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Was verdient man als Designer?

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Gehalt Designer

… mit dieser Frage hat sich nicht nur im Februar 2010 der BDG beschäftigt und eine Blitzumfrage durchgeführt, deren Ergebnis man mit „sexy und arm“ zusammenfassen kann, sondern aktuell auch Prof. Robert Paulmann vom corporate identity institut. Wie steht es um das Gehalt von Jungdesignern?

In einem PDF, das auf der Site des Instituts zum Download bereit steht, werden die Chancen und Möglichkeiten der Absolventen von Gestaltungshochschulen in Deutschland beschrieben. 70 Agenturen haben sich im Rahmen einer Kurzumfrage die Mühe gemacht und die Fragen, auch hinsichtlich des Gehalts eines Designers bzw. eines Design-Praktikanten, beantwortet. Hier ein Kurzresume: Das höchste Anfangsgehalt bekommt man mit 2.500 € brutto in Freiburg und Stuttgart. Am wenigsten verdient man mit 1.850 € in Bremen.

36 Kommentare

  1. Selbst 20 Jahre nach dem Mauerfall werden nur fast ausschließlich westdeutsche Agenturen befragt, trauriges Armutszeugnis…

    Das aber mal außer Acht gelassen, zeigt die Umfrage, wenn auch nicht repräsentativ, vieles, was man auch aus der Realität kennt. So sieht man, dass 76% zwar Praktika anbieten, freie Mitarbeiter oder gar Festangestellte nicht eingestellt werden. Wieso sollte man auch, wenn die Praktikanten doch die gleiche Arbeit für viel weniger oder notgedrungen sogar ohne Lohn die selbe Arbeit verrichten. Daran hat nach meiner Erfahrung nach auch nach dem Beschluss, Praktikanten müssen einen Grundlohn erhalten, nichts geändert.

    Positiv sehe ich die Aussage, dass der Abschluss quasi keine Rolle für die Arbeitgeber spielt. Als Student im Bachelorstudiengang hatten einige die Befürchtung, die Wirtschaft würde diesen Abschluss nur als “halbes Studium” ansehen.

  2. Interessant, aber: Die Durchschnittsrealität sieht leider vermutlich noch viel düsterer aus. Freiwillige Angaben von ausgesuchten Agenturen in den alten Bundesländern ergeben nun mal kein Abbild der Wirklichkeit. Da wird der ein oder andere Knauser sicher lieber keine Angabe gemacht haben oder das eingetragen haben, was er grundsätzlich schon irgendwie bezahlen würde wenn er sonst nicht mehr wissen würde wohin mit seinem Geld.

    Wenn man die Leute erst einmal so weit hat, dass sie 6-12 Monate ein unbezahltes Praktikum gemacht haben, kann man anschließend prima bei der Gehaltsverhandlung fragen, was der Absolvent unbedingt zum Leben benötigt (Viel kann es ja nicht sein ging die Monate ja auch ganz ohne). Lässt der Neuzugang sich zu einer unbedachten Äußerung hinreißen, gilt der Deal. Das heißt auf dem Arbeitsvertrag stehen dann noch 200 EUR weniger. Nach der Probezeit (6 Monate – woher soll man dann auch wissen ob die Person nicht ganz anders als im einjährigem Praktikum arbeitet) wird dann um 100 EUR angehoben, nach weiteren 6 Monaten wiederum – so hat man das Thema Gehaltserhöhung für mindestens 2 Jahre aus der Welt geschafft (gab ja gerade eine) obwohl man einem jungen Menschen nur das bezahlt was er auf Studentenniveau unbedingt benötigt.

    Weitere Interessante BDG-Umfrage: http://www.bdg-designer.de/pdfs/BDG_Blitzumfrage_Januar_2010.pdf

  3. interessanter beitrag, danke! diese werte kann ich aus meiner eigenen erfahrung bestätigen. eigentlich traurig, denn diese gehälter werden sogar master-absolventen angeboten. mein “rekord” waren ein mtl. gehalt von 1.800 eur brutto bei einer agentur in freiburg. davon kann kein mensch gut leben. mein rat wäre, sich bereits während des studiums wertvolle kontakte zu agenturen aufzubauen und nach erfolgreicher beendigung selbstständig durchzustarten. ist zwar auch nicht einfach und geht vermutlich nur wirklich gut, wenn man viel unterstützung z.B seitens der familie oder des partners erhält, kann sich aber bei gewisser anstrengung durchaus auszahlen. ich bin jetzt genau seit einem jahr selbstständig, und das angegebene durchschnittsgehalt habe ich mittlerweile erreicht – und zwar netto, bei wesentlich weniger auslastung, als ich sie in einer agentur erleben würde. also leute: habt mut, traut euch und verkauft euch bloß nicht unter wert. auch am anfang kann man “nein” sagen! viele grüße, mad

  4. Leider leider sieht die Realität tatsächlich noch viel düsterer aus. 1.850 € als Anfangsgehalt? Davon können die Designer mancherorts nur träumen. Und das in einer stressigen Arbeitswelt, in der unbezahlte Überstunden zum täglichen Programm gehören.

  5. Die Realität sieht tatsächlich recht düster aus. Auch als “alter Hase” hat man keine guten Karten. Die Wirtschaftskrise wird immer wieder gerne vorgeschoben, niedrige Gehälter zahlen zu müssen. Wenn man 10 Jahre keine Gehaltserhöhung, geschweige denn eine Gehaltsanpassung mehr bekommen hat, ist das sehr demotivierend. – Das ist, wie man so hört, nicht unüblich. Mich wundert immer wieder, dass die Agenturchefs nicht begreifen, dass unmotivierte Mitarbeiter nicht unbedingt die besten Ergebnisse abliefern.

  6. kurzer nachtrag zu den fehlenden büros aus ost-deutschland:

    wir haben ca. 200 büros in deutschland, österreich und der schweiz angeschrieben, darunter natürlich auch büros aus ost-deutschland, wenn auch wenige. leider haben wir von dort nicht genug zahlenmaterial bekommen, ebenso aus der schweiz und österreich. wir finden das auch sehr schade und hoffen, dass sich beim nächsten mal mehr büros aufraffen können…;) wir bleiben dran.

  7. Ich kann von großen internationalen Werbeagenturen berichten die fertigen Designern 1500,- EURO anbieten … dieses Gehalt kann sich mit einer großen Portion Durchhaltevermögen und Frustrationsresistenz innerhalb von 6 Jahren verdreifachen. Hierzu sind allerdings Agenturwechsel nötig.
    Das funktioniert so lange, wie sich willige Studenten für Jahresparktika und dann auch gerne mal ohne Studienabschluss für wenig Geld ausbeuten lassen.

  8. Hallo Robert,

    toll das ihr hier mitlest!

    Das Grundproblem ist ja generell, dass bei so einer Umfrage nur der mitmacht, der ein gutes Gefühl hinsichtlich seiner Zahlungspraxis hat. Wer ein schlechtes Gewissen hat, gibt eben einfach keine Rückmeldung. Dazu kommt m.E. das man nur allzu schnell die Beiträge aufrundet solange man sich sicher sein kann, dass niemand einen entlarven kann.

    Wobei ich es schon spannend finde, welche Kriterien ihr bei der Auswahl der Agenturen hattet wenn nur 200 Agenturen angeschrieben wurden. Bei der Auswahl kann man ja schon das Ergebnis massiv beeinflussen. Dummerweise kommen ja nicht alle Medienschaffenden in einer hippen Agentur mit Kicker in der Lounge unter sondern landen durchaus in einer Welt von der die “Page” so weit entfernt ist wie der Mond.

  9. Die Ergebnisse sollten wirklich mit Abstand betrachtet werden, denn in der Realität wird für “frische Absolventen” nach meinen Erfahrungen deutlich weniger gezahlt. Aber wer nimmt schon gern an einer Studie teil und legt offen, wie wenig er zahlt? In der Regel hat sich nach meiner Erfahrung etabliert: Absolventen gern als Praktikanten oder max. Junior Designer einzustellen und max. 1600,- zu zahlen. Senior Designer und Art- Creativdirektoren verdienen dafür recht gut (ab 2500,-) aber dazu müssen mutig die Agenturen gewechselt werden.

    In den Niederlanden ist es per Gesetz untersagt, Hochschulabsolventen als Praktikanten einzustellen. Dies kann ich nur befürworten, so wird das Ausbeuten sinnvoll verhindert.

  10. @thomas:
    im prinzip hast du natürlich recht – aber wir haben im pdf ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich hierbei NICHT um eine repäsentative umfrage zur gesamtsituation handelt. dass die ziemlich mies ist, muss nicht zum x-ten mal dargelegt werden. uns war vielmehr wichtig darzustellen, was aus unserer sicht seriöse büros bezahlen und verlangen – und auf diese weise eine art richtwert zu ermitteln, der für absolventen hilfreich sein kann während der bewerbungsphase. wem also nun 1600€ angeboten werden, kann mit sicherheit davon ausgehen, dass er über den tisch gezogen werden soll.

    auf einem anderen blatt steht, dass selbst dieser ermittelte »richtwert« immer noch sehr weit unten liegt und natürlich nicht befriedigend ist. ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die jeweiligen büros soviel zahlen, wie möglich ist. das wiederum kann nur bedeuten, dass die büros für ihre leistungen schlecht bezahlt werden und nur entsprechende gehälter zahlen können.

    und damit haben wir m.e. das grundproblem erreicht, nämlich den »wert von design« in der öffentlichkeit – die honorare sinken seit jahren: johannes erler hat das im fontblog ausführlichst beschrieben. die gründe dafür sind vielfältig und liegen nicht zuletzt auch im hochschulbereich (qualität der ausbildung, anzahl an absolventen, abgrenzung designer/mediengestalter etc., etc.). insofern sind auch wir als hochschulen hier in besonderem maße gefragt, lösungen zu finden – und immer wieder auf das problem hinzuweisen.

  11. im Prinzip haben alle antworten hier recht. Was ich aber (der noch nie für eine große Agentur gearbeitet hat) noch einwerfen möchte ist, dass wenn man direkt nach dem Studium (auch für einen “Frechheitslohn” von unter 2.000 oder wie z.T. gesagt unter 1.500 Euro) für eine Werbeagentur wie JvM, Hirschen oder sogar internationale größen Ogilvy & Mather arbeitet sich der Lebenslauf doch sehr viel besser anhört, als “3 Jahre in einer 2-Mann agentur in kleinnirgendwo”. Ich finde das die ersten 3-5 Jahre nach dem Studium noch zum Studium gehören, und wer es sich leisten kann sollte in der Zeit so viel Agenturen wie möglich mitnehmen.
    Man muss es sich aber leisten können. Mit Kind und eigenheim sieht sowas natürlich anders aus. Da hilft nur (wie schon gesagt) Selbstständig machen…

  12. ja… selstständig machen ist der einzige Ausweg aus dem grauen Gehaltsjungel. Klein haben alle einmal angefangen, daher ist es Quatsch nur auf Grund einer Selbstständigkeit auf das dicke Geld zu hoffen. Das macht vielleicht den Unterschied… als Angestellter kommt man nach hause, legt die Füße hoch und genießt den Rest des Tages. Als Unternehmer hat man nie Feierabend… auch kein Wochenende. Sobal ein Kunde kräht, stehste auf der Matte. Auch an einem wunderschönen Sonntag Nachmittag, das nennt sich dann Service und Kundenbindung.
    Naja, ich hatte als Angestellte zwar weniger Geld in der Tasche, aber auch wesentlich mehr Freizeit und weniger Sorgen. Aber mir gefällts.

  13. ich dachte ja, es hätte sich seit diesem artikel (http://www.zeit.de/2005/14/Titel_2fPraktikant_14) schon was getan, immerhin ist der von 2005. es geht aber scheinbar nicht nur design-studenten so. in anlehnung an renes kommentar möchte ich fragen, was hat das studium für nen wert, wenn man sich nach dem abschluss erst seine rechtfertigung erarbeiten muss!? da stimmt doch was nicht. 13 jahre schule, damit man studieren kann, ein jahrespraktikum damit man an ner aufnahmeprüfung teilnehemen darf; hat man die bestanden studiert man 4-5 jahre um danach was zu haben??? dann darf man in ner tollen agentur ein praktikum machen und von den “großen” lernen. juchu. // das stellt doch das ganze hochschulsystem in frage!

  14. Markus,
    zur Idee der “falschen” Kunden:
    Du bist schon recht nahe dran.

    Falsche Kunden sind die, die nicht agenturfähig sind.

    “Nicht agenturfähig” heißt:

    Dieser Kundenkreis hat wenig Ahnung, was dein Gewerk Design überhaupt ausmacht. Sie denken, es ist doch so ähnlich wie beim Automechaniker, welcher fertige Dinge prüft, repariert und austauscht. Diese Kundschaft hat ergo keine Ahnung, welche Einzelanfertigungs-Leistung bei Design dahintersteckt. Sie schätzen z. B. prozessualen Aufwand und den nötigen Kommunikationsaufwand nicht und wollen schwupps Ergebnisse wie Bonbons ausgeschüttet und mindestens zur Großauswahl. Sie sind eigentlich keine Auftraggeber, sie sind bei dir Konsumenten und verhalten sich wie Konsumenten. Und dann können sie sich trotzdem nicht entscheiden. Sie machen dich wahnsinnig.

    Falsche Kunden, das sind alle Otto Normalverbrauchers und Lieschen Müllers, die irgendwann einen Verein oder eine kleine Ich-AG-Bude gründeten (besonders schlimm für Designer: ehemalige Ingenieure, gefolgt von ehemaligen Pressereferentinnnen) und mit ihrem geringen aber technophilen oder Presseblabla-Wissen über Design halt mal ein Logo oder einen Flyer geschraubt kriegen wollen. Falsche Kunden, das sind Kleinunternehmer, die ähnlich ticken wie das angestellte Lieschen Müller und dieser Otto.

    90% von denen muss man als Designer heutzutage alle ziehen lassen. Meiden! Denn sie haben von drei möglichen Nachteilen alle drei Nachteile, 3/3:

    1.
    Sie sind hoch aufwändig in der Beratung.

    2.
    Werfen ständig bewusst oder unbewusst Steine in den Prozess deiner Arbeit, obwohl du gründlich beraten hast. Und du fängst wieder von vorne an, sie korrumpieren also deine Fachlichkeit, untergraben dein Selbstvertrauen – und:

    3.
    Werfen unterm Strich keinen Gewinn ab, sondern du fährst mit ihnen wegen des erhöhten Zeitaufwands und der geringen Bereitschaft, den nötigen Preis zu zahlen, nur Verluste ein.

    Das klingt alles ein wenig hart und unfreundlich, doch wer ehrlich ist als Designer und sich nicht in die Tasche lügt, weiß, dass es genau die sind, die immer Schwierigkeiten machen und eben gleichzeitig, weil sie so sind wie sie sind, deinen Stundensatz aushöhlen. Wenn sie überhaupt am Anfang bereit waren, ihn zumindest theoretisch zu zahlen. Meist drücken sie ihn eh vor Beginn der Arbeiten schon auf dem Vertragspapier auf weit unter 78,00 EUR, und er ist nochmals betriebswirtschaftlich unsichtbar gedrückt, weil der garantiert zunehmende Aufwand im Lauf des Prozesses in keiner Relation mehr zum ursprünglich vereinbarten Stundensatz steht.

    Die Lösung:
    Einen anderen Kundenkreis suchen. Ist leichter gesagt als getan.

    Denn wer als Designbüro mit 2-3 oder 2-5 Mann zu klein ist, um die Dinge von größeren Auftraggebern zu stemmen, wird diese Auftraggeber auch einfach nicht kriegen. Er kann noch so kreativ oder gut sein (Irrglaube an das eigene Genie): hilft nicht.

    Also vergrößern, viel Gedöns machen, viel Angestellte um sich scharen. Das Risiko zu scheitern: Wer das alles auf Bankkrediten aufbaut (wenn er überhaupt für Designgründung welche bekommt …) , kann in einer einzigen Flautephase sein ganzes Geschäft verlieren. Ich kenne eine Menge Agenturen, die in richtig guten Jahren grade mal so schwarze Zahlen schreiben und jetzt zittern. Vermutlich ist auch deren Kundschaft einen Tick zu klein, einen Tick zu agenturunfähig und man hat dort ebenfalls unterm Strich mittleren bis hohen Aufwand pro Kunde.

    Die richtig großen und agenturfähigen Kunden, die besser passen könnten und von richtigen Profis (und nicht von semi-agenturunfähigen selbsternannten Marketingleitern, die meist aus Journaille oder PR kommen … ) auf Kundenseite gesteuert werden, vermehren sich aber nicht so einfach wie Stecklinge. Die Zahl bleibt recht konstant und ist längst von wenigen Agenturen betreut. Wer da reinkommen will, muss entweder viel Vitamin B haben, mit dem Jugendwahn des Genius “genialer Junghamster” protzen oder Mafioso-Qualitäten haben :-). Oder mit Niedrigpreisen arbeiten. Oder gar mit Mords-Pressegedöns verschenken, wie es neulich eine Wuppertaler Agentur versuchte.

    Was erneut die Preisdiskussion anheizt und die nach-unten-Spirale verstärkt.

    Jede Honorar-Diskussion in der Designerschaft sollte diese – zugegebenermaßen zugespitzte Analyse 1.-3. – bedenken.

    Auch die Freelancer, die für Agenturen arbeiten sind bei 1.-3. betroffen.
    Denn sie haben, wenn sie zu niedrig bezahlt werden, mit ziemlicher Sicherheit als Kunde Agenturen, welche wiederum aus obigen Gründen kaum lukrative Kunden haben.

    Und jetzt kommt der absolute unsympathische Hammer: Die wenigen Designagenturen, die nach dieser Regel 1.-3. in der Blüte stehen müssten von ihrer nobleren, lukrativeren Kundschaft her, bezahlen dem Freelancer oder ihrem Angestellten auch nicht immer das, was ihnen zustehen müsste. Denn auch die noble Auftraggeberschaft hat die Preisschraube schon seit längerem entdeckt. Oder der Geschäftsführer der Agentur will halt seine 20.000,00 EUR im Monat für sich, weswegen soll er sich sonst schinden, er ist Cheffe.

    Es kann also die AGD ständig wiederholen, 78,00 EUR in der Stunde sinds, es wird trotzdem bei den wenigsten verwirklicht werden können.

  15. Kunden, die erhöhten Aufwand verursachen oder so wenig wie möglich bezahlen wollen, sind keine spezielle Herausforderung für Designer, sondern in jedem Geschäft anzutreffen. Man kann leider nicht nur angenehme stressfreie Kunden haben. Zumindest kenne ich niemanden, der es sich erlauben kann komplett auf sie zu verzichten, weil ständig genügend andere Kunden nur darauf warten bedient zu werden.
    Wo es viele Anbieter am Markt gibt, kann eben immer was am Preis gemacht werden.

  16. Für die Erhaltung (nicht “den Erhalt”) der KSK:

    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_06/_10/Petition_43188.html

    “Die Künstlersozialkasse (KSK) ist in ihrer Existenz gefährdet, da immer weniger Unternehmen und Einrichtungen ihrer Abgabeverpflichtung nachkommen.”

    Achim, bitte entfernen, wenn es dir nicht Recht ist.
    Eigentlich bin ich der Meinung, das man sogar einen extra Artikel aus diesem Thema machen, bzw. diese Petition forcieren istgleich bekannter machen könnte. Wäre schön.

    @ Wolfgang

    Natürlich gibt es das bei Architektur und anderen Gewerken auch. Da gebe ich dir Recht.

    Ich bitte zu bedenken, dass im Unterschied zu anderen Gewerks-Anbietern der Grafiker da Recht gerne dem Trugschluss aufsitzt, er müsse dann einfach nur noch besser, kreativer und selbstbewusster werden, dann würde das schon werden und der nicht-agenturfähige Kunde würde dann schon einsehen. Es wird nicht. Und er wird nicht. Und seine Verbände sitzen gerne dem Zirkelschluss auf, die Grafiker müssten nur schön brav die 78,00 EUR verlangen und schwupps hätte die Branche kein Problem mehr.
    Das war und ist mein Anliegen.

    Vor derlei Monokausalität und Mythen, Fehlannahmen (“Man müssen solche Kunden nur noch besser beraten”), die im Grafikergewerbe überproportional beliebt sind, möchte ich halt warnen. Man muss diese mythenversehene Branche umfänglich besser verstehen lernen, wenn man wissen will, warum Einiges betriebswirtschaftlich verdammt schief läuft.

    Es ist besser, man geht als Grafiker da illusionsloser ran: Was die Verdienstmöglichkeiten betrifft und was die doch sehr raren und volatilen Bereitschaften der Auftraggeberschaft betrifft, Designprozesse so zu wertschätzen, wie es theoretisch und praktisch sollte für wirklich brauchbare Ergebnisse.

  17. Vroni, da ich die KSK insgesamt wie auch die betreffende Petition unterstützenswert finde (bin selbst KSK-Mitglied), sehe ich keinen Grund, den Link zu entfernen.

    Um derlei Themen zu teilen und um sie aus den Untiefen dieses Blogs an die Oberfläche zu befördern, wäre natürlich ein Twitter-Account Deinerseits schick. Einen solchen gibt es offenbar (noch) nicht?

  18. Die Erkenntnis, dass die Branche nicht 80% Kreativität und 20% Umsetzung ist, sondern 70% solides Handwerk und Verlässlichkeit, 10% Kreativität und 20% Kommunikation ist, und die allermeisten Kunden auch genau das wollen und keinen kreativen Selbstverwirklicher, hilft auch. Da sind dann auch vernünftige Stundensätze durchsetzbar, da der Kunde für etwas bezahlt was er auch braucht … das gilt nicht nur für die 3/3-Kunden.
    Das Problem ist, dass viele Akteure der Branche mit einem kreativen Weltverbesserertrieb an die Sache ran gehen, merken dass es dafür gar keinen Markt gibt, und dann ist der Markt schuld daran dass er nicht so ist wie sie ihn sich vorgestellt haben.

  19. Achim,
    stimmt, hab leider keinen Twitter-Account.*
    Vielleicht erbarmt sich ja jemand anders, diese Petition zu teilen.
    .
    .
    .
    *[Man kommt so schon nicht rum.]

    @Tom,
    ganz so einfach ist es nicht.
    Auch und gerade der handwerklich Solide schlägt sich zu lange und resourcenlähmend mit den 3/3ern herum. Dazu muss man kein weltverbessernder Kreativspinner sein.

  20. Wenn ich zu Beginn meines Studiums 1998 gewusst hätte, wie wenig man als Designer verdient – bei den ganzen (unbezahlten) Überstunden, dem Zeitdruck und der Geringschätzung der Arbeit – hätte ich niemals Design studiert.

    Und jetzt etwas Konstruktives:
    Nach 10 Jahren als Art Director studiere ich ab dem nächsten Jahr Informatik. Zum Einen aus Interesse und zum anderen, weil ich sehr gerne eines Tages einmal meinen Mann und potenzielle Kinder ernähren und ggf. auch gerne einmal Eigentum aufbauen möchte.

  21. @ Vroni
    Zu Kommentar # 21, den “nicht agenturfähigen Kunden”:

    Zitat:
    >> Und jetzt kommt der absolute unsympathische Hammer: Die wenigen Designagenturen, die nach dieser Regel 1.-3. in der Blüte stehen müssten von ihrer nobleren, lukrativeren Kundschaft her, bezahlen dem Freelancer oder ihrem Angestellten auch nicht immer das, was ihnen zustehen müsste […]

    Ja, die Vergütungen der Freelancer werden selbst bei den großen namhaften Designagenturen in den letzten Jahren spürbar dünner …

    Dafür aber hat man dort entdeckt, dass man die Freelancer mit sogenannten “Rahmenverträgen” sehr hübsch knebeln kann:
    sämtliche mir bekannten größeren Designagenturen in Hamburg verlangen von den Freelancern inzwischen ein “Total Buy Out” zum geringstmöglichen Preis.
    In einem, z.B. den Illustratoren (und völlig unsinnigerweise auch deren Repräsentanten!) vorgelegten “Rahmenvertrag” einer großen Designagentur werden hier folgende Klauseln zur “Rechteeinräumung” zur Unterschrift vorgelegt:

    “Der Illustrator räumt [der Agentur] hiermit unwiderruflich sämtliche urheberrechtlichen Nutzungsrechte, verwandte Schutzrechte nach dem Urheberrechtsgesetz, Leistungsschutzrechte, Geschmacksmusterschutzrechte, Kennzeichenrechte, Persönlichkeitsrechte, und/oder sonstige Rechte (einschließlich der Rechte zur Anmeldung und Registrierung der vorstehenden Rechte) an den Werken ein […]
    Die Rechteeinräumung erfolgt ausschließlich sowie zeitlich und räumlich unbeschränkt. Sie umfasst insbesondere das Vervielfältigungsrecht, das Verbreitungsrecht, das Ausstellungsrecht, das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung und die Merchandisingrechte, d.h. das Recht zur kommerziellen Auswertung der Illustrationen.”

    Doch damit nicht genug, man verlangt natürlich auch “ferner das Recht zur Bearbeitung und Änderung (!) sowie das Recht zur Weiterübertragung und/oder Unterlizensierung an Dritte”.

    Falls –was sehrsehr selten ist– ein Illustrator noch Originale auf Leinwand oder Papier erstellt:
    “Die Rechteübertragung umfasst insbesondere auch die Eigentumsrechte an den Illustrationen.”

    Wer sich nun fragt, was der Freelancer hierfür in Rechnung stellen kann:
    “Die Einräumung/Übertragung von Rechten nach dieser Vereinbarung ist mit dem Honorar für die Erstellung der Illustration abgegolten” – also dem einfachen Werkhonorar.

    Dem geneigten Leser wird nicht entgangen sein, dass dieser Rahmenvertrag sich im Wortlaut an den “Rahmenverträgen” für freie Mitarbeiter der großen Verlagshäuser orientiert, deren “Total Buy Out”-Klauseln vor rund zwei Jahren allesamt von Gerichten einkassiert wurden und deren Benutzung zum Teil unter massive Strafandrohung gestellt wurde.

    Um den Bogen jetzt wieder zum Thema “agenturfähigen Kunden” zu schlagen:
    die mir gegenüber von einer Geschäftsführerin einer Designagentur geäußerte Begründung lautet schlicht:
    dem mittlerweile schnellen Wechsel der Produktmanager auf Auftraggeberseite sei’s geschuldet, dass man diese nicht über die “Feinheiten” des UrhG informieren könne — diese wollten, nein, könnten ganz einfach nicht mehr überblicken, welcher Urheber wann welches Werk zu welchen Konditionen geliefert habe und wem man nun bei einer erneuten oder veränderten Nutzung eines Werks welche Honorare schulde.

    Damit streichen die großen Designagenturen die großen Auftraggeber jetzt (in vorauseilendem Gehorsam) selbst von der Liste der “agenturfähigen Kunden”

  22. Hallo Vroni,

    da bin ich ja überrascht und erfreut, dass mein kleiner Blogbeitrag eine so umfassende Antwort von Dir erzeugt hat. Der Antwort (vor allem dem ersten Teil) stimme ich in allen Punkten zu, möchte aber folgendes hinterfragen:
    “Die Lösung:
    Einen anderen Kundenkreis suchen. Ist leichter gesagt als getan.”
    Warum ist das leichter gesagt, als getan? Ein kleines Rechenexempel:
    Wenn Du 23 Leute auf Ihren Geburtstag ansprichst, ist die Wahrscheinlichkeit, das zwei Personen am gleichen Tag Geburtstag haben, bei 50 %. (Geburtstagsparadoxon)
    Das soll nicht heißen, dass ich jetzt auf Geburtstage abziele. Ich meine vielmehr, dass es unter 23 Personen noch viele andere großartige Gemeinsamkeiten gibt.
    Übertrage das jetzt auf Deine (potentiellen) Kunden. Wie viele Kunden spricht man denn als Designer (oder sonstiger “Dienstleister”) denn regelmäßig – persönlich und ehrlich aktiv – an? Meiner Erfahrung nach beschäftigen sich die wenigsten damit und sind lieber den Tag mit “Facharbeit” beschäftigt. Kunden ansprechen ist nämlich mit einer sehr hohen persönlichen Überwindung verbunden. Es reicht nun mal leider erfahrungsgemäß nicht, Werbebrief oder Mailing oder XING-Visitenkartenparty zu besuchen … (Das Telefon kann zu einem sehr guten Freund werden :-) )
    Ich bin fest davon überzeugt, dass es jeder, der sich traut, Menschen anzusprechen und das SelbstWERTgefühl in sich und die Leistung besitzt, die richtigen Kunden finden kann. Es ist nämlich nichts weiter als eine Annahme, dass große Firmen immer nur große (was ist eigentlich groß?) Agenturen oder Dienstleister “buchen”? Ich kann aus dem Kopf schier unzählige Beispiele aufzählen, wo auch TOP-DAX-Unternehmen mit Ein-Mann-Dienstleistern große Projekte realisieren. Nur Mut. Es ist genau so leicht (bzw. so schwer) einem “Bäcker um die Ecke” ein Designprojekt zu verkaufen, wie einem Marketingleiter eines Multi-Millionen-Euro-Unternehmens. :-)

  23. @ Markus
    Das ist alles richtig, mit dem Mut und dem Aufwand.

    Das Manpower-Totschlagsargument darf man jedoch nicht vernachlässigen. Große Firmen-Kunden und Top-Dax-Unternehmen sind da sehr unmutig. Mut gehört dann nämlich auf auf der Seiten des Kunden dazu, nach innen/oben zu verkaufen, dass ein 3-Mannstudio statt der gewohnten 50-Leut-Mannschaft jetzt die ganzen Kundenzeitschriften macht :-)

    [Dass es geht, ist nicht die Frage. Ich weiß, wie große Werbeagenturen nach außen mit angeblich Mords-Manpower rumtun - in Wirklichkeit klöppeln das dann 3 Manschkerln zusammen ... :-P ]

    Immer die Ihre.

  24. @ –F.
    Danke für die interessante und niederschmetternde Einsicht in Hamburger Buy-Out-Verhältnisse für Freie. In München (Verlagsstadt) vermutlich auch nicht anders.

    (Ich bin keine Freie mit Illustrationen, kann daher nicht 100%ig mitreden. Journalisten kämpfen ja schon länger mit dem Total-Buy-Out)

  25. @Vroni (# 34)

    Ohne noch sehr viel weiter auf dieses “Offtopic”-Thema eingehen zu wollen — sämtliche mir bekannten professionellen Illustratoren, denen dieser “Rahmenvertrag” zugesandt wurde, hatten abgelehnt, diesen –oder auch die vermutlich ähnlichlautenden “Rahmenverträge” der anderen Designagenturen– zu unterzeichnen.
    Der Vertrag wurde übrigens auch Designern zugeschickt, in einem Fall sogar einer freien Art Directorin, die sich 5 Jahre zuvor (!) aus der Branche zurückgezogen hatte.

    Und –wie schon erwähnt– selbst Repräsentanten sollen hier ihre Rechte abtreten, obgleich durch ihre Arbeit keine Rechte entstehen und sie an den Werken der von ihnen vermittelten Urhebern keine Rechte innehaben und / oder erwerben.

    Das wirft ein hübsches Schlaglicht auf das offenbar völlig fehlende Rechtsverständnis der Agenturleitung(en), die diese Verträge aufgesetzt haben, weil ihren Auftraggebern die derzeit gültige Rechtslage ja angeblich nicht schlüssig zu erklären ist …

    Doch selbst wenn sich Urheber finden, die diese Verträge unterschreiben und später selbst NICHT klagen, um die Agentur nicht als Auftraggeber zu verlieren — ein kleiner Trost bleibt:
    die Ansprüche auf eine nach § 32 UrhG “angemessene Vergütung” verjähren für die Urheber zwar nach einer Frist von nur 3 Jahren, aber im Falle des Todes eines Urhebers verbleiben den Erben 30 Jahre (!), um Nachforderungen stellen zu können.

    Und es ist keine leere Drohung: ein großes Verlagshaus verliert derzeit Prozess um Prozess gegen die Erben eines vor einiger Zeit verstorbenen Kinderbuch-Illustrators, der vor zwei Jahrzehnten für eine verhältnismäßig geringe Pauschale Ausmalbücher illustriert hat, die sich noch heute gut verkaufen.
    Das von der Verteidigung des Verlags vorgebrachte Argument, der Illustrator selbst habe ja nichts dagegen gehabt, er habe ja nicht geklagt, wurde von den Gerichten für unerheblich erklärt, die Ansprüche bestehen nach wie vor.

    MEINE Erben sind schon seit langem gebrieft, was sie im Falle meines Ablebens mit den Verwertern meiner Werke, deren Verjährungsfrist für mich leider schon vorbei ist, zu tun haben.

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