Verpasste Gelegenheit für fairen Designwettbewerb in Köln

Bildquelle: KölnDesign e.V.

Ende letzten Jahres fand in Köln zum ersten Mal die „Cologne Design Conference“ statt. Ziel der Organisatoren ist es, das Profil Kölns als Design-Metropole zu schärfen. Die Ausschreibung rund um das Erscheinungsbild der Konferenz samt fragwürdiger Teilnahmebedingungen hinterlässt jedoch mehr als einen faden Beigeschmack, wie Cate Suhr und Henning Heier in ihrem Gastbeitrag resümieren.

Es ist natürlich erfreulich, dass die IHK Köln in Kooperation mit Partnern die Designkonferenz initiiert hat. Wir sind selbst vor Ort gewesen. Bei der Veranstaltung, die am 30. November 2016 im Börsen-Saal statt fand, war organisatorisch noch etwas Luft nach oben: Die drei Standorte für die Akteure, die einen Vortrag hielten, befanden sich nahe beieinander im selben Raum. Die Vorträge fanden zeitgleich statt, was das Verstehen des Gesagten aufgrund der Raumakustik sehr schwer machte, sofern man nicht in den ersten zwei Reihen saß. Aber solche Startschwierigkeiten gibt es fast überall.

Insbesondere jedoch der bis zum 31. März 2017 ausgeschriebene Designwettbewerb, genauer gesagt dessen Teilnahmebedingungen, sind verbesserungswürdig. Veranstalter des Wettbewerbs ist KölnDesign e. V..

Neben einem Logo soll auch ein Flyer sowie ein Plakat gestaltete werden. Das Preisgeld (4.000 € für den ersten Platz, je 1.000 € für Platz 2 und 3, gestellt durch die IHK Köln, Köln Tourismus und die Stadt Köln) klingt auf den ersten Blick noch halbwegs fair. Die reine Arbeitszeit für das geforderte Design dürfte im Idealfall (nicht weniger als) eine Woche in Anspruch nehmen. Schaut man jedoch auf die weiteren Bedingungen, ändert sich dieser Eindruck. So finden sich etwa unter Punkt 6 „Format der Arbeiten“ folgende Vorgaben:

Die Arbeiten müssen reproduktionsreif und zur Wiedergabe im Offsetdruck geeignet sein. […] Die Medientemplates sind als offene, bearbeitungsfähige, InDesign-kompatible Dateien vorzulegen. Die Dateien sind in Ebenen aufzubauen.

Von Teilnehmern wird also erwartet, dass sie eine ausgestaltete, druckfähige Grundausstattung in druck- und weiterverarbeitungsfähiger Form einreichen. Folgeaufträge für den Gewinner sind somit zumindest unwahrscheinlich.

Unter Punkt 9.2. „Urheberbezeichnung“ heißt es weiter:

Die/der Gewinner/in verzichtet ausdrücklich darauf, das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen sowie auf das Urheberbenennungsrecht bei der Werknutzung. Entsprechendes gilt für das bearbeitete/umgestaltete Werk.

Das ist natürlich sehr schade. Gerade bei einer Aufgabe mit einer solchen Breitenwirkung wäre es doch ein echter Mehrwert, auf dem veröffentlichten Ergebnis genannt zu werden. Die Nennung des Urhebers dokumentiert zudem die Wertschätzung von Designleistungen.

Bis dato ist noch nicht einmal klar, ob der Gewinner überhaupt öffentlich bekanntgegeben wird. Auf unsere E-Mail an KölnDesign e.V. mit der Frage „Wo und wie wird der / die Gewinner/in bekannt gegeben?“ erhielten wir bislang keine Antwort. Womöglich gibt es am Ende dank einer ziemlich ungewöhnlichen Teilnahmebedingung nicht mal einen Gewinner. Denn wörtlich heißt es:

Der Veranstalter kann von der Durchführung des Wettbewerbs absehen, wenn nicht mindestens zehn Teilnehmer Wettbewerbsarbeiten einreichen.

Das heißt also: im schlimmsten Fall sind die Arbeiten von neun Kreativen komplett für die Tonne. Welch eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen! An dieser Stelle sei angemerkt, dass in der Satzung des KölnDesign e.V. die Aspekte Ökonomie und Ökologie verankert sind.

Grundsätzlich ist das Preisgeld sowohl für den Sieger wie auch für die Zweit- und Drittplatzierten sicherlich kein schlechter Kurs. Die oben genannten Bedingungen relativieren den Gesamteindruck allerdings nicht unerheblich. Was uns am meisten enttäuscht: All das wäre (leider) nichts Neues, wenn die Veranstalter branchenfremde Unternehmen wären, denen man die Bedeutung und den Mehrwert von kreativen Leistungen oft genug erst erklären muss. Ein Problem, welches mit dafür verantwortlich ist, dass der Kampf um angemessene Vergütung so viel Kraft kostet und leider häufig zu Ungunsten des Designers ausgeht. Veranstalter ist in diesem Fall jedoch ein Design-Netzwerk. Es ist für uns unerklärlich, wie unter diesen Voraussetzungen solche Wettbewerbsbedingungen zustande kommen konnten.

Da sich der Veranstalter auf unsere Anfrage bislang nicht gemeldet hat, hoffen wir, auf diesem Wege die Diskussion anzuregen. Denn auch wir beiden würden uns freuen, wenn Köln als Design-Metropole besser wahrgenommen würde.

Über die Autoren

Cate Suhr, lebt und arbeitet als selbständige Gestalterin in Köln
„Nicht stattfindende Wertschätzung des Designprozesses ist unschöner Alltag, den ich immer wieder im Arbeitsalltag erlebe. Ich bin enttäuscht, dass hier eine Chance vertan wurde: Die Rahmenbedingungen des Wettbewerbes hätten Grafik-Designern den Rücken stärken und eben diese Wertschätzung leisten können.“

Henning Heier, Art Director
„Grundsätzlich möchte ich sicher nicht bei Wettbewerben das Haar in der Suppe suchen. Gerade bei diesem ist mir, als jemandem, der in Köln lebt und arbeitet, das Ergebnis wichtig und ich bin absolut gespannt auf die Einreichungen, bzw. den Siegerentwurf. Ich halte es jedoch für wichtig, dass neben der Siegprämie auch die Rahmenbedingungen guter Gestaltung den Wert zumessen, den sie verdient.“

Update: 13.02.2017: In einem Kommentar habe ich ein Gespräch zusammengefasst, das ich mit dem Vorsitzenden von KölnDesign, Uli Kreifels, geführt habe.

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