Das Spezialeinsatzkommando des Königreiches Sachsen

Spezialeinsatzkommando Königreich Sachsen

Eine Stickerei auf den Sitzen des neuen Spezialfahrzeuges der Polizei Sachsen sorgt seit dem Wochenende für Aufregung. Zahlreiche User auf Twitter und Facebook assoziieren mit der Stickerei Abzeichen, wie sie im Dritten Reich von den Nazis verwendet wurden. Einmal mehr wird klar: Zeichen erzählen Geschichten und sind weit mehr als bloße Dekoration. Ein Kommentar.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Kurz nach der Präsentation des neuen Spezialeinsatzkommando-Panzerwagens sieht sich die sächsische Polizei der Kritik von Seiten der Netz-Community ausgesetzt. Aufgrund der Formgebung und der verwendeten Schriftart weckt das Logo des Spezialeinsatzkommandos Sachsen bei vielen Betrachtern Assoziationen zum Dritten Reich. Die Polizei Sachsen weist die Vorwürfe, mit dem Logo solle Nähe zum Nationalsozialismus gezeigt werden, entschieden zurück.

Es geht um dieses Spezialfahrzeug:

Und so sieht die Stickerei auf den Sitzen aus:

Polizei Sachsen SEK Stickerei

Für viele User ist klar, dass hier eine Art Nazi-Symbolik zur Anwendung kommt. Viele andere Menschen hingegen sehen in der Darstellung keinerlei Problem. Wer gezielt danach Ausschau halte, so ihre Gegenkritik, könne in allem und jedem Nazi-Symbole erkennen. Ein häufig vorgebrachter Einwand, der im Grunde jeglicher differenzierten Betrachtungsweise den Nährboden entzieht. Wer in einem solchen Zeichen Nazi-Symbolik erkenne, so ein weiterer ziemlich plumper Einwand, solle sich mal Gedanken hinsichtlich der eigenen Gesinnung machen. Um den geschichtlichen Bezug herleiten zu können, muss man sich zunächst einmal mit der Geschichte befasst haben. Tut man dies, wird man recht schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass bestimmte Symbole, Zeichen und Anmutungen fest mit geschichtlichen Ereignissen verknüpft sind und somit bestimmte Assoziationen wecken. Assoziationen, aufgrund derer kürzlich auch der kirchliche Radiosender Domradio in die Kritik geraten ist.

Von der Polizei Sachsen heißt es zur Entstehungsgeschichte des Stickerei-Emblems, es sei im Rahmen des Aufbaus des SEK Sachsen von der Polizei Baden-Württemberg übernommen worden. Das verwendete Emblem sei seit Gründung des SEK Sachsen im Jahr 1991 unverändert. Gleichwohl gab man zu, die Vorlage entspräche nicht dem Markenhandbuch. Man werde die aktuelle öffentliche Diskussion zum Anlass nehmen, die Verwendung des Logos in dieser Form kritisch zu prüfen. Gut so. Kritische Fragen und Einwände wurden und werden von einem, so mein Eindruck, engagierten Social-Media-Manager bereitwillig beantwortet. Auch das ist lobenswert.

Dass das Emblem seit Jahren unverändert sei, ist allerdings de facto falsch, wie sich beispielsweise anhand einer SEK-Vorführung im Jahre 2011 leicht überprüfen lässt, wo auf den Uniformen der SEK-Beamten ein anderes Logo zu sehen ist. Es handelt sich hierbei um das folgende Abzeichen:

Polizei Sachsen SEK Emblem

Wenn das oben abgebildete Abzeichen auf den Uniformen der SEK-Beamten prangt, warum dann nicht auch auf den Sitzpolstern des Fahrzeugs? Denn man fragt sich schon, wie es zu solch einem gestickten Sonderlogo samt gebrochener Schrift kommen konnte, auch weil es keinerlei Verbindung zum sonstigen Erscheinungsbild der Polizei Sachsen aufweist. Gestalterische Freiheit? Gerade hier dürfte es diese nicht geben.

Was die Frage aufwirft, wie denn ein Markenhandbuch-konformes Signet eigentlich aussehen müsste/könnte. Folgt man den Gestaltungsvorgaben zum Erscheinungsbild des Freistaates Sachsen (siehe CD-Manual-Sammlung), sähe das in etwa so aus:

Polizei Sachsen SEK (Logoentwurf)

Polizei Sachsen SEK (freier Logoentwurf)

Das sieht freilich weniger schmissig aus als das selbst ersonnene Stickerei-Emblem, das heroisch wirkt und aufgrund der verwendeten Insignien (Lorbeerkranz, Löwen, Krone und Adlerschwingen) Siegesgewissheit signalisiert. Bei der hierbei im Schriftzug verwendeten Schrift handelt es sich übrigens um die Old English, einer vom britischen Schriftgestalter William Caslon bereits 1760 gezeichneten Schrift. Sie zählt zu der Gruppe der gebrochenen Schriften. Die Nationalsozialisten hatten in ihrer Schriftpolitik gebrochene Schriften zunächst zur „Normalschrift“ erklärt, um schließlich 1941 die Abkehr von der von den Nazis als „Judenschrift“ titulierten Schwabacher – in Verkehrung der tatsächlichen Entwicklung dieser Schrift – zu vollziehen. Auf gebrochene Schriften folgte die Antiqua-Schrift. Gebrochenen Schriften als Nazi-Schriften zu bezeichnen, ist, da diese seit dem Mittelalter verwendet werden, falsch. Richtig ist, dass die Nationalsozialisten mit gebrochenen Schriften ihre Propaganda betrieben haben. Dieser Eindruck hat sich in den Köpfen der Menschen, über Generationen hinweg, eingeprägt.

Mit diesem Erbe gilt es als Gestalter verantwortungsvoll umzugehen, was keineswegs heißt, man dürfe oder solle keine gebrochenen Schriften verwenden. Wenn eine urige Gaststätte im Erzgebirge – oder im Schwarzwald – eine gebrochene Schrift auf dem Schild nutzt, um damit möglicherweise eine traditionelle Gastronomie zu betonen, ist das etwas völlig anderes als wenn eine solche Schrift als Erkennungszeichen einer staatlichen Einrichtung fungiert. Zumal, wie die Verantwortlichen auf Seiten der Polizei eingestanden haben, die Gestaltung losgelöst vom sonstigen Erscheinungsbild des Freistaates Sachsen ist. Würde sich der Freistaat Sachsen eine Fraktur als Hausschrift zulegen, um damit Broschüren und Dokumente auszustatten, gäbe es ganz sicherlich großen Protest. Insofern ist auch in diesem Fall, da sich das SEK der Polizei damit schmückt, der Protest verständlich und, wie ich meine, berechtigt.

Dass es sich bei dem Stickerei-Emblem um ein höchst fragwürdiges Zeichen handelt, lässt sich an einem weiteren Merkmal erkennen: denn anstelle des offiziellen Landeswappens Sachsen ist in der Stickerei das Wappen des Königreiches Sachsen dargestellt, was den Eindruck vermittelt, man nehme es bei der Polizei Sachsen mit geschichtlichen Zusammenhängen eben nicht so genau. Ein Vorwurf, der vor dem Hintergrund einer seit Jahren immer stärker geführten Rechtsradikalismusdebatte in Sachsen besonders schwer wiegt. Wer in dem Stickerei-Emblem nur den dekorativen Charakter nicht aber die symbolische Bedeutung erkennt, sollte noch einmal genauer hinsehen*. Insofern war die Polizei Sachsen gut beraten, das Thema nicht zu bagatellisieren. Nun sollte man handeln und das Fahrzeug zur Revision zum Hersteller Rheinmetall schicken.

* Als Anregung hierzu sei das Buch Das Erscheinungsbild der Nationalsozialisten von Andreas Koop genannt.

Update 18:36: Vor wenigen Minuten meldet das LKA Sachsen:

75 Kommentare zu “Das Spezialeinsatzkommando des Königreiches Sachsen

  1. Ach Gottchen! Ist schon armseelig, wenn man sich wegen jeder gebrochenen Schriftart aufregt.
    Was so in unseren (westdeutschen) Großstädten abgeht, ist wohl nicht so schlimm?!

    • Schammhaar oder Kharma oder Gnade der späten Geburt? Es wird sich nicht wegen einer Fraktur aufgeregt, sondern über die Zusammenhänge.

  2. So ein hochgeschaukel wegen eines Logos.
    Wenn die Leute nichts besseres zu tun haben und überall nur Dinge sehen was nach Nazisymbolik aussehen KÖNNTE, na dann Gute Nacht.
    Für mich völliger Blödsinn.
    Da müsste man ja bei der Bundeswehr genauso gewisse Zeichen an der Technik und Uniformen infrage stellen.
    Nicht das ich jetzt auch noch Nazi sein soll, nur weil ich dieses Logo nicht anprangere.

    • 1. Es „könnte“ nicht nur, es ist „Nazisymbolik“, zumindest „Neonazi“-Symbolik. Quelle: T-Shirt Prints auf jedem beliebigen Rechtsrockkonzert…
      2. Die Polizei ist eben kein Militär – soweit kommts noch…

  3. Im Gegensatz zu dem Dreiecksvorwurf (der total lächerlich ist), sehe ich hier die Kritik schon gerechtfertigt, da es optisch und thematisch in die entsprechende Richtung geht und evtl. auch gehen soll. Hier hat man also eine Schnittmenge beim Thema, im Gegensatz zum kirchlichen Radiosender. Man hat so zwar nichts falsches gemacht, die Darstellung ist aber schon eher unpassend und unglücklich gewählt, gerade noch für ne Abteilung aus Sachsen.

    Außerdem sind Abzeichen und Schrift (gerade Frakturschrift) was ganz anderes als geometrische Grundformen wie ein Dreieck.

    • Und wieder wird „klein bei“ gegeben.
      Zeitgemäß würde ich behaupten, das Logo müsse ein rosa farbenes Einhorn sein, aber da gäbe es sicher auch wieder Diskussionen darüber.

      • So ein Blödsinn, man fragt sich bei solchen Kommentaren wirklich, was Dich auf diese Seite verschlagen hat, ist bei RTL2 Sendeschluss? Augenscheinlich ist Dir das nicht bewusst, aber Rücksichtnahme, Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft sind kein Zeichen von Schwäche sonder von Zivilisiertheit.

  4. Diese Verachtung gegenüber Allem aus der Zeit des NS Regimes wächst von Tag zu Tag. Es ist richtig über die Gräueltaten zu berichten, aber jede andere Facette dieser Zeit wird leider genauso verteufelt. Am besten sollte sich jeder, der sich hier empört und deutsche Vorfahren hat, tagtäglich und für einige Stunden geißeln; der 2. Weltkrieg ist zwar nicht Eure Schuld, aber ihr habt vermutlich stärkere Verbindungen zu dieser Zeit als die Bestandteile dieses Logos. Los, gebt Euch, gebt Euch hart.

    • „Es ist richtig über die Gräueltaten zu berichten, aber jede andere Facette dieser Zeit wird leider genauso verteufelt.“ – Na was denn: die schicken Uniformen und die Autobahnen und dass es keine Arbeitslosen gab und man zusammengehalten hat? OMG

    • Genau!
      War nicht alles schlecht im Reich! Es gab Geschäfte, Wochenmärkte, Kinos, Arbeit, immer was leckeres zu Essen und alle wurden mit Respekt behandelt.
      Außer halt Juden, Sinti & Roma, Schwule, Behinderte, Kommunisten, Sozialisten, Geistliche, Menschen die versucht haben, Verfolgten zu helfen.

      Genau solche Facetten wie ein Logo mit NS-Anmutung bei einem deutschen Sondereinsatzkommando müssen öffentlich diskutiert und verteufelt werden. Nazi-Symbolik gehört fest zum Nationalsozialismus und sie in unserer heutigen Zeit nicht zu geißeln bedeutet, die Zeit des Nationalsozialismus ein Stückweit zu relativieren und zu normalisieren.

    • Welche Facette des Lebens im Dritten Reich, die im Zusammenhang mit NS-Symbolik steht hättest Du denn gerne von der Verteufelung ausgeklammert? „Kraft durch Freude“, die Hitlerjugend, die Autobahnen, die „Vollbeschäftigung, die billigen Wohnungen (von denen es auf Grund der Deportationen ja reichlich gab)? Falls es da tatsächlich etwas gegeben haben sollte, würde ich mich über eine Antwort freuen, ansonsten war das wohl nur der übliche Geschichtsrevisionismus der neuen Rechten.

  5. Wann hört eigentlich mal dieser linksgedraller Müll auf. Schaut in die Geschichte Links/kommunistisch oder Sozialistisch geführte Epochen oder Länder nach. Die nehmen sich nicht viel mit dem Nazionalsozialimus! Und übrigens entspring der Nazionalsozialimus na woher aus dem Sozialismus. Und wie sich eine Staatsform entwickelt richtet sich nach dem Regierungapperat und dem Interesse der Wirtschaftsriesen. Geschichte sollte objektiv belesen werden und jedem getöteten gedacht werden.

    • Die anseren sind auch nicht beser, ist kein Argument! Die Polizei soll auch keine Stasi-Methoden anwenden oder Stickereien mit Hammer und Sichel verwenden.
      Der Staat muss sich gegen demokratiefeindliche Tendenzen wehren und sollte bei seinen eigenen Institutionen besonders scharf kontrollieren. Und mit der Staat meine ich auch uns Bürger.

    • Mal wieder ein schönes Beispiel für „Whataboutism“ („ja, mag sein, aber was ist mit…“). Und überhaupt: was zum Teufel ist linksgedraller Müll? Na, dann mal ran an’s objektive Belesen!

      Ach was schreib‘ ich…ist eh‘ für die Katz.

  6. Vergessen wir mal auch die jüngere Geschichte nicht – hier zu nennen wären die Gruppe Freital, die Anti-Antifa sowie Blood & Honour oder andere rechte Netzwerke (genauer gesagt, deren Symbole und deren Gestaltungsempfinden). Es ist zwar richtig, dass die Fraktur im dritten Reich als „Judenschrift“ verschrien war, aber das hält ja die heutigen Nazis nicht davon ab, diese als Erkennungszeichen trotudem zu verwenden. Bekanntlich nehmen die es mit der Geschichte ja nicht so genau. Diese haben alleine am „traditionell“ anmutenden Schriftbild Gefallen gefunden, zumal bei den neuen Rechten, wie den Identitären oder anderen Nazi-Hipstern, ja gerne mal der Bezug zum dritten Reich geleugnet wird und durch eine postulierte „deutsche“ oder sogar „germanische“ Identität ersetzt wird. Freilich sollte man dabei bedenken, dass das Kalkül ist, schließlich lässt sich schlecht Werbung für eine Bewegung mit dem Holocaust oder offen kommunizierter, grundloser Gewalt machen. Aber jemanden langsam an das von Hass zerfressene rechte Weltbild heranzuführen, über den Umweg „Verlust der Heimat“, diverse Feindbilder, „wir-gegen-die“-Attitüde, „Werte“, vor allem aber Ängste, das funktioniert.

    Gerade deshalb, weil sich die Nazis heute so viel Mühe geben, angeblich andere Menschen als damals zu sein, sollte man weder die Gefahr von rechts unterschätzen noch ihnen Dummheit unterstellen. Etwas zynisch könnte man sagen, dass die rechte Attitüde heutzutage einem Rebranding unterzogen wird.
    Das lässt sich übrigens sogar am vorher erwähnten Logo der Identitären nachvollziehen, das direkt an das Wappen der Spartaner im Kampf mit den Persern angelehnt ist. Kann sich noch jemand an die Vorwürfe an Frank Miller erinnern, der ja bekanntlich den Comic, der als Vorlage für „300“ diente, gezeichnet hat? Damals hieß es bereits, der Film hat eine leicht rechts anmutende Botschaft von genetischer Reinheit, zumal der Verräter ausgerechnet als Buckliger, ja sogar Kranker dargestellt wurde. Ein gesunder Geist wohnt schließlich in einem gesunden Körper. Diese Diskussion erscheint heute absurd, weil fast artifiziell, dabei hat sie meiner Meinung nach damals wie heute ihre Berechtigung. Das ist nur ein weiterer Beleg für die Situation des Frosches im Kochtopf, in der sich auch unser Land befindet, dass solch eine Auseinandersetzung mit derart kleinteiligen Details gar nicht mehr wirklich stattfindet. Ob man jetzt in diesem Film etwas Rechtes entdecken mag, sei an dieser Stelle mal offen gelassen, wichtig ist mir persönlich eher, dass es zumindest die kritische Betrachtungsweise gab. Aber sicher ist, dass der große Erfolg des Films damals das martialische Männerbild, das dort gezeigt wird, eben auch die moderne Wahrnehmung von „spartanischer Ehre“, etc. geprägt hat. Popkultur ist nunmal wichtig und besitzt durch die enorme Exposition eine schier unbändige Kraft, gewisse Symbole, Wörter und Ideen mit Assoziationen aufzuladen. Woran würden die Leser wohl denken, wenn ich ein rotes V in einen Kreis zeichnen würde? Aus dem gleichen Film stammt bekanntermaßen die Maske der Anonymous-Bewegung.
    Sieht man sich dann ergänzend noch an, aus welchem Erdteil die Perser stammen (und welcher Religion sie angehörten), wird schon ziemlich deutlich, dass auch ein Lambda nicht einfach nur ein Kreis und ein Winkel ist, und die Identitären sicher auch keine harmlosen „300“-Fans sind. Die von der Identitären geforderte „Reconquista“ ist ganz linientreu ebenfalls eine krude Anleihe aus der Geschichte, sogar zurückgehend bis 1492, als die Spanier die Mauren vertrieben.

    Alles in allem muss man sagen, dass die Argumentation mit dem Geschichtsbuch hier zwar notwendig ist, aber sicherlich nicht die einzige Komponente zur Deutung der von Rechten verwendeter Zeichen. Gerade die vermeintlichen Widersprüche sind es, die ihnen den Schutz bieten, sowas trotz Empörung nach außen als „harmlos“ zu verteidigen, weil es eben nicht ganz das ist, was damals wirklich verwendet wurde oder worden wäre. Und in dieser scheinbar „harmlosen“ Provokation steckt das Gift: Teenager WOLLEN und MÜSSEN provozieren, um ihre Grenzen kennenzulernen. Wer hat nicht mal Punk-Musik gehört und „Arbeit ist scheiße“ gebrüllt, als er jung war? Nur um zu sehen, was passiert und wie weit man kommt? Selbstwirksamkeit und Konsequenzen sind die Kernthemen des Heranwachsenden. Gerade hier kann man die Jugend also super abholen, die viel Idealismus und Kraft, aber wenig gefestigte Ideen und Charakter besitzt. Eine holistische Ideologie, die den Zugriff auf Frauen, Arbeit und ein Land „wie aus der Kindheit“ (ob wahr oder nicht) verheißt, das klingt doch verführerisch, wo Armut grassiert und Perspektivlosigkeit zur vorherrschenden Weltauffassung avanciert.

    Rechts sein bedeutet in einer globalisierten Welt, in der das Internet etabliert ist und wir es gewohnt sind, die Geschehnisse aus den entlegensten Winkeln mitzubekommen, dass die Identität ebenfalls neu erfunden werden muss. Nationalismus ist einfach, ich gehöre dazu, du nicht, steht ja in meinem Pass. Wie funktioniert das, wenn wir alle vernetzt sind? Indem man es auf den KGN ein Level darüber hievt. Die „weiße Identität“, die man dann einfach annimmt. Problem gelöst, Lösung einfach, schon kann sich der Herr Wilders mit der Frau Le Pen treffen, ohne dass das jemand in der Zielgruppe sauer aufstößt, was bei purem Nationalismus auch nicht so ohne Weiteres ginge.

    Wäre es das Ziel, alles genauso zu machen, wie es im dritten Reich üblich war, würden heute nicht weltweit rechte Netzwerke entstehen und Ukrainier, Russen und Amerikaner gleichermaßen den Hitlergruß zeigen. Bleibt wachsam und haltet eure Augen auf, die Manipulation ist alles andere als dumm, alles geschieht langsam und über eine lange Zeit, damit der öffentliche Diskurs möglichst erlahmt! Schließlich hat kaum jemand, dem diese Ideologie nicht schmeckt, die Kraft und den Willen, sich ausreichend mit den ständig im Wandel befindlichen Strömungen und Ideen Schritt zu halten. Das ist leider Teil des Kalküls, genauso wie es das Abstreiten von bösen Absichten ist. Was übrigens später sogar verinnerlicht und gelebt wird – every villain is a hero in his own mind.

    Und das ist der Grund, aus dem ich verlange, dass man in einer staatlichen Behörde von vorne herein alles genau kontrolliert und steuert, sodass es gar nicht zu derlei Unschärfen kommen kann.
    Es gewinnt niemand außer der rechten Bewegung an derlei Sperenzchen.
    Also selbst, wenn nicht alles darauf hindeutet, dass hier rechte Ideologie im Spiel war, sollten sich alle Verantwortlichen einfach nur schämen.

    • <3 Respekt! Genau so sehe ich das auch. Es bringt nur Hitze und kein Licht. Alleine dass sich alter Riten bedient werden muss, zeigt, dass es keinen intellektuellen Antrieb gibt, denn sonst würde man sich ja vorwärts bewegen und nicht zurück.
      Ich würde gerne mehr von Dir lesen. Schreibst Du irgendwo?

    • Vielen Dank! Ich fühle mich geehrt, sowohl von eurem Zuspruch, als auch von der Auszeichnung! :)
      @Steffi: Es freut mich sehr, dass Du gerne mehr von mir lesen würdest, leider habe ich bisher aber keinen Blog gestartet. Du hast mir aber Mut gemacht, mich mal mit dem Gedanken zu befassen!

  7. Da keiner der vorherigen Kommentatoren das erwähnt hat: Fraktur ist gerade IN in den USA, bei jungen Designern, ja kommt sogar bei Kanye Wests Pullovern vor (und bei Kalligrafie-Liebhabern auf Instagram und Pinterest).

    Wenn man das berücksichtigt kann man auch zu dem Schluß kommen, dass die Gestalter dieser Stickereien möglicherweise dachten es sei okay die Fraktur aus der Schublade zu holen und zu verwenden. Leider wurde eben nicht berücksichtigt, dass das in Deutschland jedem Bürger auffallen würde – und natürlich den Designern.

      • Das empfinde ich, ehrlich gesagt, als ok.

        Bin selber Griechin, aber in Deutschland aufgewachsen. Ich finde die Selbstreflexion bezüglich der Kriegsgeschichten sehr aufgeklärt. Auch wenn es sogar mir manchmal aus den Ohren raushängt. Eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte finde ich wichtig, damit man nicht die selben Fehler wiederholt.
        Diese Art der Selbstreflexion könnte sich das ein oder andere Land mal abschauen, anstatt selbstverliebt oder verklärt auf die Vergangenheit und das eigene Verhalten zu schauen.

        Kurz bezüglich Fraktur+Design:
        Ich denke es gibt heutzutage Möglichkeiten das zu verwenden ohne dass es negativ empfunden wird, aber eben nicht im politischen Kontext.

      • Nein – Deutschland ist ein Land mit massiven Problemen in seiner Historie, die auch nach so langer Zeit nicht zu lösen sind. Und die Sensibilierung und das Wissen darum, ist besser in vielen Köpfen verteilt! Wenn staatliche Organe sich nach gar nicht so langer Zeit mit einer solchen Symbolik schmücken und sich auch noch nicht mal schuldig fühlen, ist es eben eine Thematik, die an die Öffentlichkeit gehört.

  8. Mann sollte heutzutage froh sein wenn Leute wie es das Sek gibt die immer mehr gebraucht werden und nicht über Stickereien sich aufzuregen wenn es hart auf hart kommt seit ihr froh wenn sie da sind und die Jungs können stolz auf ihr Zeichen sein

  9. Nur mal so am Rande gefragt: warum muss der Sitz eines Panzerwagens bestickt werden? Gehörte das zur Standardausstattung des Herstellers oder stand es auf der Aufpreisliste?

    Hat jemand von euch ein gesticktes Firmenlogo auf seinen Bürostuhl oder hat das schon mal jemand auf Bürostühlen in Finanzämtern oder anderen Behörden gesehen?

    Hat sich der Bund der Steuerzahler in dieser Diskussion eigentlich schon zu Wort gemeldet?

    • Laut offizieller Meldung konnten die Sitze wohl „kostenneutral“ mit einem frei gewählten Motiv ausgestattet werden und man hatte sich dazu entschieden das Angebot anzunehmen. In Verbindung mit der Identifikation mit der eigenen Truppe und der damit verbundene Stolz auf die Leistung (Spezialeinsatzkraft kann nun mal auch nicht jeder werden) finde ich eine Bestickung okay. Man könnte sonst wohl auch in Frage stellen warum es noch einzelne Wappen/Logos/Embleme in der Bundeswehr usw. gibt. Stärkt eben durch das Aufzeigen einer Zugehörigkeit den Zusammenhalt in der Truppe. Ich hätte wohl aber eher den Hersteller bei Nichtnutzung des Angebots um einen Preisnachlass gebeten…

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