Was verdient man als Designer?

… mit dieser Frage hat sich nicht nur im Februar 2010 der BDG beschäftigt und eine Blitzumfrage durchgeführt, deren Ergebnis man mit „sexy und arm“ zusammenfassen kann, sondern aktuell auch Prof. Robert Paulmann vom corporate identity institut. Wie steht es um das Gehalt von Jungdesignern?
In einem PDF, das auf der Site des Instituts zum Download bereit steht, werden die Chancen und Möglichkeiten der Absolventen von Gestaltungshochschulen in Deutschland beschrieben. 70 Agenturen haben sich im Rahmen einer Kurzumfrage die Mühe gemacht und die Fragen, auch hinsichtlich des Gehalts eines Designers bzw. eines Design-Praktikanten, beantwortet. Hier ein Kurzresume: Das höchste Anfangsgehalt bekommt man mit 2.500 € brutto in Freiburg und Stuttgart. Am wenigsten verdient man mit 1.850 € in Bremen.
19 Kommentare zu 'Was verdient man als Designer?'
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Download der Ergebnisse: http://www.ci-in.de/files/umfrage_absolventen_2010.pdf
Da fällt mir ein, ich suche ab 2011 eine Festanstellung :)
Bewerbung schicke ich auf Anfrage per Mail inklusive Arbeitsproben.
Das dt als Jobsuche – is doch auch mal eine Idee.
Grüße,
friedemann
Selbst 20 Jahre nach dem Mauerfall werden nur fast ausschließlich westdeutsche Agenturen befragt, trauriges Armutszeugnis…
Das aber mal außer Acht gelassen, zeigt die Umfrage, wenn auch nicht repräsentativ, vieles, was man auch aus der Realität kennt. So sieht man, dass 76% zwar Praktika anbieten, freie Mitarbeiter oder gar Festangestellte nicht eingestellt werden. Wieso sollte man auch, wenn die Praktikanten doch die gleiche Arbeit für viel weniger oder notgedrungen sogar ohne Lohn die selbe Arbeit verrichten. Daran hat nach meiner Erfahrung nach auch nach dem Beschluss, Praktikanten müssen einen Grundlohn erhalten, nichts geändert.
Positiv sehe ich die Aussage, dass der Abschluss quasi keine Rolle für die Arbeitgeber spielt. Als Student im Bachelorstudiengang hatten einige die Befürchtung, die Wirtschaft würde diesen Abschluss nur als “halbes Studium” ansehen.
Und wie sieht es dann nach dem Einstiegsgehalt aus? Verdient man dann die nächsten 10 Jahre 2200€?
Interessant, aber: Die Durchschnittsrealität sieht leider vermutlich noch viel düsterer aus. Freiwillige Angaben von ausgesuchten Agenturen in den alten Bundesländern ergeben nun mal kein Abbild der Wirklichkeit. Da wird der ein oder andere Knauser sicher lieber keine Angabe gemacht haben oder das eingetragen haben, was er grundsätzlich schon irgendwie bezahlen würde wenn er sonst nicht mehr wissen würde wohin mit seinem Geld.
Wenn man die Leute erst einmal so weit hat, dass sie 6-12 Monate ein unbezahltes Praktikum gemacht haben, kann man anschließend prima bei der Gehaltsverhandlung fragen, was der Absolvent unbedingt zum Leben benötigt (Viel kann es ja nicht sein ging die Monate ja auch ganz ohne). Lässt der Neuzugang sich zu einer unbedachten Äußerung hinreißen, gilt der Deal. Das heißt auf dem Arbeitsvertrag stehen dann noch 200 EUR weniger. Nach der Probezeit (6 Monate – woher soll man dann auch wissen ob die Person nicht ganz anders als im einjährigem Praktikum arbeitet) wird dann um 100 EUR angehoben, nach weiteren 6 Monaten wiederum – so hat man das Thema Gehaltserhöhung für mindestens 2 Jahre aus der Welt geschafft (gab ja gerade eine) obwohl man einem jungen Menschen nur das bezahlt was er auf Studentenniveau unbedingt benötigt.
Weitere Interessante BDG-Umfrage: http://www.bdg-designer.de/pdfs/BDG_Blitzumfrage_Januar_2010.pdf
interessanter beitrag, danke! diese werte kann ich aus meiner eigenen erfahrung bestätigen. eigentlich traurig, denn diese gehälter werden sogar master-absolventen angeboten. mein “rekord” waren ein mtl. gehalt von 1.800 eur brutto bei einer agentur in freiburg. davon kann kein mensch gut leben. mein rat wäre, sich bereits während des studiums wertvolle kontakte zu agenturen aufzubauen und nach erfolgreicher beendigung selbstständig durchzustarten. ist zwar auch nicht einfach und geht vermutlich nur wirklich gut, wenn man viel unterstützung z.B seitens der familie oder des partners erhält, kann sich aber bei gewisser anstrengung durchaus auszahlen. ich bin jetzt genau seit einem jahr selbstständig, und das angegebene durchschnittsgehalt habe ich mittlerweile erreicht – und zwar netto, bei wesentlich weniger auslastung, als ich sie in einer agentur erleben würde. also leute: habt mut, traut euch und verkauft euch bloß nicht unter wert. auch am anfang kann man “nein” sagen! viele grüße, mad
Leider leider sieht die Realität tatsächlich noch viel düsterer aus. 1.850 € als Anfangsgehalt? Davon können die Designer mancherorts nur träumen. Und das in einer stressigen Arbeitswelt, in der unbezahlte Überstunden zum täglichen Programm gehören.
Die Realität sieht tatsächlich recht düster aus. Auch als “alter Hase” hat man keine guten Karten. Die Wirtschaftskrise wird immer wieder gerne vorgeschoben, niedrige Gehälter zahlen zu müssen. Wenn man 10 Jahre keine Gehaltserhöhung, geschweige denn eine Gehaltsanpassung mehr bekommen hat, ist das sehr demotivierend. – Das ist, wie man so hört, nicht unüblich. Mich wundert immer wieder, dass die Agenturchefs nicht begreifen, dass unmotivierte Mitarbeiter nicht unbedingt die besten Ergebnisse abliefern.
kurzer nachtrag zu den fehlenden büros aus ost-deutschland:
wir haben ca. 200 büros in deutschland, österreich und der schweiz angeschrieben, darunter natürlich auch büros aus ost-deutschland, wenn auch wenige. leider haben wir von dort nicht genug zahlenmaterial bekommen, ebenso aus der schweiz und österreich. wir finden das auch sehr schade und hoffen, dass sich beim nächsten mal mehr büros aufraffen können…;) wir bleiben dran.
Ich kann von großen internationalen Werbeagenturen berichten die fertigen Designern 1500,- EURO anbieten … dieses Gehalt kann sich mit einer großen Portion Durchhaltevermögen und Frustrationsresistenz innerhalb von 6 Jahren verdreifachen. Hierzu sind allerdings Agenturwechsel nötig.
Das funktioniert so lange, wie sich willige Studenten für Jahresparktika und dann auch gerne mal ohne Studienabschluss für wenig Geld ausbeuten lassen.
Hallo Robert,
toll das ihr hier mitlest!
Das Grundproblem ist ja generell, dass bei so einer Umfrage nur der mitmacht, der ein gutes Gefühl hinsichtlich seiner Zahlungspraxis hat. Wer ein schlechtes Gewissen hat, gibt eben einfach keine Rückmeldung. Dazu kommt m.E. das man nur allzu schnell die Beiträge aufrundet solange man sich sicher sein kann, dass niemand einen entlarven kann.
Wobei ich es schon spannend finde, welche Kriterien ihr bei der Auswahl der Agenturen hattet wenn nur 200 Agenturen angeschrieben wurden. Bei der Auswahl kann man ja schon das Ergebnis massiv beeinflussen. Dummerweise kommen ja nicht alle Medienschaffenden in einer hippen Agentur mit Kicker in der Lounge unter sondern landen durchaus in einer Welt von der die “Page” so weit entfernt ist wie der Mond.
Die Ergebnisse sollten wirklich mit Abstand betrachtet werden, denn in der Realität wird für “frische Absolventen” nach meinen Erfahrungen deutlich weniger gezahlt. Aber wer nimmt schon gern an einer Studie teil und legt offen, wie wenig er zahlt? In der Regel hat sich nach meiner Erfahrung etabliert: Absolventen gern als Praktikanten oder max. Junior Designer einzustellen und max. 1600,- zu zahlen. Senior Designer und Art- Creativdirektoren verdienen dafür recht gut (ab 2500,-) aber dazu müssen mutig die Agenturen gewechselt werden.
In den Niederlanden ist es per Gesetz untersagt, Hochschulabsolventen als Praktikanten einzustellen. Dies kann ich nur befürworten, so wird das Ausbeuten sinnvoll verhindert.
LINK:
http://www.fontblog.de/was-von-jungdesignern-erwartet-wird-was-sie-verdienen
auch hier und dort diskutiert ;-(
warum gibt es in der designbranche keine tarifveträge? was macht denn der adc den ganzen tag? hilfe, ich werde ausgebeutet. kein witz.
@thomas:
im prinzip hast du natürlich recht – aber wir haben im pdf ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich hierbei NICHT um eine repäsentative umfrage zur gesamtsituation handelt. dass die ziemlich mies ist, muss nicht zum x-ten mal dargelegt werden. uns war vielmehr wichtig darzustellen, was aus unserer sicht seriöse büros bezahlen und verlangen – und auf diese weise eine art richtwert zu ermitteln, der für absolventen hilfreich sein kann während der bewerbungsphase. wem also nun 1600€ angeboten werden, kann mit sicherheit davon ausgehen, dass er über den tisch gezogen werden soll.
auf einem anderen blatt steht, dass selbst dieser ermittelte »richtwert« immer noch sehr weit unten liegt und natürlich nicht befriedigend ist. ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die jeweiligen büros soviel zahlen, wie möglich ist. das wiederum kann nur bedeuten, dass die büros für ihre leistungen schlecht bezahlt werden und nur entsprechende gehälter zahlen können.
und damit haben wir m.e. das grundproblem erreicht, nämlich den »wert von design« in der öffentlichkeit – die honorare sinken seit jahren: johannes erler hat das im fontblog ausführlichst beschrieben. die gründe dafür sind vielfältig und liegen nicht zuletzt auch im hochschulbereich (qualität der ausbildung, anzahl an absolventen, abgrenzung designer/mediengestalter etc., etc.). insofern sind auch wir als hochschulen hier in besonderem maße gefragt, lösungen zu finden – und immer wieder auf das problem hinzuweisen.
@ farin: Bist du denn Mitglied in nem Berufsverband? :)
[...] und Designpraktikanten In Anlehnung an die jüngst durchgeführte Umfrage in Bezug auf die Gehälter von Hochschulabsolventen, würde ich gerne noch einmal in etwas allgemeinerer Form die Gehälter von Designern [...]
im Prinzip haben alle antworten hier recht. Was ich aber (der noch nie für eine große Agentur gearbeitet hat) noch einwerfen möchte ist, dass wenn man direkt nach dem Studium (auch für einen “Frechheitslohn” von unter 2.000 oder wie z.T. gesagt unter 1.500 Euro) für eine Werbeagentur wie JvM, Hirschen oder sogar internationale größen Ogilvy & Mather arbeitet sich der Lebenslauf doch sehr viel besser anhört, als “3 Jahre in einer 2-Mann agentur in kleinnirgendwo”. Ich finde das die ersten 3-5 Jahre nach dem Studium noch zum Studium gehören, und wer es sich leisten kann sollte in der Zeit so viel Agenturen wie möglich mitnehmen.
Man muss es sich aber leisten können. Mit Kind und eigenheim sieht sowas natürlich anders aus. Da hilft nur (wie schon gesagt) Selbstständig machen…
ja… selstständig machen ist der einzige Ausweg aus dem grauen Gehaltsjungel. Klein haben alle einmal angefangen, daher ist es Quatsch nur auf Grund einer Selbstständigkeit auf das dicke Geld zu hoffen. Das macht vielleicht den Unterschied… als Angestellter kommt man nach hause, legt die Füße hoch und genießt den Rest des Tages. Als Unternehmer hat man nie Feierabend… auch kein Wochenende. Sobal ein Kunde kräht, stehste auf der Matte. Auch an einem wunderschönen Sonntag Nachmittag, das nennt sich dann Service und Kundenbindung.
Naja, ich hatte als Angestellte zwar weniger Geld in der Tasche, aber auch wesentlich mehr Freizeit und weniger Sorgen. Aber mir gefällts.
ich dachte ja, es hätte sich seit diesem artikel (http://www.zeit.de/2005/14/Titel_2fPraktikant_14) schon was getan, immerhin ist der von 2005. es geht aber scheinbar nicht nur design-studenten so. in anlehnung an renes kommentar möchte ich fragen, was hat das studium für nen wert, wenn man sich nach dem abschluss erst seine rechtfertigung erarbeiten muss!? da stimmt doch was nicht. 13 jahre schule, damit man studieren kann, ein jahrespraktikum damit man an ner aufnahmeprüfung teilnehemen darf; hat man die bestanden studiert man 4-5 jahre um danach was zu haben??? dann darf man in ner tollen agentur ein praktikum machen und von den “großen” lernen. juchu. // das stellt doch das ganze hochschulsystem in frage!
[...] hatte, führte übrigens Professor Robert Paulmann von der FH Mainz, der ja zuletzt das Thema Gehalt von Hochschulabsolventen in einer Kurzumfrage beleuchtet [...]