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Christlich-Soziale Volkspartei (CSV) erwählt neues Logo

CSV Logo
CSV Logo, Quelle: CSV

Die Christlich-Soziale Volkspartei in Luxemburg (CSV) hat sich ein neues Logo zugelegt. Mit dem neuen Design solle ein frischer Wind in die Partei Einzug halten und auch visuell der Wille zur Modernisierung unterstrichen werden.

Die CSV (Chrëschtlech-Sozial Vollekspartei), 1945 unter dem heutigem Namen gegründet, ist die mitgliederstärkste Partei in Luxemburg und Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP). Als prominentestes Mitglied gilt Jean-Claude Juncker, der von 1995 bis 2013 Premierminister Luxemburgs war und in den Jahren 2014 bis 2019 das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission bekleidete. Seit 2013 besteht die regierende Koalition Luxemburgs aus Liberalen (Demokratische Partei DP), Sozialdemokraten (Luxemburger Sozialistische Arbeiterpartei LSAP) und Grünen (Dei Greng).

Im Rahmen des jüngsten Bundeskongresses Mitte Juni präsentierte die Partei den Delegierten ihr neues Logo. Das neue, nunmehr in den Farben Türkis, Gelb, Schwarz und Weiß gehaltene Logo verkörpere die Werte, für die man als Partei stehe: „vielfältig, bunt, traditionsbewusst, aber auch modern und tief verbunden mit Land und Leuten“, so die offizielle Erklärung.

CSV Logo – vorher und nachher
CSV Logo – vorher und nachher, Bildquelle: CSV, Bildmontage: dt

Seit Jahrzehnten ist Orange die prägende und identitätsstiftende Farbe der christlich-sozialen Partei CSV. Die Partei vollzieht damit die womöglich größte Anpassung am visuellen Erscheinungsbild in ihrer Geschichte. Das bisherige Logo, ein leicht schräg gestelltes, abgerundetes orange Quadrat mit eingebundener, gegenläufig schräg platzierten weißen Wortmarke, hatte sich die Partei 2013 zugelegt.

Kommentar

Zunächst ein Blick auf das, was war: Das alte Logo verkörpert über die Formgebung gewissermaßen prototypisch Unstetheit, Wankelmut und Orientierungslosigkeit. Während die weiße CSV-Wortmarke eine Aufwärtsbewegung nach rechts beschreibt, scheint der Quadratkorpus nach links unten zu kippen. Die Bewegung ist unruhig, das Design konzeptlos und die Form insgesamt ein Logo gewordener Unfall. Man möchte wegschauen, aber es fällt schwer. Für mich vollkommen unverständlich, dass eine Partei, unabhängig davon in welchem politischen Spektrum sich diese bewegt, ein derart wackeliges Konstrukt, wie es das bisherige Logo eines darstellt, als Absender verwendet, zumal über einen so langen Zeitraum von neun Jahren. Will man als politische Partei als wählbar angesehen werden, müsste doch eines der Ziele sein, möchte man meinen, in der Außendarstellung eine gewisse Verlässlichkeit zu vermitteln. Das alte Logo hingegen sendet gegenteilige Signale aus.

Logos sind ein Spiegelbild der Markenpersönlichkeit. Auch das neue Parteilogo, ein aus vielen unterschiedlichen Elementen und Farben gebildetes Signet, zeichnet das Bild eines eher unruhigen, unsteten Charakters. Während die Lettern zu Ligaturen geformt wurden und über die Formgebung ein Zeichen von Einheit und Geschlossenheit aussenden, wird über die Farbgebung Separation und Trennung betont. Eine in hohem Maße widersprüchlich Gestaltung! Für Unruhe sorgt auch der schwarze Korpus, der die Wortmarke plus einen aus diagonalen Linien gebildeten Umriss des Großherzogtums Luxemburg in sich aufnimmt. Mir erschließt sich der Sinn des linksseitigen Anschnitts offen gestanden nicht so recht. Soll hiermit möglicherweise Dynamik kommuniziert werden? Falls ja, endet diese jäh an der rechten Seite des Logos, wo der rechtwinklige Abschluss einen Prellbock darstellt. Ein wenig planlos wirkt auf mich zudem die unterschiedliche Neigung des einleitenden Anschnitts (23˚) des Korpus und des Aufstrichs beim „V“ (19˚), siehe Darstellung. Das Logoredesign stellt aus meiner Sicht keinerlei Verbesserung dar. Auch insgesamt sehe ich nicht, dass mit der neuen Gestaltung die intendierte und erwünschte Modernisierung erreicht wird. Das visuelle Erscheinungsbild ist anders, aber nicht besser.

Spannend ist das Redesign allerdings in Bezug auf die veränderte Corporate-Farbe Orange. Denn bislang stand Orange in Statistiken und Wahlergebnissen synonym für die CSV. Derlei Zuschreibungen orientieren sich nur bedingt am visuellen Erscheinungsbild der jeweiligen Partei (siehe DIE LINKE). Denkbar wäre, dass Orange in diesem Anwendungskontext das von der Partei nun vollzogene Rebranding überdauert und dort als farbliche Kennzeichnung für die CSV fortbesteht.

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Für mich charakterisieren die zusammengerückten Buchstaben vor allem eines, nämlich Verschlossenheit statt Offenheit. Bei einer wachsenden Bedeutunglosigkeit, die die CSV in Luxemburg seit gut einem Jahrzehnt verspürt, könnte man meinen, mit dem neuen Logo verdeutlicht die Partei den gesellschaftlichen Druck, unter dem sie seither steht.

    Das aus Linien symobilisierte Luxemburg im Logo erzeugt in geringeren Abmaßen ein unsauberes Bild. Dabei erhofft man sich als Betrachter von einem Logo vor allem Klarheit. So etwas wie Digitales / Digitalkompetenz vermag ich darin nicht erkennen.

    Die Farbwahl kann ich nicht wirklich einordnen. Einerseits, weil sich Konservatismus im christlichen Kontext und Moderne beinahe automatisch widersprechen, andererseits zeigt sich beim Kontrastcheck, dass sich Blau (oder Türkis) und Gelb (oder Orange) nun wahrlich nicht grün sind. Mir fehlt hier ein stimmiges Gesamtbild.

    Das Logo wirkt insgesamt konzeptlos, widersprüchlich, in Teilen „verwaschen“.

  2. Ganz nebenbei verliert man auch den Anschluss an die Schweizer Schwesterpartei CVP, deren Logo dem bisherigen CSP-Logo sehr ähnlich sieht.

    1. Nur als Information:
      Die CVP in der Schweiz existiert nur noch in einzelnen Kantonen, da sie sich auf nationaler Ebene zum 01.01.2021 mit der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) zur neuen Partei „Die Mitte“ zusammenschloss.

  3. Die Christen halt, man nähert sich nun auch optisch der „dunklen Seite“ der Macht.
    Ist das gar ein Schritt zur Selbsterkenntnis?

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