Verpasste Gelegenheit für fairen Designwettbewerb in Köln

Bildquelle: KölnDesign e.V.

Ende letzten Jahres fand in Köln zum ersten Mal die „Cologne Design Conference“ statt. Ziel der Organisatoren ist es, das Profil Kölns als Design-Metropole zu schärfen. Die Ausschreibung rund um das Erscheinungsbild der Konferenz samt fragwürdiger Teilnahmebedingungen hinterlässt jedoch mehr als einen faden Beigeschmack, wie Cate Suhr und Henning Heier in ihrem Gastbeitrag resümieren.

Es ist natürlich erfreulich, dass die IHK Köln in Kooperation mit Partnern die Designkonferenz initiiert hat. Wir sind selbst vor Ort gewesen. Bei der Veranstaltung, die am 30. November 2016 im Börsen-Saal statt fand, war organisatorisch noch etwas Luft nach oben: Die drei Standorte für die Akteure, die einen Vortrag hielten, befanden sich nahe beieinander im selben Raum. Die Vorträge fanden zeitgleich statt, was das Verstehen des Gesagten aufgrund der Raumakustik sehr schwer machte, sofern man nicht in den ersten zwei Reihen saß. Aber solche Startschwierigkeiten gibt es fast überall.

Insbesondere jedoch der bis zum 31. März 2017 ausgeschriebene Designwettbewerb, genauer gesagt dessen Teilnahmebedingungen, sind verbesserungswürdig. Veranstalter des Wettbewerbs ist KölnDesign e. V..

Neben einem Logo soll auch ein Flyer sowie ein Plakat gestaltete werden. Das Preisgeld (4.000 € für den ersten Platz, je 1.000 € für Platz 2 und 3, gestellt durch die IHK Köln, Köln Tourismus und die Stadt Köln) klingt auf den ersten Blick noch halbwegs fair. Die reine Arbeitszeit für das geforderte Design dürfte im Idealfall (nicht weniger als) eine Woche in Anspruch nehmen. Schaut man jedoch auf die weiteren Bedingungen, ändert sich dieser Eindruck. So finden sich etwa unter Punkt 6 „Format der Arbeiten“ folgende Vorgaben:

Die Arbeiten müssen reproduktionsreif und zur Wiedergabe im Offsetdruck geeignet sein. […] Die Medientemplates sind als offene, bearbeitungsfähige, InDesign-kompatible Dateien vorzulegen. Die Dateien sind in Ebenen aufzubauen.

Von Teilnehmern wird also erwartet, dass sie eine ausgestaltete, druckfähige Grundausstattung in druck- und weiterverarbeitungsfähiger Form einreichen. Folgeaufträge für den Gewinner sind somit zumindest unwahrscheinlich.

Unter Punkt 9.2. „Urheberbezeichnung“ heißt es weiter:

Die/der Gewinner/in verzichtet ausdrücklich darauf, das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen sowie auf das Urheberbenennungsrecht bei der Werknutzung. Entsprechendes gilt für das bearbeitete/umgestaltete Werk.

Das ist natürlich sehr schade. Gerade bei einer Aufgabe mit einer solchen Breitenwirkung wäre es doch ein echter Mehrwert, auf dem veröffentlichten Ergebnis genannt zu werden. Die Nennung des Urhebers dokumentiert zudem die Wertschätzung von Designleistungen.

Bis dato ist noch nicht einmal klar, ob der Gewinner überhaupt öffentlich bekanntgegeben wird. Auf unsere E-Mail an KölnDesign e.V. mit der Frage „Wo und wie wird der / die Gewinner/in bekannt gegeben?“ erhielten wir bislang keine Antwort. Womöglich gibt es am Ende dank einer ziemlich ungewöhnlichen Teilnahmebedingung nicht mal einen Gewinner. Denn wörtlich heißt es:

Der Veranstalter kann von der Durchführung des Wettbewerbs absehen, wenn nicht mindestens zehn Teilnehmer Wettbewerbsarbeiten einreichen.

Das heißt also: im schlimmsten Fall sind die Arbeiten von neun Kreativen komplett für die Tonne. Welch eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen! An dieser Stelle sei angemerkt, dass in der Satzung des KölnDesign e.V. die Aspekte Ökonomie und Ökologie verankert sind.

Grundsätzlich ist das Preisgeld sowohl für den Sieger wie auch für die Zweit- und Drittplatzierten sicherlich kein schlechter Kurs. Die oben genannten Bedingungen relativieren den Gesamteindruck allerdings nicht unerheblich. Was uns am meisten enttäuscht: All das wäre (leider) nichts Neues, wenn die Veranstalter branchenfremde Unternehmen wären, denen man die Bedeutung und den Mehrwert von kreativen Leistungen oft genug erst erklären muss. Ein Problem, welches mit dafür verantwortlich ist, dass der Kampf um angemessene Vergütung so viel Kraft kostet und leider häufig zu Ungunsten des Designers ausgeht. Veranstalter ist in diesem Fall jedoch ein Design-Netzwerk. Es ist für uns unerklärlich, wie unter diesen Voraussetzungen solche Wettbewerbsbedingungen zustande kommen konnten.

Da sich der Veranstalter auf unsere Anfrage bislang nicht gemeldet hat, hoffen wir, auf diesem Wege die Diskussion anzuregen. Denn auch wir beiden würden uns freuen, wenn Köln als Design-Metropole besser wahrgenommen würde.

Über die Autoren

Cate Suhr, lebt und arbeitet als selbständige Gestalterin in Köln
„Nicht stattfindende Wertschätzung des Designprozesses ist unschöner Alltag, den ich immer wieder im Arbeitsalltag erlebe. Ich bin enttäuscht, dass hier eine Chance vertan wurde: Die Rahmenbedingungen des Wettbewerbes hätten Grafik-Designern den Rücken stärken und eben diese Wertschätzung leisten können.“

Henning Heier, Art Director
„Grundsätzlich möchte ich sicher nicht bei Wettbewerben das Haar in der Suppe suchen. Gerade bei diesem ist mir, als jemandem, der in Köln lebt und arbeitet, das Ergebnis wichtig und ich bin absolut gespannt auf die Einreichungen, bzw. den Siegerentwurf. Ich halte es jedoch für wichtig, dass neben der Siegprämie auch die Rahmenbedingungen guter Gestaltung den Wert zumessen, den sie verdient.“

Update: 13.02.2017: In einem Kommentar habe ich ein Gespräch zusammengefasst, das ich mit dem Vorsitzenden von KölnDesign, Uli Kreifels, geführt habe.

Update: 14.06.2017: Vor zwei Tagen nun wurde der Gewinner des Wettbewerbs bekanntgegeben und das zukünftige Erscheinungsbild vorgestellt. Hier das Siegerlogo, gestaltet von Felix Rostig:

24 Kommentare zu “Verpasste Gelegenheit für fairen Designwettbewerb in Köln

  1. An dieser Stelle natürlich eigentlich fehl am Platz, aber ich muss es dennoch fragen:
    Haben diese Baustellen-Hütchen im Logo irgendeinen Hintergrund? Abgesehen vom „wir verbinden Design und Wirtschaft“?

    Die Ausführung lasse ich mal außen vor. Aber welche Botschaft soll mir das vermitteln? „Wir sind eine ewige Baustelle“? Besser kann man sich doch gar nicht selbst diskreditieren.

  2. Man sollte annehmen, dass jedes Unternehmen mit „Design“ im Namen gutes Design wertschätzen sollte. Gerade die Punkte „reproduktionsreif[e,] offene , bearbeitungsfähige […] Dateien“ sowie der erzwungene „[ausdrückliche Verzicht auf] Urheberbenennungsrecht bei der Werknutzung“ sind aber keine zu vernachlässigende Details der Ausschreibung, sondern fiese Klauseln, die bewusst darauf abzielen, den Gestalter mit einmaliger Zahlung relativ billig abzuspeisen. Die Wertschätzung scheint sich also in deutlichen Grenzen zu halten.

  3. Danke Cate und Henning für die angemessenen Worte zu dem Wettbewerb für das Cologne Design Conference Erscheinungsbild, die ich auch schon „gefühlt“ hatte. Ihr habt es auf den Punkt gebracht.

  4. Vielen Dank für solch eine Art von Gastbeiträgen!
    Mir platzt die Hutschnur wenn ich lesen muss, dass a) das Preis/Leistungsverhältnis überhaupt nicht stimmt, b) der Designer sein u.a. Urheberbennungsrecht verliert und c) „Designer“ an solchen Wettbewerben mit diesen Bedingungen überhaupt teilnehmen.
    Nicht dass der „Auftraggeber“ dir mit vollen Anlauf in deine Suppe spuckt…Nein! Sämtliche Teilnehmer löffeln freudig diesen Teller aus. Mir schmeckt sowas überhaupt nicht und danke an DT, die auf sowas aufmerksam machen.
    Solch Sachen ruinieren die komplette Szene und jeder der sich so unter Wert verkauft, sollte Verbot für sämtliche Grafikprogramme bekommen.
    Wer es noch nicht kennt, sollte sich das Video mal anschauen, denn ZAK Inc. bringt auf den Punkt.
    https://www.youtube.com/watch?v=essNmNOrQto

  5. Alles schon gesagt – habe nichts hinzufügen.
    Vermütlich sollen die zwei Baustellen-Hütchen den Kölner Dom symbolisieren —
    Clever gel?!?

  6. Gerade bei einer Aufgabe mit einer solchen Breitenwirkung wäre es doch ein echter Mehrwert, auf dem veröffentlichten Ergebnis genannt zu werden. Die Nennung des Urhebers dokumentiert zudem die Wertschätzung von Designleistungen.

    Ich verstehe das eher so, als sei es verboten, den Namen in Form eines Wasserzeichens oder in ähnlicher Weise auf dem Printobjekt selbst unterzubringen. Auch das Bestehen auf die Nennung innerhalb einer Bildunterschrift oder in einem Impressum ist ausgeschlossen. Die eigene Verwertung jedoch nicht. Eine Nennung – beispielsweise im Rahmen einer offiziellen Pressemitteilung – halte ich aber alleine schon aus Respekt und einem gewissen ethischem für unabdingbar, darüber hinaus aber auch für sehr wahrscheinlich und/oder zumindest im Nachhinein aushandelbar. Immerhin wollen die Ausrichter des Wettbewerbs damit sicherlich nach außen treten. In sofern sehe ich diesen Punkt als nicht so gravierend an.

    Generell finde ich, als Gestalter seinen Namen oder den Namen der Agentur/des Designbüros auf derartigen Print-Produkten unbedingt unterzubringen zu wollen, ist ohnehin unüblich (wir sprechen hier nicht von Geschäftsberichten/Broschüren mit Impressum) und zeugt ab einer gewissen Reife (als Designer) ein Stück weit von persönlicher Unsicherheit. Wenn man es vor Ort vernünftig dokumentiert (Fotos/Videos/Case-Study auf der eigenen Website), kann man es dennoch gut für die Eigenwerbung nutzen, sogar wenn es nicht zum Siegerentwurf gekürt wurde.

    Dass sie im Vorfeld von allen Teilnehmern die komplett ausgearbeiteten Druckdaten und offenen Daten verlangen, obwohl sie selbst eingestehen, dass sie lediglich die Nutzungsrechte an den Siegerentwürfen für sich beanspruchen…

    „Zur Klarstellung wird festgehalten, dass der Veranstalter an den Wettbewerbsarbeiten, die nicht mit dem 1. Preis prämiert werden, keine Nutzungsrechte erwirbt.“

    … signalisiert mir, dass sie möglichst wenig Nachbearbeitungsaufwand wollen. Insofern teile ich die Einschätzung der Autoren, dass Folgeaufträge für den Gewinner unwahrscheinlich seien. An dieser Stelle wird die fehlende Empathie für die Teilnehmer besonders deutlich.

    Fehlende Empathie und Respekt vor dem eigenen Schaffen und dem Schaffen anderer ist aber ein generelles Problem in unserer Branche. Nicht nur Kundenseitig, sondern eben auch untereinander. Der Konkurrenzdruck ist enorm hoch und wird immer höher. Letztendlich gibt es immer jemanden, der es günstiger macht. Und günstiger heißt in diesem Fall nicht immer schlechter, auch wenn wir es uns mit diesem Argument als Designer gerne einfach machen. Es gibt natürlich viele Dienstleister, die sich aus strategischen Gründen sagen, „Ich muss den Preis zwar drücken und in Vorleistung gehen, aber ich will den Namen in meinem Portfolio.“ – sinngemäß. Das gilt nicht nur für Studenten sondern auch für gestandene Agenturen. Klar, nützt ja auch der Eigenwerbung. Das ist schon seit Jahrzehnten so und so ist es auch nicht ganz verwunderlich, wenn Kunden im Laufe der Jahre einen gewissen Anspruch bzw. eine gewisse Selbstverständlichkeit entwickelt haben und direkt abspringen, wenn es nicht mehr komplett nach ihrer Vorstellung läuft.

    Dann wäre da noch diese Mischung aus Gier und falschem Stolz. Es fällt vielen Dienstleistern schwer, sich auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren. Es geistern immer noch diese antiquierten Begriffe wie „Fullservice-“ und ähnliche herum. Man möchte sich gerne als Generalist inszenieren und den ganzen Budgetkuchen für sich beanspruchen, anstatt gewisse Arbeiten an die „vermeintliche“ Konkurrenz abzugeben, die das ganze vermutlich besser und effizienter umsetzen kann und durch eine konstruktive Zusammenarbeit sicherlich ganz neue Synergien entstehen könnten, wenn man sich denn darauf einlässt, Verantwortungen teilt und auf Augenhöhe miteinander kommuniziert.

    Das hier von mir beschriebene fußt auf persönlichen Beobachtungen und ist natürlich nicht allgemeingültig. In den Design-Hotspots Deutschlands – sagen wir mal Hamburg Berlin etc. – hat es sich längst etabliert, das man bei größeren Projekten unternehmensübergreifend zusammenarbeitet.

    Ich möchte damit generell zum Ausdruck bringen, dass wir in unserer Branche mehr gegeneinander arbeiten als miteinander und sich das natürlich auch auf die Art und Weise auswirkt, wie wir – ob Unternehmen oder Einzelperson – von unseren Kunden wahrgenommen werden. Wie man dieser Situation auf langer Sicht Herr werden soll weiß ich allerdings nicht. Eine Ethik-Kommission für Designer vielleicht? Gibt es sowas? Keine Ahnung. Auf jeden Fall müssen wir glaube ich erstmal geschlossener an unserer Selbstwahrnehmung und der unserer „Genossen“ arbeiten, bevor wir ein Umdenken bei potenziellen Kunden oder solchen initiativen erwarten können.

    Zum Schluss hin ziemlich idealistisch geworden, der Kommentar. Muss wohl die Uhrzeit sein…

  7. Danke, liebe Kollegin, lieber Kollege, liebes DT, dass Ihr diesen Wettbewerb öffentlich macht.
    Nach einem Überfliegen der verlinkten Seite bei der IHK Köln muss ich feststellen: das ist ja viel schlimmer, als es hier klingt. Mitveranstalter sind unter anderem drei Design-Verbände, sechs Hochschulen — und die machen eine Ausschreibung, die sämtliche Bemühungen der (anderen) Verbände in den Arsch tritt (und wohl auch die von KölnDesign?), die grundlegende Regelungen des Urheberrechts mit Füßen tritt (angemessene Vergütung, Namensnennung, offene Daten, …). Ach, genug geschimpft.
    Hier kann es nur heißen: Nicht mitmachen! Und den Veranstalterinnen deutlich erklären, dass das so nicht geht aus folgenden Gründen.

  8. Da stellt sich natürlich die Frage, wer in diesem Verein organisiert ist.
    Ich habe das mal anhand der Mitgliederliste grob ausgewertet. Auch wenn Design natürlich ein weiter Begriff ist, und hier Kommunikationsdesign neben Kunsthandwerk steht, vereinen sich zwei Drittel unter diesem Oberbegriff und mindestens die Hälfte der Mitglieder sollte mit der hier angesprochenen Problematik vertraut sein.
    Von den drei Vorständen betreibt einer eine Agentur für visuelle Kommunikation.

    Es ist mir schleierhaft, wie es dann möglich ist, dass ein Verein, dessen Mitglieder ebenso von fairen Bedingungen im Markt abhängig sind, selbst nicht bereit ist, faire Bedingungen für Designer zu schaffen.

  9. Dank an die beiden Autoren für den Gastbeitrag.

    Von den drei Vorständen betreibt einer eine Agentur für visuelle Kommunikation.
    (intermalte)

    Naja ;-) Der hat sich entweder nicht durchsetzen können bei diesem mathematisch ungünstigen Kräfteverhältnis. Außer er macht einen Zaun um sich rum und definiert draußen als drin.

    Oder ihm ist gar nicht aufgefallen, dass was nicht stimmt. Da selbst in eigenen Cheffe- und Key-Account-Berufsalltag in seinem Laden dermaßen oft konfrontiert mit wenig Wertschätzung und Kundenforderungen wie „offene Dateien“ für lau, dass er das für normal hält.

    Was es ja auch schon ist. Postfaktisch halt.

    Es wird so sein, wie es bei solchen Dingen immer ist:

    1.
    Herr Brüning unterstützt die Kritik. (Methode Verband, Wundverband Hilfsausdruck)

    2.
    Das Konsortium meldet sich dazu gar nicht und schreibt hier im dt keine Stellungnahme.
    Wie immer. (Bockige Methode Stummfilm).

    3.
    Die Grafikdesigner werden trotz Boykottaufrufs eifrig mitmachen.
    Wie immer. (Geile Methode „Mir doch wurscht“ und Bremer-Stadtmusikanten-Methode „immer noch besser als bei Designenlassen mit ihren 200 Tacken für 1 Logo allemal“)

    4.
    Fehlt noch nach den Kommentar-Gärtnern der Kommentar-Bock: Auftritt eines Grafikdesigners hier, der sagt, was da so schlimm dran sein soll. (Methode der lässige Pragmatiker, der aber allen in den Rücken fällt.)

    5.
    Kommt noch: Die ’sozialistische‘ Presse Köln schreibt, dass die Designer zu viel verdienen. 4000 für ein Plakat, wo gibts denn sowas … eumel, eumel, stänker.

    6.
    Dann richtig Mini-Shitstorm wie bei Cottbus. Entweder hier oder auf Twitter.

    7.
    Wird aber sterben, weil Aufmerksamkeits-Konkurrent Trumpilein noch viel Übleres twittert und Wind erzeugt. Wind-Sieg nach Punkten für den größten aller geistigen Schwachmaten. Ihm gebührt die Popcorn-Bühne.

    Grafiker abtreten!

    end of satire now

    • Das Konsortium meldet sich dazu gar nicht und schreibt hier im dt keine Stellungnahme. Wie immer. (Bockige Methode Stummfilm).

      Ich habe soeben einmal den Vorsitzenden sowie die Pressestelle des Vereins angeschrieben und nachgefragt, wie der Verein der Kritik begegnet und diese bewertet. Sobald ich eine Antwort habe, werde ich diese hier teilen.

      • Danke schön, ich bin wirklich gespannt, ob Du Antwort erhältst. Wir haben bislang nach wie vor weder Antwort auf unsere Emails erhalten, auch blieb mein Beitrag vom 19. Januar auf der facebook-Seite von KölnDesign unkommentiert.

  10. So kommen wir nicht doch weiter! Es ist schon erstaunlich, dass unsere Branche die Regeln für Wettbewerbe anwendet, die es schon längst gibt: Richtlinien für Planungswettbewerbe RPW. Diese lassen sich individuell anpassen und definieren konkret bestimmte Abläufe. In der Architektur schon zigtausend Mal angewandt (und Architekten sind auch Kreative, der eine mehr, der andere weniger ;-). Für den Auslober/Nutzer heißt das aber, dass er für den Wettbewerb einen kompetenten Wettbewerbsbeauftragten ins Boot holt. Er ist das Bindeglied und »Übersetzer« zwischen Nutzer und Gestalter. Er beschreibt die zu erbringende Leistung. Er kennt die Chancen und Möglichkeiten. Er weiß was unlauter, fachlich und sachlich richtig ist. Das braucht Zeit, das ist nicht leicht! Und für manche offensichtlich unmöglich.

    • Danke, Stefan für den Link.

      Habe ihn jetzt gelesen:
      Eins verstehe ich nicht bei deren wirrer Begründung, warum man offene Dateien will:

      Warum offene Dateien vom erstplatzierten Entwurf?
      Im Rahmen der Cologne Design Conference kommen viele unterschiedliche Parteien zusammen. Bei jedem einzelnen Projekt wird festgelegt, welche der Parteien der jeweilige Ansprechpartner ist und die finanziellen Mittel für die Gestaltung zu Verfügung stellt. Deshalb ist die im Wettbewerb ausgelobte Aufgabe zunächst auf die beschriebene Gestaltung beschränkt und bezogen auf die marktüblichen Formate. Eine über den Wettbewerb hinausgehende Zusammenarbeit mit der/dem
      Gewinner/in ist möglich und wünschenswert, lässt sich im Rahmen der Wettbewerbsbedingungen aber nicht zusagen.

      …lässt sich im Rahmen der Wettbewerbsbedingungen aber nicht zusagen.

      Was heißt das denn genau. Was für eine Formulierung. Warum lässt sich das nicht zusagen, da steht da nicht da. Und der Rahmen der Wettbewerbsbedingungen: Der ist doch von ihnen höchstselbst gemacht worden.

      Und jetzt stellen sie ihn implizit als fremdgesteuert hin nach dem Motto: Da können wir halt nichts machen, isse Schicksal, Fatum, Kismet, alternativlos den Designer abzuspeisen … Hallo, irgendwer zuhause bei den Verantwortlichen: Ihr habt doch die Bedingungen selbst gemacht?

      Haben da Merkels Rhetorikberater Pate gestanden?
      Das ist kafka-esk. Wie wir es am deutlichsten von der Dame im Hosenanzug kennen. Für diese Un-Physikhafte mag sie kaum ein klarer Denker und das hat auch bald keinen Erfolg mehr (Wahl 2017 wird noch lustig).

      Da rappelts in mir, wenn ich aus Köln solche Sprüche höre. Bei solchen alternativlosen Begründungen schlafen mir alle Arme, Beine und dann das Gehirn ein. Kopf bumm auf Tastatur.

    • Danke Stefan, dass Du am Ball bleibst!

      Auch ich lasse nicht locker und werde ein Update geben, sobald ich seitens des Vereins eine ausführliche Antwort erhalten habe, die mir dieser Tage durch den Vorsitzenden bereits zugesagt worden ist.

  11. Ich habe am vergangenen Freitag mit Uli Kreifels, dem Vorsitzenden des Vereins KölnDesign, ein etwa 40-minütiges Telefonat geführt. Wenn ich nachfolgend das Gespräch im Wortlaut zusammenfasse, dann liegt das daran, dass der Verein selbst zu der Kritik nicht öffentlich Stellung nehmen möchte, was ich sehr schade finde. Kreifels vertritt die Auffassung, dass eine sachliche Diskussion im Netz, etwa auf Facebook oder auch im dt, nicht möglich ist. Aus dem selben Grund wurde der von Cate auf Facebook veröffentlichte Kommentar, in dem sie in sachlicher Form Kritik an den Wettbewerbsbedingungen äußert, nicht beantwortet.

    Zu Beginn des Telefonats erklärt Kreifels, in dem von Cate Suhr und Henning Heier verfassten Gastbeitrag seien viele wichtige Themen angesprochen worden. Die genannten Vorwürfe träfen jedoch allesamt nicht zu. Der Wettbewerb, so betont Kreifels, sei im Sinne der Designer gemacht. Man sei jedoch lernfähig, schließlich sei dies der erste Designwettbewerb, den der Verein ausgeschrieben habe.

    Was die aus Sicht der Autoren angesprochene unzureichende/fehlende Urhebernennung betrifft, werde man, so Kreifels, überall dort, wo eine Nennung allgemein üblich ist, etwa im Rahmen eines Impressums, den verantwortlichen Gestalter namentlich nennen. Hintergrund für die betreffende Teilnahmebedingung sei, dass man sich rechtlich habe absichern wollen. Jeglichem Rechtsstreit wolle man aus dem Wege gehen, wie er sagt. Darüber hinaus sei geplant, die Preisträger per Pressemitteilung und Pressekonferenz zu publizieren. Zwischenzeitlich hat der Verein, wie bereits dt-Leser Stefan bemerkt hat, ein Update auf der Website des Vereins veröffentlicht, in dem auch auf diesen Kritikpunkt eingegangen wird.

    Auch den Kritikpunkt, dass von Teilnehmern des Wettbewerbs verlangt wird, ihre Arbeiten als ausgestaltete, druckfähige Grundausstattung in druck- und weiterverarbeitungsfähiger Form einzureichen, sieht Kreifels als unberechtigt. Es ginge lediglich darum, die Entwürfe so aufzubereiten und auszudrucken, dass diese von der Jury begutachtet werden können. Aus welchem Grund allerdings die Wiedergabemöglichkeit der eingereichten Arbeiten im „Offsetdruck“ in den Teilnahmebedingungen vorgeschrieben wurde, so meine Nachfrage, ließ Kreifels unbeantwortet. „Wir lernen dazu“, so seine Reaktion. Entscheidend und eigentlich unmissverständlich sei, so der Vorsitzende, dass lediglich der Sieger die Nutzungsrechte abtrete. So stehe es auch in den Teilnahmebedingungen: „Zur Klarstellung wird festgehalten, dass der Veranstalter an den Wettbewerbsarbeiten, die nicht mit dem 1. Preis prämiert werden, keine Nutzungsrechte erwirbt.“

    Einordnung: Richtig ist, dass in diesem Ausschluss (Punk 9.1 letzter Absatz) die Nutzungsrechte tatsächlich klar und im Sinne der Teilnehmer definiert werden. Ich muss zugeben, dass ich diesen Zusatz bis zum Zeitpunkts des Telefonats übersehen hatte. Nichtsdestotrotz sind die Teilnahmebedingungen umständlich, zum Teil widersprüchlich und in einer Weise formuliert, dass man diese leicht missverstehen kann. So jedenfalls meine Einschätzung.

    In einem weiteren Kritikpunkt gehen die beiden Autoren auf die Klausel ein, in der es heißt, dass der Veranstalter von der Durchführung des Wettbewerbs absehen kann. Kreifels möchte diese Einschränkung als eine Form der Qualitätssicherung verstanden wissen. „Der Verein möchte den Wettbewerb in jedem Fall zu einem Ziel führen, an dessen Ende ein neues Erscheinungsbild steht“, so Kreifels. Davon abgesehen müsse man bei jedem Designwettbewerb damit rechnen, dass die eigene Arbeit im Papierkorb lande.

    Einordnung: Wer gewillt ist, einen Designwettbewerb zum Erfolg zu bringen, sollte dies auch im Rahmen der Teilnahmebedingungen kommunizieren. In die Teilnahmebedingungen eine Hintertür einzubauen, mit der sich die Ausschüttung der Preisgelder umgehen lässt, ist nicht nur absolut unüblich, eine solche Klausel verhöhnt auch die besagten – in diesem Fall – neun Kreativen, deren Arbeiten komplett für die Tonne wären. Mir scheint die Ausschreibung als Designwettbewerb in diesem Fall ein falscher Weg zu sein. Statt das Erscheinungsbild in einem Wettbewerb öffentlich auszuschreiben, hätte man auch drei, vier Agenturen/Designer im Rahmen eines fairen und bezahlten Pitches einladen können, entsprechende Entwürfe zu erstellen. Abgesehen davon sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass Fragen potenzieller Teilnehmer hinsichtlich der Teilnahmebedingungen beantwortet werden, sei es per Facebook-Kommentar, per E-Mail oder auch telefonisch. Derlei Fragen und Bedenken unbeantwortet zu lassen, wirft ein schlechtes Licht auf den Wettbewerb und es hinterlässt auch keinen guten Eindruck vom Verein.

    Die Teilnahmebedingungen werde man jedenfalls nicht ändern, da diese im Sinne der Designer seien, wie Kreifels im Verlaufe des Gesprächs mehrfach betont. Man hoffe auf möglichst viele Einreichungen.

    Fazit: Es muss jeder/jede für sich selbst wissen, ob er/sie an dem Wettbewerb teilnimmt und damit den umständlichen, missverständlichen und zum Teil bedenklichen Teilnahmebedingungen zustimmt. Ich persönlich würde an dem Wettbewerb nicht teilnehmen, auch aus einem anderen Grund, auf den ich abschließend noch eingehe. Wer als Veranstalter Zweifel in Bezug auf die Ausgestaltung von Teilnahmebedingungen hat, dem seien die Berufsverbände BDG und AGD ans Herz gelegt (siehe BDG-Fairward ). Dort wird man sich über eine entsprechende Anfrage freuen. Bei Interesse kann ich gerne einen Kontakt vermitteln. Was ich ebenso bedauernswert finde, wie den Umstand, dass eine Vereinigung von Designern nicht in der Lage ist, einen Designwettbewerb ins Leben zu rufen, der frei von fragwürdigen Bedingungen und missverständlichen Formulierungen ist, ist die Erkenntnis, und damit nenne ich den zweiten Grund, dass der Verein im Zuge der Ausschreibung offensichtlich den Dialog mit Designerkollegen scheut, die kritisch nachfragen. Missverständnisse lassen sich im direkten Dialog nun einmal besser ausräumen. Hier hätte ich mir – ich glaube da spreche ich auch im Namen der Gastautoren Cate und Henning – vom Verein, der durchweg unterstützenswerte Ziele verfolgt, eine Dialogbereitschaft zu ALLEN Seiten gewünscht, nicht nur mir gegenüber im Telefonat. Vielleicht tröstlich: immerhin ist es nicht so, wie es dt-Leser moritz mutmaßte, dass sich der Veranstalter überhaupt nicht zu dem Fall äußert. Was jedoch summa summarum bleibt, ist der Eindruck, dass deutlich mehr drin gewesen wäre. Ein Verein von Designern/Kreativen, der anno 2017 den direkten Dialog mit anderen Kollegen über die digitalen Medien scheut/meidet, sollte eventuell mal seine Kommunikationsstrategie hinterfragen. Denn mit einer solchen Haltung dürfte es dem Verein schwer fallen, neue, junge und engagierte Mitglieder hinzu zu gewinnen.

    Einmal mehr wird deutlich: wer bei Designwettbewerben mitmachen möchte, sollte sich vorher die Teilnahmebedingungen durchlesen, und zwar gut. Bei Fragen hierzu stets auf den Veranstalter zugehen. Und wenn dieser nicht reagiert, im Zweifelsfall dem Wettbewerb eben fern bleiben.

  12. lieber Achim,

    danke für deinen Einsatz und dass du den Auslobern Gelegenheit gegeben hast, ihre Sicht zu zeigen. Offenbar trauen die Auslober der Kommunikation nicht viel zu. Wir erhalten im BDG oft Hinweise auf unfaire Wettbewerbe. Oft ist es Unwissenheit oder ein übervorsichtiger Jurist, der die Wettbewerbe zu Ungunsten der Designer ausfallen lässt. Dass ein Verein, der sich offenbar für Designer engagiert, das nicht besser hinbekommt, lässt mich etwas ratlos zurück.

  13. (Die) 10 kreative(n) Teilnehmer könnten sich zusammenfinden und in einem Tages-Workshop die Arbeit realisieren. Wäre mal ein interessantes Projekt und jeder hätte zumindest einen niedrigen Tagessatz raus, zudem einiges an Erfahrung und neue, potentielle Partner kennengelernt. ;)

    Für die Forderung von druckfertigen Arbeitsdateien gebe es dann den kollektiven Mittelfinger bei der Überreichung des Schecks.

  14. Sehr gute Ergänzung, Achim. » … eine sachliche Diskussion im Netz, etwa auf Facebook oder auch im dt« sei nicht möglich. Ist sie denn überhaupt gewollt. Würde man sie in einer (gedruckten) Fachzeitschrift oder als Podiumsdiskussion führen? Ich vermute mal: Nein.

  15. Vielen Dank, Achim.

    Es ist immerhin gut zu lesen, dass der/die Gewinner/in publiziert wird.

    Dennoch: Wie man insgesamt zu dem Urteil gelangen kann, die Teilnahmebedingungen seien im Sinne der Designer, bleibt mir ein Rätsel, insbesondere, da alleine hier auf dem DesignTagebuch offensichtlich eine andere Ansicht vorherrscht.

    Besonders enttäuscht bin ich als in Köln lebende Designerin von der Verweigerung eines öffentlichen Diskurses. Meiner persönlichen Meinung nach muss dieser nicht gescheut werden, wenn alles seine Richtigkeit hat.
    Dabei entsteht bei mir der Eindruck von zwei einzelnen Seiten, aber kein „Wir“, keine gemeinsame Ebene, und vor allem: Kein Interesse daran.
    Schade.
    Das wirkt sich auch auf meine Wahrnehmung der Cologne Design Conference an sich aus, für die das Ganze ja gedacht ist.

    Ich kann nur hoffen, dass kommende Veranstaltungen hier mehr auf Dialog setzen und tatsächlich die Plattform bieten, von der gesprochen wird.

  16. Aus dem selben Grund wurde der von Cate auf Facebook veröffentlichte Kommentar, in dem sie in sachlicher Form Kritik an den Wettbewerbsbedingungen äußert, nicht beantwortet.

    Dieser Verein könnte sich mal kundig machen, wie gute Reputation im Netz und im echten Leben auf seriöse Weise entsteht. Ganz sicher nicht, indem man sachliche Anmerkungen wie die von Cate totschweigt. Ein Armutszeugnis.

    … gebe es dann den kollektiven Mittelfinger …

    Uhh! Da werden sie sich aber fürchten!
    scnr ;-)

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