analyse, aber eigentlich wollen wir eine Diskussion anstoßen, warum die Branche so tickt, wie sie gerade tickt.
    GULP ist eine gute Inspiration und liefert wirklich fundierte Daten. Allerdings arbeitet GULP mit ca. 160 festen Mitarbeitern und einer gewinnorientierten GmbH im Hintergrund. Der BDG arbeitet als Verein mit ehrenamtlichen Mitgliedern und ist darauf angewiesen, dass sich jemand bereit erklärt, für den BDG zu arbeiten, so z.B. vonzweidesign aus München, die den Report hervorragend gestaltet haben.
    Wir leben vom Engagement der Designer für ihre Branche, da zähle ich deine meinungsfreudigen Zurufe gerne dazu. Wir sind offen für alle, die sich engagieren wollen und begrüßen jeden, der seinen Hirnschmalz über den eigenen Tellerrand bemühen will. Vielleicht können wir dann auch alle Forderungen, die an uns herangetragen werden, tatsächlich einmal umsetzen.

    @ Stefan #22: Das sehe ich genau so. Der Markt ändert sich nicht von den Auftraggebern her, sondern von den Designern. Das ist das dickere Brett zu bohren, aber das einzige, das wir haben.

  6. Ich finde auch, dass es den Designer nicht schlecht geht. Klar will man mehr verdienen und sieht was in anderen Branchen möglich ist. Aber vergleicht euch doch mal mit anderen Berufen, die deutlich mehr leisten müssen aber noch viel weniger Anerkennung/Gehalt bekommen! Bestes Beispiel ist da immer die Krankenschwester. Ohne sie läuft nix (es ist nicht der Arzt der im Regelfall Leben rettet), ihre “Kunden” sind noch unerträglicher, schlecht bezahlt, Schichtdienst und körperlich harte Arbeit.

    Da nehm ich mir doch im Leben mich als Designer als arme Wurst hinzustellen.
    Mediengestalter oder Azubis, die sind wirklich arm dran in vielen Agenturen. Als Designer hat man da eher noch die Wahl oder Möglichkeiten Forderungen zu stellen (zumindest in vielen Agenturen)—>aus eigener Erfahrung.

    Beste Grüße und ich hoffe natürlich auch, dass es irgendwann wieder etwas mehr Gehalt werden wird.

  7. < 60€, ihr habt mein Mitleid. echt jetzt. ihr Optiker könnt einem echt leid tun. Gruss & schränkt Euch nicht zu sehr ein. Das Leben soll ja trotz Armut ein wenig Spass machen.

  8. ich würd am liebsten wild rumhüpfen, schreien und Euch die 50€Scheine in den Mund designen bis Euch die Muse nicht mehr erreicht. Und ich weiss etliche Berufszweige hinter mir, die was das angeht ähnlich kreative Designideen haben. Schon mal drüber nachgedacht, dass es viele Menschen gibt, die Euren Stundensatz am Tag verdienen? Und dabei produktiveres leisten als irgendwelche Buchstabe ausrichten und CDs zu planen? Nehmt die Kohle, von mir aus, aber beschwert Euch nicht über die Wenigkeit, sondern kauft still und heimlich irgendwelche Dinge die sich sechzig Prozent der Bevölkerung nicht leisten können… Meine Fresse.

  9. Liebe Wutbürger,

    setzt euch erstmal mit den Grundsätzen des selbständigen Einkommenserwerbs auseinander, dann ruft nacheinander einen Möbelschreiner, einen Installateur, einen KFZ Meister und einen Elektriker an, bittet sie um einen Ortstermin und besprecht dort deren Stundensätze – dass alles nur um das (auch mein) Gejammer ins Verhältnis zu setzen.

    Daürberhinaus kann weiss ich nicht wieso ich nicht den Wunsche hegen darf mehr zu verdienen? Ist das verboten? MIt der Realität setze ich mich jeden Tag mehrstündig auseinander, da darf man zwischendrin auch mal nachdenken was es jenseits des Schreibtischkante noch so geben könnte.

    Ich habe einen Beruf, von dem ich wusste dass er mich nicht “reich” macht – aber für das Niveau “Sorgenfrei” bin ich durchaus noch bereit zu streiten. Auch mit Kollegen, die sowieso die einzigen Sind die man hier anspricht, die Auftraggeberseite macht schliesslich sowieso was sie will (oder kann).

  10. Saustark, wie jetzt einzelne Berufsgruppen gegeneinander ausgespielt werden.
    (Gilt für die Postings von dLTexid , Plautze und teilweise von Daniel)

    Es gibt Leute, die merken innerhalb ihres eigenen Tellerrands einfach nicht, wie beruflicher Mittelstand insgesamt im Laufe der Jahre schlechter dasteht und sich dann lieber gegenseitig an die Gurgel gehen, statt zusammenzuhalten. (Vielleicht ist das gegenseitige Zermürben ja auch im Sinne der Erfinder des Downsizings und des Lohndumpings, will aber keine übertrieben paranoiden Theorien zur Diskussion stellen, das lädt gerne Trolls ein.)

    Natürlich sollte eine Krankenschwester, ein junger Assistenzarzt oder ein Busfahrer für das, was sie in zermürbendem Schichtdienst leisten mehr verdienen. Das ist doch gar keine Frage.
    Kein Grund, einem Designer, der leistet und leisten will, als nur zu anspruchsvollen Tagträumer zu veunglimpfen. Ich glaubs ja nicht.

  11. Ich möchte auch meinen Senf hinzufügen und einen neuen oder erweiterten Ansatz ansprechen: Ich bin lange festangestellt gewesen und seit 6 Jahren frei. Ich glaube nicht – wie einige hier – daß sich in Agenturen ein paar Leute die Taschen voll machen und die anderen arm abgespeist werden ( Ausnahmen bestätigen die Regel). Klar verdient die Geschäftsführung mehr, dafür trägt sie (jetzt mal die ganz großen Netzwerkläden ausgenommen) auch die Verantwortung, hat den ganzen Kram aufgebaut und möchte eine Entlohnung dafür haben. Meine Erfahrung mit GFs von Agenturen ist nciht die, daß die megareich sind. Verglichen mit den meisten anderen Branchen arbeiten auch die superviel für das, was sie leisten. Wer immer denkt “die da oben sind die bösen und können gar nichts”, haben meistens sowiso noch nicht verstanden, worum es eigenltich geht. Meiner Ansicht nach sind die immer knapper gehaltenen Budgets der Kunden der Hauptgrund für die ganze Misere. Die unbezahlten Pitches, die mal gerne über 6 Monate laufen und Agenturkosten von etlichen 10.000 € anhäufen, die Budgets in die immer mehr Leistung reingeknallt wird, egal was die Agentur argumentiert.
    Natrülich könnte die Agentur auch sagen (wie sich einige das hier so einfach vorstellen): unbezahlte oder schlecht bezahlte Pitches machen wir nicht. Aber in Zeiten, wo es nur noch Projektgeschäft gibt, auch Agenturen nie kalkulieren können, wie die nächsten Jahre aussehen,
    wo um jede Visistenkarte gepitcht wird, ist es so schwer. Ich seh das jeden Tag, erlebe es auch selber und bin immer wieder geschockt.

    Wenn ich es mir wünschen könnte, dann wäre das hier meine Lösungsidee:

    1.Selektion:
    Es gibt viel zu viele Designer, mindestens die Hälfte ist nicht gut. Das Übermäß versaut die Preise für feste und freie Leute.
    Das gibt es so nicht in Skandinavien oder GB, da ist die “natürliche Auslese” härter, aber auch besser fürs die Berufssparte
    und die Designergebnisse.

    2. Edukation:
    Bessere Bildung der Designer, was ihren wirklichen Wert/Preis angeht (fest sowie frei).
    Zu berechnen aufgrund der Lebenshaltungskosten ABER AUCH AN DER EIGENEN QUALITÄT & BEGEHRLICHKEIT (vor allem für freie).

    3. Agenturen:
    Auch hier gibt es zu viele mittelmäßige/schlechte Läden, die die Preise und das Gestaltungsniveau ruinieren. Auch hier Selektion.
    Vor allem aber: Ich wünschte mir eine übergeordnete Kooperation aller (oder der meisten) Agenturen, sich gemeinsam für folgendes einzusetzen:
    – keine no budget/low budget PItches mehr.
    – adäquate Mitarbeiterbezahlung und – Behandlung
    – bessere Kostenkalkulation
    – bessere Kundenerziehung

    All das funktioniert in so vielen anderen Ländern. Warum nicht auch hier?

    Und an die ganzen branchenfremden Motzkis hier:
    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Schnauze halten.

  12. Hell No!
    So drastisch will ich dir gar nicht widersprechen, da ich deine Aussagen weitestgehend für richtig halte. Allerdings halte ich deinen Wunsch nach einer Auswahl der Designdienstleister nach Qualität für utopisch.
    Das fängt schon beim grundsätzlichen an: Wer bemisst Designqualität? Die Ausbilder? Berufsverbände? Die Auftraggeber? Und nach welchen Kriterien?

    Ich persönlich bin zwar auch der Meinung dass an im Alltag viel zu oft schlechte Designlösungen zu sehen bekommt, aber die Ursachen dafür liegen in meinen Augen bei dem allgemeinen Verständnis von Gestaltung/Design/Ästhetik bei der Auftraggeber/Konsumentenseite.
    Das scheint mir hierzulande nur sehr schwach ausgeprägt zu sein, daher überwiegen bei der Entscheidungsfindung oftmals “harte” Kriterien: der Preis, der Service, die Zuverlässigkeit oder der persönliche Kontakt.
    Wenn die Auftraggeberseite den Unterschied zwischen einem ClipArt aus dem Netz und einem konzeptionell fundierten und erarbeiteten Erscheinungsbild nicht versteht, bzw. den Wert von letzterem nicht nachvollziehen kann, ist es schwer Budgets zu verargumentieren.
    Es geht doch auch “so”…

    Und wenn wir Designer ehrlich sind, müssen wir zugeben, es geht ja auch “so”. Nur eben nicht so gut, aber das “gut” steht bei allzu vielen nicht so hoch im Kurs…(Aber Apple-sachen und so finden ja alle super)

  13. Die hier diskutierte Problematik ist doch exemplarisch für eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Das wirklich dramatische ist die Entkoppelung von „Leistung“ und „fiananzieller Teilhabe“. Daß diejenigen, die die eigentliche Leistung auch bringen auch die finanziellen Profiteure sind, ist inzwischen eher die Ausnahme. Das darf auch nicht verwundern angesichts der Tasache, daß inzwischen über 90% aller finanziellen Transaktionen bar jeglichen realwirtschaftlichen Hintergrundes und also rein spekulativ sind. Das Kapital kumuliert in immer weniger Hände und diejenigen, die damit rumjonglieren haben sich in eine erpresserische Machtposition gehieft. Wir werden nicht umhinkommen dafür einzutreten, daß gesellschaftlich sinnvolle Leistung und finanzelle Teilhabe wieder in eine venünftige Balance gerät.

  14. @ Jürgen
    Word!

    Die Clipartherits – vor kurzem nur bei Privatauftraggebern und Kleinkunden daheim – hat sich endemisch ausgebreitet. Motto: “Es geht auch so”.
    Zusätzlich ist eine grassierende Apple-Mania dazugekommen: Fast alles muss so aussehen wie die Apple-Site und die Apple-Produkte. Wurstegal, ob es wirklich zum konkreten Angebot passt. Passt halt oft nicht und wird zur optischen Eyecandy-Massenware. Welche natürlich ‘jeder’ hinkriegt: puristisch, Helvetika. Färtisch. Kann auch meine Katze.

    Ist das in anderen Nationen auch so? Irgendein spanischer oder niederländischer Designer am Lesen hier?

  15. Stimme “Hell Yeah” (#33) nicht in allem zu, besonders was die “Selektion” angeht, aber gerade der letzte Punkt ist entscheidend.

    3. Agenturen:
    – keine no budget/low budget PItches mehr.
    – adäquate Mitarbeiterbezahlung und – Behandlung
    – bessere Kostenkalkulation
    – bessere Kundenerziehung

    Würden das alle flächendeckend so handhaben und sich untereinander absprechen bzw. darauf verständigen, wäre schon sehr viel für die Branche getan. Da wärs mir auch schon fast egal, ob man später wirklich mehr verdient, Hauptsache diese unbezahlten Pitches und Mitarbeiterausbeutung hat ein Ende.

  16. Jan,
    Zustimmung.
    Bessere Kalkulation, adäquatere Mitarbeiterbezahlung, ja sogar unbezahlte Pitches nicht nur meiden sondern gar nicht machen, ist alles machbar. Ich frage mich ebenfalls, warum man da nicht endlich gemeinsam an einem Strang zieht, besonders bei den Pitches.

    Den Kunden erziehen, das halte ich für schwieriger. Nicht für gänzlich unmöglich, doch es setzt den Willen auf beiden Seiten voraus, länger miteinander zu können und sich für bessere Ergebnisse zusammen zu ‘raufen’.

    Die Tendenz bei der Vergabe: immer mehr Einzelprojekte (ja sogar Pitches um kleine Einzelprojekte) und immer weniger dauerhafte Aufgaben arbeitet dem zusätzlich entgegen. Bei Einzelprojektkundschaft schwinden die Chancen auf den doch eine gewisse Zeit brauchenden Prozess ‘Erziehung’ gegen Null.

    Gleich zu Beginn des Kontakts/der Arbeiten einen verbindlichen Kontext setzen wäre eine vernünftige Lösung und enthebt einen der mühsamen Missionierung.

    Die oft auch von wenig Erfolg gekrönt ist, denn wer lässt sich schon gerne missionieren und welcher Designer hat noch Zeit, seine Kunden zu christianisieren. Kontextuieren bedeutet: Zusammenhang herstellen, rasch und verbindlich. Von Anfang an aufzeigen, an was man glaubt und wie man zusammenarbeiten möchte und wie nicht.

    Zur Zeit übernimmt das Kontextuieren oft der Kunde. Er ist einfach schneller (und auch sonst ein flüchtiges Wesen ^^). Und das geht dann so (überspitzt, aber nicht ganz unwahr): “Entweder du machst, was wir wollen und hältst ansonsten die Fresse, oder wir sind weg. Und was wir wollen, wissen wir zwar noch gar nicht genau. Also lege vor, bis dein Arm weh tut. Sonst macht es ein anderer.” Wer das dann als Designer mit seinem eigenen Kontextuieren erwidert, erntet in der milden Form dieses Machtspiels ein Grinsen, in der mittelschweren Form dieses Machtspiels Entrüstung, in der harten Form harsche Ablehnung bis Aggression.

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