Das neue Erscheinungsbild der Lufthansa

Lufthansa Logo

Dass bei der Lufthansa im Hintergrund am Design gefeilt wird, war bekannt. Seit Wochen wird in der Aviation-Szene spekuliert, welchen Look Lufthansa ihren Maschinen verpassen wird. Nun gibt es von Europas größter Fluggesellschaft einen ersten kleinen Ausblick auf die neue visuelle Identität, und auch die Medienwelt reagiert elektrisiert. Im dt wird exklusives Bildmaterial gezeigt, und es wird erklärt, was sich bei Lufthansa ändert.

Wenn Lufthansa sein Design ändert, erregt dies Aufmerksamkeit weit über die Designszene hinaus. Das berühmte Kranich-Logo von Europas größter Fluggesellschaft stellt eine Art nationaler Ikone dar, die besonders kritisch beäugt wird, nicht nur von Gestaltern. Denn der Name Lufthansa hat im Design einen besonderen Klang, nicht zuletzt dank Otl Aicher, Mitbegründer und Dozent an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Das unter Aichers Leitung entwickelte visuelle Erscheinungsbild, das seitdem Sicherheit, Zuverlässigkeit und Kompetenz ausstrahlt, gilt als eine der wegweisenden Corporate-Design-Lösungen des 20. Jahrhunderts. Viele der in den 1960er-Jahren entwickelten Gestaltungsregeln haben respektive hatten bis zuletzt Bestand. Denn das Corporate Design der Lufthansa wird sich ändern.

Lufthansa 747 im neuen Design

Den 100. Geburtstag des Kranich-Markensymbols nahm Lufthansa zum Anlass, um zu überprüfen, ob das Erscheinungsbild heutzutage noch zeitgemäß ist, ob designtechnisch transportiert wird, wofür die Marke heute steht. Otto Firle hatte das Kranich-Symbol 1918 entworfen; zunächst fungierte es als Erkennungszeichen der Deutschen Luft-Reederei DLR (Vorläuferunternehmen der Lufthansa). Die letzte Anpassung des Kranichs liegt immerhin 29 Jahre zurück, sie erfolgte 1989.

Der digitale Wandel und die veränderten Erwartungen der Menschen machten es erforderlich, darauf „nicht nur produktseitig, sondern auch im Design zu reagieren“, wie es in einer Firmeninformation an die eigenen Mitarbeiter heißt, die dem dt vorliegt. Die Anpassungen, die vorgenommen werden, seien eine behutsame, zeitgemäße Weiterentwicklung. Eine Evolution, keine Revolution. Eine Ikone ändere man weder leichtfertig noch radikal, wie betont wird.

Lufthansa Kranich Logo

Lufthansa Kranich Logo – vorher und nachher

Im direkten Vergleich (siehe animierte Darstellung oben) lassen sich die Änderungen am Kranich-Symbol gut ablesen. Der Kranich umschließende Ring ist sichtlich schlanker geworden. Begründet wird diese Maßnahme damit, dass der Vogel nun optisch stärker in den Vordergrund rücke. Auch die Darstellung des Vogels wurde modifiziert. Der Kranich ist filigraner und der Raum zwischen den einzelnen Federn der Schwingen größer geworden. In kleinen Größen und auf digitalen Medien bis hin zur Smart Watch werde der Kranich dadurch sauberer dargestellt. Die Form des Schnabels ist spitzer, wirke nun leichter und eleganter.

Angesichts dieser Veränderungen wird deutlich, dass die Lufthansa kein gänzlich „neues Logo“ bekommt, wie es aktuelle Schlagzeilen in Boulevardmedien suggerieren. Vielmehr wurde das berühmte Markenzeichen an verschiedenen Stellen feinjustiert, bleibt jedoch weiterhin im Wesentlichen erhalten. Zusammenfassend kann man sagen: der Kranich ist nun filigraner denn je.

Lufthansa Heckflosse Design – vorher und nachher

Offensichtlicher als die subtile Modifikation des Kranichs ist hingegen die Anpassung in Bezug auf die Lackierung der Flugzeuge (siehe Abb. oben). Bislang war auf dem Leitwerk der Lufthansa-Flugzeuge der blaue Kranich auf einer gelben Scheibe zu sehen. Da die häufig auch als „Spiegelei“ titulierte Logoscheibe nirgendwo sonst im Erscheinungsbild der Lufthansa eingesetzt wurde, entschied man sich das Design zu ändern.

Das Leitwerk zeigt nun einen weißen Kranich auf dunkelblauem Grund. Dunkelblau steigt damit zugleich zur neuen Primärfarbe der Lufthansa auf. „Ein edler Farbton mit viel Tiefe, der das Premiumverständnis von Lufthansa perfekt zum Ausdruck bringt“, wie es seitens des Unternehmens heißt. Die Lufthansa geht davon aus, dass es sieben Jahre dauern wird, bis alle Flugzeuge der Flotte im neuen Design fliegen. Ende 2018 sollen ca. 40 Flugzeuge auf das neue Design umgestellt sein.

Lufthansa Design

Das typische Gelb bleibt erhalten, tritt allerdings im Sinne einer Sekundärfarbe nunmehr akzentuierend in Erscheinung. „Das Gelb wird zwar quantitativ zurückgenommen, aber qualitativ aufgewertet: Es bleibt unsere Herzensfarbe“ so Lufthansa-Designchef Ronald Wild. „Gelb dient künftig der Orientierung, Aktivierung, Differenzierung und setzt besondere emotionale Momente.“

Lufthansa Corporate Type

Lufthansa Corporate Type, Quelle: Lufthansa

Neues gibt es auch in Sachen Typographie zu berichten. Mit der Lufthansa Corporate Type bekommt Lufthansa eine neue Hausschrift. Die Lufthansa Corporate Type folgt damit auf die Lufthansa Head und Lufthansa Text. Bei der Entwicklung des neuen Corporate Fonts, für die der Schriftentwerfer Hannes von Döhren verantwortlich zeichnet, habe man viel Wert auf eine optimale Lesbarkeit, Flexibilität und Funktionalität gelegt.

Die neue visuelle Identität entstand unter der Leitung von Lufthansa-Designchef Ronald Wild in Zusammenarbeit mit der Agentur Martin et Karczinski. Seit Ende 2013 betreut die Münchener Agentur die Lufthansa im Bereich Corporate Design. Die offizielle Vorstellung des neuen Erscheinungsbildes erfolgt am 7. Februar im Rahmen einer Festveranstaltung am Frankfurter Flughafen. Im Netz feiert die Lufthansa den Meilenstein vorab unter dem Hashtag #ExploreTheNew. Beim zugehörigen Webspecial explorethenew.com greifen allerdings noch die alten Gestaltungsregeln.

Kommentar

Auch Design-Ikonen ändern sich. Und das ist, sofern es behutsam geschieht wie in diesem Fall, auch gut so. Dass sich das Farb- und Formempfinden der Menschen ändert, lässt sich im Modedesign gut beobachten. Auch Kommunikationsdesign unterliegt modischen Strömungen. Und vor allem hat sich Kommunikationsdesign im Zuge des digitalen Wandels verändert. Deshalb ist es wichtig und richtig, die Identität einer Marke und die Form eines Markenzeichens regelmäßig zu hinterfragen und im Bedarfsfall anzupassen.

Die Verschlankung des Rings ist nachvollziehbar, ebenso die Vergrößerung der Flügelzwischenräume. Das Gesamtlogo wirkt nun, da die Linienstärken auf einander abgestimmt sind, wie aus einem Guss. Auch weiterhin fliegt der Kranich im Umfeld der Medien nach links.

Das neue Design des Leitwerks empfinde ich als gewöhnungsbedürftig. Das liegt natürlich daran, dass die bisherige Primärfarbe Gelb fehlt. Wenn aus der Entfernung der Kranich schon nicht mehr erkennbar ist, lässt sich aufgrund des gelben Punktes auf blauer Heckflosse ein Flugzeug als eines von Lufthansa identifizieren. Dieses Merkmal fehlt zukünftig. Gewöhnungsbedürftig ist das Design auch deshalb, da aufgrund der Erweiterung der Blaufläche vom Leitwerk nach unten der Eindruck entsteht, das Leitwerk habe an Gewicht zugelegt. De facto ist dies auch so, denn mehr Farbe auf dem Flugzeug bedeutet nicht nur mehr Kosten für die zusätzliche Lackierung, sondern auch mehr Gewicht des Jets. Interessant und ungewöhnlich: die vordere Kante des Leitwerks ist nicht dunkelblau sondern weiß. Diese Aussparung käme meines Erachtens besser zu Geltung, würde man auf die Erweiterung des Blautons nach unten verzichten.

Die ExploreTheNew-Website wäre eigentlich ein schöner Rahmen gewesen, um tatsächlich die neue Lufthansa zu präsentieren. Mit Hilfe alter Gestaltungsprinzipien wird man allerdings kaum „Lufthansa neu erleben“ können. Statt im Format einer Vorankündigung erschiene mir ein Special, das zeitgleich mit der Präsentation in Frankfurt ins Netz gestellt würde, sinnvoller.

Ein Fazit zu ziehen, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig möglich. Dafür geben die wenigen Anwendungsbeispiele zu wenig her. Eine Tendenz, eine Richtung ist erkennbar. Wenn man bedenkt, dass das Kranich-Markenzeichen allein an Bord einer 747 rund 45.000 mal vorhanden ist, kann man sich ausmalen, dass es Jahre wenn nicht Jahrzehnte dauern wird, bis das neue Design vollständig implementiert ist. Ich bin sehr gespannt auf die Reise, die die Lufthansa nun vor sich hat, ebenso auf die Reaktionen der dt-Leser.

Lufthansa Design

Update 08.02.2018: Nachdem gestern die offizielle Vorstellung des neuen Designs in Frankfurt über die Bühne gegangen ist, erscheint nun auch die ExploreTheNew-Website im neuen Gewand (Screenshot). Die Website ist technisch wie optisch absolut überzeugend und sehenswert. Mehr Premium und Exzellenz im Umfeld digitaler Medien geht kaum. In mehreren Videos werden die Hintergründe zum Design erläutert. Schön zu sehen, dass die Lufthansa ihre Kunden bei diesem Prozess mitnimmt. Der Mediengalerie wurden zudem neue Bilder hinzugefügt, die von der Lufthansa im Rahmen einer Pressemeldung veröffentlicht wurden.

Auch die Süddeutsche Zeitung berichtet über das neue Design. Der Artikel „Der Kranich verliert seine Farbe“ (PDF) enthält auch eine Einschätzung meinerseits.

Update 11.05.2018:
Wenige Wochen nach Vorstellung des Designs wurde seitens Lufthansa bekanntgegeben, dass hinsichtlich des Blautons noch einmal nachgebessert werde. Weitere Test hätte ergeben, das der ursprüngliche neue Blauton insbesondere bei bewölkter Witterung zu dunkel erscheint. Am 11. Mai wurde schließlich der neue Blauton präsentiert (siehe Kommentar). In diesem Zuge wurde auch noch einmal das Logo wie auch die Position/Proportionen auf dem Seitenleitwerk angepasst.

Lufthansa Design Corporate Colors

Mediengalerie

Weiterführende Links

123 Kommentare zu “Das neue Erscheinungsbild der Lufthansa

  1. Ich wäre das komplett anders angegangen, hätte das leitwerk so gelassen (wegen fernwirkung) und endlich dem rumpf etwas gestaltung angedeihen lassen statt nur weiß (dagegen fällt jetzt sogar der graue bodenanstrich weg, nachdem vor etlichen jahren schon das fensterband wegrationalisiert wurde). Wäre ein silberanstrich wie bei Aeroflot wirklich schwerer und teurer?
    Die modifikation der schriftart ist nach dem motto „hauptsache es merkt keiner“, da hätte die wortmarke noch einiges hergegeben (kombinationen ft und sa).
    Die weiße lichtkante vorne am leitwerk geht wohl zwingend aus der verlängerung auf den rumpf vor, denn bei vielen flugzeugtypen geht das leitwerk mit einer rundung oder schräge in den rumpf über. Da würde sich die frage stellen, ob dieser übergang auch blau oder doch schon weiß sein sollte und wie es dann nach unten weitergeht. Vielleicht kommt zukünftig ein flugzeugbauer auf die idee, dass die vorderkante des leitwerks gar nicht gerade sein muss, was dann?
    Meine lieblingsfarbgebung der Lufthansa ist die von 1967 bis 1988 mit blauem fensterband und blanker unterseite. Vielleicht hängt das auch mit meinem jahrgang 1970 zusammen. Ich wage die vermutung, dass das neue redesign keine 20 bis 30 jahre halten wird, sondern nur 10, aber mal sehen.
    Im übrigen ist der zeitpunkt etwas merkwürdig; logischer wäre es gewesen, bei der einführung eines wichtigen neuen flugzeugtyps (A380, B748, A350) gleich die neue farbgebung mit einzuführen. So werden die aktuell neuesten flugzeuge diejenigen sein, die als letzte zur umlackierung anstehen. (Wie lange hält ein flugzeuganstrich, bis er hässlich wird oder abgenutzt ist?)

  2. Das Video erklärt nochmal einiges. Danke für den Link.

    Eines bleibt für mich trotzdem immer noch nicht nachvollziehbar: Ich bekomme das dynamische und durch die dünnere Outline jetzt noch filigraner und leichter wirkende Markenzeichen nicht mit der neuen Exklusivschrift zusammen. Diese wirkt in meinen Augen viel zu statisch, um jeden Preis zeitgeistig und dadurch auch irgendwie plump und gar nicht »premium«. Da hätte ich mir ein sensibleres Händchen gewünscht.

    • Ja, empfinde ich auch so. Was bei BMW schon wie ein Arial-Klon wirkte, ist Apple mit der San Francisco geglückt: eine eigenständige Variante des Themas. Das ist es dann auch: noch immer wollen alle sein wie Apple, jeder will seine eigene Helvetica. Der neuen Lufthansa Corporate-Type mangelt es hingegen an Eleganz, wirkt brachial modisch und besitzt keine Sensibilität in den Details. Könnte so auch zu McDonald’s passen, oder zu McFit, oder Check24. But Germany is more than DIN. Im Ganzen betrachtet erstrahlt dagegen das neue Design der SAS, in allen Details.

  3. Hmm, also das gelbe Logo auf der Heckflosse war einfach ikonisch und es für mich absolut nicht nachvollziehbar warum das aufgegeben wurde. So werden die Flugzeuge in der Masse untergehen und kaum noch Wiedererkennungswert besitzen.

    Vorbei die Zeiten in denen sich beim Landeanflug auf München schon dieses wohlige „ich bin daheim“-Gefühl einstellte wenn man auf die Phalanx der aufragenden Leitwerke schaute, die eben schon von weitem absolut unverkennbar waren. So kann das einfach jede beliebige Airline sein. Alles was man erkennt ist ein weißer Flieger mit blauem Leitwerk. Langweilig.

    Ich denke die Modifikationen am Logo sind gut und wichtig und auch sauber ausgeführt, aber ohne Not eine derart starke Präsenz neben der Konkurrenz einfach aufzugeben – ich glaube das wird man noch bereuen und ggf. eine Kehrtwende hinlegen.

    • Mind the Gap!

      An die Kehrtwende glaube ich mit Sicherheit. Siehe auch mein Bild weiter oben und viele, viele andere Meinungen. Dieses Redesign wird in die Marketinggeschichte eingehen wie Crystal Pepsi oder wie dieser Relaunch:
      http://www.designtagebuch.de/back-to-the-gap-logo/

      Ohne Neid, nur voller Verwunderung, frage ich mich wie ein Weltkonzern und qualifizierte Gestalter, nach sehr viel Zeit und mit sehr viel Geld, auf so ein beliebiges Ergebnis kommen konnten. Wie man sich dann auch noch von einem neuen Billigflieger (Joon) vorführen lassen konnte und dann im Stile eines ehemaligen Hoffnungspolitikers alles Versagen schönredet. Und wenn es nicht so aussieht wie Joon, dann sieht es eben auch so aus wie FedEx, der alte Flugtomaten-Premiumflieger.

      Meine drei letzten Lowlights des Redesigns sind:

      1. Das Video in dem der Mann mit dem Schal seine eigenes Team nach (!) dem vergeigten Job zu motivieren versucht, danke Jan für den Link.

      2. Der Hashtag der Lufthansa #LufthansaBlue, der mich auch noch an den Billigflieger JetBlue erinnert.

      3. Die wahrlich nicht himmlische Website http://www.explorethenew.com die weder dem alten noch dem neuen CD entspricht, die einen verirrt und verwirrt zurücklässt und, selbst einem alten Lufthansa-Fan und Flugjunkie wie mir, so sexy Lust aufs Fliegen in den neuen traurigen Kisten macht, wie eine Pizza nach einer Stunde im Regen im Regen Appetit auslöst.

  4. Nur so nebenbei an alle Hater und Gerold … während des heutigen „CD-Events“ der Lufthansa wurde auch die Website http://www.explorethenew.com entsprechend „live“ angepasst und gibt uns einen detaillierteren Blick hinter die Kulissen. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen den Gestaltungsprozess und die Motive des Redesigns zu verstehen.

    • Ich fürchte daß die meisten Kritiker schon verstanden haben, was der Gedanke hinter dem Farbwechsel war, aber daß das Ergebnis nicht überzeugend ankommt. Eine schlichte Farbgebung mag bei einer Firma wie Foodora für einen hohen Wiedererkennungswert sorgen, bei einem so vielfältigen Unternehmen wie der Lufthansa wird ein monotones Farbschema schnell zum Einheitsbrei. Sollen die silbernen, goldenen und schwarzen Statuskarten nun alle Premiumblau werden? Die Statuskunden werden begeistert in die Hände klatschen. Offenbar ist ein Schokokranich vom Businessclass-Dessert auf der „wall of shame“ gelandet, weil die braune Farbe nicht zur Corporate Identity passt. Wenn ich aber aus Designgründen alle Gewürze in gelbe Tütchen mit weißer Schrift packe, dann kann es dazu führen daß die Gäste sich Salz in den Kaffee kippen. Und sicherlich freuen sich schon alle Mitarbeiter auf nahezu monochrome Arbeitsplätze.
      Ist es wirklich eine „Herzensfarbe“ für „ganz besondere Anlässe“, wenn der Vorstandschef gelbe Socken präsentiert? Soll ich mir als Passagier tatsächlich einen blauen Anzug kaufen, damit ich die (leider potthässliche) gelbe Bordkarte in eine vermutlich viel zu schmale Billettasche stopfen kann? Dieses Design ist nicht frisch und modern, es ist konservativ und starr, da helfen dann auch keine weißen Retro-Sneaker in limitierter Auflage (ein Wink an Joon?)
      Muss man im Jahr 2017 wirklich die Helvetica gegen eine (billigere) Hausschrift austauschen, weil man sonst auf digitalen Geräten nichts erkennt? Die Lufthansa hat den Kranich schon zu BTX-Zeiten digital genutzt und wenn die Auflösung auf der Applewatch wirklich so gering sein sollte, dann macht der Vogel mit dem schlankeren Bauch auch keinen Unterschied mehr. Das neue schwarze Favicon ist trotz doppelter Größe schlechter zu entziffern als die gelbe Variante, Homepage und Facebookseite sind ein trostloses Blau-in-Blau geworden und die Einweihungsparty im A380-Hangar hatte etwas von einer Borg-Assimilation, nur daß statt grüner Gruselbeleuchtung alles Blau angestrahlt wurde.
      Am Leitwerk fehlt nicht nur daß identitätsstiftende Melonengelb, auch das Kobaltblau ist fast schwarz geworden, obwohl man angeblich sechs verschiedene Lacke an einem Originalteil ausprobiert hat. Wenn man nun noch den Kranich gegen den Mercedes-Stern austauscht, dann hätte man eine passende Lackierung für einen Daimler-Benz-Flieger, aber nicht für die Lufthansa.

      Es geht natürlich immer noch etwas abscheulicher. Für alle Passagiere, die nicht Premium genug sind, bietet der Konzern ein Produkt in „schreienden Farben“ namens Eurowings an. Das erinnert an Arroganz stark an die Deutsche Bank, die vor Jahren nur noch „Private Banking“ für die oberen 10.000 Kunden anbieten wollte und den Pöbel in der Bank24 entsorgt hat – bis die erste Krise kam und man wieder dankbar war für das Kleinvieh, das auch Mist macht.

      • Wie ich in meinem Beitrag einleitete, bezog ich mich auf „Hater-Kommentare“, die ziemlich unreflektiert argumentierten … gegen eine saubere Argumentation habe ich nichts und kann auch ihre Bedenken und Ausführungen (wenn sie auch teilweise haltlos sind) nachvollziehen – schließlich hat doch jeder sein eigenes, subjektives Empfinden gegenüber eines Markenauftritts.

        Natürlich weiß ich nicht ob sie ebenfalls auf dem gestrigen Event zugegen waren, wie oft sie mit der Marke Lufthansa wirklich in Berührung kommen und zu tun haben, wie oft sie in einem LH Flieger sitzen und welche Services sie tatsächlich nutzen, ob sie der Zielgruppe entsprechen, oder doch nur als Tourist den Kranich kennen … Fakt ist, dass schon seit geraumer Zeit versucht wird, das CD gestalterisch zu reduzieren, eleganter, edler, zurückhaltender und klassischer erscheinen zu lassen. Das 100 jährige Jubiläum des Logos und der kürzlich erworbene 5. Stern sind da vielleicht schon Anlass genug, etwas an der Markenpositionierung zu ändern. Der Vergleich mit Mercedes ist gar nicht so weit hergeholt und schmeichelt eher … Schließlich haben wir es hier mit einer reinen Premium Business Airline zu tun, die bekannt genug ist um nicht mehr auffallen zu müssen und einfach nur nach einem Statement zu ihrem Service im Businessbereich sucht. Die S-Klasse in Europa.

      • @Michael: Oh mein Gott, die Hälfte der Argumente ist völlig haltlos und subjektiv. Wenns alles so furchtbar ist und dir nicht passt, dann flieg doch Ryanair. :P

    • Ianrad, da ich ja namentlich genannt wurde, darf auch ich mich als „Hater-Kommentator“, der ziemlich unreflektiert argumentiert …“ verstehen?

      • Nein nein, sicher nicht als Hater … so schrieb ich ja, Hater und Gerold ;) Sie hervorgestellt, weil ich direkt auf ihre letzte Ausführung einging: Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass es einen neuen Stand der LH-Webauftritte gibt, die zu dem Zeitpunkt sicher nicht jedem bekannt waren, da die Inhalte erst während des Live-Events freigeschaltet wurden. So hat sich nämlich nicht nur das Design der Sites geändert, sondern eben auch der Inhalt, der den Gestaltungsprozess deatillierter portraitiert.

      • Lieber ianrad, da freue ich mich aber über die Differenzierung und bedanke mich dafür ;-)
        Vielleicht bin ich aber auch nur ein Romantiker, der die großen Tage der Luftfahrt zurücksehnt?

        Danke auch für die Hinweise zur aktualisierten Präsentation. Da wird jetzt alles sehr ordentlich und aufwendig präsentiert. Nach langem Hinsehen findet man auch das nette gelbe Feld neben der Einstiegstüre. Da steckt durchaus Liebe zum Detail und sehr viel sorgfältige Arbeit dahinter.
        Wieviel schöner wäre es aber, wenn eben dem nicht eine Fehlentscheidung zugrunde läge. Wenn es nicht schon andere Airlines gäbe, die ein so ähnliches Taildesign haben. Und wenn, ja wenn das Gelbe nicht als Spiegelei sondern als Sonne wahrgenommen würde.

        Das wortwörtliche Spiegelei erinnert mich übrigens an ein Jahrgangslogo der Lufthansa-Verkehrsfliegerschule Bremen, die haben das mal wörtlich genommen haben.

        Sehr differenziert ist übrigens auch die direkte Gegenüberstellung von @violator, ein neues Design gerade bei einer Fluglinie bietet Raum genug Wortspiele. Dieses hier kann ich mir nicht verkneifen: Alles kann deutlich leichter werden – oder die Luft kann dünn werden.

        PS: An alle Flieger: Der Kranich hatte vorher einen niedrigeren Anstellwinkel. Gerade in dünner Luft sollte man aber das Ruder aber nach vorne schieben um einen Strömungsabriss zu vermeiden..!

  5. Gebt einfach zu, dass ihr es vergeigt habt:

    #lufthansablues

    Hier noch eine kleine Studie, willkommen in der „Vielfalt“:

    Siehe auch:
    http://onemileatatime.boardingarea.com/2018/02/07/lufthansa-new-brand-design/

    Und nein, ich bin kein Hater, ich liebe die Lufthansa, habe Freunde die dort seit langer Zeit arbeiten und bin Vielflieger. Darum macht mich das trübe Design so traurig. Es liegt aber nicht nur am ehemals ikonischen Design. Die alte Unternehmenskultur ist bei der Lufthansa leider ohnehin schon lange vor der gelben Sonne untergegangen!

  6. @ianrad
    Ob und wo ich in welcher Kabine stehe hat wenig Einfluss auf die Qualität des Designs, da ich nicht blind bin habe ich in den letzten 25 Jahren viele Veränderungen bei der Lufthansa gesehen, aber es ist mir in der Tat entgangen, daß es sich nun um eine „reine Premium Business Airline“ handelt. Die Colorbreeze-Kabine gefällt mir gar nicht schlecht, ich persönlich hätte sie anders gestaltet, aber an Bord sorgt die Kleidung der Passagiere für ebensoviel Farbe wie die Sitzpolster. Bei meinem letzten Flug gab es allerdings anstelle der „S-Klasse in Europa“ noch etwas, das als „Neue Europakabine“ bekannt wurde.. Lufthansa hat ein gutes Produkt kann stolz auf seine Skytrax-Sterne sein, aber dieses mystische superpremium-only kenne ich nur von der Concorde und Pam Ann.
    Mich erinnert die Vorstellung an Hape Kerkelings „Hurz“, da wird ein sehr eigenwilliges Leitwerk mit teilweise absurdem Marketingsprech vorgestellt und wenn der Zuschauer das nicht gut findet, dann hat er keine Ahnung von Kunst. Immerhin bin ich mit meiner Ahnungslosigkeit nicht ganz allein, wenn ich Überschriften lese wie:
    „Farbloser Kranich“ (Süddeutsche Zeitung)
    „Der mutlose Lufthansa-Kranich“ (Capital)
    „Lufthansa ohne das Gelbe vom Ei“ (Tagesspiegel) oder
    „Des Kranichs neue Federn“ (Deutsche Welle)

    • Bitte lesen sie sich meinen Kommentar noch einmal genau durch: Ich bewerte in keinster Weise die Gestaltungqualität, lediglich das bereits mehrjährige Vorhaben der Lufthansa die Marke nicht nur neu zu repräsentieren, sondern auch zu positionieren. Und ja, LH ist ein reiner Business-Flieger (in diesem Segment wird das Geld verdient), der nun Premium-Luft schnuppert – und dies auch zeigen möchte. Ob es nun gelungen ist oder nicht, das weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu bewerten, dafür wurde einfach noch zu wenig vom neuen Design umgesetzt.

      Dennoch sollten wir uns einem Punkt einig sein: zur Marke gehört ein wenig mehr als nur die Lackierung der Flieger … und hier bin ich schlichtweg zuversichtlich, dass die Lufthansa ihre neue Positionierung auf dem Markt schafft.

      PS: Wie Herr Schaffrinna völlig richtig herausgestellt hat, hat das bisherige LH Design auf den Flugzeugen aufgrund ihres Erfolgs eine Menge Nachahmer … Eine Frage in den Raum gestellt: muss die Lufthansa jetzt überhaupt noch anhand ihrer Flugzeuglackierung auffallen? Ist nicht gerade die Reduzierung im Design ein noch stärkeres Signal nach außen?

  7. Breaking News:
    In Deutschland wird genörgelt.

    Wenn ich mit meinen ausländischen Kontakten über das Thema spreche sind hingegen alle ziemlich angetan und finden, dass das wunderbar die – dort, wir selbst hassen uns als Deutsche natürlich – positiven deutschen Tugenden repräsentiere. Seriös, stilbewusst, modern aber nicht modisch. Und ich denke für dieses internationale Publikum wurde das auch letztlich gemacht. Deutschland mag die Heimat sein, aber Kurzstrecke wird eh von Germanwings/Eurowings und den LH Töchtern übernommen. Und auf der Langstrecke muss die LH v. a. ausländisches Publikum überzeugen. Im Übrigen hätte man in Deutschland sowieso jegliche Veränderung verrissen – wie auch keine Veränderung. Sprich, für das deutsche Publikum gilt eh, dass man es ihm mit nichts recht machen kann, dann kann man es auch gleich ignorieren. So zynisch sehe ich das Thema inzwischen.

    Die Live-Anmutung ist sogar noch positiver als gedacht, der neue Farbton kommt in Lackform deutlich dunkler daher, als auf dem Bildschirm vermutet werden konnte, dazu die Glanzreflexe von Lack und Wölbungen. Sehr, sehr – ja, mondän fast. Ohne Unruhe in Form und Farbe genau den richtigen Ton getroffen:

    https://i1.wp.com/www.upinthesky.nl/wp-content/uploads/2018/02/Lufthansa_747-8.jpg

    Und ich bin mir sicher, in 20 Jahren, beim nächsten Redesign, werden wieder alle zu meckern haben und das „gute alte“ Design verteidigen.

    • @Ermic:
      Diese Aussage unterstreiche ich voll und ganz und bin eigentlich nur darauf gespannt, wie ich in Zukunft an Board und im LH Umfeld (Business Lounge, First Class Terminal, Gestaltung an Board, Begleitmedien etc.) von der Marke begleitet werde.

      Wichtig ist, dass nun eine Linie und nicht 10 weiter verfolgt werden. Und genau hierfür wurde nun das Fundament gelegt … Jetzt sollten wir einfach nochmal in 5 Jahren über das Design reden ;)

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