#saynotospec – no to free speculative creative work

2:32 Minuten, in denen die ganze Absurdität von unentgeltlich erbrachten Designleistungen im Rahmen von Pitches auf wunderbar einfache Art und Weise zum Ausdruck gebracht wird. Insbesondere Auftraggeber dürfen einmal genau hinschauen. Bravo Zulu Alpha Kilo, die für das Video verantwortlich zeichnen!

42 Kommentare zu “#saynotospec – no to free speculative creative work

  1. Das ganze Elend, Arbeiten im Voraus zu verlangen, nur um mal zu gucken ob es passt („ob es einem gefällt…“), kommt hauptsächlich daher, dass man etwas einzukaufen gedenkt, das es noch nicht gibt.

    Es ist einfach schwieriger, so etwas zu verkaufen. Es ist die Königsklasse des Verkaufs; dieser Verkäufer ist ein Genie, um das man sich reißen müsste. Er kann nicht hochbezahlt genug sein.

    Das nutzt natürlich „König Auftraggeber“ weidlich aus, dass die meisten unter uns eben keine Verkaufsgenies dieser edlen Kunst sind, sondern herumstottern. Und er lässt dann die Puppen tanzen.

    Jetzt zum Video.
    Die darin in unserer Branche gern gezogenen Vergleiche sind ein Ärgernis. Sie stimmen nicht, auch wenn man sie noch so oft wiederholt:

    1. Bilderrahmenteile kann man sehen, ob sie im Stil passen, breit genug sind, etc. Es gibt sie, sie sind da, man kann sie anfasssen.

    2. Backwaren kann man zumindest vorher sehen, man kann ihren Duft riechen, um taugliche Wahrscheinlichkeits-Rückschlüsse auf den Geschmack zu ziehen. Da würde ich ebenfalls so einen Käufer mit so einem merkwürdigen Ansinnen aber zacka aus meinem Laden werfen.

    Schon interessanter:
    3. Der Inneneinrichter hat im Idealfall ein Ladengeschäft, wo man sich Stoffe und Objekte bereits anschauen kann, den Stil spürt, die Persönlichkeit des Inneneinrichters kennenlernen kann, den man gedenkt zusammen mit der Beratung und den Plänen „einzukaufen“.

    Inneneinrichter machen keine Spec Work Pitches. Da ist nichts eingerissen in diese Richtung.

    Einzig Werber und Designer kriegen es anscheinend seit Jahren nicht hin, ihr – ähnlich wie beim Inneneinrichter – in der Zukunft erstelltes Produkt so zu verkaufen, dass sie aus dem Hamsterrad des ständig sich beweisen Müssens herauskommen, das am Revenue nagt. Und nicht nur das: Es ist dermaßen eingerissen, also schon lange so, dass ich fürchte, dass man als Agentur kaum mehr rauskommt aus dieser Kostenlos-Nummer.

    Paradoxon:
    Es ist ausgerechnet auch noch einer Branche, die glaubt, ihren Auftraggebern erzählen zu können, wie Verkaufen geht …

    Müßige Argumentation im Video, die uns Designer erotisch jetzt nicht sonderlich weiterbringt:

    Vergleiche mit Bilderrahmengeschäften und Bäckern.

    Sie hinken schwer. So arg, dass sie schon im Rollstuhl sind. Da sind die Produkte doch schon da, sichtbar. Und standardisiert vorgefertigt. Es ist nicht sonderlich schwer, die ohne Spec Work zu verkaufen.

    Besser ist es, sich am Inneneinrichter und seiner Dienstleistung zu orientieren. Was macht der richtig. Wie verkauft man ein unsichtbares Produkt, eine Dienstleistung die a) ein individuelles Werk sind, das man nicht skalieren kann und b) das erst in der Zukunft erstellt wird.

    Da muss die Verkaufsstrategie ansetzen.

    Als nächstes braucht es, es um diese schwierige und hohe Kunst, eine Dienstleistung zu verkaufen, die noch gar nicht existiert, eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und eine Person, der man Vertrauen schenkt.

    Genau dies scheint mir trotz der herzigen Großmäuligkeit vor allem der Werbebranche gegenüber dem Auftraggeber nicht zu bestehen.

    Man muss sich bei manchen Werber-Figuren nur die Frage stellen: „Würde ich von diesen Typen einen Gebrauchtwagen kaufen?“ Dann weiß man ehrlicherweise, wie man selbst handeln würde („Sofort Spec Work von diesem seltsamen Kameraden bestellen! Aber hey!!“ ;-) ).
    War jetztn Scherz.

    Ausnahmen, Persönlichkeiten, die gut in der hohen Kunst dieser besonderen Akquise und der Verkaufskunst sind, Zukunft zu verkaufen (Spiekermann etc.) bestätigen die Regel.

    • Ich muss dir ein wenig widersprechen:

      1. Kauft man dort einen fertigen Rahmen? Wohl kaum, man lässt sich einen individuellen Rahmen produzieren. Auch dieser Bilderrahmen kann schlecht verleimt sein, das verwendete Glas ein falsches sein. Ähnlich würde ich es auch bei einem Tischler sehen …

      2. Ein Brötchen kann nicht fertig gebacken sein, oder innen noch roh …
      Der Duft schürt nur eine Erwartungshaltung die ebenso bitter enttäuscht werden kann.

      Natürlich hast du Recht, dass man häufig fertige Produkte an den gezeigten Stellen kauft, aber eben nicht immer. Somit tritt man doch mit einer gewissen Erwartungshaltung an den Verkäufer heran. Und ähnliches sehe ich auch bei Designern. Kaum ein Kunde klingelt mal eben an die Tür weil er sich heute ein Logo kauft. Ich behaupte, sofern nicht irgendwelche Beziehungen dahinter stecken, hat der Kunde die freie Wahl sich einen Designer zu suchen. Web-Präsenz und Portfolio vermitteln wie die Arbeiten des Designers bisher daherkamen, das ließe dann ebenso auf eine gewisse Erwartung schließen …

      Wie auch immer – die einzige sinnvolle Methode die eine Haltung ändern, ist das Eliminieren von Pitches. Ob das möglich ist? Ich denke ja! Wettbewerbe gibt es ja zum Beispiel auch in der Architektur, diese laufen aber meist doch sehr anders ab.

      Im Moment schadet sich die Branche aber nach wie vor selbst – sei es in der Form von unbezahlten Leistungen im Bereich der Pitches oder auch mit dem Einsatz von unterbezahlten Trainees und Praktikanten.

      Ich denke, dass man in erster Linie beim Verkaufen die Wertschätzung und das Wesen von Design besser vermitteln müsste. Letztlich steckt da mehr dahinter, als „gefallen“ oder „nicht gefallen“. Erst wenn der Kunde das begreift, wird er einsehen, dass auch im Design eine angemessene Bezahlung niemals in Frage gestellt werden sollte.

      • Wer Architekt ist weiß, dass in diesen Wettbewerben auch der Hund begraben ist. Man für nix ackert. Für Rum und Ähre.

        Und wo Auftraggeber dennoch tricksen und das Architekturbüro für lau arbeiten lässt.
        Nicht zuletzt dann das Generalunternehmerding. Es gibt keine Branche wo mehr getrickst wird, als die Baubranche. Architekten, wenn sie ihren Beruf nicht so hartnäckig lieben würden, würden lieber den ganzen Tag im Park sitzen und weinen.

        („Wettbewerbe gibt es ja zum Beispiel auch in der Architektur, diese laufen aber meist doch sehr anders ab.“)

        • Recht zynische Antwort.

          Nicht alle Wettbewerbe bei der Architektur laufen so ab. Es gibt genügend, die zumindest eine Aufwandsentschädigung erhalten. Zudem läuft das mit Ausschreibungen anders ab …
          Aber gut, die Projekte sind auch etwas „gewichtiger“ als Designprojekte, und das im wahrsten Sinne des Wortes – wenn ein Gebäude steht, steht es. Design kann im Vergleich gewiss etwas „flüchtiger“ sein bzw. flexibler gehandhabt …

          Achja, und weil du bei Ärzten die Kammer erwähnst – gibt es bei Architekten auch. Man darf sich sogar nur dann als Architekt bezeichnen, wenn man bei einer solchen Kammer ist.
          Aber ja, ich bin kein Architekt, daher kann ich nur mein Wissen aus den Erfahrungen in meiner Familie schildern …

  2. Einspruch erneut:
    Diese Rahmen kann man sich schon sehr gut vorstellen.
    In de Regel hängen in solchen Läden komplett fertig konfigurierte Bilderrahmen herum. Das man sich das schön vorstellen kann.
    Wer als Händler nicht ganz blöde ist oder wessen Kundschaft mit derart einfacher Imagination dennoch ein Problem hat, stellt sogar eine Konfigurationssoftware hin, wo der Kunde SEIN Bild mit SEINER ausgesuchten Rahmenlatte samt Gehrung und Leimung als ganze Einheit sieht.

    Das ist nicht das Problem.

    Mich nerven nur immer die Designer-Vergleiche mit den Brötchen, den Autos und dem ganzen fertigen und halbfertigen (konfigurier-…) Konsum-Plembel.

    Designer und Werbeagenturen verkaufen Ideelles. Darum gehts.

    Aber ich sehe schon ein, dass es viele in unserer Branche gibt, die genau das nicht verstehen wollen und sich permanent auf die Ebene der Brötchenbäcker begeben.
    Daher sind wir ja auch da wo wir sind: keinen Hauch weiter.

    • Und auch hier:
      „…stellt sogar eine Konfigurationssoftware hin…“

      Wer macht die Software? Wer stellt die zur Verfügung? Wer bedient die?

      Ich will nur darauf hinweisen, dass auch andere Branchen in Vorleistung gehen, bzw. Vorbereitungen gemacht werden müssen oder es einfach das Vertrauen und die Vorstellungskraft des Kunden benötigt. Und es läuft trotzdem bei denen.

  3. Klasse Clip.
    Die gebotenen Beispiele auf Passgenauigkeit zu unserer Branche abzugleichen finde ich nicht sinnvoll. Klar verkaufen wir etwas, was noch nicht existiert und es ist individuell und maßgefertigt. Aber das tun Anzugschneider, Frisöre, Tättowierer, Bestatter, Hochzeitsfotografen, Prostituierte, Ärzte und viele andere Berufe auch.

    Die Tatsache, dass in unserer Branche noch immer zu diesen Konditionen gearbeitet wird liegt letztlich an uns, nicht an den Kunden. Wenn keiner von uns zu den Konditionen arbeitet, wäre das System erledigt …

  4. Auch Einspruch:
    Da schauen wir uns doch mal die immer wieder gern die von uns selbst mit uns verglichenen Berufsbilder an:

    Der Anzugschneider hat, wenn er nicht ganz naiv ist, fertige Schnitte vorbereitet, die er nur noch auf die Körpermaße des Kunden anpasst.
    Er hat fertige Anzüge und Hemden im Laden hängen, um die Knopflochstickerei zu zeigen und wie das gearbeitet ist. Der Rest ist Anpassarbeit an die Plauze ;-) des Kunden.

    Der Frisör hat ebenfalls fertige Schnitte und fertige Schnittechniken im Repertoir, die er anpasst, dem Kunden für seine Gesichtsform empfiehlt.

    Der Tättowierer hat die Tattoos an der Wand hängen. Meist selbst genügend an seinem Leib als lebender Musterkatalog. Da kann der Kunde studieren, wie ein Tattoo bei ihm wird, akkurat oder schlampig.

    Der Bestatter, das Beispiel verstehe ich nicht ganz. Der hat fertige Särge, Urnen in seinem Ausstellungsraum, er wird keine neuen als Extraanfertigung töpfern; seine Reden bestehen aus bewährten salbungsvollen oder freidenkerisch modernen fertigen Textmodulen, die er an die Lebenssituation der Familie und des Beerdigten nach einem Angehörigen-Interview lediglich anpasst.

    Der Hochzeitsfotograf hat seinen individuellen Stil und seinen Arbeiten im Laden hängen, als Portfolio dabei. Man kann schwer danach gehen, dass es bei einem selbst dann auch so aussieht: Entweder modern und frei im Maisfeld, oder traditionell vor an die Wand gebeamtem Schloss Sanssouci … Wo soll man da als Kunde auf das in so einem Fall wirklich schräge Brett kommen, unentgeltlich vorher auf Probe fotografieren zu lassen.

    Prostitutierte zeigen sehr viel von ihrem Körper.

    Ärzte, falsche Kategorie, passt hier nicht rein, kein richtig freier Markt. Die haben in der Regel eine Kammer für die Gebührenordnung und Krankenkassen, die ihnen die Patienten bringen.

    („Anzugschneider, Frisöre, Tättowierer, Bestatter, Hochzeitsfotografen, Prostituierte, Ärzte und viele andere Berufe auch.“)

    • Auch Designer zeigen sehr viel von ihrer Arbeit. Beim Designer kann man sich vorher im Portfolio anschauen, was er bisher so gemacht hat und wie das ausssieht. Ob sein Stil mir zusagt. Ob er schlampig gearbeitet hat oder akkurat. Ob er bereits für meine Branche tätig war oder nicht.

      Auch der Designer hat, wenn er nicht ganz naiv ist, bestimmte Gestaltungstechniken erlernt und Hilfsmittel vorliegen (Farbkataloge, Schriftkataloge, Typographie-Lehrbücher, Formen), die er nur für den Kunden individuell zusammenstellt, anpasst und ihm empfiehlt.

      Und Ärzte ist durchaus eine passende Kategorie. Gerade dort weiß man erst nach der Behandlung, ob er seine Arbeit gut gemacht hat. Und gerade dort hängt sie auch von meiner Mitarbeit als „Auftraggeber“ ab. Und sehr wohl herrscht dort ein freier Markt. Ich wurde noch nie von der Krankenkasse zu einem Arzt geschickt (Stichwort „freie Arztwahl“).

  5. Abgesehen davon, dass einige Vergleiche etwas hinken, zeigt das Video dennoch recht anschaulich wie absurd die Auftrags- / Arbeitssituation (nicht nur) in der Werbebranche ist.

    i like it ;)

  6. Ach Designtagebuch – Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Und das hier gezeigte schon gar nicht.

    Im Übrigen ist es auch von den miserablen Vergleichen abgesehen müßig, sich darüber zu echauffieren – offenbar sind ja genug Designer bereit, an derartigen Pitches teilzunehmen.

    Wäre die Dienstleistung aus Auftraggebersicht so …

    a.) transparent („Ich habe ein gutes Gefühl dafür, ob das Werk mir gefallen wird“)
    und b.) selten zu bekommen („Ich finde kaum Dienstleister für diese Design-Dienstleistung“)

    …würde er wohl gar nicht erst auf die Idee kommen, solche Pitches zu starten.
    Warum auch! Es kostet auch den Auftraggeber mindestens Zeit und Nerven, und zumindest Ersteres bedeutet in der Regel auch Geld.

    Love it, Leavte it or Change it. Heult nicht rum. Am liebsten den hippen kreativ-chaotischen Job haben wollen, aber gleichzeitig mit der Auftragssicherheit und Planbarkeit einer Brötchenbackstube? Tja, da hätte man auch früher drauf kommen können, das da eventuell ein Widerspruch drinsteckt.

    Greets.

    • Hachja.
      Das ist genauso super wie der Kassiererin beim Kik zu sagen, sie hätte ja etwas anständiges lernen können und soll nicht rumjammern wegen der 3,50 Stundenlohn.

      Für dich zur Info von einem, der schon lange dabei ist:
      Vor einigen Jahren war der Wettbewerb noch – relativ – fair: das beste Gesamtkonzept gewann und daraus wurde ein einigermaßen lukratives Projekt, die Mitarbeiter wurden fair bezahlt. Dieses krasse Preisdumping von Quereinsteigern, die irgendwelche Fertig-Templates zusammenkloppen gab es in dieser Form nicht und es war nicht vorhersehbar, dass das so kommen würde.

      Ich weiß nicht, woher dein Vorurteil kommt, zu glauben, Designer, Informationsarchitekten, Texter, Projektmanager, Entwickler, Key-Accounter würden das wegen eines „ hippen kreativ-chaotischen“ Jobs machen ist ein Witz, und zeigt, wie wenig Ahnung du von der Materie hast. Die Allermeisten in der Branche, die ich kenne (und ich kenne einige) sind deutlich weniger chaotisch als die meisten anderen „Normalen“, dafür sehr fokussiert, konzentriert und zielstrebig.

      Dass der Film überspitzt und teilweise hinkt ist klar. Lies mal „Können Sie Altweiß?“, das zeigt die ganze Absurdität m.E. noch besser.

      • Dieses krasse Preisdumping von Quereinsteigern, die irgendwelche Fertig-Templates zusammenkloppen gab es in dieser Form nicht (…)

        Wahrscheinlich sind viele mit Fertig-Templates (und einer kleinen Modifikation) gut bedient. Es sind eben nicht immer die ganz großen Kanonen nötig und dadurch können auch Kleinst-Unternehmen entstehen (durch geringeren Kapitaleinsatz) – so schlecht ist das vielleicht nicht.

        Hervorragendes Design gibt es nicht von der Stange aber nun ist es nicht mehr unbedingt nötig durchschnittliches sehr teuer zu bezahlen …

  7. Nun denn, das Video bringt doch zumindest die Kernaussage auf den Tisch (s.o. 2. Kommentar).
    „Lieber Auftraggeber, erkläre mir, aus welchem Grunde ich die wichtigsten Bestandteile meiner Arbeit, die Idee und das Konzept, kostenlos abliefern sollte.“
    Die Kunst liegt darin, dem Auftraggeber klar und deutlich zu vermitteln, dass es eben exakt diese Arbeiten sind, die in vielen Fällen den späteren Unterschied ausmachen. Dass das „Produkt“ nicht greifbar ist, lasse ich als Argument nicht gelten. Im Restaurant gehe ich auch davon aus, dass das Essen schmeckt, wenn das Drumherum passt. Vom Gestalter kann ich mich in aller Seelenruhe vorab anhand von Referenzprojekten und im persönlichen Gespräch überzeugen.

    Die Branchen im Video finde ich auch unpassend, die absurde Logik wird jedoch gut vermittelt.

    Das Zitat von moritz („Paradoxon: Es ist ausgerechnet auch noch einer Branche, die glaubt, ihren Auftraggebern erzählen zu können, wie Verkaufen geht …“) teile ich nicht. Unsere Branche erzählt dem Auftraggeber nicht, wie Verkaufen geht. Wir gestalten Hilfsmittel für den Vertrieb und konzipieren das Erscheinungsbild. Verkauft wird durch den Verkäufer.

      • moritz‘ Kommentar beschreibt das Dilemma sehr gut, das steht außer Frage. „Verkaufen“ und „sich verkaufen“ ist aber doch schon ein Unterschied. Ich bezog meine von moritz‘ Aussage abweichende Sicht – wie er selbst auch – auf Ersteres.

  8. Warum gibt es unbezahlte Pitches?
    Wegen der bösen Auftraggeber? Das ist zu kurz gedacht! Wären nicht so viele Agenturen bereit, teilzunehmen, dann gäbe es keine unbezahlten Pitches!
    Und genau da setzt das Video an: Beim Selbstverständnis einer Branche! Die Idee, Leistungen für lau zu erbringen erscheint uns beim Bäcker absurd, in unserer Branche nicht. Das wirft ein interessantes Licht auf uns: Sind wir vom Wert unserer Arbeit so wenig überzeugt? Gibt es für uns keine rote Linie?
    Und dabei geht es gar nicht darum, ob die Leistung, die ein Bäcker oder Innenarchitekt erbringt, voraussehbarer ist. Sicherlich sind auch Bäcker oder Innenarchitekten bereit, Leistungen unentgeltlich zu erbringen, der Bäcker lässt vielleicht ein Stück Brot probieren, der Innenarchitekt skizziert eine grobe Idee. Diese Bereitschaft ist dann vorhanden, wenn die Chance auf den Auftrag entsprechend groß ist.
    Das ist bei einem Pitch allerdings nicht der Fall.

    Wer unbezahlte Pitches als unfair erachtet (was sie auch sind), sollte nicht daran teilnehmen. Hier ist das Argument des „Zwangs“ unsinnig, denn der Zwang ist selbstgemacht. Wenn alle Nein sagen, ist das Problem sofort Geschichte.

    Und es gibt auch ein ganz einfaches Argument gegen unbezahlte Pitches: Die Kosten auf Seiten der Agenturen entstehen ja trotzdem und die müssen auf die tatsächlichen Aufträge umgelegt werden. In der Summe wird der Auftraggeber das im Pitch eingesparte Geld in den Folgeaufträgen draufzahlen. Da wäre der honorierte Pitch doch gerechter.

  9. Solche Diskussionen gibt es in schöner Regelmäßigkeit auf Achims Seite und es sollten wohl noch mehr sein, weil es einfach noch nicht in Fleisch und Blut gegangen ist.

    Pitches sind Mist, Kunden sind blöd und wir noch viel blöder, weil am Ende des Kaffee-getränkten langen Tages eben doch wieder nicht der Aufwand korrekt in Rechnung gestellt wurde.

    Ja, es gibt Kunden, die unbelehrbar sind und nicht verstehen können oder wollen, dass Kreativität und Konzeption die Eckpfeiler unseres Schaffens sind. Ja, es gibt Kunden, die den „guten Geist“ von Schaffenden der Kreativbranche schamlos ausnutzen. Wir laufen dem Geld hinterher, werden gezwungen, gute bis geniale Konzepte soweit zu stutzen, dass sie vom Horizont des Auftraggebers erfasst werden können und müssen am Ende auch noch mit ansehen, wie „Die Anderen“ (Agenturen, Freelancer, Quereinsteiger, etc. pp.) den Zuschlag für das geile Projekt XY bekommen. Und so sitzt man neben seiner Kaffee-/ oder Teetasse und fragt sich: Warum gelingt mir das nicht?

    1. TRANSPARENZ
    Offenkundig ist es schwer, die Komplexität der breit gefächerten Dienstleistung in einfache, prägnante Worte zu fassen. „Irgendwas mit Medien“ kommt nicht von ungefähr… Seiner eigenen Stärken muss man sich erst mal bewusst werden, die ausformulieren und auf die Essenz komprimieren.
    Gerade die Medienbranche verleitet dazu – ob aus Bequemlichkeit oder aber aus Angst vor mangelhafter Auftragslage – sich als eierlegende Wollmilchsau zu präsentieren. Das macht schnell unglaubwürdig, weil die elend lange Auflistung von Schlagworten mitsamt seiner Worthülsen eben auch gefühlte 932 andere Freelancer / Agenturen / Druckbuden etc. runterbeten.

    2. KUNST >>> AB INS MUSEUM
    Grafiker, Kommunikationsdesigner, Mediengestalter, Texter und alle anderen, die durch kreative Prozesse Neues schaffen, hängen an Ihrer Arbeit. Wenn wir von anspruchsvoller Arbeit reden, so meinen wir vor allen Dingen den Anspruch an uns selbst; den Anspruch, mit unserer Arbeit etwas Originäres zu schaffen. Unabhängig davon, ob man mit einem weißen Blatt beginnt oder mit Templates für Web, Print oder Motion arbeitet: man hängt an seiner Arbeit. Wir sind detailverliebt und detailversessen, auch wenn 99% der Außenstehenden das Besondere gar nicht wahrnehmen. Wir sind Künstler, auf unsere ganz spezielle, multimediale Art…

    Leider gibt es viel mehr Künstler auf der Welt, die mehr schlecht als recht von Ihrem Werk leben können. Wir müssen den Drang, „unsere Kunst“ an den Mann bringen zu wollen, mit gesundem Menschenverstand und kaufmännischem Grundwissen abgleichen. Wieder und wieder.

    3. SEI EHRLICH, SEI HART (ZU DIR & DEN KUNDEN)
    – Unsere Arbeit soll Ihr Geld wert sein. Nicht mehr, vor allen Dingen aber NICHT WENIGER.
    – Wir müssen Geld verdienen und von unserer Arbeit leben.
    – Unsere Arbeit macht die Welt attraktiver / aufregender / besser / lustiger / *beliebiges Adjektiv*

    Ja, der letzte Punkt mag unsere Triebfeder sein und den Schaffensprozess befeuern. Aber Punkt 1+2 sind ungleich wichtiger. Profiliert euch! Werdet euch klar, warum ihr euer Geld wert seid. Denn ihr seid euer Geld wert! Und befreit euch von den Bittstellern und Verführern. Arbeitet nicht für Leute, die eure Arbeit nicht brauchen. Arbeitet nicht mit Kunden, die eure Arbeit nicht schätzen. Sagt NEIN, wenn ihr Gefahr lauft, ausgenutzt zu werden. Und falls ihr es nicht sagen könnt, beschwert euch nicht über die Konsequenzen.

  10. Was mich an dieser immer wieder aufkeimenden Diskussion mal interessieren würde, ist wieviele Designer das in ihrem täglichen Berufsleben denn tatsächlich betrifft? Ich bin mittlerweile seit 8 Jahren selbstständig und habe noch nie irgendjemandem etwas umsonst gemacht oder bin in kostenlose Vorleistung gegangen. Warum auch!? Und genauso hat in diesen acht Jahren noch nie ein Kunde von mir verlangt in kostenlose Vorleistung zu gehen. Auch können befreundete Illustratoren, Designer, Webdesigner und wie sie sich alle nennen ebenfalls nicht von so etwas berichten.

    Warum scheinen aber immer alle zu tun, dass es sie beträfe!? Weil es hip und cool ist zu jammern!? Einfach auf den fahrenden Zug aufspringen!? Oder weil es tatsächlich so ist!?

    Vielleicht betrifft es aber auch nur die (großen) Agenturen und nicht die Einzelkämpfer!? Dann wiederum habe ich auch kein Mitleid, denn die Agenturen machen ihre Gesetze selbst und sind somit selbst Schuld. Wer die Geister, die er rief irgendwann verteufelt, sollte in Zukunft vielleicht doch etwas weiterdenken als nur bis zum nächsten Pitch. Oder liegt die Ursache nur in der Eigenart des Pitches begründet. Dann wiederum braucht man da auch einfach nicht mitmachen. Entschuldigt meine naive Einzelkämpfereinstellung. Die mag mit Sicherheit nicht auf die Großen der Branche anwendbar sein. Aber wie gesagt, mit denen habe ich sowieso wenig Mitleid, da sie als Rädelsführer für vieles stehen, was in der Branche schief läuft.

    • Vielleicht betrifft es aber auch nur die (großen) Agenturen und nicht die Einzelkämpfer!? Dann wiederum habe ich auch kein Mitleid, denn die Agenturen machen ihre Gesetze selbst und sind somit selbst Schuld.

      Indirekt bzw. auf lange Sicht betrifft die Pitch-Problematik auch Dich als Einzelkämpfer. Überspitzt ließe sich sagen: Große Agenturen treiben kleine Agenturen aus dem Markt, zumindest aber sorgen sie dafür, eben weil sie es sich leisten können an derlei Pitches teilzunehmen, zeitlich wie finanziell, dass kleine Agenturen oder One-Man-Shows wie Dich (und mich) erst gar keine Möglichkeit haben, ein für den Pitch verantwortliches Unternehmen als Kunden an Land zu ziehen. So lange die Großen das Spiel mitmachen, und Unternehmen genau davon ausgehen können, wird sich daran auch nichts ändern. Es reicht nicht, wenn der ein oder andere Geschäftsführer einer Agentur, ich denke da an Mirko Kaminski (Achtung) verkündet, beim Pitch-Zirkus nicht mehr mitmachen zu wollen. Was es hier benötigte, wäre eine branchenweit geltende Übereinkunft, an unbezahlten und unfairen Pitches nicht mehr teilzunehmen. Eine Art Designkodex könnte dies formulieren und auch nach Außen hin artikulieren.

      • Ergänzung zu den von mir als richtig empfundenen Anmerkungen Achims:

        http://www.horizont.net/marketing/nachrichten/Wir-zahlen-nichts-Pitchkultur-in-Deutschland-koennte-sich-verschlechtern-118570

        Auszug: „Der Hauptgrund [für nichtvergütete Pitches, d.S.] ist aber ein anderer: Die Firmen wollen keine Akquisitionskosten vergüten.“

        Das ist es. Man muss sich vergegenwärtigen, wie sie denken.
        Sie denken, es ist unser Akquise-Anteil.

        Wenn man bedenkt, wieviel an nicht selten hoch fünfstelligen Summen in Pitches versenkt wird, ist das schon eine sehr teure Akquise-Technik. Und nicht, dass Agenturen sonst keine weiteren Akquisekosten hätten, dass es die einzigen wären – die kommen ja nur noch dazu.

        Eine solche Akquisetechnik rechnet sich nur für richtig große Etats.
        Die es jedoch auch immer seltener gibt. Es wird – aus Sicht der Relation mit dem Kostenaufwand – auch immer mehr um Kleinzeug gepitcht. Mit der gleichen Kunden-Denke wie oben.

        Ja freilich, wenn keiner so einen unwirtschaftlichen Unfug der Verschwendung von geistigen Ressopurcen mitmachen würde, wäre diese Kunden-Denke schnell an ihr Ende angelangt.
        Ist sie anscheinend aber nicht.

        Wer erzieht wen? Der Schwanz den Dackel? Nene.
        Antwort: Follow the money!

    • Sicher betrifft es eher die Agenturen. Beim Pitch geht es in den meisten Fällen um Projekte, deren Umfang und Umsetzung ein mehrköpfiges Team erfordern – was nicht heißt, dass sowas nicht auch an Einzelkämpfer herangetragen wird. Freundliche Bitten oder gar Forderungen nach einem „kostenlosen Entwurf“ bzw. unbezahlten Vorleistungen wird aber vermutlich jeder Gestalter schon einmal erlebt haben.
      Das Jammern bringt natürlich nichts. Ich habe es ja selbst in der Hand, ob ich darauf eingehe. Allerdings gibt es zahlreiche Agenturen, die ihre Aufträge ausschließlich durch die Teilnahme an Pitches generieren. Da hält sich mein Mitleid in Grenzen.

    • Boris,
      hab auch noch nie für jemanden gearbeitet, der kostenloses Spec wollte.
      Kann mir solche wunderlichen Auftraggeber finanziell gar nicht leisten ;-)

      Doch es kommt in der letzten Zeit gehäuft vor, dass Billig- oder Spec-Anfragen regional ! UND aus dem Netz ! kommen.

      Diese Laufkundschaft-Leute sind beim Erstkontakt ganz und gar von sich überzeugt und melden sich gerne mit ausgefeilter NLP-Rhetorik wie:
      „Ich spiele mit dem Gedanken …, mir jetzt doch einen professionellen Texter/Designer/Designbüro zu holen …, zeigen Sie uns doch was Sie können …, um uns von Ihren Leistungen zu überzeugen …, indem Sie mir/uns mal zur Probe ….“

      Das ist eine un-mist-verständliche Aufforderung von Small Business durch das Wolltuch zu einem unbezahlten Pitch, bei dem man sich hocherfreut bei diesem Anfrager zu bewerben habe.

      Vielleicht stehen solche Designanfrage-Textmodule irgendwo in einem NLP-Ratgeberbuch … ;-) , zu erwerben bei Amazon?

      Dabei geht es oft nicht einmal um eine große Sache, oft ist es nur ein Flyerchen oder ein SEO-Textchen, ein Anschreib-chen (statt eines vernünftigen Direktmarketing-Konzepts).

      Für so einen Kleinkram kostenlos zu pitchen ist ein lächerliches, seltsames Ansinnen.
      Doch diese Leute finden das von sich selbst eine Superidee. Leider häuft sich das.

      (Seit-Arabeske: Es häuft sich in der letzten Zeit auch – leider – dass manche Auftraggeber in spe in letzter Sekunde abspringen, Leistungsbeschreibung und Auftragbestätigung sind bereits dank unermüdlicher Auftragsklärung liebevoll gezurrt …, abspringen, nur weil ihnen angeblich die AGB nicht passen. Entweder das, oder es wird immer häufiger versucht, grobmotorisch darin herum zu ändern. Das ist deutlich ein wachsender Mangel an Respekt. Bei einigen Neukunden in spe in der letzten Zeit. Das ist nicht akzeptabel, aber es wird probiert. So jemand kann kein Neukunde werden, wenn es schon so sauber losgeht. Diese AGB sind und waren bei Diskrepanzen ein wertvoller Schutz beider Parteien, wobei die meisten Streitfagen wegen offener Dateien sind, die man natürlich kostenlos wolle …, in der Hitliste No 2 sind dann die Streitfragen, warum eine schriftliche Freigabe erteilt werden soll (issndas? wisso?), warum es Projektschritte geben soll und natürlich die Termine, die gerne schnell deutlich nach vorne geändert werden, damit das elegante Ziel „Kreatives Kunden-Chaos“ möglichst schnell erreicht wird …) )

      Der Respekt schwindet.
      An mir liegt es nicht. Ich fordere die Leute weder aktiv noch durch die Blume auf, mit mir so umzugehen.

      Es ist neoliberaler Zeitgeist.

      Historisches:

      Wussten Sie, dass in den Frühzeiten der Werbung und Gebrauchsgrafik es Sitte war, Gestaltung überhaupt nicht zu bezahlen? Agenturen verdienten ihr Geld einzig und allein über die Schaltungen. Das war gutverdientes Geld, das es erlaubte, die angestellten Zeichner und Typografen intern zu bezahlen.

      Einzig im Metier Kunstgrafik ist das historisch nicht so, funktionier(t)en die Dinge ganz anders.

      Gebrauchsgrafik hingegen kämpft nach meiner Meinung bis heute mit dem Umstand, dass sie, wenn sie Teil von Werbedienstleistungen ist, historisch noch nie sonderlich preislich respektiert wurde.

      Gut, das ist Historie. Was interessiert uns das.

      Einzelkämpfer, die sich auf kostenlose Vorarbeiten einlassen, haben auf dem harten Markt halt wenig Standing, wenig Selbstvertrauen. Es wundert einen nicht, woher soll es denn kommen. Genauso, wie es mich nicht wundert, dass in solchen Diskussionen immer wieder vereinzelt der Typus gesättigter Gestalter auftritt, der „noch nie so ein Problem hatte …“. Modus *selbstbauchpinsel*.

      Dei Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen.

      Angefangen haben also Werbeagenturen mit dem Spec-‚Mist‘ (man glaube bloß nicht, dass alle GWA-Agenturen trotz Zielvereinbarung sich groß daran halten, nicht kostenlos zu pitchen …, ein paar halten sich einfach nicht dran), es betrifft leider in einer Art Trickle-Down-Effekt eben auch inzwischen kleine Designbüro und Einzelkämpfer. Die Kleinkundschaft und Mittelkundschaft lernt von der Richtiggroßkundschaft. (Gern nur den Ungeist, aber leider nicht das Knwo-how der Großkundschaft, aber das ist nochmal ein anderes Thema… aber zusätzlich ein immenes Ärgernis …)

  11. Was es hier benötigte, wäre eine branchenweit geltende Übereinkunft, an unbezahlten und unfairen Pitches nicht mehr teilzunehmen. Eine Art Designkodex könnte dies formulieren und auch nach Außen hin artikulieren.

    Und kommen wir in meinen Augen zum Kern des Problems: In der Branche gibt es diesen Kodex nicht. Es gibt keine Solidarität und der einzig gemeinsame Nenner scheint sich im Gewinnstreben auszudrücken. Nur deshalb ist es möglich, das sich aus dem Versuch, Konkurrenten durch das Verschenken von Gratis-Leistungen aus dem Weg zu räumen, ein System geworden ist, das Auftraggebern als normal erscheint.
    Der „Erfolg“ der Designverbände, erkennbar an ihren Mitgliedszahlen, spricht Bände über den Stellenwert, den Designer ihrem eigenen Berufsbild oder ihrer Branche beimessen. Designer wollen sich offensichtlich nicht organisieren, sie empfinden derlei Bestrebungen gar als negativ und einengend. Wie soll da eine gemeinschaftliche Basis entstehen, die so etwas wie einen gemeinsamen Kodex überhaupt ermöglicht?
    Aber zugegeben: Auch solidarisierte und organisierte Designer wären in ihren Agenturen auch nur eine unter mehreren Berufsgruppen.
    Hoffnung macht, dass man ein Gestalterleben auch führen kann, ohne bei dem Zirkus mitzumachen. Sogar, ohne davon überhaupt nennenswert behelligt zu werden.

    • Jürgen,
      der GWA hat eine solche Übereinkunft.
      Wer sich als Mitglied nicht daran hält, fliegt.
      (Schwarze Schafe haben die jedoch auch, schmuse-weicher Ethik-Kodex oder knall-harte Mitgliederpflicht hin oder her …)

      Lese ich eine solche wunderbare Mitgliedsbedingung bei AGD und BDG?

  12. Hallo Moritz!
    Ich weiß nicht mal was der „GWA“ ist!
    Ich will darauf hinaus, dass nur ein Bruchteil* der Designer organisiert ist und ich dies als Hinweis darauf beurteile, dass dem Gros der erwerbstätigen Designer nicht an einem „Kodex“ oder ähnlichem gelegen ist.

    Jeder für sich, wir sind ja sooo kreativ und frei!

    (* Laut der Initiative Kultur und Kreditwirtschaft gibt es ca. 135.000 Erwerbstätige in der Designbranche, davon knapp 80.000 Einzelunternehmer/Freiberufler. Wenn ich richtig informiert bin hat der AGD ca. 3.000 und der BDG ca. 2.000 Mitglieder – (wieviele hat der GWA?). )

  13. Ist auch so!

    Designer, ja Kreative allgemein empfinden sich als künstlerische Freigeister. Richtig.

    (In meinen Augen als uneinsichtige neoliberale Freigeister, die die Markt-Religion pflegen, dass „der Markt“ alles hübsch richte.)

    Dann müssen sie auch da durch, wenn sie es aus Minder-Intelligenzgründen ablehnen, sich zu organisieren. Kein Mitleid.

    („ich dies als Hinweis darauf beurteile, dass dem Gros der erwerbstätigen Designer nicht an einem „Kodex“ oder ähnlichem gelegen ist.“)

  14. Ich denke es mangelt im Kreativ- oder Werbesektor an rational, wirtschaftlichem Denken. Dafür ist der emotionale Anteil sehr viel größer. Sei es Stolz, sich-vergleichen-wollen, Idealismus, Hipstertum etc. Wenn jeder Einzelne mal diesen Sektor rational von außen betrachten würde kämen wir weiter. Das fängt bereits im Studium an. Geld verdienen zu wollen an Stelle von Idealismus wird als Teufelswerk angesehen. Wir sind feinfühlige Dienstleister. Und schieben uns am liebsten gegenseitig aus dem Rennen. Das lernt man ebenfalls im Studium. Schade.

    • Denke ich nicht, auf gar keinen Fall.
      Werbeagenturinhaber wissen ganz genau, was sie tun. Die wollen Aufträge, Revenue, die Kosten wieder reinholen. Dann eben an den Angestellten sparen. Selbst aber den Jaguar fahren.

      Auf was Ihre Einlassung eher zutreffen könnte, sind Absolventen, Neulinge und ältere, sehr Gutmütige.

      Meinereiner, 14 Jahre Großagentur, am Schluss leitende Stellung, seit 15 Jahren selbständig, (aber nix Jaguar brummbrumm, sondern Betriebskatze schnurrschnurr …) ist schon längst nicht mehr hyper-idealistisch.

      Eher abgeklärt. An manchen Tagen zynisch.
      (Leitmotive: „Draußen tobt das Leben, drinnen toben wir …“ – „Wir haben uns auf eine sinnvolle, überschaubare Aufgabe eingestellt und sind nun zum Verwalter des Wahnsinns geworden…“

      („Ich denke es mangelt im Kreativ- oder Werbesektor an rational, wirtschaftlichem Denken. „)


      „Und schieben uns am liebsten gegenseitig aus dem Rennen. Das lernt man ebenfalls im Studium.“

      Das kann eher sein. Ja, das ist so, schätze ich.
      Null Solidarität bei diesen lieben Fratzen.

      Das ist dann halt so, wenn sich das neoliberale Denken gerade bei Kreativen und ihrem „Freiheits“-Drang so gut eingenistet hat, dass der Wirt seinen Parasiten nicht mehr als Parasiten wahrnimmt, sondern als Teil von sich.

      scnr, als schwarzhumorigem Schmalspurmediziner gefallen mir halt solche hinkenden Vergleiche mit Hüftdysplasie …

  15. Ich verstehe die hier geführte Diskussion nicht so recht. Klar arbeiten die in dem Clip gezeigten Branchen für Geld ab der ersten Minute, deren Produkte und Dienstleistungen sind aber auch mehr oder weniger vergleichbar oder zumindest ist deren Idee – wie bei der Innenarchitektin – schnell nachvollziehbar. Werbeagenturen hingegen leben ja eher davon etwas zu schaffen, dass es zuvor noch nicht gegeben hat, somit kann es für den Kunden keine gültige Referenz geben. Eine Auftragsvergabe ist für den Kunden also immer ein Wagnis. Dazu kommt noch, dass bei den gezeigten Branchen das Investment vergleichsweise gering ist. Wenn mir ein Kaffee nicht schmeckt, habe ich 2,50 Euro in den Wind geschossen und nicht tausende Euro. Eine erstes Ausloten bei der Architektin kostet ebenfalls nicht mehr als ich im Portemonnaie mit mir herumtrage.

    Ich verstehe, dass niemand auf der Welt arbeiten möchte, ohne dafür bezahlt zu werden, in der Realität ist es aber auch nicht so. Es mag sein, dass eine Agentur mehrer Pitches in Reihe verliert und diese Arbeit dann nicht bezahlt wird, dennoch bekommen die Angestellten am Ende des Monats Ihr Geld. Der Umsatz den ein erteilter Auftrag abwirft, muss eben in der Kostenrechnung die Zeiten mit abdecken, in der die Angestellten für lau gearbeitet haben und die Mietkosten für das Büro in renommierter Lage ebenso. Der eine Kunde zahlt somit die verlorenen Pitches mit. Ich kenne daher auch nur wenige Agentur-Chefs die einen rostigen Fiat Panda fahren müssen.

    Bei dem gezeigten Bäcker ist es im Übrigen auch nicht anders, der muss auch jeden Tag Brötchen backen, ob er sie nun verkauft oder nicht. Falls keine Kunden in seine Bäckerei kommen, schmeißt er seine Ware auch in die Tonne ohne dafür bezahlt zu werden.

    Das Hauptproblem in der Werbebranche sind mMn nicht die unbezahlten Pitches, sondern die unbezahlten Praktikanten und schlecht bezahlten Trainees, mit Abschlüssen von angesehenen Instituten, die nach Ihrem Abschluss erstmal 10 halbjährige Praktika absolvieren müssen in der Hoffnung auf eine Festanstellung, obwohl die nachfolgenden Praktikanten schon gebucht sind. Als ob man Kreativität erst noch 6 Jahre lang lernen müsste. Schade, dass es die Absolventen nicht schaffen sich zu organisieren und sich gegen diese Art der Ausbeutung solidarisch zeigen. Warum macht Zulu Alpha Kilo eigentlich keine Kampagne gegen dieses Phänomen, wenn sie so sehr gegen unbezahlte Arbeit sind?

  16. Werter Herr Sanchez,
    ist
    -> dies nicht ein klassisches Folgeproblem?

    -> Hohe Akquisitionskosten (Pitches unbezahlt gehen oft in fünfstelligen Summen, plus die Opprtunitätskosten, dass die im Pitch sich befindlichen Mitarbeiter gleichzeitig Wertschöpfendes hätten arbeiten können …) ergeben:
    -> -> geschmälerten Gewinn, und damit der nicht NOCH schmaler wird, muss man:
    -> -> -> Praktikusse und kreative Mitarbeiter wenig bis gar nicht bezahlen.

    So wird es sein.
    Die Kette geht natürlich auch umgekehrt:
    Wer nur Billigkräfte zum Billiglohn verheizt, der hat kaum Ressourcen, wirklich gute Akquisition zu betreiben außer des Gratis-Pitches und der hat in Folge kaum wirklich gute Kunden, die er bedienen kann … (/außer die hier geschilderen …)

    Zu Zulu Alpha Kilo:

    Die haben halt mit dem Filmchen mal ein bisschen PR für sich gemacht. Kann man machen. Ist auch Akquisition.

    Nix Neues mit der wohlfeilen Anti-Spec-PR also. Genau wie es schon mal die eine oder andere Agentur gab und gibt, die Anbit-Spec als Aufhänger für ihre Eigen-PR nehmen. Unter anderem Mirco Kaminski.

    Von der Mehrheit hört man jedoch bis heute nichts.
    Wie gesagt, eine GWA-Agentur DARF gar nicht umsonst pitchen, sonst fliegt sie aus dem Verband. Viele GWA-Agenturen machen’s trotzdem. (Altes, bekanntes Lied: Das maaacht ja nichts, das meeerkt doch keiner!)
    Von AGD und BDG ist mir nichts in den Mitgliedsbedingungen bekannt. Auch seltsam, sind sonst so ehrpusselig.

    Insofern erübrigt sich ein weiteres NACHDENKEN ÜBER DEN SACHVERHALT, wenn Designerverbände und Agenturen öffentlich drüber reden:
    Es ist alles Panegyrik!!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Panegyrikus

    Transl:: Prunkvolle Sonntagsrede der beteiligte Agenturen.
    Sonst nichts.

    • Die wahren darunter Leidenden sind in Folge kleine Designbüros und Einzel-Designer. Wie bereits Achim oben in einem Kommentar erwähnt hat.

      Sie geraten unter Druck und unter die Räder, weil ihre Kundschaft diesen Kram von der Großangeturkundschaft lernt und ebenfalls auf die Kleinen anwendet.

      Manche nennen das Marktbereinigung, wenn es kleinere Büros wegfegt, die sich diese „Form“ der „Akquisition“ nicht leisten kann.

      Ich nicht.

      Ich halte das für ein recht aggressives Gebahren gegen die eigene qualitätsbewusste, ehrlichere Konkurrenz. Nach dem Motto ‚Wer ko, der ko“ (Wer kann, der kann.)

  17. Das ist dann die bekannte Debatte mit dem Huhn und dem Ei… Fest steht für mich, dass es viele Agenturen gibt, die von ihren Projekten gut leben können, obwohl sie an unbezahlten Pitches teilnehmen und den leitenden Angestellten gutes Geld bezahlen können. Diejenigen die den genannten rostigen Panda fahren sind also nicht unbedingt Chefs die sich so einen Clip ausdenken, sondern Praktikanten, Trainees und Gestalter die so einen Clip umsetzen.

    Wie bereits erwähnt gibt es viele Branchen, in denen zwischenzeitlich keine Einnahmen fließen, obwohl gearbeitet wurde und genau wie in einer Werbeagentur, werden diese Kosten in die Preise mit einkalkuliert.

    „Sie arbeiten ja auch nicht umsonst, warum wollen Sie von mir, dass ich das tue?“ Ich kenne die kanadischen Arbeitsbedingungen nicht, wer sich aber als Agentur-Verantwortlicher mit dieser Aussage aus dem Clip solidarisiert und gleichzeitig mehr Praktikanten als Festangestellte beschäftigt, ist doppelmoralisch und kennt nur Mitleid mit sich selbst. Einen un- oder schlecht bezahlten Praktikanten arbeiten zu lassen, obwohl dieser alle Qualifikationen eines Festangestellten mitbringt ist mMn genauso absurd!

  18. Die AGD hat schon lange keine 3.000 Mitglieder mehr. Da für die Mitgliedschaft aber keine „Qualifikation“ benötigt wird (also Studienabschluss o.ä.), ist der Verband meiner Meinung nach zu vernachlässigen.

    Der BDG ist (noch) kleiner (nimmt aber auch nicht jede/n auf). Und er hat den „BDG Fairward“ mit Rahmenbedingungen für faire Wettbewerbe: http://bdg-designer.de/wissen/bdg-fairward/
    Das ist zwar noch einen Schritt von „Kein Pitch!“ entfernt, geht aber in die richtige Richtung, finde ich.

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