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Stadtportale: Die schönste Stadt Deutschlands – Teil 3

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12. Leipzig

Leipzig.de | Und schon folgt das zweite Portal einer sächsischen Großstadt. Im Vergleich zu Dresden ist die Orientierung auf Leipzig.de einfacher, da mit „Bürger“, „Wirtschaft“ und „Tourismus“ lediglich drei Hauptbereiche definiert sind. Das erleichtert natürlich den Einstieg.

In der folgenden Besprechung wird sich zeigen, dass das größte Aufholpotenzial im Bereich der Programmierung zu finden ist, denn von der Gestaltung und Nutzerführung her, und auch in Bezug auf das Informationsangebot, zeigt Leipzig.de durchaus viel Positives.

Stadtportal Leipzig / Leipzig.de

Design / 18 Punkte

Eine typische Schwäche bei Stadtportalen ist die zu lang geratene rechte Spalte, so auch hier. Das sieht nicht schön aus. Etwas weniger Redundanz und mehr kontextuellem Bezug zum Inhalt wäre hilfreich. Das Template-Konstrukt ist variabel und erlaubt bis zu 5 Spalten. Anders als im Auftritt der örtlichen Marketing-Gesellschaft, sorgt der weiße Hintergrund dafür, dass jegliche Textinformation gut erfasst werden kann. Graue Linien (vertikal und horizontal) strukturieren den Inhalt. Etwas langweilig ist das „Einheitsmotiv“ im Header. Insgesamt eine eher zweckdienliche Gestaltung, die noch verbessert werden könnte, sofern die weniger gut gelösten Dinge in Bezug auf die Nutzerführung korrigiert würden.

Nutzerführung / 15 Punkte

Der ausgewählte Bereich, zum Beispiel „Bürger“ wird in der Navigationsleiste vergleichsweise schwach hervorgehoben. Die Darstellung in der kaskadierenden linken Menüleiste ist da schon besser. Der Brotkrumenpfad verschafft letztlich Gewissheit über die Position im Auftritt. Rollover fehlen leider an den meisten Stellen und auch die Darstellung der Links lässt zu Wünschen übrig. Da die Linkfarbe einheitlich schwarz ist, erkennt man nicht sofort, ob es sich um ein sensitives Element oder um einen reinen Text handelt. Unschön ist zudem, dass man den externen Links nicht ansieht, dass es sich um solche handelt. Seiten, auf denen sowohl externe wie auch interne Verweise gelistet werden, führen zu Problemen. Der Besucher weiß nie, was nach einem Klick passiert. Unterschiedlich gestaltete Grafiken, die den jeweiligen Textlinks vorgestellt sind, würden dies verbessern.

Programmierung / 8 Punkte (HTML 5, CSS 1, SEO 1)

Von Heiko Stiegert | Auf den ersten Blick des Leipziger Städteportals könnte man meinen, nicht schlecht gemacht. Leider revidiert man diesen ersten Eindruck sofort beim Blick auf den Quellcode. Auch diese Website erhält seine Layout-Struktur auf Basis mehrerer ineinander verschachtelter Tabellen, welche obendrein noch mittels transparenter Spacer-Gifs in ein Korsett gezwungen werden. Die Website hat noch einige weitere negative Überraschungen parat. So hat man bei der Umsetzung des Layouts eine Breite von 1008 Pixeln gewählt, was dazu führt, dass bei einem Viewport mit einer 1024er-Auflösung, ein horizontaler Scrollbalken erscheint. Auch die Verwendung von über einem Dutzend Überschriften der obersten Kategorie wirft Fragen auf. Da es inhaltlich wie strukturell nur eine Überschrift mit der höchsten Wertigkeit geben sollte, gehört dieser Aspekt ebenso überarbeitet, wie die Webseitentitel. Denn auch in diesem Stadtportal werden Inhalte wie „Bürgerämter“ über dem Browsertitel abgebildet. Besser wäre es, die betreffende Stadt dem Inhalt voran zustellen („Leipzig – Bürgerämter“). Das macht es nicht nur für den Betrachter sondern auch für Suchmaschinen “verständlicher”. Ungeschickt ist zudem die Tatsache, dass großformatige Fotos einfach verkleinert als Vorschau abgebildet werden. Die KB-Größe erreicht so oftmals und unnötigerweise über 1 MB.

Information / 15 Punkte

Das Amtsblatt der Stadt Leipzig, das 14-täglich erscheint (auch als Online-Ausgabe), informiert den Besucher umfassend über die Ereignisse in der Stadt. Im Portal selbst finden sich Meldungen vorwiegend in Textform; Schwerpunkt sind Themen aus der Wirtschaft. Die Unterkunftsuche ist etwas in die Jahre gekommen. Weder die Optik noch der Umstand, dass jede Information in einem neuen Fenster geöffnet wird, verbreiten Lust auf einen Besuch. Ein eigener Veranstaltungskalender fehlt. Interessierte besuchen zu diesem Zweck das Angebot der Leipzig Marketing GmbH. Infos über die Attraktionen der Stadt sind zwar auf den eigenen Seiten vorhanden, reichen jedoch ebenfalls nicht über die „Pflicht“ hinaus. In Sachen eGovernment ist Leipzig.de noch in den Kinderstuben. Zwar lässt sich im Ratsinformationsdienst jede Sitzung verfolgen, aber eine Übersicht aller Online-Dienste sucht man als Bürger vergeblich. Übrigens erfährt man beim Blick in den Ratsinformationsdienst auch, dass ein Antrag gestellt wurde, die „Überprüfung der Barrierefreiheit“ des Stadtportals zu beauftragen. Anlass hierfür sind, wie es heißt, die Proteste rund um den LVB-Auftritt. Man bleibt in Leipzig also am Ball. PDF-Formulare gibt es reichlich, aber man sollte vielleicht nicht nur auf die Barrierefreiheit schauen, sondern auch auf den Ausbau des digitalen Angebotes setzen.

Gesamtpunktzahl 56

11. Hannover

Hannover.de | eGovernment schreibt man in Hannover groß. Im städtischen Portal nehmen die Online-Bürgerdienste einen großen Bereich ein. In Sachen Branding verpasst Hannover.de jedoch den Anschluss.

Hannover.de ist das Portal ohne Kopf. Der Header-Bereich, insbesondere die Frage nach dem Absender, ist unausgegoren. Domain und Stadt- bzw. Regionslogo sind allesamt deplaziert. Auch die Darstellung und Positionierung der meist winzigen Bilder wirkt wenig zeitgemäß. Nicht das umfangreiche Informationsangebot ist die Achillesferse von Hannover.de, sondern die Art und Weise der Aufbereitung.

Stadtportal Hannover / Hannover.de

Design / 13 Punkte

Hellgraue, abgerundete Balken bestimmen die Optik, die etwas trist wirkt. Der Einsatz von blassen Pastelltönen verstärkt eher diesen Eindruck. Größere Schnitzer finden sich im Auftritt zwar nicht, dafür findet das Auge aber auch nichts, das einen als Besucher begeistert. Sachlich, ordentlich, aber auch etwas dröge ist das Design. Der Aufbau ist variabel und erlaubt auch den Verzicht auf eine rechte Spalte. Schriftgrößen sind gut gewählt. Die vertikale Meta-Navigationsleiste dürfte ruhig etwas dezenter sein, denn sie erweckt den Eindruck, als befände sich hier die Hauptnavigation. Die meisten Punktabzüge aber gibt es für den einfallslosen Header und für die unstimmige Kennzeichnung im Bereich der linken Navigation, die im folgenden besprochen wird.

Nutzerführung / 13 Punkt

Der links angeschlagenen Navigationsleiste lässt sich leider nicht ablesen, wo man sich im Auftritt befindet. Die Hinterlegung aller Menüpunkte macht die Standortbestimmung zum Suchspiel (siehe Screenshot). Da auch der Brotkrumenpfad unvollständig abgebildet wird, fällt es schwer, sich zurechtzufinden. Überschriften und Teaser-Bilder sind grundsätzlich verlinkt. Das ist gut. Ein rotes und ein blaues Quadrat kennzeichnen jeweils Inhalte, die spezifisch Hannover oder Region-Hannover sind. Das scheint eine typisch politisch getriebene Geschichte zu sein. Es sollte selbstverständlich sein, dass eine Großstadt auch Informationen zum Umland und der Region auf seinem Webportal bereit hält. Die Unterscheidung, vor allem deren Darstellung, ist nicht selbsterklärend. Was nicht sein darf, ist die Verlinkung externer Angebot mit dem Begriff „mehr“. „Mehr“ ist als Begriff funktional mit der Anzeige einer Unterseite verknüpft. Externe Verweise sollten wünschenswerterweise anders bezeichnet oder gekennzeichnet werden.

Programmierung / 7 Punkte (HTML 5, CSS 1, SEO 1)

Von Heiko Stiegert | Das Stadtportal der Landeshauptstadt Niedersachsens ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die (Weiter-)Entwicklung von Webstandards noch längst nicht überall angekommen ist, denn sie enthält eine Unmenge fachlicher Fehler. Erstes sichtbares Manko ist der horizontale Scrollbalken, welcher bei einer 1024er-Auflösung auf der im rechten Bereich der Webseite befindlichen Werbung basiert. Beim Blick in den Quellcode wird man zudem von Layout-Tabellen und Inline-Styles begrüßt, die dazu führen, dass dieses Portal für mögliche Layout-Veränderungen durch ein Facelifting vollkommen ungeeignet ist. Bei einer strikten Trennung von Content(struktur) und Layout, wäre ein solches Vorhaben wesentlich weniger zeit- und kostenaufwändig. Alles in allem ist bei der Strukturierung der Inhalte der Aspekt der Semantik mehr als stiefmütterlich behandelt worden. Die fehlerhafte Verwendung von HTML-Elementen gipfelt darin, dass bspw. die Startseite über nahezu ein Dutzend Überschriften der ersten und somit obersten Kategorie, aber über keine der zweiten, dritten oder vierten Kategorie verfügt. Ein für Menschen mit körperlichen Einschränkungen wichtiger Aspekt ist neben der korrekten Strukturierung von Inhalten ebenso die alternative Beschreibung von Bildinhalten. Ein Vorgehen, welches auf Hannover.de leider nur in Teilen Anwendung findet.

Information / 21 Punkte

In Bezug auf regionale Veranstaltungen ist Hannover.de wohl die erste Anlaufstelle. Auch die Meldungen rund um Stadt und Region sind tagesaktuell und umfangreich. Je Hauptnavigationspunkt werden jeweils bis zu 10 Meldungen und Termine zu Veranstaltungen ausgegeben. Die Hotelbuchungsplattform ist eleganter als ihr Name. Touristische Highlights der Stadt werden im Rahmen des Üblichen vorgestellt. Dazu zählt leider auch, dass immer noch mit Bildmaterial vergleichsweise sparsam umgegangen wird. Gerade auf Tourismus-Unterseiten würden sich Bildergalerien doch sehr gut machen. Zu den zahlreichen Themenportalen (links unten aufgelistet) zählt unter anderem auch das eGovernment-Angebot, in dem sich schon viele Anträge online erledigen lassen. Wers mag, stöbert im Ratssitzungsmanagement oder findet im Bürgerberatungssystem Antworten zu unzähligen Themen. In einem 7-minütigen „Hannover-Trailer“ werden die „Trümpfe des Wirtschaftsstandortes Hannover“ aufgezeigt. Immerhin einer der wenigen städtischen Imagefilme in diesem Vergleich.

Gesamtpunktzahl 54

Zwischenfazit

Dresden.de erweist sich als bestbewertetes Portal in diesem Fünfer-Vergleich. Aber nicht nur in Sachsen, vor allem auch in Franken schlummert noch viel Potenzial in den städtischen Webpräsenzen. Eine ansprechende Gestaltung ist kein Garant für intuitives und einfaches Navigieren, das veranschaulichen die in diesem Artikel aufgeführten Stadtportale recht gut. Design ist mehr als das Aussehen einer Oberfläche. Ganz konkrete Anforderungen sind damit verbunden. Es muss nicht nur die Marke transportieren, sondern auch dafür sorgen, dass Informationen leicht zugänglich sind. Die Komplexität der Portale stellt mit ihrer Site-Struktur die Verantwortlichen immer wieder auf neue Herausforderungen. Nicht immer werden sie gemeistert.

Punkte

Stadtportal Design Nutzerführung Programmierung Information Gesamt
Gelsenkirchen 08 12 08 12 40
Augsburg 13 11 10 08 42
Münster 11 12 18 08 49
Wiesbaden 25 24 22 23 94
Karlsruhe 02 04 08 13 27
Mannheim 25 23 19 22 89
Bonn 19 23 17 24 83
Bielefeld 13 12 14 17 56
Wuppertal 22 20 15 22 79
Bochum 05 03 08 09 25
Duisburg 17 18 18 13 66
Nürnberg 16 12 08 08 44
Dresden 18 14 21 19 72
Leipzig 18 15 08 15 56
Hannover 13 13 07 21 54

In wenigen Tagen folgt Teil 4. Dann werden die Webauftritte der Städte Bremen, Essen, Düsseldorf, Dortmund und Stuttgart unter die Lupe genommen.

Update 29.10.2010:

27 Kommentare

  1. Ist doch völlig klar. Seit mehr als 12 Jahren (Stichwort EXPO) wurde hier kaum etwas verändert. Die teure Investition in ein Content-Management-System musste sich natürlich rentieren. Die Lernkurve verlief leider sehr flach. Redaktionelle Inhalte werden nach Gutdünken hin und her verschoben. Google-Suchanfragen produzieren in der Regel einen 404 Error. Die interne Suchfunktion ist (wie von Achim angemerkt) kaum brauchbar. Wer hier mehr als eine einfache Linkliste erwartet, wird enttäuscht. eGovernment? HannoverMap? Touristische Highlights? OK! Barrierefreiheit? Interaktivität? Fehlanzeige!

  2. Zu den Vorzügen der “kopflosen” Internetpräsenz von Hannover zählt übrigens auch die – hier nicht untersuchte – Mehrsprachigkeit. Darunter natürlich auch die neuen Landessprachen aus Süd- und Osteuropa. Schönen Gruß nach Köln und Berlin ;)

    Im Werbetext des Herstellers ließt es sich dann so.

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