Astra lässt basteln

Astra - Gestaltungswettbewerb

Die Biermarke Astra veranstaltet anlässlich des 100-jährigen Markenjubiläum einen Gestaltungswettbewerb. Wie es auf der Website heißt wünscht sich die Marke zum Geburtstag etwas „Selbstgebasteltes“. Deshalb suchen Astra und die Hamburger Morgenpost das schönste selbstgestaltete Astra-Geburtstags-Etikett. Die Teilnahmebedingungen sind allerdings höchst fragwürdig.

Die ist Idee ist nicht neu. Wie immer sollte bei derlei Aktionen gleich der zweite Klick – sofern man sich von den Preisen angesprochen fühlt – auf die Teilnahmebedingungen gehen. Mit Blick auf die NICHT vorhandene Honorierung sowie dem folgenden Passus, erscheinen mir allerdings nicht nur die Etiketten, sonder auch die Teilnahmebedingungen am Wettbewerb „selbstgebastelt“ um nicht zu sagen unfair:

Das Gewinner-Etikett erscheint auf zwei Millionen Astra Urtyp Flaschen. Eine Vergütung erfolgt nicht.

Mit der Einsendung der Gestaltung erklärt der Teilnehmer sich einverstanden, sämtliche Rechte an dem Motiv zeitlich, räumlich und für alle Medien auf die Bavaria-St. Pauli GmbH zu übertragen“.

Die Abtretung der Rechte aller eingereichten Arbeiten, also nicht nur die der Siegerentwürfe, ist unüblich und sollte immer zur Vorsicht mahnen. Vor allem auch der Umstand, dass nicht einmal der Siegerentwurf mit einem Preis oder einer Vergütung versehen ist, ist äußerst skurril. Man muss schon echter Fan der Marke sein, wenn man bei diesem Wettbewerb teilnimmt.

Man kann jedem nur abraten hier teilzunehmen.

19 Kommentare zu “Astra lässt basteln

  1. Schade, denn die Idee mit dem „Selbstgebastelten“ ist doch wirklich kreativ und witzig, so wie man es von Astra erwartet. Wenn ich mich richtig erinnere hat Astra ja auch sonst schon freche Werbung gemacht und mit den Klischees von „Spießern“ und „Echten Astra-Trinkern“ gespielt. Wenn es dann solche unwürdigen Bedingungen gibt, verdirbt das nicht nur den Spaß der Designer, sondern auch das Markenbild.

  2. Solche Aktionen gibt es immer wieder und sie sind in der Mehrheit allesamt fragwürdig. Nicht allein der Umstand dass man alle Rechte Abtritt, das es selten mal mehr als nur um ein „Taschengeld“ geht, sondern auch, dass es nicht mal eine ernst zu nehmende Jury (der Chef + ein Irgendjemand) gibt, sofern sie überhaupt genannt wird. Das der Siegerentwurf rechtlich in trockene Tücher gebracht erscheint mir sinnvoll, aber sich die Rechte an allen Einsendungen zu „sichern“ ist ziemlich dreist.

    Der AGD beobachtet sowas ja auch ganz gerne und fast das unter „schwer verdaulich“ zusammen.

    Ähnlich sittenwidrige Veranstaltungen waren in der Vergangenheit:
    Becks it (Becks Brauerei)
    designenlassen.de (Unternehmen)
    Grüne Wiese (Gruner und Jahr)
    Audi SPORE
    Adobe „Don’t copy“
    und noch viele weitere

    Mich nervt das. Wettbewerb gerne aber bitte nicht nach Piratenart. Sowas sehe ich als Imagekiller, denn als gelungene Kommunikation zum Endkunden.

  3. Den Endkunden interessiert sowas eigentlich eher überhaupt nicht! Imagekiller trifft es deshalb überhaupt nicht.
    Soll nicht heißen, dass ich das in Ordnung finde, aber Dinge, die der Endkunde nicht weiß, findet er auch nicht doof. :-)

  4. Vielleicht will man mit der Aktion die Profi-Designer auch abschrecken!

    Mir gefällt der Gedanke das es 2.Mio Bierflaschen mit von einem Kind oder von einem betrunkenem Astra-Bier-trinker gemalten Etikett gibt :)

    Also nicht immer so professionell denken :)

  5. Nachdem die Gestaltungsvorlage auch ein JPG ist, denke ich auch, der Wettbewerb ist nicht an Profis gerichtet. Oder würdet ihr einen Entwurf ausdrucken zum Einsenden?

  6. Wird ja keiner gezwungen mitzumachen. Vielleicht reicht es aber dem ein oder anderem schon, was zu basteln und das dann 2.000.000mal auf den Flaschen zu sehen.

  7. Richtig, gezwungen wird keiner. Ob man jetzt ein so großer Freund der Marke ist und trotzdem mitmachen will obliegt dem einzelnen. Ich kann mir auch die Enttäuschung in vielen Gesichtern vorstellen, da hier eine Firma, die von dem Konsumenten als kreativ und witzig angesehen wird mit solchen Teilnahmebedingungen einen Wettbewerb auslobt. Statt Herz einen Januskopf…
    Zum anderen hat es sich bei den „professionellen“ Designern rumgesprochen die Teilnahmebedingungen genau zu studieren (hoffe ich zumindest). Deswegen denke ich auch, dass die Zielgruppe woanders, wie bereits erwähnt zu suchen ist.

  8. Wie blauäugig… Da werden Menschen angesprochen einer Marke Dienstleistungen zur Umsatzsteigerung (GELD VERDIENEN) zu erbringen und bekommen dafür was? Nada.
    Ich glaube, das der Hang zur Selbstversklavung und Eigenausbeutung in keiner anderen Branche so groß ist wie in der Designbranche. Der Rest ist einfach nur selbstverliebt oder dämlich.

    Ein Taschenrechner kann da manchmal helfen.
    Man multipliziere 2.000.000 (Flaschen) X 0,05 € (Geschätzter Gewinn pro Flasche)
    = 100.000 € für die Brauerei

    (Eine Flasche Astra Urtyp kostet netto 0,398 € beim Getränkehändler im VK)

    Selbst bei einem Gewinn von 0.02 € pro Flasche ist die Summe mit 40.000 € noch sehr nett. Da muß ich als Freiberufler schon ne Menge Pixel für bewegen. Besitzt ihr einen Taschenrechner? Dann benutzt ihn gelegentlich mal.

Antworten auf LorenzM Antworten abbrechen

Folgende HTML-Elemente können verwendet werden: <b> <i> <img src="meineurl"> <a> <blockquote>