Das neue Corporate Design der Stadt Leipzig
Die Stadt Leipzig hat ein neues Corporate Design erhalten. Zeitgleich mit der Einführung des neuen visuellen Erscheinungsbildes wurde auch der Webauftritt der Stadt unter leipzig.de relauncht. Von und in den Medien wird das neue Erscheinungsbild kritisiert, sowohl der Gestaltung wegen, insbesondere die des Logos, wie auch was das Vorgehen der Stadtverwaltung betrifft. Ist die Kritik berechtigt?
Seit Mitte letzter Woche präsentiert sich die Stadt Leipzig mit „zeitgemäßem Logo, frischen Farben und einer starken Schrift“, so die offizielle Meldung. Wie Oberbürgermeister Burkhard Jung im Rahmen der Pressemeldung erklärt, bekomme die Stadt erstmals überhaupt ein einheitliches visuelles Erscheinungsbild. „Von der Verwaltung und den Ämtern bis hin zu den vielen Eigenbetrieben der Stadt soll für Bürgerinnen und Bürger sichtbar werden, wo überall in ihrem Alltag öffentlicher Dienst der Stadt Leipzig drinsteckt. Wir wollen besser erreichbar werden, aber wir wollen auch besser sichtbar sein“, so Jung.
Auszug der Pressemeldung
Die neue Markenarchitektur im Corporate Design führt die Mehrzahl der städtischen Unternehmen erstmals unter dem Markenauftritt der Stadt zusammen. So werden diese künftig immer als städtische Angebote erkennbar sein. Das neue Logo erhöht den Wiedererkennungswert der Stadt und ihrer Gesellschaften. Das gewohnte Stadtwappen wird als amtliches Hoheitszeichen auf Bescheiden oder Dienstsiegeln auch künftig eingesetzt. Die insgesamt 12 Farben im Auftritt repräsentieren Vielfalt und Facettenreichtum der Stadt und schaffen vor allem bei digitalen Kommunikationsmitteln die notwendige Flexibilität für die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern.
In den von der Stadtverwaltung auf Instagram und Facebook veröffentlichten Beiträgen, in denen Jung das neue Erscheinungsbild kurz vorstellt, finden sich fast durchweg ablehnende Kommentare – was, um dies an dieser Stelle schon einmal einordnend zu sagen, die Regel ist. Wenn Städte und Gemeinden ein neues Erscheinungsbild präsentieren, ist der Anteil derer, die das neue Design ablehnen, immer größer. In den knapp 20 Jahren, die es das Design Tagebuch gibt, wurde hier noch kein Redesign einer Stadt vorgestellt, das im Umfeld von Social Media überwiegend positiv aufgenommen wurde. Auch in diesem Fall werden insbesondere das neu geschaffene Stadtlogo wie auch allgemein die mit dem Redesign verbundenen Kosten kritisiert.

Fortan nutzt die Stadtverwaltung im Rahmen ihrer Kommunikation anstelle des traditionellen Stadtwappens eine Wortbildmarke mit vereinfachter Löwendarstellung als Bildmarke. Die Form des Löwen ist stark stilisiert, einfarbig schwarz gehalten und stellt eine Strichumsetzung dar. Rechtsseitig der Bildmarke sind zwei blaue Vertikalen versetzt platziert. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Landsberger Pfähle, die auch im heraldischen Stadtwappen Leipzigs enthalten sind. Während das Wappen ein Schild als Grundform beinhaltet, sind in der neuen Wortbildmarke Löwe, Vertikalen und Wortmarke freigestellt.
Das bisherige Logo mit heraldischem Stadtwappen bleibe, so die Stadt, weiterhin als amtliches Hoheitszeichen im Einsatz und werde unter anderem auf Bescheiden und Dienstsiegeln eingesetzt. Im Umfeld von Social Media wird die Form des Löwen als „abgemagert“, und die Ausgaben als Geldverschwendung kritisiert.
Die Kosten werden in den Medien mit 665.000 Euro* beziffert (Quelle: MDR). Allerdings beziehen sich diese nicht, wie auf Social Media vielfach kommentiert wird, allein auf das Logo. Vielmehr umfasst dieses Budget die Erstellung des Corporate Designs sowie die Gestaltung, Konzeption und technische Umsetzung des städtischen Webauftritts. Ursprünglich, so lässt sich einer Anfrage der Links-Fraktion des Leipziger Stadtrats entnehmen, wurde die Summe für diese Leistungen im Rahmen der Ausschreibung mit 400.000 Euro beziffert.
Aus dieser Anfrage (PDF) geht hervor, dass das neue Corporate Design von der Stadtverwaltung eingeführt wurde, ohne den Stadtrat einzubinden. Auch die Gründe, weshalb ein Corporate Design in Auftrag gegeben wurde, werden in der Anfrage genannt. Aus der Anfrage zitierend:
Weshalb wurde ein neues Corporate Design in Auftrag gegeben?
Das in der Stadtverwaltung Leipzig existierende „visuelle Erscheinungsbild“ ist veraltet und berücksichtigt vor allem die Herausforderungen der digitalen Welt nur unzureichend. Es ist als Leitfaden für die Gestaltung von Publikationen erarbeitet worden und lässt viele weitere Aspekte außer Acht. Die Gestaltung der Website leipzig.de ist inzwischen über 10 Jahre alt und entspricht nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen und Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer. Ein zu entwickelndes Corporate Design soll die Vielfalt der städtischen Aufgabenfelder widerspiegeln und dass Selbstverständnis der Gemeinwohlorientierung deutlich sichtbar nach außen transportieren. Nicht Bestandteil eines neuen Designs ist das Stadtwappen; dieses bleibt vom Design-Prozess unberührt.
Wer hat die Ausschreibung in Auftrag gegeben und auf welcher rechtlichen Grundlage?
Das Referat Kommunikation hat auf der Grundlage eines Beschlusses des Oberbürgermeisters die Ausschreibung in Auftrag gegeben. Maßgeblich für die Ausschreibung ist der Ausführungsbeschluss VII-DS-06834-DS-01, über den der Verwaltungsausschuss am 11. Januar 2023 votiert hat. Die Umsetzung des Vergabeverfahrens erfolgt in Form eines Verhandlungsverfahrens mit Teilnahmewettbewerb gemäß § 14 Abs. 3 Nr. 2 VgV. Diese Verfahrensart hat das Vergabegremium Lieferungen und Dienstleistungen in seiner Sitzung vom 5. Februar 2024 positiv votiert. (Der Oberbürgermeister hatte den Ältestenrat am 4. Mai 2022 über die Absicht einer Neugestaltung des städtischen Designs und die geplante Ausschreibung informiert.)
Viele Menschen hätten sich, so lesen sich die Kommentare auf Instagram & Co, eine Mitsprache hinsichtlich des neuen Designs gewünscht. Unmittelbare Mitsprache ist im Rahmen eines solchen Designprozesses grundsätzlich möglich, doch mitunter schwierig realisierbar, teils auch bedenklich, je nach Ausgestaltung (technische Problematik bei Online-Abstimmungen, u.a.). Eine Einbindung von Bürgern und Mitgliedern des Stadtrates in den Gesamtprozess (geplante Umstellung) ist hingegen in jedem Fall sinnvoll. Formen der Partizipation können ein Bürgerdialog vor Ort sein, oder die Bereitstellung schriftlicher Informationen vorab, bevor die Maßnahmen umgesetzt werden. Üblich sind zudem Präsentationen im Stadtrat. In Leipzig ist offenbar nichts von all dem erfolgt. Aus meiner Sicht ist dies der Hauptgrund für die im Netz sich seit einer Woche ausbreitende Kritik.
Hinzu kommt der Umstand, dass die Form des Logos vielen Menschen nicht zusagt, und diese sich die Beibehaltung des Logos mit Wappen wünschen, dieses auch fordern, wie einer auf Openpetition.de veröffentlichten Petition zu entnehmen ist. Doch der Text der Petition ist in vielerlei Hinsicht schwammig, teils faktisch falsch. Jung nennt die Petition „unsinnig“. Ein professionelles, einheitliches Corporate Design (als Stadt) ist eine, geschichtlich gesehen, vergleichsweise sehr junge Erscheinung (im Sinne von Phänomen). Die Petition suggeriert, als sei das vorherige Zeichen in Wappenform seit Jahrhunderten Bestandteil des visuellen Erscheinungsbildes der Stadt. Doch das Erscheinungsbild jedweder Marke, sei es eine Stadt, ein Unternehmen oder ein Verein, unterliegt fortwährend Veränderungen. Als die Messestadt Leipzig 1965 beispielsweise ihr 800-jähriges Jubiläum feierte, sah das Wappen ganz anders aus.
Das amtliche Stadtwappen Leipzigs existiert, dies ist gut dokumentiert, in seiner Grundform und mit seinen Hauptsymbolen seit ca. 1470. Doch dies trifft keinesfalls auf das zuletzt im visuellen Erscheinungsbild der Stadt verwendete Logo/Wappen zu, welches deutlich jünger ist. Das Stadtwappen Leipzigs wurde im Laufe der Jahrhunderte, wie viele andere Stadtwappen auch, vielfach neu gezeichnet, immer wieder neu interpretiert, wie diese Zusammenstellung veranschaulicht. Auch den Leipziger Löwen gibt es in unzähligen Darstellungsformen.
Das neue Stadtlogo ist keine vereinfachte Darstellung des Wappens, vielmehr eine vom Wappen ausgehende, neu geschaffene Wortbildmarke. Ich würde die Form und die Ästhetik des Logos als zeitgemäß beschreiben. Städte wie Oslo, Hengelo oder Schwerin nutzen für ihr Logo eine ähnliche, auf Grundformen reduzierte Ästhetik. Manche bezeichnen diese auch als minimalistisch – doch Logos sind vom Prinzip her reduzierte, simple, einfache grafische Zeichen. Dies ist ihr Wesen. Minimalismus ist in dieser Designdisziplin kein von Marketing-Leuten ausgedachter Gag, sondern das Grundprinzip. Mit Farbverläufen, Schattenwürfen, Glanzeffekten und 3D-Optik ausgestattete Logos sind eine zeitgeistige Erscheinung, wenn man so will ein (modischer) Marketing-Gag.
Die für die Löwendarstellung gewählte Strichstärke ist vergleichsweise gering, doch nicht zu gering, in technischer Hinsicht (Reproduktion). Die Abstraktion von Tieren und Gesichtern bewegt sich auf einem schmalen Grat, und ist eine Königsdisziplin im Logodesign. In Braunschweig hat ein 2018 vorgenommenes Redesign eine unfreiwillig komisch wirkende Löwenfigur hervorgebracht, so jedenfalls mein Eindruck. Ein besonders würdevolles Antlitz und majestätisches Aussehen stellt die stark abstrahierte neue Löwenform in Leipzig gewiss nicht dar. Sollte eine Stadtverwaltung im 21. Jahrhundert in ihrer Kommunikation und Außendarstellung majestätisch auftreten? Oder geht es hier nicht vielmehr darum, Zugänglichkeit und Nahbarkeit zu kommunizieren, und Offenheit, wie sie das neue Signet/Logo der Stadt Leipzig artikuliert?
Ästhetik lässt sich nicht objektiv bewerten. Manch einem sagt ein Design zu, anderen weniger oder gar nicht. Leicht bzw. leichter objektivierbar sind hingegen die konzeptionelle Idee, die dem Design zugrunde liegt, die handwerkliche Qualität der Arbeit, die Darstellungsqualität eines Logos und auch die technische Umsetzung, auch die des Webauftritts. Die gezeigten Anwendungsbeispiele lassen eine handwerklich gute Arbeit erkennen. Positiv ist auch mein Eindruck vom frisch relaunchten Webauftritt unter leipzig.de.
Die Farben der Stadt, Blau und Gelb, werden sowohl im digitalen Kontext wie auch in gedruckten Anwendungen in sinnvoller Weise akzentuierend verwendet. Weitere Farben in das Corporate Design aufzunehmen ist schon deshalb sinnvoll, da Chemnitz und Dresden ein sehr ähnliches Stadtwappen haben, und Chemnitz zudem die gleichen Grundfarben nutzt. Die Erweiterung der Farbpalette dient in diesem Fall also der besseren Differenzierung.
Die Kritik hinsichtlich des Vorgehens seitens der Stadtverwaltung ist nachvollziehbar. Es fehlt an Transparenz, so auch mein Eindruck. Auch meine Anfrage, die ich am letzten Donnerstag an die Pressestelle der Stadt gerichtet hatte, ist bislang unbeantwortet geblieben. Mit einer pro-aktiven Herangehensweise und Kommunikation wäre die Berichterstattung über das neue Erscheinungsbild von Leipzig eine andere. Für mich stellt sich beispielsweise die Frage, welche städtischen Unternehmen gemeint sind, die nun „erstmals unter dem Markenauftritt der Stadt zusammengeführt werden“, wie es in der Pressemeldung heißt. Alle Tochter- und Beteiligungsgesellschaften1 der Stadt Leipzig treten derzeit noch mit einem eigenen Erscheinungsbild auf.
Es ist berechtigt, wenn Mitglieder des Stadtrats in dieser Hinsicht nachfassen. Da in diesem Fall ein Mitglied der Links-Fraktion die Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt hat, sei darauf hingewiesen, dass die Bundesfraktion der Linken erst vor zwei Jahren, wie im dt berichtet, ein umfangreiches Rebranding hat durchführen lassen. Alle im Bundestag und den Landtagen vertretenen Parteien sind sich darüber bewusst, dass eine zeitgemäße Kommunikation und Außendarstellung von essenzieller Bedeutung ist.
So wie Ausgaben für Kitas und Schulen in aller Regel sehr gut investiert sind, sind auch Investitionen in die Kommunikation in aller Regel richtig und wichtig. Beides gegeneinander auszuspielen ist ein in der Gesellschaft weit verbreitetes Muster. Doch selbstverständlich ist beides wichtig: zusätzliches Schul- und Kita-Personal und saubere sanitäre Anlagen ebenso wie funktionsfähige, zugängliche digitale Dienste. Zurecht wird die digitale Verwaltung von Städten vielerorts kritisiert (fehlende Funktionalitäten, mangelhafte Usability, schlechte Darstellungsqualität auf Smartphones, etc.). Und wenn Geld in die Hand genommen wird, um das System insgesamt zu verbessern, wird abermals kritisiert. Auch dies ein Muster.
Aus meiner Sicht hätte die Stadtverwaltung im Vorfeld auf die Notwendigkeit der Maßnahmen hinweisen und auf ein damit verbundenes besseres Verständnis hinwirken können. So hätte sich die Akzeptanz für die geplante Veränderung erhöhen lassen. Wer die Notwendigkeit für geplante Maßnahmen erkennt, versteht und sich mitgenommen und gehört fühlt, urteilt anders. Aus Sicht der Stadtverwaltung eine vertane Chance. Für die Stadt ist die Modernisierung der Außendarstellung jedoch ein notwendiger und richtiger Schritt.
Entstanden ist das neue Corporate Design der Stadt Leipzig in Zusammenarbeit mit EdenSpiekermann (Berlin). Für die technische Realisierung des Webauftritts zeichnet DMK E-BUSINESS (Chemnitz) verantwortlich.
* Update 14.11.2025, 10:58 Uhr: Der Recherche des privaten, lokalen Fernsehsenders Sachsen Fernsehen nach schlüsseln sich die Kosten wie folgt auf:
Beratungskosten: 60.000 Euro
„Website-Design“: 390.000 Euro
Design des Logos: 15.000 Euro
Technische Umsetzung Website: 114.000 Euro
Schrifterstellung „Leipzig Sans“: 93.000 Euro
Gesamtsumme: 672.000 Euro
Mediengalerie
- Stadt Leipzig Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Stadt Leipzig, Bildmontage: dt
- Stadt Leipzig Logo, Quelle: Stadt Leipzig
Weiterführende Links
Fußnoten
- Stadtwerke Leipzig GmbH: Energieversorgung (Strom, Gas, Fernwärme), Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH:, Öffentlicher Personennahverkehr (Bus, Tram), Leipziger Wasserwerke GmbH: Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Netz Leipzig GmbH: Energie- und Wassernetzbetrieb, Sportbäder Leipzig GmbH, LESG – Gesellschaft zur Stadtentwicklung, bbvl Beratungsgesellschaft für Beteiligungsverwaltung Leipzig mbH
























Ich finde das typografische Konzept – und vor allem die Umsetzung durch Thomas Thiemich – wirklich herausragend. Man merkt, wie viel typografisches Feingefühl und gestalterische Sorgfalt in diesem Projekt steckt. Besonders schön ist auch, dass hier ein lokaler Schriftgestalter beauftragt wurde, statt einfach die nächste Schrift „von der Stange“ oder eine Monotype-Lösung zu nehmen.
So ein Vorgehen verdient wirklich Anerkennung – daran könnten sich viele Kommunen und Bundesländer ein Beispiel nehmen!
Und: Die Schrift erfüllt in puncto Leserlichkeit sämtliche Empfehlungen der DIN-Kommission nach DIN 1450 – also nicht nur schön, sondern auch funktional durchdacht.
Nun, wenn man wie von Dir beschrieben so tiefgreifend einen Schriftgestalter mit einbezieht, hätte man dann nicht zunächst einmal das Signet mit seiner Hilfe formal noch besser an den Duktus der Exklusivschrift angleichen können (weniger mathematisch geometrisch, mehr Strichstärken-Dynamik und ggf. auch ein ähnlicheres Gewicht)?
Mich hat es auch gleich an Oslo erinnert und damit positiv überrascht. Die Layoutgestaltung mit dem gebrochenen Farbfond dagegen wirkt auf mich eher generisch-unterkühlt, bisweilen ambitionslos. Vielleicht sähe das anders aus, wenn die Fond- oder Fotofläche konsequenter Weise immer ein L ergäbe.
Hab erst gedacht, dass das ein Pferd sein soll… Bei der Stilisierung kann das alles und jedes darstellen.
Ich finde das die Budgetüberschreitung von knapp 70% ein wesentlicher Teil der ist weshalb sich die Bürger dagegen aussprechen, diese Höhe ist mit recht absolut nicht hinnehmbar.
Ebenfalls musste keine neue Schrift erfunden werden, so dekadent wie Berlin muss man nicht sein. Die Schrift von Berlin ist übrigens weit besser gelungen, wenn man allein das kleine a und g vergleicht. Außerdem hätte man sich die Schrift auch Teilen können, wenn man keine von den dutzenden vorhandenen Schriften nutzen will. Der Bürger und somit der Klient und Geldgeber ist mit dem Ergebnis zurecht unzufrieden. Das Schönreden des Logos auf Basis der aktuellen “Mode” und “Designlehre” heißt nicht automatisch das es gerechtfertigt ist die Ablehnung der Bürger/Zahler zu ignorieren. Das Logo -Thema wurde absolut verfehlt da es dem Bürger nicht gefällt. Thema verfehlt -> Punkt.
Ab einer bestimmten Nutzerzahl ist es aus ökonomischer Sicht durchaus ratsam und lukrativer auf eine Exklusivschrift umzusatteln. Ich würde der Agentur mal unterstellen hier sinnvoll beraten zu haben.
Kostenexplosionen sind oft nicht vorhersehbar. Eine Budgetüberschreitung ist in dem meisten Fällen auch auf »ungünstiges« Verhalten auf Auftraggeber-Seite zurückzuführen.
Das Budget ist nicht überschritten worden, sondern ausgeweitet. Die Preiserhöhung kam laut offiziellen Mitteilungen vor allem dadurch zustande, dass auch die Webseite der Stadt Leipzig mit ins Projekt aufgenommen und komplett überarbeitet wurde.
Zum Thema “abgemagert” fällt mir ein, dass heutzutage kaum einer mehr weiß, was ein gesundes Gewicht ist – weder beim Menschen noch beim Tier. Mir gefällt die stilisierte Löwendarstellung daher ganz gut.
Meine 5 Bucks nach Lesen des Artikels u. Überfliegen der Kommis. Aus Zeitknappheit habe ich mich noch nicht, wie du Achim, intensiv mit der Materie auseinandergesetzt. Warum diese Einleitung? Die meisten Kommentatoren u. Kritiker (nicht speziell auf die dt-Kommentare bezogen) üben impulsiv Kritik oder weil Sie Geld (ausgeben) für Design sowieso scheiße finden. Die “schnelle Zeit” ermöglicht offenbar keine intensive Auseinandersetzung mit der Materie aber andererseits viel unqualifiziertes Gelaber.
Im m.E. recht emotionalen Artikel ist vieles gesagt. Erzdeebees Ansatz mit der Wappenform finde ich spannend, als unbedarfter Betrachter sieht man das aber nicht. Die blauen Linien stehen für die Flüsse in Leipzig, war mein Gedanke. Den Ausdruck “knackiger Hintern” habe ich zuletzt bei Renault Megane gehört, macht es aber sympatisch und sollte wie “arm, aber sexy” in die verbesserungswürdige Kommunikation der Stadt übernommen werden, wenn der Erklärbär den Logowandel beschreibt. Das bleibt wenigstens hängen.
Was ich nicht passend finde:
– der “Hintern” ist ggü. der restlichen organischen Linienführung zu symmetrisch
– das Blau “beißt” mich und könnte milder
– die blauen Linien sitzen optisch nicht mittig zw. Icon u. Typo (meine Auge will das aber ;)
– die Typo finde ich zeitlos, aber unspannend, man hätte als Erfinder des Buchdrucks mehr wagen können
– das L hat leider zu viel Weißraum ggü. dem Rest
Mad
…hier muss ich in vielen Punkten widersprechen:
Jeder Gestalter sollte wissen, dass nicht allein die mathematische Mitte ausschlaggebend sein sollte. Im unteren Bereich passt es ganz hervorragend. Wenn, wie von dir gewollt, die Striche mehr in der mathematische/geometrische Mitte wären, dann wäre der Freiraum unten bei den Beinen zu groß geworden
Und der Hintern: Widersprichst du dir da nicht selber, wenn du bei den Strichen die Mitte anstrebst, aber es dir hier zu symetrisch ist?
Ich sehe auch nicht, dass das L zu viel Weißraum hätte, im Ansatz nicht. Eher die kleinen Ts, aber das wäre auch nur äußerst marginal, wenn überhaupt.
Bezüglich der Assoziation mit Gewässern: kein Mensch verbindet Leipzig zuerst mit Weiße Elster, Pleiße oder Parthe. Das sind nette Stadtflüsse, aber keine identitätsstiftenden Schwergewichte, die es in ein Logo schaffen würden. Es sind auch 3, warum dann nur 2 Striche?
Die Typo “zeitlos, aber unspannend” zu nennen ist auch eher Geschmacks-Bingo als fundierte Kritik. Außerdem ist Zeitlosigkeit, oder zumindest eine Dauerhaftigkeit, ein bewusstes Designziel, kein Versehen.
Und was stört dich an der Einleitung? Es ist ein fundierter Kommentar, nichts mehr, nichts weniger, und damit gleichsam ein Diskussionsbeitrag, dem man sich anschließen kann oder auch nicht.
Deine Kritik liest sich ein bisschen so, als würdest du unbedingt irgendetwas finden wollen, das nicht passt – selbst wenn du dir dafür an anderer Stelle widersprichst.
Ich wollte hier keine Diskussion entfachen, tut mir leid, wenn du das Design anders siehst.
Optische Mitte! Ich sprach von optischer Mitte (ob der Freiraum im unteren Bereich zu groß wird, kann ich pauschal nicht sagen. Ich gucke zuerst auf den Schweif).
Das nicht jeder das Gleiche mit 2 Linien assoziiert, ist doch völlig normal. Ich hatte gestern einen Logo Workshop mit Jugendlichen ohne Kreativhintergrund: sehr interessant, was die so in Logos sehen ;)
Ich denke bei einem Logo, an dem Erik Spiekermann (Verneigung) mitgewirkt hat, ist auch ein Wort zur Typo erlaubt.
An meiner Einleitung stört mich nix, sonst hätte ich sie anders geschrieben. Ich habe mir nur erlaubt, sie selbst gleich noch zu kommentieren.
Bitte doch. Dafür ist das dt da, und wurde es geschaffen.
Der Umstand, dass die blauen Linien nicht optisch mittig sondern leicht links der Mitte sitzen, hat wohl damit zu tun, wie ich vermute, dass Löwe und die Vertikalen von den verantwortlichen Gestaltern offenbar als Verbund/Ganzes angesehen werden – denn sie bilden gemeinsam die Grundform eines Schildes, was jedoch nicht auf Anhieb rüberkommt, anders als beispielsweise in diesem auf Linkedin gezeigtem Entwurfsansatz, bei dem das Auge unmittelbar die Schildform imaginiert und vervollständigt.
Übrigens: Das Unternehmen SpiekermannPartners trägt zwar seinen Namen, allerdings ist Erik Spiekermann seit zehn Jahren nicht mehr im aktiven/operativen Geschäft.
Was für eine Welle der Empörung und des Shitstorms dieses neue Logo verursacht hat, ist so symptomatisch für die heutige Mainstream-Gesellschaft. Es vermischen sich Halbwahrheiten, überspitzte Polemik und Whataboutism. Und ja, man möchte meinen, die Verantwortlichen in der Regierung (ob Lokal oder Bund) kriegen es einfach nicht gebacken, vernünftig auf Augenhöhe zu kommunizieren und die Bürger abzuholen.
Ich habe beruflich öfter mit Behörden und Institutionen der Stadt Leipzig zu tun und mein ästhetisches Auge hat schon immer Zuckungen bekommen beim Anblick diverser Schreiben, Formulare und allerlei Dokumenten. Die Notwendigkeit eines neuen, einheitlichen Logos kann ich also sehr gut nachvollziehen. In meinen Augen wurde hier auch vieles richtig gemacht. Die Website ist gut gelungen, mein persönliches Highlight ist jedoch die Typo – die gefällt mir tatsächlich ausgesprochen gut. Und Nachhaltig ist es obendrein.
Der Elefant (Löwe) im Raum ist aber tatsächlich das Logo. Mein Geschmack trifft es auch nicht und ich kann gewisse Kritikpunkte nachvollziehen. Ein Teil ist natürlich subjektiv. Aber vor allem die Strichstärke ist mir zu gering. Der Löwe und die Landsberger Pfähle sind verloren im Raum angeordnet. Wenn man schon auf den Schild als Rahmen verzichtet, hätten die Formen des Löwen und der Pfähle die Kontur eins Schildes besser andeuten können. Und ja, der Löwe an sich ist aus meiner Sicht unglücklich gezeichnet und nicht identitätsstiftend zum „Leipziger Löwen“.