Start Wie viel verdienen Designer?

Wie viel verdienen Designer?

Schön, dass in so kurzer Zeit so Viele der Aufforderung nachgekommen sind und an der kleinen Umfrage in Bezug auf die Gehälter von Designern teilgenommen haben. 1.401 Antworten wurden erfasst. Hier nun also das Ergebnis.

Es wird wohl keinen Designer wirklich überraschen, dass die Anfang des Jahres von Stern veröffentlichte und vom Hamburger Institut Statista ermittelte Zahl in Sachen Gehalt eines Designers ganz offenbar nicht stimmt. Im Stern-Gehaltsreport 2010 führen Grafiker und Designer die Tabelle mit dem höchsten Gehaltszuwachs an (erfasst wurden die Daten einschließlich 2008). Demnach sollte der Durchschnittsverdienst eines Designers bei 4.690 Euro brutto liegen. Im Fontblog meldeten sich im Anschluss an den Bericht viele, die widersprochen haben, auch Johannes Erler von Factor Design schrieb eine ziemlich ausführliche Gegenrede und ist der Ansicht: Grafikdesigner verdienen so wenig wie nie zuvor! Schauen wir uns also das Ergebnis der dt-Umfrage an.

Rahmenbedingungen der Umfrage

Zur Teilnahme aufgerufen waren Designer und Designpraktikanten aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Anders als in den bisherigen, von Dritten durchgeführten Umfragen, wurden dieses Mal die Designer direkt befragt, und zwar in anonymisierter Form. Dabei wurde zwischen Designern MIT und OHNE Berufserfahrung unterschieden. Abgefragt wurde der jeweilige Brutto-Verdienst. Nicht erfasst werden die Einkünfte selbstständiger Designer. Das soll zu einem späteren Zeitpunkt einmal nachgeholt werden. Als Hilfsprogramm kam der Formular-Editor von GoogleDocs zum Einsatz, in dem alle Antworten erfasst und auch bereits visuell aufbereitet sind. Die individuellen Prozentangaben (rechte Seite) habe ich nachträglich selbst ermittelt.

Exakte Durchschnittswerte lassen sich aufgrund der Fragestellung leider nicht ermitteln. Auch eine Verteilung nach Bundesländern, wie es sich einige dt-Leser gewünscht hatten, muss in dieser Umfrage unberücksichtigt bleiben. Dennoch zeigt das Ergebnis, dass die 4.690 Euro als durchschnittlicher Monatsverdienst eines Designer nicht zu halten sind, sie sind schlicht weg falsch.

Das Ergebnis

Praktikanten

76 Personen – und damit die größte Gruppe innerhalb der Praktikanten – gaben an, ein Einkommen in Höhe von 300 – 400 Euro zu beziehen. Schaut man sich die Zahlen im Diagramm an, lässt sich ein ungefährer Mittelwert von 400 Euro benennen. Die Umfrage zeigt auch, dass fast jeder fünfte Praktikant ohne festes Gehalt arbeitet.

Festangestellte Designer mit weniger als 4 Jahren Berufserfahrung

Die meisten festangestellten Designer (58%) mit weniger als 4 Jahren Berufserfahrung verdienen zwischen 1.500 und 2.500 Euro. 167 Befragte – und damit die größte Personenzahl innerhalb dieser Gruppe – beziffert ihr Gehalt mit 2.000 – 2.500 Euro. 44% aller „Jungdesigner“ verdienen weniger als 2.000 Euro. Nur sehr wenige Designer (4%) schaffen es in ihren ersten 4 Berufsjahren, mehr als 3.500 Euro zu verdienen. Ein guter Durchschnittswert in dieser Gruppe dürfte bei etwa 2.100 Euro liegen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam zuletzt auch die Kurz-Umfrage von Prof. Robert Paulmann. Sie weist 25.580 Euro als ein durchschnittliches jährliches Brutto-Anfangsgehalt für Absolventen von Gestaltungshochschulen aus, was einem monatlichen Betrag von 2.131 Euro entspricht.

Festangestellte Designer mit mehr als 4 Jahren Berufserfahrung

Die (einfache) Mehrheit der festangestellten Designer mit mehr als 4 Jahren Berufserfahrung verdient laut dt-Umfrage zwischen 2.000 – 3.000 Euro. Aufgrund der recht ausgewogenen Verteilung innerhalb der Erfassungsdaten, dürfte der Durchschnittsverdienst hier im Bereich 2.750 € liegen. Mit Blick auf das Diagramm lässt sich zudem sagen, dass lediglich jeder siebte Designer über ein Gehalt von mehr als 4.000 Euro im Monat verfügt. Gerade hieran erkennt man, wie praxisfern die von Statista erhobenen Daten in Bezug auf die Gehälter von Designern sind.

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Bildet man schließlich den Mittelwert aus den beiden Durchschnittswerten – noch einmal der Hinweis, dass es sich bei den Durchschnittswerten um Pi-mal-Daumen-Summen handelt – so liegt das monatliche Durchschnittsgehalt eines Designers bei 2.425 Euro, wobei man dessen Aussagekraft natürlich in Frage stellen darf und sollte.

Grundlage für diesen Wert sind die in der Umfrage ermittelten Angaben. Maßgeblich für das tatsächliche Gehalt sind jedoch Faktoren wie der Grad der Qualifikation, die Dauer der Anstellung, die Qualität der Arbeit oder etwa auch, wie stark die Belastung im Job ist. Darüber hinaus ist natürlich auch entscheidend wie der Arbeitgeber selbst positioniert ist. Große und renommierte Agenturen, die fest im Sattel sitzen, sind in der Lage – zumindest prinzipiell – ihren Designern höhere Gehälter zu zahlen. Die Umfrage verdeutlicht jedenfalls, dass es keinen eindeutigen Mittelwert gibt, nur eine Richtschnur, an der man sich ein wenig orientieren kann. Wenig überraschend ist dabei, dass diese Richtschnur viel viel tiefer hängt, als man es zuletzt im Stern-Gehaltsreport und in der WELT KOMPAKT lesen durfte.

Nun die Zahlen im Detail:

Designer Gehalt

Designpraktikanten Gehalt

festangestellte Designer Gehalt

festangestellte Designer Gehalt

Hinweis: Zur Ermittlung der Zahlen wurde GoogleDocs verwendet.

88 Kommentare

  1. Also ich find das jetzt nicht so erschreckend, ich bin der Meinung, damit kann man eigentlich gut leben. Kommt natürlich auch auf den Arbeits-/Wohnort an. In München wird das sicher knapp, in Berlin find ichs ok.

  2. Die Gesellschaft sollte wieder Werte schätzen können.
    Designer können durchaus Fachleute sein,
    die es verdient haben, gut bezahlt zu werden.
    Aber unsere derzeitige Kik-Gesellschaft lässt Werte nicht wirklich zu.
    Wer bezahlt schon freiwillig 50 Euro für ein T-Shirt,
    bloß weil es gut gestaltet wurde und aus besserem Material ist.
    Viele gucken doch nur noch nach dem Preis
    und greifen dann eben zum 2€-Shirt aus asiatischen Kinderhänden.
    Das ist mit guter Gestaltung nicht anders.
    Klingt alles ein bisschen pauschal,
    aber ich denke ihr wisst was ich mein^^

    Grüße,
    friedemann

  3. Also den T-Shirt Vergleich finde ich gefährlich. Auch bei den großen “teuren” und vermeintlich gut gestalteten zahlt man evtl. für “Kinderhandarbeitsprodukte” und zusätzlich für Marke(ting). Anders verhält es sich mit Auflage, die hebt bzw. senkt den Preis, ist aber dennoch ein Apfel-Birnen Vergleich.

    Zum Thema: Wen das Geld abschreckt, der sollte es bleiben lassen. Gibt auch “vernünftige” bis geldträchtigere Studiengänge wie Jura, Medizin, Biologie oder BWL. Von Design oder Gestaltung wurden in allen Zeiten nur die wenigsten vermögend. Man sollte es dennoch machen, wenn man es liebt, gut kann und oder sonst nichts anderes kann ;)

    Lieber wenig Geld für das richtige machen als viel Geld und innerlich verbrennen…

  4. @Hugo: Also, wenn du Design nur wegen des Geldes machen möchtest, bist du in der Branche höchstwahrscheinlich nicht ganz richtig. Dann wäre vielleicht die bessere Möglichkeit die Tochter eines Industriemagnaten zu heiraten. Erst mal in anderen Bereichen gucken, dort wird auch nicht mehr verdient.

  5. Logisch, Achim, dass aus der Umfrage nicht der Durchschnittswert von EUR 4690,- resultieren kann, wenn das Ende der Fahnenstange bei EUR 4000,- erreicht ist. Möglicherweise tragen die darüber liegenden 14% ja jeden Monat EUR 18’000,- nach Hause – dann stimmt der Durchschnittswert wieder… ;-)

  6. hm haben manche vielleicht auch etwas komische vorstellungen was sie verdienen werden? also gehen wir mal davon aus ich verdiene als designer mit paar jahren erfahren 2500-3500 brutto will ich meinen das man davon schon gut leben kann. wer reich werden will damit hat wie oben schon geschrieben wohl das falsche vor. ich kann nur für mich sprechen das mir das was ich mache viel spaß macht, so viel spaß das auch ein teil meiner freizeit dafür genutzt wird.

    in der schule sollte man vielleicht mal über das reden was auf einen zu kommt. ich hab das schon in der berufsschule gemerkt. da hatten manche vorstellungen jenseits von gut und böse. “unter 3500 geh ich nach der lehre nicht arbeiten”… lol!

    Ich würde von mir behaupten ganz gute sachen zu machen und ich hab nicht mal im ansatz an solche summen gedacht.

  7. Ich hab meine Ausbildung auch erst in 2006 beendet und war seitdem in einer Druckvorstufe und seit Anfang des Jahres in einem größeren Industrieunternehmen. Mit beiden Gehältern konnte ich gut leben (zwischen 1200 und 1600 Euro netto).

    Das Problem könnte meiner Ansicht nach auch sein, dass der Markt etwa seit 6-8 Jahren von Mediengestaltern/Designern enorm überschwemmt wurde und – Gesetz des Marktes – durch das hohe Angebot an Arbeitskräften die Löhne und Gehälter in den Keller gegangen sind. Kann ich selbst nicht beurteilen, aber vielleicht kann sich ein “alter Hase” dazu äußern!?

    Jedenfalls kann ich jedem, der doch eher aufs Geld als auf die Auslebung seiner Kreativität schaut, in die Industrie zu wechseln, da hier deutlich mehr gezahlt wird und die Sozialleistungen über das Grundgehalt hinaus teilweise noch i.O. sind. Welcher Agenturangestellte bekommt heute noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wird evtl. sogar nach Tarif bezahlt!?

    Und dass die Azubis in unserer Branche völlig unrealistische Erwartungshaltungen haben, darüber könnte und sollte man sie bei ihrer Berufsfindung schonmal aufklären – bei Praktika oder im worst case, wenn sie sich auf dem Arbeitsamt melden. Mein EIndruck ist allerdings der, dass die Arbeitsagentur eher noch Umschüler in den Beruf Mediengestalter treibt (“Sie waren Bäcker und haben eine Mehlallergie? Dann schulen Sie mal um. Gestalten kann doch jeder, wie wär’s mit Mediengestalter!?” (habe ich in dieser Form seinerzeit schon bei einer Bewerberin für unsere Druckvorstufe erlebt) :-/

  8. Danke für die aufschlussreiche Umfrage und das scheinbar für einige doch ernüchternde Ergebnis.

    Aber nicht nur bei uns ist dieses Phänomen zu beobachten, auch in vielen anderen Bereichen ist es doch so, dass in den utopischen jährlichen Gehaltsberichten – egal ob von Stern, Spiegel, Welt oder Zeit – völlig realitätsfremde Zahlen genannt werden. Aber das ist doch nur logisch, denn wenn z.B. bei den Designern nur Leute von JvM, Scholz & Friends und Co. befragt werden, dann ist ein Durchschnittswert von 4.690,- Euro schon vorstellbar. Dabei sind natürlich dann die ganzen Kollegen außen vor, die in Bad Hersfeld, Ulm oder Stralsund in kleinen Agenturen arbeiten und genauso gute (wenn nicht oftmals sogar bessere, weil ehrlichere) Arbeit leisten, wie die Leute in Hamburg, München und Stuttgart – nur aber, dass sie für diese deutlich weniger verdienen, weil die Firmen, wie Du richtig sagtest natürlich auch weniger zahlen können.

    Ich verdiene in einer kleinen mittelständischen Agentur in Berlin 2.500,- Euro brutto und kann damit aufgrund von Steuerklasse 3 und 2x Kinderfreibetrag ganz gut leben, wobei das natürlich für einen Alleinlebenden mit Steuerklasse 1 und dadurch viel höheren Abzügen schon ganz anders aussehen würde. Und vor diesem Hintergrund sind auch 4.000,- Euro Brutto relativ, wenn man bedenkt, dass davon dann vielleicht knapp nur die Hälfte übrig bleibt nach Abzug aller Steuern und Abgaben.

    Also ich kann da nur mein Lob und meinen Dank wiederholen, Achim. Gern mehr von solchen Themen hier!

  9. @ Dennis:
    aus der Wikipedia (Mediengestalter): Die Bundesagentur für Arbeit bzw. die Jobcenter haben darauf reagiert und nehmen zumindest kaum noch (wenn überhaupt) Umschulungen vor und auch die Möglichkeit einer Fortbildung wurde stark eingeschränkt.

  10. Naja, in der Industrie sind es auch keine goldenen Zeiten – leider.
    Ich habe früher in einer Agentur gearbeitet, zu einem wirklichen Hungerlohn. Gelernt habe ich aber ein Glück viel dort. Von diesem Wissen zere ich heute noch (in meiner Ausbildung zum Grafiker hat man es mit der Wissens-Vermittlung nicht so ernst genommen).
    Jetzt arbeite ich in der Industrie und verdiene etwas mehr als vorher. Aber man hat halt nicht mehr so viele unterschiedliche Kunden, die die eigene Kreativität fordern und fördern.
    Fakt ist, dass heutzutage sich jeder “kreativ” betätigen kann, der einen Rechner hat. Da reicht schon ein Word um einen Flyer zu erstellen. Unsere Druckereien machen einen einen richtig guten Job, solche Daten auch halbwegs anständig zu drucken *g*

    Mein Fazit: Meines Erachtens sollte der Beriff des “Grafikers” oder “Grafik-Designers” ebenso geschützt werden, wie z.B. der des Fotografen oder Architekten.
    Wenn es dann noch so was ähnliches wie die HOAI der Architekten für Designer gäbe, dann könnte man gegen das Lohndumping (zumindest bei den freien Grafikern) steuern.

    Allen Grafik-Design-Interssenten kann ich sagen: Augen auf bei der Berufswahl ;-)

  11. Ich lebe und arbeite in einer mecklenburgischen Kleinstadt, habe 8 Jahre Berufserfahrung und beziehe ein Gehalt von 1400 Euro brutto. Nach wie vor empfinde ich den regionalen Unterschied, besonders der Unterschied zwischen Ost und West, als größte Ungerechtigkeit. Nicht nur in der Werbung und Druckindustrie verdienen die Menschen hier wesentlich weniger als für vergleichbare Arbeit in den alten Bundesländern. Mit welcher Berechtigung? Günstigere Lebenshaltungskosten? Das Preisniveau ist hier nicht niedriger, viele Dinge sind sogar teurer. Ich fordere gleiches Geld für gleiche Arbeit!

  12. In der Umfrage war von vornherein ein kleiner aber wichtiger Fehler drin. Da steht zum Beispiel “2.500 bis 3.000 Euro” und “3.000 bis 3.500 Euro”. Da ich genau 3.000 Euro verdiene, kann ich also entscheiden, ob ich das eine oder das andere anklicke. Vielleicht haben noch einige andere vor der gleichen Frage gestanden und sich dann einfach intuitiv entschieden.
    Wesentlich hilfreicher wäre es gewesen, wenn da “2.500 bis 2.999 Euro” und “3.000 bis 3.499 Euro” gestanden hätte. So sind die schwammigen Grauzonen doch deutlich größer und lassen nicht wirklich eine klare Analyse zu.

  13. @Atreiu: “wenn z.B. bei den Designern nur Leute von JvM, Scholz & Friends und Co. befragt werden, dann ist ein Durchschnittswert von 4.690,- Euro schon vorstellbar.”

    Du solltest dich mal mit dem durchnittlichen Designer/Kreativen bei den genannten Agenturen unterhalten. Dieser Wert ist echt extrem weit von der Realität weg. Klar gibts nach oben hin extreme Ausnahmen, aber davon gibt es auch dort sehr wenige.

    Liebe Grüße,
    Björn

  14. Ich glaube mein Namensvetter @14 hat es ganz gut beschrieben. Grafikdesigner ist eben ein hipper Beruf, nicht erst seit Telenovelas und Kinofilmen. Man gümmelt den ganzen Tag gemütlich vor dem Rechner, trinkt lots of coffee, hat immer feine und neue Adobe-Software auf seinem shiny Apple und neben dran den Kicker, mit dem man mit seinen Kollegen spielt und gut bezahlts wirds auch noch. Sind halt kunterbunte Traumvorstellungen. Der Realitätsschock lässt dann allerdings nicht lange auf sich warten: Grafikdesign ist eben “auch nur” ein Job, manchmal auch ein richtig knochenharter. Da es aber an einem “Heer der Freiwilligen” nicht mangelt und selbst um unbezahlte Praktikas mitunter mit harten Bandangen gekämpft wird, muss sich niemand ernsthaft über die derzeitigen Gehälter wundern: Ist halt Marktwirtschaft, Angebot und Nachfrage.

    Als ich vor rund zehn Jahren meinen Laden aufgemacht hatte, gabs hier regional eine große Werbeagentur und 2-3 kleinere. Stand 2010 ist ein undurchsichtiges Gewulst an Werbeagenturen, freien Grafikdesignern und Werbebüros – grob geschätzt 30-40 potentielle Konkurrenten. Das gibt der Markt einfach nicht her.

  15. @Manuel Da muss ich Dir zustimmen. Allerdings darf man annehmen, dass nicht all diejenigen, die eine Runde Summe verdienen, in die gleiche Richtung votiert haben. Wenn 20 Personen tatsächlich 3.000 Euro verdienen, werden einige von ihnen den darunter liegenden und andere den darüber liegenden Wert “intuitiv” ausgewählt haben. Das sollte sich ausgleichen, so zumindest meine Hoffnung. Im Endergebnis dürfte dieser Faktor wohl kaum ins Gewicht fallen. Ich werde die Werte allerdings in einer nächsten Umfrage eindeutig formulieren. Danke für die Rückmeldung.

    Und danke auch für die positiven Stimmen!

  16. @Christian

    Hast Du Deine/n Arbeitgeber/in mal gefragt, wie sie den Lohn kalkuliert haben? Und/oder kannst Du Deinen Lohn ins Verhältnis setzen zu den Gewinnen Deines/Deiner Chefs?

    Ich frage diese beiden Punkte, weil die Preisspirale nach unten in strukturschwachen Gebieten “gern” stärker gedreht wird. Aus Sorge, überhaupt keine Aufträge mehr zu bekommen, fühlt sich so manche Unternehmensführung in Zugzwang, über den Preis zu gehen. Nicht alle haben dabei die kik-Attitüde (ausbeuten) im Sinn, sondern verteilen das Wenige im Rahmen des Möglichen (Selbstausbeutung inkl. Belegschaft). Wenn “uns” selbst unsere Leistung nur so wenig wert ist, wie sie in manchen (oder vielen?) Angeboten steht, dann ist der erste Ansatzpunkt für den Hebel in “unseren” eigenen Händen.

    Nach meiner Erfahrung aus Angebotsverhandlungen, sind (potentielle) Auftraggeber durchaus offen für den Aspekt “Verlangen Sie keinen Preisniveau, das uns in die Pleite treibt, wir wollen Ihnen langfristig ein guter Dienstleister sein.” oder verstehen Erläuterungen zu Hard- und Softwarekosten, Fortbildungen. Die meisten Kunden sind selbst Unternehmer/innen und können kalkulieren.

    Es ist wirklich wichtig, dass “wir” die wir für die Wirtschaftlichkeit in “unserer” Branche zuständig sind, dabei auch Verantwortung übernehmen für einander. Ich stelle die These auf, dass “wir” in der Kreativbranche wie in vielen anderen Branchen (Bau, Handel…) in die Falle getappt sind, dass Geiz tatsächlich geil wäre. Das Erbe der Neunziger und des Jahrtausendwechsels. “Wir” sind aber eben keine Discounter-Ketten und global player. “Unser” Geschäftsmodell muss also zwangsläufig anders aussehen, weil “wir” nicht über Masse und Outsourcing gehen können. Oder nur in Maßen.

    Amen ;-) (und weiterhin an Deiner Antwort interessiert, Christian)

  17. @Miriam: Fotograf ist kein geschützter Beruf mehr. Bei allen diesen kreativen Berufen kommt es m.E. gleichermaßen auf Kreativität, Können und Talent an. Eine Ausbildung oder ein Studium sind da sehr hilfreich alles weiterzuentwickeln. Wenn jedoch alles fehlt nützt auch ein Abschluss nicht viel.

    Ich habe hier täglich Werbung in meinem Briefkasten bei dem jegliche Entlohnung des Erstellers zuviel war. Qualität setzt sich immer durch und die Nachfrage nach gutem Design ist m.E. nach wie vor ungebrochen. Vorbei sind mit Sicherheit die Zeiten als jeder Grafiker und Medienschaffende sich als Künstler auch dementsprechend wie eine Diva benehmen konnte und für sein formal unzureichende Arbeit (die er einfach Kunst nennt) auch ein dementsprechendes Honorar verlangen konnte.

    Bin in jedem Fall gespannt auf die Umfrage zum Verdienst von Selbstständigen.
    Dank dir Achim!

  18. ich glaube dass grafiker oder designer teilweise selbst dazu beitragen, dass sie so schlecht bezahlt werden. sie verkaufen sich einfach zu billig, nehmen jobs an die sich wirtschaftlich einfach nicht rentieren, schieben überstunden ohne entgeltung, kommen auch gerne sonntags ins büro… und so weiter. der witz an der sache: es wird mit der steigenden berufserfahrung nicht viel besser. die meisten sind ja so oder so weg. kennt ihr viele grafiker mit 15jährigen berufserfahrung?

    der andere grund: die pseudodesigner (mediengestalter) haben den markt überfüllt und hochwertige hochschulabsolventen aus der branche, gerade wegen niedriger bezahlung, verscheucht.

    klingt alles ein bisschen pauschal, aber ich denke ihr wisst was ich meine

    grüße, tikri

  19. @tikkri: Als von dir mit “pseudodesigner” betitelter möchte ich dir schreiben, dass deine Logik einen Denkfehler hat. Kein Restaurant muss normalerweise schließen weil nebenan ein McDonalds aufmacht. Wenn Restaurantgäste jedoch feststellen, dass sie besseres Essen nebenan auch noch günstiger bekommen, dann ist das ein Problem.

    Es wird eben kaum noch jemand benötigt der ganz tolle Zeichnungen und Malereien macht. Kein Agenturchef zeigt einem Hochschulabsolventen gern wie er den Mac an bekommt und wie er die Programme bedient – das sollte Teil der Ausbildung gewesen sein.

    Wie kann denn ein “minderwertiger” Mediengestalter einen “hochwertigen” Hochschulabsolvent verscheuchen? Entweder hat da also jemand jahrelang weit unter seinem Niveau gearbeitet so, dass er problemlos von einem Halbaffen ersetzt werden kann – oder er ist evt. gar nicht so toll wie ihm auf seiner Hochschule immer gesagt wurde.

    “klingt alles ein bisschen pauschal, aber ich denke ihr wisst was ich meine”

  20. So aufschlussreich und wichtig die Richtigstellung der tatsächlichen Gehaltssituation auch ist, muss man trotzdem nochmal dazu sagen, dass die Angabe im Stern mit Fußnote war, die besagte, dass der vermeintliche Durchschnittsverdienst durch weniger als 25 Befragte zustande kam und somit auch nicht repräsentativ ist. Die ganze Aufregung scheint also entstanden zu sein, weil “die Welt” diesen Hinweis nicht mitveröffentlicht hat und in Folge jeder von einem repräsentativen Wert ausgegangen ist. Im Stern vom 7.1.2010 war dieser Hinweis auf jeden Fall dabei und somit habe ich persönlich das Ganze schon damals nicht so ernst genommen. Vielleicht sollte man sich hier eher über die Schlamperei der verantwortlichen Redakteure aufregen oder mal wieder über Sinn oder Unsinn von Umfragen und deren reräsentativen Wert sinnieren. Ich könnte jetzt auch soweit gehen zu sagen, dass die in dieser Umfrage erhobenen Daten ebenfalls nicht repräsentativ sind, weil das zu benutzende Formular in Wirklichkeit ja auch von jedem durchgeklickt werden kann, auch von Nichtdesignern beispielsweise. Aber das werde ich jetzt nicht, weil ich das einfach zu kleinlich finde.

  21. Ich möchte mich einfach mal herzlichst für diese Umfrage bzw. die Auswertung derselben bedanken! Ich arbeite zwar nicht im “Design”-Bereich, allerdings sind diese Zahlen im Sinne des “Über den Tellerrand”-Schauens wirklich äußerst interessant.
    Gerade, weil ich programmiertechnischen Webbereich tätig bin. Ich persönlich hätte mir einer weitaus besseren Entlohnung im Mittel gerechnet.

    Wie gesagt: Danke für diesen Einblick!

    Weiter so!

  22. Apropos flattr, suche noch immer sinnvolle Seiten zum flattrn (und einen Grund für einen flattr Account), warum gibt es im dt noch kein spenden-/ micropayment-system?

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    dt-Anmerkung
    Eine gute Sache ist flattr schon aber letztendlich bin ich weder von dem Prinzip, noch von dem Erfolg – im Sinne einer spürbaren finanziellen Größe –, zu 100% überzeugt. Ich möchte auch ganz bewusst nicht in eine Versuchung geraten, eher über Themen zu schreiben, die stark geflattert werden, als über die weniger häufig honorierten Artikel. Zudem gibt es ja bereits eine Systematik, die eine Honorierung vorsieht: Visits und Kommentare. Davon alleine wird man jedoch nicht reich. Mein Ansatz ist es, über die Werbung Einnahmen zu erzielen. Damit dies funktioniert ist es erforderlich, dass Werbung nicht nur geduldet, sondern auch akzeptiert wird. Ich hoffe, dass fällt nicht allzu schwer, denn der kontextuelle Bezug der Werbung zum Inhalt dieses Blogs ist fast immer gegeben. Aus dieser Einsicht zur Notwendigkeit von Werbung heraus, ist mein Adblocker fast immer deaktiviert. Interessant ist dazu der Artikel: Wie viel Geld verlieren Webmaster durch Adblocker? bei t3n. Ich versuche Werbung als Teil des Auftritts zu betrachten. Nicht immer gelingt es, aber in den meisten Fällen bin ich nach einem kurzen Moment auf den eigentlichen Inhalt fokussiert.
    Lange Rede… hier wird auch zukünftig kein Flattr-Button erscheinen – übrigens auch kein „gefällt mir“, aber das ist ein anderes Thema –, stattdessen gibt es Werbebanner und Werbelinks, die keinesfalls zufällig hier erscheinen.
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  23. Ich denke, dass die Gehälter einfach extrem schwanken, abhängig von Unternehmen, Aufgabengebiet und Arbeitsbedingungen…Ich wechsel ab nächster Woche in einen neuen Job und habe mich von einem unbefristeten Arbeitsvertrag auf unsicheres Terrain begeben und bin jetzt in einer Befristung…sicher waghalsig, aber zukunftsorientiert…ich verdiene um einiges mehr, habe weniger Wochenarbeitszeit und bekomme JEDE meiner Überstunden ausgeglichen…

    …Jeder muss sich gerade in unserer Branche immer wieder weiterentwickeln und andauern über den Tellerrand hinaussehen…deswegen sind wir ja keine Steuerberater und Verkäufer geworden, sondern wollen mit dem Spaß den wir an Kreativität haben auch noch Geld verdienen…

    Ich für meinen Teil denke, dass es zum ganzen kreativen und “designerischen” Schnick und Schnack auch noch einen technischen Teil gibt, den hierzulande sehr viele Designer nicht richtig beherrschen…es gibt tatsächlich Grafik-Designer die nicht wissen wo der Unterschied von CMYK und RGB liegt und was Schnittmarken sind und wann auf Überdrucken gestellt wird…das macht MICH wahnsinnig…die Welt besteht nunmal nicht immer nur aus bunten lustigen Dingen die schön und total kreativ zusammen gebastelt werden… Klar kann man sich mit guten Konzepten von Konkurrenten abheben, ich denke für meinen Teil jedoch, dass sich mit technischem Know-How zu Druck, Weiterverarbeitung und Online etc. in Zukunft viel mehr erreichen lässt…

  24. @Atlantis:

    “…es gibt tatsächlich Grafik-Designer die nicht wissen wo der Unterschied von CMYK und RGB liegt und was Schnittmarken sind und wann auf Überdrucken gestellt wird…das macht MICH wahnsinnig…”

    Genau das hat mir im Februar einen besser bezahlten Job in der Industrie beschert. Hier wurde zwar auch auf ein gewisses Maß an Kreativität Wert gelegt, allerdings vorallem auch auf eine saubere Datenaufbereitung, sodass die Druckereien mit unseren PDFs auch direkt was anfangen können und nicht erst zig RGB-Bilder, Überdruckenfehler usw. korrigiert werden müssen.

    In einem Wirtschaftsunternehmen ist man weitgehend ohnehin an das Firmen-CI gebunden, was die Auslebung der Kreativität natürlich ordentlich vermindert. Aber so hat jeder Jobwechsel Licht- und Schattenseiten.

    Achja, ich bin übrigens auch einer der stümperhaften nichtstudierten Pseudodesigner. :-)

  25. @ Tikkri:

    Das Designer mitunter selber an ihrer Misere Schuld sind, da stimm ich dir zu. Warum auf der einen Seite Agenturen nach eigenen Regeln spielen und sich nicht ans dt. Arbeitsrecht gebunden fühlen (Bedarf für Wettbewerbsvorteile gibts in jeder Industrie) und aber auf der anderen Seite Arbeitnehmer dieses Spiel mitmachen und auch noch kultivieren– Die Frage stelle ich mir, seit ich in dem Beruf arbeite.

    Soviel zu deiner These. Den rest von deinem Post find ich ziemlich lächerlich.. hast dich wohl aus Un- oder Hochmut dazu verstiegen. “Pseudodesigner” ist echt eine übelste pauschalisierung; hat weder Hand noch Fuß. Weder in der Ausbildung noch im Studium wird man zum “Designer”. Ich hab ungelernte Leute Kampagnen umsetzen sehn, da bekommst du das große Ohrenschlackern. Ich kenne genug Mediengestalter, denen kein Dipl. Des. das Wasser reichen kann. Dann kenn ich selbstredend Hochschulabsolventen die unerreichbar gut sind und eben die, die von tuten und blasen keine ahnung haben “aber echt fit in Farbenlehre” sind.

    Wer die besseren, echteren, realeren Designer mit der utmost-street-cred sind- das ist imho eine nicht führenswerte Debatte… zeig mir dein Portfolio, deine Referenzen, dann sag ich dir wie gut, wie real du bist.


    Sehr interessanter Artikel, sehr interessante Diskussion – THX!

  26. This goes out to all the “stümperhaften nichtstudierten Pseudodesigner”:

    Der Markt ist mehr als gesättigt. So viel steht fest. Das ist nicht anders, als in anderen Branchen auch.

    Ein Kernproblem ist, das in vielen Unternehmen die sinnvollen Strukturen aufgebrochen wurden. Ich bin auch der Meinung, dass die Lehre mehr Praxis vertragen kann. Ich persönlich habe zwar noch nie einen Designer erlebt, der die unterschiedlichen Farbräume nicht unterscheiden konnte, aber das es im Studium und in der Ausbildung unterschiedliche Zielführungen gibt ist ganz logisch.

    Die Unternehmen hätten immer gerne die eierlegende Wollmilchsau. Genau das ist aber nicht immer möglich. Ich stelle immer wieder zwei typische Szenarien fest:

    1. Ein Designer mit Erfahrung muss viel zu viel Zeit mit der PRODUKTION diverser Werbemittel etc. verbringen und ihm fehlt dadurch Zeit für wirkliche Kreation bzw. konzeptionelles Arbeiten.
    2. Ein gelernter Mediengestalter – technisch und gestalterisch durchaus fit – macht den gleichen Job. Das Problem hier: Mangelndes konzeptionelles Wissen. Ergebnis: Mittelmäßige bzw. abgekupferte Werbemittel etc., die dem Produkt/Kunden/Ziel nicht gerecht werden.

    Eigentlich sollten diese beiden fruchtbar zusammenarbeiten. In vielen Agenturen läuft das auch so. Kreation und Umsetzung. Mittlerweile aber auch allzuoft nicht mehr.

  27. @tikkri: “pseudodesigner”
    Man musst du frustriert sein.
    Mehr fällt mir dazu auch nicht mehr ein…

    ——————————————————-

    Ich habe mir wirklich alle Meinungen zu diesem Thema durchgelesen und verstehe auch alle.
    Aber was n bisschen fehlt ist, wie viele Agenturen gibt es!!!
    Da fängt es doch an!
    So gut wie jede Agentur spring auf den Dumpingpreiszug auf, weil er sonst keine Aufträge mehr bekommt.
    Nicht zuletzt weil der Markt überschwemmt ist mit Agenturen und der Freelancer um die Ecke nur die hälfte nimmt! Oder ist das nicht so?

    Egal ob Dipl. Designer oder Mediengestalter etc., wir machen den Markt selbst kaputt mit Preisen die jenseits von gut und böse sind…

    Grüße Hans

  28. @liqui.do

    finde es schön das hier mal einer das “wir” benutzt. bei all den schwierigkeiten in unserer branche sind schuldzuweisungen wie “der mediengestalter hat die preise versaut” unangebracht.
    immerhin sitzen wir im selben boot und der mediengestalter der über eine umschulung zu solchem wurde, hatte sich vermutlich auch mehr von seiner neuen tätigkeit erhofft. schließlich hat das arbeitsamt und die presse die branche ja immer sehr rosig dargestellt.
    wichtig ist das wir am problem gemeinsam arbeiten und man leute die sehr wenig bis garnichts für ihre arbeit nehmen darüber aufklärt, dass dies unwirtschaftlich ist. dies schafft man aber nicht durch gepöbbel. sachliche argumente und ein wenig vorrechnen sind hier deutlich besser geeignet. und wie bereits mal erwähnt sollten auch die berufsverbände sich etwas öffnen und bestimmte medien die zur preisbildung hilfreich sind auch mal unentgeldlich zur verfügung stellen. damit ist jetzt nicht gemeint, dass sie was verschenken sollen, aber einige ansichtsexemplare in bibliotheken (zumindest der hochschulen) wären ratsam.

  29. Sehr schöne Aufstellung/Umfrage, danke für deine Mühe. Fand diesen Beitrag sehr interessant & es scheinbar recht realistisch, obwohl es keine Absicherung von “Spaßbietern” gab, oder?

  30. “der andere grund: die pseudodesigner (mediengestalter) haben den markt überfüllt und hochwertige hochschulabsolventen aus der branche, gerade wegen niedriger bezahlung, verscheucht.”

    Also wenn ich sowas lese könnte ich direkt ausrasten! Sowas Überhebliches kann auch nur von einem studierten Kommunikationsdesigner kommen. Nach über sechs Jahren Agenturerfahrung kann ich (als AD, der sich als Mediengestalter hochgearbeitet hat) klar feststellen, dass studierte Grafiker keineswegs in der Regel besser sind als Mediengestalter – teilweise ist sogar das Gegenteil der Fall. Blinde, talentlose oder faule Schafe gibt es in allen Bereichen. Ich kenne einige junge Mediengestalter, die mit Leib und Seele dabei sind und schon seit der Schulzeit jede freie Minute Photoshop, Illustrator und Co. widmen. Da können sich einige studierte “Designer” mehrere Scheiben von abschneiden, die all ihr angelerntes Wissen (!) aus den beschränkten Lehrbüchern ihrer Gelehrten anwenden, selbst aber kaum in der Lage sind, Dinge von selbst zu entwickeln oder weiterzuentwickeln.

    Einzig allein die Tatsache, dass es mittlerweile zu viele Mediengestalter gibt, da stimme ich zu. Aber bitte hier keine Qualitätsbewertung eines ganzen Berufszweigs vornehmen. Wo es viele Arbeiter gibt, gibt es natürlich im Verhältnis mehr schwarze Schafe, die nicht gut arbeiten.

  31. @ Achim Schaffrina: Ganz herzlichen Dank für die Umfrage und die Arbeit bei der Auswertung!

    Wir wissen, dass diese Umfrage nicht repräsentativ für alle KollegInnen in Deutschland sein kann. Ansonsten überrascht mich das Ergebnis nicht sonderlich. Die Branche ist übersättigt und die Wirtschaftslage immer noch kritisch und somit die Agenturchefs und Auftraggeber vorsichtig bis zurückhaltend, was die Bezahlung der Mitarbeiter angeht. Dies ist nachvollziehbar, auch wenn dies z.T. recht schmerzhaft ist.

    Die in der Branche goldenen 70er bis Anfang 90er Jahre sind lange vorbei, aber einen Job in der ach so “hippen” Werbe- und Design-Branche zu haben, scheint immer noch populär zu sein.

    Es gibt immer noch KollegInnen, denen erst ein Licht aufgeht, wenn sie der harte Arbeitsalltag eingeholt hat und sie merken, dass man teilweise nur noch mit Dumpingpreisen überleben kann, um überhaupt noch Aufträge zu bekommen. Das wissen viele Auftraggeber und nutzen dies auch.

    Jammern nutzt keinem. Die einzige Chance ist, mit Qualität, Kontinuität, Kreativität, Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit, Enthusiasmus, Freundlichkeit und vor allen Dingen mit Spaß seinen Job zu bestreiten. Längerfristig hat man dann mehr davon, sowohl monetär (längerfristig) als auch vom Spassfaktor her.

    Ich wünsche allen KollegInnen, dass sie Ihren Beruf als Berufung sehen (können) und Erfolg dabei haben!

    Beste Grüße, Ralf

  32. Ich finde es eine sehr gute Idee, seitens des “designtagebuchs.de” eine solche Umfrage zu starten, da wenn ihr wisst, diese Frage sehr sehr viele interessiert (siehe nur die Forumbeiträge bei mediengestalter.info). Jedoch schneidet diese Umfrage nur einen Bruchteil der Realität an, da

    1) nur leider ca. 1300 Personen Angaben gemacht haben (ich vermute, dass es etwas mehr Gestalter in Deutschland gibt)
    2) die Studie wegen kleinen Fehlern etwas daneben liegen könnte
    3) keine Differenz zw. den Abschlüssen gibt
    4) die Zahl der Freelancer nicht mitberechnet wurde,

    welche meiner Meinung nach, einen sehr großen Teil in der Branche (nicht nur in dieser) ausmachen, und bei Ihnen die Stundensätze/Gehälter verdammt unterschiedlich ausfallen.

    Und eine Differenzierung nach Erfahrung (Arbeitsjahre) ist zwar sehr gut, jedoch ist diese Staffelung zu schwach. Und ein Grafiker nach der Ausbildung verdient meist weniger als jemand nach einem Diplom oder BA/MA.

    Und ehrlich gesagt, ein Nettolohn zw. 1600 – 2000 EUR ist für den Anfang sicherlich nicht schlecht!
    Jedoch nicht nach 6 – 10 Jahren Erfahrung!

    _________________________________________________________________________________

    Ach ja, ca. 1500 Brutto zu verdienen, naja, eine Putzfrau verdient glaube ich mehr!

    Und an alle, die kein Geld, bzw. einen Hungerlohn bezahlen, ihr seid leider auch nicht mehr wert! Wer gut bezahlt wird, arbeitet auch gut! (meistens)

    Ebenso an Agenturen, welche nichts, oder nur ca. 350 EUR für ein FULLTIME Praktikum zahlen! Es ist falsch! (außer bei Menschen, welche noch von ihren Eltern gesponsert werden) Denkt mal an die anderen! Bringt doch den Menschen etwas bei, damit sie nicht nur Kaffee servieren und den Aktenschrank aufräumen! Oder macht einen Monat halber Lohn und eine Staffelung daraus!

    Genauso an alle die 6,50 Eur/h – 9,50 Eur/h zahlen wollen und zw. 90 – 150 EUR/h füre Aufträge verlangen! Ihr seid einfach nur ***** im Kopf!

    Ich gehe lieber kellnern oder arbeite als Promoter und bekomme (inkl. Trinkgeld) zw. 11 und 20 EUR/h, weil ich meine Wohnung & Essen jeden Monat bezahlen möchte! Aber nicht für Peanuts!

    und das ist doch ein Satz:
    “Jammern nutzt keinem. Die einzige Chance ist, mit Qualität, Kontinuität, Kreativität, Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit, Enthusiasmus, Freundlichkeit und vor allen Dingen mit Spaß seinen Job zu bestreiten. Längerfristig hat man dann mehr davon, sowohl monetär (längerfristig) als auch vom Spassfaktor her.

    Ich wünsche allen KollegInnen, dass sie Ihren Beruf als Berufung sehen (können) und Erfolg dabei haben!”

    Sorry für alle evtl. vorkommenden Wiederholungen, musste einfach mal raus)))

  33. Google Adsense verbietet laut AGB eine “Aufforderung” zum anklicken der Links. ;o) Solltest du dir vielleicht überlegen. Ansonsten kann ich zu den Zahlen nur sagen, dass ich froh bin, dass ich das designen nur als Hobby mache.

  34. @ tikkri
    “kennt ihr viele grafiker mit 15jährigen berufserfahrung?”

    Mich.
    20 Jahre Berufserfahung auf dem Buckel.

    Verdiente um 2000 als Angestellte 4000,00 € monatlich.
    Bin mittlerweile selbstständig. Die Verdienstmöglichkeiten sind gelinde gesagt sehr schwankend. Mal toll, mal weniger toll. Ich nehme aber auch nicht jeden Auftrag an, schau mir die Chemie an. Lebe damit deutlich stressfreier als in der Agentur.

    Aber Stress² UND wenig Verdienst, das würde ich nie mit mir machen lassen.
    Verstehe diesen Masochismus nicht. Würde dann als junger Mensch dringend schauen, ob ich nicht in der der IT finanziell besser wegkomme. Neigung dazu natürlich vorausgesetzt.

    Wenn ich mir den Wandel meines Berufes vom Titelsatz, der Ziehfeder und der Reißschiene bis hin zur Grafikkarte und zum Codieren/Programmieren anschau, ist mal als Designer heutzutage eh ein halber IT-ler. :-) .

  35. Ganz klar, die Masse an “Designern” macht den Markt kaputt weil sie nicht wissen was sie wert sind. Ich für meinen Teil würde eher Harz 4 beziehen als für 1.200 EUR zu arbeiten, dafür hab ich nicht 4 Jahre studiert, bzw. ich sollte mir dann einen anderen Job suchen.

    Allerdings ist auch jeder seines “Glückes Schmied”, d.h. man hat immer die Möglichkeit alles zu erreichen wenn man nur will. Die miese Preispolitik und die Ausbeutung der Absolventen macht es nur schwerer, ändert aber nicht das Grundprinzip. 80% bis 90% eines Berufszweigs bleiben immer auf der Strecke oder im Mittelfeld. Wo dies angesiedelt ist muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Grüße
    Till

  36. ich muss mich einfach nochmal zu wort melden, da mir eine sache immer wieder auffällt. häufig wird gesagt, der beruf ist toll man müsse ihn nur als BERUFUNG begreifen und von morgens bis abends gestalter sein.
    ich bin gerne gestalter und mag den beruf, aber letzten endes ist und bleibt es ein beruf, von dem und nicht für den ich leben möchte.
    als maler und lackierer komm ich auch nicht nach feierabend nach hause und streich erstmal meine eigenen vier wände. trotz affinität zum beruf.
    diese freude am schaffen wird nämlich auch öffter mal von kunden ausgenutzt, die der meinung sind der spass ist entlohnung genug.

  37. mich wunderts nicht dass sich hier manche durch mein kommentar angesprochen fühlen. ist ja auch der sinn einer provokation.

    und jetzt an alle die meine these ungeniessbar finden. beantwortet (nicht für mich, sondern für sich selbst) bitte folgende frage: wer hat höhere ansprüche ein berufsschulabsolvent oder ein hochschulabsolvent… alles andere erübrigt sich, und findet als resultat in den schönen umfragegrafiken (siehe oben).

    @Vroni: respekt von meiner seite für 20 jahre. aber es gibt leider nicht viele wie dich.

  38. Also ich stimme vielen Vorrednern zu, es ist immer eine Frage, wie man sich verkauft. Und natürlich ist auch viel “Mist” dabei, wenn ich mir die aktuellen Bewerbungen in unsrer Agentur mal wieder anschaue. Leider. Ich denke, wer den Beruf liebt, sich hohe Ziele steckt und eventuell auch mit dem Gedanken der Selbstständigkeit spielt, kann sehr gut damit leben. Manchmal – besonders in der Anfangszeit der Freelancer Tätigkeit, muss man den ein oder anderen Job für ein niedrigeren Preis anbieten, um den Etat zu kriegen und erstmal in den Circle aufgenommen zu werden. Aber einmal drin, rentiert es sich auf dauer definitiv, solange die geleistete Arbeit gut ist und die Qualität stimmt.

    Was ich ebenfalls schon oft gehört habe, dass man in der Privatwirtschaft als Gestalter für ein Unternehmen deutlich schönere Löhne bezieht als in einer Agentur. Dafür fehlt es jedoch dort an frischem Wind und Abwechslung auf dauer. Ob das also die bessere Wahl ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber ich für meinen Teil kann sagen, dass wenn man ehrgeizig genug ist – jeder es auf die 5k Brutto Stufe schafft, wovon man ja wohl wirklich erstmal leben sollte. Wer mehr als 60.000 im Jahr erhofft, muss sich beweisen…

  39. “beantwortet (nicht für mich, sondern für sich selbst) bitte folgende frage: wer hat höhere ansprüche ein berufsschulabsolvent oder ein hochschulabsolvent”

    Gleiche Arbeitsleistung –> Gleiche Ansprüche!

  40. Man kann die Ausbildung zum mediengestalter übrigens auch an einer privaten Hochschule machen. Ich versteh nicht warum Studenten “besser” sein sollen als Azubis, es gibt keinen großen Unterschied zwischen den beiden Gruppen.
    Ich weiß nicht was du für Vorstellungen von Azubis / Mediengestalter hast aber gute Leute gibts auf beiden Seiten. Man sollte für die Arbeit bezahlt werden und nicht nach der Schulbildung.

    Danke für die Übersicht der Gehälter. Leider gibts wenig Übersichten und Vergleiche wie viel man selbst wert is weswegen man sich an der “Konkurrenz” orientiert und diese dann unterbietet. In Agenturen selbst wird auch extrem wenig über Finanzen gesprochen ich kann nichtmal schätzen wie teuer diese oder jene Kampagne für den Kunden ist. Würd mir in der Gelegenheit mehr Transparenz wünschen.

  41. Leider hat man “nur” mit einer Ausbildung und ohne Akademischen Titel weniger Chancen (bzw. deutlich härtere Wege) höhere Positionen zu erreichen. Da macht man eine Ausbildung, hat bereits seit 3 Jahren in einer Agentur gearbeitet, mit Kunden gearbeitet, weiß wie das Arbeitsleben läuft und dann kommt einer frisch aus der Uni, steigt sofort eine Stufe höher ein und hat lediglich ein Praxis-Semester vorzuweisen. Und um an die selbe Position zu gelangen gehören mehrjährige Berufserfahrung dazu… wenn man überhaupt die Chance geboten bekommt, auf zu steigen und nicht ein leben lang ein “zuarbeiter” für CDs, ADs, usw. zu sein.

  42. @ Tikkri
    “@Vroni: respekt von meiner seite für 20 jahre. aber es gibt leider nicht viele wie dich.”

    Weiß ich nicht, ob es kaum mehr welche gibt.
    Ich denke schon. Nur kommen die halt in deinem Umfeld kaum vor.
    Dazu sind sie weniger im Netz unterwegs.

    Sichtbarkeit im Netz und in deinem Bekannten-/Freundesumfeld (Designer tummeln sich gern mit Designern…, man tummelt sich gern mit seiner eigenen Altersgruppe…):

    Ich bin sehr netzafffin und damit zufällig für dich/euch sichtbar.
    Dennoch sind Designer mit über 15 Jahren Berufserfahrung* DA.
    Halt nicht im Netz, halt nicht in deinem Bekanntenkreis.

    *Lieb und teuer:
    Übrigens sehr gute Leute, die wohl keine Agentur mehr gern bezahlen mag, obwohl sie ihen ihnen lieb wären aber (leider) teuer. Daher sind die meisten Designer mit so langer Berufserfahrung selbstständig. Und teuer. Und lieb.

  43. also ich möchte mich kurz in die Diskussion ob Mediengestalter nun besser als Studierte sind oder andersherum einschalten.

    Ich bin gerade im Studium, habe aber schon davor ne Ausbildung zum Mediengestalter. Also die Ausbildung war der totale Schrott, ich wurde zwar für das Thema sensibilisiert und lernte alle wichtigen Programme und Techniken, im Bereich des Konzeptes wurde jedoch nichts gemacht.

    Heute weiß ich das die Idee alles ist und das verwendete Medium sich dem eher anschließt.
    Daher muss ich einen meiner Vorredner Recht geben. Auszubildende und Studierte sollten sich nicht als Konkurenten sehen. Sie arbeiten in der Regel sowieso nicht im gleichen Bereich.

  44. Ich kann tikkris Aussagen nachvollziehen, jedoch finde ich, fassen Sie nicht die ganze Situation. Außerdem finde ich den Ausdruck „Pseudodesigner“ absolut daneben.

    Fakt ist, der Markt der Mediengestalter und Grafiker ist gesättigt und hartumkämpft. Auch stimmt die Aussage, dass es heute wesentlich leichter ist, mit Hilfe des PCs, sich kreativ zu betätigen. D.h. auch hier wieder mehr „Konkurrenz“ als früher.

    Jedoch finde ich es zu einfach zu sagen die sog. „Pseudodesigner“ (auch Mediengestalter mit langen Bereichsbeschreibungen genannt) den Markt geflutet und damit quasi die „Qualität“ vertrieben haben.

    Ich denke der Fehler hier liegt schon in der Ansicht, dass Mediengestalter und Designer „Gegner“ sind. Sie sind lediglich verschiedenen Herangehensweise in dem Bereich „Kreativ“.

    Der Designer erhält eine mehrjährige intensive Schulung seiner Fähigkeiten und wird Konzeptionell mehr gefordert/gefördert mit dem Gedanken im Hintergrund sich auch außerhalb von Konventionen zu bewegen. Jedoch wird hier, außer dem Praxissemester, gibt es hier jedoch weniger Bezug in den normalen Alltag des Berufes.

    Der Mediengestalter ist jedoch ein komplett anderes Konzept. Konventionen, Standards und Rahmenbedingungen spielen hier eine wesentlich größere Rolle. Ob im Web oder Print. Die intensive Schulung fehlt leider hier meist komplett, daher spielt hier auch wieder der Aspekt des „Spaß“ am Beruf haben sich hinsetzen und selbst nach Erfahrung streben. Die Berufsschule kann leider den praktischen Teil der Ausbildung nicht komplett ersetzen.

    Und ich denke hier liegt der Hase begraben. Harter Alltag und meist mangelnde Ausbildung treffen auf wenig Praxiserfahrung. Dies ist denke dies ist einer der Gründe für die Preisspierale nach unten.

    Natürlich ist mir bewusst, dass sich dieses Raster nicht auf Jeden anwenden lässt. Auch sehe ich uns, damit meine Ich die praktizierenden Designer und Mediengestalter in der Pflicht der Spirale entgegen zu wirken, mit Qualitativ guter Arbeit, Vernünftigen Preisen, einer guter Ausbildung von Mediengestaltern, Fairen Gehältern (den Leistungen entsprechend), Zeit und Geduld um dem Designer den Einstieg in den Alltag zu erleichtern. Wenn genau da angesetzt wird werden mehr „qualitativ hochwertige“ Leute den Markt bevölkern.

    Gruß
    Thomas

  45. Erstmal danke für dieses Thema. Wirklich sehr interessant zu erfahren, dass ich im guten Mittelfeld meiner Mitleser liege, was das Gehalt angeht.

    Was natürlich garnicht geht, ist diese komische Diskussion über den Unterschied zwischen Mediengestalter und Designern (Ich frag mich gerade was dann erst GTA’ler für eine Da-Seins-Berechtigung haben). Dieses Schubladendenken einiger Personen geht mir gehörig auf den Pinsel.

    Vorweg sei gesagt, ich bin ausgebildeter Mediengestalter. Ein zusätzliches Studium wollte ich nacher nicht mehr dran hängen, da es meinen Ansprüchen genügt und ich auch das Glück hatte in kleinen Agenturen zu arbeiten, in denen Designer gearbeitet haben, die mit mir gearbeitet haben und nicht dagegen.

    Wer hat höhere Ansprüche? Ein Berufsschulabsolvent oder ein Hochschulabsolvent?

    Beide haben, in Relation auf ihre berufliche- und fachliche Ausbildung und Qualifikation gesehen, die gleichen Ansprüche. Der Auszubildende weiss, dass er praktisch gesehen, die besseren Karten hat, denn er hat schließlich die letzten drei Jahre in einem Berieb zugebracht. Der Student hat aber die höhere fachliche Ausbildung genossen und kann deshalb den Vorsprung des Auszubildenen schnell aufholen.

    Meines Erachtens sollten beide Gruppen zusammen als Team mit unterschiedlichen Aufgabengebieten gesehen werden. Der Student, der das fachliche Wissen über Konzeption hat, sollte in diesem Bereich auch bleiben und die Umsetzung den Mediengestalter überlassen, da dieser davon mehr Ahnung hat. Dabei sollten aber immer darauf geachtet werden, dass der Eine dem Anderen auch ebenbürtig ist. Denn beide können mehr von einander lernen, als sie denken.

    Ich für meinen Teil denke, dass es sicherlich nicht die Mediengestalter sind, die den Studierten das Leben schwer machen und umgekehrt. Denn wir haben schließlich unsere Sache gelernt. Es sind doch vielmehr die ungelernten Kräfte, die einfach sagen: “Och, ich hab keine Lust mehr Metzger zu sein, ich hab einen PC zu hause, eine Sicherheitskopie eines Grafikprogrammes, da kann ich ja mich ja mal als gestaltende Person ausgeben.”

    Ich hab es schon oft erlebt, dass es diese Personen sind, die so einen Preisdumping machen und dann eine sehr schlechte Qualität abgeben, von der aber viele Klein- und Mittelständler überzeugt sind, dass es für ihre Belange genüge.

    Leider ist es ja so, dass unser Berufszweig nicht vor solchen Quereinsteigern, bei denen es sicherlich auch sehr gute gibt, die sich aber in der Minderheit befinden, geschützt ist. Und wenn jetzt wieder jemand sagt, Qualität setzt sich immer durch, dann kann ich ihm leider nur kopfschüttelt auf die Schulter klopfen. Es ist doch naiv zu denken, dass ich, wenn ich gute Qualität zu einem höheren Preis anbiete, dieser Vorzug bekommt, vor einem, der schlechterer Qualität zu einem günstigen Preis verkauft. Die meisten Firmen haben eben nicht mehr das Geld um gute Werbung, in welchem Segment auch immer, machen zu können.

    Wir sollten uns alle wieder darauf konzentrieren, was wir gelernt haben und unsere Kunden davon überzeugen, dass man mit ein paar Euro mehr, richtig gute Qualität bekommt.

  46. Hier noch eine Nachtrag von mir aufgrund vieler Kommentare:

    Ich möchte wiederholt darauf hinweisen, dass diese Befragung nicht repräsentativ sein kann!!!
    Es gibt sehr viele KollegInnen, die überhaupt nicht im Netz unterwegs sind, geschweige denn das dt kennen. Insbesondere diejenigen, die schon etwas länger im Geschäft sind, wie z.B. Vroni oder ich (20 Jahre zzgl. mehrerer Prakika).

    Zum Thema Mediengestalter vs. Dipl. Designer:

    Meine über 20jährige Erfahrung hat gezeigt, dass es in der Branche völlig egal ist, welche Ausbildung man hat. Wenn man Ideen hat, diese richtig umzusetzen und dazu gut argumentieren kann, dann ist das schon die “halbe Miete”. Wenn der Kunde dazu glücklich ist und er mit dieser Arbeit Erfolg hat, dann steht einer erfolgreichen beruflichen Karriere nichts mehr im Wege.

  47. eine schöne diskussion. gabs schon lange nicht in diesem blog. wirklich.
    danke an die teilnehmer und an achim für erstklassigen beitrag.

    @ Günthi du spichst über schubladendenken von meiner seite aus, das möchte ich auch gar nicht abstreiten, mach ich immer und gerne – sonst hätte ja dieser interessanter und wie ich meine konstruktiver polylog hier nie stattgefunden. und das es verschiedenen meinungen gibt, macht unser leben nur reicher (jetzt nicht auf materielle bezogen). lesen wir beispielweise deine zeilen nochmal durch: “ungelernte Kräfte”, “Quereinsteiger”… keine schubladen? ist natürlich nur eine unterstellung… ;)

  48. @ Ralf: Ich stimme Dir zu, dass Gestalter und Dipl. oder BA in der Gestaltung bei gleicher Berufserfahrung kaum Unterschiede vorliegen. Höchstens im Bereich der “Marketing-Ausbildung” schätze ich den Designer stärker ein, wobei der Gestalter im Bereich Drucktechnik und Produktionstechnik besser ausgebildet wurde – bei entsprechender Praxiserfahrung gleichen sich diese Aspekte aber an.

    Der wirkliche negative Aspekt ist, dass die Berufsbezeichnungen nicht geschützt sind, soweit ich weiss. JEDER dürfte ein Gewerbe mit dem Zusatz “Design” aufmachen und da sollte ggf. die Handelskammer (oder eine andere Behörde) eingreifen. Der Begriff “Mediengestalter” müsste geschützt werden auf Leute mit Ausbildung, der Begriff Design auf Akademiker.

    Leider ist es eben in der Realität so, dass unsere Software für jeden frei zugänglich ist und jeder damit tolle Sachen anstellen kann – oder eben auch nicht. Nur wenn die Zweitgenannten dann “Büro für Kommunikation und Design” auf ihrem Logo stehen haben, dann täuscht dies über eine fehlende qualifizierende Maßnahme hinweg. Ich darf ja auch keine “KFZ-Meister-Werkstatt” eröffnen. Schade eigentlich, würde gerne mal an fremden Autos rummfummeln, obwohl ich selbst nicht mal ne Abblendlicht-Glühbirne tauschen kann.

    In diesem Sinne, allen Fachkräften ein schönes WE.

  49. @ Hans – Posting 36 –

    In Schweden gab es in der jüngeren Vergangenheit einen “Packt” der Agenturen, dass keiner mehr umsonst pitched – Profitiert haben die Agenturen alle, denn zumindest wurden die Kosten bei den Pitches gedeckt.

    Ein Umdenken der Agenturen wäre sicherlich nützlich in Bezug auf die Situation, aber versucht mal die ganzen “Kleinen” von so einem “Packt” zu überzeugen. Kein Pitchetat – Keine Entwürfe. Ich geh ja auch nicht zum Bäcker und beiß erstmal in 3 Brötchen, um dann zu entscheiden, welches ich nehme, bzw. bei welchem Bäcker ich zukünftig meine Brötchen kaufe.

  50. Also ich kann mich den meisten Ausführungen über Mediengestalter Designerabsolventen nur anschließen. Ich bin selbst gelernter Mediengestalter (habe ein einer Druckerei angefangen) und habe nach zwei Agentur-Zwischen-Aufenthalen auch den Weg in die Selbstständigkeit gewagt. Ich habe in der Ausbildung auch „nur“ die Grundlagen gelernt, aber das ist eine gute Basis um sich selbst weiterzuentwickeln. Studium nach Ausbildung wäre mir zu langweillig gewesen (einige Kollegen haben es probiert und oft geschimpft) und außerdem ist das Tagesgeschäft einfach nicht so frei wie ein Studium (Jeder kennt die Kunden, bei denen es am Freitag heißt: „Ich brauche am Montag…“).

    Es ist einfach so, dass es egal ist wie man “rein” kommt – solange man mit Herzblut / „Interesse für anderes“ dabei ist. Außerdem sollte man selbstbewusst verhandeln können – dann bekommt man immer ein gutes Gehalt.

    Ich habe leider die Umfrage verpasst (zuviele Aufträge :-) um im Netz „rumzulesen“ aber ich bin durchschnittlich mit 4.000 Euro brutto im Monat dabei (Jan.-Dez.!) und habe jetzt sechs Jahre Berufserfahrung. Std.-Satz ist übrigens 65,- €. Und keiner meiner Mittelstands-Kunden hat bisher „gejammert“…

    In diesem Sinne – zeig was du kannst – dann fragt keiner nach deinem Zeugnis.

  51. @Thomas / Architektur

    Als eine, die genau aus dieser Branche in die Werbung, Design & Texte gewechselt ist, finde ich Deinen Einblick ins Paralleluniversum – für den ich dankbar bin – hilfreich. Eigentlich hatte die Architektur als Berufsstand nämlich bessere Voraussetzungen als die der Designer/innen: ein geschützter und kammerüberwachter Beruf mit einer Honorarordnung, die die Vergütung vorschreibt (nicht vorschlägt). Das hat den Berufsstand nicht vor den Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels bewahrt: Eigenheime von Investoren und Baufirmen als Massenware konzipiert und unters Volk gebracht, haben ein großes Betätigungsfeld der Architekten ersetzt. So wie die Klamotte von der Stange den Maßanzug oder das Maßkleid.

    Die größere Konkurrenz z.B. in Sachen Webdesign und -umsetzung sind nicht Mediengestalter/innen und Arbeitsagentur-Umschüler/innen, sondern “Webseiten-Baukästen” von großen Internetdienstleistern, die “mit wenigen Klick individuelle Webseiten” versprechen – aber wie wir wissen, natürlich eben *nicht* halten. So wie ein Kataloghaus dem Ort an dem es gebaut wird nicht gerecht werden kann (was ein entwurfsprägender Faktor für Architekt/inne/n ist) – weswegen das Konfektionshaus konsequenterweise meist auf neuem Baufeld unter seinesgleichen aufgestellt wird. Oder so wie “trendige Mode” einer globalen Bekleidungskette nicht mehr wirklich zum Ausdrücken der eigenen Persönlichkeit taugt.

    Hätte ich eine kluge Antwort auf die Frage, wie das Individuum und der kleine regionale Handwerker / Dienstleister / Händler mit der Entwicklung der Massenproduktion umgeht und dabei glücklich bleibt, weil er oder sie (auch) beruflich nützlich und gefordert bleibt, würde ich ein Buch dazu schreiben und durch die Abendtalkshows der Republik tingeln. ;-) Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass es (noch?) ein ganz zufriedenstellendes Leben sein kann. Ich kompensiere beispielsweise die Unzufriedenheit unterbezahlter Aufträge dadurch, dass ich sie zu 90% für gemeinnützige Vereine ableiste und Kunden aus der Wirtschaft dann sage: “Sorry, ehrenamtlich oder low-budget arbeite ich bereits für die örtliche AIDS-Hilfe oder den Kinderschutzbund.” – keine/r will das Gefühl haben, ich “spende” ihm meine Arbeit oder sein Auftrag nähme den Gemeinnützigen etwas weg. Und mir macht die “unterbezahlte” dann wieder Spaß, weil sie (für mich) einen hohen ethischen Wert hat. Der Umsatz bleibt derselbe, ob ich wenig Geld für die Anzeige eines schlecht-zahlenden Unternehmers oder die Postkartenaktion eines Vereins bekomme.

    Ups… ich bin abgeschweift. Aber vielleicht sind das neue Impulse für die Veränderung des eigenen Standorts, wenn schon “die Welt” nicht übermäßig von “uns” beeinflussbar ist.

    Ein schönes Wochenende wünscht
    liqui

  52. @wickedbird: Danke. :-) (Ich hatte gestern Abend einen Beitrag verfasst, der aber wohl in den Windungen des www verschollen ist :/ )

    **********************
    dt-Anmerkung
    Der besagte Kommentar ist, im Gegensatz zu den letzten beiden, vom SPAM-Filter verschluckt worden. Wenn Du möchtest, dass ich ihn zurückhole, dann meld Dich bitte. Ich denke, Vieles davon dürfte mit der „Neuauflage“ bereits gesagt sein.

    edit: Dank Dir für die Mail. Leider kann ich Dir aber nicht antworten (“Mail Delivery System – User is unknown”)
    **********************

  53. Obwohl ich den Vergleich sonst meide, sollte man dennoch einen Vergleich zwischen “Neuen Bundesländer” und “Alten Bundesländer” nachfragen. Nach meinen Erfahrungen liegen die Verdienste in denn “Neuen Bundesländer” für Grafiker und Desiger deutlich unter diesen Werten…

    Die Studie klammert (vlt. absichtlich) vor allem auch die “Neuen Bundesländer” aus.

  54. Interessante Diskussion!
    Im Grundsatz ist es doch so, dass der Kunde immer was gaaaanz günstiges sucht. Die Frage ist aber: machen wir da mit? Die meisten anscheinend ja. Und schon läuft die Spirale an. Ich leiste mir den Luxus, auch mal einen Auftrag abzulehnen, weil ich die Preisvorstellung des Kunden nicht akzeptiere (ich mache den Preis, nicht der Kunde). Und das konsequente Festhalten an einem angemessenen Preis hat mir geholfen, am Markt zu bestehen. Klar wird es noch viele potentielle Kunden geben, die zum “billigen Heini um die Ecke” gehen. Aber damit kann ich leben. Wenn man bedenkt, dass es mittlerweile sehr gut gestaltete Designvorlagen zu absoluten Dumpingpreisen im Netz gibt (WordPress CMS für 25$, V-cards+Briefbogenvorlage für 10$ usw) muss man sich nicht wundern, dass immer mehr “Designer” am Markt erscheinen und mit diesen Vorlagen das schnelle Geld suchen. Das ist wie Ende der 90er, als jeder Hansel, der mit nem HTML WYSIWYG Editor ein bisschen umgehen konnte, ein “Webmaster” war.
    Ich biete Service an und das ist genau das, was der Kunde will. Ich erstelle nicht nur die Layouts sondern kümmere mich auch um die Druckausführung, liefere Frei-Haus, berate auch schon mal kostenlos am Telefon. So komme ich auf durchschnittlich 500 bis 600 Euro am Tag. Abzgl. Steuern usw. reicht es, um vernünftig zu leben. Und eines sollte auch klar sein: ein Kunde spürt, ob ich “Verkaufsdruck” habe, ob ich unbedingt den Auftrag will. Dass er das dann gnadenlos ausnutzt ist m.E.n. völlig legitim.

  55. Hier mal ein kleiner Film der das Kundengebahren in der Werbebranche auf andere Branchen überträgt und so auf sehr überspitzte Weise zeigt was wir Gestalter/Designer uns als Dienstleiser tagtäglich so alles gefallen lassen (müssen). Hier sehe ich auch einen der Gründe für die Preise in unserer Branche. In anderen Branchen wäre so ein Kundengebahren schlichtweg undenkbar…

  56. @ gericoach
    Hach, so einfach kommen Sie mir nicht davon, und zwar wegen dieser Ihrer Darstellung:
    “Wenn man bedenkt, dass es mittlerweile sehr gut gestaltete Designvorlagen zu absoluten Dumpingpreisen im Netz gibt (WordPress CMS für 25$, V-cards+Briefbogenvorlage für 10$ usw) muss man sich nicht wundern,…”

    Denn Sie betreiben ein Tochterunternehmen, welches Logos zum Billigpreis anbietet.
    Was Sie duchaus dürfen, ist Ihre Freiheit.
    Dann dürfen Sie jedoch nicht über Billigheimer und die daraus resultierende Marktverwerfungen herziehen.
    Das dazu.

  57. @xcut #43 & Ant Onio #73:
    “Ansonsten kann ich zu den Zahlen nur sagen, dass ich froh bin, dass ich das designen nur als Hobby mache.”

    “tja, hätten wir lieber was gscheits lernen sollen..”

    Stimme euch da voll und ganz zu! hab mir auch lange überlegt ob ich ein Studium in der Designbranche beginne. So gerne ich auch an Grafiken und Webseiten bastele, so hatte ich auch immer schon das dumpfe Gefühl, ob diese Arbeit denn auch angemessen vom Auftraggeber gewürdigt und vergütet wird – eher nicht.
    Dank dieser Umfrage hier, bestätigt sich mein Verdacht ein ganzes Stück weit und ich bin froh, dass ich dann was anderes studierte (int. Managemant & dann Wirtschaftsingenieur). Hier ist das Vergütungs/Arbeitsaufwand – Verhältnis besser. … Naja nun treibe ich als passionierter Hobby-Pixelschubser mein unwesen :)

  58. Da möchte ich einmal widersprechen und sage, dass „designen als hobby“ in etwa so möglich ist, wie “genforschen als hobby“. Design ist nicht gleich Gestaltung. Design bedarf einer Ausbildung. Nicht, dass der Eindruck entsteht, jeder, der Photoshop installiert hat ist ein Designer.

  59. @Achim Schaffrinna
    ist schon richtig, jedoch muss man ein bestimmtes Talent und Gefühl für gestalterische Dinge haben. DAS ist die Grundlage von einem Designer/Mediengestalter. Die folgende Ausbildung/Studium baut nur darauf auf, erweitert Wissen und kanalisiert es.

    Andersrum: Wenn du in chemie und physik schon immer ne Niete warst, wäre es ja auch so gut wie unmöglich das Genforscherstudium zu bestehen und dann ein guter Genforscher zu werden.

  60. Ein Bereich der noch nicht abgedeckt wurde ist auch folgender, dem ich mich verschrieben habe, bzw. woraus ich – hoffentlich bald – mein Gehalt generieren werde:
    Selbst Produkte schaffen und sich selbst Aufträge geben.. Gerade der Vorteil schlechthin eines Kreativen ist es doch auf neue Ideen zu kommen und als Problemlöser zu agieren, oder einfach auch nur eine überquellende, äh, Quelle an Was-auch-immer (bin und werde nie ein guter Texter, oder vllt. gerade deswegen schon), sei es Kreativität oder Geltungsbewusstsein oder einfach nur zeichnerisches Talent zu haben.
    Ich habe zusammen mit meinem besten Kumpel einen Verlag gegründet, er Autor, ich Design. Ich kenne viele die neben Auftragsarbeiten auch Geld verdienen durch ihren Blog, Webcomic und dazu passende T-Shirts und Merchandise.. Eine bekannte Illustratorin (also mir bekannt) hat ein Buch zum Thema “Fantasy-Figuren und Welten – Zeichnen lernen” veröffentlicht..

    Das schöne ist doch gerade, dass wir mit unserem Wissen, Talent und der Erfahrung auch etwas wie aus dem Nichts schaffen können und damit uns auch ein Stück mehr Selbstständigkeit und mehr Verdienst, was ja hier das Haupthema ist, schaffen können. Natürlich ist dies meist noch wahnsinniger und ein A**** voll Arbeit mehr, aber wenn man zB schon während der Ausbldung, dem Studium, anfängt..

    (Achja, derzeit verdiene ich so gut wie garnichts mit dem Verlag – mehr als die meisten Praktikanten bei der Umfrage zwar, aber es ist ein Anfang und wir stehen eben an jenem.. Dafür aber habe ich dadurch wertvolle Erfahrungen und vor Allem Kontakte sammeln können und schon die ersten Aufträge zB bei anderen Verlägen gekriegt, die dann regulär bezahlt wurden/werden)

  61. Der Grund warum der Graphic Design Markt kaputt ist liegt daran:

    Werbeagenturen und Designbüros stellen hauptsächlich Praktikanten ein, um Geld zu sparen oder weil nicht viele Kunden da sind?? Dies hat zur Folge, das man als Ausgebildeteter GD oft nur ne Chance hat ein Praktikum anzunehmen. Das ist natürlich fatal, da es zur Infaltion von Grafik Designer kommt.
    Die Praktikanten denken danach oft “hmmmm, okay ich verdiene mehr wenn ich eigene Kunden an Land ziehe und es günstiger mache als die Agenturen”. Schwubdiwub verliert Grafik Design an Wert.
    Um dies aufzuhalten sollte man die Praktikum-Ausbeut-Agentur-Gesellschaft beukotieren.
    Es ist okay ein Praktikum ist Studium zu machen oder wenn man glaubt ein neues Gebiet erarbetien zu wollen. Alles Andere macht den Markt kaputt und dann muss man sich nicht wundern warum der Graphic Designer an Wert verliert. Ihr läßt es zu euch als Praktiikanten einstellen.
    Wozu gibt es eigentlich Probezeiten oder den Titel Junior Grafik Designer.
    Stopt Design Praktikanten Ausbeutung. Ihr macht euch den eigenenen Markt kaputt.

  62. Es geht mir definitiv nicht nur um das Geld, aber ich werde alles unternehmen, um hinterher nicht unter 2000 € ins Rennen zu gehen. Es geht nicht an, dass ich mir über vier Jahre (eher fünf) meines Lebens den Popo im Studium aufreiße und dann hinterher fast genau so viel bekomme, wie ein Krankenwagenfahrer (ca 1300-1600), der grade mal ein paar Monate Schulung hatte, oder Bereitschaftsdienstler, die nur ein Wochenende Erste-Hilfe Kurse hatten (1300).

    Natürlich soll es beim Designberuf nicht nur ums Geld gehen, aber wenn man weniger verdient, trotz höherer Ausbildung, weit höherer Arbeitszeit, höherem Engagement und weit weit weit höherem Stressfaktor, läuft etwas falsch!

    Was mich besorgt ist, dass Kunden den Unterschied zwischen guter und schlechter Qualität häufig nicht mehr erkennen, oder diesen nicht mehr Wertschätzen.
    Ein gutes Beispiel dafür ist der Messebau. Wenn man Bilder aus dem Internet mal eben kurz drucken und für ein Wochenende benutzen kann.. warum sollte man dann noch teure, technisch gut und auf den Punkt realisierte Fotografien nutzen? Nach dem Wochenende kommen sie eh in die Tonne. Diese Berufspraxis ist im Mittelstand nach meiner Erfahrung aus Praktika schon häufig angekommen. Es gab genügend anfragen. Ebenso, wenn man sich den Code von Internetseiten anschaut. Wie viele Tabellenlayouts ich heut zu Tage noch finde. Wie wenig es den Kunden im Endeffekt interessiert, was dahinter steckt. Ein fünf Sterne Hotel, welches zu mir sagt, es wolle meine Bilder auf eine Größe übertragen, die ich selbst nicht vertreten kann. Oder eine vier Sterne Hotelkette, die es nicht interessiert ob ihre regionalen, saisonalen Werbedrucke verpixelt, oder wie die Lizenzfragen einzelner genutzter Bilder sind.

    Man muss den Leuten jedes mal aufs neue Erklären, dass Qualität in direkter Verbindung mit dem Preis steht und dass die technische Vorraussetzung qualitative Grenzlinien zieht.
    “Das ist doch digital, das geht doch alles mit dem Computer. Dann muss ich mir wohl jemand anderen holen, wenn sie das nicht können.” höre ich nicht zum ersten Mal.

    Warum sollte ich dann bei einem weit niedrigeren Gehalt mir den Stress antun und nicht einen regulären, stressfreien Beruf nehmen und dann in meiner Freizeit, oder Bereitschaftszeit als Freelancer arbeiten, um mich kreativ aus zu toben?

    • …. nun ich finde auch das der Krankenwagenfahrer besser bezahlt sein könnte. Wer will schon von eine unqualifizierten, unmotivierten Fachkraft versorgt werden. Wie überall ist vielen die Kompetenz und deren Qualifikation der Designer mehr als verborgen. Und manchmal denke ich auch, dass das Design immer noch gelernt hat sich und seine Profession zu erklären und zu vermarkten. Also eher – auch – ein Problem des Designs.

  63. Hier noch eine Leseempfehlung zu einem Artikel in der ZEIT, der zur Gehaltsdiskussion inhaltlich ganz gut passt: “Die neue K-Klasse. Kreativhotels, Kreativkieze und Kreativbeauftragte: Berlin sieht sich als Labor einer zukünftigen, wissensbasierten Ökonomie. Aber was tun diese Kulturarbeiter eigentlich den ganzen Tag? Eine Recherche in der “Hauptstadt der Innovation”.

  64. Das ist ein tolles Diskussions-Thema und scheint dementsprechend bei einer großen Anzahl an involvierten das Bedürfnis zur Reaktion hervorzurufen … so auch bei mir:

    Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn als Grafik-Designer leider feststellen müssen, dass es oft leichter ist, den Kunden von seinem “Qualitätsbedarf” in Sachen Kommunikations-Design und den damit verbundenen Mehrkosten zu überzeugen, als seinen Chef von der damit verbundenen Entlohnung seiner Angestellten, die dieses “Qualitätsversprechen” dann auch erfüllen.

    Aber vielleicht hatte ich in dieser Beziehung bisher auch einfach nur Pech.
    Gehaltsverhandlungen sind Krieg.

    Peace.

  65. Ist schon sehr wenig für einen so kreativen und anspruchsvollen Job. Da verdient man ja bei der Müllabfuhr mehr und dafür muss man nix können.

    Ich denke es gibt aber auch Ausnahmen die sehr deutlich darüber liegen (beispielsweise Produktdesigner, Designer für große Unternehmen)

    Grüße, Vincent

  66. Schön, dass die alten Beiträge noch online stehen gelassen werden. Die werden jetzt bald zu Erinnerungen werden. Der Mindestlohn ist längst beschlossene Sache. Wäre super, wenn Sie an dem Thema dran bleiben und weiter berichten würden, wie sich die Situation zahlenmäßig verändert.

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