Karlsruhe Relaunch

Relaunch von Karlsruhe.de

Karlsruhe Relaunch

Am 1. Mai 1996 ging das erste Stadtportal von Karlsruhe online, exakt 15 Jahre später erfolgt der erste Relaunch und er war längst überfällig. Das, womit sich die Bürger und Karlsruhe-Interessierte seitdem im Netz beschäftigen durften, stammt aus den Kindheitstagen des Internets. Nicht, dass alles Gestrige schlecht sein muss, aber die Kombination aus dynamischer Breite, blau unterstrichenen Links und der lieblos gestalteten Oberfläche erzeugte einen Webauftritt, der kein gutes Aushängeschild für eine Stadt darstellte, was der Gemeinderat auch bereits 2005 und wieder 2007 erkannt hatte, wie sich anhand der entsprechenden Protokolle ablesen lässt. Offenbar trafen die seinerzeit gestellten Anträge, den Relaunch des Stadtportals betreffend, erst im letzten Jahr auf breite Zustimmung. Bei dem im vergangenen Herbst durchgeführten Vergleich von Stadtportalen belegte Karlsruhe.de den vorletzten Platz. Nur Bochum.de erzielte in dem Vergleich der 25 größten deutschen Städte noch weniger Punkte. Schauen wir uns doch einmal an, ob das neue Stadtportal heute besser punktet.

Aufbau und Schriftbild

Der Auftritt verfügt nach wie vor über eine dynamische Breite. Allerdings lässt er sich nur noch bis zu einer Breite von 1180 Pixel im Browserfenster skalieren, ein guter Kompromiss, wie ich meine. Die überwiegende Mehrheit der Besucher wird diese 1180er-Breite vor Augen haben und somit in den Genuss eines Auftritts kommen, der aufgrund der großzügigen Dimensionen und dem gezeigten Schriftbild, das sich ausschließlich aus der Verdana generiert, durchaus über ein hohes Maß an Lesekomfort verfügt. Dass die Verdana sicherlich nicht zu den schönsten Schriften zählt und das Schriftbild dadurch recht trist und ideenlos erscheint, kann man kritisieren, soll an dieser Stelle auch geschehen, entscheidend ist allerdings, dass die unterschiedlichen Textklassen (Überschrift, Zwischenüberschrift, Dachzeile, Teaser, Modulüberschrift, Artikel, etc.) über grundsätzlich stimmige Größen und Abstände verfügen und somit ein lesefreundliches Ergebnis produziert wird. Am klassisch dreispaltigen Aufbau des Portals gibt es in dieser Form der Umsetzung nicht viel zu kritisieren. Die linke Navigationsspalte ist 360 Pixel und der Content ist 690 Pixel breit. Gut 100 Anschläge lassen sich auf einer Textzeile abbilden. Das ist zwar etwas mehr ist als üblich – 70–90 Anschläge sind hier das Maß, das am meisten Verbreitung findet –, allerdings ist die Länge einer Zeile noch kein Faktor, der das Lesen negativ beeinflusst. Ein höherer Zeilenabstand würde allerdings die Lesbarkeit noch einmal verbessern.

Struktur und Nutzerführung

Die wichtigste strukturelle Änderung ist die Festlegung auf nur noch 4 Hauptbereiche, die da wären: „Kultur und Tourismus“, „Wirtschaft und Wissen­­schaft“, „Leben und Arbeiten“ sowie „Stadt und Verwaltung“. Damit einhergehend wurde die Hauptnavigation von der linken Seite in den Kopfbereich verlegt, wo sie nun unterhalb des Header-Motivs horizontal angelegt ist. Die riesenhaften Schaltflächen sind mit einem Farbcode versehen, der das Zurechtfinden im Portal vereinfachen soll, was sich allerdings deshalb zuweilen schwierig gestaltet, da etwa auf der Tourismus-Auftritt der Stadt mit einem weiteren, unterschiedlichen Farbsystem arbeitet. Man sollte von Nutzern nicht erwarten, dass sie innerhalb nur eines Auftritts unterschiedliche Farbleitsysteme erlernen. Manchmal sind keine Farben besser als zu viele.

Nach wie vor problematisch ist die Verwendung des Begriffs „weiter“ in Zusammenhang mit externen Inhalten, auf die via Teaserlink verwiesen wird. Dieser Terminus ist gekoppelt mit dem Auftritt zugehörigen Inhalten. Nutzer erwarten, dass bei Klick auf „weiter“ eine Detailseite aufgerufen wird, auf der der angerissene Text weitergeführt wird. Aus Sicht der Nutzerführung wäre es besser, wenn externe Inhalte eindeutig als solche erkennbar sind, was auf Karlsruhe.de allerdings auch nach vollzogenem Relaunch nicht stringent genug praktiziert wird. Hierzu zählt auch der Umgang mit Linkpfeilen, die nicht immer korrekt gesetzt sind. Teilweise führen Klicks auf ein als interner Link gezeichneter Inhalt zu einem externen Angebot (z.B. „KiX“).

Wichtig ist, dass mit dem Relaunch nun Teaser-Bilder verlinkt sind, wodurch ein schnelleres Navigieren ermöglicht wird. Beim Navigieren ins Stocken gerät hingegen, wer man Stöbern durch die Hierarchieebenen den Sprung von der vierten zur fünften Ebene vollzieht. Dann nämlich wird in der linken Navigationsleiste die zweite Hierarchiebene ausgeblendet. Dem Brotkrumenpfad fällt an dieser Stelle eine essentielle Bedeutung zu, denn er alleine zweigt nun die Position im Auftritt an. Das Ausblenden der zweite Ebene geschieht für den Nutzer unerwartet. Es braucht eine Weile, bis man sich mit der neu bestückten Leiste zurecht findet. Natürlich ist das Ausblenden anderer als dem jeweils angewählten Bereich generell möglich und in vielen Fällen auch sinnvoll, aber entweder mal blendet konsequent aus, so wie es auf Mannheim.de oder z.B. auch auf Amazon.de erfolgt, dass heißt gleich mit dem ersten Hierarchiesprung, oder aber man bildet die Struktur zu ab, dass der Sprung für den Nutzer nachvollziebar ist. Was auf Karlsruhe.de fehlt, ist die Kenntlichmachung der Navigation, dass die zweite Ebene ausgeblendet ist.

Design

Grundsätzlich ist die Gestaltung minimalistisch, pragmatisch, zielführend, jedoch uninspiriert. Wer wie ich das Interface von Mannheim.de oder Wiesbaden.de schätzt, der wird Karlsruhe.de eher spröde finden. Vor dem Hintergrund des Vorgängers ist die neue Oberfläche allerdings ein Gewinn, was zweifelsfrei auch nicht sonderlich schwer war. Bedingt durch die Verschachtelung der Inhalte in weißen, mit einem Schattenwurf ausgestatteten Boxen, sehen Seiten mit wenig Inhalt nicht sonderlich elegant aus (siehe Beispiel). Auf der anderen Seite vereinfachen die Boxen (z.B. „Suche“, „Hotel buchen“, „Veranstaltungen“) das zurechtfinden, da die so aufbereiteten Informationenseinheiten sich besser von anderen Elementen absetzen. Die unterschiedlichen Inhalte wirken geordnet und zuweilen auch ansprechend. Einen kreativen Funken konnte ich auf keiner Seite entdecken.

Programmierung

Die Programmierung habe ich mir im Zuge der ersten Begehung nicht im Detail angeschaut, offensichtlich ist jedenfalls, das aufgrund der massiven Änderung der Verzeichnisstruktur die Anzahl von 404-Fehlern stark ansteigen wird. Allzu oft läuft man von Google kommend in Leere. Ebenfalls über den Einstieg per Suchmaschine wird ersichtlich, dass große Teile des bisherigen Auftritts weiterhin im alten Gewand vorgehalten werden. Alter und neuer Auftritt laufen parallel, vermutlich für einen längeren Zeitraum, sodass uns das 1996 gelaunchte Portal noch eine Weile weiter begleiten wird. Auch die aktuellen Meldung der „Stadtzeitung“ werden nach wie vor im alten Look angezeigt. Die Suche ist auch nicht nicht implementiert usw.

Fazit

Der Relaunch zum 01. Mai erscheint verfrüht. Offenbar wollte man unbedingt den Jubiläumstermin halten. Wenn große Teile des Auftritts allerdings noch nicht fertig sind, Nutzer ständig zwischen alter und neuer Umgebung wechseln müssen und fortwährend 404-Fehlerseite produziert werden, dann sollte man einen solchen Termin kippen, denn auch im Web gilt, für einen ersten Eindruck erhält man keine zweite Chance. Aber natürlich ist begrüßenswert, dass nach so langer Zeit überhaupt Bewegung in Karlsruhe.de kommt, zum Teil ja auch der skurrilen Art, wie der Radler beweist. Mit Blick auf die noch bevorstehenden, nicht wenigen Anpassungen kann man für die Bürger und Karlsruhe-Interessierten nur hoffen, dass die Verantwortlichen weiter fleißig in die Pedale treten.

HINKEL360 hat das Screendesign erstellt, Dv Electric ist für die technische Umsetzung verantwortlich.

Herzlichen Dank für die zahlreichen E-Mails zum Relaunch!

19 Kommentare zu “Relaunch von Karlsruhe.de

  1. Fluid Templates sind ja eine schöne Sache – wenn das Layout aber komplett zerschossen wird, sobald man das Fenster kleiner zieht, ist das Ziel leider komplett verfehlt worden.
    Ansonsten definitiv eine überfällige Verbesserung, etwas mehr Emotionen durch eine schöne Bilderwelt hätte man aber schon „versuchen“ können. Mir ist da zu viel Schwarz auf Weiss, Barrierefreiheit hin oder her. Wirkt schon sehr steril…

  2. Wirklich ein sehr langweiliges Design. Alles wirkt so plump und lieblos.
    Kleine Kritik an Achim: Immer wenn ich auf einen Link in deinem Artikel klicke öffnet sich dieser im selben Fenster. Bitte änder das doch so ab, dass sich der Link in einem neuen Fenster öffnet.

    Vielen Dank

  3. Ach, Karlsruhe … ich weiß, es ist etwas off topic, aber:
    Drais erprobte seine Laufmaschine (das ist kein Radler beim Suchbutton) nun mal zwischen Mannheim und Schwetzingen und Benz‘ Werkstatt, in der dieser seinen Motorwagen baute, stand auch in Mannheim. Drais‘ Geburtsstadt darf sich dafür rühmen, den überzeugten Demokraten nach 1848 kräftig kujoniert zu haben, wie Wikipedia schreibt: »Wieder nach Karlsruhe umgezogen, wurde Drais wegen seines Demokratentums und öffentlicher Niederlegung seiner Adelstitel nach Niederschlagung der Badischen Revolution von der preußischen Besatzung verfolgt und zu entmündigen versucht, was seine Geschwister verhindern konnten. Da seine Pension restlos zur Bezahlung der Revolutionskosten beschlagnahmt wurde, starb er mittellos.«
    Die falschen Federn machen das neue Gesicht Karlsruhes im Web nicht gerade schöner …
    SCNR

  4. Das Thema „Fenster“ poppt immer wieder gerne auf. Und auch dieses mal darf ich auf die folgenden beiden Beiträge verweisen: Warum Links im gleichen Fenster erscheinen, schreibe ich hier und auch hier .

    Hier das Fazit: Jedem Nutzer sollte es selbst überlassen werden, welche Funktion bei einem Klick ausgeführt wird. Und das geht nur dann, wenn ein Link ohne einen target-Befehl ausgegeben wird. Mündige Webnutzer, und die dt-Leser stufe ich mehrheitlich als solche ein, wissen diese Handhabe sehr zu schätzen.

  5. Wollte es mir gerade live ansehen, aber ich bekam statt einer Website lediglich folgendes auf den Schirm…

    Fehlereinzelheiten
    Fehler URL: http://www.karlsruhe.de/index_html
    Fehler Typ: OSError
    Fehler-Wert:[Errno 30] Read-only file system

    Traceback (innermost last):

    Module ZPublisher.Publish, line 125, in publish
    Module Zope2.App.startup, line 238, in commit
    Module transaction._manager, line 96, in commit
    ….

  6. Herrlich, da wartet man eine Ewigkeit, bis der Webauftritt seiner Stadt endlich erneuert wird und dann so eine Ernüchterung.
    Da ich den damaligen Pitch mitbekommen habe, war mir zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass es kein überragender Webauftritt werden wird. Dafür gibts zu viele Menschen in entsprechenden Positionen, die ihren Kopf durchsetzen wollen.
    Aber dann letztendlich so ein Ding auf den Markt zu werfen, ist schon heftig. Man kann sich vieles schönreden und versuchen mit irgendwelchen Argumenten das Design zu rechtfertigen. Aber wenn der Gesamteindruck einfach schlecht ist, ändert das rein garnichts.

    Als gebürtiger Karlsruher und Mediengestalter habe ich mich vor dem Relaunch für den Webauftritt der Stadt Karlsruhe geschämt. Nach dem Relaunch ist das Gefühl nicht sonderlich besser geworden…

  7. @ Christian: Erinnert fatal an das „Redesign“ der AA-Website „damals“. Für X Müllionen geplant, Umsetzung aber höchstens vom Erstpraktikanten erfolgt.

    Von dieser ominösen „Kommunikationsagentur Hinkel360“ habe ich trotz langjährigen Wohnens und Arbeitens in Karlsruhe allerdings noch nie etwas gehört. Da wundert diese „tolle“ Website nun gar nicht .. vermutlich gings nur wieder ums Sparen von dem Geld, das man stattdessen lieber weiterhin für Schwachsinnigkeiten a la „U-Bahn statt Tram in der Innenstadt“ oder „Karlsruhe braucht einen eigenen Flughafen“ mit beiden Händen aus dem Fenster werfen will.

    Weiß zwar nicht, wer sich für das Redesign alles beworben hat, hätte mir aber erwartet, dass z.B. die Augenarbeiter oder Navigate das Rennen machen ..

    .. naja, was nicht ist, kann in 5 Jahren ja vielleicht doch noch werden ;)

    cu, w0lf.

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