Das Spezialeinsatzkommando des Königreiches Sachsen

Spezialeinsatzkommando Königreich Sachsen

Eine Stickerei auf den Sitzen des neuen Spezialfahrzeuges der Polizei Sachsen sorgt seit dem Wochenende für Aufregung. Zahlreiche User auf Twitter und Facebook assoziieren mit der Stickerei Abzeichen, wie sie im Dritten Reich von den Nazis verwendet wurden. Einmal mehr wird klar: Zeichen erzählen Geschichten und sind weit mehr als bloße Dekoration. Ein Kommentar.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Kurz nach der Präsentation des neuen Spezialeinsatzkommando-Panzerwagens sieht sich die sächsische Polizei der Kritik von Seiten der Netz-Community ausgesetzt. Aufgrund der Formgebung und der verwendeten Schriftart weckt das Logo des Spezialeinsatzkommandos Sachsen bei vielen Betrachtern Assoziationen zum Dritten Reich. Die Polizei Sachsen weist die Vorwürfe, mit dem Logo solle Nähe zum Nationalsozialismus gezeigt werden, entschieden zurück.

Es geht um dieses Spezialfahrzeug:

Und so sieht die Stickerei auf den Sitzen aus:

Polizei Sachsen SEK Stickerei

Für viele User ist klar, dass hier eine Art Nazi-Symbolik zur Anwendung kommt. Viele andere Menschen hingegen sehen in der Darstellung keinerlei Problem. Wer gezielt danach Ausschau halte, so ihre Gegenkritik, könne in allem und jedem Nazi-Symbole erkennen. Ein häufig vorgebrachter Einwand, der im Grunde jeglicher differenzierten Betrachtungsweise den Nährboden entzieht. Wer in einem solchen Zeichen Nazi-Symbolik erkenne, so ein weiterer ziemlich plumper Einwand, solle sich mal Gedanken hinsichtlich der eigenen Gesinnung machen. Um den geschichtlichen Bezug herleiten zu können, muss man sich zunächst einmal mit der Geschichte befasst haben. Tut man dies, wird man recht schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass bestimmte Symbole, Zeichen und Anmutungen fest mit geschichtlichen Ereignissen verknüpft sind und somit bestimmte Assoziationen wecken. Assoziationen, aufgrund derer kürzlich auch der kirchliche Radiosender Domradio in die Kritik geraten ist.

Von der Polizei Sachsen heißt es zur Entstehungsgeschichte des Stickerei-Emblems, es sei im Rahmen des Aufbaus des SEK Sachsen von der Polizei Baden-Württemberg übernommen worden. Das verwendete Emblem sei seit Gründung des SEK Sachsen im Jahr 1991 unverändert. Gleichwohl gab man zu, die Vorlage entspräche nicht dem Markenhandbuch. Man werde die aktuelle öffentliche Diskussion zum Anlass nehmen, die Verwendung des Logos in dieser Form kritisch zu prüfen. Gut so. Kritische Fragen und Einwände wurden und werden von einem, so mein Eindruck, engagierten Social-Media-Manager bereitwillig beantwortet. Auch das ist lobenswert.

Dass das Emblem seit Jahren unverändert sei, ist allerdings de facto falsch, wie sich beispielsweise anhand einer SEK-Vorführung im Jahre 2011 leicht überprüfen lässt, wo auf den Uniformen der SEK-Beamten ein anderes Logo zu sehen ist. Es handelt sich hierbei um das folgende Abzeichen:

Polizei Sachsen SEK Emblem

Wenn das oben abgebildete Abzeichen auf den Uniformen der SEK-Beamten prangt, warum dann nicht auch auf den Sitzpolstern des Fahrzeugs? Denn man fragt sich schon, wie es zu solch einem gestickten Sonderlogo samt gebrochener Schrift kommen konnte, auch weil es keinerlei Verbindung zum sonstigen Erscheinungsbild der Polizei Sachsen aufweist. Gestalterische Freiheit? Gerade hier dürfte es diese nicht geben.

Was die Frage aufwirft, wie denn ein Markenhandbuch-konformes Signet eigentlich aussehen müsste/könnte. Folgt man den Gestaltungsvorgaben zum Erscheinungsbild des Freistaates Sachsen (siehe CD-Manual-Sammlung), sähe das in etwa so aus:

Polizei Sachsen SEK (Logoentwurf)

Polizei Sachsen SEK (freier Logoentwurf)

Das sieht freilich weniger schmissig aus als das selbst ersonnene Stickerei-Emblem, das heroisch wirkt und aufgrund der verwendeten Insignien (Lorbeerkranz, Löwen, Krone und Adlerschwingen) Siegesgewissheit signalisiert. Bei der hierbei im Schriftzug verwendeten Schrift handelt es sich übrigens um die Old English, einer vom britischen Schriftgestalter William Caslon bereits 1760 gezeichneten Schrift. Sie zählt zu der Gruppe der gebrochenen Schriften. Die Nationalsozialisten hatten in ihrer Schriftpolitik gebrochene Schriften zunächst zur „Normalschrift“ erklärt, um schließlich 1941 die Abkehr von der von den Nazis als „Judenschrift“ titulierten Schwabacher – in Verkehrung der tatsächlichen Entwicklung dieser Schrift – zu vollziehen. Auf gebrochene Schriften folgte die Antiqua-Schrift. Gebrochenen Schriften als Nazi-Schriften zu bezeichnen, ist, da diese seit dem Mittelalter verwendet werden, falsch. Richtig ist, dass die Nationalsozialisten mit gebrochenen Schriften ihre Propaganda betrieben haben. Dieser Eindruck hat sich in den Köpfen der Menschen, über Generationen hinweg, eingeprägt.

Mit diesem Erbe gilt es als Gestalter verantwortungsvoll umzugehen, was keineswegs heißt, man dürfe oder solle keine gebrochenen Schriften verwenden. Wenn eine urige Gaststätte im Erzgebirge – oder im Schwarzwald – eine gebrochene Schrift auf dem Schild nutzt, um damit möglicherweise eine traditionelle Gastronomie zu betonen, ist das etwas völlig anderes als wenn eine solche Schrift als Erkennungszeichen einer staatlichen Einrichtung fungiert. Zumal, wie die Verantwortlichen auf Seiten der Polizei eingestanden haben, die Gestaltung losgelöst vom sonstigen Erscheinungsbild des Freistaates Sachsen ist. Würde sich der Freistaat Sachsen eine Fraktur als Hausschrift zulegen, um damit Broschüren und Dokumente auszustatten, gäbe es ganz sicherlich großen Protest. Insofern ist auch in diesem Fall, da sich das SEK der Polizei damit schmückt, der Protest verständlich und, wie ich meine, berechtigt.

Dass es sich bei dem Stickerei-Emblem um ein höchst fragwürdiges Zeichen handelt, lässt sich an einem weiteren Merkmal erkennen: denn anstelle des offiziellen Landeswappens Sachsen ist in der Stickerei das Wappen des Königreiches Sachsen dargestellt, was den Eindruck vermittelt, man nehme es bei der Polizei Sachsen mit geschichtlichen Zusammenhängen eben nicht so genau. Ein Vorwurf, der vor dem Hintergrund einer seit Jahren immer stärker geführten Rechtsradikalismusdebatte in Sachsen besonders schwer wiegt. Wer in dem Stickerei-Emblem nur den dekorativen Charakter nicht aber die symbolische Bedeutung erkennt, sollte noch einmal genauer hinsehen*. Insofern war die Polizei Sachsen gut beraten, das Thema nicht zu bagatellisieren. Nun sollte man handeln und das Fahrzeug zur Revision zum Hersteller Rheinmetall schicken.

* Als Anregung hierzu sei das Buch Das Erscheinungsbild der Nationalsozialisten von Andreas Koop genannt.

Update 18:36: Vor wenigen Minuten meldet das LKA Sachsen:

75 Kommentare zu “Das Spezialeinsatzkommando des Königreiches Sachsen

    • das in „…einsatz…“ auch!
      Wer immer das gestaltet hat, hat sich zumindest nicht sehr viele gedanken gemacht.

      Rotis semiantiqua in versalien wirkt übrigens ebenso befremdlich mit den einseitigen serifen ….

  1. Es sei angemerkt, dass die Nazis grundsätzlich keine besondere Meinung zu den Schriften hatten, abgesehen davon dass gebrochene Schriften damals als die deutsche Schrift galten.
    Tatsächlich mussten sie mit der Verwendung von gebrochenen Schriften aufhörten, weil im Ausland kaum jemand diese sinnvoll lesen und schreiben konnte. Das stand einer effizienten Besetzung und Ausbeutung sowie der Verbreitung von Deutsch als „Weltsprache“ im Weg. Das mit den „Schwabacher Judenlettern“ war nur eine vorgeschobene Rechtfertigung, die irgendwie in die Ideologie passen sollte.
    An der Verbindung von gebrochener Schrift zur „früher war Deutschland besser“-Romantik, ob man sich heute an vor 78 Jahren erinnert oder vor 78 Jahren an vor 113 Jahren, ändert das nichts.

  2. Seltsam, die FAZ, welche laut Wikipedia unter Journalisten seit langem als eines der deutschsprachigen Leitmedien eingestuft wird, der die Funktion zukommt, gesellschaftliche Kommunikation und Öffentlichkeit zu gestalten und zu prägen, verwendet die gleiche Nazischrift (?) als tägliche Überschrift und berichtete bereits am 18.12.2017 über gleiches Thema.
    Es wird Zeit, die Affinität der FAZ-Redakteure zur rechten Szene in Deutschland zu prüfen.

    • Eigentlich ist der Einwurf zu platt, aber trotzdem mal eine Antwort, stellvertretend für die vielen Relativierungsversuche: Das vorliegende Emblem, dass diesen Trubel verursacht, ist eben nicht nur das, ein in Fraktur gesetzter Schriftzug: es ist ein komplexes Konstrukt unterschiedlicher Elemente. Flügel, Lorbeerkranz, Frakturschrift, Wappen – jedes dieser Elemente einzeln wäre zwar im Einzelfall immer noch fragwürdig bis fehl am Platz (Wappen, Frakturtypo in Einsatzfahrzeug), aber erst die bewusst herbeigeführte Kombination und Anordnung der Elemente erinnert an einschlägige Zeichensprache aus der Zeit des Nationalsozialismus und in ihrer fast naiven Ausprägung noch weit aus deutlicher an die Zeichensprache neonazistischer Szenen. Dies wird so eindeutig erfüllt, dass ein Zufall oder eine Unbedachtheit in meinen Augen mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Die Urheber dieses Emblems kennen die Symbolik und bewegen sich in ihr sicher.

      So ein Polizei-Einsatz-Fahrzeug repräsentiert das Gewaltmonoplol eines demokratischen Rechtsstaates. Unsere Polizei hat sich hier wie überall jeder Form martialischen Auftretens, Militäromantik und im Besonderen Liebäugelei mit rechtsextremen Gedankengut zu enthalten.
      Das ist ein politischer Skandal, und in Anbetracht der vielen relativierenden Meinungen die man online dazu lesen muss, ein weiterer Beweis für die desolate und völlig unzureichende ästhetische Bildung in diesem Land.

      • Das mag so sein, es wird aber ein wichtiger, bis der wichtigste Aspekt in der Diskussion (bewusst) nicht beachtet. In der Kommunikation ist immer nur das vorwerfbar, was der Sender sagen wollte und nicht was der Empfänger verstehen wollte. Das heißt, wenn jemand mit seinem Anliegen (hier das Logo des SEK) sich nicht als nationalsozialistische Vereinigung präsentieren will und dies auch mehrfach betont, ist es hinfällig darüber zu diskutieren, ob die Damen und Herren vom SEK eventuell Nazis sind. Jede Empörungs-Grenze die vonseiten des Empfängers gezogen wird, ist völlig willkürlich und nicht belastbar. Hier ein Beispiel: Warum darf die Polizei in Deutschland Autos der Marke Volkswagen fahren? Man könnte sich genauso darüber empören, dass eine Marke, die von den Nazis erfunden wurde, heute vom Staat genutzt wird. Diesen Vorwurf zu erheben wäre genauso sinnvoll oder sinnlos wie hier das Logo des SEK ins braune Licht zu rücken. Alle Elemente des SEK-Logos sind älter als der Nationalsozialismus im Gegensatz dazu ist das VW-Logo unter Nazi-Regie entstanden also eine originale Nazi Kreation, das empört aber niemanden. Ob es wie ein typisches Nazilogo aussieht ist dabei nicht erheblich, da die Herkunft ja nicht zweifelhaft ist.

      • @Fiffi Wie kommst Du darauf, dass „in der Kommunikation immer nur das vorwerfbar sei, was der Sender sagen wollte“? In der Kommunikationstheorie geht es u.a. darum, dass zwischen Sneder und Empfänger Botschaften auf mehreren Ebenen ausgetauscht werden und was der Sender zu sagen glaubt nicht unbedingt das selbe ist, was der Empfänger hört – ohne das einseitig zu Gunsten des einen oder anderen zu werten. Zumal hier ja nicht einmal klar ist was der Sender mit der Stickerei sagen will (und zu wem). Die jetzt angesichts des Skandals getätigten offiziellen Stellungnahmen kann man wohl kaum als unbezweifelbare Infomation über die damalige Intention des Logodesigners werten.

      • Zumal hier ja nicht einmal klar ist was der Sender mit der Stickerei sagen will (und zu wem).

        Ausgehend davon, dass es sich bei dieser Stickerei um ein Logo handelt, das bislang an keiner anderen Stelle in Erscheinung getreten ist, zumindest blieb es bis vor wenigen Tagen von der Öffentlichkeit unbemerkt, ist davon auszugehen, dass das Stickerei-Emblem, auch da es im Fahrzeuginneren angebracht wurde, ausschließlich die eigenen Beamten adressiert. Hier sollte das Lorbeer-bekranzte „Königswappen“ wohl einerseits das Wir-Gefühl stärken und gleichzeitig motivierend wirken (-> Siegesgewissheit vermittelnden Anmutung). Wenn sich Polizeibeamte in Deutschland tatsächlich mit dieser Symbolik identifizieren und ein Stück weit selbst definieren, wirft dies die Frage auf, ob die Ausbildung der Beamten nicht im Bereich der politischen Bildung gravierende Lücken aufweist.

      • @lab Wie kommst du darauf, dass es anders wäre? Der Sender ist für das Gesagte verantwortlich nicht für das Gehörte. Kommt es zur Störung verantwortet er eventuell den Fehler in der Form, nicht aber im Inhalt der Botschaft. Man kann den Verantwortlichen bei der Polizei in Sachsen vorwerfen hier unsensibel zu sein und sich der Geschichte nicht bewusst zu sein (Form) nicht aber, dass Sie Neo-Nazis sind.

        Man stelle sich mal vor, ein Angeklagter vor Gericht wäre für das verantwortlich, was der Richter hören wollte und nicht für das was er sagen wollte. Der Willkür wäre Tür und Tor geöffnet.

        Ich habe mehrfach gelesen, dass sich die Verantwortlichen der Polizei vom NS-Gedankengut distanzieren und liefern Begründungen, warum sie der Meinung sind, es handle sich nicht um Nazi-Logos. Was wäre denn noch vonnöten um zu Belegen, dass man kein Nazi ist? (Würden sich überzeugte Nazis von ihrer Ideologie distanzieren?). Hier wird der Skandal gesucht, wie so oft. Das Problem ist, ab einem gewissen Punkt, dass die Gesellschaft bei diesen Themen abstumpft und unsensibel reagiert, wenn tatsächlich ein Brauner am Werk ist. Dieser Reflex ist dann ein Ergebnis eines inflationären Umgangs mit dem Thema. Das Pulver wird bereits bei solchen Themen wie einer Autositz-Stickerei verschossen.

      • @Fiffi:
        So einfach ist es ja nun nicht: Dem Sender kommt schon ein gutes Stück Verantwortung für seine Botschaft zu. „Unsensibel“ ist in meinen Augen ein geradezu haarsträubende Verharmlosung.
        Die Polizei in Sachsen hat neben vielem Anderen täglich mit kriminellen Milieu der rechtsextremen Szene zu tun – Die Polizei in Sachsen sieht sich seit Jahren dem Vorwurf ausgesetzt von Sympathisanten des rechten Spektrums unterwandert zu sein – die Polizei in Sachsen begegnet im bundesdeutschen Vergleich einer der zahlenmässig stärksten kriminellen Gruppe Rechtsextremer und hat mit die meisten rechtsextremen Übergriffe zu bearbeiten.

        Es ist schlichtweg unmöglich dass ein säschsischer Polizeibeamte, ob auf der Straße oder in der Verwaltung, angesichts eines solchen Zeichens keine einschlägigen Assoziationen hat. Dass diese dann nicht kritisch genug bewertet werden um sich ggfs. davon zu distnazieren ist das Wesen des Skandals.

        Es gibt einfach kaum belastbare Anhaltspunkte die dem Zeichen innewohnende Symbolik von der Verwandtschaft zu neonazistischem Gedankengut freizusprechen.
        Der verweis auf Militär-Übliche Zeichensprache ist ebenso unerträglich: Die Polizei hat sich von derlei Bestrebungen weit zu distanzieren. Polizisten, die Korpsgeist, Bewaffnung, Einschüchterung und martialisches Auftreten lieben sollten sich lieber beim Heer verpflichten – sie haben Ihren Beruf nicht verstanden.

      • Guter Einwand.
        Dennoch, ich halte es nicht für belastbar genug, um deshalb ein bewusstes Handeln zu unterstellen. Keines der gezeigten Elemente ist eindeutig durch die Nationalsozialisten verwendet und damit vorbelastet worden.

        – Der Lorbeerkranz ist völlig beliebig und kommt in zahlreichen westlichen und anderen
        Kulturen als Symbol vor.
        – Der Löwe kann so auch von Engländern oder der Stadt Jerusalem benutzt werden
        – Die Schwingen winden sie in jedem Abzeichen eines Lufthansa-Piloten
        – Eine Krone ist nichts nationalsozialistisches
        – Die Typo nennt sich Old English.

        In der Gesamtheit wirkt es altbacken, deutschtümelnd und gestrig, da gebe ich dir recht. Ich kann auch nicht ausschließen, dass es seinen Ursprung im rechten Gedankengut hat. Ich kann aber genauso wenig mit Bestimmtheit sagen, dass der Gestalter routiniert auf der Klaviatur rechter Ästhetik spielt, da ich die Möglichkeit, dass es nicht so ist, für nicht ausgeschlossen halte. Es reicht mir nicht aus, um hier einen Vorwurf zu kreieren, die Macher wären zweifelsfrei Nationalsozialisten mit allen sich daraus ergebenen Konsequenzen.

        Niemand glaubt erwiesenermaßen an die Existenz unterschiedlicher menschlicher Rassen (und das ist der Kernvorwurf, wenn jemand als Nazi und damit Rassist bezeichnet wird) weil er ein altbackenes Logo verwendet. Es kann ein Anhaltspunkt sein, um zu forschen, ob die Gesinnung tatsächlich unseren heutigen Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit erfüllt. Daraus aber ein Urteil abzuleiten ist nicht angebracht, zumindest wenn man selbst an demokratische Grundsätze glaubt.

        Mir geht schlicht die Vorverurteilung zu weit. Zumal auch nicht sonderlich differenziert wird. In der Diskussion ist von der Polizei in Sachsen die Rede. MMn ist diese aber auch pluralistisch wie ganz Sachsen. Die Vorverurteilung hat auch etwas Stereotypes (wie so oft, wenn es um Sachsen geht).

        Auch wenn wir hier wohl nicht gleicher Meinung sind, ich wünsche dir und deinen Lieben ein frohes Fest!

    • Ganz super erkannt und ein prima Beispiel geliefert, das der Autor sogar noch in den Text einbauen könnte. Sie haben hier nämlich (nochmals) sauber hergeleitet, warum es eben einen Unterschied macht, wo was wie eingesetzt wird. Eine Frakturschrift macht noch keine Nazisymbolik und eine Zeitung ist etwas anderes als ein Bundesland oder eine Behörde. Spitzenleistung! Vielen Dank.

      Die FAZ bedient eben keine Dritte-Reich-Optik, da der Kontext ein anderer ist und lediglich ein einzelner Bestandteil aus dem „Fundus“, dem sich damals wie heute „Nazigestalter“ bedienten, hier Verwendung findet. Eine Wappen- oder Adler-hält-Hakenkreuz-Optik hätte hier den Unterschied machen können. So ist es schlicht eine Fraktur.

      „Manchmal ist eine Schrift nur eine Schrift.“ — Siegmund Freud (überliefert)

  3. Hmhmhm: Das kommt, weil dieses moderne Logodesign

    SEK Sachsen Logo

    mit seinen dünnen Linien und dünnen Serifen deutlich den Fakt unterschlägt, dass das Ding so für gewisse Anwendungen nicht stickbar ist. (Designer: ran!)

    und daher nichts Sinnstickendes stiftendes bereithielt …

    … dann hat die freundliche rheinische Rheinmetall / MAN Stickerei aus Düsseldorf mit eigenen Motiv-Modulen aus ihrem Archiv ausgeholfen? hat wer dann geschichtsvergessen ausgeholfen?

    Ganz klar wird mir diese seltsame Sache nicht.
    Wie sehen die Schulterklappen der SEK Sachsen aus?

    Logo auf deren Website so:

    Auch mit so Flügeln.

  4. Gerade bei einer staatlichen Institution müssen Gestaltungs-Richtlinien und -Vorgaben eingehalten werden. Das durfte so nicht passieren. Punkt. Und gerade in Sachsen ist Rechtsextremismus ein Thema, weshalb man diesbzgl. besonders sensibel sein sollte.

    Der Argumentation bzgl. der gebrochenen Schrift stimme ich Achim voll und ganz zu.

    Die Kombination Lorbeerkranz und Schwingen haben zumindest in der Bundeswehr (beispielsweise Springerzeichen) ihre Berechtigung. Ob diese offiziell bei der Polizei auch so eingesetzt werden – dafür fehlt mir der Einblick. Aber auch hier bitte in Originalform und keine Abwandlungen mit gewollten oder nicht gewollten Assoziationen.

    • Auch wenn es offensichtlich eine rethorische Frage ist: Ja, ich habe Angst vor Nazis. Und ja, ich finde es bedenklich, wenn ein Teil einer Institution wie die Polizei nach eigenem Gutdünken ein losgelöstes Design entwickelt.
      Was die Fraktur-Schriften angeht, zählt für mich immer noch das, was die meisten Leute damit assoziieren. Ich als Designerin weiß, wann die Gebrochenen entstanden sind, aber die meisten Leute eben nicht. Für die ist die erste Assoziation mit gebrochenen Schriften eben Nationalsozialismus. Ich verwende sie trotzdem gerne, aber eben nicht für die Polizei.
      Gut argumentiert, finde ich, Achim.

  5. So schnell gehts: Während ich beim Dom-Radio-Logo noch jeden Bezug auf die Nazizeit als unredlich titulierte, klingeln hier alle Alarmglocken.
    Die Sache selbst finde ich schon tragisch genug, aber obendrauf kommt noch die Erkenntnis, dass so vielen Menschen völlig gleichgültig zu sein scheint wie es um die Polizei im Lande Sachsen bestellt ist:
    So ein Detail, ein Handvoll Stickereien in zwei Einsatzfahrzeugen sind natürlich nur ein unwichtiges Detail, sie zeugen aber von weitaus bedeutenderem:
    Entweder die sächsische Polizei ist in ihrer Verwaltungsebene von Sympathisanten der rechtsextremen Szene unterwandert.
    Oder die Verwaltungsebene der sächsischen Polizei offenbart einen eklatanten Mangel an Fingerspitzengefühl, hat keinerlei Kenntnis ihrer kriminellen Stammklientel und fährt jede Öffentlichkeitsarbeit mit Karacho an die Wand.

    Egal wie herum man das betrachten will, es bleibt ein Skandal…

    • Richtig beobachtet.
      Jedoch: Ist es nicht zu nett, eine unkorrekte Sache in ihren ebenfalls falschen Details auch noch optimieren zu helfen? Da doch nicht für, oder?

      Wo ich herkomme, sagt man zu solchen Fails, deren Detail man auch nicht mehr reparieren sollte: Wech mit Schadn! Oder: Aa scho wurscht!! ;-)

    • War mir auch gleich aufgefallen. Frakturschriften werden ja mittlerweile sehr häufig im Antiquasatz verwendet. Aber das ändert auch nichts an der Wirkung der gebrochenen Schrift.

  6. Die Entschuldigung „Das wurde so vom Hersteller geliefert“ ist eine der dümmsten, die ich jemals gelesen habe. Irgendjemand muss da doch genau diese Vorlage geliefert und jemand muss das so freigegeben haben. Ich habe noch keinen Dienstleister erlebt, der einfach mal so nach Gutdünken und ohne Absprache irgendwas macht.

    • @onlime Rein hypothetisch: Es könnte ja sogar so sein, dass der Hersteller das so entschieden hat. Es könnte ja sein, dass die Entscheidung zur Gestaltung nicht seitens der Polizei sondern seitens Rheinmetall fiel. Ob absichtlich oder unbedacht, ob SEK oder Rheinmetall, ob eine Einzelperson oder das komplette System, darüber kann man aktuell nur Mutmaßen. Wir waren wohl alle nicht dabei und das wird bestimmt aufgeklärt und dann entsprechend in den Medien breitgetreten werden. Aber vorab verurteilen und unterstellen, dass eine Begründung eine dreiste Lüge sein muss, ist sicher nicht der richtige Weg.

  7. Wer schon einmal beruflich mit Behörden zu tun hatte, weiß, dass ein solcher Auftrag nie und nimmer ohne div. vorherige Abstimmungen an einen externen Auftragnehmer erteilt wird. Da haben also mehrere Beteiligte die Augen zugedrückt. Absicht? Vermutlich. Dafür spricht, dass das Zeichen nicht auf dem Fahrzeug steht, sondern nur – für Außenstehende nicht sichtbar – auf den Sitzen. Da frage ich mich auch, warum um Himmels Willen die Sitze überhaupt bestickt werden, wenn’s keiner sehen kann? Nur fürs Ego?

    • und vor allem: wer zahlt fuer dieses Ego? :(

      Als „Normalbuerger“ bekomme ich schon keine 88 (ok, kann man ggf noch nachvollziuehen), 888 (wtf) oder 8888 mehr auf’s Kennzeichen, weil irgendwer es ja verwechseln koennte… Mannmannmann, Hans-Josef kann meinetwegen sein HJ bekommen, muss dann halt vielleicht mit Spruechen oder auch mehr leben – aber wer’s will?! Warum wird WC nicht als anstoessig verboten? Ok, S-EX ist es ja wohl (genauso albern mMn), aber die 8 ist im asiatischen Kulturkreis eine Glueckszahl, je mehr auf dem Kennzeichen desto teurer… Aber in Doitschland muss ja wieder die Nazikeule geschwungen werden…….

      Frohe Festtage!

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