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Welchen Einfluss haben Wahlplakate?

Im Rahmen der diesjährigen Betrachtung der Wahlplakate zur Bundestagswahl möchte ich gerne eine Umfrage vorwegschicken. Über den Einfluss von Wahlplakaten auf die politische Meinungsbildung lässt sich kaum Verbindliches sagen. Verlässliche Studien über die Auswirkung von Wahlwerbung gibt es keine, zumindest sind mir keine bekannt.

So darf weiter spekuliert werden, ob und auf welche Weise Wahlplakate Wähler in ihrer Entscheidung beeinflussen. Natürlich lassen sich die Parteien nicht die Chance entgehen, Straßenzüge und Stadtviertel zu „branden“. Fraglich bleibt nur, ob die Plakatierung den erhofften Effekt erzielt. Deshalb möchte ich gerne die Frage an die dt-Leserschaft weitergeben, die freilich in Bezug auf die visuelle Wahrnehmung besonders geschult ist. Das Ergebnis wird alles anderes als repräsentativ sein, dafür ermöglicht es einen Einblick in die Einschätzung der Kreativen.

Welchen Einfluss haben Wahlplakate auf Deine Wahlentscheidung?

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11 Kommentare zu “Welchen Einfluss haben Wahlplakate?

  1. @Friesenkiwi Der Blog campaignwatchers ist bekannt. Nur finden sich weder unter dem eingestellten Link, noch sonst im Blog Studienergebnisse, die eine Aussage hinsichtlich der Wirksamkeit von Wahlplakaten treffen. Wer derlei Ergebnisse kennt, kann diese hier sehr gerne einstellen.

    [edit] Eine Studie habe ich nun doch finden können: Stuttgart-21-Plakatstudie | PDF Die gewünschten allgemeinen Aussagen finden sich auch hier nicht: „Aufgrund der Art der Stichprobenziehung ist die Untersuchung nicht repräsentativ. Absolute Aussagen oder Vorhersagen über Einflüsse der Plakat-Kampagnen in der Gesamtbevölkerung sind deshalb nicht möglich.“

  2. Ich prophezeie mal die meisten Leser werden „beeinflusst mich nicht“ ankreuzen, so wie bei anderen Arten von Werbung auch. Sich selbst realistisch einzuschätzen ist immer ziemlich schwierig, dabei wirkt Werbung natürlich sehr wohl.

    Mich beeinflussen Wahlplakate tatsächlich auch im negativen Sinn von „das wollen die ernsthaft machen?“ oder „damit machen die Wahlkampf?“. Hier in Bayern ist bald Landtagswahl und es gibt einige Parteien mit geradezu aberwitzigen Wahlplakaten wie der „Bayernpartei“ (einfach mal googeln). Auch womit die Piratenpartei so wirbt ist sehr interessant, da stehen Drogenlegalisierung, Leinenzwang und Altersarmut als Wahlkampfslogans an, da kann sich jetzt jeder selbst seinen Teil zu denken.

  3. die umfrage wird keine sinnvollen ergebnisse produzieren, weil kaum jmd sich eingestehen wird sich von werbung beeinflussen zu lassen. plakate sind immer noch die billigste methode um viele menschen zu erreichen. in berlin war die plakatkampagne dort ausschlaggebend für den erfolg. bevor die ersten plakate hingen krebsten die damals an der 2% umfragemarke rum, ab dem zeitpunkt wo die plakate hingen gings stetig bergauf. natürlich spielen günstige rahmenbedingungen die größere rolle, aber gerade für kleine parteien sind plakate das wichtigste werbemedium, weil sie sich selten in medien präsentieren können und die reichweite enorm is wenn die gut gemacht sind.

  4. Ich möchte Ihnen Herr Schaffrinna nicht auf den Schlips treten, aber ihre Frage geht etwas an dem Thema Wahlplakate vorbei. Ich bin Wahlkampfleiter eines Bundestagskandidaten einer Volkspartei, insofern etwas in dem Thema drin.

    Wenn wir uns mit Thema Wahlplakate beschäftigen müssen wir uns erst mal über ein zwei Sachen im Klaren werden:

    1. Wir haben zwei verschiedene Wahlen (Erst- und Zweitstimme)

    und

    2. Wir haben unterschiedliche Wählergruppen, die unterschiedliche Erwartungen/Bedürfnisse haben.

    Das wirkt sich wie folgt aus:

    Die beiden Volksparteien und CDU haben personenlastige Wahlkämpfe, weil ihr Dreh- und Angelpunkt vor Ort (wo der tatsächliche Wahlkampf gemacht wird) ihr Erststimmen-Kandidaten ist. Ein Erststimmenkandidat dieser beiden Parteien wird sich im Zweifel immer für das eigene Plakat entscheiden, auch wenn das gesamtparteilich gesehen egoistisch sein mag. Mehr als 25.000 bis 35.000 Euro sind insgesamt für den Wahlkampf in einem Wahlkreis aber einfach nicht drin. Heißt in der Konsequenz, die Themenplakate sind eher nachrangig für diese beiden Parteien. Deswegen werden sie auch nie so groß vorgestellt; auch tauchen nie Personen auf Ihnen auf wie bei den Grünen zum Beispiel, da das für Verwirrung sorgen würde mit den Erststimmenkandidaten. Letztendlich erkennt man an der Anzahl der Themenplakate die Finanzstärke der jeweiligen lokalen Volkspartei, denn sie sind ein „Luxusprodukt“, ein „Nice to have“ für obendrauf.

    Bei den kleineren Parteien – Grüne, FDP, Linke, Piraten etc. sieht das anders aus. Sie führen thematische Wahlkämpfe (Zweitstimme). Ihre Wähler wählen hauptsächlich programm- bzw. ideologie-zentriert-gebunden. Deshalb stehen bei Ihnen die Themenplakate im Vordergrund. Um aufzufallen sind diese meist origineller gestaltet, als die der Volksparteien, die schließlich noch mit ihren eigenen Plakaten konkurrieren.

    Plakate haben nicht die Intention zu überzeugen. Alle Parteien sind mittlerweile davon weg zu glauben, Menschen in 6 Wochen überzeugt zu bekommen. Das ist viel zu naiv gedacht! Entscheidend sind vielmehr die Milieus der potenziellen Wähler (vgl. Sinus-Studie).

    Die CDU braucht nur antreten schon hat sie 25 % sicher. Ihre Wähler gehen immer wählen. Bei der SPD sieht das anders aus. Sie hat durch ihre Milieu-Wählerstruktur immer Probleme ihre potenziellen Wähler an die Urne zu bekommen. Die Leute müssen nicht thematisch überzeugt werden, sie sind es bereits im Kern. Sie müssen mobilisiert werden und das ist das Stichwort.

    Plakate der Volksparteien dienen dazu, auf die Bundestagswahl aufmerksam zu machen (immer weniger lesen Zeitung oder schauen Tagesschau), Präsenz zu zeigen und den Kandidaten bekannt zu machen. Überzeugt wird wenn durch andere Kommunikationsformen. Das war früher nicht anders und ist heute immer noch so. Somit wird das Plakat aber eigentlich sogar noch wichtiger als früher.

    Insofern ist aber Ihre Frage falsch gestellt.

  5. Es ist natürlich immer schön, solche Fragestellungen zu verfolgen und damit eine politische Debatte unter Designern anzufachen, die auch von einer gewissen Eitelkeit in Bezug auf das eigene Fachgebiet geprägt ist. Letztlich geht es ja darum, bei welcher Plakatgestaltung die Regeln unseres Berufs am besten ausgeführt wurden bzw. welche Agentur die größtmögliche Originalität gezeigt hat, was beides – so hoffen wir – nun auch die Bürger überzeugen und zu einem bestimmten Votum bewegen wird. Was wir hier verhandeln, ist insofern nicht weniger als die mehr oder weniger suggestiv vorausgesetzte politische Macht von Grafikern und Slogandichtern.

    Hält man sich die Diskussion vor Augen, die unter dem Nachbarartikel über die bereits veröffentlichen Wahlplakate geführt wird, stellt man allerdings fest: Plötzlich scheint alle Neutralität und auch so manche sachliche Einschätzung unwichtig zu sein. Stattdessen wird jeder mögliche und unmögliche Gedanken angeboten, um den öffentlichen Auftritt der Lieblingspartei zu rechtfertigen und gegenüber den anderen zu verteidigen. Machen wir uns nichts vor, welche Kampagnen wir gut finden und welche nicht, steht im Grunde schon fest, bevor wir die Motive zur aktuellen Wahl zu Gesicht bekommen! Auch wenn es etwas überspitzt klingt: Die Frage ist nicht, welchen Einfluss die Gestaltung der Wahlplakate auf die Bürger hat, sondern welchen Einfluss das politische Profil der Gestalter auf ihre Beurteilung der Wahlplakate hat.

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