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Stadtportale: Die schönste Stadt Deutschlands – Teil 3

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Stadtportale - Serie - Teil 3

Dritter Teil der Serie „Stadtportale: Die schönste Stadt Deutschlands“. Die Webauftritte der 25 größten Städte Deutschlands werden in den Kategorien Design, Nutzerführung, Programmierung und Information gesichtet und bewertet. Weitere Informationen zu den Kriterien finden sich hier.

15. Duisburg

Duisburg.de | Duisburg.de fällt als erste Stadt im Rahmen dieser Serie mit einem umfangreichen Videomaterial auf. Visit Duisburg ist zwar ausgelagert, aber zumindest wird deutlich, dass man bemüht ist, dem Internet gerecht werdenden Inhalt anzubieten.

Im Vergleich zu der Video-Microsite ist das Stadtportal vergleichsweise konventionell. Der erste Eindruck ist positiv. Man findet sich als Besucher schnell zurecht und kann, sofern Interesse vorhanden, sich auch noch mit den zahlreichen Social-Media-Kanälen der Stadt beschäftigen.

Stadtportal Duisburg / Duisburg.de

Design / 17 Punkte

Auch, wenn die Gestaltung nicht wirklich ein Graue-Maus-Image abschütteln kann, darf man das grundsätzliche Erscheinungsbild sehr wohl als modern bezeichnen. Das schlüssige Spaltenkonzept findet visuell eine gelungene Entsprechung. Informationseinheiten werden jeweils als Box zusammengefasst, die dank Schattenwurf einen leicht erhabenen Eindruck erzeugen. Farbwelten – pro Hauptnavigationspunkt eine – sind auf Unterseiten nur dezent herausgebildet. Der blaue Balken im Header (Meta-Navi) wirkt unfertig. Sicherlich nicht die eleganteste Variante, die Corporate-Farbe der Stadt unterzubringen.

Nutzerführung / 18 Punkte

Blau ist die Standard-Linkfarbe, ebenso die Standardfarbe für Überschriften. Im Sinne der Nutzerführung ist es sinnvoll, wenn sensitive und nicht sensitive Elemente sich optisch unterscheiden. Schwarze Überschriften wären besser. Was fehlt, ist die Kennzeichnung des angewählten Begriffs in der Hauptnavigation. Auch ein Rollover für die dritte und vierte Ebene fehlt. Mit Hilfe der Pfeilsymbole erkennt der Nutzer, ob etwa eine externe Website aufgerufen oder eine Bildergalerie geöffnet wird, beide in einem neuen Fenster. Auf Duisburg.de hat man Vieles richtig gemacht. Mit etwas Feinschliff ließe sich die Usability weiter verbessern.

Programmierung / 18 Punkte (HTML 12, CSS 3, SEO 3)

Von Heiko Stiegert | Duisburg besitzt ein Städteportal, welches eine schon fast vorbildliche Strukturierung der Webseiteninhalte besitzt. Wer beispielsweise die Styles dieser Webseite deaktiviert, wird unabhängig von der Darstellung immer noch gut strukturierte Inhalte vorfinden. Allerdings gäbe es nicht nur bei der fast 1MB großen Startseite durchaus etwas Verbesserungsbedarf, etwa beim Bildmaterial. So könnten von den über 650KB, die auf der Startseite von Duisburg.de für Bild-Dateien anfallen, über 50% (!) und somit 1/3 der gesamten Webseite durch Komprimierung, ohne spürbare Verluste der Bildqualität, eingespart werden. Ein Aspekt, der in Bezug auf die Ladegeschwindigkeit der Webseite dieser Stadt gut überlegt sein sollte.

Information / 13 Punkte

Das Auffälligste in dieser Kategorie: Duisburg ist stark in den sozialen Medien vernetzt und zwitschert auch aus dem Rathaus. 14% aller deutschen Internetnutzer sind auf Facebook und Konsorten aktiv (Quelle: meedia.de), warum also nicht auch die Besucher von Stadtportalen. Duisburg.de ist damit innerhalb des Stadtportal-Vergleichs noch auf weiter Flur. Der umfangreiche Video-Bereich wurde bereits angesprochen. Einziger Haken an den Webaktivitäten der Stadt ist die Dezentralisierung der Daten. Duisburger Bilder finden sich bei Flickr, Broschüren und der Veranstaltungskalender auf Duisburg nonstop und auch 360-Grad-Panoramen liegen extern. Ein bisschen mehr eigener Inhalt wäre schön. Auch die „News“ sind nicht immer aktuell, schon gar nicht tagesaktuell. So muss man auf das Angebot etwa von Der Westen zurückgreifen, damit man über die Geschehnisse in Duisburg informiert ist.

Gesamtpunktzahl 66

14. Nürnberg

Nuernberg.de | Im Frankenländle rühmt man sich von jeher mit einer eigenen, betont nicht-bayerischen Identität. Tatsächlich ist das Stadtportal eigen. Je länger man sich im Auftritt bewegt, desto deutlicher wird: eine eigene und vor allem konsistente Identität ist im Web nicht auszumachen.

Wie schon im Fall Muenster.de findet sich unter der Hauptdomain Nuernberg.de eher eine kommentierte Link-Sammlung denn das zentrale Informationsangebot der Stadt.

Stadtportal Nürnberg / Nuernberg.de

Design / 16 Punkte

Ein einheitliches Erscheinungsbild von Nürnberg gibt es nicht. Broschüren des hiesigen Verkehrsvereins, bei dem die Positionierung im Bereich Tourismus angesiedelt ist, sprechen eine grundsätzlich andere Sprache als das Stadtportal. Auch ein einheitliches Design der Webangebote gibt es nicht. Der Bereich eGovernment tritt geradezu antiquiert auf. Eine Lösung, bei der konsequent EIN Design genutzt wird, nämlich das der Startseite, würde das Angebot deutlich aufwerten. Zwar ist die Header-Gestaltung reichlich naiv und die farbigen Balken insgesamt wuchtig, aber auf dieser Gestaltungslinie ließe sich aufbauen. Gerade, wenn Site-Strukturen und Webangebote wachsen, ist es wichtig, dass sie unter einem Dach und einer visuellen Linie gebündelt werden. Wenn auch die Technik hier gerne Grenzen aufzeigt, zumindest müsste es eine viel stärkere gemeinsame visuelle Klammer geben als es der Internetbesucher auf Nuernberg.de antrifft. Die Gesamtbreite von gerade einmal 800 Pixeln ist mittlerweile für die meisten Internetnutzer ein zu eng gewordenes Korsett.

Nutzerführung / 12 Punkte

Schnell lernt man als Besucher von Nuernberg.de, dass man den Brotkrumenpfad besser gut im Auge behält, denn sonst kann es passieren, dass man die Orientierung verliert. Zwar wird der angewählte Bereich der zweiten Ebene fett hervorgehoben, aber nicht nachzuvollziehen ist, weshalb man bei der Hauptnavigation darauf verzichtet. Besser sieht es bei der Darstellung von Textlinks aus. Dieser ist konsequent rot sowie grau innerhalb der Metanavi und im Brotkrumenpfad. Verschiedene Ikonen zeigen zwar schon vor dem Klick an, welche Funktion ein Link ausführen wird, allerdings sieht man schon anhand der großen Anzahl an Pfeil-Grafiken, dass viele Informationen ausschließlich auf externen Sites zu finden sind.

Programmierung / 8 Punkte (HTML 5, CSS 2, SEO 1)

Von Heiko Stiegert | Der sich vom „steinigen Felsen“ ableitende Name Nürnbergs ist leider auch ein Merkmal, welches sich ohne weiteres auf die Umsetzung des Stadtportals übertragen ließe. Denn der auf einem Tabellen-Layout basierende Quellcode bedingt, dass die komplette Seite erst dann dem Besucher präsentiert werden kann, wenn die letzte Tabellenzelle geladen ist. Ein Aspekt, der bei schnellen Internet-Zugängen vielleicht nicht unbedingt mehr ein KO-Kriterium darstellt, allerdings sorgt diese wenig zukunftsträchtige Vorgehensweise dafür, dass Anwender von assistiven Technologien wie einem Screen-Reader die Inhalte der Tabellenstruktur nacheinander vorgelesen bekommen, was dafür sorgt, dass sie bspw. auf den Unterseiten, den eigentlich Content erst nach dem Überspringen von fünf Navigationen erreichen. Ein rein CSS-basiertes Layout würde für Abhilfe sorgen. Zudem besitzt die Startseite und viele weitere Unterseiten keine Überschrift der obersten Kategorie. Hier fehlt es dem Auftritt an Konsistenz. Ebenso inkonsistent ist die Vorgehensweise bezüglich des title-tags. Um die Webseiten in Sachen SEO in einer gewissen Verbindung zur Stadt Nürnberg sehen zu können, sollte dieser tag dies auch in seinem Webseitentitel berücksichtigen. Angaben wie „Konzert-Highlights“ sind diesbezüglich nicht sonderlich aussagekräftig. Besser wäre es, den Städtenamen dem jeweiligen inhaltlichen Thema der Seite voran zu stellen ( „Nürnberg – Konzert-Highlights“).

Information / 8 Punkte

Die „elektronischen Dienste“ sind als eigenständiger Auftritt unter einer Subdomain ausgelagert. Leider. Es fällt schwer, die städtischen Online-Dienste als solche zu erkennen, denn die Mehrheit der Rechner und Tools werden als externer Link aufgeführt. Der Trend geht allerdings in eine andere Richtung, nämlich hin zu EINEM städtischen Internetangebot. Auch das Stöbern nach aktuellen Meldungen macht wenig Spaß, wenn jeder Link irgendwo anders hinführt. Besuchern, die ständig Fenster bzw. Tabs schließen müssen, vergeht schnell die Lust am Lesen und am Verweilen im Auftritt. Der Veranstaltungskalender ist optisch trist und das ständige Wegklicken des Dialogfeldes, das bei Klick auf „Zurück zur Veranstaltungsübersicht“ erscheint, nervt. Das größte Problem des städtischen Angebotes ist nicht Verfügbarkeit von Informationen, sondern die adäquate Aufbereitung der Infos an EINER Stelle.

Gesamtpunktzahl 44

13. Dresden

Dresden.de | Sachsen trumpft regelmäßig bei Bildungsstudien groß auf. Wie steht es aber im Vergleich mit den 24 anderen Stadtportalen um den Webauftritt der sächsischen Landeshauptstadt?

Der erste Eindruck könnte besser sein. Das Auge tut sich schwer, auf der ziemlich vollen Startseite, in der horizontale und vertikale Achsen gleichermaßen den Aufbau bestimmen, wichtige Komponenten, wie etwa die Hauptnavigation, von wenigen wichtigen Elementen zu unterscheiden.

Stadtportal Dresden / Dresden.de

Design / 18 Punkte

Das Template-Konzept ist schlüssig, ebenso der Grundaufbau, der allerdings knapp 100 Pixel breiter sein dürfte. Farben werden akzentuiert eingesetzt und auch das Bildmaterial macht einen guten Eindruck. Grundsätzlich ist die Gestaltung auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Design ist aber mehr als eine schöne Oberfläche. Design führt den Nutzer und verführt ihn zum Verweilen, und genau an dieser Stelle hat Dresden.de noch Optimierungspotenzial. Mit Hilfe größerer Abstände und Weißräume ließen sich Informationseinheiten stärker bündeln. „Große Ansammlungen von Textlinks“ sind in erster Linie inhaltlich getrieben, denn fällt auf, dass die linke Seite extrem voll ist. Was im Auftritt jedoch fehlt, ist ein Footer, in den man weniger wichtige Links auslagern könnte. Positiver Effekt: Allein die größere Schutzzone um die Hauptnavigation herum würde diese als DIE zentrale Navigation kennzeichnen. Auch der Verzicht auf Link-Pfeile, etwa bei der Meta-Navi im Header, wäre eine Form der Akzentuierung, mit der man das Design und damit den Auftritt noch weiter verbessern könnte.

Nutzerführung / 14 Punkte

Der Startseite fehlt es an Gewichtung. Gerade diese wird jedoch mit steigender Informationsfülle immer wichtiger. Nahezu jeder Link ist gleich groß und beinhaltet einen vorgestellten Pfeil. Lediglich die Bildelemente durchdringen den „Informationsteppich“. Auf den Folgeseiten ändert sich der Absender im Header: Das Stadtlogo wandert in den Footer und links oben wird lediglich die Domain “dresden.de” ausgegeben. Die Verwirrung wird umso größer, als im Bereich Tourismus das Stadtlogo wieder oben erscheint, diesmal aber ohne Wappentier. Auch die Nutzung der Navigationsleiste ist etwas umständlich. Anstatt die subsumierten Begriffe direkt unterhalb der jeweils angewählten Menüzeile auszugeben, erscheinen diese weiter unten, von einer redundanten Überschrift angeführt. Das will als Nutzer erst gelernt werden. Ungewöhnlich ist auch, dass kaum ein verlinktes Element im Auftritt einen Rollover-Zustand aufweist. Beim „suchen“-Button auf der Startseite erscheint nicht einmal ein Hand-Cursor! Beide Funktionen sind allerdings als „Rückkopplung“ ein wichtiger Baustein und sollten nicht fehlen.

Programmierung / 21 Punkte (HTML 13, CSS 4, SEO 4)

Von Heiko Stiegert | Das Stadtportal der Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen ist in Bezug auf die Umsetzung via HTML und die Gestaltung mittels CSS, bis auf kleine Verbesserungsmöglichkeiten, mit das Beste, was deutsche Stadtportale zu bieten haben. Optimierungsbedarf liegt insbesondere bei dem verwendeten Bildmaterial vor, wovon bspw. auf der Startseite durch Komprimierung der Bild-Dateien ein Viertel eingespart werden könnte. Außerdem ließe sich in Bezug auf die HTTP-Requests, neben der Verwendung einer Sprite-Grafik (hier werden bspw. sämtliche Icons in einer Grafik zusammengefasst und via CSS „angesprochen“), auch die Anzahl der verwendeten CSS-Dateien reduzieren.

Information / 19 Punkte

Die Anzahl der Anträge, die man per Formular stellen kann ist überschaubar, aber immerhin kann man neben den Standards (Wunschkennzeichen, Statusabfrage Ausweis, u.a.) den Terminkalender der Standesämter einsehen. Einmalig ist das Formular, mit der man eine Genehmigung für ein Lagerfeuer im Bereich der Elbwiesen beantragen kann. Wer wissen will, was in der Stadt passiert, schaut vermutlich lieber bei der Sächsischen Zeitung vorbei, denn der Schwerpunkt der aktuellen Meldungen liegt eher im Bereich der Verwaltung. In jeder Hauptkategorie werden aktuelle Hinweise zu Veranstaltungen und den Bürgerdiensten eingespielt, die dem Besucher vermitteln, dass sich hier etwas bewegt. Etwas unglücklich ist die Verzahnung des Veranstaltungskalenders unterhalb von „Leben, Arbeiten und Wohnen“. Die Wenigsten werden ihn dort suchen. Die Volltextsuche wiederum führt den Besucher auf eine „zerschossene Seite“, die zudem außerhalb der Site-Struktur liegt, was natürlich nicht sein müsste. Auch der Tourismus-Bereich ist als eigenständiger Auftritt, wenn auch im einheitlichen Design, herausgelöst. Sehr ausführlich werden die Sehenswürdigkeiten in Text und Bild vorgestellt. Videos sucht man jedoch auch hier vergeblich. Die Panorama-Webcam dokumentiert recht anschaulich den Umbau des Neumarktes.

Gesamtpunktzahl 72

27 Kommentare

  1. Ist doch völlig klar. Seit mehr als 12 Jahren (Stichwort EXPO) wurde hier kaum etwas verändert. Die teure Investition in ein Content-Management-System musste sich natürlich rentieren. Die Lernkurve verlief leider sehr flach. Redaktionelle Inhalte werden nach Gutdünken hin und her verschoben. Google-Suchanfragen produzieren in der Regel einen 404 Error. Die interne Suchfunktion ist (wie von Achim angemerkt) kaum brauchbar. Wer hier mehr als eine einfache Linkliste erwartet, wird enttäuscht. eGovernment? HannoverMap? Touristische Highlights? OK! Barrierefreiheit? Interaktivität? Fehlanzeige!

  2. Zu den Vorzügen der “kopflosen” Internetpräsenz von Hannover zählt übrigens auch die – hier nicht untersuchte – Mehrsprachigkeit. Darunter natürlich auch die neuen Landessprachen aus Süd- und Osteuropa. Schönen Gruß nach Köln und Berlin ;)

    Im Werbetext des Herstellers ließt es sich dann so.

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