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Das Ende der Kreativität? Wie Midjourney, Dall-E und andere KI-Bildgeneratoren die Arbeitswelt von Kreativschaffenden beeinflussen

KI-Design, Illustration: Schaffrinna, erstellt mit Hilfe von Midjourney und Affinity Photo
KI-Design, Illustration: Schaffrinna, erstellt mit Hilfe von Midjourney und Affinity Photo

In vielen Branchen (Automobil, Industrie, Architektur) kommen im Bereich 3D-Modelling und -Printing bereits seit einigen Jahren Tools zur Anwendung, mit denen sich dank KI-Algorithmen eine sehr hohe Anzahl an Designvarianten generieren lässt. Spätestens jetzt, im Zuge der Verbreitung von KI-Bildgeneratoren wie Midjourney, Dall-E und anderer Software, erreicht die „künstliche Intelligenz“ nun auch die Arbeitswelt von Kreativschaffenden. Über Chancen, Risiken und Ethik.

Die Story ging vor einigen Tagen um die Welt. Das vom Spiele-Entwickler Jason Allen bei einem Fine-Arts-Wettbewerb im US-Bundesstaat Colorado eingereichte und mit Hilfe künstlicher Intelligenz generierte Bild „Théâtre D’opéra Spatial“ (Abb. unten) wird mit einem Preis ausgezeichnet. Sowohl Allen wie auch der Veranstalter stehen seitdem in der Kritik. Auf Twitter fallen Kommentare wie, es sei zu beobachten, wie sich der Tod der Kunst direkt vor unseren Augen entfalte. Es könne nicht angehen, dass ein von Algorithmen erzeugtes Bild ein von Menschenhand geschaffenes Werk aussticht.

Gegenüber US-Medien beteuert Allen, Inhaber einer kleinen Brettspielfirma namens Incarnate Games, er habe gegen keinerlei Regeln verstoßen. Die eingereichte Arbeit, die mit einem Preisgeld in Höhe von 300 US-Dollar bedacht wurde, habe er mit der Absenderschaft „Jason Allen via Midjourney“ versehen. Auf die von vielen Nutzern im Web geäußerten Vorwürfe angesprochen, das Bild sei eigentlich gar nicht sein Werk, erklärt Allen, sein Wettbewerbsbeitrag sei das Ergebnis von mehr als 900 Iterationen und Versuchen. Insgesamt habe er in die Arbeit 80 Stunden investiert und dabei auch andere Tools wie Photoshop verwendet, um an Details zu feilen.

„Théâtre D’opéra Spatial“, von Jason Allen, Quelle: Discord,@Sincarnate
„Théâtre D’opéra Spatial“, von Jason Allen, Quelle: Discord,@Sincarnate

Der international weitestgehend unbekannte Fine-Arts-Wettbewerb in Pueblo könnte, da dieser ungewollt vielfältige ethische, gesellschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche wie rechtliche Fragen aufwirft, zum Nucleus eines neuen Verständnisses werden. Was ist Kreativität? Können Menschen, in dem sie Wörter per Eingabe (Prompt) an eine KI-Software übermitteln, für sich beanspruchen, eine kreative, schöpferische Leistung vollbracht zu haben? Ist es fair, gegenüber jenen Personen, die keine KI-Software verwenden, dass eine solche Arbeit ausgezeichnet wird? Müssen sich Künstler, Grafiker, Designer, Fotografen, Illustratoren und andere Kreativschaffende um ihre berufliche Zukunft sorgen?

Was vor einiger Zeit noch utopisch erschien, ist Realität geworden. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz lassen sich einzig auf Basis von Textbeschreibungen visuelle Werke generieren, die neben jenen von Menschenhand geschaffenen Arbeiten nicht nur bestehen, sondern diese gar übertrumpfen. Die verwendete KI-Software ist nicht etwa lediglich einigen wenigen Forschenden in Laboren vorbehalten, sondern, und dieser Umstand trägt das Thema mit einem Schlag in die Arbeitswelt aller Kreativschaffenden, sie ist nunmehr frei zugänglich. KI-Bildgeneratoren wie Midjourney, Dall-E 2 (Open AI), Imagen (Google Brain) und Stable Diffusion drängen auf den Markt. Allein Midjourney hat mittlerweile mehr als eine Million Anwender.

Die Auseinandersetzung darüber, was Kunst ist und was nicht, wird seit der Antike geführt. Werke, wie die von Jason Allen, befördern den von Joseph Beuys geprägten Leitsatz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ ins digitale Zeitalter. Das Internet und die Digitalisierung haben die Art und Weise, wie Menschen arbeiten und miteinander kommunizieren revolutioniert und gesellschaftliches Leben insgesamt radikal verändert. Beuys Leitsatz lässt sich heutzutage im Prinzip auf fast jede andere Disziplin, Berufsgruppe und jedes andere Betätigungsfeld übertragen. Jeder und jede ist Künstler, Designer, Schauspieler, Musiker, Entertainer, Berichterstatter, Reisereporter, Autor, Ernährungsberater, Ausstattungsspezialist, Koch, Mental-Coach oder Hundetrainer. YouTube, Twitter, Facebook, Instagram und TikTok sei Dank.

Kritik gegenüber technischen Innovationen wie auch hinsichtlich neuer Ausdrucksformen gibt es nicht erst seit dem Internet. Mitte des 19. Jahrhunderts äußerte sich der französische Schriftsteller und Kunstkritiker Charles Baudelaire abwertend über die Fotografie und sprach dieser ihre Berechtigung als Kunstform ab. Um Kunst zu schaffen, so seine Kritik, bedürfe es Phantasie. Und Phantasie im Zusammenhang mit dem technischen Fotoapparat konnte er sich nicht vorstellen. Seitdem hat sich nicht nur das Verständnis in Bezug auf Kunst grundlegend verändert.

Dort wo früher vielfach Expertentum erforderlich gewesen ist, braucht es heute dank vorhandener technischer Infrastruktur keines besonderen Know-hows mehr. Mit wenigen Klicks lässt sich eine Website ins Netz stellen (WordPress), ein Buch/eBook publizieren, ein Film/Song veröffentlichen oder der eigene „Sender“/Channel/Audiokanal als Podcast starten. Technisches Wissen oder besondere handwerkliche oder gestalterische Fähigkeiten sind hilfreich, jedoch nicht zwingend erforderlich. Was man nicht hat, findet sich im Netz (Google). Was man nicht weiß, erklärt einem das Kollektiv (Wikipedia, Reddit, u.a.). Und was man selbst nicht kann, steuert die Community bei. Nun wird auch die künstliche Intelligenz Teil der Crowd.

Die Demokratisierung von Wissen und Technik hat Raum für Kreativität und Einfallsreichtum entstehen lassen. Und die Phantasie und der Einfallsreichtum des Menschen sind bekanntermaßen grenzenlos (Albert Einstein). Kreativität ist nicht etwa ein Status, der sich erst nach erfolgreicher Ausbildung und akademischer Laufbahn erreichen lässt, kein Attribut, das allein erwerbsmäßig nachgehenden Gestaltern vorbehalten wäre. Kreativ sein kann jede/jeder, wie auf Twitter geteilte Memes, auf YouTube hochgeladene Videos, Clips auf TikTok und nun auch mittels Midjourney über Discord veröffentlichte Bilder verdeutlichen.

Sind KI-Bildgeneratoren „the next big thing“ innerhalb eines seit Jahrzehnten fortschreitenden Transformationssprozesses? Personal Computer (Hardware) und Programme (Software) hielten Mitte der 1980er/1990er-Jahre Einzug in private Haushalte und ermöglichten so später auch Zugang zum Internet. Mitte der 2000er-Jahre eroberten Blogs und Videoportale das Internet und ließen Millionen von Menschen quasi über Nacht vom reinen Konsumenten zum „Content-Creator“ und Geschichtenerzähler werden: das Buzzword „Web 2.0“ war geboren, und mit ihm ein unendliches Informations- und Unterhaltungsangebot. Auf YouTube, Facebook und später Instagram und TikTok geteilte Geschichten gehen viral und wirken derart anziehend, dass sich vor allem die junge Generation mittlerweile größtenteils abseits der linearen Fernseh- und klassischen Nachrichtenangebote bewegt.

Neue Ausdrucksformen, Medienformate und Spielarten, miteinander in Dialog zu treten, sind entstanden. Bestehende Inhalte werden in Retweets, Mash-Ups und Remixes geteilt und immer weiter re-kombiniert, moduliert und verfremdet, bis letztlich auch Urheberschaften verschwimmen und rechtliche Grenzen durchbrochen werden. Im Rap und Hip-Hop der 1980er-Jahre etablierte sich Sampling, das Kopieren, Phrasieren und Weiterverwenden von Tonsequenzen, als neue kreative Ausdrucksmöglichkeit. Die schöpferische Kraft, die dieser Remixkultur innewohnt, lässt sich kaum leugnen. Lässt sich dies auch über die mittels KI-Bildsoftware entstandenen Motive und Werke sagen?

Sind Bilder wie „Théâtre D’opéra Spatial“ das Ergebnis einer schöpferischen Leistung? Falls ja, worin genau liegt der Akt des Schöpferischen? Stellt bereits die Auswahl und das Formulieren der für das Rendering notwendigen Textbeschreibungen eine kreative, schöpferische Leistung dar? Oder bedarf es zusätzlich einer nachträglichen händischen Feinjustierung im Zuge der Bildbearbeitung in Affinity Photo oder Photoshop? Macht es in dieser Hinsicht einen Unterschied, ob ich ein Gedicht verfasse, einen Songtext schreibe oder einen Prompt an einen Bot sende?

KI-Design, Illustration: Schaffrinna, erstellt mit Hilfe von Midjourney und Affinity Photo
KI-Design, Illustration: Schaffrinna, erstellt mit Hilfe von Midjourney und Affinity Photo

Neben komplexen philosophischen und ethischen Fragestellungen ergeben sich durch die zunehmende Verwendung von KI-Bildgeneratoren wie Midjourney auch ganz praktische Herausforderungen und Probleme, wirtschaftlicher wie rechtlicher Art. Design- und Kreativwettbewerbe sowie öffentliche Ausschreibungen und Pitches werden auf ihre Teilnahmebedingungen hin überprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssen. Schon allein deshalb, um dafür Sorge zu tragen, dass mit Hilfe von KI-Software generierte Wettbewerbsbeiträge nicht etwa nachträglich durch Dritte weiter „ge-remixt“ und anderweitig veröffentlicht werden, wie es bei derlei Community-basierten Anwendungen üblich ist.

Der Einsatz KI-basierter Software verändert nicht nur den Entstehungs- und Designprozess, auch das Berufsbild des Designers wird sich unter diesem technologischen Einfluss weiter wandeln (müssen). Denn wenn Entwurfsarbeiten auch mittels KI ausgeführt werden können, braucht es als Designer andere, weitere Qualitäten. Mehr und mehr entwickelt sich die Rolle des Designers vom Kreator zum Co-Kreator, Mediator und Kurator, wie ich bereits versucht habe im Beitrag „Generatives Design – Co-Kreation dank künstlicher Intelligenz“ herauszuarbeiten. Eine ganz ähnliche Entwicklung vollzog sich im Journalismus, wo im Zuge massenhafter Verbreitung von Halbwahrheiten und Fake News nicht allein das Schreiben, sondern mehr denn je das Kuratieren, Sortieren, Einordnen und Kommentieren zu Schlüsselaufgaben wurden. Ein Bruchteil von dem, was die KI auswirft, ist gebrauchsfähig. Das gilt es zu sortieren.

Kreativschaffende sind von Hause aus gut darin sich veränderten Bedingungen anzupassen, seien es technologische, gesellschaftliche oder marktwirtschaftliche. Also „no need to change, sondern Weiter­ent­wick­lung – wie immer“, wie Gesche Joost, Professorin an der Berlin University of the Arts und Leiterin des Design Research Lab, im Gespräch mit Design-Thinker Felix Kosok resümiert? Der damit verbundene Handlungsdruck, sich immer wieder neu aufstellen und erfinden zu müssen und sich den Umgang mit neuen Werkzeugen anzueignen, kann freilich auch einengend und lähmend wirken. Und der Druck, soviel scheint klar, wird durch KI-Software nicht geringer.

Autoren wie Charlie Warzel (The Atlantic) beginnen, anstatt eine Illustratorin oder einen Grafiker zu beauftragen, begleitendes Bildmaterial für ihren redaktionellen Beitrag mit Hilfe von KI-Engines anzufertigen, so berichtet etwa Vice. Für Leser des Magazins ist der Unterschied nicht zu erkennen. Viele, die einem gestaltenden Beruf nachgehen, stehen hingegen vor existentiellen Herausforderungen. Die Konkurrenz wird abrupt um Millionen Anwender größer. Was, wenn Unternehmen, Verlage, Medienhäuser und Redaktionen dazu übergehen Motive, Designs und Logos von der KI anfertigen zu lassen? Was bleibt dann an Arbeit für Fotografen, Illustratoren, Grafiker und Designer übrig? Muss die Politik auch hier regulierend eingreifen? #Debatte

Die Süddeutsche hatte im Rahmen ihres Projektes „ZukunftderArbeit“ einmal gefragt: „Wie wahrscheinlich ist es, dass ich durch einen Computer ersetzt werde?“. Bei Eingabe von „Bildender Künstler, Maler, Bildhauer, Illustrator“ wird derzeit lediglich 4,2 % als Wahrscheinlichkeit angegeben (Fotograf 2,1 %, Grafikdesigner 8,2 %). Da dieses Daten-Tool allerdings bereits 2015 entwickelt und veröffentlicht wurde, frage ich mich, wie viel Aussagekraft noch in diesen Zahlen liegt.

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Dieser Beitrag hat 33 Kommentare

  1. Ich glaube, als erstes werden Stock-Fotografen betroffen sein. Die Bildbeschreibungen in den Stock-Foto-Datenbanken lesen sich schon heute wie Dall-E-Prompts und mit den neuesten Entwicklungen im Gesichtsbereich (Stable Diffusion 1.5 z.B. bringt in diesem Bereich große Verbesserungen) wird der Markt für Fotos der Form „junger europäischer Mann mit Orange in der Hand, lächelnd, vor hellem Hintergrund“ schnell einbrechen.

    Hochzeits- oder Sportfotografen hingegen haben hier nicht viel zu befürchten.

    Dann sehe ich zunehmend Tutorials, wie man mit img2img-Methoden Bilder komponiert. Komplexe Prompts mit vielen Objekten funktionieren in der Regel nicht gut. Hier schaffen Kreative dann Werke, in dem sie einfache KI-generierte Objekte schaffen, sie verbinden und so neue Werke schaffen. Werke in einer Qualität, die ich als künstlerisch eher unbegabter so nicht hinbekommen würde. (s.z.B. Andy Salerno, „4.2 gigabytes or how to draw anything“). Hier sehe ich weiterhin eine Notwendigkeit für menschliche Kreativität.

    Die KI wird ein weiteres Werkzeug sein, das Kreative für ihre Schöpfungen benutzen werden. Die Fotografie hat den Maler nicht verdrängt, und die KI wird das auch nicht.

    1. Ich glaube man muss das schon differenzieren: Das „Verdrängen“ ist ja keine binäre Angelegenheit.

      Sicher wird es Anbieter geben, deren „Markt“ nicht von Bildgebender KI tangiert wird, sicher werden sich durch bildgebende KI auch neue Märkte und Tätigkeitsbereiche entwickeln.
      Aber ich persönlich bin sehr sicher, dass ein ziemlich großer Anteil der Arbeit, mit der heute viele IllustratorInnen, DesignerInnen und FotografInnen ihren Lebensunterhalt verdienen, durch die Leistungen von KI ersetzt werden wird.

      Nicht jeder Bildurheber ist sofort „Künstler“, nicht jedes Werk bereichert die Kulturgeschichte der Menschheit. Aber jedes in Auftrag kreierte Werk ist Grundlage für berufliches Schaffen. Und gerade die Breite Masse an Auftragsarbeiten, das Augenfutter, die Dekoration, der Schmuck lässt sich, nur noch wenige Entwicklungsschritte vorrausgesetzt, einfach und effektiv per KI ersetzen. Dabei müssen wir ja auch in Betracht ziehen, dass die Anspruchshaltung, bzw. Urteilskraft gegenüber künstlerischer und handwerklicher Qualität in diesem Tagesgeschäft sowohl auf Konsumenten- wie auf Auftraggeberseite denkbar gering ist.

      KI wird sehr, sehr schnell „good enough“ sein. (Ob sie dann billiger sein wird, als echte Menschen wird man sehen- aber selbst wenn nicht, wird das Geld in Teilen eben woanders hinfliessen…)

    2. Moin Jens,
      Ein kleiner Bericht aus der Praxis: als Hochzeitsfotograf setze ich seit diesem Jahr zwei KI-Apps ein. Eine hilft mir beim Auswählen der Bilder (Wählt aus 20 fast identischen Motiven, z.B. bei Gruppenfotos ein oder zwei aus, die Endauswahl mache ich dann aber noch manuell) und eine hat per Machine-Learning meinen Bearbeitungsstil in Lightroom gelernt und nimmt mir nun wahnsinnig viel Zeit für die Bildbearbeitung ab.
      Deine These zu den Stock-Fotos halte ich für ziemlich wahrscheinlich.

  2. Wäre die KI in der Lage, die Kommunikationsprobleme zu lösen? Auch heute besteht ein Großteil der Gestaltungsarbeit aus Prozess-Steuerung, oft ist der »Weg« die eigentliche Arbeit mit dem Auftraggeber. Das Ziel gerät schnell ins Abseits, wenn Gestalter die Prozesse nicht bereitwillig (mit)managen. Vor 20 Jahren hatten wir »600 fertige Layouts auf CD-ROM für 19,99 Euro« – durchgesetzt hat sich das als »Prozesslösung« bisher nicht. Ähnliches lässt sich in Prozessen der Bauwirtschaft auch beobachten. Kommunikation ist und bleibt der Dreh- und Angelpunkt. Und der Teufel steckt im Detail ;)

    1. Ähnliches gibt es doch bei Games schon mit generisch produzierten Maps und Welten ,aber auch da kann die „KI“ nur etwas neu Zusammenwürfeln wie ein Kaleidoskop ,sie erschafft nichts wirklich neues und hat kein Verständnis für Schönheit, und so sind 99% einfach schlecht und nur ab und zu gibt es einen Ausreißer ,und keine Gefahr für eine wirklich von „Hand“ erschaffene Maps mit Logik und kreativen Blickpunkten.

  3. Bei dem Bildwettbewerb sehe ich da keine wirkliche künstlerische Leistung. Ner KI etwas zu sagen ist für mich nicht anders, als zu nem Künstler zu gehen und dem zu sagen, dass er ne Katze in Ritterrüstung bei Nacht malen soll. Danach kann ich ja auch schlecht behaupten, dass ICH da der Künstler bin. Auch wenn der Typ seine Bilder noch minimal nachbearbeitet hat.

    Denke aber auch, dass für einfache Symbolbilder und Stockfotos da zuerst der Markt sein kann. Allerdings muss die KI dafür noch viel besser werden, das ist alles oft noch recht abstrakt und surrealistisch. Ob das den Kunden zufriedenstellt ist dann wieder ne andere Sache. Der meckert schließlich oft genug an lauter Kleinigkeiten rum, mit denen auch ne KI überfordert wäre. Das kann man aktuell dann auch nicht einfach per KI korrigieren, da ne KI oft Bilder komplett neu denkt, wenn sie etwas überarbeitet. Und schon gibts da nen Busch, der vorher nicht da war und die Person hat auf einmal nen Gürtel und andere Schuhe an.

    1. …gibts da nen Busch, der vorher nicht da war und die Person hat auf einmal nen Gürtel und andere Schuhe an.

      Stelle ich mir ebenfalls recht heftig vor.
      Musste beim Lesen des Textes grinsen, weil ich mir bildlich einen ‚Kunden‘ oder ‚Auftraggeber‘ (oder auch einen ‚faulen‘ Illustrator) vorstellte, der grade an der KI verzweifelt.

      Interessant ist auch, woher die Einzel-Vorlagen alle kommen. Kann man sich als Anwender sicher sein, dass nur gemeinfreie Motive in der Datenbank vorliegen? Derzeit wohl noch.

      Kommerzialisierung: Irgendwann will doch vemutlich jemand damit Geld verdienen wollen, dass auf einer eigens dafür erstellten Plattform Neues per KI erzeugt und verkauft wird. Das wäre der feuchte Wunschtraum eines Plattformbetreibers, dass der Kunde arbeitet, Zeit opfert (herumprobiert, was passiert, wenn er einen bestimmten Text, Keys eingibt) und dafür auch noch bezahlt. Hach. Dafür müssten jedoch m. E. die Einzelvorlagen besser, variantenreicher und von besserer Qualität sein (Lichtsetzung, Auflösung).

      1. zum Thema Geldverdienen / Monetarisieren: inzwischen werden die ersten „erfolgreichen“ Prompts verkauft, KI-generierte „Portraits“ werden als Stock-Bilder angeboten (Werbung: nie wieder Klagen wegen unbefugter Nutzung, nie wieder Model-Honorare), Fine-Art-Prints mit generierten Landscapes angepriesen, die den Stil erfolgreicher Fotografen nachahmen…

        1. Oh stimmt. Ja, habe ich auch gelesen, seitdem ich da drin bin zwecks Recherche.
          Bin extra rein in Midjourney, um mich schlau zu machen. Die Neugier ist ja die treibende Kraft bei Kreativen und kaum umzubringen ^^.

          Wenn bereits jetzt monetarisiert wird, dann steht die Überlegung im Raum:
          1. Wer verdient mehr dran, der Aggragatinhaber-/-betreiber?

          2. Oder das Mitglied unter unzähligen Mitgliedern, das es geschafft hat, ein Prompt erfolgreich zu verkaufen?

          Da wir alle nicht erst seit gestern unser liebes Internet haben, mit all seinen ähm ‚Wohltätern‘ wie Mark Zuckerberg u. a., tippe ich mal unschuldig wie ich bin auf Lösung No 1.
          ; -)

    2. „ als zu nem Künstler zu gehen und dem zu sagen, dass er ne Katze in Ritterrüstung bei Nacht malen soll. “

      Wer so einen Auftrag „erledigt“ ist dann aber schwerlich als Künstler zu bezeichnen, eher als ausführender Pinselschwinger.

      Kunst entsteht ja vor allem im Kopf durch den kreativen Schaffensprozess. Die Umsetzung ist dann nur Handwerk/Technik. Ich kann handwerklich perfekte aber zugleich Sterbens langweilige Bilder erstellen, Kunst sind die dann noch lange nicht.

      1. @KI: „kunst entsteht im Kopf“ – Da gehe ich zum Teil mit, will aber darauf hinweisen, dass aus rechtlicher Sicht das „werk“ sich in seiner ausgeführten Form manifestiert, nicht in der „Idee“. Letztere ist nicht schützbar, zumindest nicht durch das Urheberrecht.

        Es wird spannend, zu beobachten, wie die Gesetzgeber die Urheberschaft von KI bewerten werden, bzw. ob und wie sich diese Bewertung verändern wird.

      2. Naja, es ist ja Aufgabe des Künstlers, das „wie“ umzusetzen. „Katze in Ritterrüstung bei Nacht“ ist da halt sehr grob und legt nur das Thema fest. Ganz anders als Vorgaben, die schon bis ins kleinste Detail ausgearbeitet sind und nur umgesetzt werden müssen.

  4. Interessant, was heise dazu schreibt:

    Auch wenn zumeist nicht klar ist, auf welchem Trainingsmaterial die Algorithmen und ihre Werke basieren, wird doch immer wieder deutlich, dass darunter auch viele Werke sind, deren Erschaffer und Erschafferinnen solch einer Verwendung wohl nie zugestimmt haben.

    Die Urheberfrage würde mich auch interessieren.
    Von einigen Portalen wurde diese KI bereits verbannt, da sie von ihr ‚überflutet‘ wurden.

    Ich denke, dass echte Künstler im Sinne von Ausstellungs-Kunst (und nicht im Sinne von Gebrauchsgrafik) weniger Angst haben müssen, denn ihre Kunst ist meist Konzeptkunst. Ihre Kunst ist oft auch ein Gesamtkunstwerk also die Summe und Stimme ihrer Werke, ihrer Handschrift. Da wird sich KI schwertun. Außer sie faked es, dann gibt es – hoffentlich – rechtliche Probleme für die KI.

    Wer nach meiner Meinung obacht geben muss, ist ein Illustrator, wenn es mit dem ‚Einkauf‘ von Visuals nicht zwingend um hochwertige bildliche und gedankliche Aufwertung eines Artikels geht, sondern wenn ‚anything goes‘, Hauptsache irritierend, auflockernd, provokativ oder dekorativ.

    Link zum Zitat: https://www.heise.de/news/Midjourney-Co-Erste-Kunstportale-verbieten-Werke-von-KI-Bildgeneratoren-7261935.html

  5. Ich bin selbständige Künstlerin, seit 7 Jahren. Ich zeichne seit meiner Kindheit und digital zeichne ich seit 2009. Ich nutze seit einem Monat erfolgreich Ai, wie midjourney für meinen neuen Geschäftszweig und so wie die AI momentan sind, auch wenn sie noch so verblüffend erscheinen, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie einen Menschen Ablösen. Die Gesichter und vorallem Gliedmaßen sind zu 90% furchtbar. Es braucht Tonnen von Durchläufen bis ein Bild mal halbwegs annehmbar ist, grad wenn es um Charaktere geht und man etwas bestimmtes machen will. (posen, Farben, Licht, Stil etc) wenn man einfach auf gut Glück was generiert, dann hat sicherlich jeder Spaß mit den AI aber aus professioneller Sicht, löst es den Menschen (noch) nicht ab. Ich arbeite 12h täglich und generiere über 200 Bilder, davon sind vielleicht 2 oder 3 gut genug um weiter verwendet zu werden. Innerhalb eines Monats habe ich über 5000 Bilder generiert und davon nur ca 70 tatsächlich behalten um sie zu bearbeiten und zu verkaufen. Wer sich also nur ein wallpaper oder mal irgend was fantasy mäßiges machen will, der wird mit AI fündig. Wer aber Wert auf Details legt, der wird noch selber Hand anlegen oder jemanden für die edits beauftragen müssen.

    1. Die ai Bildgenerierung hat faktisch schon echte Design- und Gestaltungsaufträge erledigt (Magazin cover, album Cover etc.), also quasi „Menschen abgelöst“.

      Ich wüsste nicht warum man für rein dekorative Gestaltung noch einen Grafikdesigner beauftragen müsste. Vielleicht aus Nostalgiegründen oder wegen der eigenen Prinzipien.

      Das alles innerhalb weniger Monate. Die Entwicklung schreitet rasant voran. Die neusten Versionen von Midjourney und stable Diffusion sind auch schon deutlich besser im generieren von Gesichtern und bald werden auch Hände und Gliedmaßen kein Problem mehr darstellen. Was viele unterschätzen ist die Geschwindigkeit in der sich solche Ki’s weiterentwickeln. Das ist mit „Adobe Haut jedes Jahr mal ein Update raus“ nicht zu vergleichen. Und so müssen wir auf wöchentlicher Basis unsere Einschätzung dessen, was ki kann und nicht kann anpassen.

  6. In diesem Artikel werden wieder Argumente der fernen Vergangenheit bemüht wie, dass die Fotografie keine künstlerische Schaffenskraft besäße, sondern nur etwas aufzeichnet, was schon da ist u.dgl.

    Was wir nun aber erleben ist nicht etwa ein neues Werkzeug, das im entstehen Begriffen ist, sondern der Erschaffer des Inhalts. Krude Worteingaben sind wohl kaum ein künstlerischer Eingriff, ein Entwickler arbeitet vermutlich schon an einer Erweiterung, die eigenständig Themen entwickelt und umsetzt. So wäre es nicht verwunderlich wenn es bald eine Bilddatenbank von Google gibt, die fortlaufend Bilder anhand der häufigsten Suchanfragen erzeugt und zum Kauf anbietet…

    Die Nutzung andererseits von bestehenden Bildern als die Verletzung von Bildrechten zu bezeichnen ist wohl sehr gewagt. Woher wohl sonst als durch die Beobachtung (=loses „kopieren“) der Welt weiß denn ein Künstler, was ein Pfau, ein Haus oder eine Computermaus ist? Wenn es jemand schaffen würde einem Blinden zu erklären wie ein Elefant aussieht, so dass er diesen zumindest so genau Malen könnte, dass man ihn als solchen erkennt, wäre ich wohl anderer Ansicht.

    Wir stehen hier an einer bedeutenden Stelle der Geschichte. Wenn die diversen Formen von KIs bald kumulieren, stellen sich neben den obigen Fragen noch Tausende weitere, die bisher nicht so wirklich offenbar waren.

  7. Bin erstaunt, wie sehr hier in vielen Kommentaren – nach der regelrechten Explosion der Technologie in den letzten zwei Jahren und dem Tempo, das zB Midjourney bei den Updates seiner Modelle vorlegt – die Fähigkeiten von AI hier weiterhin total unterschätzt werden.
    – Gesichter und Gliedmaßen zu 90% furchtbar
    – für Stock Photos zu abstrakt und surrealistisch
    – keine Revisionen möglich, weil die KI das ganze Bild verändert
    Wir können uns darauf einstellen, das sind Dinge, die nicht binnen Jahren, sondern binnen Monaten gelöst sind. Oder auch jetzt schon (Punkte 1 und 2 machen gerade alle große Sprünge, Punkt 3 ist in Dall-e schon lange möglich).
    Wer sich darauf ausruht, dass AI „nicht gut genug“ sei, wird schneller als gedacht das Nachsehen haben, daher ist die Diskussion, wie ein Arbeiten mit der AI aussieht, jetzt so wichtig.

    1. Wie funktioniert das denn bei Dall-E? Bei Midjourney läuft das ja fast wie ein echter Prozess ab, wo ich erst ein grobes Bild bekomme und das dann immer feiner und detaillierter wird. Da reichts ja schon, nur eine höher aufgelöste Version zu wollen, schon sind da etliche Details im Bild, die es vorher nicht gab, Gesichter sehen anders aus, etc. So als hätte ein Künstler halt nochmal ein paar Stunden am Bild rumgemalt.

  8. Wenn man sich die Geschichte der Kunst anschaut und sich ein bisschen mit der technischen Revolution auseinander setzt wird einem klar, das Kunstformen eng mit technischen Möglichkeiten gewachsen sind und sich zusammen entwickelt haben. KI ist momentan die technische Königsdisziplin und es ist klar, dass sich die Kunst dieser neuen Technik bedient und diese nutzt. Das Phänomen der Kritik an technischen Neuerungen ist auch nichts Neues und lässt sich für jede Kunstepoche beobachten. Ich würde sagen, das ist die normale Evolution der Kunst.

  9. Aktuell greifen die „KIs“ nur auf vorhandenes im Netz zu und reproduzieren. Das tun Künstler*innen zwar im weiteren Sinne auch, jedoch mit dem Vorteil bewusst, zitieren, abstrahieren, regeln brechen und, vor allem, das Ergebnis im individuellen kreativen Kontext bewerten zu können. Beide folgen einem Programm, Künstler*innen können das Programm jedoch, zu jedem Zeitpunkt ändern, ignorieren oder verlassen und wissen jedoch, aufgrund der kreativen Idee, was nach Ablauf des Programms als Werk entstehen soll. Die KI kann das nicht.

  10. Ich verwende jetzt seit einigen Wochen die KI Stable Diffusion in meinem Atelier. Wenn man etwas sinnvolles oder überraschend ansprechendes als „Ergebnis“ haben möchte – muss man sich mit der kreativen Text-Eingabe beschäftigen.
    Die KI hier ersetzt und ergänzt die übliche Google Bildersuche. Die Bildersuche war Teil der Inspiration. Das Ergebnis der KI ist Public Domain. Es wird ausdrücklich zum Teilen und verändern von mir veröffentlicht. Public Domain ist und bleibt Public Domain und kann nicht später in der Nutzungslizenz verändert werden. Man merkt dem Ergebnis aber deutlich an, dass die Gestaltung nicht _gelernt_ ist. Wie man einem KI erstellten Text dies auch noch anmerkt. Die Technik steckt in den Kinderschuhen, wird aber die Qualität und Vielfalt _meiner Meinung nach _ erheblich verbessern. Da man sich zum Beispiel nicht mehr mit dem Google Schrott belastet….
    Und die, die nicht zeichnen können, haben nur eine Ausdrucksmöglichkeit: Beispiel Monday Lisa…

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