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Das Logo des Starbucks-Nachfolgers in Russland „Stars Coffee“ ähnelt …

Stars Coffee Logo
Stars Coffee Logo, Quelle: Stars Coffee

Die Ähnlichkeit zwischen dem Logo der kürzlich lancierten Marke „Stars Coffee“ und dem früheren Starbucks-Signet ist groß. Die neuen russischen Eigentümer wollen hingegen, vom Kreis abgesehen, keine Gemeinsamkeiten erkennen. Nachahmung, heißt es, ist die höchste Form der Anerkennung. In Russland beschreibt die jüngst erfolgte Lancierung von „Copycat“-Marken wie Stars Coffee und Wkusno i totschka die wirtschaftliche Abschottung des Landes vom Westen, nicht jedoch die Loslösung von westlichen Kulturen.

Im Mai dieses Jahres hatte das US-Unternehmen Starbucks vor dem Hintergrund des von Russland geführten Angriffskrieges auf die Ukraine bekanntgegeben, all seine Marktaktivitäten in Russland einzustellen und seine insgesamt 130 Filialen zu schließen.

Ähnlich wie bei McDonald’s, deren bisherige Filialen unter neuer Unternehmensführung, neuem Namen und mit weitgehend gleicher Speisekarte wiedereröffnet wurden (dt berichtete), stehen auch die neuen Café-Filialen nunmehr unter russischer Führung. Nicht nur das Sortiment des russischen Starbucks-Nachfolgers ähnelt dem der US-amerikanischen Café-Kette, auch der Markenauftritt und das Store-Design weisen große Ähnlichkeiten mit der in Seattle gegründeten Café-Marke auf.

Besitzer der neuen Café-Kette „Stars Coffee“ sind der Gastronom Anton Pinskiy sowie der Rapper Timati. Gegenüber den Medien gaben sie im Rahmen der Wiedereröffnung der Filialen bekannt, man wolle eine „gewisse Kontinuität“ sicher stellen, auch hinsichtlich des Brandings.

Stars Coffee / Starbucks Logos
Stars Coffee / Starbucks Logos, Bildquelle: Starbucks, Stars Coffee, Bildmontage: dt

Das kreisrunde Stars-Coffee-Logo enthält, wie das von Starbucks bis 2011 verwendete Markenlogo, einen umlaufenden und in Versalien gesetzten Schriftzug, im Zentrum eine weibliche Figur mit langen Haaren sowie drei Sterne. Während das aktuelle Starbucks-Logo einfarbig dunkelgrün gehalten ist, ist das Logo von Stars Coffee in den Farben Braun und Türkis(grün) angelegt. Die für Starbucks bekannte Meerjungfrau-Darstellung mit Krone wurde durch eine Frau mit Kopfbedeckung ersetzt. Dabei ähnelt die Kopfbedeckung einem Kokoschnik, einer traditionellen russischen haubenförmigen Kopfbedeckung.

Stars Coffee / Starbucks Logos
Stars Coffee / Starbucks Logos, Bildquelle: Starbucks, Stars Coffee, Bildmontage: dt

Vom Aufbau her und in Bezug auf den Schriftzug „COFFEE“ sind das neue Stars-Coffee-Signet und das alte Starbucks-Logo, wie eine Überlagerung der beiden Logos belegt, identisch. Die Schriftart, die Breite und Größe aller Ringe und Kreisflächen wie auch die Form und Platzierung der im breiten Ring enthaltenen Sterne stimmen zu 100 % miteinander überein. Gastronom Pinskiy erklärt derweil gegenüber dem Nachrichtenangebot Reuters, abgesehen vom Kreis gebe es keinerlei Übereinstimmungen mit dem Markenlogo von Starbucks. Starbucks selbst äußere sich nicht zu den Ähnlichkeiten, so Reuters.

Laut Eigentümer von Stars Coffee sollen alle Standorte der Kette in Russland bis Ende September wiedereröffnen. Im Web ist die neue russische Café-Kette seit wenigen Tagen unter der Domain stars-coffee.ru präsent. Eine entsprechende App steht zudem seit Kurzem im Google-App-Store zum Download bereit.

Kommentar

Die Ähnlichkeiten sind offensichtlich. Wenn markenrechtlich geschützte Zeichen und Logos von anderen als dem Rechteinhaber verwendet, kopiert, adaptiert und verfremdet werden, folgt – im Normalfall – eine Abmahnung bzw. ein Rechtsstreit. Würde beispielsweise in Deutschland ein Café eröffnen, welches das neue Stars-Coffee-Logo verwendet, läge dort wenig später ein Schreiben der Starbucks-Anwälte auf dem Tisch, in dem die Verletzung von Markenrechten abgemahnt wird. Aber was ist in diesen Zeiten schon normal.

Über den Verkauf der bisherigen Starbucks-Filialen an die neuen Betreiber ist wenig bekannt, auch nicht inwieweit in dem Vertrag der Umgang mit markenrechtlich geschützten Produkten, Gütern und Leistungen geregelt ist. Ob in diesem Fall tatsächlich Markenrechte verletzt werden, werden womöglich nur die Vertragspartner selbst wissen. Wichtiger als Spekulationen über mögliche Markenrechts- oder Urheberrechtsverletzungen zu betreiben, erscheint mir etwas anderes anzusprechen.

Ähnlich wie beim russischen McDonald’s-Nachfolger „Wkusno i totschka“ lässt sich das Design der neuen Marke Stars Coffee nicht von der Politik abkoppeln. Wir alle sehen, wie sich in Folge der russischen Invasion in die Ukraine westliche Unternehmen und Marken aus Russland zurückziehen, und wie russische „Copycat“-Marken ihren Platz einnehmen. Auch die Russen selbst nehmen diese Veränderung wahr. Eine Veränderung, die in den staatlich kontrollierten Medien als Signal der Unabhängigkeit, Souveränität und Stärke propagiert und zum Teil pathetisch gefeiert wird. Dass die weibliche Darstellung im Logo nun russisch-traditionell gekleidet ist, dürften nicht wenige Besucher der neuen Cafés als positiv werten, auch dass nun Russen das Unternehmen führen. Die auf diese Weise dokumentierte offenkundige Nachahmung scheint dabei ohne Belang zu sein.

Das Signet wird im Zuge der grafischen Überarbeitung zu einem die eigene Nation bekräftigenden Zeichen. Die Umdeutung von historischen Ereignissen wie auch die Neubesetzung bzw. Neuinterpretation von Zeichen und Begriffen, sind ein wesentliches Element innerhalb propagandistischer wie auch populistischer Kommunikation. Die Nationalsozialisten etwa okkupierten, da sie um deren herausragende Bedeutung als aufmerksamkeitsstarkes Gestaltungsmerkmal wussten, die bis dahin von den Sozialisten und Kommunisten verwendete Farbe Rot. Auch was die Symbolik von Hakenkreuz und Runen betrifft, bedienten sich die Nazis, wie Andreas Koop im Buch NSCI aufzeigt, ausgiebig und ungeniert an historischen Vorlagen. Eine Umdeutung erfährt auch das Starbucks-Markenzeichen. Die Kreisfläche, die bislang die Sirene einnahm – seit 1971 ist diese der griechischen Mythologie entlehnte Figur das Erkennungszeichen von Starbucks –, wird im Stars-Coffee-Logo durch eine Frauengestalt mit russischer Anmutung/Symbolik besetzt.

In der Bevölkerung entsteht im Zuge der jüngsten Entwicklungen der Eindruck, Russland sei dem Westen überlegen, auch kulturell. Schließlich ist man ja nicht weiter auf Lieferungen aus dem Westen oder auf westliche Marken angewiesen. Mit diesem Widerspruch, einerseits die Loslösung vom Westen zu postulieren, anderseits weiterhin von US-Amerikanern kreierte Kaffee-Spezialitäten, Hamburger und auch Backwaren wie Croissants zu konsumieren, scheinen Russen bislang auf ihrer zunehmend abgeschotteten „Insel“ ganz gut leben zu können.

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Was dieses Logo vor allem zeigt ist eins: Mit einer durchaus eindrucksvollen Gleichgültigkeit ersetzen die Russen das, was ihnen durch die Sanktionen genommen wurde.

    Aktuell sehe ich von den Sanktionen nur den Westen betroffen, Russland steht wie eine Eins, während hierzulande Heulen und Zähneknirschen herrscht.

    Das schreibe ich nicht, weil ich mit Russlands Führung und diesem unsäglichen Krieg sympathisieren. Aber jeder weitere Tag mit Energie- und sonstigen Preissteigerungen und Wohlstandsverlusten hierzulande wird die Fragen lauter werden lassen, inwiefern wir uns das leisten können und wollen.

    Nein, ich weiß auch keine Lösung. Aber je gebetsmühlenartiger wiederholt wird, dass die Sanktionen wirken, desto weniger glaube ich daran.

    1. Russland steht wie eine Eins? Die Luftfahrt steht kurz vor dem Kollaps, weil die keine Ersatzteile mehr haben und auf westliche Chips angewiesen sind. Panzer reparieren die mittlerweile mit Steuerteilen aus alten Kühlschränken.
      Das meiste konnten die am Anfang recht gut abfedern, weil die den Leitzins mal eben um 20% angehoben haben. Aber das wird denen alles auf die Füße fallen. Sanktionen wirken nicht unbedingt von heute auf morgen, aber langfristig. Viele Bereiche sind auch miteinander verkettet, und fallen dann irgendwann in sich zusammen.
      Bloß nicht von „wir merken nichts, alles ist toll“-Putin irritieren lassen.

  2. Man kann nur hoffen, dass es (trotz aller Propaganda) eine stetig steigende Zahl von Russen geben wird, denen das alles doch etwas merkwürdig vorkommt. Der angeblich gehasste westliche Lebensstil will von der Bevölkerung offensichtlich aufrecht erhalten bleiben. Es muss einfach hinterfragt werden, warum der Westen böse sein soll, wenn er doch so beliebt ist und weiterhin kopiert wird… Es muss einfach durch gesunden Menschenverstand klar werden, dass nur die Regierung bzw. Putin seinen Hass auf das gesamte Land übertragen will.

    Warum zum Beispiel – in diesem Thema ja sehr deutlich – verwendet man keinen russischen Namen und kyrillische Schrift für die „neue“ Café-Marke?? Ich wage die Vermutung, dass auch die neuen Geschäftsführer an der westlichen Kultur und dem Dialog festhalten wollen, dies aber durch die Politik, die verhängten Sanktionen und Vertragsauflösungen unterbunden wird. Mich würde es nicht wundern, wenn ehemalige Filialen von Starbucks, McDonalds und Co. dies nur als provisorische Zwischenlösung mit den US-Großkonzernen ausgehandelt haben. Mit dem Ziel, am Ende (des Krieges oder der russischen Wirtschaft und Diktatur) wieder zusammen zu finden…

    Von daher kann ich mir auch gut vorstellen, dass es vertragliche Lösungen gibt, die auch eine gewollte Ähnlichkeit in Namen und Logos beinhaltet. Das ist auch eine Art Protest gegen die putin’sche Regierung. Unumgänglich ist natürlich, dass es propagandistisch-medial anders interprätiert wird, aber da wäre ich wieder am Anfang meines Kommentars…

  3. Hollywood müsste das doch eigentlich lieben. Da gibt es ja oft Vereinbarungen, in denen die Nutzung einer Marke erlaubt (oder auch bezahlt) wird, aber nur in einem positiven Zusammenhang. Für alle anderen Fälle generiert Russland gerade passende „Schurkenmarken“, die auch von bösen Terroristen genutzt werden können.

  4. Ich stell mir den Schaffensprozess so vor:
    Entscheider 1: „Wir brauchen ein neues Logo!“
    Entscheider 2: „Hmm… Lass uns das alte nehmen – hat mir eh besser gefallen. Und die Menschen stehen auf Retro!“
    E1: „Super Idee! Hey du! Du machst doch was mit Grafik, nich?“
    Designer: „Ich? puh ja, Hab Inkscape und mach für meine Freunde mal hier und da was.“
    E1: „Super! Mach uns mal n Starbuckslogo ohne Starbucks zu sein – hier hast ne Datei, die auf einem der Rechner drauf war.“
    D: „Puh… OK – aber soll das nicht lieber ein Profi mach…“
    E1: „Du machst das schon! In 2 Stunden muss die Pressemitteilung raus.“
    E2: „Hmm… Das schreit jetzt nicht russischer Kaffee. Mach das braun und einfach ne Kokoschnik dazu – passt scho“
    D: „Und der Name?“
    E2: „Hmm… Starbucks können wir nicht nehmen. STARS! Jetzt hör auf rumzumachen das passt doch schon!“
    D: „Aber die Abstände der Ster…“
    E1: „Super! Nehmen wir!“ E1 schupst D zur Seite und drückt auf [drucken].

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