Design oder Geld?

Beitrag von Marco Wilhelm Linke
Als kreativer Mensch ist man geneigt, sich voller Eifer den Herausforderungen neuer Projekte zu stellen: Bereits beim ersten Kundengespräch sprudeln tausende Ideen aus dem schier unerschöpflichen Quell der Kreativität – und dann trifft einen mitten im Fluss der Ereignisse die profane Frage: „Und was kostet das jetzt alles?“ Diese Frechheit trifft den Designer mitten ins Mark. Dort, wo es am meisten schmerzt: im Reich der Zahlen und mathematischen Berechnungen. Da wollte man die innovativsten Einfälle zu Papier bringen und der Kunde interessiert sich nur für das Geld?
In der “wirklichen Berufswelt” des Designers ist es natürlich so, dass Designer durchaus Geld für ihre Arbeit haben möchten. Nur eben nicht sehr viel. Wer sich heutzutage für den Beruf des Kommunikationsdesigners entscheidet, wird in den meisten Fällen nicht reich von seiner Arbeit. In dem letzten Gehaltsreport des Berufsverbandes Deutscher Kommunikationsdesigner BDG hieß es, dass mehr als die Hälfte der Designer weniger als 2.500 € brutto verdienen. Rund 80% der Designer verdienen weniger als 3.300 € brutto. Und die Luft nach noch weiter oben wird sehr schnell sehr dünn. » weiterlesen
Studieren bei Hyper Island

Beitrag von Anke Buchta
Was? Du willst in der Wirtschaftskrise einen festen Job kündigen? Warum musst Du denn noch mal studieren? Warum im Ausland? Diese Fragen wurden mir im Frühjahr letzten Jahres gestellt als ich verkündete, dass ich am “Interactive Art Director” Programm von Hyper Island in Stockholm teilnehme.
Ich heiße Anke Buchta, bin 28 Jahre alt und Interactive Art Director. Das war ich zumindest bis letzten August. Jetzt bin ich Student um danach wieder Interactive Art Director zu sein. Ich muss zugeben, dass sich das etwas komisch anhört, aber ich wollte auf dem internationalen Markt bestehen können.
Wie ist der Ruf der deutschen Werber, Designer und Konzepter? Wie hebt man sich bei 100 Bewerbern für einen Job in einer New Yorker Agentur ab? Was muss man haben, neben guten Designskills?
Die gefühlte Lesbarkeit

Beitrag von Martin Liebig
Serife gegen Groteske: die Lehrbuch-Meinung unterstellt beharrlich Qualitätsunterschiede, die offenkundig nicht existieren. Eine neue Studie zeigt: Viel wichtiger als die oft beschworene “objektive” Lesbarkeit ist, was eine Schriftart ausstrahlt – ihr „Look and Feel”.
Starten wir banal: Schrift muss gut lesbar sein. Höre ich Widerspruch? Fehlanzeige, selbstredend.
Schrift darf natürlich gerne auch ein bisschen gut aussehen. Den thematischen Kontext betonen. In ihrer visuellen Tonalität Wertigkeit ausstrahlen. Freundlichst zum Lesen einladen. Aber: Sie muss immer noch und zuallererst gut lesbar sein. Unbedingt gut lesbar sein. Gute Lesbarkeit ist das Wichtigste überhaupt. Höre ich Widerspruch?
Wahrscheinlich nicht. Und das ist schade. Denn die Typografie, vor allem die Web-Typografie, sie droht unter die Räder zu geraten von Technokraten, von selbsterkorenen Lesbarkeits-Optimierern, von halbinformierten Systemadministratoren, von lehrbuchtreuen Mediengestaltern, die uns seit Jahren eine Web-Welt voller ”Nur-Verdana”-Seiten bescheren. Sachbearbeiter mit Zuständigkeitsrandgebiet Optik sind dies oft, die den Reiz guter Typografie auf den Faktor “Lesegeschwindigkeit” reduzieren, weil man Ästhetik und Themenadäquatheit leider nicht in Sekunden messen kann. Jene Menschen sind es, die uns gerne sagen: Serifen sind schlecht lesbar auf dem Monitor, das weiß doch inzwischen jeder, nimm lieber “Verdana”. Gerne folgt der Zusatz: Macht Spiegel Online doch auch. Spiegel Online kommt irgendwann immer.
Gastautoren im dt
Heute schlage ich im Design Tagebuch eine bislang unbeschriebene Seite auf. Das Thema Gastautorenschaft hier in diesem Blog hat mich immer wieder einmal beschäftigt, doch erst jetzt kann ich mich dafür begeistern. Mit ein Grund hierfür ist das Angebot von Martin Liebig, seines Zeichens Dozent für Mediengestaltung an der FH Gelsenkirchen, einen Großteil seiner Studienergebnisse hier im dt zu veröffentlichen, “Großteil” darf man dabei wörtlich nehmen. Im Forschungsbericht „Typografie im World Wide Web“ hat er sich eingehend mit der Lesbarkeit von Verdana, Arial, Times und ihren Schwestern beschäftigt. Er ist der erste Gastautor im Design Tagebuch und darüber freue mich sehr.
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