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Bistum Aachen adaptiert Dachmarkenkonzept und ändert sein visuelles Erscheinungsbild entsprechend

Bistum Aachen Logo, Quelle: Bistum Aachen
Bistum Aachen Logo, Quelle: Bistum Aachen

Das Bistum Aachen präsentiert sich seit kurzem mit neuem visuellen Erscheinungsbild. In einer zunehmend komplexen Welt sei es wichtig, wie es anlässlich der Umstellung seitens des Bistums heißt, einen verlässlichen Orientierungspunkt zu bieten. Gelingen soll dies auf Basis jenes Design-Grundkonzepts, das bereits in den Bistümern Fulda und Münster zur Anwendung kommt.

Das Bistum Aachen ist eine römisch-katholische Diözese im Westen Nordrhein-Westfalens mit Sitz im Aachener Dom. Es wurde 1802 gegründet, 1825 aufgelöst und 1930 neu errichtet. Heute umfasst das Bistum Aachen, das an die Niederlande und Belgien grenzt, rund 1,04 Millionen Katholiken. Nun wurde das visuelle Erscheinungsbild des Bistums, mit dem Ziel das kirchliche Angebot zeitgemäß und bedürfnisorientiert auszurichten, aktualisiert und grundlegend verändert.

Auszug der Pressemeldung

„Mit dem neuen Logo ‘Katholische Kirche Bistum Aachen’ positioniert sich das Bistum als relevanter Akteur in der Gesellschaft. Katholisch zu sein, bedeutet zu integrieren, nicht zu spalten. Das moderne Form- und Farbdesign spiegelt wider, wie vielfältig und lebendig das kirchliche Angebot im Bistum Aachen ist“, sagt Generalvikar Jan Nienkerke. „Deshalb rückt die neue Marke „Katholische Kirche Bistum Aachen“ das Kreuz als starkes Zeichen eines …

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Vorweg, ich bin absoluter Laie was Gestaltung und Design angeht, deswegen ist meine Antwort wahrscheinlich weniger vom Fach und eher als gefährliches Halbwissen zu verstehen. Aber ich habe mir noch ein Mal die anderen Logos der Bistümer angeschaut, und muss sagen, aus meiner Sicht gibt es da einige schlimme Aussetzer. Von Mainz (sieht nach Stadtverwaltung aus), über das “MBistum” Regensburg, zum 90er-Retro-Logo von Rottenburg Stuttgart sind dort einige Logos hoffentlich auch bald dran mit der Renovierung.

    Ich mag das “Model Münster” tatsächlich sehr, da in meinen Augen die Gestaltung einerseits einfach und klar ist (Kreuz und Katholische Kirche), gleichzeitig eine gewisse Wärme ausstrahlt, die ich von einer Institution wie der Kirche erwarte. Im Vergleich wirkt zum Beispiel das BE vom Bistum Erfurt zu unklar, zu wenig Kirche, zu sehr Corporate, andererseits Speyer oder Trier eben zu kalt, zu sehr Hochamt und Bischofsthron, weniger Kirche bei den Gläubigen.

    Ich verstehe vollkommen den Einwand, dass der bisherige Ansatz “Model Münster” aber immer mit eigener Farbe Limitierungen hat. Die Frage ist, muss jedes Bistum tatsächlich eine komplett eigene Farbe haben. Könnte es ein “rotes” Bistum in jeweils mehreren Kirchenprovinzen geben? Oder stattdessen: Eine Farbfamilie pro Kirchenprovinz. Also beispielsweise innerhalb der Kirchenprovinz Köln nutzen alle Bistümer einen Rot-ton, innerhalb der Kirchenprovinz Paderborn einen Gelb-ton etc.

    Achja, und als letzte Anmerkung, ich bin auch kein Fan von der Outline-Version. Auf mich macht diese einen vor allem technisch- architektonischen, damit unfertigen Eindruck. Und geht damit in eine völlig andere Richtung als das blaue Kreuzlogo.

  2. Wenn man ein Blick auf die Bistümer wirft finde ich die vorgestellte Kreuzlösung und die Idee des Bistums Limburg ganz nett: Man nutzt die Dreiecke als Baukasten für eine individuelle Marke, hier der stilisierte Dom. Hat dann auch ein bißchen was von “baue deine Kirche” und könnte mehr Varianz geben, aber dann sollte die Typo auch einheitlich sein. Und wenn man ganz genau hinschaut, sieht man in Limburg auch die weiße Badewanne versteckt im Logo, die die ehemalige Luxuswanne vom damaligen Bischof ersetzt hat ;-)

  3. Das ist eines dieser Logodesigns, die es Gestaltern etwas schwer machen. Denn auf den ersten Blick funktioniert das. Das unvollständige – aber eben auch „offene“ – Kreuz wird durch den Schriftzug optisch vervollständigt. Das Mosaikmuster vermittelt, wie das Bistum sich aus den Gemeindemitglieder zusammensetzt. Dass dabei eine DIN für die Wortmarke in Majuskeln verwendet wird, mag nicht typografisch zu Ende gedacht sein bzgl. der Atmosphere Value. Aber bei dieser Wort-/Bildmarke muss sich die Schrift stark zurücknehmen gegenüber der Bildmarke, so dass dieses fehlende typografische Feingefühl im Detail in der Gesamtwirkung nicht so stark ins Gewicht fällt. Die richtigen Probleme fangen aber an, wenn es um die Verwendung des Logos in einem Designsystem geht. Zu dem nicht funktionierenden Farbkonzept wurde alles gesagt (danke dafür!). Hinzu kommt, dass dieses Logodesign nicht in digitalen Medien funktioniert – zum Beispiel als Profilbild in sozialen Medien. Denn der naheliegende Schritt, Wort- und Bildmarke zu trennen, funktioniert nicht. Ohne die Wortmarke bleibt nur defektes Tetrisspiel, wie beim Instagram-Kanal des Bistums Aachen zu sehen ist. Das dürfte auch der Grund sein, warum das Bistum Münster bei Instagram ganz darauf verzichtet hat, sein Logo im Profilbild zu verwenden. Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass ein Logo immer – ohne weitere Eingriffe – als Favicon, in Profilbildern von Social Media-Anwendungen etc. funktionieren muss. Aber hier gibt es scheinbar gar keine Lösung.

  4. Das mittlerweile drei, die Bistümer Münster, Fulda, Aachen nun ein aus Dreiecken gestaltetes Kreuz haben, könnte m. E. schon – wenn sich die 27 Bistümer einigen – auch als „Dachmarke“ für die katholische Kirche in Deutschland funktionieren. Nur nicht in der Negativ-Form in weis auf schwarzem Hintergrund.
    Das Bistum Essen und Hildesheim würden (für die sind den aus den Dreiecken gestaltetem Kreuz) ja mit ihrem jetzigen Kreuz dem schon sehr nahe kommen.
    Danke an Achim an dieser Stelle für die tolle Übersicht der Logos der Bistümer!
    Die Dachmarke und mit Farbnuancen mit den farbigen Dreiecken könnte m. E. eigentlich bei fast allen Bistümern funktionieren, ausser wahrscheinlich aufgrund eines langen Namens wie z. B. bei ‚München und Freising‘.
    Kleine Anmerkung dazwischen: auch wenn es jetzt in keinem direkten Zusammenhang zu diesem Artikel steht: auch das Rote Kreuz hat gem. den Genfer Abkommen mehrere Schutzzeichen: Rotes Kreuz, Roter Halbmond und Roter Löwe vor aufgehender Sonne und in einem Zusatzprotokoll mit aufgenommen den Roten Kristall. Diese Zeichen dürfen auch von den Nationalen Gesellschaften verwendet werden. Und dies bei über 190 Staaten!
    Warum sollte es bei „nur“ 27 Bistümern nicht möglich sein eine Logo-Struktur zu entwickeln?
    Nur bitte nicht weisse Dreiecke auf schwarzem Hintergrund.
    Ich bin nicht vom Fach, aber interessierte Laie für Logos und CDs.

    1. Danke Christian.

      Warum sollte es bei „nur“ 27 Bistümern nicht möglich sein eine Logo-Struktur zu entwickeln?

      Richtig. Grundsätzlich ist ein gesamtheitliches System schon möglich, konzeptionell, gestalterisch. Beispielsweise unter Einbindung generativer Gestaltung, wie es seinerzeit für die Hochschule Flensburg erdacht wurde. Gleichwohl wurde das Konzept meines Wissens in seiner generativen Ausgestaltung so nicht umgesetzt. 27 ist in dieser Hinsicht keine große Anzahl, wenn man bedenkt, dass die MIT seinerzeit ein Logosystem verwendet hat, das 40.000 Permutationen gestattet.

      Die zentrale Frage ist demnach vielmehr, ob ein gesamtheitliches System politisch gewünscht ist. Auch, ob es strategisch sinnvoll ist. In einem Dachmarkenkonzept, bei dem alle Submarken auf dem selben Designsystem basieren, zahlt jede einzelne Submarke auf das Gemeinschaftskonto ein, bildlich gesprochen. Die Markenkommunikation ist vereinheitlicht. Die auf diese Weise miteinander verzahnten und verbundenen Schwestermarken tangieren sich gegenseitig. Was zu Problemen führen kann. Etwa wenn das schlechte Image der einen Marke auf die anderen Schwestermarken abfärbt. Weshalb beispielsweise Autohersteller in den letzten Jahren dazu übergegangen sind Modelle unter einer gänzlich neu geschaffenen Marke zu positionieren. Seat etwa vermarktet sportliche Modelle seit 2018 unter der Eigenmarke Cupra. Würde Cupra als Marke scheitern, würde diese die Marke Seat nicht bzw. weniger tangieren.
      Zurück zu den Bistümern. Im Hinblick auf eine mögliche gemeinschaftliche Kommunikation gilt es also unbedingt auch mitzudenken, dass eine potenzielle negative öffentliche Aufmerksamkeit bestimmter/einiger Bistümer auch andere Bistümer betrifft. Insbesondere Köln, München, Trier, Münster und Aachen haben im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung teils besonders negative öffentliche Aufmerksamkeit erfahren – wegen der Schwere der Vorwürfe, der Zahl der Betroffenen und dem teils mangelhaften Umgang der Kirchenleitung mit der Aufklärung. Selbstverständlich kann und darf ein so wichtiges, gesellschaftlich relevantes Thema im Kontext Design und Markenkommunikation nicht ausgeklammert werden.

  5. Ich bin gespannt, ob sich das Modell Münster weiter verbreitet.

    Die Frage ist, was mit den längeren Namen wie
    HILDESHEIM
    REGENSBURG
    MÜNCHEN UND FREISING
    und den Bezeichnungen
    BISTUM
    DIÖZESE
    ERZBISTUM
    ERZDIÖZESE
    geschehen soll, wenn das in eine Zeile passen soll (und falls man überhaupt gewillt wäre, mitzumachen, vermutlich nicht)?

    Das hätte man alles, wie Achim schon schrieb, bei einer Dachmarke viellecht besser im Vorfeld bedenken sollen.

    Interessante Diskussionen ergäben sich, wenn Limburg die Typografie von Müster übernehmen würde, aber bei der Bildmarke bleiben sollte. Oder Hildesheim genau wie Münster aussähe, aber das kleine “Dach” in der Mitte der Bildmarke behalten würde. :-)

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