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Stern wirbt mit Tsunami-Collage

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Stern Anzeige Tsunami

Was will einem die in der VIEW geschaltete Doppelseite für den „Stern“ mitteilen? Der Tsunami, der im März dieses Jahres Japan überflutete, war menschengemacht? Sportlicher Ehrgeiz resultiert stets in einer Katastrophe? Wie es scheint, hat man beim Erstellen dieser Collage die Grenzen des guten Geschmacks ein wenig aus den Augen verloren. Idee und Anzeige sind arg konstruiert. Die Bildaussage ergibt keinen Sinn. Nur weil sich alles in Photoshop wunderbar zusammenschieben lässt, sollte man dies nicht immer tun.

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50 Kommentare

  1. Da werden mal wieder (und vermutlich bewusst) die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Die Anzeige ist echt daneben… aber das ist leider heute die Mentalität!
    Sonst hätte unter anderem RTL, BILD und Co. keine Daseinsberechtigung.

  2. Die Anzeige stellt dar, dass der stern vielseitig ist und unterschiedlichste Themenbereiche abdeckt … und erregt Aufmerksamkeit. Deshalb ist sie gut. Manchmal muss man Grenzen sprengen.

  3. Danke Patrick M! Genau meine Meinung. Zwar ist die Darstellung der vielseitigkeit sehr gewagt, aber dennoch erreicht. Der krasse unterschied zwischen den beiden Themen unterstreicht meiner Ansicht nach nur was Stern mit der Bildunterschrift sagen möchte.

  4. Ich fand schon den Fernsehspot “Wir sind da, wo Führungsetagen sich verändern. Und da, wo die Führung Veränderung verhindert” nicht wirklich gelungen.
    Und hier wurde nach meinem empfinden weit über das Ziel hinausgeschossen.

  5. Ich find die Anzeige auch geschmacklos. Aber leider, leider hatte sie GENAU das im Sinn: Sie beschäftigt einen.

    Aber vielleicht sollten sich die Verantwortlichen auch mal fragen: wie viele Leute kaufen den Stern ERST RECHT NICHT, wenn sie solch eine Anzeige sehen?

  6. Die Collage selbst wirkt arg konstruiert, erzeugt aber Aufmerksamkeit und ist für mich vertretbar. Völlig geschmacklos wird es erst durch den Text daneben “Wir zeigen … Katastrophen, die alle Grenzen sprengen.”

    Nur bei uns: Katastrophen-Voyeurismus. Ergötzen Sie sich an in Extremsituationen elendig verreckenden Menschen.

  7. @Guido Das seh ich auch so. Finde es sehr bedenklich wo das alles hinführt. Bei “Geiz ist geil” hat man es ja gelernt, ist nun der Journalismus dran? Reicht es langsam mit dem Katastrophen-Voyeurismus? Ich finde schon.

  8. Wow! Habe selten etwas geschmackloseres gesehen! Was kommt als nächstes Motiv? Der Holocaust und CO2 Emission Filter?

    Inhaltlich war der Stern ja nun schon lange nichtmehr relevant, aber diese Kampagne wird mich davon abhalten jemals wieder zu diesen Heft zu greifen.

    Von der stümperhaften Bearbeitung und Typographie mal ganz abgesehen..

  9. Der Stern verliert damit völlig einen Bezug. Stehe die eigentlich auch für irgendetwas, oder nehmen die einfach alles mit und bilden nur ab? Nah dran an allem, was das Magazin irgendwie für “alle” interessant macht – aber weit weg von eigener Meinung, Stellung und Niveau.
    Aber ehrlich gesagt hab ich den auch immer nur in irgendwlechen Wartezimmern gelesen .. kenne keinen einzigen Abonnenten.

  10. Die Aufmerksamkeit wird nicht nur durch das Composing erreicht, auch durch die Seitenaufteilung – von daher gut gemacht. Die eingeschlagene Richtung “Katastrophen-Voyeurismus” missfällt mir auch. Allerdings mit einer Hai-Flosse fänd’ ich das wiederum gut, weil dann der Bezug zur Höchstleistung “an die Grenzen gehen” besser geknüpft wird. Und die Katastrophe ist noch nicht passiert – und der Leser weiß auch nicht, wie die “Geschichte” ausgeht. Das Motiv von Japan wurde genommen, weil diese Szene jeder kennt. Also, alles in allem zu einfach gestrickt für diese Marke.

  11. Naja der Stern halt…. sie hätten auch schreiben können: “in 98,5% aller Printausgaben schaffen wir es auf unserer Titelseite beliebige Headlinethemen mit nackten Frauen zu kombinieren!”

    Wenn ich Niveau erwarte würde ich nicht wirklich zuerst zum Stern greifen…

  12. Also so daneben ist das Ganze gar nicht. Wenn man den Text daneben nicht liest, dann mit Sicherheit. Aber dort steht nun mal ein Werbetext … und der hat eine klare Aussage:

    WIR ZEIGEN MENSCHEN, DIE AN IHRE GRENZEN GEHEN
    UND KATASTROHEN, DIE ALLE GRENZEN SPRENGEN.

    Und genau das tut der STERN. Er berichtet über Katastrophen genau so mit Bildern wie auch über freudige Ereignisse. Das Bild erregt dabei Aufmerksamkeit hat aber in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach keine Grenze überschritten.

  13. Erinnert mich doch stark an diesen Affront :


    In diesem Fall hat sich allerdings die herausgebende Zeitung für das Missgeschick entschuldigt und nicht wie der STERN bewusst mit den Schicksalsschlägen der Menschen geworben.

  14. Ich finde, eine Kontroverse kann man nur mit etwas lostreten, das gleichermaßen fasziniert und schockiert. Wenn es also die gewählte Themenverknüpfung sein sollte, bitte! Nur bleibt die Faszination auf der Strecke, denn eine solche ruft die seltsame Collage wahrlich nicht hervor. Eigenartige Größenverhältnisse der Motive und unausgeglichene Anteile von Foto- und Weißflächen wirken nicht gerade harmonisch miteinander. Hätten die Grafiker hier bessere Arbeit geleistet, hätte ich der Werbezeile womöglich eine zweite Chance gegeben. In der vorliegenden Aufmachung hat sie keine verdient.

  15. Schlecht. Einfach schlecht. Ich kann auch denjenigen, die hier sagen der Anzeigentext reißt es raus nicht verstehen. Für mich ist das keine Werbeaussage, sondern ein Alibi, die Bildmontage bringen zu können. Die, wie schon mehrfach erwähnt, auch sehr dürftig ist. Ich halte das ganze Anzeigenkonzept nicht für sehr kreativ und werblich stark. Die Aussage ist doch banal: Wir berichten von guten und schlechten Ereignissen. Ja, super, Danke! Das wusste ich gar nicht. Das ist ja starker Journalismus. Alle anderen Magazine und Zeitung berichten immer nur von einer Seite.

    Dazu sind die Motive merkwürdig künstlich. Der Schockeffekt (wenn denn beabsichtigt) trifft bei mir da jedenfalls nicht ein. Künstlich halt. Wie: künstlich ein tolle Kampagne erdacht, aber keine Idee gehabt. Na, die Bildabteilung kann sicher mit PS was zusammenbasteln ….

  16. Im Gegensatz zur Anzeige mit den “Boatpeople” ist diese hier tatsächlich stümperhaft gemacht und beweist, dass es dem Stern in dieser Kampagne nur um den Aufmerksamkeitswert von Leid und Elend in der Welt geht. Der Claim ist unwahrscheinlich weit hergeholt und unzusammenhängend getextet – auf Krampf in beiden gegenübergestellten Aussagen das Wort “Grenzen” unterzubringen, reicht da nicht aus.

    Dass Werbung durchaus mit den Grenzen des guten Geschmacks spielen und diese auch ruhig übertreten darf, liegt in der Natur der Sache. Wenn Benetton AIDS-Kranke oder Shirts mit Schusswunden abbildet, mag man darüber streiten, was letztlich auch Sinn der Sache ist.

    Aber platt mit der Not und dem Elend zu spielen nur um Aufmerksamkeit für sich selbst zu erregen – das ist nicht geschmacklos, sondern dummdreist. Und wie wusste schon Napoleon: Dumm und dreist – das ist eine schlechte Verbindung.

  17. Kein Wunder, dass überall so viel schlechte Werbung zu sehen ist, wenn solch’ gute Ideen für geschmacklos, dummdreist und sonstwas angesehen werden.

    Zukünftig schweigen wir Katastrophen einfach tot und tun so, als gäbe es sie nicht.

  18. Ich kann die Aufregung hier auch nicht ganz nachvollziehen.

    Wie „Patrick M“ bereits geschrieben hat können wir solche Katastrophen nicht einfach tot schweigen denn sie gehören leider zu unserem täglichen Leben dazu. Genau wie z.B. Schwimmer die ein ums andere mal Weltrekorde aufstellen und so über die Grenzen des für Menschen möglich gehaltenen hinaus gehen.
    Freud und Leid, Erfolg und Misserfolg liegen oft sehr nahe beieinander. Über all das berichtet der Stern und genau das sagt diese Werbung auch aus. Und dass diese Art der “Gegenüberstellung” in Werbeanzeigen des Stern Methode hat ist auch nicht verwerflich denn der Stern berichtet eben über alle Fassetten des Lebens und eben nicht nur über „Friede, Freude, Eierkuchen“. Wenn ihr das wollt müsst ihr Glamour oder die Bravo lesen …

    Der Text ist zugegebenermaßen etwas unglücklich platziert denn er ist notwendig um die Anzeige zu verstehen und sollte daher direkt ins Auge fallen. Aber sollen wir nun ernsthaft nur noch Anzeigen machen die ja keine negativen Ereignisse beinhalten? Dann haben wir bald nur noch Werbung mit einer blühenden Blumenwiesen und einer Heidi die die Produkte präsentiert.

  19. Auf mich wirkt die Bildsprache als würden die Schwimmer für den Tsunami/Flutwelle verantwortlich sein. Und das ist unwar.

    Das Argument, man brauche solche Anzeigen um eine Katastrophe nicht tot zu schweigen verstehe ich nicht. Im Gegenteil, Die Boatpeople haben es nicht verdient, für die Kampangne des Stern her zu halten! Der Stern (die Macher dieser Anzeige) bedienen sich dem Leid und das ist dumm, weil es nicht gerade einen Anspruch an die Adressaten fordert und dreist, weil es leidenen Individuum (vielmehr allen Leuten auf dem Boot) den Respekt nimmt! Wolle hat es auf den Punkt gebracht!

    bei mir ist die Ansage des Sterns angekommen:
    Wir berichten von Leid und Wohlstand, von ganz unten und ganz oben, für euch Leser in der MItte.

    -sorry nicht mein Anspruch-

  20. @db Katastrophen sollen nicht tot geschwiegen werden, sie sollen nur bleiben was sie sind, ein Unglück, über das berichtet wird. Der Stern instrumentalisiert die Katastrophe und strickt daraus eine in allen Bereichen rumpelige Werbekampagne.

    Freilich instrumentalisierte auch Toscani für Benetton Leid und Elend. Anders allerdings, als beim Stern, stehen die Tragödien selbst im Mittelpunkt der Kampagne! Schockmotive wie eine öl-verschmierte Möve, ein Schiff, auf dem sich tausende Menschen retten oder ein AIDS-Kranker, der in den Armen seiner Angehörigen stirbt, sind Appelle, die einem sagen: Seht hin! Seht nicht weg! Das ist Teil unseres Lebens! Es gehört dazu! Wir gehören dazu! Und letztendlich dann auch: Benetton gehört dazu! Abgesehen davon ist die Bildsprache und die fotografische Qualität bei Toscanis Motiven eine ganz andere, die deshalb so prägnant sind, weil sie das Rohe und eben das nicht Inszenierte zeigen.

    Das Stern-Motiv samt Text hingegen, drückt den Katastrophen-Voyeurismus aus, den die gesamte Nachrichtenbranche umtreibt und dem auch fraglos weite Teile der Bevölkerung verfallen ist. Gebt uns eine Katastrophe, über die wir berichten können, damit ihr Leser respektive Zuschauer uns beachtet! DAS ist die Aussage der oben abgebildeten Anzeige.

  21. Also es ist wirklich geschmacklos wie weit Werbemacher oder Journalisten gehen, um die Aufmerksamkeit der Massen zu erregen. Frage mich wirklich, wo Ethik und guter Geschmack geblieben sind und wie diese Leute abends ruhig einschlafen können bei all dem was die so fabrizieren. Unfassbar!

  22. @ Achim: Komplett richtig und schön ausgedrückt.

    @ db: Werbung darf (und sollte, meiner Meinung nach, wo immer möglich) kritisch sein. Nicht nur selbstkritisch, sondern auch auf globale wie regionale Missstände hinweisen. Ein ganz wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist Menschenwürde. Und wer Gefühle des Mitleids in so intensiver Weise wie in oben stehender Anzeige zu kommerziellen Zwecken ausnutzt, handelt gewissenlos. Das ist der große Unterschied zwischen z.B. Benetton und dem Stern. Benetton schuf Aufmerksamkeit für das Elend in der Welt. Der Stern nutzt das Elend in der Welt, um Aufmerksamkeit für sich zu generieren.

  23. So sehr ich mich auch anstrenge. Ich sehe keine Grenzen die hier gesprengt wurden.
    Die Anzeige erzeugt Aufmerksamkeit. Und das sollte ja auch Sinn einer Anzeige sein.
    Die Werbebotschaft in einem Bild zu verpacken finde ich perasönlich gut.

    Das hat auch nichts mit Mitgefühl für die Betrofffenen zu tun. Davon gibt es und gab es genug. und hier wird nimend beleidigt oder in Kisskredit gebracht. Deshalb von mir einen Daumen hoch.

  24. “Das Stern-Motiv samt Text hingegen, drückt den Katastrophen-Voyeurismus aus, den die gesamte Nachrichtenbranche umtreibt und dem auch fraglos weite Teile der Bevölkerung verfallen ist.”

    Das ist vollkommen richtig. Aber genau DAS ist auch der STERN. Und genau das sind die anderen ach so seriösen Nachrichtenmagazine/-sendungen ebenso. Da wurde mit dieser Anzeige aber nicht die Grenze überschritten, denn diese Anzeige stellt einfach nur zwei Sachen gegenüber.

    Klar macht sie das sehr plump.

    Aber jede Nachrichtensendung möchte die ‘besten’ Bilder einer Katastrophe. Jedes Magazin möchte die ‘besten’ Bilder. Jeder möchte sie als erstes haben. Klar ist das Katastrophen-Voyeurismus. Aber warum gibt es diesen denn bei den besagten Verlagen/TV-Sendern? Weil genau WIR das so wollen.

    Die meisten Menschen wollen doch genau das sehen. Große Bilder, nah dran am Geschehen … und nochmal … und nochmal. Immer wieder anschauen das Unglück … bis man es dann nicht mehr sehen kann. Und nur weil wir das Jahre lang konsumiert haben und weil dadurch Auflagen steigen, bringen die auch so etwas. Und wir schauen es uns dann erneut an. :)

    Also wenn es diesen Markt offensichtlich gibt, warum dann nicht auch damit werben? Also damit werben, dass man im STERN alles erfährt, was man wissen will … alles zu Freud und Leid. Es ist heuschlerisch, das selber zu konsumieren, aber sobald es jemand ausspricht, den Zeigefinger zu heben.

  25. @Wolle @Achim
    “Das ist der große Unterschied zwischen z.B. Benetton und dem Stern. Benetton schuf Aufmerksamkeit für das Elend in der Welt. Der Stern nutzt das Elend in der Welt, um Aufmerksamkeit für sich zu generieren.”

    Wo ist denn da bitte der Unterschied? Benetton hat das doch auch nur gemacht, um Aufmerksamkeit zu generieren. Wenns wirklich um die Sache gegangen wäre, hätte man das überall auf den Anzeigen zu findende Logo des Unternehmens weglassen können. Der Stern ist da halt nur “ehrlicher”, weil die zusätzlichen “Bildbeschriftungen” den Werbecharekter deutlich erkennbar machen. Abgesehen davon hätte es für Benetton im “eigenen Haus” genug zu tun gegeben, wenn denn hinter der Kampagne eine echte – ich nenns mal “soziale” – Absicht dahinter gestanden hätte. Die Produktion unserer (nicht nur Benetton-)Kleidung hat man damals nämlich nicht großformatig abgedruckt.

  26. @ Stefan: Deine Unterstellung in Richtung Benetton ist zum größten Teil falsch. Vielmehr hat die Benetton Group sich hier – wie es in der Mode en vogue ist – als Mäzen des Künstlers Oliviero Toscani präsentiert. Benetton hat ihm (der sowohl vor wie auch nach dieser Zusammenarbeit sehr umstrittene Fotokunst machte und macht) eine riesige Plattform zur freien (!!!) Verfügung geboten und sich selbst an seiner Statt in den Schützengraben geworfen, schließlich wurden Benetton diese Motive vorgehalten, nicht aber dem Künstler.

    Da der Künstler tun und lassen durfte, was er wollte, wurde im Rahmen der Kampagne auch Kinderarbeit in der Modewelt angeprangert. Dass später der Chef von Benetton, Luciano Bentton, sich von dem Künstler öffentlich distanzierte, beweist um ein weiteres Mal, dass die Kampagne nicht in erster Linie als Werbung für das Modelabel konzipiert war. Dass das Logo auf den Anzeigen zu finden war, macht Deine Unterstellung allerdings nicht ganz falsch – schließlich dürfte die Bekanntheit von Benetton (im Gegensatz zum Image) nicht gelitten haben.

    Dass der Stern ehrlicher ist, ist insofern richtig, als dass er sich hier tatsächlich als Katastrophe und Glamour verbindendes Medium präsentiert: Schöne große Fotos von weggeschwemmten Menschen neben dem Ausschnitt von Veronica Ferres. Ob das so gut ist, ist dem subjektiven Geschmacksempfinden eines jeden selbst überlassen. Mein Ding ist es ganz und gar nicht. Ich kauf mir lieber nen Pulli von Benetton. :-)

  27. @Wolle: Na, da wollen wir aber nicht vergessen das der Großteil des Aufruhrs um die Benetton Kampagne nicht in den Motiven selbst sondern eher in der Nutzung der Motive als Werbung für eine Pullover-Firma begründet lag. Insofern hatte und hat diese Kampagne immer noch einen leicht anrüchigen Touch. Nichtsdestotrotz finde ich sie großartig: Durch die Radikalität der Botschaft und die Qualität der Motive war die Benetton Kampagne damals in meinen Augen ein Grenzgänger zwischen schnöder Reklame und Kunst – Kunst weil damit so viele Standards und Tabus gebrochen wurden, und somit überall in der Welt Menschen zum Nachdenken angeregt wurden, zuerst über Werbung, über die Marke Bennetton und über die abgebildeten Themen.
    Das alles war damals völlig neu und auch sehr mutig – und weil es Benetton gewagt hat, und weil der erwartbare Skandal nicht ausblieb ist es in meinen Augen für Werber unmöglich danach einen ähnlichen Weg zu gehen. Mit schockierender Realität Werbung zu machen hat eben nur einmal funktioniert – alles was danach kommt ist schnöder Abklatsch, und im Falle der Stern Werbung, inhaltlich geschmacklos (->Voyerismus der Journaille) und technisch schlecht noch dazu.

  28. @ Jürgen: Ich will wirklich nicht auf der Benetton-Sache rumreiten und Benetton auch nicht verteidigen, dazu ist mir das Label einfach viel zu egal, aber dennoch habe ich große Hochachtung vor den Verdiensten der Benetton-Group in Sachen Förderung (junger) Talente. In meinem Schrank steht ein gutes Dutzend hervorragender Fotobände, die Benetton im Laufe der Jahre kostenlos herausgebracht hat. Allesamt nur auf der Rückseite gelabelt. Fantastische Fotografien junger Künstler, denen Benetton im Laufe der Jahre eine Plattform geboten hat. Dass die AIDS- und Schusslöcher-Motive von Toscani als einzige in den Fokus der Aufmerksamkeit gerieten – nun ja, die Motive ecken tatsächlich an. In Asien aber zum Beispiel war die Kampagne “Kokeshi Puppen” von Benetton nicht minder erfolgreich, wobei hier mit der wohlstandsverwahrlosten Jugend Tokios gespielt wurde.

    Benetton auf die Toscani-Sachen zu reduzieren wäre ergo falsch – die Gruppe hat sich seit ihrem Bestehen sehr verdient um zeitgenössische Kunst und vor allem Fotografie gemacht.

    Dass man mit Werbung keine Skandale mehr erzeugen kann liegt wohl in der Tatsache, dass die Menschen immer ab- und weniger aufgeklärter werden. Woran der Stern seinen Anteil trägt. Wo sich dann der Kreis wieder schließt! :-)

  29. Selbstverständlich darf Werbung mit Tabus spielen und auch gerne Kontroversen schaffen, aber bitte intelligent. Ich denke der Stern verhöhnt hier keine Opfer hat aber mit dieser Anzeige alles andere als intelligente Kommunikation geschaffen. Ja, Photoshop ist in der Tat eine tolle Spielerei. Wenn ihr jetzt noch euch kreatives Gehirn benutzt kommt evtl. auch was kluges dabei rum und kein an den Haaren herbeigezogenes Wortspiel. Sicherlich sitzt jetzt irgendwo ein Artdirektor und holt sich auch diese, ach so originelle Idee, einen runter. Das ist dann wirklich arm.

  30. Bin gerade auf diese zusammenhanglose Geschmacklosigkeit gestoßen:
    http://www.hoffmeister.de

    Aufhänger ist der Sierkampf (schön blutig) für eine Licht-/ Leuchtenmesse in Madrid?!
    Für den 1. Augenblick dachte ich der Leuchtenhersteller engagiere sich für den Tierschutz.
    Hoffmeister nennt sich “Sponsor” und meint damit eingentlich Aussteller.
    Alles sehr irreführend und daher auch geschmacklos.

  31. Zum Spiegel-Desaster muss ich dem allgemeinen Tenor beistimmen. Und jetzt mal ehrlich: ist es mit Absicht so schlecht strukturiert? Um damit NOCH mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen?

    zu @Lumi Ich interpretiere den “Werbebanner” anders. Der Claim: “Stop useless killing” ist eigentlich eindeutig. Wiederum muss ich dir recht geben, dass es mit dem Sponsorship dann wiederum nicht aufgeht…

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