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Stadt Wuppertal erhält Corporate Design – Schenkung löst in der lokalen Designwirtschaft Kontroverse aus

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In Wuppertal sorgen derzeit zwei Entscheidungen der Stadtverwaltung für Wirbel innerhalb der Designszene. Zu verlockend war das Angebot der Wuppertaler Agentur Illigen Wolf Partner an die Stadtverwaltung, ein komplett neues Corporate Design für die Stadt zu entwickeln, unentgeltlich. Die Schenkung einer solch komplexen Designleistung stößt bei vielen Kreativen in Wuppertal ebenso auf Kritik wie die Vergabe eines Auftrags zur Findung einer Stadtidentität, mit der die Düsseldorfer Agentur Scholz & Friends beauftragt wurde.

Dass einerseits lokale Dienstleister zum Nulltarif arbeiten, ein externes Unternehmen sich jedoch über ein Auftragsbudget in Höhe von 200.000 Euro freuen kann, sehen viele Gestalter mit Sorge und auch mit Argwohn. Mit ihrer Kritik wenden sich rund 50 Designer in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Peter Jung. Im dt kommen beide Seiten zu Wort, die verantwortlichen Designer und auch die Verfasser des offenen Briefes.

Bevor die verantwortliche Agentur zu Wort kommt, folgt zunächst einleitend der Inhalt des offenen Briefs. Auf Basis dieser Grundlage sollte sich jeder einen Überblick über die Vorgänge verschaffen können, um im Anschluss in eine spannende Diskussion einzusteigen.

Offener Brief an OB Peter Jung

(erstmals am 19.06.2013 veröffentlicht)

* * *

Wuppertal, 19. Juni 2013
Sehr geehrter Herr Jung,

wir schreiben Ihnen als Fach- und Führungskräfte der Wuppertaler Designwirtschaft und beobachten mit Sorge die aktuelle Vorgehensweise der Stadt Wuppertal im Bereich Kommunikation und Design.

Die zeitlich und inhaltlich sehr ungeschickt platzierten Meldungen über ein mittelgroßes Budget für die Entwicklung einer Stadtidentität, welches an die Düsseldorfer Agentur Scholz & Friends vergeben wurde und andererseits eines Corporate Designs, welches der Stadt von der Wuppertaler Agentur Illigen Wolf Partner kostenlos zur Verfügung gestellt wird, sorgen für offene Fragen, zumal diese Prozesse nicht nachvollziehbar dargelegt wurden.

Das großzügige und offensichtlich notwendige Geschenk der Agentur Illigen Wolf Partner schließt mit Sicherheit eine wichtige Lücke. Doch auch wenn Sie die Analyse, Konzeption und Gestaltung als Geschenk erhalten haben, zieht die Implementierung aus unserer Erfahrung Folgekosten nach sich. Sei es für die weitere begleitende detaillierte Ausarbeitung, fachliche Unterstützung sowie auch für die Umsetzung.

Als Wuppertaler Kolleginnen und Kollegen der Designwirtschaft möchten wir Sie bitten, transparent darzulegen, wie der Prozess zur Entstehung des Corporate Designs genau abgelaufen ist und ob dieser zukünftig mit weiteren Bedingungen verknüpft ist.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir begrüßen es, dass die Stadt Wuppertal sich um einen professionellen visuellen Auftritt bemüht und wir schätzen die Arbeit unserer Kollegen aus dem Tal. Wir wissen um den wirtschaftlichen Wert dieser Arbeit. Durch den Akt der Schenkung wird jedoch ein falsches Signal gesetzt. Denn somit wird der Wert von Kreativ- und Designleistungen grundsätzlich in Frage gestellt.
Wir würden uns freuen, wenn Sie uns hierzu Antworten geben könnten. 
Zu einem persönlichen Gespräch laden wir Sie gerne ein.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Albrecht, Geschäftsführung bürger albrecht partner GmbH
Leonie Altendorf, Diplom Designerin
Christoph Baum, Mediendesigner
Philipp Blombach, Diplom Designer
Christian Boros, Geschäftsführung Boros GmbH
Dirk Büchsenschütz, Diplom Designer
Patrizia Cacciotti, Diplom Designerin
Jacob Economou, Diplom Designer
Anja Eder, Diplom Designerin picnic grafik-design
Verena Engel, Geschäftsführung Engel und Norden GbR
Rob Fährmann, Geschäftsführung wppt:kommunikation GmbH
Jan Federmann, Geschäftsführung FKK .design gmbh
Sebastian Gimmel, Diplom Designer
Olaf Glasmacher, Diplom Designer
Sebastian Glück, Diplom Designer
Andy Gumpertz, Geschäftsführung zumquadrat – Visuelle Kommunikation GbR
Wolf-Nicolas Henkels, Geschäftsführung Media Nova GmbH
Andrea Hold-Ferneck, Geschäftsführung hold-ferneck kommunikationsdesign
Nicole Hoppe, Fotografin
Swen Hoppe, Geschäftsführung Praxis für visuelle Kommunikation
Hanna Hüttepohl, Diplom Designerin
Sonja Kampczyk, Geschäftsführung FKK .design gmbh
Süleyman Kayaalp, Geschäftsführung wppt:kommunikation GmbH
Andreas Komotzki, Diplom Designer
Pascal Kremp, Geschäftsführung Pinetco Webdesign
Jonas Künstler, Geschäftsführung zumquadrat – Visuelle Kommunikation GbR
Sandra Lehner, Geschäftsführung vielfein konkret
Dirk Longjaloux, Geschäftsführung Büro Longjaloux GmbH
Kristine Löw, Diplom Designerin
Thomas Milz, Geschäftsführung tm™
Eberhard Norden, Geschäftsführung Engel und Norden GbR
Anni Roolf, Creative Consultant MBA
Michael Römer, Diplom Designer picnic grafik-design
Mycha Schekalla, Diplom Designer
Thomas Schekalla, Diplom Designer
Annette Schild, Geschäftsführung Praxis für visuelle Kommunikation
Juliane Schlörscheid, Mediendesignerin
Jessica Scholz, Geschäftsführung Einars & Scholz Partnergesellschaft
Dorothea Schwabe, Geschäftsführung adby Kommunikationsdesign
Lena Stiller, Diplom Designerin
Anna Tertel, Diplom Designerin
Klaus Untiet, Geschäftsführung wppt:kommunikation GmbH
Norbert Valluš, Kommunikationsdesigner
Susanne Weiß, Diplom Designerin Weissheiten Design
Wolfram Zwanziger, Geschäftsführung zwonull GbR

* * *

Fragen an Jörg Illigen (Illigen Wolf Partner)

Ich sprach mit Jörg Illigen über die Hintergründe zum neuen Corporate Design, über die Schenkung und auch über die im offenen Brief angesprochene Kritik hinsichtlich der Vergabepraktiken der Stadtverwaltung.

Herr Illigen, ihre Agentur hat für die Stadt Wuppertal ein komplettes Corporate Design entwickelt und dieses der Stadt als Schenkung überlassen. Wie kam es zu diesem Entschluss?
Das alte Corporate Design der Stadt Wuppertal war nur unvollständig entwickelt und wurde zudem nie gepflegt. Die Geschäftspapiere und Publikationen der Stadt Wuppertal waren daher in einem gestalterisch höchst fragwürdigen Zustand. Es gab faktisch kein Corporate Design mehr. Viele städtische Mitarbeiter entwickelten ohne die erforderliche Qualifikation eigene Publikationen. Das kostete viel Zeit und brachte qualitativ minderwertige Ergebnisse hervor.

Aufgrund der diffizilen Haushaltslage standen und stehen keine Mittel zur Verfügung, um ein solches Projekt – weder gegen reguläres noch ermäßigtes Honorar -durchführen zu können. Zu Beginn unserer ehrenamtlichen Tätigkeit unterlag die Stadt zudem dem Haushaltssicherungskonzept. Dies bedeutet, dass keine Mittel für freiwilligen Aufgaben wir die Erstellung eines CDs aufgewendet werden durften.

Bürgerschaftliches und unternehmerisches Engagement hat in Wuppertal eine lange Tradition. Waren es vormals Parkanlagen oder die Stadthalle, die durch die Bürger und Unternehmer der Stadt geschenkt wurden, entstehen heute durch Bürgerbeteiligung und Stiftungen richtungsweisende Projekte wie die Nordbahntrasse. Der Zähler auf www.meinestundefuerwuppertal.de weist über 200.000 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit von Wuppertaler Bürgern aus. Das ist ein Spitzenwert. Dieser Tradition folgend haben wir der Stadt angeboten, das dringend erforderliche Corporate Design honorarfrei zu entwickeln.

Wie viele Arbeitsstunden haben sie in etwa in das Projekt investiert?
Wir haben Ende 2009 mit den Arbeiten am CD begonnen. Die Arbeitsstunden können wir nur schätzen, es dürften etwa 1.000 – 1.200 gewesen sein.

Was erhoffen sie sich von der Schenkung?
Ziel der Schenkung war und ist, zur Entwicklung und positiven Wahrnehmung der Stadt in der Außen- und Innenwirkung beizutragen und ein Zeichen in Richtung Engagement für die Stadt zu setzen. Leider wird in Wuppertal viel gemeckert, wodurch die positiven Aspekte in den Hintergrund rücken. Ein weiteres, gegenüber der Stadtführung explizit erklärtes Ziel ist, dass wir dieses Projekt zur Eigenwerbung nutzen wollen.

Sind sie der Ansicht, dass solch ein Modell auch auf andere Städte oder gar Unternehmen übertragbar ist?
Ich würde nicht von einem Modell sprechen. Dies ist eine einmalige Aktion. Inwieweit andere Designbüros sich in gleicher Weise engagieren, können wir nicht beeinflussen. Für privatwirtschaftliche Unternehmen kann ich nur davon abraten, kostenfreie Leistungen zu erbringen. Für uns kommt ein Arbeiten für ein reduziertes Honorar lediglich zur Unterstützung anerkannt gemeinnütziger Institutionen in Frage.

Nicht dass unentgeltliche Designleistungen etwa für karitative Verbände oder auch kulturelle Einrichtungen unüblich wären. Angenommen jede Agentur in Deutschland – Wikipedia meint zu wissen, dass es gut 12.000 sind, ich würde allerdings von einer deutlich größeren Zahl ausgehen – würde auch nur ein einziges Projekt dieser Größenordnung als Schenkung realisieren, würde dies die ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in der Designbranche, insbesondere für Selbstständige, enorm verschlechtern. In der Bevölkerung findet die Schenkung natürlich Anklang, da keine Steuergelder ausgegeben werden. In Kommentaren auf lokalen Nachrichtenportalen (siehe WZ) wird die Schenkung sogar als vorbildhaft dargestellt. Die Frage ist, ob Eigenwerbung auch dann noch lohnenswert bzw. vertretbar ist, selbst wenn diese den eigenen Berufsstand in Bedrängnis bringt.

Ich glaube, dass keine Agentur einen Job ohne Honorar durchführt, wenn sie es sich nicht leisten kann. Der Berufsstand kann durch Aktivitäten, die in der Bevölkerung und Wirtschaft positiv gesehen werden, nur gewinnen. Viele Entscheider wissen nicht, was gute (!) Designer eigentlich machen . Jede Information und Imageverbesserung ist daher gut für die Branche. Unser Projekt hat bereits vielen Wuppertalern Bürgern und Unternehmern gezeigt, dass ein Corporate Design eine umfangreiche, aufwendige und sinnstiftende Maßnahme ist und das Bewußtsein, dass dies entsprechend zu vergüten sich lohnt, geschärft.

Rund 50 Wuppertaler Designer und Kreative haben sich in einem offenen Brief an den Bürgermeister der Stadt gewandt und Kritik an der Vergabe von Designaufträgen geübt. Unter anderem kritisieren sie, dass das Corporate Design unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde, was ihrer Meinung nach Designleistungen entwerte und ein falsches Signal sei. Wie denken sie über die geäußerte Kritik?

Die Kritik unserer Designerkollegen ist in Ermangelung ausreichender Kenntnisse über den Projektverlauf unzutreffend. Wir werden uns mit den Kollegen in Kürze treffen und die fehlenden Informationen geben, wodurch sich die Kritik erledigt haben wird. Der Kern der Kritik richtet sich ohnehin nicht gegen uns, sondern betrifft das Vorgehen der Stadt hinsichtlich anderer Marketingmaßnahmen, wobei auch hier Missverständisse vorliegen. Dazu gab es im übrigen gestern eine Pressekonferenz. Es wird leider viel veröffentlicht, ohne zunächst die Hintergrundinformationen einzuholen. Das gilt sowohl für unsere Kollegen wie auch für die Presse.

Der uns betreffende Teil der Kritik bezieht sich darauf, dass wir die Arbeit unseres Berufsstandes entwerten und unlautere Absichten hinsichtlich möglicher Folgeaufträge hätten. Dies greift ins Leere. Den Auftrag, ein Corporate Design gegen ordentliches Honorar zu erstellen, hätte die Stadt aufgrund der o.g. Gründe niemals vergeben können. Wir haben das Corporate Design nicht für ein Dumping-Honorar erstellt, sondern geschenkt. Dies ist ein wesentlicher Unterschied. Unser Grundsatz ist, dass Design nur gegen ordentliche Vergütung zu haben sein muss. Das bedeutet für uns beispielsweise, dass wir nicht ohne ausreichendes Honorar an Pitches teilnehmen und auch keine Entwürfe kostenfrei in der Akquisephase erstellen. Ich vermute, dass dies beides aber viele der Kollegen tun, die sich nun echauffieren. Die Umsetzung des Designs erfolgt durch die festangestellten Designer der Stadt Wuppertal, sodass wir keine Folgeaufträge erwarten können. Sollten im Einzelfall Aufträge in nennenswerter Höhe infolge des neuen CD vergeben werden, müssten diese ohnehin öffentlich ausgeschrieben werden. Hiervon würden dann alle Wuppertaler Designbüros profitieren – hoffentlich.

Wenn unsere Schenkung eine Diskussion initiiert, die dazu führt, dass sich Designer wie andere Freiberufler auch auf eine verbindliche Honorarordnung festlegen, wäre damit viel gewonnen.

Kürzlich beauftragte die Stadt Wuppertal die Düsseldorfer Agentur Scholz & Friends mit der Erarbeitung eines Entwicklungskonzepts unter dem Motto „Wuppertal – macht was anders“. Das Budget liegt hierfür bei 200.000 Euro. So diffizil scheint die Haushaltslage in Wuppertal nicht zu sein. Vor dem Hintergrund der aktuellen CD-Entwicklung vermittelt sich der Eindruck: Externe Agenturen erhalten lukrative Projekte, während Agenturen in Wuppertal leer ausgehen, zumindest finanziell. Blickt man etwa nach Eindhoven (dt berichtete), wo die städtischen Verantwortlichen explizit und ausschließlich mit Kreativen aus der Region zusammengearbeitet haben, muss man feststellen, dass in der Tat Wuppertal etwas anders macht. War Ihrer Meinung nach die Stadtverwaltung gut damit beraten, die Schenkung anzunehmen?

Die Stadt ist natürlich gut beraten, die Schenkung anzunehmen. Das CD ist ein wichtiger Schritt der Imageverbesserung und Prozessoptimierung.

Das Geld wurde nicht von der Stadt, sondern von den Wuppertaler Stadtwerken und der Sparkasse aufgewendet. Es ist also kein Geld aus dem städtischen Haushalt. Inwieweit dies zulässig ist, müsste man herausfinden, denn immerhin sind Stadtwerke und Stadtsparkasse ja – laienhaft formuliert – auch städtisch/öffentlich. Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn wir auf demselben Wegen entlohnt worden wären; allerdings hatten wir da bereits die Schenkung beschlossen. Eine nachträgliche Vergütung wäre äußerst unseriös gewesen.

Wir sehen die Vergabe an Agenturen außerhalb Wuppertals auch ungern. Hier müsste man aber das Thema Vergabeverfahren und -praxis sowie Kompetenz der Entscheider aufmachen.

Bereuen Sie den Schritt oder würden Sie Ihr Schenkungsangebot noch einmal wiederholen, gerade auch vor dem Hintergrund der Komplexität der Arbeiten?
Beides: Nein. Das war von Anfang an als einmalige Aktion geplant.

– Die Fragen stellte Achim Schaffrinna –

Keiner möchte/sollte zum Nulltarif arbeiten

Auch wenn meine Position sich bereits in den Fragen widerspiegelt, möchte ich gerne die Vorgänge kommentieren. Die Schenkung war ein Fehler. Das Angebot ehrt die Kreativen, zeigt es doch ihre Verbundenheit mit der Stadt. Das Ergebnis ihrer Arbeit kann sich sehen lassen. Hut ab für die kreative Leistung. Das Angebot hätte allerdings von der Stadtverwaltung nicht angenommen werden dürfen, selbst vor dem Hintergrund klammer Haushaltskassen. Dabei geht es weniger um die Designleistung als solche, sondern vielmehr darum, dass eine Stadtverwaltung prinzipiell keine Schenkungen dieser Art annehmen sollte. Das sehen auch mehrheitlich die Leser der Lokalpresse so (siehe Umfrage WZ).

Die von den Verfassern des offenen Briefes bemängelte Kritik hinsichtlich fehlender Transparenz bei der Vergabe von Aufträgen durch die Stadtverwaltung ist nachvollziehbar und angebracht. Ohne Darlegung der Vorgänge lässt sich nicht sagen, ob es sich um eine Art ehrenamtliche, unentgeltliche und äußerst großzügig Geste handelt oder ob mit der Auftragsvergabe an die Wuppertaler Designer heimliche Absprachen oder gar unlautere Geschäfte verbunden sind. Wie die Rahmenregelung in Bezug auf Schenkungen der Stadt Wuppertal aussehen, vermag ich nicht zu sagen. In Stuttgart etwa sind im „vornherein unentgeltlich erbrachten Arbeits- oder Dienstleistungen nicht sachgerecht“ und somit unzulässig (Quelle: Rahmenregelung Spenden/Schenkungen | PDF). Ob die Vergabe des Auftrags respektive die Annahme der Schenkung vor diesem Hintergrund rechtens ist, müssen Fachleute beurteilen. Ich halte sie zumindest für moralisch zweifelhaft und in Bezug auf die Frage der Wahrnehmung von Designleistungen in der Bevölkerung für wenig förderlich.

Um die Schenkung einmal in Zahlen auszudrücken und um den wirtschaftlichen Wert zu beziffern, der hinter der Designleistung steht: Die Stadt hat Leistungen im Wert von rund 80.000 Euro erhalten, gratis. Wäre der Auftrag zur Entwicklung eines Corporate Designs an eine größere Agentur gegangen, läge der Betrag leicht bei 150.000 Euro und gerne auch schon einmal deutlich darüber. Die Stadt sowie die lokale Berichterstattung erwecken allerdings den Eindruck, als ginge es meinetwegen um den Entwurf für ein Plakat, das mal so nebenbei und in ein paar Stunden entstanden ist. Dass in dem Corporate Design, so Jörg Illigen, 1.000–1.200 Arbeitsstunden stecken, wurde in der bisherigen Diskussion (siehe Links unten) noch gar nicht angesprochen. Wie viel Arbeit hinter einer solchen Maßnahme steckt, wissen nur wenige, diejenigen, die gerne die unterstellte „Verschwendung von Steuergeldern“ bemängeln, am aller wenigsten. Auch der Umstand, dass die Stadtverwaltung die Schenkung bis dato mit keiner Zeile würdigt – zumindest konnte ich keine Pressemeldung finden –, wird der Sache nicht gerecht.

In der Tat – „Wuppertal macht was anders“, wie das Motto rund um das geplante Entwicklungskonzept lautet. Die Stadt lässt die eigene Kreativbranche gratis für sich arbeiten, während man die städtische Zukunft in die Hände einer Düsseldorfer Agentur legt. Mit einer solchen Positionierung verschreckt man nicht nur alle ortsansässigen Kreativen, es ist auch für all diejenigen, die wohlmöglich in Wuppertal Design studieren möchten, ein denkbar abschreckendes Signal.

Ein Treffen zwischen Oberbürgermeister Jung und den Verfassern des offenen Briefes ist geplant, ebenso ein Treffen zwischen letztgenannten und der Agentur Illigen Wolf Partner. Auf das Ergebnis beider Gespräche darf man gespannt sein.

Das neue, von der Agentur Illigen Wolf Partner entwickelte Corporate Design der Stadt Wuppertal

Weiterführende Links:

 

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77 Kommentare

  1. Ich kann kein Corporate Design erkennen.

    Das ganze ist (noch) sehr generisch und nur dadurch einheitlich, dass in der Gestaltung kaum etwas passiert. Hinzu kommt, dass die Headlines in den Anzeigen sehr schwach sind – vielleicht liegt das jedoch daran, dass es nur Anwendungsbeispiele sind.

    Dass dafür 1000 Stunden angefallen sein sollen, kann ich kaum fassen. Auf den ersten Blick lassen sich einige handwerkliche Fehler ausmachen. Das Ergebnis spricht dann nicht gerade für Illigen Wolf Partner.

    Sowas können Sie gern verschenken …

  2. Eine PR-Aktion der Marketing-Aufreger-Sorte.
    Ein Spin, ein Trigger. Was sonst.

    In dieser Agentur, da arbeiten sicher einzeln wunderbare Menschen. Aber in diesem Fall für eine verkommene Sache.

    Dass das eine Branche trifft, die eh schon verlotterte Bedingungen aufweist, wen wird am Ende dermaßen groß scheren, dass jemand aufwacht. In der nächsten Woche wird doch schon die nächste Un-Design-Sau durchs digitale Dorf getrieben.

    Ich schätze die Bemühungen von Achim sehr. Ohne ihn wäre alles noch viel schlimmer.

    Aber langsam kommt mir das Kotzen. Dann wundert man sich, warum Designer so zynisch und sarkastisch sind.

  3. Ich wage mal den Blick in die Glaskugel: Das Treffen zwischen OB Jung und den ansässigen Kreativen wird garantiert nicht zur Entspannung beitragen.

    Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Der “Schaden” ist da und ich kann mir lebhaft die künftigen Gespräch zwischen Auftraggebern und Kreativen in der Wuppertaler Region vorstellen. Als ob wir nicht schon ohne solche Kamikaze-Aktionen genug Mühe haben, die Kosten beim Kunden transparent zu machen. Ein wahrer Bärendienst.

    Jörg Illigen hat mit 1.000 – 1.200 Stunden hoffentlich geraten, ansonsten wird mir Angst und Bange um die Existenzsicherung der Agentur. Soweit ich es beurteilen kann, handelt es sich um eine GbR mit zwei Kreativen. Mal schauen, auf wie viele produktive Stunden die Zwei pro Jahr kommen.

    – 250 Arbeitstage á 8 Stunden = 2.000 Std. p.P.
    – abzgl. (konservativ gerechneten) 5 Krankheits- und 20 Urlaubstagen
    => 2 * 2.000 Arbeitsstunden – 2 * 200 Ausfallstunden

    = 3.600 Arbeitsstunden p.a. (wie gesagt, sehr optimistisch gerechnet)

    Aufwand CD Wuppertal: 1.200 Stunden

    Wenn von der Produktivzeit pro Jahr sage und schreibe 1/3(!) verschenkt wird, müssen die zu verrechnenden Stunden, die übrig bleiben

    – entweder seeeeeehr gut (sprich: überteuert) verrechnet worden sein, oder
    – der Lebensstandard wurde zuvor so angepasst, dass man jede 3. Arbeitsstunde verschenken kann.

    Wie man es dreht und wendet – und ohne auch nur im Entferntesten auf das Ergebnis der Arbeit einzugehen – finde ich den Vorgang für die Stadt, die Region und die Gestalterkollegen einfach nur ärgerlich und schade.

  4. In Koblenz gab es eine solche Schenkung auch. Allerdings nach einem Pitch mit über 20 Agenturen – kostenfreie Konzepte + Layouts gewünscht – und mit den erwähnten Folgeaufträgen…

  5. Ist das rechtlich überhaupt zulässig? Als ungefährer Grenzwert werden in der Praxis für Schenkungen Beträge von 20 bis 30 Euro gesehen. Alles darüber könnte als Bestechung ausgelegt werden.
    Man möge sich vorstellen der örtliche Baubetrieb schenkt mal eben die neue Zufahrt zum Rathaus, da das alte Straßenpflaster unansehnlich und unvollständig war.

  6. Ich wusste gar nicht, dass Eisstockschießen in Wuppertal so populär ist …
    Ohne das Foto der Schwebebahn hätte es sicher noch eine Weile gedauert, bis ich diese erkannt hätte. Ob es auch von Vorteil ist, dass die Schwebebahn im Logo dann auf ein Schlingerkurs zufährt ist auch fraglich. Ansonsten ist das CD sehr beliebig und ein wenig unterkühlt. Hier ist noch Luft nach oben. Mir ist auch schleierhaft, wie diese Menge an Arbeitsstunden zusammengekommen sein sollen.

  7. Ich kann mich der Meinung einiger anderen nur anschließen – wo ist denn das Design geblieben? 1000 Stunden für solch eine austauschbare Arbeit ohne Wiedererkennung – das versteh ich nicht. Haut mich nicht vom Hocker.

  8. Das war ebenso überflüssig wie vorauszusehen:
    Dass die Arbeiten selbst schlechtgemacht werden – typisch für diese ebenso idiotisch eifersüchtige wie am Magertuch nagende Branche – ehrpusselig und eifersüchtig vorwiegend: am Design herumgehackt wird.

    Kollegen, aufwachen!
    Egal ob die Arbeiten zu Recht gut, schlecht oder unvollständig oder nicht ausgereift sind, viele Auftraggeber merken nicht einmal mehr das. Sie MERKEN es doch meist nicht einmal!!! Traurige Realität. Oder es ist ihnen nicht so wichtig. Beweis: Sonst hätten die Wuppertaler schon längst etwas Tauglicheres und Geld dafür locker gemacht (z. B. über die Stadtwerke?…)

    Es geht um ganz andere Dinge.
    Es geht darum, wie wollt ihr als Branche ernstgenommen werden und überhaupt Honorare durchsetzen, wenn ihr mit Schenkungen anfangt. Und euch dann auch noch fachlich zerfleischt. Die Welt der Gremien, Etatwächer, Haushaltsentscheider lacht darüber. Sie werden euch nie verstehen, auch wenn in ihrem Büro Kunst hängt. (Das hat gar nichts zu sagen.).
    Wenn sie euch überhaupt noch wahrnimmt.

  9. Ob eine Schenkung in dem geldwerten Volumen überhaupt legal ist, sei dahingestellt. Herr Illigen sagt aber ausdrücklich, dass sie als Eigenwerbung genutzt werden soll — dies finde ich dann doch gegenüber der lokalen Designszene sehr verwerflich. Auch wenn direkte Folgeaufträge bei der Stadt Wuppertal vielleicht ausbleiben, kalkuliert man agenturseitig doch mit einer Wirkung.

    Wenn unternehmerisches Engagement in der Stadt so verankert zu sein scheint, hätte die Agentur Illigen Wolf Partner auch ein gemeinschaftliches Projekt mit allen lokalen Dienstleistern initiieren können, nicht wahr?

  10. Im Feierabend-Durchflug zu dieser sehr spannenden und dankenswerterweise von Dir, Achim, sehr sachlich beide Seiten zu Wort kommen lassend aufgearbeiteten, beginnenden Diskussion, fiel mir spontan natürlich ein Satz ins Auge:

    Wenn unsere Schenkung eine Diskussion initiiert, die dazu führt, dass sich Designer wie andere Freiberufler auch auf eine verbindliche Honorarordnung festlegen, wäre damit viel gewonnen.

    Die verbindlich-möglichste Variante einer Honorarordnung haben wir in der Allianz deutscher Designer (AGD) seit 1979 im Programm: den Vergütungstarifvertrag Design.

    Den ethisch spannendsten Punkt finde ich – spontan – die Frage, ob sich die Stadt etwas von einer Agentur oder einem Gestalter schenken lassen darf, der/die das Projekt für die Eigenwerbung nutzen wird, ohne diese Chance des Gegengeschäfts (eine Schenkung ist das nämlich in meinen Augen eher weniger) auch anderen Kreativen zu eröffnen. Jedenfalls bei dieser Auftrags-Größenordnung.

    Gleichzeitig finde ich eine Ausschreibung mit genau diesem Inhalte “arme Stadt bietet gutes Referenzprojekt an, kann nix zahlen” auch keine vernünfitge Alternative. Dann wäre die Zusammenarbeit mit einer Hochschule als Projekt mit hohem Praxisbezug eine durchspielenswerte Möglichkeit. Oder ein besser verteiltes ehrenamtliches Engagement in Richtung OpenSpace mit vielen Wuppertaler Kreativen… auch wenn das eine sehr viel höhere Herausforderung gewesen wäre: eine Verwaltung und eine Gruppe kreativer Köpfe loten die Möglichkeiten demokratischen Entwerfens aus (ohnehin ein seltenes Vorgehen – vielleicht mangels praktischer Umsetzbarkeit?).

    Auch ohne die zeitgleiche Budgetierung anderer Identitäts-stiftender Maßnahmen ist hier also schon der Punkt erreicht gewesen, der nicht überschritten werden sollte. Der andere Großauftrag zur gleichen Zeit oder kurz darauf macht das allerdings noch weniger ethisch vertretbar. Falls es weniger als “nicht” überhaupt geben kann ;-)

    Beste Grüße in die Runde
    Friederike

  11. Ein Hallo allen Beflissenen,
    da setzt man sich jahrelang für eine faire Vergütung von Kreativleistungen ein, um dann feststellen zu müssen, daß es immer wieder Charaktere aus der Branche gibt, die, wenn es von Vorteil ist, sich über faire Gepflogenheiten hinwegsetzen.

    Die Kassen scheinen leer, der Wink mit den Referenzen.
    Die ewige Leier. Wer kennt sie nicht?
    Und am Ende wird sich immer jemand finden. Schade.

    Damit schadet man der Branche und der Allgemeinheit. Wenn das die viel besungene Förderung der Kreativwirtschaft sein soll, gute Nacht Marie.

    Gruß vom Elbstrand
    Oliver Schuh | die gebrauchsgrafiker

  12. Das von R::bert verlinkte Corporate Design von 2004 Markwald & Neusitzer, finde ich, soweit man das erkennen kann, richtig stark!! Darüber könnte man durchaus auch noch einmal diskutieren!

  13. So, jetzt mal die Sichtweise eines Wuppertaler, keines Designers:

    1. Das Logo mit der Schwebebahn und den Kurven der Wupper ist schon alt, das ist hier schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten in Gebrauch und keineswegs der Agentur anzulasten. Die verwenden es nur.

    2. Wehklagen ist das gute Recht einer jeden Branche. Mir als Bürger ist es aber lieber, eine ortsansässige Agentur schenkt der Stadt ein neues Corporate Design, als dass die Stadt ein solches für viel Geld einkaufen muss. SO wichtig ist ein Corporate Design nämlich den meisten Branchenfremden nicht, da gäbe es hier vor Ort einiges, wo das Geld besser angelegt wäre. Dass sich die Agentur davon eine Werbewirkung verspricht: Das ist Marktwirtschaft. Andere Agenturen hätten diesen Weg des Marketings ebenfalls beschreiten können.

    3. Zu beklagen, dass “der Wert von Kreativ- und Designleistungen” herabgesetzt wird, das ist so widerlich egozentrisch, das es nur noch lächerlich ist. Auf gut deutsch: Eine “Kreativ- und Designleistung” zu Konditionen, wie ihr euch sie vorstellt, kann sich diese Stadt nicht leisten. Wenn durch diese Einsparung nur ein Schwimmbad oder Sportplatz saniert werden kann oder eine Stadtteilbücherei erhalten bleibt, dann ist mir das Geheule eurer Branche so unglaublich egal.

    Mit Grüßen aus dem Tal
    Christian

  14. Für alle die auch gern offline über dieses Thema diskutieren möchten (ohne sich hinter Pseudonymen zu verstecken):

    Am Mittwoch 3. Juli um 20 Uhr findet eine offene Diskussionsrunde mit der Agentur Illigen Wolf Partner in der Wuppertaler Hebebühne statt.

  15. @ Wuppertaler:
    danke für die Außenansicht. Vielleicht kann ich was dazu sagen, der BDG hat diese Initiative beratend betreut.

    Es geht nicht um beleidigte Designer, die auch gerne einen Auftrag gehabt hätten. Es geht um den Designeinkauf der Stadt, der einerseits Konzepte einkauft und gleichzeitig eine Schenkung zum ähnlichen Thema annimmt und damit vorzeitig Fakten schafft. Die Stadt hätte diese Schenkung wie jede andere Schenkung auch kennzeichnen müssen, was nicht geschehen ist. Hier geht es also um einen unprofessionellen Designeinkauf und mangelnde Transparenz.

    Dann haben die 50 Designer aus Wuppertal ein berechtigtes Interesse daran, ob diese Schenkung einen Einfluss hat auf weitere Auftragsvergaben. Das Wort Gegengeschäft möchte ich hier nicht unterstützen, ohne beide Seiten gehört zu haben. Hier geht es um etwaige Beeinflussung und Vorteilsnahme.

    Natürlich klingt eine Klage über mangelnde Akzeptanz schnell selbstbezogen, hier geht es aber um handfeste Standortfaktoren für Wuppertal. Die Designwirtschaft schafft Arbeitsplätze und schaut auf einen OB, der sich offenbar nicht um diesen Teil der Wuppertaler Wirtschaft kümmern mag. Ein OB, der ein Auto eines ortsansässigen Autohändlers als Geschenk für die Stadt annehmen würde, hätte das gleiche Problem mit allen anderen Autohändlern des Ortes.

    Wenn ich zusammenfassen darf: Es geht um Professionalität beim Designeinkauf, um mangelnde Transparenz, um mögliche Beeinflussung und um ungleich verteilte Unterstützung. Ich hoffe, dass es bald klärende Gespräche gibt und Wuppertal eine gute Lösung bekommt.

  16. Mir gefiel die Tonalität im offenen Brief übrigens gut. Ich empfinde das Anschreiben weder emotional negativ aufgeladen noch egozentrisch motiviert. Wenn man sich diese sachorientierte Haltung in der Gesprächsrunde auf beiden Seiten zu bewahren weiß, steht einem klärenden Verlauf sicher nichts mehr im Weg.

  17. @Wuppertaler:
    Aus welcher Branche kommst Du? Als Außenstehender ist das leicht zu sagen, aber warts mal ab, bis Du heulst, weil sich in Deiner Branche Deine mühevolle Arbeit nurnoch für n’Appel und n’Ei verkaufen lässt.

    Bin mal gespannt, wie sich das weiterentwickelt…ganz abgesehen von den Designern: Schenkung steht doch ziemlich gefährlich nah mit einer Bestechung. Ich weiß nicht, ob sich Wuppertal damit was Gutes tut, aber das wissen Fachleute besser.

  18. Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, wenn Begriffe wie “Egozentrik” oder “Selbstbezogenheit” in diesem professionellem Kontext als tendenziell negativ aufgefasst werden:
    eines der größten Probleme der Branche ist der mangelnde Unternehmergeist. Dieser schliesst genau das zwingend mit ein: naturgemäß egozentrisches Gewinnstreben! Das ist, eingebettet in einen vernünftigen Rahmen (ja, auch einen ökologischen), keineswegs schlecht, es ist in nahezu allen Unternehmen die Regel und sollte es auch in der Designbranche werden. Und auch wenn der Vorwurf naheliegt, man muss noch lange kein Turbokapitalist oder eine Umweltsau sein, um den Wert der eigenen Leistung selbstbewusst zu verteidigen.

  19. Zitat Anonymous #6: „Man möge sich vorstellen der örtliche Baubetrieb schenkt mal eben die neue Zufahrt zum Rathaus, da das alte Straßenpflaster unansehnlich und unvollständig war.“

    Einen solchen Vergleich wollte ich auch eben anbringen – denn das verstehen vielleicht auch Branchenfremde.

  20. Mal abgesehen davon, ob die Schenkung rechtlich in Ordnung ist, ob das CD wirklich ein Mehrwert für Wuppertal bietet und wie viel Arbeit nun wirklich in ihm steckt: Die Agentur ist sich doch von Anfang im klaren gewesen, welche Wellen eine derartige Schenkung verursachen wird. Nun ist sie groß im Gespräch und besser hätte es doch nicht laufen können. Auch wenn ich es persönlich Herrn Illigen nicht gönne, da er meines Erachtens nach im Interview ein wenig zu sehr von sich und seiner Ansicht überzeugt ist. Er nimmt sich nicht einmal einen Nebensatz um das Geschehene selbst zu hinterfragen oder es aus der Sicht eines Aussenstehendes verstehen zu wollen. Sehr schade.
    Selbstverständlich ist die ganze Angelegenheit fragwürdig. Allerdings möchte ich auch nicht wissen, wie viele Agenturen nur so laut brüllen, weil sie sich ärgern nicht auf die Idee gekommen zu sein.

    Meine Meinung zum CD hingegen ist allerdings recht klar: Das Logo ist nichts neues für Wuppertaler. Offensichtlich keine konstant definierten Farben. Kein wirklich durchgehend angewandtes Gestaltungsraster. Ich erkenne keine wirklich Linie, erst recht nicht bei Motiven und den Fahrzeugen im Bezug zum Rest – und das ist das schlimmste was einem CD passieren kann.

  21. @Ninni

    Ich bin Programmierer. Ich weiß aber, dass angesichts der heutigen finanzieller Lage vieler Kommunen von dieser Seite keine Aufträge gegen Geld zu erwarten sind – zumindest keine, die nicht sofort und nicht dringend erforderlich sind. Die dürfen das Geld ja gar nicht ausgeben.

    Und dann ist an mir, vielleicht kostenlos etwas zu machen, damit sich das rumspricht und andere, zahlungskräftige Auftraggeber auf mich aufmerksam werden. Gestalter, die mit der Ware Aufmerksamkeit Geld verdienen wollen, scheinen am wenigsten bereit zu sein, sich diese Aufmerksamkeit auch selbst zu beschaffen.

    Die Agentur hat alles richtig gemacht, und ich empfinde Herrn Illigen als sehr sachlich, sehr offen, und wesentlich sympathischer als die Wutbürger, die den offenen Brief geschrieben haben.

    Disclaimer: Auch wenn Wuppertal etwas Dörfliches hat, kenne ich weder Herrn Illigen noch seine Agentur. Letztere kenne ich jetzt schon, vielleicht beanspruche ich deren Dienste auch bald mal.

  22. Vielleicht dachte man einfach:

    Man investiert ein paar Stunden (sicher nicht 1.200) in die Entwicklung eines Corporate Designs, bedient sich dabei praktischerweise schon vorhandener Elemente (laut Kommentar 18) und verschenkt am Ende alles “selbstlos” an die Stadt Wuppertal (was dort wohl eine lange Tradition hat).

    Das Kalkül: man ist in aller Munde, hat eine positive PR und eine Menge Neugeschäftsanfragen.

    Ob diese PR-Aktion ein Erfolg für die Agentur wird, bleibt abzuwarten. Im Moment sieht es jedenfalls nicht danach aus …

  23. Eine kurze Frage an die Leute vom Fach: Ist Stänkern, das “beleidigte-Leberwurst-spielen” oder das “Haar-in-der-Suppe-suchen” eigentlich branchenspezifisch ?

  24. Tja,
    da könnt ihr mal sehen:
    So wie Wuppertaler denken da draußen viele, wenn nicht die meisten Nicht-Designer und Bürger. Das ist leider Wahrheit.

    Nicht nur, dass in dieser Denke bedauerlicherweise zusätzlich Animositäten (“Egozentrik”, “Selbstbezogenheit”, “beleidigte Künstler”) schubladenweise aufflackern, es wird der Wert von Design grundsätzlich negiert und unter Schwimmbäder etc. gestellt. (Wobei Schwimmbäder auch auch immer “designt” also gestaltet sind, das wird jedoch gerne unterschlagen …)

    Es wird Zeit, dass die Designbüros aufwachen.
    Mit dem “Verkaufen” tun sie sich alle recht schwer. Mit Marketing noch schwerer. Der Grund kann sein: eine gewisse aristokratische Grundhaltung. Man tut sich daher schwer, generell über Preise zu reden.

    Dann taucht von 0 auf 100 ein Designbüro auf und schwups! verschenkt es alles. Was für ein Stunt! Leider würde ein gestandener Vertriebler und auch ein Marketingfachmann nur den Kopf darüber schütteln. Das Ding ist nicht zu Ende gedacht.

    Bin dafür, dass Marketing ein wichtiges Fach wird bei den Designern und nicht mit wenigen Wochenstunden im Vorlesungsplan verhungert.

    Hab zur Zeit auch Gespräche (Öffentliche Hand). Der Kontakt ging von denen aus. Schwierig, sehr schwierig.
    Nicht nur, dass man Schriftgestaltern/Corporate Gestaltern gerne künstlerische Fähigkeiten unterstellt (haben sie in meinen Augen nicht: Der Künstler arbeitet nicht zielgerichtet, sondern intuitiv. Mit versteckten, verrätselten Botschaften, die es zu ergründen gilt. Der Designer hat immer ein konkretes Kommunikationsziel, das er zu erfüllen hat (BESTELL_JETZT!). Reine Deko und Rätsel aufgeben is nich.), wird auch gleich geagt, dass die Gremien von Kosten nicht begeistert seien.
    Nachtigall trapst.

    Textauszug aus meinem “Indikativen Angebot”

    Was bedeutet der Kostenpunkt „Relaunch“ für Ihren Verband, Ihre Körperschaft?

    Die öffentliche Hand und öffentliche Verbände weisen mit die größte gestalterische Breite und auch größte Altershistorie an Designansätzen auf. Es mag daran liegen, dass solche Organisationen gezwungen sind, ihren Aufgabenbereich und ihre Organisation genau zu formulieren, um überhaupt finanzielle Mittel und Etats dafür zu bekommen. Das bedeutet, dass ebenso genau formuliert sein muss, was denn ein Relaunch im großen Ganzen, aber auch im Einzelnen leisten soll (z.B. Kostenersparnis oder Imageveränderung, z. B. mehr Offenheit, mehr Bürgernähe oder sonstige Signalsetzungen von Public Relations, etc.)

    Was vielen {kommunalen. d. S.] Designanfragenden unbekannt ist

    Eine Leistungsdefinition über Schönheit hinaus ist beim Gewerk Logo und Corporate Design möglich und sogar nötig und üblich. Das geht bei Design, das wissen nur viele nicht. Nur ein Kostenangebot, welches den Preis mit Leistung und Zielen in Relation setzt, kann überzeugend sein und ist gerade im Designbereich anzustreben.

    Schönheit alleine als Leistungskriterium: in Nichtfachkreisen hohe Gefahr von Subjektivität und Beliebigkeit und als stabiles und belastbares Kriterium nicht ausreichend, um in der öffentlichen Hand erfolgreich eine Kostenstelle damit zu eröffnen.

  25. Fortsetzung:

    Was ich der Öffentlichen Hand mit dem voran gegangenen Text signalieren will:

    Dass ich nicht bereit bin, für ein Butterbrot und n’ Ei so etwas Schwammiges, Angreifbares wie “Schönheit” abzuliefern. Die Menschen, auch und gerade die in Gremien sind geschmäcklerisch und kippen schwuppsdiwupps mühsam aufgezurrte Konzepte. Und zahlen wollen sie es auch nicht.
    Cui bono.

    Es ist der Versuch, zu signalisieren (vermutlich sinnlos, ich weiß, aber was tut man nicht alles, auch Missionieren):

    Design muss man auch und gerade bei öffentlichen Körperschaften einen handfesteren Gegenwert als “Schönheit” haben und dieser definierte handfeste Gegenwert muss Menschen/Entscheidern auch einsichtig sein. Sonst braucht man als Gestalter gar nicht antreten, sondern wird getreten.

    -/-
    Werbeagenturen räubern immer öfter im Corporate Design Bereich.
    Und nehmen Designbüros lukrative Aufträge weg.
    Warum sind sie erfolgreicher? Weil diese Frühstücksflocken-Fraktion es nicht allein über “Schönheit” verkauft.

    Siehe auch den Beitrag von Carlos zum Thema Wuppertal auf Fontblog, dem ich uneingeschränkt zustimme. http://www.fontblog.de/die-neuen-leiden-des-wupperwurms#comments

  26. An alle Diskutierenden,

    ich fürchte, für das was hier diskutiert wird und zu recht!, haben die ENTSCHEIDER, wenn überhaupt, nur den Hauch eines Verständnisses bzw einer Vorstellung. Für sie sind das alles WORTHÜLSEN. Wir müssen aufhören zu reden und anfangen, die Leute, die sich anmaßen über Kommunikation zu entscheiden und sich mit ihrer Implementierung und Wirksamkeit zu brüsten, mit den KONSEQUENZEN einer Situation, in der es kein UMSONST- oder BILLIGDESIGN mehr gäbe, zu konfrontieren und somit von der UNABDINGBAREN NOTWENDIGKEIT guter Kommunikation im Ganzen zu überzeugen. Das verlangt nach Solidarität und Loyalität unter den Kreativen – soeben, wie im oben genannten Beispiel Wuppertal kläglich gescheitert.

  27. 1. Entweder mehr SOLIDARITÄT.

    2. Oder/und MARKETING und Verkaufen lernen.

    Bei beidem sehe ich richtig Schwarz.
    (Was ja die richtige Druckerfarbe ist …)

  28. “es wird der Wert von Design grundsätzlich negiert und unter Schwimmbäder etc. gestellt”

    Das klingt so, als seien wir Nicht-Designer einfach nur zu blöd, den wirklichen Wert von Design zu erkennen. Dem ist nicht so: Die allermeisten finden z.B. einen Sportplatz oder eine Stadtteilbücherei wirklich wichtiger als ein Corporate Design.

    Was wohl auch einer Branche wird, die den vermeintlichen Kunden in fast jedem Kommentarbereich vorwirft, eh zu blöd zu sein, die erbrachte Leistung zu verstehen? Ich hab da eine Ahnung…

  29. Ach Wuppertaler,
    nicht zu blöd (das haben SIE gesagt, ist rein IHRE Interpretation),
    sondern negierend. Verneinend.

    Für viele Menschen oder Menschen wie Sie ist Design nichts wert.

    Dass aber auch der teuere silberne Muckenpatscher das iPhone
    grade das blanke Design ist, dass sogar Dorf-Schwimmbäder durchgestaltet sind,
    das wird einfach verneint. Weggewischt. Interessiert nicht.

    Welchen Ausdruck außer negieren würden SIE denn dafür wählen.

    Meine Erfahrung mit Menschen ist:
    Dass sie sehr wohl Design wollen und genau wissen, was das ist. Von blöd kann nicht die Rede sein. Sicher auch nicht bei Ihnen.

    Aber sobald das Gespräch auf Vergütung kommt, ist es das plötzlich nicht mehr. Bei professionellen Einkäufern ist das ja noch nachvollziehbare Rhetorik/Taktik, um sich Vorteile zu verschaffen beim Einkauf (vulgo den Anbieter einzuschüchtern oder den Wert bewusst herunterzureden). Man weiß wie man als Anbieter dran ist und kann sich in der Verhandlung ebenfalls rhetorisch wappnen.

    Doch bei Normalos, die ein Post über Design und Designer abladen, gerate ich schon mal ab und an ins Rätseln.

  30. @Wuppertaler: Ich denke du missverstehst einen Teil des Aufruhrs: Der “Bürger” ist hier doch gar nicht das Thema. Ebenso wenig wie die Frage ob dem Bürger nun das Schwimmbad oder der Briefkopf seiner Stadtverwaltung näher am Herzen liegt.

    Unsere Branche hat ihre Liebe Not mit dem Wert ihrer Erzeugnisse, der einerseits durch den Markt (Also die Wertschätzung der Bürger), andererseits durch die Rahmenbedingungen (Zeitaufwand + Arbeits- und Unterhaltskosten) bestimmt wird.
    Wenn in dieser chronisch angespannten Marktsituation nun einer kommt und 1200 Arbeitsstunden verschenkt, dürfen wir, die wir das nicht jeden Tag machen, doch schon fragen wie und warum so etwas vor sich geht und welche Folgen so was evtl. hat, meinst du nicht?

    Als Kollege finde ich das gerade zu sittenwidrig, menschlich kann ich es nicht nachvollziehen, und, wäre ich ein Auftraggeber dieser Agentur, würde ich mich fragen ob meine Honorare nicht zu hoch sind, wenn man sich dort ehrenamtliche Tätigkeiten in diesem Ausmaß leisten kann – Unterm Strich bleibt, egal ob der Agentur die Aktion nun gut tun wird oder nicht, nur eine empfundene Entwertung von Designdienstleistung übrig, für alle und weit über Wuppertal hinaus.

    Das mir, der ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen muss (ich kann nix anderes), das nicht schmeckt, sollte doch nachvollziehbar sein?

  31. An die Adresse von „Wuppertaler“ gerichtet: Sie pauschalisieren statt zu differenzieren, Sie polemisieren anstatt sachlich zu kritisieren, Sie schrammen mit jedem Ihrer aus der Anonymität heraus verfassten Kommentare haarscharf an der Beleidigung vorbei, anstatt dass Sie sich konstruktiv einbringen und unter Ihrem Echtnamen für Ihre Haltung einstehen. Sie maßen sich in Politiker-Manier an, für die „allermeisten“ zu sprechen, kommentieren dabei allerdings ausschließlich aus einer persönlichen Haltung heraus. Glauben Sie allen Ernstes, dass man Respekt – in diesem Fall gegenüber Nicht-Designern – einfordern kann, indem man wie ein Elefant ins Porzellanhaus stampft und wild auf Designer los poltert? Ihre Vorbehalte ja offenbar gar Verachtung für die Designbranche scheint weitaus größer zu sein, als die Unkenntnis vieler Designer um die Befindlichkeiten von Nicht-Designern. Beides gibt es, das wissen wir. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Designer Interesse daran haben, diese Kluft größer werden zu lassen. Viele Diskussionsbeträge auch zu diesem Artikel beweisen das Gegenteil.

    Und mal so unter uns, „Wuppertaler“, halte ich den Begriff „Wutbürger“ keineswegs für negativ konnotiert, sondern für eine Auszeichnung, weil Wutbürger nämlich die Courage besitzen, für ihre Haltung auf die Straße zu gehen und für ihre Meinung namentlich einzustehen.

  32. Wenn ein Malerbetrieb kostenlos das Rathaus streichen und dafür einen Zeitaufwand von mind. 4 Wochen einkalkulieren würde, dann wär aber was los in der Branche. :-)
    Wahrscheinlich würde man psychatrische Gutachten dieses Malerbetriebes anfordern. :-)

  33. Aufgrund der abgebildeten Werbemittel bezweifle ich, ob man hierfür wirklich den Begriff “Corporate Design” verwenden sollte. Wie schon #25 geschrieben hat fehlen hier fundamentale Elemente, die ein CD ausmachen. Die einzige Klammer, die ich erkennen kann ist die Anordnung des Logos (links oben) und des Städtenamens (links unten). Das ist verdammt wenig. Die Agentur schießt sich mE mit Ihrer Leistung mehr ins Bein, als mit ihrem Geschäftsgebahren.
    Viel Freude wird auch die Gestaltung des Briefbogens in der Stadtverwaltung bei den Betroffenen auslösen (Blocksatz, eingeschränkte Breite für den “Content” durch die rechte Spalte). Da hätte man sich vielleicht besser mal in der Stadtverwaltung umgesehen, um zu sehen, was so alles auf so ein Papier drauf muss (z.B. Rechnungen).

    Und die 1000 Stunden (das sind immerhin 125 Tage à 8h) halte ich für einen schlechten Witz, falls dass da oben das Ergebnis ist und nicht nur eine Essenz.

  34. An alle:

    Wer genau nachliest, wird erfahren, dass die Agentur seit 4 Jahren am CD gearbeitet hat. 1200 Stunden geteilt durch 4 Jahre macht 400 Stunden pro Jahr. Und wer – wie ich – schon mal ein Stadt-CD gemacht hat, weiss, wieviele Stunden für Organisatorisches und Gespräche draufgehen.

    Und die Qualität des Designs anhand der hier stellvertretend ausgesuchten Layouts, die vielleicht auch nur skizzenhaft ausgearbeiteten Entwürfe sind, zu beurteilen, halte ich für extrem unfair.

  35. Offenbar hat noch keiner verstanden, dass Scholz & Friends nichts in Punkto Stadtimage / CI oder Marketing machen, sondern lediglich Projekte begleiten. Leute, informiert euch, bevor Ihr auf den falschen Zug aufspringt!

  36. Wie süüüüüß! Da wusste jemand wohl nicht was ein CD ist. Diese “Arbeit” entbährt jeglicher Diskussionswürdigkeit. Falls da jemand dachte er kann in einer Stunde (ich meine natürlich 1200 Stunden!!!) billig Werbung für sich machen wird wohl bald merken, dass sowas nach hinten losgehn kann weil:

    a) man mit einer derart miserablen “Leistung” zum Gespött der breiten Masse wird

    b) man mit einem solchen Vorgehen selbst in Misskredit gerät

    c) spätestens wenn jemand den sogenannten Briefbogen ernsthaft benutzen möchte so einige Probleme bekommen wird. Mal abgesehen von den andern “Kreativleistungen”.

    Also nochmal nachlesen was ein CD ist, gell. Dann klappts beim nächsten Mal besser.

    p.s. Der Computer kann übrigens mehrere Schrifarten darstellen. Oh man!

  37. Hallo Vroni, hallo andere…

    Eure Syntax und Semantik zeigt, dass Ihr Eure Kommentare sehr schnell und offenbar auch sehr emotional verfasst. Bitte denkt doch vor dem Posten mal nach, was substanziell haltbar ist.

    Wisst Ihr denn, ob die Stadt das Geschenk nicht doch schätzt? Ihr nehmt es lediglich an.
    Wisst Ihr, dass Aufträge öffentlich ausgeschrieben werden müssen? Wisst Ihr, das die Unterstellung der Korruption (wie immer man es auch umschreibt) ohne Nachweisbarkeit den Tatbestand der Verleumdung erfüllt? Kennt Ihr das komplette Designmanual oder nur die hier gezeigten Abbildungen? Wisst Ihr, ob das der letzte Stand ist oder ob es nur Skizzen sind?

    Bitte mehr Sachlichkeit!

  38. @ Clemens (#41)

    Offenbar hast Du Infos, dass das CD kein richtiges ist und der Briefbogen nicht umsetzbar ist. Bitte mehr Input! Was genau meinst Du mit “… den anderen Kreativleistungen”?

  39. @Hans von Groten,
    Soviel ich weiß, ist Syntax Grammatik, Satzbau.
    Am Satzbau, an der Grammatik kann man also Emotionalität herleiten.
    Süß.

    Hab zwar nix über Korruption & Ausschreibungen geäußert bis jetzt, bin wohl aber jetzt in Sippenhaftung mit anderen, da ich im Plural mit angesprochen wurde:

    Selbstverständlich ist bekannt, dass Ausschreibungen öffentlich sein müssen.
    Genauso ist aber auch bekannt der Unterschied zwischen denen und weiteren Auschreibungsarten, z. B. der freihändigen Vergabe.
    Da wird schon recht viel Schmu gemacht, auch wenns nicht immer um Drohnen geht …
    Wer Schmu vermutet, liegt unfreiwillig leider von vorneherein sehr oft richtig.

    “Wisst Ihr denn, ob die Stadt das Geschenk nicht doch schätzt?”

    Und. Wird die Aktion besser, wenn sie sie “schätzt”?
    Kanns ja nicht sein.

    Kratzfuß

  40. @Robert Elbers Danke für die Richtigstellung. Wenn auch die von Stefan #3 aufgemachte Rechnung nicht stimmt, bleibt es dennoch bei dem bezifferten Aufwand. Über welchen Zeitraum die Designleistungen angefallen sind, ohne dass diese vergütet werden, spielt in diesem Fall keine Rolle.

    @Hans van Groten Die Versachlichung der Diskussion ist unterstützenswert. Allerdings lege ich schon Wert darauf, dass hier weder durch meine Person im Artikel, noch in den Kommentaren der Vorwurf der Korruption erhoben wurde. Die entsprechende Formulierung im Artikel ist wertfrei und unvoreingenommen.
    Und zu Ihren anderen Fragen möchte ich gerne wie folgt antworten.

    Wisst Ihr denn, ob die Stadt das Geschenk nicht doch schätzt?
    Da die Stadtverwaltung zu diesem Vorgang bis heute keine Stellungnahme verlauten ließ, lässt sich die Frage nur dahingehend beantworten, dass man natürlich davon ausgehen darf, das sie die Arbeit der Agentur schätzt, vor allem auch, da diese gratis erfolgte.

    Wisst Ihr, dass Aufträge öffentlich ausgeschrieben werden müssen?
    Aufträge, die ein bestimmtes Volumen überschreiten, den sogenannten Schwellenwert, müssen öffentlich ausgeschrieben werden, national bzw. auch europaweit. Auch in NRW gelten die Richtlinien des EU-Vergaberechts. In wie weit der besagte Auftrag an die Agentur Illigen Wolf Partner hätte öffentlich ausgeschrieben werden müssen, vermag ich nicht zu sagen.

    Kennt Ihr das komplette Designmanual oder nur die hier gezeigten Abbildungen?
    24 Abbildungen sind mehr als ausreichend, um eine Einschätzung abzugeben. Nebenbei gesagt – in keinem dt-Artikel finden sich mehr Anwendungsbeispiele zu einem Design als in diesem! In der Praxis kann von einem Rezipienten auch nicht erwartet werden, dass er zunächst einmal das gesamte Spektrum an Kommunikationsmedien eines Anbieters studiert, bevor er sich ein Urteil beispielsweise zu einer Broschüre oder einer Website erlaubt. Das Plakat, das am Laternenmast hängt und für einen kurzen Moment betrachte wird, wird nicht gefragt, ob es denn konsistent mit anderen Medien sei. Entscheidend ist zunächst einmal dessen Wirkung. Corporate Design wiederum sorgt dafür, dass die bestmögliche Wirkung bei höchstmöglicher Konsistenz erreicht wird. Ich bleibe an dieser Stelle grundsätzlich, denn ich glaube, dass eine Beurteilung der erbrachten gestalterischen Arbeit die Diskussion eher verwässert, als dass es sie verbessert. Nicht die kreative Leistung an sich, sondern das Hergeben der kreativen Leistung zum Nulltarif – in diesem Umfang – ist der entscheidende Punkt.

    Wisst Ihr, ob das der letzte Stand ist oder ob es nur Skizzen sind?
    Da mir gegenüber Herr Illigen das Bildmaterial mit keinem Wort als Skizzen, Groblayouts oder Moods beschrieb, gehe ich davon aus, dass es sich um die finalen, zur Produktion bestimmten Entwürfe sind, die hier abgebildet sind.

  41. @ Kathi

    Scheint ja sehr verwerflich zu sein, Geld verdienen zu wollen. Mr sieht das Ganze doch eher nach einer Neiddebatte aus. Da ärgern sich einige Agenturen, dass sie nicht selber auf die Idee gekommen sind und glauben zudem noch, dass es bei einer Stadt mit knappen Kassen richtig fette Jobs abzugreifen gibt.

    Wacht auf, Leute!

  42. Man nehme ein vorhandenes (!), klobiges Logo aus den späten 60ern, das Assoziationen an Bauhaus-Font, Schlaghosen und “Disco” mit Ilja Richter weckt, klatsche in einer austauschbaren, langweiligen serifenlosen Nullachfünfzehn-Schrift gesetzte langweilige, austauschbare Slogans daneben, würze das ganze noch mit unverfänglichen Ideal-Standard-Templates, die nach Gratisbeigabe zu Word und Indesign oder Produkt von Data Becker aussehen und bezeichne dies als “Corporate Design”. Yay!

    Wo bitte sind da 1200 Stunden zusammen gekommen? Da ist doch wohl das Komma verrutscht. 15 statt 150 Tage inkl. Abstimmung – wobei, wieso soll es eigentlich Abstimmung bei einem Geschenk geben? Einem geschenkten Gaul etc.? – wären mit etwas gutem Willen noch glaubhaft gewesen.

    Verschenken sollte die Ergebnisse dann natürlich trotzdem nicht.

    Oh, und lieber Wuppertaler, oder sollte ich eher Wuppertroller schreiben: SIE als Programmierer programmieren dann der Wuppertaler Stadtverwaltung natürlich auch mal eben für umme eine neue Warenwirtschaft für den Büromitteleinkauf, weil Sie so ein guter Mensch sind und das Elend mit dem ollen dbase-basierten System von 1987 (<= haltlose Spekulation) nicht mehr mit anschauen wollten, ja? Brav. Wegtreten.

  43. Wenn mir der werte Herr Schaffrina bitte noch zeigt, wo ich mit meinen Formulierungen auch nur in die Nähe einer Beleidigung komme?

    Und zum immer wieder gerne genommenen Anonymätsvorwurf: Dies hier ist Internet. Hier kann ich, wenn ich will, anonym bleiben. Hier kommentieren bei weitem nicht alle unter Echtnamen. Und wenn einem ein Standpunkt nicht gefällt, dann ist das auf einmal ein Problem? Dann schreiben Sie das Kommentieren mit Echtnamen vor, wenn Ihnen anonyme Kommentierer nicht wollkommen sind.

    Ich find es bezeichnend, wie sich Vertreter eine Branche hier Woche für Woche gegenseitig der eigenen Wichtigkeit versichern müssen. Ich dachte immer, das täte der Markt.

  44. “So was gibt es doch nur, um Geld zu machen.”

    @ Kathi Smith

    Geld? Wie soll da anschließend Geld reinkommen. Folgeaufträge, Anpassungen mache doch die stadteigenen Leute, wenn ich das nicht ganz falsch verstanden habe.
    Bekanntheit. Nur die pure Bekanntheit. Um die geht es.
    Das reicht vielen solcher PR-Stuntler schon.

    Ich empfehle wirklich dringend der sogenannten Kreativbranche, reine PR-Stunts von Marketing-gesteuerten Angeboten unterscheiden zu lernen, die wirklich einen Fuß in die Tür ermöglichen mit wirklich anschließendem Abverkauf, sodass sich die Investition wirklich rechnerisch lohnt.

    Ich bleibe als alte Handerwerkertochter bis dahin bei meinem liebgewordenen Vorurteil: Die meisten Designer können den Dreisatz nicht.

  45. Meine Fresse, checkt ihr’s nicht?
    Es wird doch immer nur rumgeheult in der Öffentlichkeit, in den Medien… äääh… für ein neues Logo haben die Geld, aber für Kita Plätze ist keins da und auf den Radwegen fliegt man über Baumwurzeln… bla bla bla. Ja was soll ein Oberbürgermeister denn machen? Ich würde es auch annehmen wenn’s eine Schenkung wäre.

  46. “Die allermeisten finden z.B. einen Sportplatz oder eine Stadtteilbücherei wirklich wichtiger als ein Corporate Design.”

    Das ist das, was mich an dieser ganzen immer wieder kehrenden Diskussion – auch im Zusammenhang mit scheinbar exorbitanten Kosten für CD-Projekte immer wieder extrem stört: Das Ausspielen “handfester” Investitionen (Schwimmbäder, Sportplätze, Bibliotheken etc pp…) gegen die “virtuelle” in ein städtisches CD. Das geht noch immer oft in die Richtung, “lieber” das Geld in ersteres als in letzteres zu stecken und letzteres entweder komplett zu vernachlässigen oder für umsonst oder zum günstigsten Preis von einem Dilettanten zusammenschrauben zu lassen, im Idealfall ohne öffentliche Ausschreibung und mittels Vitamin B.

    Warum darf dieses Beispiel einer großzügigen Schenkung nicht Schule machen?

    Erstens ist da der Interessenskonflikt. Ich verweise auf das Beispiel von Kommentar Nr.5 – eine örtliche Baufirma schenkt der Stadt eine neue Auffahrt zum Rathaus; das lässt sich aber durch alle Branchen und mit allem, was sich schenken lässt, beispielhaft durchexerzieren. Und dann kommt eines Tages eine städtische Ausschreibung und man stelle sich vor, den lukrativen Zuschlag bekommt eben jene zuvor großzügig schenkende Baufirma. Bei uns sagt man dazu, das ganze habe ein “G’schmäckle” – man könnte es auch einfach Bestechlichkeit nennen. Diese Form des hin- und herschacherns von Gefallen und Gegengefallen, von Verbindlichkeiten und Verbindungen sollte beanstandet und verfolgt und nicht gefördert werden. Und die Bürger, die erst so munter Schwimmbadsanierungen gegen CD ausspielen und in dieser so genannten Schenkung kein Problem sondern eine begrüßenswerte Aktion für die Allgemeinheit sehen, werden, sofern diese Amigo-Connections irgendwann ans Licht kommen, laut aufschreien angesichts dieser verabscheuungswürdigen Vetternwirtschaft in ihrem kleinen, beschaulichen Städtchen. Wie hätte man das auch ahnen sollen!

    Und zweitens frage ich mich nicht erst seit gestern, von welcher Warte aus hier manche Diskussionsteilnehmer die Designbranche eigentlich kritisieren. Hier wird Kritik kritisiert und gleich steht wieder der Vorwurf der Beleidigte-Leberwurst-Branche im Raum. Eine Designleistung zu Konditionen, die wir uns vorstellen, kann sich eine Stadt nicht leisten? Wenn man hinterfragt, dass eine Agentur, die auch von etwas leben muss, etwas gratis macht, womit viele andere versuchen, ihre Rechnungen zu bezahlen, ist das also egozentrisch – schließlich handelt es sich dabei ja nur um Werbung, und das ist eben Marktwirtschaft?
    Im Umkehrschluss heißt das auf andere Branchen gemünzt: Eine Malerleistung zu Konditionen, die sich die Malerbranche vorstellt, kann sich eine Stadt nicht leisten – deshalb soll ein städtischer Malerbetrieb doch bitte die Sporthalle für umme streichen, schließlich ist das Werbung. Eine Sanitärarbeit zu Konditionen, die sich das Sanitärhandwerk vorstellt, kann sich eine Kommune, eine Stadt oder ein Dorf nicht leisten – deshalb soll ein Betrieb des regionalen Sanitätshandwerks doch die neuen Schultoiletten verschenken – und zwar überall in Deutschland, in jeder Kommune, in jeder Stadt, in jedem Dorf. Eine Programmiertätigkeit zu Konditionen, die sich die EDV-Branche vorstellt, kann sich die Stadt nicht leisten, deshalb soll sich doch bitte ein Student von der Uni um das Online-Dokumentenmanagement der Stadtverwaltung kümmern, natürlich als unbezahltes Praktikum, zwecks Erfahrungssammlung. Warum für etwas bezahlen, wenn es jemand zu Werbe- oder Erfahrungssammelzwecken früher oder später eh gratis macht?
    Ich glaube nicht, dass das deutsche (Handwerks-)Gewerbe dieses Spiel auf Dauer mitspielen, respektive sich überhaupt darauf einlassen würde. Schließlich müssen Angestellte, Material, Miete, Steuern, Fahrzeuge, Rechnungen bezahlt werden. Es ist für mich, obschon diese Debatte alles andere als neu ist, immer wieder verblüffend, warum ausschließlich für die Designbranche andere Regeln gelten als für alle anderen Branchen. Weil man in dem, was am Ende herauskommt, nicht herumlaufen oder Basketbälle werfen oder Bücher lesen kann? Weil man nichts in der Hand hält, auf das man blicken uns sagen kann; “dank dieser Investition nehmen wir pro Jahr x Euro mehr ein/sparen wir x Euro”?

    Diese Branche kann sich diese monetären Nullnummern eigentlich nicht erlauben, doch leider gibt es noch immer genügend Mitspieler vom Schlag Illigen Wolf Partner, die ruinöse PR-Stunts als Werbemittel für herbeifantasierte Folgeaufträge missverstehen. Glaubt dieses Büro tatsächlich, dass demnächst Scharen von zahlungswilligen Auftraggebern ihre Agentur stürmen und mit lukrativen Aufträgen und Geldscheinen um sich werfen und es kaum erwarten können, den üblichen Stundensatz dafür aufzuwenden, nachdem das Büro gerade ein halbes Jahreskontingent an Stunden “for free” verblasen hat? Ist es nicht wahrscheinlicher, dass man sich mit solchen Aktionen eher Auftraggeber der Kategorie “xy haben Sie doch auch gratis gemacht; wir hätten da auch was für Ihr Portfolio, aber Budget haben wir keins” anlacht?

    Ja, man kann das egozentrisch nennen, wenn Designer sich darüber beklagen, dass ihre Arbeit nicht gewürdigt und entsprechend entlohnt wird. Aber dieses Lamentieren kommt nicht von ungefähr – es muss langsam auch Schluss sein mit dieser Gratismentalität, die zu einem großen Teil daher kommt, dass sich viel zu viele Büros und Agenturen viel zu häufig haben klein rechnen und ihre Arbeit vorne und hinten nicht kostendeckend haben bezahlen lassen. Wenn es weiter Mitbewerber gibt, die ihre Dienste zu ruinösen Konditionen oder gleich gratis zur Verfügung stellen, wird sich das auf lange Sicht nicht ändern. Aktionen wie dieses verschenkte so genannte CD für Wuppertal erweisen der ganzen Branche einen Bärendienst, denn sie tragen nur dazu bei, diesen Gedanken in den Köpfen zu verfestigen: Für Design braucht man nichts zu bezahlen, denn das gibt es ja (fast) gratis. Genau das Gegenteil müsste passieren, nämlich ein Bewusstsein zu schaffen dafür, dass hinter jedem Design ein Arbeiter steht; einer oder mehrere Menschen, die Familien zu ernähren und Rechnungen zu begleichen haben, und die genau wie Schwimmbadbauer oder Bibliothekare das Recht haben, für ihre Arbeit ordentlich entlohnt zu werden. Und ich bezweifle stark, dass Schenkungen wie diese bei der Bewusstseinsfindung hilfreich sind.

  47. @ Søren

    Wenn das Stadtsäckl leer ist, kann die Stadt keine Folgeaufträge vergeben.
    Aufträgsvergaben unterliegen dem Vergaberecht. Da kann man ohhe bösartige Unterstellungen nicht annehmen, dass die Agebntur von der Stadt im Gegenzug Aufträge bekommt.

    Zum Handwerkerbeispiel:

    In Wuppertal engagieren sich die Bürger mit mehreren 100.000 Stunden Ehrenamt. Da kommt auch keiner auf die Idee zu mosern, dass mögliche Aufträge der Wirtschaft verloren gingen.

    Der Handwerker, der von mir aus umsonst die Sporthalle streicht, kann keine Aufträge unter Hand zugeschustert bekommen, ohne dass die Vergaberichtlinien eingehalten werden. Ich bin diese ständigen Mutmaßungen über Absprachen und Erwartungen leid, warum müssen immer ein paar schwarze Schafe, die in der Vergangenheit für schlechte Presse gesorgt haben, das Vertrauen in gute Absichten unterminieren? Darf man denn in diesem Land nicht einfach mal aus Idealismus handeln, ohne dass einem miese Absichten unterstellt werden?

    Man möge es doch bitte demjenigen, der sich für das Wohl seiner Stadt einsetzt, überlassen, ob er sich im Rahmen dessen, was er leisten kann, engagiert. Wenn jemand ein teures Kunstwerk einem Museum stiftet, wird das auch nicht hinterfragt im Sinne von “was erhofft er sich davon?

    Im Interview mit Achim steht ja auch, dass die Agentur nicht plant, eine solche Leistung nochmals kostenfrei zu erbringen. Udn ich glaube nicht, dass nun deutschlandweit davon nausgegangen wird, dass es Design zum Nulltarif gibt. Wer für Design kein Geld ausgeben will, lässt sich sowieso im Internet für 79 Euro fünf Logoentwürfe machen.

  48. Danke #51
    Die PDF zeigt zumindest, dass nicht laienhaft an die Aufgabe herangegangen wurde.

    @DT: Wenn man die PDF gleich veröffentlicht hätte, dann wären zumindest ein paar Zweifel bzgl. der Agenturkompetenz nicht aufgetreten, wäre auch weniger Arbeit gewesen als ausgewählte Bilder ins Blog zu hauen ;)

    Den Briefbogen würde ich aber trotzdem anders gestalten…

  49. [...] Stadt Wuppertal erhält Corporate Design – Schenkung löst in der lokalen …Stadthalle Wuppertal Bürgerschaftliches und unternehmerisches Engagement hat in Wuppertal eine lange Tradition. Waren es vormals Parkanlagen oder die Stadthalle, die durch die Bürger und Unternehmer der Stadt geschenkt wurden, entstehen heute durch Bürgerbeteiligung … Read more on Design Tagebuch [...]

  50. @Jeff #4
    Generell zum Thema Pitch: wenn wir das Spielchen mit den kostenlos-Wettbewerben weiter mitmachen, werden wir uns früher oder später selbst auffressen.

    Apropos fressen: um es einem Wettbewerbs-Auslober plastischer zu vermitteln:
    Gehen Sie heute Abend in ein feines Restaurant. Fressen Sie sich durch die komplette Karte und bezahlen Sie anschließend nur das, was Ihnen wirklich geschmeckt hat.
    Und grüßen Sie mir schön den Wirt…

  51. @ #45

    Auf der Webiste der Designagentur steht ausdrücklich, dass die Abbildunge (also die der Plakat- oder Anzeigenmotive) keine fertigen Anzeigen sind!

  52. @ #45 ////
    Auf der Webiste der Designagentur steht ausdrücklich, dass die Abbildungen (also die der Plakat- oder Anzeigenmotive) keine fertigen Anzeigen sind! Ist nicht auf den ersten Blick zu finden.

    @ 57 //// Nö. S+F erstellt keine Stadtindentität, siehe

    http://www.wuppertal.de/pressearchiv/meldungen-2013/mai/102370100000497027.php

    http://www.njuuz.de/beitrag20889.html

    @ #55 //// Richtig. Die Internet-Billiganbieter machen die Preise kaputt, nicht eine Schenkung.

    Sehe kein Problem darin, wenn jemandem, der das Geld für etwas niemals aufbringen könnte, das, was er benötigt, geschenkt wird. Ist das nicht irgendwo auch der Sinn einer guten Tat?

    Sinnvoll ist auf jeden Fall, dass die Branche sich ihres Werts bewusst wird und endlich mal ordentliche Stundensätze verbindich durchsetzt, nicht mehr für umme an Pitches teilnimmt und auch keine Designleistungen für lau macht. Das Beispiel mit dem Restaurant /#59) ist völlig richtig.

  53. an zinnober (nr. 56) man kann immer was anders gestalten. bei 1000 bis 1200 stunden gehe ich davon aus, dass da eine menge an abstimmung gelaufen ist und alles darum so ist, wie es ist. jeder weiss, dass der kunde oder die gegebenheiten die schönsten entwürfe konterkarieren. ich finde es durchaus gelungen, hätte es selbst sicher auch anders gemacht. das heisst aber nicht besser.

    so what: das ergebnis zählt. und es kann sich sehen lassen. macht euch doch nicht gegenseitig fertig, das wirft kein gutes licht auf unsere branche.

    cheers.

  54. Vorsicht, Polemik:

    Ich stelle mir vor, ich bekomme ein Geschenk. Da kommt auf einmal irgend so ein Hans daher, fuchtelt wild mit den Armen in der Luft und versucht mich dumm zu bequatschen, mich zu belehren. Auslachen würd ich die Person, meines Weges gehen, und mir meinen Teil dazu denken.

    Ich kann voll und ganz verstehen daß man diese Schenkung als Designschaffender nicht gut finden kann, und das darf man auch artikulieren. Aber ein gewisser Beigeschmack (knauserig, knickerig, das Wasser steht scheinbar bis zum Hals) bleibt dennoch.

    Wahrscheinlich ist im Nachhinein sowieso nicht entscheidbar, ob so ein Schreiben nun hilft oder schadet oder egal ist. Wahrscheinlich das letztere. Die Betroffenen haben eben nur die Chance ihren Unmut zu artikulieren, ein Teil der Leute findet das gut der andere Teil schlecht, die Dinge gehen weiter ihren Lauf und in einer Woche kräht kein Hahn mehr danach.

  55. Eines verstehe ich nicht. Man hat 2009 mit der Arbeit begonnen… und jetzt wird über eine Schenkung diskutiert? War dies denn top secret? War von vornherein klar, dass es eine Schenkung wird? Ist die Agentur in 2009 auf die Stadt zugegangen und hat angeboten, kostenlos ein Corporate Design zu entwickeln?

  56. Die Aktion des offenen Briefes disqulifiziert sich bereits durch die Tatsache, dass 2/3 der Unterzeichner aufgrund unzureichender Umsatzzahlen, der Mitarbeiterzahl und -struktur sowie einer Haftpflichtversicherung für derartige Auschreibungsvergaben gar nicht berücksichtig werden würden.

    Wie kann man also vor eine Entwertung der eigenen Kreativarbeit warnen, bei der man gar nicht zur Debatte steht?

  57. @ Pina
    Das mit der erforderlichen Betriebshaftpflicht ist richtig beobachtet bei Ausschreibungen der Öffentlichen Hand.

    Ich würde jedoch nicht so weit gehen, diesen vermuteten 2/3 der Unterzeichner grundsätzlich das Recht auf Kritik abzusprechen. Vielleicht sind sie ja irgendwann oder gar demnächst fit für eine Ausschreibung, dann dürfen sie m. E. bereits jetzt ihren Unmut oder ihre Besorgnis äußern.
    Ist aber nur meine Meinung.

  58. Ich kann es nicht verstehen, warum sich hier so viele Leute über “Illigen Wolf Partner” aufregen.
    “There is no free lunch!”

    Was ich damit sagen will, ist einfach folgendes:
    Illigen Wolf Partner hat mit dieser polarisierenden Schenkungsaktion seinen Bekanntheitsgrad erhöht und ist nun im Gespräch.

    Es gibt so viele andere staatliche Institutionen in Wuppertal, die ein neues CD gebrauchen könnten. Warum vergeuden die Herren und Frauen Designer ihre Zeit mit einem offenen Brief an den OB anstatt ihre anscheinend großzügig vorhandene Freizeit für eine eigene Spendenaktion zu investieren.

    Zu den Preisen für Designleistungen kann ich nur sagen, dass der Markt die Preise bestimmt.
    Entweder man akzeptiert es, oder man sucht sich nen anderen Job!

  59. Na, und hat “Werbeagentur Wuppertal” ebenfalls ihre großzügig bemessene Freizeit in eine PR-trächtige Spendenaktion an notleidende CD-BEdürftige investiert? Also ihren eigenen “guten Ratschlag” beherzigt?
    Frag nur mal so.

    @ Achim, meine Antwort bitte auch löschen, falls du diesen SEO-Eintrag von “Werbeagentur Wuppertal” löschst. (Was ich, letzteres, gut verstehen würde)

  60. Danke Vroni, sehr aufmerksam von Dir.
    Aufgrund des doch inhaltlich starken Bezugs zur Diskussion habe ich den betreffenden Kommentar, anstatt ihn zu löschen, lediglich in Bezug auf die verlinkten Schlagwörter angepasst. Statt der auf SEO-getrimmten Wörter steht hier nun der Name der Agentur.

    An Mima Medien gerichtet: Mit „der Markt bestimmt die Preise“ und „Illigen Wolf Partner hat mit dieser polarisierenden Schenkungsaktion seinen Bekanntheitsgrad erhöht und ist nun im Gespräch.“ zeigen Sie auf bemerkenswert offene Weise, welch Geistes Kind hinter Mima und welche Kommunikation hinter Ihrem Agenturnamen steckt. Mit der HSE-Logodublette war JvM auch im Gespräch, ebenso die FH Trier mit ihrer Crowdsourcing-Aktion. Ich glaube nicht daran, dass das, was für Nachrichtensendungen gilt, 1:1 auf die Kreativbranche übertragbar ist – bad news are NO good news. Auch wenn die Schenkung vereinzelt Zuspruch finden mag, erscheint mir der gesamte Vorgang alles andere als gute Werbung für die verantwortliche Agentur zu sein.

    Natürlich haben wir Kreative Einfluss darauf, welche Preise hinter unseren Leistungen stehen. Wer sich Preise diktieren lässt, wird auch bei der Kreation übergangen. In solch einem Fall wäre es an der Zeit, zu hinterfragen, ob man sich in der Tat nicht einen anderen Job suchen sollte.

  61. Es tut mir leid, aber ansprechend ist anders.
    Wenn ich mir jetzt mal allein den Broschürentitel und die entsprechenden Innenseiten dazu ansehe, dann ist dort aber auch nix, was mich jetzt nach Wuppertal ziehen würde.

    Unterkühlt, lieblos und ohne Emotionen. Wie ein Schlach an Hals!

    Oder das Knöllchen?! Himmel! Stumpf den Text drüber geballert.
    Das ist doch jetzt nicht das fertige Design, oder?

    Da ist geschenkt noch zu teuer…

  62. War viel die Rede in den Kommentaren von einem Mangel an „Wertschätzung“ von Designleistungen in den Kommentaren. Und gleichzeitig wird diese „Wertschätzung“ gekoppelt an finanzielle Vergütung.
    Tja, ihr Klagenden, ist eine Leistung jenseits finanzieller Vergütung denn nichts wert? Seit ihr selbst es nicht die Leistung denn schmälern wenn sie argumentieren, sie wär nur dann etwas wert, wenn die Leistung auch finanziell entsprechend vergütet würde?
    Sind da die Vertreter einer Kommune nicht schon ein Stückchen fortschrittlicher und auch designwertschätzender die da sagen:
    nun, wir haben in Vertretung der Bürger dieser Stadt zu haushalten über das Geld eben dieser und haben eben gerade andere Prioritäten als das Geld unserer Bürger auszugeben für hier diskitierte Leistungen. Wissen jene aber sehrwohl zu schätzen und freuen uns auch hier überehrenamtliches Engagement wie es in anderen Bereichen gottseidank Gang und Gäbe ist und ohne die eine Gesellschaft nicht wirklich funktionstüchtig wär.

    Gibt es darüber hinaus nicht noch andere, auch ökonomisch verwertbare Werte die demjenigen zu Gute kommen, der Leistung jenseits finanzieller Vergütung erbringt? Oder engagiert sich Krombacher allein aus Liebe zum Regenwald und bar jeden ökonomischen Hintergrundesfür den Regenwald?
    Bin fast versucht der Agentur Illigen Wolf Partner zu raten die Einladung zum Gespräch mit den Verfassern des offenen Briefes zu ignorieren, weil ich, in vergleichbarer Situation mich befändend, sogar nicht einsehen möcht, warum ich mich zu rechtfertigen hätt dafür, daß ich mich engagieremit meinen Talenten, meinen Fähigkeiten und meiner Zeit für ein Projekt, das nach Meinung der Verfasser ja einen doch erheblichen finanziellen Wert hätt.
    Hab schon fast ein wenig Bammel vor der kommenden Weihnachtszeit wenn ich dann ob der zunehmenden Gelegenheiten meineHosentaschen befreie von Hartgeld und ich mich dann für jeden in einen Hut geschmissenen Cent vor wem auch immer rechtfertigen muß.

    Geb bei der Gelegenheit auch zu, daß ich schon das ein oder andere Logo entworfen hab ohe finanzielle Gegenleistung z. B. für eine Förderschule hier in der Gegend weil der mir gut bekannte Leiter der Schule die Leistung zwar sehr wohl zu schätzen weiß, er aber Ausgaben dafür angesichts maroder Toiletten nicht wirklich zu rechtfertigen wußte. Mag auch nicht verschweigen an der Stelle, daß ich -oh Zufall- bei der Beschilderung dann zum Zuge kam. Ohne Ausschreibung aber zu ortsüblichen Konditionen. Was bin ich aber auch für ein korrupter Lump.

  63. koni,
    Ihrem “kämpferischen” Polemik-Beitrag fehlt jede Trennschärfe.
    Dieses Fehlen begünstigt zumindest Korruptionsdenke.

    Sie müssen besser unterscheiden können zwischen “Sponsoring” und “Spende” an eine Kommune.
    Was ist was.

    Auszug: http://www.transparency.de/fileadmin/pdfs/Themen/Zuwendungen_auf_kommunaler_Ebene_Positionspapier_08-04-20.pdf

    Sponsoring

    Verträge mit adäquater Gegenleitung sind im Hinblick auf die Korruptionsgefahr und eine strafrechtlich Verantwortlichkeit (relativ) unproblematisch. Es handelt sich dabei um normale Austauschverträge, die dem üblichen Reglement für Fiskalgeschäfte der Kommune unterliegen. Die Gefahr liegt hier im Wesentlichen darin, dass der Sponsor sich auf diese Weise einen Anschein von Seriosität verschaffen kann, indem er als Geschäftspartner der Kommune auftritt. Einige Verwaltungsrichtlinien zum Sponsoring sehen deshalb eine Prüfung der Seriosität des Sponsors ausdrücklich vor.

    Kritisch zu betrachten sind Zuwendungen ohne, oder mit nicht adäquater Gegenleistung, da hier immer die Gefahr besteht, dass eine unzulässige verdeckte „Gegenleistung“ angestrebt wird und das Strafgesetzbuch bereits die Annahme der Zuwendung prinzipiell unter Strafe stellt.

    Ohne genaue Hintergrundkenntnisse Ihrer Aktion ist man dennoch versucht, Ihre Aktion mit der Förderschule als Letzteres einzuschätzen: eine verdeckte Gegenleistung möglicherweise angestrebt war. Mit so etwas begaben Sie sich zumindest rechtlich: auf sehr dünnes Eis.

    Argumentativ: haben Sie bei mir schon früher verloren, denn Sie verwischen einfach alle Dinge, die nicht bei drei den Baum hinaufkommen. Hoffentlich sind nicht alle aus der Designbranche solche Kurzdenker. Das wäre in der Tat ein Armutszeugnis.

  64. Ja, Vroni,(würd irgendwie gern beim DU bleiben) kann sein mir fehlt die Trennschärfe (was immer auch mit Schärfe Du trennen möchtest). Um bei meinem Beispiel zu bleiben: ich mag mir wirklich nicht die Mühe machen darüber zu philosphieren, ob meine unendgeldlich erbrachte Leistung denn jetzt eine Spende wär, oder Sponsoring oder Mäzenatentum (das wär ja nach Deiner Definition auch schon wieder anrüchig) oder einfach nur ein Gefallen einem lieben Menschen gegenüber. Darüber hinaus ist es ab und an auch erfrischend, jenseits ökonomischen Drucks ein Projekt zu verwirklichen, das am Ende dann auch als wertvoll anerkannt wurde aber für das eben keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen.
    Der daran nicht gekoppelte Beschilderungsauftrag, den hätt ich mit relativer Gewissheit auch ohne die unendgeltliche Entwurfsarbeit bekommen. Kann aber auch nicht verhehlen, daß sich schon ein großes Maß an Entäuschung in mir breit gemacht hätt, wenn man eine unendgeltliche Leistung von mir gern angenommen hätt, ich aber bei einem Projekt, für das ein Etat zur Verfügung gestanden hätt, übergangen worden wär.
    Da ist es mir auch egal wenn der ein oder andere sich entrüstet weil Wutbürgertum eben grad Konjunktur hat und „Transparenz” zum Modewort degradiert wird.
    Mag das Eis auf dem ich mich Deiner Meinung nach befände auch ein dünnes sein, selber steh ich recht stabil zu meinem Handeln und wenn es denn -wie von Dir unterstellt- gar strafrechtlich relevant sei, Vroni, ich sähe nicht mein Handeln sondern die Gesetzgebung überdenkenswert.
    Seh es auch so ganz und gar nicht kurz gedacht wenn ich plädiere dafür nicht jeden und alles nur an der verfickten Kohle zu messen.

  65. koni,

    Sie haben nichts begriffen.
    Werfen mit Worten wie Wutbürger um sich.

    Leute wie Sie haben die Branche zu dem gemacht, was sie ist:
    Unbedeutend und ein Reservoir voller billiger und williger Menschen.

    Das Schärfste ist, dass Sie behaupten, erst anders handeln zu wollen, wenn der Gesetzgeber das sagt. Das erinnert mich an die einfach gestrickte Moralität eines Vierjährigen, der nur dann etwas nicht tun würde, “weil dann die Polizei kommt”, aber nicht aus innerer Haltung oder Einsicht, die kommt erst später. Einem Vierjährigen kann man das nicht verdenken, so ist seine normale Entwicklungsstufe. Bei Ihnen wirds interessant.

  66. Vroni: „Das Schärfste ist, dass Sie behaupten, erst anders handeln zu wollen, wenn der Gesetzgeber das sagt.“
    ??????
    Kleiner Tipp meinerseites: in einer unaufgeregten Minute nochmal nachlesen und vor dem Tippen womöglich sogar mal kurz reflektieren.

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