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Umfrage: BDG Honorar- und Gehaltsreports 2014

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Der Berufsverband der Kommunikationsdesigner (BDG) führt zum vierten Mal eine Befragung zum Thema Gehalt/Honorar von Designern durch. Erstmalig sind neben den Kommunikationsdesignern auch alle Industrie- und Produktdesigner zur Teilnahme eingeladen. Die Beantwortung der Multiple-Choice-Fragen beansprucht rund 10 Minuten. Die Teilnahme ist anonym und die erhobenen Daten werden laut BDG nicht an Dritte weiter gegeben. Das Ergebnis der Befragung soll Anfang 2015 veröffentlicht werden.

Hier gehts zur Umfrage: https://www.umfrageonline.com/s/bdg-vdid-da-report-2014

25 Kommentare zu “Umfrage: BDG Honorar- und Gehaltsreports 2014

  1. Erstens: Wir Selbständigen werden vergütet. Wir erhalten kein Honorar, also keine Ehrengabe, sondern gutes Geld für gute Leistung.
    Zweitens: Diese Art der Umfrage ist kontraproduktiv. Denn sie zeigt unseren (potentielle) Auftraggebern, dass es Design für ein kleines Geld gibt. Sie zeigen, dass die Tarifsätze von AGD und BDG scheinbar Luxus sind, weil viele Designer sie nicht verlangen, sondern Dumping betreiben. Dabei sind die Tarifsätze das Mindeste, was wir ansetzen müssen, um nicht nur heute über die Runden zu kommen.
    Schlussfolgerung: Kollegen vom BDG, veröffentlicht die Ergebnisse so, dass die Auftraggeber uns daraus keinen Strick drehen können! Macht das so, dass es nicht heißen kann »Ich habe das aber viel günstiger bekommen!«, sondern dass wir eine höhere Vergütung begründen können!
    Zum Vergütungstarifvertrag Design bitte hier entlang: http://www.vtv-online.de

    • Für kleines Geld bekommt man im besten Fall eine hübsche Gestaltung. Design hingegen kostet deshalb mehr, weil es nicht die Oberfläche aufpoliert, sondern die Substanz verbessert. Wenn diese Unterscheidung nicht einmal innerhalb der Kreativszene gemacht wird – wie wollen wir denn dann Andere von der Sinnhaftigkeit von Designleistungen überzeugen?!

      Dass sich Leute finden lassen, die für 300, 400 Euro Logos und Webauftritte gestalten, das wissen Auftraggeber doch schon längst, Crowdsourcing sei dank. Da braucht es nicht erst einen BDG-Gehaltsreport. Glaubst Du denn im Ernst, Auftragsvergeber konsumieren zunächst Gehaltsstudien, eh sie Auftragsangebote anfordern? Selbst wenn… was lässt Dich glauben, die Vergabe eines Auftrags zu marktschädigenden Konditionen sei die einzige Schlussfolgerung, die sich anhand der im Gehaltsreport veröffentlichten Zahlen ergebe?

      Wie erklärt sich denn zudem Deine Aversion gegenüber dem Begriff „Honorar“? Mal abgesehen von der ursprünglichen Bedeutung im Lateinischen ist „Honorar“ die für Freiberufler wie Designer, Künstler, Autoren, Journalisten und auch für Ärzte, Anwälte, Berater, Dozenten, etc. übliche, nach meinem Empfinden jedenfalls keineswegs negativ konnotierte Standardbezeichnung für die finanzielle Vergütung in einigen Berufssparten.

      • „Dass sich Leute finden lassen, die für 300, 400 Euro Logos und Webauftritte gestalten, das wissen Auftraggeber doch schon längst, Crowdsourcing sei dank. Da braucht es nicht erst einen BDG-Gehaltsreport. “
        Korrekt. Ziel muss es daher sein, den Kunden zu überzeugen, das nur eine ganzheitliche und zukunftsorientierte Denkweise zielführend ist. SCHNELL mal BILLIG ein Logo und fertig – da braucht es keine Designer, da braucht es Internetplattformen. Nicht immer ist der Designer oder eben die Agentur nicht passend zum Kunden, sondern oft auch der Kunde nicht passend zur Agentur. Kunden die keinen Anspruch haben sind dann eben die falschen Partner.

      • Für kleines Geld bekommt man im besten Fall eine hübsche Gestaltung. Design hingegen kostet deshalb mehr, weil es nicht die Oberfläche aufpoliert, sondern die Substanz verbessert. Wenn diese Unterscheidung nicht einmal innerhalb der Kreativszene gemacht wird – wie wollen wir denn dann Andere von der Sinnhaftigkeit von Designleistungen überzeugen?!

        Danke, Achim!
        .. sondern die Substanz verbessert. Das ist es.

        Wie will man als Kommunikationsdesigner denn andere überzeugen, wenn man seine eigene Positionerung gegenüber anderen nicht kennt.

        Wie ich einige Kundenschlaumeier jedoch kenne, verstehen sie unter Substanz verbessern gerne genau das, dass man als Designer doch ihrem pig einen pink lipstick verpassen möge. (Auf Deutsch: Ein schlechtes Produkt aufpolieren.) Dann ist man als Designer erneut in der alten Argumentation, dass man doch nur hübsche Gestaltung mache.

        Es bedarf also schon einer konkreten Erläuterung, anhand eines konkreten Beispiels, was denn dieses Substanz Verbessern sei. Ich weiß es, ach es ist so schwer zu erklären. Frei nach Faust. Daran muss man argumentativ arbeiten, wenn man seine Honorare nicht den Bach runterschwimmen sehen will.

    • Schlussfolgerung: Kollegen vom BDG, veröffentlicht die Ergebnisse so, dass die Auftraggeber uns daraus keinen Strick drehen können! Macht das so, dass es nicht heißen kann »Ich habe das aber viel günstiger bekommen!«, sondern dass wir eine höhere Vergütung begründen können!

      Kann ich nur unterschreiben. Vielen Dank, dass Sie es sagen.

      Das stört mich an beiden Verbänden.
      Dass sie nicht fähig sind, argumentativ zu stützen, sondern naiv solche Sachen ungestützt rausfeuern.

      Wobei der BDG immerhin noch etwas tut, die AGD deutlich noch die schnarchigere und aristokratischer Tuende (komisch, obwohl deren Mitglieder nicht einmal ein Diplom haben müssen, hm, vielleicht grad rum …^^) der beiden ist.

      Wenn ich mal einen kleinen nett-bösartigen Wochenend-Knaller rausfeuern darf.

    • Es bringt aber auch nichts, bei den Preisen immer nur Wünsch-Dir-Was zu spielen und insbesondere im Bereich der Nutzungsrechte Zahlen zu kommunizieren, die nicht nur komplett an der Realität beim Endkunden vorbei gehen sondern auch in brancheninternen Geschäften (Agentur – Freelancer) so gut wie nie eine Rolle spielen.

      Von daher ist es wichtig und richtig, dass hier versucht wird eine realistische Bestandsaufnahme durchzuführen. Letztlich misst sich nämlich die Durchsetzbarkeit von so etwas wie dem VTV auch daran, ob er branchenintern überhaupt noch ernstgenommen oder nur als weit abgehobene unrealistische Wunschvorstellung belächelt wird.

  2. Tom: „Kunden die keinen Anspruch haben sind dann eben die falschen Partner.“ Das klingt ziemlich schroff!

    Als Dienstleister sage ich: Kunden die vermeintlich keinen Anspruch haben, sollten dahingehend so gut beraten werden, dass diese wenigstens einen Anspruch gegenüber ihrer Zielgruppen also Ihrer Anspruchsgruppen entwicklen. Und da unterscheidet sich schon zu Beginn der Dienstleister „Designer“ vom „Verramscher“.

    Im Übrigen, es sollte jeder Selbstständige – auch ohne Verbandsmitgliedschaft – das kleine 1×1 des Errechnens von Stundensätzen drauf haben. Und mit dem kalkulierten Stundenpreis kann man auch ganz entspannt zum Kunden gehen, da die Schmerzgrenze nun bekannt ist!

  3. Das Gesetz der Wirtschaft

    Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und ein wenig billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

    Es ist unklug, zuviel zu bezahlen, aber es ist auch unklug, zuwenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zuwenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

    Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Wenn Sie dies tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres mehr zu bezahlen.

    (John Ruskin, engl. Sozialforscher 1819 – 1900)

  4. ein kleiner Zwischenstand für die Kollegen hier:
    Bisher haben über 2.700 Designer unseren Fragebogen ausgefüllt. Wir freuen uns über so viele Mitstreiter, die wie wir ein präzises Bild der Branche zeichnen möchten. Herzlichen Dank allen Teilnehmern.

    Übrigens: Industriedesigner sind ausdrücklich auch eingeladen, mitzumachen…

  5. Ob selbstständig oder nicht. Auftraggeber zahlen nur, was es ihnen wert ist. Umfragen und Richtsätze hin oder her. Das Problem liegt eher darin, dass die Deutschen Designer es nicht geschafft haben den Wert von gutem Design in unserer Gesellschaft hoch zu halten. Zu Zeiten des Bauhauses hatte Design und hatten Designer eine ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft und in der Wirtschaft. Obwohl wir Kommunikationsprofis sind schaffen wir es anscheinend nicht zu vermitteln wie viel Arbeit in unseren Produkten steckt und wie viel Mehrwert sie bieten. Deswegen glauben Unternehmer auch, dass sie um einen Konferenztisch für 3.000 Euro nicht herum kommen, aber das Firmenlogo nicht mehr als 300 Euro kosten darf.

  6. Michael, Du bringst implizit ein grundlegendes Problem des Designtagebuchs zur Sprache: Hier wird Design als Grafikdesign verstanden, die vielen anderen Sparten des Designs, schon das Kommunikationsdesign, kommen fast bis überhaupt nicht vor. Nur so kannst Du schreiben: Design hat hierzulande einen zu geringen Stellenwert und dann vom Schreibtisch reden. Bei ihm hat Design ja seinen Preis. Grafik- und Kommunikationsdesign steht ganz anders da als Industrie- und Produktdesign.

    Achim, Du schriebst in #2, es bräuchte keinen Honorar- und Gehaltsreport, damit Billig bekannt ist. Nun war am Samstag ein Artikel in einer großen Tageszeitung mit der Überschrift »Lösungen statt Logos« und Zusammenfassungen eines Gesprächs mit Christian Büning als BDG-Vertreter. Endlich mal was über unsere Sparte, nicht nur das gute und verkaufsfördernde deutsche Industrie- und Produktdesign! Dass (Kommunikations-)Design eben nicht nur ein hübsches Logo ist oder andere Dekoration, sondern auch wertschöpfend!
    Leider ging es dann gleich nicht mehr um die umfassenden Kompetenzen von uns, sondern nur noch um die Stundensätze, ermittelt in der BDG-Umfrage.
    Hängen bleibt: die meisten Grafiker arbeiten für 30 bis 40 Euro die Stunde. Klar, dieser viel zu niedrige Stundensatz wurde beklagt, aber das Klagen kennen »die Chefs« ja von ihren Mitarbeitern, die nörgeln ja auch immer, obwohl sie mit ihren überhöhten Gehaltsforderungen … Ihr kennt all die Floskeln und kennt auch die Schreibtische, von denen das verkündet wird.
    Wie sollen wir auskömmliche Stundensätze verlangen können, wenn ein Berufsverband von viel zu niedrigen berichtet, die üblich sind?
    Was selbstverständlich nicht nur am Kollegen CB liegt, sondern auch an der Journalistin (und der Redaktion), die eben diesen Aspekt des Gesprächs besonders wichtig fand — aber das ist ein anderes Thema.

    • Ich bin Dir sehr dankbar für Deine Impulse hier im dt Johannes. Was die Ausrichtung dieses Blogs betrifft, so hast Du Recht. Abgesehen von einigen Ausflügen etwa ins Automobildesign steht im dt ganz klar Kommunikationsdesign mit all seinen Ausprägungen im Vordergrund (Web, Print, CD, Werbung, Editorial, Typographie, Fotografie, Bildsprache, etc.).

      Leider finde ich den Artikel in besagter Tageszeitung nirgends im Netz. Davon abgesehen ist es schon wichtig, dass das Thema Verdienst insbesondere auch außerhalb der Kreativbranche thematisiert wird, einfach um mit der Mär von Grafikern als Spitzenverdiener aufzuräumen (siehe Beitrag im Fontblog). Um die 2010 in allen Medien in Umlauf gekommene Rangliste zu entkräften, braucht es mehr als ein paar Interviews, es braucht auch mehr als Kommentare von Designern in Designblogs.

      Es braucht eine Lehre, die die in den vergangenen 10 Jahren verschärfte Arbeitsmarktsituation berücksichtigt. Es braucht Redaktionen, die Design nicht im Ressort Panorama verorten, sondern es im Feuilleton behandeln. Es braucht ein Bewusstsein, dass Design jeden von uns tagtäglich umgibt, und nicht nur dann, wenn in Cupertino wieder mal neue Produkte vorgestellt werden oder der Kauf eines Autos oder von Schuhen geplant ist. Es braucht insbesondere innerhalb der Kreativszene eine Kritikkultur, wie es sie in der Kunst, der Musik oder im Schauspiel gibt. Die schier unüberschaubare Anzahl an Designpreisen erzeugt hingegen den Eindruck, als würde sich unsere Branche permanent selbst abfeiern. Wer, außer den Beteiligten, soll das denn bitteschön ernst nehmen!? Es braucht Differenzierung – das fängt schon in Kindergärten und Schulen an. Textiles Gestalten, das Basteln/Entwerfen einer Laterne oder der Bau eines Holz- oder Papphauses samt Inneneinrichtung ist nichts anderes als Design! Die Bezeichnung der Unterrichtsfächer „Kunst“ und „Technik“ suggeriert Relevanz, die eigentlich dem Design zufallen müsste. Viele der oben genannten Defizite sind das Ergebnis einer Schulausbildung, in der zwar Wesensmerkmale von Design vermittelt werden, ohne jedoch dass diese dem Terminus „Design“ zugeordnet würden. Wenn wir nicht wissen, was Design ist, wie sollen wir es dann schätzen lernen?

      • Achim, danke dir, du rennst bei mir offene Türen ein. Der Artikel ist nicht im Netz, kommt aber vielleicht im Laufe der Woche. In dem Artikel ging es um die Veränderung des Designer-Berufs, die Einkünfte waren da nicht das Hauptthema.

        Aber abgesehen davon sind wir als Berufsverband in einer etwas kniffligen Lage: Geben wir Honorar-Empfehlungen heraus, die existenzsichernd und fair sind, hören wir Klagen, dass diese Empfehlungen nicht realistisch sind.
        Gehen wir den anderen Weg und erheben belastbare Zahlen, wie die Branche tatsächlich arbeitet, hören wir Klagen, dass wir diese Zahlen doch bitte geheim halten sollen, damit uns kein Auftraggeber damit erpressen kann. Was sollen wir tun?

        Wir haben uns für drei Themen entschieden:
        • Professionalisierung,
        • faire Märkte und
        • Ausbildung,

        die wir mit unseren begrenzten Mitteln fördern. Unser Report ist für alle drei Bereiche wichtig, weil wir mit echten Zahlen unser Aussagen belegen und Forderungen untermauern können.

    • @ Johannes: hey, noch jemand, der die Süddeutsche liest! :)
      Der Richtigkeit halber die Stelle aus dem Artikel als Zitat, von der du schriebst:

      »[…] Viele dieser Designer arbeiten unter prekären Verhältnissen und unterbieten sich gegenseitig, um auf dem Markt Fuß zu fassen. Laut der BDG-Umfrage verlangt ein Viertel der Ein-Mann-Büros Stundensätze von maximal 40 Euro. „Da steckt oft Unwissenheit dahinter. Viele kalkulieren nicht richtig“, sagt Büning […]«

      Damit habe ich explizit nicht gesagt, dass 40 Euro ein üblicher Stundensatz sind, sondern genau das Gegenteil, nämlich eine Fehlkalkulation.
      Ich stimme aber mit dir überein, dass es sehr erfreulich ist, dass wir als Kommunikationsdesigner als eigener Beruf wahrgenommen werden. Immerhin gibt es ca. 20 mal mehr von uns als von Industriedesigner, da sollten wir doch deutlicher ins Gewicht fallen.

      • @Christian: wir sind nicht die zwei Einzigen — aber die neue Samstagszeitung ist unsäglich.

        Na, zwei von drei Spalten hatten das Thema Einkommen von (Grafik-, Kommunikations-)Designern — nur die erste nicht, wobei die mittlere dekorativ illustrierend unterbrochen ist. Und ich habe den Artikel aus dem Kopf zusammengefasst, da wurde ich etwas ungenau, keine Frage.
        Aber hängen bleibt bei den (potentiellen) Auftraggebern: die machen’s mir für 40 Euro. Ob das der Grafikerin auf Dauer ausreicht, ist egal, wir wachsen ja nach.
        Und ja, den erwähnten Zwiespalt diskutieren wir in der AGD auch, ergänzt um die schwierig zu vermittelnde Frage der Nutzungsrechte. Wir gehen aber davon aus, dass man gegenüber Auftraggebern vom oberen Ende diskutieren muss, vom einem nicht zu unterschreitenden Stundensatz. Das ergibt sich auch aus der Sache Tarifvertrag, der Mindestvergütungen enthält, die nicht unterschritten werden dürfen. Also nicht »das reicht nicht zum Überleben«, sondern »unser Beitrag zu Ihrer Wertschöpfung«.

        Ganz anders gesagt: Wie schaffen wir Grafiker eine größere Wertschätzung für unsere Tätigkeit und unsere Produkte, damit sie wie Schreibtische und Autos bezahlt werden? Wie kommen wir dahin, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft ihrer Größe und ihrer Wertschöpfung entsprechend wahr- und ernstgenommen wird? Wir sind dabei viel wichtiger als die chemische Industrie, etwa auf dem Niveau von Maschinenbau und Auto-Industrie. (Das ist wieder aus dem Kopf zusammengefasst aus dem Kreativwirtschaftsbericht des Bundeswirtschaftministeriums.)

  7. @Johannes: Ich wollte nicht über die inhaltliche Ausrichtung des dt reden, sondern über den Stellenwert unseres Berufsstandes bzw. unserer Arbeiten (in jeglicher Disziplin) in dieser Gesellschaft.

    Das fängt damit an, dass Unternehmen nicht für Ideen bezahlen (wollen) sondern nur für Umsetzungen und endet damit, dass der große Aufschrei durch die Presse geht, wenn mal wieder ein »Regionalmarketinglogo 250.000 Euro gekostet hat« (dabei war es das komplette Jahreskommunikationskonzept inklusive Produktionskosten). Es fehlt schlichtweg an Verständnis und Respekt für unsere Arbeit.

    Ehrlich gesagt liegt das aber in erster Linie an uns. Die deutsche Agenturszene und die Hochschulen haben den Designer zum reinen Umsetzer hinter dem Strategien, Konzeptioner, Berater oder Marketing-Experten degradiert. Es gibt immer mehr Spezialisierungen und Berufsbilder, die zwischen Designer und Kunde angesiedelt sind und den direkten Zugang verstellen und die Grenzen der Aufgaben verschwimmen lassen.

    Teilweise bekomme ich von Unternehmensberatern gesagt welche Farbe im Corporate Design einzusetzen sei. Alleine die Tatsache, dass ein Kunde akzeptiert, das ein BWLer anstelle eines Designers die Farbgestaltung bestimmt oder eine Hochschule es den BWLern als Teil Ihres Arbeitsfeldes beigebracht hat zeigt doch, dass wir ein großes Problem haben.

    Ich weiß nicht, ob Gehaltsvergleiche oder Honorar-Empfehlungen dieses Problem adressieren.

    • Hallo Michael,

      nein ich denke nicht, dass Gehaltsvergleiche dieses Problem adressieren. Ich halte die Initiative des BDG (und anderen) für sehr wertvoll: Information ist wichtig, sie wird nicht unwichtiger, nur weil sie uns nicht gefällt.
      Und ich persönlich habe auch keinerlei Bedenken, dass Auftraggeber offizielle Umfrageergbnisse benötigen um sich an Niedrigst-Honoraren zu orientieren. Das geschieht sowieso, auch ganz ohne Umfragen.
      Einen teil der Verantwortung für die Vergütung unserer Leistungen tragen wir natürlich selbst. Wer seine Leistung unter Wert verkauft (oder wissentlich ungenügende Leistungen verkauft weil er genügende nicht bezahlt werden) sägt an dem Ast auf dem er sitzt. Eine Krux in unserer von Kleinstunternehmern geprägten Branche ist, dass die Äste zu schnell nachwachsen – Ich persönlich hege daher keine Hoffnung das Billig-Segment könnte jemals überwunden werden.
      Das einzige was man m.E.n. selbst tun kann um die das Niveau der Vergütung insgesamt zu heben, ist, an der Aufklärung innerhalb der Branche mitzuwirken, sich fortwährend auszutauschen, den Selbstwert verinnerlichen und ihn diszipliniert verteidigen – jeden Tag.

      Das Problem der Wertschätzung oder nur der Präsenz des Kommunikationsdesigns in unserer Gesellschaft hat damit in meinen Augen aber nicht mittelbar etwas zu tun. Um dieses zu verbessern wären viele Ansätze nötig. Angefangen im Kunstunterricht der Schulen bis zu den Redaktionen von Zeitungen und TV Kulturformaten. Ich fand es schon immer höchst befremdlich, dass die Magazin Beileger von Zeit und Süddeutscher Zeitung seit jeher in ihren alljährlichen „Design“ Heften nahezu ausschließlich Industrie- bzw. Möbeldesign vorstellen.

    • Da ist was Wahres dran Michael („Alleine die Tatsache, dass ein Kunde akzeptiert, das ein BWLer anstelle eines Designers die Farbgestaltung bestimmt oder eine Hochschule es den BWLern als Teil Ihres Arbeitsfeldes beigebracht hat zeigt doch, dass wir ein großes Problem haben.“). Und was ich schon 3x erlebt habe ist, dass sich Marketingabteilungen die CS zugelegt haben und bei mir (dem Grafik-Dienstleister) anrufen, wenn’s bei denen hakt. Fand ich erst sehr nervend, aber hab dann wenigstens „Schulungen vor Ort“ verkauft. Weiterer positiver Nebeneffekt: Die Marketer sehen, dass es doch nicht alles so „mal eben“ „schnell“ und „dauert nicht lang“ funktioniert. Und für die Druckvorbereitung will auch (noch) keiner den Kopf hinhalten, ganz abgesehen von mehrseitigen Dokumenten oder was mit Falz(en) – viiiiel zu kompliziiiiert … Vielleicht auch ein guter Ansatz, die Kunden mehr in den Workflow einzubinden, wenn man nicht grade super-remote unterwegs ist.

  8. Meine Hochachtung vor dem starken Zwischenergebnis zum BDG Honorar- und Gehaltsreport!

    Was den BDG auszeichnet ist, daß er weit über seine eigenen Mitgliedszahlen hinaus KollegInnen und Partnerverbände mobilisieren konnte beizutragen.

    Ich glaube zwar nicht, daß im Ergebnis eine prekäre Situation der Teilnehmer herauskommt, weil vermutlich eher weniger »Dumper« teilnehmen. Aber falls doch, dann sehe ich dies nicht als Argumentationshilfe für Designeinkäufer, sondern als belastbares Material für Dachverbände und Politik.

    Denn Politik sollte es nicht egal sein, ob am Designerlebensende der Steuerzahler für die, die nicht einmal das 1×1 beherrschen aufkommen muß.

    Als Vater zweier Kinder ärgert es mich schon jetzt, daß sie die Suppe auslöffeln werden müssen, die uns schon heute diejenigen einbrocken, die da jammern, daß Stundensätze á la VTV nicht realistisch seien.

    Wer es nicht schafft, seinen Auftraggebern den Wert seiner Arbeit zu vermitteln, darf dafür nicht dem Auftraggeber die Schuld geben oder den Dumpingsündern. Es hat niemand behauptet, Selbstständigkeit sei ein Zuckerschlecken auch wenn Gründen offenbar zum Volkssport wird.

    Weniger ist mehr. Dies gilt auch für die inflationäre Überschwemmung des Marktes. Das gilt für Milchbauern, wie Designer. Nur wird der Milchbauer subventioniert.

    Mein Appell an die Designverbände: Tut nicht so, als sei Selbständigkeit kinderleicht und ködert Mitglieder mit Kalligraphiekursen oder Wirtschaftseminaren, die die Situation höchstens verschlimmbessern. Haltet lieber ein Stopschild hoch: Wir brauch nicht mehr, sondern bessere Designer.

    Noch mal: Alle Hochachtung für dieses Zwischenergebnis!

    Tschüssing vom Elbstrand
    Oliver Schuh | bdg | die gebrauchsgrafiker | ex agd vorstand

    • Finde es, anders etwa als Johannes, wunderbar, dass sich eine überregionale Zeitung dem Thema Kommunikationsdesign in dieser Form angenommen hat. Endlich einmal kein „Logo kostet 50.000 Euro“-Artikel, der nur deshalb verfasst wurde, weil er polarisieren soll, um die Klickzahlen anzutreiben, sondern ein Beitrag, der informiert und in dem viel Richtiges steht.

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