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Stern wirbt mit Tsunami-Collage

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Stern Anzeige Tsunami

Was will einem die in der VIEW geschaltete Doppelseite für den „Stern“ mitteilen? Der Tsunami, der im März dieses Jahres Japan überflutete, war menschengemacht? Sportlicher Ehrgeiz resultiert stets in einer Katastrophe? Wie es scheint, hat man beim Erstellen dieser Collage die Grenzen des guten Geschmacks ein wenig aus den Augen verloren. Idee und Anzeige sind arg konstruiert. Die Bildaussage ergibt keinen Sinn. Nur weil sich alles in Photoshop wunderbar zusammenschieben lässt, sollte man dies nicht immer tun.

50 Kommentare

  1. “Das Stern-Motiv samt Text hingegen, drückt den Katastrophen-Voyeurismus aus, den die gesamte Nachrichtenbranche umtreibt und dem auch fraglos weite Teile der Bevölkerung verfallen ist.”

    Das ist vollkommen richtig. Aber genau DAS ist auch der STERN. Und genau das sind die anderen ach so seriösen Nachrichtenmagazine/-sendungen ebenso. Da wurde mit dieser Anzeige aber nicht die Grenze überschritten, denn diese Anzeige stellt einfach nur zwei Sachen gegenüber.

    Klar macht sie das sehr plump.

    Aber jede Nachrichtensendung möchte die ‘besten’ Bilder einer Katastrophe. Jedes Magazin möchte die ‘besten’ Bilder. Jeder möchte sie als erstes haben. Klar ist das Katastrophen-Voyeurismus. Aber warum gibt es diesen denn bei den besagten Verlagen/TV-Sendern? Weil genau WIR das so wollen.

    Die meisten Menschen wollen doch genau das sehen. Große Bilder, nah dran am Geschehen … und nochmal … und nochmal. Immer wieder anschauen das Unglück … bis man es dann nicht mehr sehen kann. Und nur weil wir das Jahre lang konsumiert haben und weil dadurch Auflagen steigen, bringen die auch so etwas. Und wir schauen es uns dann erneut an. :)

    Also wenn es diesen Markt offensichtlich gibt, warum dann nicht auch damit werben? Also damit werben, dass man im STERN alles erfährt, was man wissen will … alles zu Freud und Leid. Es ist heuschlerisch, das selber zu konsumieren, aber sobald es jemand ausspricht, den Zeigefinger zu heben.

  2. @Wolle @Achim
    “Das ist der große Unterschied zwischen z.B. Benetton und dem Stern. Benetton schuf Aufmerksamkeit für das Elend in der Welt. Der Stern nutzt das Elend in der Welt, um Aufmerksamkeit für sich zu generieren.”

    Wo ist denn da bitte der Unterschied? Benetton hat das doch auch nur gemacht, um Aufmerksamkeit zu generieren. Wenns wirklich um die Sache gegangen wäre, hätte man das überall auf den Anzeigen zu findende Logo des Unternehmens weglassen können. Der Stern ist da halt nur “ehrlicher”, weil die zusätzlichen “Bildbeschriftungen” den Werbecharekter deutlich erkennbar machen. Abgesehen davon hätte es für Benetton im “eigenen Haus” genug zu tun gegeben, wenn denn hinter der Kampagne eine echte – ich nenns mal “soziale” – Absicht dahinter gestanden hätte. Die Produktion unserer (nicht nur Benetton-)Kleidung hat man damals nämlich nicht großformatig abgedruckt.

  3. @ Stefan: Deine Unterstellung in Richtung Benetton ist zum größten Teil falsch. Vielmehr hat die Benetton Group sich hier – wie es in der Mode en vogue ist – als Mäzen des Künstlers Oliviero Toscani präsentiert. Benetton hat ihm (der sowohl vor wie auch nach dieser Zusammenarbeit sehr umstrittene Fotokunst machte und macht) eine riesige Plattform zur freien (!!!) Verfügung geboten und sich selbst an seiner Statt in den Schützengraben geworfen, schließlich wurden Benetton diese Motive vorgehalten, nicht aber dem Künstler.

    Da der Künstler tun und lassen durfte, was er wollte, wurde im Rahmen der Kampagne auch Kinderarbeit in der Modewelt angeprangert. Dass später der Chef von Benetton, Luciano Bentton, sich von dem Künstler öffentlich distanzierte, beweist um ein weiteres Mal, dass die Kampagne nicht in erster Linie als Werbung für das Modelabel konzipiert war. Dass das Logo auf den Anzeigen zu finden war, macht Deine Unterstellung allerdings nicht ganz falsch – schließlich dürfte die Bekanntheit von Benetton (im Gegensatz zum Image) nicht gelitten haben.

    Dass der Stern ehrlicher ist, ist insofern richtig, als dass er sich hier tatsächlich als Katastrophe und Glamour verbindendes Medium präsentiert: Schöne große Fotos von weggeschwemmten Menschen neben dem Ausschnitt von Veronica Ferres. Ob das so gut ist, ist dem subjektiven Geschmacksempfinden eines jeden selbst überlassen. Mein Ding ist es ganz und gar nicht. Ich kauf mir lieber nen Pulli von Benetton. :-)

  4. @Wolle: Na, da wollen wir aber nicht vergessen das der Großteil des Aufruhrs um die Benetton Kampagne nicht in den Motiven selbst sondern eher in der Nutzung der Motive als Werbung für eine Pullover-Firma begründet lag. Insofern hatte und hat diese Kampagne immer noch einen leicht anrüchigen Touch. Nichtsdestotrotz finde ich sie großartig: Durch die Radikalität der Botschaft und die Qualität der Motive war die Benetton Kampagne damals in meinen Augen ein Grenzgänger zwischen schnöder Reklame und Kunst – Kunst weil damit so viele Standards und Tabus gebrochen wurden, und somit überall in der Welt Menschen zum Nachdenken angeregt wurden, zuerst über Werbung, über die Marke Bennetton und über die abgebildeten Themen.
    Das alles war damals völlig neu und auch sehr mutig – und weil es Benetton gewagt hat, und weil der erwartbare Skandal nicht ausblieb ist es in meinen Augen für Werber unmöglich danach einen ähnlichen Weg zu gehen. Mit schockierender Realität Werbung zu machen hat eben nur einmal funktioniert – alles was danach kommt ist schnöder Abklatsch, und im Falle der Stern Werbung, inhaltlich geschmacklos (->Voyerismus der Journaille) und technisch schlecht noch dazu.

  5. @ Jürgen: Ich will wirklich nicht auf der Benetton-Sache rumreiten und Benetton auch nicht verteidigen, dazu ist mir das Label einfach viel zu egal, aber dennoch habe ich große Hochachtung vor den Verdiensten der Benetton-Group in Sachen Förderung (junger) Talente. In meinem Schrank steht ein gutes Dutzend hervorragender Fotobände, die Benetton im Laufe der Jahre kostenlos herausgebracht hat. Allesamt nur auf der Rückseite gelabelt. Fantastische Fotografien junger Künstler, denen Benetton im Laufe der Jahre eine Plattform geboten hat. Dass die AIDS- und Schusslöcher-Motive von Toscani als einzige in den Fokus der Aufmerksamkeit gerieten – nun ja, die Motive ecken tatsächlich an. In Asien aber zum Beispiel war die Kampagne “Kokeshi Puppen” von Benetton nicht minder erfolgreich, wobei hier mit der wohlstandsverwahrlosten Jugend Tokios gespielt wurde.

    Benetton auf die Toscani-Sachen zu reduzieren wäre ergo falsch – die Gruppe hat sich seit ihrem Bestehen sehr verdient um zeitgenössische Kunst und vor allem Fotografie gemacht.

    Dass man mit Werbung keine Skandale mehr erzeugen kann liegt wohl in der Tatsache, dass die Menschen immer ab- und weniger aufgeklärter werden. Woran der Stern seinen Anteil trägt. Wo sich dann der Kreis wieder schließt! :-)

  6. Selbstverständlich darf Werbung mit Tabus spielen und auch gerne Kontroversen schaffen, aber bitte intelligent. Ich denke der Stern verhöhnt hier keine Opfer hat aber mit dieser Anzeige alles andere als intelligente Kommunikation geschaffen. Ja, Photoshop ist in der Tat eine tolle Spielerei. Wenn ihr jetzt noch euch kreatives Gehirn benutzt kommt evtl. auch was kluges dabei rum und kein an den Haaren herbeigezogenes Wortspiel. Sicherlich sitzt jetzt irgendwo ein Artdirektor und holt sich auch diese, ach so originelle Idee, einen runter. Das ist dann wirklich arm.

  7. Bin gerade auf diese zusammenhanglose Geschmacklosigkeit gestoßen:
    http://www.hoffmeister.de

    Aufhänger ist der Sierkampf (schön blutig) für eine Licht-/ Leuchtenmesse in Madrid?!
    Für den 1. Augenblick dachte ich der Leuchtenhersteller engagiere sich für den Tierschutz.
    Hoffmeister nennt sich “Sponsor” und meint damit eingentlich Aussteller.
    Alles sehr irreführend und daher auch geschmacklos.

  8. Zum Spiegel-Desaster muss ich dem allgemeinen Tenor beistimmen. Und jetzt mal ehrlich: ist es mit Absicht so schlecht strukturiert? Um damit NOCH mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen?

    zu @Lumi Ich interpretiere den “Werbebanner” anders. Der Claim: “Stop useless killing” ist eigentlich eindeutig. Wiederum muss ich dir recht geben, dass es mit dem Sponsorship dann wiederum nicht aufgeht…

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