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Plakate zur NRW-Wahl 2010

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Plakate NRW Wahl 2010

Die Landtagswahl am 09. Mai 2010 in Nordrhein-Westfalen sorgt für großes Interesse seitens der Medien. Verliert die schwarz-gelbe Regierung unter Rüttgers in 4 Wochen ihre Mehrheit, wonach es derzeit laut Wahlforschungsinstitute aussieht, ändert sich auch das Mehrheitsverhältnis im Bundesrat. Die Bürger in NRW wählen also nicht nur ihre zukünftige Landesregierung, ihre Stimme wirkt sich auch direkt auf die Bundespolitik aus, was ja eigentlich die beste Voraussetzung für eine hohe Wahlbeteiligung sein sollte.

Aus diesem Grund habe ich mir einmal angeschaut, wie es um die Mobilisierung der Wähler mit Hilfe der jeweiligen Werbekampagne respektive der Wahlplakate bestellt ist.

CDU

CDU Plakate NRW Wahl 2010

„NRW muss stabil bleiben“, mit dieser Aussage geht die CDU in den Wahlkampf. Wenig stabil ist zumindest die Gestaltung der Wahlplakate, denn auffällig ist die Unterschiedlichkeit von Großplakat und Themenplakat schon. Während Ministerpräsident Rüttgers grobkörnig in schwarzweiß und durchaus fotografisch gekonnt in Szene gesetzt wird, sind die Themenplakate allesamt blau gehalten. Auch zwei unterschiedliche Absender zieren jeweils am unteren rechten Bildrand die Plakate. Man fragt sich, ob die Verantwortlichen tatsächlich aus Gründen der Gestaltung die NRW-Farben Grün-Weiß-Rot auf dem Großplakat gestrichen haben. Oder wollte man gar die Kosten für die dritte Farbe beim Druck einsparen? Kaum vorstellbar. Die Plakate sehen jedenfalls aus, als stammten sie von unterschiedlichen Agenturen. Wieso muss ich bei den blauen CDU-Plakaten eigentlich ständig an Wick denken? Seis drum.

Stabiler ist die Gestaltung in Bezug auf die Typographie, denn hier kommt die Hausschrift „Kievit“ zum Einsatz. Beständig ist die CDU auch in Bezug auf die verwendeten Schlagwörter. „Arbeit. Kinder. Sicherheit.“ Darauf ist Verlass.

SPD

SPD Plakate NRW Wahl 2010

Hannelore Kraft ist als Spitzenkandidatin im Einsatz für die SPD, drum sieht man sie auf Plakaten. Bemerkenswert ist bei der Kampagne der SPD der Umgang mit Farben. So bunt sah man die SPD wohl noch nie. Wenn die SPD so viele Stimmen erhalten würde, wie sie Farben in ihrer Kampagne verwendet, gewänne sie die absolute Mehrheit. Stimmenjagd mit dem Farbfächer. Wenns so einfach wäre. Die Wirksamkeit von Wahlplakaten ist kaum messbar. Weder lässt sich benennen, ob oder welchen Einfluss sie auf ein Wahlergebnis ausüben, noch lässt sich herausfinden, ob beispielsweise ein gut gestaltetes Plakat mehr Wähler zu mobilisieren im Stande vermag, als ein mieses Design.

Zumindest machen die SPD-Plakate die Straßenzüge bunter. Handwerklich kann man den Plakaten nichts ankreiden. Die Hausschrift Thesis macht in kurzen Sätzen ihren Job. War der SPD-Würfel zur Bundestagswahl rechts oben positioniert, sitzt er diesmal einheitlich auf der linken Seite. Ein Schelm, wer darin eine Koalitionsaussage zu erkennen glaubt.

Mit einem schräg gesetzten weißen “Störer“ wird (erstmals?) ein neues Gestaltungselement genutzt. Der jeweils erste Begriff einer Aussage wird mit Hilfe der weißen, schattierten Fläche besonders hervor gehoben. Auf einem der Plakate heißt es: „Sicherheit Für ein NRW ohne Atomkraft“. Wohl ein Flüchtigkeitsfehler, denn ansonsten werden alle anderen Sätze klein weiter geschrieben. Gewagt bunt. Wer gestalterische Vielfalt sucht, kommt in NRW mit der SPD auf seine Kosten.

Wer will, kann der SPD ein Wahlplakat spenden.

Die Grünen

Grüne Plakate NRW Wahl 2010

Vergleichende Werbung in der Politik ist zumindest unterhaltsam. Zuletzt sorgte die SPD mit ihren Motiven zur Europawahl für Aufregung, mit denen man den politischen Gegner anging. Weniger der brillante Illustrationsstil war es, der bei vielen Menschen für Verstimmung sorgte, sondern vielmehr der politische Stil. Das Unterstellen der Fehler Anderer ist einfach weniger elegant, als die Hervorhebung eigener Stärken. Nun schlagen die Grünen in NRW in die gleiche Kerbe. Einige der Themenmotive sind als Vorwurf an die amtierende Landesregierung konzipiert. Mit einer Aussage wie: „A, B, CDU UND RAUS BIST DU“, gesetzt in Versalien und in der Hausschrift „Benton Sans Condensed“, übt man sich in Zynismus, wohl mit einem Augenzwinkern.

“MACHT MEHR MÖGLICH” ist das Motto der Kampagne, in der Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann ohne eigenes Motiv auskommen muss. Anders als die Plakate zur Bundestagswahl mit ihrem Airbrush-Look, erscheinen die NRW-Motive “cleaner”; zwar nicht langweilig aber doch gewöhnlicher. Die dargestellte Form der Verquickung der Themen “Arbeit” und “Natur”, erscheint mir ein cleverer Zug zu sein. Was sich bei einem Firmenlogo fast schon verbietet – gemeint ist das Ersetzen eines Buchstabens, in diesem Beispiel ein “A”, durch eine Bildmarke –, ist in diesem Fall eine „gute Gestaltung“, weil es nämlich zwei komplexe Themen leicht verständlich und vor allem schnell zu einem Lösungsansatz verdichtet. Gerade Wahlplakat müssen bedarfsgerecht aufbereitet sein, sprich die Botschaft muss in 3 Sekunden ihren Rezipienten gefunden haben. Darüber hinaus sind die Plakate der Grünen handwerklich solide.

Auch bei den Grünen kann man “Mein Plakat” erstellen, ein Trend mit dem man offensichtlich den Plakatmixern, die zugegebenermaßen eher die Konservativen auf dem Kieker haben, den Wind aus dem Segel nehmen möchte.

FDP

FDP Plakate NRW Wahl 2010

Aufstieg im Aufsteigerland NRW. Geht es nur mir so? Die Verwendung des Begriffs „Aufstieg“ klingt in meinen Ohren wie ein Bekenntnis zur Bewahrung einer Klassengesellschaft. Dort wo jemand aufsteigt, muss irgend wer anders ab- oder aussteigen. Das ist im Beruf so und auch in der Fußball Bundesliga sorgt dieses Prinzip für Bewegung. Wäre ja noch schöner, wenn alle oben mitspielen könnten. Sicherlich bleibe ich an diesem Begriff auch deshalb kleben, weil die Gestaltung recht wenig Angriffsfläche bietet. Zwischen der typisch liberalen gestalterischen Schonkost fällt lediglich eine diffuse Form im Absender auf. Der Umriss von Nordrhein-Westfalen macht stilistisch auf Expo-2000-Logo. Ansonsten gibt es mit blauer Schrift auf gelber Fläche keine Überraschungen. Die FDP steht für Kontinuität, denn die Gestaltung ist kontinuierlich langweilig.

Fazit

Design spielt in Bezug auf den Wahlausgang keine Rolle. Anders ist der Erfolg der FDP bei der Bundestagswahl 2009 nicht zu erklären, waren die Plakate der Liberalen doch durchweg miserabel. Auch wenn kein Wahlplakat es jemals zu einem Effi bringen wird, ist es immer wieder spannend, sich mit den unterschiedlichen Wahlplakaten und ihrer Gestaltung zu beschäftigen, da sie als Zeitzeugnis die Befindlichkeiten der Gesellschaft dokumentieren.

Aufsehenerregend ist keine der hier vorgestellten Kampagnen. Die poppigsten Motive steuern diesmal nicht die Grünen, sondern die SPD bei. Die Gestaltung bei der CDU wirkt eher „unstabil“ und seltsam zweigleisig. Bin mal gespannt, ob die Seitenhiebe der Grünen auf die Landesregierung von den Bürgern als charmant oder doch eher unverschämt eingestuft werden. Und natürlich werde ich die Wahl in meiner alten Heimat aufmerksam verfolgen.

Die Plakate der PDS hätte ich auch gerne vorgestellt, wenn denn die Kampagnenmotive auf der Website der NRW-Die Linke eingestellt gewesen wären oder deren Presseabteilung geantwortet hätte.

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60 Kommentare

  1. Schöner Post!

    Bei der SPD finde ich die Quer-Formate sehr schön. Liegt aber vermutlich an der schönen Thesis und der Tiefenunschärfe der Fotos, hat mir schon bei der Bundestagswahl gefallen. Logo in 3D finde ich aber nachwievor völligen Humbug.

  2. Auf mich wirkt der NRW-Umriss auf dem FDP Plakat wie etwas erbrochenes. ;) Als ich das Plakat letzte Woche das erste mal sah, konnt ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Das schwarz/weiß – Foto der CDU mag mir überhaupt nicht gefallen. Das Foto mag handwerklich gekonnt in Szene gesetzt sein, aber passen tut es zu diesem Anlass nicht. Wobei ich auch hier sagen muss: Traurig, wenn man’s wählt.

    Die Motive der Grünen fand ich im Airbrush-Stil wesentlich besser und passender zu den Wählergruppen – und die jetzigen Aussagen sind auch ziemlich beliebig und sinnfrei. Der Farbeinsatz bei den SPD Plakaten ist zumindest bei den großflächigen Motiven ganz nett – doch auch hier frag ich mich: “Stolz.” auf was denn?! Und was hat das Kleinkind mit der SPD zutun? Empfangen SPD Wählerinnen mehr Kinder als andere?! ;) Klar – wer drüber nachdenkt sollte wissen, was die Plakatmacher damit aussagen wollen, aber so richtig zufrieden bin ich damit auch nicht. Dennoch: Der Gestaltungsansatz gefällt mir am besten.

  3. Offenbar hat man bei vielen noch nicht begriffen, das es nicht schlecht wäre, die Adresse der Website mit auf die Plakate zu drucken, bzw. so, dass sie auch sichtbar ist. Bei den Grünen muss man mehrfach hingucken, die CDU hat die Domain nur auf den Themenplakaten und die SPD verteilt die Kampagne gleich mal auf zwei Domains. Einzig auf den ansonsten grausamen Plakaten der FDP sind die albernen Subdomains zu erkennen.

    Willkommen im Wahlkampf 2010.

  4. Mit der SPD in den Frühling. So farbenfroh kennt man sie ja sonst nicht.

    Bei der CDU war wohl jemand fürs Marketing verantwortlich, der die Position im Lotto gewonnen hat. So ein inkonsistentes Erscheinungsbild. Und auch noch 2 verschiedene Absender. Wie kann soetwas bloß passieren?

    Die Plakate der Grünen treffen irgendwie nie meinen Geschmack. Vlt. liegts am Grün.

  5. Mir fällt direkt auf, dass die Hochkantplakate von CDU, SPD und den Grünen alle auf einen Farbverlauf mit darüber positionierter weißer Typo setzen.
    Fast, als wäre eine Agentur am Werk gewesen…

  6. Meines Wissens kann man für die SPD keine Plakate mehr spenden (das ging wohl nur bis Ende März). Außerdem gibt es sehr wohl von Sylvia Löhrmann Plakate – heute morgen habe ich noch mehrere Plakate von ihr gesehen.

  7. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht aber das Arbeitsagentur “A” ist für mich, durch die Verwendung in Nachrichteneinblendern, etc mittlerweile eher zum Icon für “Arbeitslosigkeit” statt “Arbeit” geworden. Insofern finde ich die Verbindung mit “Natur” auf den Plakaten der Grünen nicht unbedingt so gelungen. Der Entwurf vermittelt im ersten Moment eher den gegenteiligen Eindruck von dem, was eigentlich gesagt werden soll.

  8. @ Jack Y
    Lesen hilft. Gerne mal den ganzen Beitrag.

    @ Andreas
    Top, genau das ist auch meine Assoziation. Warteschlangen, Arbeitslosigkeit, unnütze Fortbildungen, Inkompetenz. Mag sehr gut sein, dass ich dem Arbeitsamt der “Agentur für Arbeit” damit Unrecht tue, aber der (persönliche) Beigeschmack bleibt. Für mich funktioniert das Plakat überhaupt nicht.

  9. So als Ahnungsloser, ist das Grün von den SPD-Plakaten identisch mit dem Grün der Grünen und das Rot von den Grünen-Plakaten mit dem Rot von der SPD?

  10. Ja dann geb ich auch mal meinen Senf dazu ab.

    Die CDU Plakate finde ich eigentlich ganz gut, ist mal was anderes mit dem S/W Bild zu dem blauen Gegenstück naja.

    Die Bunten Plakate der SPD erinnern mich ein bisschen an die letzten Kommunalwahlen da hingen hier so Plakate mit Regenbogen-Hintergrund herum (weiß leider nicht mehr von welcher Partei). Aber die waren noch schlimmer. Sonst erinnert mich das “große” Plakat ziemlich an die Bundestagswahl.

    Was die Grünen angeht, “das Unterstellen der Fehler Anderer” finde und fand ich damals bei der SPD schon mist. Aber gut wenn man nix anderes zu schreiben hat. Und sonst finde ich die Plakate jetzt auch nicht so berauschend, die letzten (mit diese Pappschildern) waren besser. Aber die Hausschrift der Grünen ist die selbe wie die von NRW, ob das ein Zeichen ist? :-D

    Ja und die FDP wie sonst auch stimmt schon aber wenigstens sind wir jetzt das Aufsteigerland und stehen dem Frühaufsteherland Sachsen-Anhalt in nix mehr nach ;-)

    Ja gut das wars es dann von meiner Seite

  11. Für den Kommentar zum Slogan der FDP sehe ich keinerlei Beleg. So würde man es vielleicht auf der Kabarettbühne darstellen, wo man die Partei als leichtes Opfer schätzt, und sicherlich auch manch lieb gewonnenes Vorurteil hegt. Das der Aufstieg der Einen den Abstieg von Anderen voraussetzt ist nicht mehr als eine wackelige Behauptung. Das Leben verhält sich nicht unbedingt wie die Fußball-Bundeliga. Wem schade ich denn, wenn ich, aus einfachen Verhältnissen kommend, ein Studium abschließe und einen gut bezahlten Beruf ergreife? Wer steigt denn dabei ab? Und was wäre denn die Alternative? Abstieg durch Dummheit? Abstieg für alle? Alles bleibt, wie es ist?
    Natürlich ist der Slogan ziemlich unscharf, aber offenbar setzt man darauf, dass die, die es ansprechen soll, wissen, was gemeint ist und gibt sich offensichtlich nicht die geringste Mühe, es den anderen verständlich zu machen. Schwach.

    Gestalterisch scheint die Botschaft (bei allen) eher zu lauten: “Mittelmaß für alle”, “BILD und der Landtag präsentieren: die VOLKS-Partei, jetzt in 5 Geschmacksrichtungen.”, Farblich scheint man sich an den Verpackungen von Discounter-Eigenmarken zu orientieren. Statt Klarheit und Prägnanz zu vermitteln, Aufmerksamkeit zu suchen scheint man sich aus Angst, den Wähler mit ungewohntem zu verschrecken in der “neuen Mitte” zu verstecken.
    Da stechen eigentlich nur die Grünen heraus, aber “gelungen” mag ich auch ihre Plakate nicht nennen, denn auch die wirken in der Farbgebung etwas zu knallig und billig.

    Ich frage mich, warum man es immer Schweizer Rechtspopulisten vorbehält, schöne Plakate (verunziert nur durch reichlich garstige Worte) aufzuhängen. Hat denn keiner eine Botschaft, die eine schönes Stück Pappe verdient?

  12. Wirbt die CDU eigentlich schon immer mit blau? »NRW MUSS STABIL BLEIBEN.« könnte man gut überkleben, um »LABIL« draus zu machen. Passt ja auch besser. :o)

    Die FDP-Plakate in Bochum sehen aus, als wären sie gestaltungstechnisch irgendwann in der 70ern stehengeblieben. Einfach nur altbacken und hässlich.

    Bei den 18/1 der SPD wurde in vielen Fällen keine Kontrastfarbe für das Schlagwort gewählt, weswegen sie erst auf den zweiten Blick zu lesen sind.

    Ist Euch aufgefallen, dass die Grünen mit dem alten Arbeitsamt-A arbeiten? Das aktuelle sieht man hier. Den Claim »MACHT MEHR MÖGLICH« verstehe ich irgendwie nicht ganz. Etwa »Grüne – macht mehr möglich«? Müsste es dann nicht »machen« heissen? Oder geht es doch wieder nur um die »Macht«? ;o)

  13. Mir fiel als erstes auf, dass die CDU ihr Orange, dass sie zuletzt noch als neue “Hausfarbe” benutzte, komplett weggelassen hat, Oder war das von vornherein auf die Bundes-CDU beschränkt?

    SPD ist viel zu bunt, beliebig und teilweise schlecht lesbar. Und diesen 3d-Würfel habe ich immer noch nicht verstanden. Würfelt die SPD ihre Standpunkte aus?

    Grün ist okay. Die schräge Abgrenzung unten gefällt, auch der sonnenartige Verlauf. Das Arbeitsamt-A hingegen ist Quatsch, wie schon von anderen erläutert. Und die klitzkleine Unterzeile, die den “CDU”-Spruch letztendlich erst mit Sinn versieht, ist eben klitzeklein und so nicht lesbar in den genannten entscheidenden 3 Sekunden. Und: Was sagt die Autofirma eigentlich dazu, dass ihr Jaguar auf dem Plakat ist?

    FDP überzeugt mich am ehesten (gestalterisch! nicht inhaltlich): Klare Aussage; für jeden, der ihr nahe steht, schnell zu verstehen. Positiv langweilig. Da muss man nicht nachdenken, da weiß man, was man bekommt. Eine Ein-Thema-Partei halt.

    Leicht Offtopic: Als ich am Wochenende in NRW war, dachte ich erst, Günther Oettinger von der CDU wäre jetzt zur FDP gewechselt. Aber bei näherer Betrachtung stellte ich dann fest, auf den Plakaten ist Hartmut Engler von “Pur”…

    Schlimme Gestaltung – ich glaube mit Absicht – findet sich übrigens bei der großartigen, aber irgendwie nicht wirklich wählbaren “Die Partei”.

    Ansonsten bleibt nur noch der Aufruf: Wählen gehen! Hilft wahrscheinlich nicht, aber man soll die Hoffnung nie aufgeben.

  14. @clam
    Gehts hier um Politik oder um Design?

    Beim Plakat der Grünen fällt mir auf, dass die im Gegensatz zur Bundesebene oder zu anderen Landesverbände ein eigenes (abgewandeltes) Logo verwenden.

    @Peter Köller
    Bei “Macht mehr möglich” handelt es sich sicherlich um eine Aufforderung an den Rezipienten des Plakates – wie man auch immer dazu stehen mag.

  15. “Aufstieg” ist eigentlich ein klassischer sozial-demokratischer Begriff. Der SPD geht es dabei allerdings nicht um den Aufstieg auf Kosten der Absteiger: Der Arbeiter soll sich sein Häuschen leisten können und die Krankenschwester ihr Auto. Bei der FDP bin ich mir nicht so ganz sicher… Interessant aber, dass die den Begriff gekapert haben.

  16. Wenn ich das CDU-Plakat mit dem Merkel-Konterfei des letzten “Super-Wahljahres” vergleiche, stehe ich visuell eher vor einem Nachruf, als einer Mobilisierung. Das Foto wirkt flau, mir fehlen die scharfen Linien und Kontraste.
    Gelungen finde ich die Plakate der Grünen (gut, ich mag es auch, wenn sich PR-Abteilungen gegenseitig fertigmachen), aber die Zeigefingerstrategie ist bei denen auch nicht ganz neu.

  17. Und die Kleinstparteien bleiben mal wieder aussen vor, wie typisch. Besonders die Piratenpartei haette man doch wenigstens erwaehnen koennen. Ich find’s nicht in Ordnung. Ein Kritikpunkt an der Einseitigen Berichterstattung des Designtagebuch. Wenn man sich mal im Wiki von der Piratenpartei so manches Plakat anschaut, waere das ein Highlight hier beim Designtagebuch erwaehnt zu werden.

  18. @sausi
    Ich gebe zu, es ist mir nicht 100%ig gelungen, aber ich versuchte schon, die Gestaltung zu kommentieren, und die Politik etwas außen vor zu lassen. Es ist verführerisch, dort gegenseitige Implikationen zu vermuten (schlimmes Plakat => schlimme Politik, beeindruckende Rhetorik => intelligenter Politiker, sympathische Partei =>schöne Plakate u.s.w.) und oft genug scheint es auch zu stimmen, aber das ist natürlich Trug und Schein.

    Der erste Absatz bezog sich nur auf den Blogeintrag. Ich konnte (und kann) nicht nachvollziehen, wo die negative Konnotation des Wortes “Aufstieg” herrührt (es sei denn, man unterstellte von vorn herein böse Absichten) und wollte die rhetorische Frage “Geht es nur mir so.” mit einem (etwas zu) ausschweifenden: “Das weiß ich nicht, doch mir geht es eigentlich nicht so.” beantworten.

  19. Tolle Übersicht. Interessant ist die klare Positionierung über Farben. Im Geiste von “Strom ist gelb” – soll jetzt keine Kritik am FDP-Gelb sein – hat sich jede Partei gekennzeichnet, oder neudeutsch ge-brandet, also äußert “Das gehört zu mir!”

    Klar, dass sich die CDU nicht mit dem verbalen “Schwarz” – wie in “schwarz-gelb” verwendet – identifizieren möchte, sondern sich für das emotionalere Blau entschieden hat. Bin gespannt, ob sich im Sprachgebrauch irgendwann einmal das Blau durchsetzen wird, ob wir also irgendwann mal von der blau-gelben Koalition sprechen werden. Nach subtraktiver Farbenlehre wäre das übrigens zusammen etwas neues: nämlich grün.

  20. Mh,…. finde alles sehr langweilig. Und CDU mal wieder komplett inhaltsleer. Angenommen ich würde als Ausländer 1 Tag vor der NRW Wahl nach Deutschland kommen und eingebürgert werden, so dass ich am nächsten Sonntag wählen dürfte. Ich hätte keine Ahnung, die Plakate taugen jedenfalls nicht, um mich zu überzeugen…

  21. @Tobias Willann:

    >Ein Kritikpunkt an der Einseitigen Berichterstattung des Designtagebuch.
    Warum sollte die Piratenpartei hier eine Sonderstellung bekommen? Hätte Achim auch deren Plakate vorgestellt, hätte er alle Kleinparteien mit einschliessen müssen, was sicherlich eine Heidenarbeit geworden wäre. So konzentriert er sich eben auf die grossen Parteien (zumindest auf die, deren Plakate ihm zu Verfüghung gestellt wurden). Und das ist konsequenter.

    Abgesehen davon würden die Piratenplakate hier gestalterisch sicherlich nicht so gut abschneiden. Zumindest nicht, falls alle 109 (!) Varianten plakatiert werden und es dadurch viele Versionen von den selben Plakaten gäbe. Oder ist das noch eine Vorauswahl zur Abstimmung?

    Und der Blocksatz auf den Plakaten führt teilweise zu echt unschönen Lücken (siehe z.B.#89) oder zu zu vielen Umbrüchen (#94). Teilweise fehlen auch Freizeichen (#86).

    Allerdings ist die Wiedererkennbarkeit ziemlich gut, da konsequent das Orange durchgezogen wird und der Aufbau der Plakate auch sehr ähnlich ist. Einzig die Welle hinter dem Logo ist mir etwas »too much« und macht den unteren Bereich sehr unruhig, v.a. da sie so nah an dem NRW klebt.

  22. Sowohl Linkspartei als auch Piratenpartei sind im nordrhein-westfälischen Landtag doch gar nicht vertreten. Wieso also, sollten ihre Plakate hier veröffentlicht werden bzw. warum wird darum soviel Lärm gemacht (entsprechend müssten ja auch die Plakate aller anderen Parteien, die im Landtag nicht vertreten sind, veröffentlicht werden; da gibt es noch einige mehr). Es handelt sich im Grunde um die gängie Praxis hierbei, entweder die im Parlament vertretenen Parteien oder komplett alle zur Wahl stehenden zu berücksichtigen. Diese kann man zwar grundsätzlich hinterfragen, dann sollte dieses Hinterfragen jedoch auch für alle Parteien gelten (wer also stets nur nach einer Partei fragt, der hinterfragt letztendlich scheinheilig, um der von dieser Person favorisierten Partei eine Sonderstellung einzuräumen). Da Achim sicherlich neben dem Betreiben dieses Weblogs auch noch zwei, drei andere Sachen zu tun hat, und da das Weblog ja auch in Zukunft noch mit weiteren Einträgen gefüllt werden will und nicht Tage alleine für einen einzigen Beitrag über die Plakate aller Parteien drauf gehen sollten, halte ich den Zuschnitt auf die im Landtag vertretenen Parteien für angebracht.

    Die Plakate selbst werde ich hoffentlich noch in den nächsten Tagen kommentieren können. Dazu finde ich momentan nicht die Gelegenheit.

  23. auffällig ist, dass alle Parteien deutlich auf ihr Kernpublikum zielen und versuchen, die Stammwähler zu motivieren. Ein Zeichen für eine erwartete niedrige Wahlbeteiligung. Die SPD versteckt sich hinter solidarischen Wolken, die FDP signalisiert, dass sie immer noch ganz die alte ist, die CDU will wie immer ein bisschen Bange vor der Zukunft machen und die Grünen geben sich forsch ironisch. Alle bedienen damit Kommunikationsmuster ihrer Stammwählerschaft. Keine Partei bricht hier aus und sucht Wähler in anderen Gefilden.

    Ich sehe darin eine Angst vor den vielen Möglichkeiten, die viele kleine Parteien bieten. Jeder will sich selber stärken und hofft, gut dabei weg zu kommen. Koalitionsaussagen wären notwendig, werden aber vermieden.

  24. @Torsten
    Dass DIE LINKE im Landtag NRW nicht vertreten ist, ist so nicht ganz richtig. Der Abgeordnete Rüdiger Sagel ist im Verlauf der Legislaturperiode bei den Grünen ausgetreten und sitzt derzeit als fraktionsloser Abgeordneter der LINKEN im Landesparlament.
    Wer die Plakate der LINKEN sehen möchte, kann das unter http://www.dielinke-nrw.de/kampagne.html tun. Da wird man dann auch gleich erkennen, dass zum Design dieser Plakate schon im Bundestagswahlkampf alles nötige gesagt wurde. Im Westen nichts neues.

  25. Als ich das große Plakat der CDU das erste Mal gesehen habe (nur aus dem Augenwinkel, beim vorbeifahren) dachte ich mir: Oh Junge, die NPD haut dieses Jahr aber voll rein.

    ABER NEIN, hier wirbt die CDU… Allein die Farbgebung hat mich aber ganz stark an eine andere Partei erinnert. :-/

  26. Die Grünen verwenden die veraltete Logo-Version des (damaligen) Arbeitsamtes. Die unbenannte Arbeitsagentur hat viel Geld dafür ausgegeben, dass der A-Strich abgerundet wird. Hat sich ja offensichtlich gelohnt…

  27. Ich habe selbst vor einigen Jahren in einer namhaften Werbeagentur für politische Kommunikation zwei FDP-Wahlkämpfe als Kreativer mitbegleitet und dabei hautnah das Gezerre und Geschiebe von Inhalten, das teils gar nicht vorhandene, teils mangelnde Gefühl für die richtige Sprach- oder Wortwahl, das brutale Aufzwingen persönlicher Vorlieben in Sachen Farbe oder Fotostil, die unerträgliche Geschmäcklerei und Profilneurotik einiger Politiker, die typografische Altbackenheit und Rückwärtsgewandheit von sog. Kreativen – kurzum die geballte Chaotik von Wahlwerbung am eigenen Leib und mit eigenen Augen erfahren.

    Danach wunderte mich gar nichts mehr. Hatte ich mich vorher gelegentlich, ähnlich wie meine Vorredner hier, noch über Eigenartigkeiten und den Tenor der Langeweile in der Politwerbung erstaunt geäußert, so ist mir heute vieles klarer und die miese gestalterische bzw. konzeptionelle Qualität der Kommunikationsmittel durchaus verständlich.

    Den Parteien sei an dieser Stelle geraten: Reden Sie nicht so viel vom mangelnden Vertrauen ihrer Bürger in die eigenen Leistungen, sonder fangen Sie endlich an, ihren Kommunikationsdienstleistern zu vertrauen anstatt inkompetent und von völlig geschmäcklerischen Subjektiven geprägt in alles und jedes Detail der Parteikommunikation und in die Profiarbeit von Leuten, die sich damit auskennen, hineinzupfuschen!

  28. Nicht mehr als ein schlechter Witz denn mit Werbung hat das an der Stelle wirklich nichts mehr zu tun.

    Aussage 1: Wir haben keine Lösung zu Thema 1,2,3 … trodem durchhalten.
    Aussage 2: Stengt euch gefälligst mehr an!
    Aussage 3: Wir wissen zwar noch nicht wie aber irgendwie wird das schon werden.
    Aussage 4: Realitätsfern. We have a dream and this dream is grean.

    Die Plakate befinden sich nah an der Wahrheit und diese Wahrheit ist wirklich erschreckend,
    denn sie macht die geballte Ladung Unfähigkeit offensichtlich.

  29. @Daniel
    Korrekterweise muss es natürlich heißen: Der Partei DIE LINKE wurden keine Mandate im letzten Landtag zugeteilt. Wenn Herr Sagel sein Mandat zweckentfremdet, ist das seine Angelegenheit, hat aber keine bevorzugte Berichterstattung zur Folge.

    Ansonsten sind die SPD-Farbverläufe recht befremdlich, das Großflächenmotiv mit Grüner Schrift über Sonnenblumenstielen (überraschenderweise auch grün) kaum lesbar. Die Grünen sind mittlerweile nicht mehr in der Lage von Wahlkampf zu Wahlkampf noch innovativer zu werden und enttäuschen somit auch. Die FDP hat noch nie versucht, solche Erwartungen zu wecken – da wird wohl eher die Langeweile zur Tugend; das Motiv Polizeireitstaffel habe ich übrigens erst beim zweiten Hinsehen erkannt, anfangs nahm ich eine Teenagerin mit einem teuren, von Papa gesponserten Hobby wahr …
    Bei der CDU verstehe ich zwar das Konzept einer abgetrennten Rüttgers-Kampagne, gerade auch, um dem Bundestrend zu entfliehen, aber dann hätte man das Parteilogo auch ganz weglassen können, statt ein solches Durcheinander zu verursachen.

  30. zum bild von kommentar nr. 6 ich denke hier sollen die studenten mit der farbanmutung von studi vz angesprochen werden oder?

    falls das so sein sollte, wäre es vielleicht nicht schlecht gewesen zu wissen, dass nur einige wenige prozent der studi vz nutzer wirklich studenten sind ;)

  31. Ich stelle den Link auch noch ein drittes Mal rein:
    Kampagne – Die Linke
    Gutes Design zeichnet sich nicht nur durch gute visuelle Gestaltung aus, sondern auch durch gute semantische Gestaltung. Die Linke machen gezielt konkrete Themen zum Inhalt, die mit prägnanten Headlines sofort ins Auge springen. Die Copy darunter erklärt dann auch noch nachvollziehbar, wie das geforderte umzusetzen ist. Als Wähler bekommt man hier das schärfste Profil einer Partei zu spüren. Das ist gute Kommunikation.
    Die anderen Parteien präsentieren sich mit Imagekampagnen, die mit Schlagworten emotionalisieren wollen. Man erkennt zwar ungefähr mit welcher Zielgruppe sich die Partei identifizieren will, aber klare Positionen und Lösungsvorschläge bleiben aus.

  32. SPD irgendwo schon mal gesehen, die Schrift erinnert mich an die Grünen und die Farbe an die MS Office Verpackung, aber auch an die CDU Plakate der letzten Bundestagswahl.

    Grün, Natur + AA Logo, letzteres steht für Arbeitslosigkeit, Verlust von Arbeitsplätzen = “Naturschutz vernichtet Arbeitsplätze”. War zumindest mein erster Gedanke(Stammwähler). Die sächsischen Plakate waren um Klassen besser.

    CDU das körnige S/W Foto ist schon eine Idee(Keine Experimente!), mir aber doch zu unruhig und flau. Der rote(!) Spruch wirkt wie (vom pol. Gegner) aufgeklebt. Dazu die penetrante Großschreibung, bei Werber 1 scheint die Shift Taste zu klemmen. Könnte auch ein Werbeplakat für Uschis Restrampe sein. Werber 2, der mit der funktionierenden Tastatur, liefert dagegen solides Handwerk.

    FDP Zero Points. Kein Vergleich mit der sächs. Leistungsträgerelite, kein Inhalt – aber ein hübsches Modell ( http://www.mdr.de/I/6675005.jpg ) ! So fängt man Wähler.

  33. > Auf einem der Plakate heißt es: „Sicherheit Für ein NRW ohne Atomkraft“.
    > Wohl ein Flüchtigkeitsfehler, denn ansonsten werden alle anderen Sätze
    > klein weiter geschrieben.

    Nein, die anderen Sätze sind halt “richtige” Sätze:
    Einsatz für ein NRW…
    Freude auf ein NRW …
    Vertrauen in ein NRW …

    Der Atomkraftslogan bricht zwar aus dieser Systematik aus. Ich vermute aber dass er so gemeint ist:
    Sicherheit(./!) – Für ein NRW ohne Atomkraft.

  34. @Peter Köller zu den Plakaten der Piraten: Es wurden diese Plakate gedruckt und geklebt: http://www.piratenkreo.de/node/414
    Unter http://wiki.piratenpartei.de/Datei:NRW-Plakate-Arguliner.pdf kann man ein wenig zu den Inhalten erfahren.
    Die Welle unten ist tatsächlich nicht gut. Man erkennt das Logo nicht. Dafür sind die Plakate in der Fernwirkung erstaunlich: Das weiße P auf orangenem Grund erkennt man aus sehr großer Entfernung. D.h. wer einmal ein Piratenplakat gesehen hat, findet es überall wieder.

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