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Stadt Wuppertal erhält Corporate Design – Schenkung löst in der lokalen Designwirtschaft Kontroverse aus

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In Wuppertal sorgen derzeit zwei Entscheidungen der Stadtverwaltung für Wirbel innerhalb der Designszene. Zu verlockend war das Angebot der Wuppertaler Agentur Illigen Wolf Partner an die Stadtverwaltung, ein komplett neues Corporate Design für die Stadt zu entwickeln, unentgeltlich. Die Schenkung einer solch komplexen Designleistung stößt bei vielen Kreativen in Wuppertal ebenso auf Kritik wie die Vergabe eines Auftrags zur Findung einer Stadtidentität, mit der die Düsseldorfer Agentur Scholz & Friends beauftragt wurde.

Dass einerseits lokale Dienstleister zum Nulltarif arbeiten, ein externes Unternehmen sich jedoch über ein Auftragsbudget in Höhe von 200.000 Euro freuen kann, sehen viele Gestalter mit Sorge und auch mit Argwohn. Mit ihrer Kritik wenden sich rund 50 Designer in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Peter Jung. Im dt kommen beide Seiten zu Wort, die verantwortlichen Designer und auch die Verfasser des offenen Briefes.

Bevor die verantwortliche Agentur zu Wort kommt, folgt zunächst einleitend der Inhalt des offenen Briefs. Auf Basis dieser Grundlage sollte sich jeder einen Überblick über die Vorgänge verschaffen können, um im Anschluss in eine spannende Diskussion einzusteigen.

Offener Brief an OB Peter Jung

(erstmals am 19.06.2013 veröffentlicht)

* * *

Wuppertal, 19. Juni 2013
Sehr geehrter Herr Jung,

wir schreiben Ihnen als Fach- und Führungskräfte der Wuppertaler Designwirtschaft und beobachten mit Sorge die aktuelle Vorgehensweise der Stadt Wuppertal im Bereich Kommunikation und Design.

Die zeitlich und inhaltlich sehr ungeschickt platzierten Meldungen über ein mittelgroßes Budget für die Entwicklung einer Stadtidentität, welches an die Düsseldorfer Agentur Scholz & Friends vergeben wurde und andererseits eines Corporate Designs, welches der Stadt von der Wuppertaler Agentur Illigen Wolf Partner kostenlos zur Verfügung gestellt wird, sorgen für offene Fragen, zumal diese Prozesse nicht nachvollziehbar dargelegt wurden.

Das großzügige und offensichtlich notwendige Geschenk der Agentur Illigen Wolf Partner schließt mit Sicherheit eine wichtige Lücke. Doch auch wenn Sie die Analyse, Konzeption und Gestaltung als Geschenk erhalten haben, zieht die Implementierung aus unserer Erfahrung Folgekosten nach sich. Sei es für die weitere begleitende detaillierte Ausarbeitung, fachliche Unterstützung sowie auch für die Umsetzung.

Als Wuppertaler Kolleginnen und Kollegen der Designwirtschaft möchten wir Sie bitten, transparent darzulegen, wie der Prozess zur Entstehung des Corporate Designs genau abgelaufen ist und ob dieser zukünftig mit weiteren Bedingungen verknüpft ist.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir begrüßen es, dass die Stadt Wuppertal sich um einen professionellen visuellen Auftritt bemüht und wir schätzen die Arbeit unserer Kollegen aus dem Tal. Wir wissen um den wirtschaftlichen Wert dieser Arbeit. Durch den Akt der Schenkung wird jedoch ein falsches Signal gesetzt. Denn somit wird der Wert von Kreativ- und Designleistungen grundsätzlich in Frage gestellt.
Wir würden uns freuen, wenn Sie uns hierzu Antworten geben könnten. 
Zu einem persönlichen Gespräch laden wir Sie gerne ein.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Albrecht, Geschäftsführung bürger albrecht partner GmbH
Leonie Altendorf, Diplom Designerin
Christoph Baum, Mediendesigner
Philipp Blombach, Diplom Designer
Christian Boros, Geschäftsführung Boros GmbH
Dirk Büchsenschütz, Diplom Designer
Patrizia Cacciotti, Diplom Designerin
Jacob Economou, Diplom Designer
Anja Eder, Diplom Designerin picnic grafik-design
Verena Engel, Geschäftsführung Engel und Norden GbR
Rob Fährmann, Geschäftsführung wppt:kommunikation GmbH
Jan Federmann, Geschäftsführung FKK .design gmbh
Sebastian Gimmel, Diplom Designer
Olaf Glasmacher, Diplom Designer
Sebastian Glück, Diplom Designer
Andy Gumpertz, Geschäftsführung zumquadrat – Visuelle Kommunikation GbR
Wolf-Nicolas Henkels, Geschäftsführung Media Nova GmbH
Andrea Hold-Ferneck, Geschäftsführung hold-ferneck kommunikationsdesign
Nicole Hoppe, Fotografin
Swen Hoppe, Geschäftsführung Praxis für visuelle Kommunikation
Hanna Hüttepohl, Diplom Designerin
Sonja Kampczyk, Geschäftsführung FKK .design gmbh
Süleyman Kayaalp, Geschäftsführung wppt:kommunikation GmbH
Andreas Komotzki, Diplom Designer
Pascal Kremp, Geschäftsführung Pinetco Webdesign
Jonas Künstler, Geschäftsführung zumquadrat – Visuelle Kommunikation GbR
Sandra Lehner, Geschäftsführung vielfein konkret
Dirk Longjaloux, Geschäftsführung Büro Longjaloux GmbH
Kristine Löw, Diplom Designerin
Thomas Milz, Geschäftsführung tm™
Eberhard Norden, Geschäftsführung Engel und Norden GbR
Anni Roolf, Creative Consultant MBA
Michael Römer, Diplom Designer picnic grafik-design
Mycha Schekalla, Diplom Designer
Thomas Schekalla, Diplom Designer
Annette Schild, Geschäftsführung Praxis für visuelle Kommunikation
Juliane Schlörscheid, Mediendesignerin
Jessica Scholz, Geschäftsführung Einars & Scholz Partnergesellschaft
Dorothea Schwabe, Geschäftsführung adby Kommunikationsdesign
Lena Stiller, Diplom Designerin
Anna Tertel, Diplom Designerin
Klaus Untiet, Geschäftsführung wppt:kommunikation GmbH
Norbert Valluš, Kommunikationsdesigner
Susanne Weiß, Diplom Designerin Weissheiten Design
Wolfram Zwanziger, Geschäftsführung zwonull GbR

* * *

Fragen an Jörg Illigen (Illigen Wolf Partner)

Ich sprach mit Jörg Illigen über die Hintergründe zum neuen Corporate Design, über die Schenkung und auch über die im offenen Brief angesprochene Kritik hinsichtlich der Vergabepraktiken der Stadtverwaltung.

Herr Illigen, ihre Agentur hat für die Stadt Wuppertal ein komplettes Corporate Design entwickelt und dieses der Stadt als Schenkung überlassen. Wie kam es zu diesem Entschluss?
Das alte Corporate Design der Stadt Wuppertal war nur unvollständig entwickelt und wurde zudem nie gepflegt. Die Geschäftspapiere und Publikationen der Stadt Wuppertal waren daher in einem gestalterisch höchst fragwürdigen Zustand. Es gab faktisch kein Corporate Design mehr. Viele städtische Mitarbeiter entwickelten ohne die erforderliche Qualifikation eigene Publikationen. Das kostete viel Zeit und brachte qualitativ minderwertige Ergebnisse hervor.

Aufgrund der diffizilen Haushaltslage standen und stehen keine Mittel zur Verfügung, um ein solches Projekt – weder gegen reguläres noch ermäßigtes Honorar -durchführen zu können. Zu Beginn unserer ehrenamtlichen Tätigkeit unterlag die Stadt zudem dem Haushaltssicherungskonzept. Dies bedeutet, dass keine Mittel für freiwilligen Aufgaben wir die Erstellung eines CDs aufgewendet werden durften.

Bürgerschaftliches und unternehmerisches Engagement hat in Wuppertal eine lange Tradition. Waren es vormals Parkanlagen oder die Stadthalle, die durch die Bürger und Unternehmer der Stadt geschenkt wurden, entstehen heute durch Bürgerbeteiligung und Stiftungen richtungsweisende Projekte wie die Nordbahntrasse. Der Zähler auf www.meinestundefuerwuppertal.de weist über 200.000 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit von Wuppertaler Bürgern aus. Das ist ein Spitzenwert. Dieser Tradition folgend haben wir der Stadt angeboten, das dringend erforderliche Corporate Design honorarfrei zu entwickeln.

Wie viele Arbeitsstunden haben sie in etwa in das Projekt investiert?
Wir haben Ende 2009 mit den Arbeiten am CD begonnen. Die Arbeitsstunden können wir nur schätzen, es dürften etwa 1.000 – 1.200 gewesen sein.

Was erhoffen sie sich von der Schenkung?
Ziel der Schenkung war und ist, zur Entwicklung und positiven Wahrnehmung der Stadt in der Außen- und Innenwirkung beizutragen und ein Zeichen in Richtung Engagement für die Stadt zu setzen. Leider wird in Wuppertal viel gemeckert, wodurch die positiven Aspekte in den Hintergrund rücken. Ein weiteres, gegenüber der Stadtführung explizit erklärtes Ziel ist, dass wir dieses Projekt zur Eigenwerbung nutzen wollen.

Sind sie der Ansicht, dass solch ein Modell auch auf andere Städte oder gar Unternehmen übertragbar ist?
Ich würde nicht von einem Modell sprechen. Dies ist eine einmalige Aktion. Inwieweit andere Designbüros sich in gleicher Weise engagieren, können wir nicht beeinflussen. Für privatwirtschaftliche Unternehmen kann ich nur davon abraten, kostenfreie Leistungen zu erbringen. Für uns kommt ein Arbeiten für ein reduziertes Honorar lediglich zur Unterstützung anerkannt gemeinnütziger Institutionen in Frage.

Nicht dass unentgeltliche Designleistungen etwa für karitative Verbände oder auch kulturelle Einrichtungen unüblich wären. Angenommen jede Agentur in Deutschland – Wikipedia meint zu wissen, dass es gut 12.000 sind, ich würde allerdings von einer deutlich größeren Zahl ausgehen – würde auch nur ein einziges Projekt dieser Größenordnung als Schenkung realisieren, würde dies die ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in der Designbranche, insbesondere für Selbstständige, enorm verschlechtern. In der Bevölkerung findet die Schenkung natürlich Anklang, da keine Steuergelder ausgegeben werden. In Kommentaren auf lokalen Nachrichtenportalen (siehe WZ) wird die Schenkung sogar als vorbildhaft dargestellt. Die Frage ist, ob Eigenwerbung auch dann noch lohnenswert bzw. vertretbar ist, selbst wenn diese den eigenen Berufsstand in Bedrängnis bringt.

Ich glaube, dass keine Agentur einen Job ohne Honorar durchführt, wenn sie es sich nicht leisten kann. Der Berufsstand kann durch Aktivitäten, die in der Bevölkerung und Wirtschaft positiv gesehen werden, nur gewinnen. Viele Entscheider wissen nicht, was gute (!) Designer eigentlich machen . Jede Information und Imageverbesserung ist daher gut für die Branche. Unser Projekt hat bereits vielen Wuppertalern Bürgern und Unternehmern gezeigt, dass ein Corporate Design eine umfangreiche, aufwendige und sinnstiftende Maßnahme ist und das Bewußtsein, dass dies entsprechend zu vergüten sich lohnt, geschärft.

Rund 50 Wuppertaler Designer und Kreative haben sich in einem offenen Brief an den Bürgermeister der Stadt gewandt und Kritik an der Vergabe von Designaufträgen geübt. Unter anderem kritisieren sie, dass das Corporate Design unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde, was ihrer Meinung nach Designleistungen entwerte und ein falsches Signal sei. Wie denken sie über die geäußerte Kritik?

Die Kritik unserer Designerkollegen ist in Ermangelung ausreichender Kenntnisse über den Projektverlauf unzutreffend. Wir werden uns mit den Kollegen in Kürze treffen und die fehlenden Informationen geben, wodurch sich die Kritik erledigt haben wird. Der Kern der Kritik richtet sich ohnehin nicht gegen uns, sondern betrifft das Vorgehen der Stadt hinsichtlich anderer Marketingmaßnahmen, wobei auch hier Missverständisse vorliegen. Dazu gab es im übrigen gestern eine Pressekonferenz. Es wird leider viel veröffentlicht, ohne zunächst die Hintergrundinformationen einzuholen. Das gilt sowohl für unsere Kollegen wie auch für die Presse.

Der uns betreffende Teil der Kritik bezieht sich darauf, dass wir die Arbeit unseres Berufsstandes entwerten und unlautere Absichten hinsichtlich möglicher Folgeaufträge hätten. Dies greift ins Leere. Den Auftrag, ein Corporate Design gegen ordentliches Honorar zu erstellen, hätte die Stadt aufgrund der o.g. Gründe niemals vergeben können. Wir haben das Corporate Design nicht für ein Dumping-Honorar erstellt, sondern geschenkt. Dies ist ein wesentlicher Unterschied. Unser Grundsatz ist, dass Design nur gegen ordentliche Vergütung zu haben sein muss. Das bedeutet für uns beispielsweise, dass wir nicht ohne ausreichendes Honorar an Pitches teilnehmen und auch keine Entwürfe kostenfrei in der Akquisephase erstellen. Ich vermute, dass dies beides aber viele der Kollegen tun, die sich nun echauffieren. Die Umsetzung des Designs erfolgt durch die festangestellten Designer der Stadt Wuppertal, sodass wir keine Folgeaufträge erwarten können. Sollten im Einzelfall Aufträge in nennenswerter Höhe infolge des neuen CD vergeben werden, müssten diese ohnehin öffentlich ausgeschrieben werden. Hiervon würden dann alle Wuppertaler Designbüros profitieren – hoffentlich.

Wenn unsere Schenkung eine Diskussion initiiert, die dazu führt, dass sich Designer wie andere Freiberufler auch auf eine verbindliche Honorarordnung festlegen, wäre damit viel gewonnen.

Kürzlich beauftragte die Stadt Wuppertal die Düsseldorfer Agentur Scholz & Friends mit der Erarbeitung eines Entwicklungskonzepts unter dem Motto „Wuppertal – macht was anders“. Das Budget liegt hierfür bei 200.000 Euro. So diffizil scheint die Haushaltslage in Wuppertal nicht zu sein. Vor dem Hintergrund der aktuellen CD-Entwicklung vermittelt sich der Eindruck: Externe Agenturen erhalten lukrative Projekte, während Agenturen in Wuppertal leer ausgehen, zumindest finanziell. Blickt man etwa nach Eindhoven (dt berichtete), wo die städtischen Verantwortlichen explizit und ausschließlich mit Kreativen aus der Region zusammengearbeitet haben, muss man feststellen, dass in der Tat Wuppertal etwas anders macht. War Ihrer Meinung nach die Stadtverwaltung gut damit beraten, die Schenkung anzunehmen?

Die Stadt ist natürlich gut beraten, die Schenkung anzunehmen. Das CD ist ein wichtiger Schritt der Imageverbesserung und Prozessoptimierung.

Das Geld wurde nicht von der Stadt, sondern von den Wuppertaler Stadtwerken und der Sparkasse aufgewendet. Es ist also kein Geld aus dem städtischen Haushalt. Inwieweit dies zulässig ist, müsste man herausfinden, denn immerhin sind Stadtwerke und Stadtsparkasse ja – laienhaft formuliert – auch städtisch/öffentlich. Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn wir auf demselben Wegen entlohnt worden wären; allerdings hatten wir da bereits die Schenkung beschlossen. Eine nachträgliche Vergütung wäre äußerst unseriös gewesen.

Wir sehen die Vergabe an Agenturen außerhalb Wuppertals auch ungern. Hier müsste man aber das Thema Vergabeverfahren und -praxis sowie Kompetenz der Entscheider aufmachen.

Bereuen Sie den Schritt oder würden Sie Ihr Schenkungsangebot noch einmal wiederholen, gerade auch vor dem Hintergrund der Komplexität der Arbeiten?
Beides: Nein. Das war von Anfang an als einmalige Aktion geplant.

– Die Fragen stellte Achim Schaffrinna –

Keiner möchte/sollte zum Nulltarif arbeiten

Auch wenn meine Position sich bereits in den Fragen widerspiegelt, möchte ich gerne die Vorgänge kommentieren. Die Schenkung war ein Fehler. Das Angebot ehrt die Kreativen, zeigt es doch ihre Verbundenheit mit der Stadt. Das Ergebnis ihrer Arbeit kann sich sehen lassen. Hut ab für die kreative Leistung. Das Angebot hätte allerdings von der Stadtverwaltung nicht angenommen werden dürfen, selbst vor dem Hintergrund klammer Haushaltskassen. Dabei geht es weniger um die Designleistung als solche, sondern vielmehr darum, dass eine Stadtverwaltung prinzipiell keine Schenkungen dieser Art annehmen sollte. Das sehen auch mehrheitlich die Leser der Lokalpresse so (siehe Umfrage WZ).

Die von den Verfassern des offenen Briefes bemängelte Kritik hinsichtlich fehlender Transparenz bei der Vergabe von Aufträgen durch die Stadtverwaltung ist nachvollziehbar und angebracht. Ohne Darlegung der Vorgänge lässt sich nicht sagen, ob es sich um eine Art ehrenamtliche, unentgeltliche und äußerst großzügig Geste handelt oder ob mit der Auftragsvergabe an die Wuppertaler Designer heimliche Absprachen oder gar unlautere Geschäfte verbunden sind. Wie die Rahmenregelung in Bezug auf Schenkungen der Stadt Wuppertal aussehen, vermag ich nicht zu sagen. In Stuttgart etwa sind im „vornherein unentgeltlich erbrachten Arbeits- oder Dienstleistungen nicht sachgerecht“ und somit unzulässig (Quelle: Rahmenregelung Spenden/Schenkungen | PDF). Ob die Vergabe des Auftrags respektive die Annahme der Schenkung vor diesem Hintergrund rechtens ist, müssen Fachleute beurteilen. Ich halte sie zumindest für moralisch zweifelhaft und in Bezug auf die Frage der Wahrnehmung von Designleistungen in der Bevölkerung für wenig förderlich.

Um die Schenkung einmal in Zahlen auszudrücken und um den wirtschaftlichen Wert zu beziffern, der hinter der Designleistung steht: Die Stadt hat Leistungen im Wert von rund 80.000 Euro erhalten, gratis. Wäre der Auftrag zur Entwicklung eines Corporate Designs an eine größere Agentur gegangen, läge der Betrag leicht bei 150.000 Euro und gerne auch schon einmal deutlich darüber. Die Stadt sowie die lokale Berichterstattung erwecken allerdings den Eindruck, als ginge es meinetwegen um den Entwurf für ein Plakat, das mal so nebenbei und in ein paar Stunden entstanden ist. Dass in dem Corporate Design, so Jörg Illigen, 1.000–1.200 Arbeitsstunden stecken, wurde in der bisherigen Diskussion (siehe Links unten) noch gar nicht angesprochen. Wie viel Arbeit hinter einer solchen Maßnahme steckt, wissen nur wenige, diejenigen, die gerne die unterstellte „Verschwendung von Steuergeldern“ bemängeln, am aller wenigsten. Auch der Umstand, dass die Stadtverwaltung die Schenkung bis dato mit keiner Zeile würdigt – zumindest konnte ich keine Pressemeldung finden –, wird der Sache nicht gerecht.

In der Tat – „Wuppertal macht was anders“, wie das Motto rund um das geplante Entwicklungskonzept lautet. Die Stadt lässt die eigene Kreativbranche gratis für sich arbeiten, während man die städtische Zukunft in die Hände einer Düsseldorfer Agentur legt. Mit einer solchen Positionierung verschreckt man nicht nur alle ortsansässigen Kreativen, es ist auch für all diejenigen, die wohlmöglich in Wuppertal Design studieren möchten, ein denkbar abschreckendes Signal.

Ein Treffen zwischen Oberbürgermeister Jung und den Verfassern des offenen Briefes ist geplant, ebenso ein Treffen zwischen letztgenannten und der Agentur Illigen Wolf Partner. Auf das Ergebnis beider Gespräche darf man gespannt sein.

Das neue, von der Agentur Illigen Wolf Partner entwickelte Corporate Design der Stadt Wuppertal

Weiterführende Links:

 

77 Kommentare

  1. @ #45 ////
    Auf der Webiste der Designagentur steht ausdrücklich, dass die Abbildungen (also die der Plakat- oder Anzeigenmotive) keine fertigen Anzeigen sind! Ist nicht auf den ersten Blick zu finden.

    @ 57 //// Nö. S+F erstellt keine Stadtindentität, siehe

    http://www.wuppertal.de/pressearchiv/meldungen-2013/mai/102370100000497027.php

    http://www.njuuz.de/beitrag20889.html

    @ #55 //// Richtig. Die Internet-Billiganbieter machen die Preise kaputt, nicht eine Schenkung.

    Sehe kein Problem darin, wenn jemandem, der das Geld für etwas niemals aufbringen könnte, das, was er benötigt, geschenkt wird. Ist das nicht irgendwo auch der Sinn einer guten Tat?

    Sinnvoll ist auf jeden Fall, dass die Branche sich ihres Werts bewusst wird und endlich mal ordentliche Stundensätze verbindich durchsetzt, nicht mehr für umme an Pitches teilnimmt und auch keine Designleistungen für lau macht. Das Beispiel mit dem Restaurant /#59) ist völlig richtig.

  2. an zinnober (nr. 56) man kann immer was anders gestalten. bei 1000 bis 1200 stunden gehe ich davon aus, dass da eine menge an abstimmung gelaufen ist und alles darum so ist, wie es ist. jeder weiss, dass der kunde oder die gegebenheiten die schönsten entwürfe konterkarieren. ich finde es durchaus gelungen, hätte es selbst sicher auch anders gemacht. das heisst aber nicht besser.

    so what: das ergebnis zählt. und es kann sich sehen lassen. macht euch doch nicht gegenseitig fertig, das wirft kein gutes licht auf unsere branche.

    cheers.

  3. Vorsicht, Polemik:

    Ich stelle mir vor, ich bekomme ein Geschenk. Da kommt auf einmal irgend so ein Hans daher, fuchtelt wild mit den Armen in der Luft und versucht mich dumm zu bequatschen, mich zu belehren. Auslachen würd ich die Person, meines Weges gehen, und mir meinen Teil dazu denken.

    Ich kann voll und ganz verstehen daß man diese Schenkung als Designschaffender nicht gut finden kann, und das darf man auch artikulieren. Aber ein gewisser Beigeschmack (knauserig, knickerig, das Wasser steht scheinbar bis zum Hals) bleibt dennoch.

    Wahrscheinlich ist im Nachhinein sowieso nicht entscheidbar, ob so ein Schreiben nun hilft oder schadet oder egal ist. Wahrscheinlich das letztere. Die Betroffenen haben eben nur die Chance ihren Unmut zu artikulieren, ein Teil der Leute findet das gut der andere Teil schlecht, die Dinge gehen weiter ihren Lauf und in einer Woche kräht kein Hahn mehr danach.

  4. Eines verstehe ich nicht. Man hat 2009 mit der Arbeit begonnen… und jetzt wird über eine Schenkung diskutiert? War dies denn top secret? War von vornherein klar, dass es eine Schenkung wird? Ist die Agentur in 2009 auf die Stadt zugegangen und hat angeboten, kostenlos ein Corporate Design zu entwickeln?

  5. Die Aktion des offenen Briefes disqulifiziert sich bereits durch die Tatsache, dass 2/3 der Unterzeichner aufgrund unzureichender Umsatzzahlen, der Mitarbeiterzahl und -struktur sowie einer Haftpflichtversicherung für derartige Auschreibungsvergaben gar nicht berücksichtig werden würden.

    Wie kann man also vor eine Entwertung der eigenen Kreativarbeit warnen, bei der man gar nicht zur Debatte steht?

  6. @ Pina
    Das mit der erforderlichen Betriebshaftpflicht ist richtig beobachtet bei Ausschreibungen der Öffentlichen Hand.

    Ich würde jedoch nicht so weit gehen, diesen vermuteten 2/3 der Unterzeichner grundsätzlich das Recht auf Kritik abzusprechen. Vielleicht sind sie ja irgendwann oder gar demnächst fit für eine Ausschreibung, dann dürfen sie m. E. bereits jetzt ihren Unmut oder ihre Besorgnis äußern.
    Ist aber nur meine Meinung.

  7. Ich kann es nicht verstehen, warum sich hier so viele Leute über “Illigen Wolf Partner” aufregen.
    “There is no free lunch!”

    Was ich damit sagen will, ist einfach folgendes:
    Illigen Wolf Partner hat mit dieser polarisierenden Schenkungsaktion seinen Bekanntheitsgrad erhöht und ist nun im Gespräch.

    Es gibt so viele andere staatliche Institutionen in Wuppertal, die ein neues CD gebrauchen könnten. Warum vergeuden die Herren und Frauen Designer ihre Zeit mit einem offenen Brief an den OB anstatt ihre anscheinend großzügig vorhandene Freizeit für eine eigene Spendenaktion zu investieren.

    Zu den Preisen für Designleistungen kann ich nur sagen, dass der Markt die Preise bestimmt.
    Entweder man akzeptiert es, oder man sucht sich nen anderen Job!

  8. Na, und hat “Werbeagentur Wuppertal” ebenfalls ihre großzügig bemessene Freizeit in eine PR-trächtige Spendenaktion an notleidende CD-BEdürftige investiert? Also ihren eigenen “guten Ratschlag” beherzigt?
    Frag nur mal so.

    @ Achim, meine Antwort bitte auch löschen, falls du diesen SEO-Eintrag von “Werbeagentur Wuppertal” löschst. (Was ich, letzteres, gut verstehen würde)

  9. Danke Vroni, sehr aufmerksam von Dir.
    Aufgrund des doch inhaltlich starken Bezugs zur Diskussion habe ich den betreffenden Kommentar, anstatt ihn zu löschen, lediglich in Bezug auf die verlinkten Schlagwörter angepasst. Statt der auf SEO-getrimmten Wörter steht hier nun der Name der Agentur.

    An Mima Medien gerichtet: Mit „der Markt bestimmt die Preise“ und „Illigen Wolf Partner hat mit dieser polarisierenden Schenkungsaktion seinen Bekanntheitsgrad erhöht und ist nun im Gespräch.“ zeigen Sie auf bemerkenswert offene Weise, welch Geistes Kind hinter Mima und welche Kommunikation hinter Ihrem Agenturnamen steckt. Mit der HSE-Logodublette war JvM auch im Gespräch, ebenso die FH Trier mit ihrer Crowdsourcing-Aktion. Ich glaube nicht daran, dass das, was für Nachrichtensendungen gilt, 1:1 auf die Kreativbranche übertragbar ist – bad news are NO good news. Auch wenn die Schenkung vereinzelt Zuspruch finden mag, erscheint mir der gesamte Vorgang alles andere als gute Werbung für die verantwortliche Agentur zu sein.

    Natürlich haben wir Kreative Einfluss darauf, welche Preise hinter unseren Leistungen stehen. Wer sich Preise diktieren lässt, wird auch bei der Kreation übergangen. In solch einem Fall wäre es an der Zeit, zu hinterfragen, ob man sich in der Tat nicht einen anderen Job suchen sollte.

  10. Es tut mir leid, aber ansprechend ist anders.
    Wenn ich mir jetzt mal allein den Broschürentitel und die entsprechenden Innenseiten dazu ansehe, dann ist dort aber auch nix, was mich jetzt nach Wuppertal ziehen würde.

    Unterkühlt, lieblos und ohne Emotionen. Wie ein Schlach an Hals!

    Oder das Knöllchen?! Himmel! Stumpf den Text drüber geballert.
    Das ist doch jetzt nicht das fertige Design, oder?

    Da ist geschenkt noch zu teuer…

  11. War viel die Rede in den Kommentaren von einem Mangel an „Wertschätzung“ von Designleistungen in den Kommentaren. Und gleichzeitig wird diese „Wertschätzung“ gekoppelt an finanzielle Vergütung.
    Tja, ihr Klagenden, ist eine Leistung jenseits finanzieller Vergütung denn nichts wert? Seit ihr selbst es nicht die Leistung denn schmälern wenn sie argumentieren, sie wär nur dann etwas wert, wenn die Leistung auch finanziell entsprechend vergütet würde?
    Sind da die Vertreter einer Kommune nicht schon ein Stückchen fortschrittlicher und auch designwertschätzender die da sagen:
    nun, wir haben in Vertretung der Bürger dieser Stadt zu haushalten über das Geld eben dieser und haben eben gerade andere Prioritäten als das Geld unserer Bürger auszugeben für hier diskitierte Leistungen. Wissen jene aber sehrwohl zu schätzen und freuen uns auch hier überehrenamtliches Engagement wie es in anderen Bereichen gottseidank Gang und Gäbe ist und ohne die eine Gesellschaft nicht wirklich funktionstüchtig wär.

    Gibt es darüber hinaus nicht noch andere, auch ökonomisch verwertbare Werte die demjenigen zu Gute kommen, der Leistung jenseits finanzieller Vergütung erbringt? Oder engagiert sich Krombacher allein aus Liebe zum Regenwald und bar jeden ökonomischen Hintergrundesfür den Regenwald?
    Bin fast versucht der Agentur Illigen Wolf Partner zu raten die Einladung zum Gespräch mit den Verfassern des offenen Briefes zu ignorieren, weil ich, in vergleichbarer Situation mich befändend, sogar nicht einsehen möcht, warum ich mich zu rechtfertigen hätt dafür, daß ich mich engagieremit meinen Talenten, meinen Fähigkeiten und meiner Zeit für ein Projekt, das nach Meinung der Verfasser ja einen doch erheblichen finanziellen Wert hätt.
    Hab schon fast ein wenig Bammel vor der kommenden Weihnachtszeit wenn ich dann ob der zunehmenden Gelegenheiten meineHosentaschen befreie von Hartgeld und ich mich dann für jeden in einen Hut geschmissenen Cent vor wem auch immer rechtfertigen muß.

    Geb bei der Gelegenheit auch zu, daß ich schon das ein oder andere Logo entworfen hab ohe finanzielle Gegenleistung z. B. für eine Förderschule hier in der Gegend weil der mir gut bekannte Leiter der Schule die Leistung zwar sehr wohl zu schätzen weiß, er aber Ausgaben dafür angesichts maroder Toiletten nicht wirklich zu rechtfertigen wußte. Mag auch nicht verschweigen an der Stelle, daß ich -oh Zufall- bei der Beschilderung dann zum Zuge kam. Ohne Ausschreibung aber zu ortsüblichen Konditionen. Was bin ich aber auch für ein korrupter Lump.

  12. koni,
    Ihrem “kämpferischen” Polemik-Beitrag fehlt jede Trennschärfe.
    Dieses Fehlen begünstigt zumindest Korruptionsdenke.

    Sie müssen besser unterscheiden können zwischen “Sponsoring” und “Spende” an eine Kommune.
    Was ist was.

    Auszug: http://www.transparency.de/fileadmin/pdfs/Themen/Zuwendungen_auf_kommunaler_Ebene_Positionspapier_08-04-20.pdf

    Sponsoring
    -
    Verträge mit adäquater Gegenleitung sind im Hinblick auf die Korruptionsgefahr und eine strafrechtlich Verantwortlichkeit (relativ) unproblematisch. Es handelt sich dabei um normale Austauschverträge, die dem üblichen Reglement für Fiskalgeschäfte der Kommune unterliegen. Die Gefahr liegt hier im Wesentlichen darin, dass der Sponsor sich auf diese Weise einen Anschein von Seriosität verschaffen kann, indem er als Geschäftspartner der Kommune auftritt. Einige Verwaltungsrichtlinien zum Sponsoring sehen deshalb eine Prüfung der Seriosität des Sponsors ausdrücklich vor.

    Kritisch zu betrachten sind Zuwendungen ohne, oder mit nicht adäquater Gegenleistung, da hier immer die Gefahr besteht, dass eine unzulässige verdeckte „Gegenleistung“ angestrebt wird und das Strafgesetzbuch bereits die Annahme der Zuwendung prinzipiell unter Strafe stellt.

    Ohne genaue Hintergrundkenntnisse Ihrer Aktion ist man dennoch versucht, Ihre Aktion mit der Förderschule als Letzteres einzuschätzen: eine verdeckte Gegenleistung möglicherweise angestrebt war. Mit so etwas begaben Sie sich zumindest rechtlich: auf sehr dünnes Eis.

    Argumentativ: haben Sie bei mir schon früher verloren, denn Sie verwischen einfach alle Dinge, die nicht bei drei den Baum hinaufkommen. Hoffentlich sind nicht alle aus der Designbranche solche Kurzdenker. Das wäre in der Tat ein Armutszeugnis.

  13. Ja, Vroni,(würd irgendwie gern beim DU bleiben) kann sein mir fehlt die Trennschärfe (was immer auch mit Schärfe Du trennen möchtest). Um bei meinem Beispiel zu bleiben: ich mag mir wirklich nicht die Mühe machen darüber zu philosphieren, ob meine unendgeldlich erbrachte Leistung denn jetzt eine Spende wär, oder Sponsoring oder Mäzenatentum (das wär ja nach Deiner Definition auch schon wieder anrüchig) oder einfach nur ein Gefallen einem lieben Menschen gegenüber. Darüber hinaus ist es ab und an auch erfrischend, jenseits ökonomischen Drucks ein Projekt zu verwirklichen, das am Ende dann auch als wertvoll anerkannt wurde aber für das eben keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen.
    Der daran nicht gekoppelte Beschilderungsauftrag, den hätt ich mit relativer Gewissheit auch ohne die unendgeltliche Entwurfsarbeit bekommen. Kann aber auch nicht verhehlen, daß sich schon ein großes Maß an Entäuschung in mir breit gemacht hätt, wenn man eine unendgeltliche Leistung von mir gern angenommen hätt, ich aber bei einem Projekt, für das ein Etat zur Verfügung gestanden hätt, übergangen worden wär.
    Da ist es mir auch egal wenn der ein oder andere sich entrüstet weil Wutbürgertum eben grad Konjunktur hat und „Transparenz” zum Modewort degradiert wird.
    Mag das Eis auf dem ich mich Deiner Meinung nach befände auch ein dünnes sein, selber steh ich recht stabil zu meinem Handeln und wenn es denn -wie von Dir unterstellt- gar strafrechtlich relevant sei, Vroni, ich sähe nicht mein Handeln sondern die Gesetzgebung überdenkenswert.
    Seh es auch so ganz und gar nicht kurz gedacht wenn ich plädiere dafür nicht jeden und alles nur an der verfickten Kohle zu messen.

  14. koni,

    Sie haben nichts begriffen.
    Werfen mit Worten wie Wutbürger um sich.

    Leute wie Sie haben die Branche zu dem gemacht, was sie ist:
    Unbedeutend und ein Reservoir voller billiger und williger Menschen.

    Das Schärfste ist, dass Sie behaupten, erst anders handeln zu wollen, wenn der Gesetzgeber das sagt. Das erinnert mich an die einfach gestrickte Moralität eines Vierjährigen, der nur dann etwas nicht tun würde, “weil dann die Polizei kommt”, aber nicht aus innerer Haltung oder Einsicht, die kommt erst später. Einem Vierjährigen kann man das nicht verdenken, so ist seine normale Entwicklungsstufe. Bei Ihnen wirds interessant.

  15. Vroni: „Das Schärfste ist, dass Sie behaupten, erst anders handeln zu wollen, wenn der Gesetzgeber das sagt.“
    ??????
    Kleiner Tipp meinerseites: in einer unaufgeregten Minute nochmal nachlesen und vor dem Tippen womöglich sogar mal kurz reflektieren.

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