Start Design

Plakate zur Landtagswahl 2012 im Saarland

51

Wahlplakate Saarland 2012

In diesem Jahr finden drei Landtagswahlen in Deutschland statt. Neben Schleswig-Holstein (6.Mai) und Nordrhein-Westfalen (seit wenigen Tagen steht fest, dass eine Neuwahl erforderlich ist) wird auch im Saarland über die Zusammensetzung des Landtages abgestimmt. Im Saarland wird bereits am 25. März gewählt und so habe ich mir einmal angeschaut, wie sich die Parteien in dem doch vergleichsweise kurzen Wahlkampf visuell aufstellen und welche Plakatmotive derzeit das Straßenbild im Saarland prägen. Erstmalig werden im Rahmen eines dt-Beitrags nun auch Plakate der Piratenpartei einer genaueren Betrachtung unterzogen. Klarmachen zum Anschauen!

SPD

Wahlplakat Heiko Maas SPD Saarland

Wahlplakate SPD Saarland

Die Kampagne der SPD ist ganz auf ihren Spitzenkandidaten Heiko Maas zugeschnitten. Erstmalig greift in der Plakatkampagne die neue SPD-Farbwelt, in der seit der Rückkehr zum Quadrat (seit Anfang 2011 verschwindet der SPD-Würfel sukzessive aus dem Erscheinungsbild) ein Purpurrot als Akzentfarbe zum Einsatz kommt.

Trotz zumeist ernster Miene von Maas wirken die Plakate schon allein aufgrund der Farbgebung freundlich. Rot, Lila und Bordeaux in Kombination mit Blau-Grautönen erzeugen einen Ausdruck, wie man ihn sonst eher aus dem Modeumfeld  kennt. Tatsächlich wirken die Plakate sehr stilvoll. Der Kandidat macht eine gute Figur im Anzug wie auch im Hemd, sowohl vor rotem Hintergrund wie auch vor der verschwommenen, nennen wir es, urbanen Kulisse.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass der verantwortliche Fotograf Herrn Maas auch auf einem Designerstuhl (Plastic Chair, Vitra) Platz nehmen ließ. Stilvoll bis ins Detail. Da passt es durchaus, diese Optik auch politisch zu verwerten und dem Spitzenkandidaten sogleich einen „neuen Politikstil“ zu attestieren. Ob er ihn tatsächlich pflegt, vermag der Betrachter nicht zu sagen, die Gestaltung vermittelt ihm jedoch, dass es genau das tut.

Fazit
Großes Kino. Ein neuer (Farb)Akzent in der politischen Werbelandschaft. Sehr durchdachte Gestaltung/Inszenierung, wenn auch fast ein bisschen zu geleckt.

CDU

Wahlplakate CDU Saarland Annegret Kramp-Karrenbauer

Wahlplakate CDU Saarland Annegret Kramp-Karrenbauer

Die CDU setzt in ihrer Plakatserie auf Bewährtes. Verlässlichkeit ist durchaus ein Trumpf, gerade in wirtschaftlich wackeligen Zeiten. Mit Helvetica als Hausschrift sowie Blau und Orange folgt man den eigenen Corporate-Design-Richtlinien. Einziger Ausreißer, gar nicht mal im negativen Sinne gemeint, ist ein senfgelber Hintergrund bei einem der Großflächenplakate, der der Spitzenkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer sogar besser steht als das fotografisch doch sehr inszeniert wirkende Umfeld der anderen Motive. Kinder und Personen im Anzug ist hier deutlich anzusehen, dass es sich um Statisten handelt. Dieser Fotostil mit leicht biederer Attitude zieht sich bis auf die Website Kramp-Karrenbauers.

Anders als etwa Mass ist Kramp-Karrenbauer in jeder Aufnahme von allen Seiten ausgeleuchtet. Die Gestaltung der Plakate ist einwandfrei, der Umgang mit Headlines gelernt und bewährt. Fotografisch und inhaltlich ist die Serie ordentlich, jedoch vergleichsweise ideenlos. An die Qualität der Plakatserie zum Bundestagswahlkampf kommt sie nicht ansatzweise heran.

Fazit
Bewährte Plakatgestaltung, die man von der CDU schon kreativer gesehen hat.

DIE LINKE

Wahlplakat DIE LINKE Saarland

Wahlplakate DIE LINKE Saarland

DIE LINKE im Saarland tut sich, wie es scheint, etwas schwer im Umgang mit den digitalen Angeboten. Entsprechendes Material zur Wahlkampagne fand ich weder auf dielinke-saar.de noch auf Facebook. Da mir auch auf Nachfrage keine Daten zur Verfügung gestellt wurden, ist die oben gezeigte Netzausbeute Grundlage für die Bewertung.

Mit Oskar Lafontaine als Spitzenkandidat geht DIE LINKE in den Wahlkampf. Eines der Großenflächenplakate zeigt Lafontaine vor einer Stahlhütte mit dem Slogan: „Sanieren muss man können.“ Gemeint damit und im Hintergrund dargestellt ist der Saarstahl-Konzern. Während seiner Amtszeit als Ministerpräsident des Saarlandes gelang es der Regierung, den Saarstahl-Konzern trotz der Stahlkrise über viele Jahre am Leben zu erhalten. Mit diesem Pfund möchte man nun also punkten, im digitalen Zeitalter. Nicht nur inhaltlich erscheint die Kampagne etwas überholt, auch gestalterisch bietet sie wenig Inspirierendes. Das Lafontaine-Motiv wirkt wie aus einer anderen Dekade. Auffällig ist innerhalb der Kampagne lediglich, dass die Hausfarbe Rot nicht oder nur sehr sparsam eingesetzt wird.

Fazit
Die Wahlkampagne ist ein Sanierungsfall.

51 Kommentare

  1. Ich bin gespannt, in wie weit das Ergebnis des Votings hier mit dem Wahlergebnis im Saarland korreliert (ich werde am 25. morgens das Voting-Ergebnis notieren :-)).

  2. Die Piraten machen es am besten, wenn es darum geht, nah bei ihren Wählern zu sein. Das Unfertige, Eckige, Selbstgebastelte wirkt authentisch. Zumindest im Umfeld der sehr glatten Werbeagenturästhetik der anderen Plakate.

  3. Im Grunde sagt der Artikel alles das, was mir auch dazu einfallen würde. Bei der SPD schrickt man erst mit der Farbkombination Lila/Rot auf, aber durch die geschickte Kombination mit dem grau funktioniert das ertsaunlicherweise gut! Das Plakat mit dem lila Hintergrund wäre mir wahrschienlich als großflächiges Plakat zu viel, müsste man sich aber dann wirklich in Groß ansehen.

    CDU – wie gesagt Statisten und der gekünstelte Ausdruck der Protagonistin die über einen Freisteller auf einen hübschen Hintergrund geklatscht wurden. Da stimmt nicht einmal die Perspektive. Gefällt mir überhaupt nicht. Das mit dem senfgelben Hintergrund ist noch das Beste.

    Als Hit empfinde ich die Plakate von den Grünen. Sehr geschickt für das jüngere Klientel aufgepeppt. Kunterbunt, aber trotzdem mit ernsten Themen. Kennen wir aber schon von den Grünen und ich empfinde das als logische Konsequenz.

    Die Linke – dem ist nicht hinzuzufügen. Da wurde nichts dazu gelernt. Schade eigentlich. Wie im Layout so wohl auch im Wahlprogramm.

    Unerwartend erfrischend, aber doch fast ein wenig am Thema “Wahlplakat” vorbei finde ich die Kampagne der Piraten. Mich erinnert es eher an eine Anzeige für eine Schülerzeitung, oder einem Musicdownload-Portal. trotzdem mal ein anderer Ansatz. Und mich stört jetzt die unterschiedliche Persepktive nicht so, so wie man einen unsauberen Rahmen vielleicht auf die Entfernung (bei Plakaten ja so üblich) nicht so sieht.

    Und zur FDP – was soll man dazu sagen? Quitschgelb auf Mausgrau. So trist wie ihre Politik und ihr Selbstbild. Und dann stumme Gesichter die aus der Bildfläche fallen. Keinen Mumm mehr sich zu präsentieren? Mir wird dadurch nur vermittelt, dass die Protagonisten kein Selbstwertgefühl mehr haben und sich als gescholtene arme Wichte, die sich von ihren Wählern im Stich gelassen fühlen, hinterm Bildrahmen verstecken wollen. Und so was soll ich wählen? Wer hat ihnen denn dazu geraten?

  4. Tolle Übersicht, danke!

    Am beindruckendsten finde ich eigentlich den Kampagnen Look der SPD: Diese handwerklich und gestalterisch perfekte Inszenierung bildet in meinen Augen gut den programatischen Zwiespalt dieser Ex-Volkspartei ab. Optisch erinnert diese Kampagne an Fashionkataloge oder Werbung aus der Finanzwelt, eine extrem bearbeitete Version der Wirklichkeit mit einer starken Betonung des schönen Scheins. Eine Anlehnung an die (Werbe-)wirtschaft die in meinen Augen so gar nicht zu einer sozialdemokratischen Partei passen will. Bei einem Blindtest hätte ich diese Fotoästhetik eindeutig der FDP zugeordnet, auf gar keinen Fall der SPD.
    Übrigens wirkt die Violett-Rot Kombination bei immer noch wie Fingernagel auf Schiefertafel – ich finds furchtbar.
    ––
    Den Preis für den größten Mut zur Wahrheit bekommt eindeutig die FDP, wer hätte gedacht das man sich traut so schonungslos und plakativ die eigene politische Misere darzustellen: “Wir stehen am Rand, am Abgrund, abseits, wir schämen uns, wir haben Angst! Lebt alle wohl!”
    Es würde mich wirklich interessieren wer diese grandiose Idee hatte die Kandidaten an den Rand der Plakatfläche zu schieben? Die Wirklichkeit ist manchmal wirklich bitterer als jedes Kabarett…
    ––
    Ebenfalls erstaunlich empfinde ich die Chuzpe der Linken, diese Passfotos aus dem Automaten in aller Öffentlichkeit zu plakatieren. Ich gestehe dass ich das aus reiner Eitelkeit schon niemals zulassen würde, es gehört schon eine ordentliches Stück Pragmatismus dazu das in der Form durchzuziehen. Allerdings ist die Linke wohl auch die einzige Partei die mit sowas durchkommen kann, da man immer argumentieren kann, es wäre ein bewusste Abkehr von werblicher Inszenierung. Der optische Eindruck ist zumindest fürchterlich, und ich frage mich, auch ohne Werberhintergrund, ob das die richtige Strategie sein kann um die Gunst der Bürger zu gewinnen.

  5. Was die Plakate der Linken angeht, müsste ich ein wenig korrigieren:
    Was im Hintergrund von Oskar Lafontaine zu sehen ist, ist nicht Saarstahl, sondern die “Völklinger Hütte”, ein in den 90er Jahren von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernanntes Hüttenwerk.

    Aber selbst als Saarländer ist mir nicht ganz klar, was die LINKE mit dieser Aussage bezwecken will.
    Saarstahl selbst geht es seit einigen Jahren sehr gut, das alte Hüttengelände wird nach und nach saniert. Allerdings nur sehr langsam, da zum einen natürlich immer um Gelder gestritten wird, als auch die Vorgaben der UNESCO nicht ohne sind, wie sich viele vorstellen können.
    Das Bild suggeriert natürlich ein runtergekommenes, verfallenes Bauwerk (was es teilweise aufgrund des Alters natürlich auch ist), aber wie bereits gesagt, was die LINKE damit eigentlich aussagen will… keine Ahnung?

    http://www.voelklinger-huette.org/
    http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lklinger_H%C3%BCtte

  6. Interpretiere nur ich den Slogan der FDP so? “Bei schwarz sehe ich rot” – als wollten sie sich mit dieser Aussage ihren Koalitionspartner vergraulen und zur SPD ausweichen.

  7. »FDP – Bei schwarz sehen wir rot!« könnte ein bisschen nach hinten losgehen, oder? Vielleicht habe ich aber auch den Wortwitz nicht verstanden.

    Bei den CDU-Plakaten finde ich die Montagen echt grausam. Man sieht ihnen förmlich an, dass sie in Photoshop zusammengebaut wurden und nicht so fotografiert sind. Die Statisten erinnern mich an Bildkatalog-Motive aus den 90ern von Mauritius (erinnert sich jemand), viel zu gestellt und unglaubwürdig.

    Die SPD-Farbkombination Rot-Lila funktioniert erstaunlich gut. Hätte ich nicht gedacht. Interessant ist die Betonung des Wortes »fair«, welches in allen drei Plakaten vorkommt. Das Plakat mit dem farbigen Hintergrund ist mir auch zu schwer, aber mit den Fotos wirkt die Plakatanmutung sehr gut.

    Die Grünen-Plakate finde ich sehr schick, nur leider geht das Partei-Logo meiner Meinung nach etwas zu sehr unter.

    Die Plakate der Piraten gefallen mir sehr gut. Einzig das Motiv »Einmal mit Profis« verstehe ich leider nicht. Das die Fotos aus verschiedenen Winkeln aufgenommen sind fällt uns Gestaltern im Direktvergleich zwar auf, aber welcher Wähler vergleicht schon die Plakate. Abgesehen davon finde ich, dass das Motiv mit dem homosexuellen Pärchen »auf Augenhöhe« besser funktioniert, als »von oben herab«.

    Zu den Linken-Plakaten fällt mir nichts ein. Außer dass die Portraits auf den beiden kleinen Plakaten keinen einheitlichen Hintergrund haben, warum auch immer.

  8. Mir gefallen die Grünen soweit am besten, vor allem weil sie sich schonmal vom Rest abheben, weil keine Fotos von Politikern oder Bürgern eingesetzt werden.

    Das von der Piratenpartei erinnert mich alles etwas an Baumarkt oder an ne Collage aus nem Trailer für irgendne RTL2-Doku. O_o

    Der Rest ist eigentlich das was man erwartet hat, auch wenn die SPD mit der neuen Farbe dann doch etwas unerwartet ist.

  9. Kurze Erklärung zu den Slogans von FDP und Linkspartei:

    “Bei schwarz sehen wir rot” spielt ganz einfach darauf an, dass sich hier CDU und SPD, in einer meiner Meinung nach nicht besonders klugen Entscheidung, bereits zum Beginn des Wahlkampfes darauf verständigt haben, mangels Alternativen eine große Koalition einzugehen. Die FDP greift das in diesem und einem weiteren Slogan auf ihren Plakaten auf.
    Ansonsten gelten die FDP-Plakate bei allen meinen Bekannten als größte Lachnummer dieses Wahlkampfs.

    “Sanieren muss man können” habe ich so verstanden, dass es hier um das Saarland als Sanierungsfall geht. Die abgebildete Völklinger Hütte soll dabei wohl die Sanierungskompetenz des Spitzenkandidaten Lafontaine suggerieren. Meine Interpretation könnte natürlich auch völlig falsch sein. Wirklich logisch ist der Zusammenhang aber nicht und der Sinn des Motivs bleibt eher unklar.

  10. Die positive Bewertung des Farbklangs der SPD-Werbung kann ich als Farb-Designer überhaupt nicht teilen!

    1. Die Kombination von Zinnoberrot zu Weinrot, zu Rotviolett (nicht Lila, wie hier mehrmals fälschlich behauptet) lässt den Farbklang in sich “versaufen”.
    2. Durch die Dichte der drei Farbklänge wirkt die farbige Aussage äußerst unkonkret und unklar.
    3. Wirklich schlecht und arg zu bemängeln ist die farbpsychologische Aussage dieser Farbkombination. Gibt sich das Zinnoberrot noch mit der Attitüde, bzw. der Symbolik kraftvoll, stark, agressiv, kämpferisch und bestimmend ab, so wird das durch den weinroten Hintergrund verwässert, weil das Weinrot eher die Symbolik traurig, müde, depressiv, endzeitlich und schwermütig befeuert. Wirklich katastrophal wird es dann beim Violett das ausgerechnet die tragenden Inhalte transportieren soll! Das Violett steht symbolisch für seicht, halbseiden, phlegmatisch, depessiv, schlüpfrig und unverbindlich, was in der Politik schon mal gar nicht geht!
    4. Wollte man etwas positives sagen, dann könnte man sagen, dass man farblich in der Mode voll im Trend läge. Aber eben genau das wird von der Politik zunehmend nicht erwartet, sondern “Mode” wird im Sinne des Zeitgeistes derzeit total abgelehnt.
    5. Vollends problematisch ist, dass die SPD ihre tradierte Farbigkeit mit dieser Werbung zu einem guten Teil an die Linke abgibt, die sich ganz besonders über diese Wahlwerbung freuen dürfte.
    6. Schließlich befeuert diese Farbigkeit (siehe Punkt 3) die aktuelle Wahrnehmung der Bevölkerung in Bezug auf die SPD. Unverbindlich, unklar, wackelig, müde aber bestimmend mit erzieherischen (Hartz4) Maßnahmen gegenüber dem Volk, im Sinne einer typischen Lehrerpartei, mit einer Bastelgruppe für feministische Frauen mit Partnerschaftsproblemen, um es mal flapsig auszudrücken.

    Wenn alle Beteiligten hier mal ihre politischen Vorlieben weglassen, dann werden sie nicht umhin kommen, zu konstatieren, dass FDP, CDU und Linke in ihren Hauptplakaten wesentlich prägnanter und klarer sind. In den Plakaten der zweiten Ordnung steht durch die klare Strukturierung von Botschaft und Zuordnung die Linke derzeit besser da als CDU und SPD. Vermutlich wird die FDP wieder eine ähnliche Form wie die Linke wählen.
    Den positiven Beifall aufgrund der modischen Farbigkeit der SPD kann ich also überhaupt nicht teilen und würde diese eher als farbigen Supergau mit Langzeitwirkung bezeichnen.
    Das passt aber zum Gesamtzustand der SPD momentan.

  11. Meiner persönlichen Meinung nach fällt keine der Kampagnen sonderlich aus dem Rahmen, vermitteln sie doch in mehr oder minder gekonnter Form jenes Erscheinungsbild von Wahlplakaten, das wir seit jeher kennen. Also lässt sich für uns nur beurteilen, wie gut, also wie handwerklich gekonnt, die Ausgestaltung in dem bekannten Rahmen umgesetzt wurde. Eine frische Idee im Sinne einer tatsächlichen Überraschung vermisse ich leider. Eine Differenzierung und Profilierung ist daher nur bedingt möglich. Sogar die Piratenpartei lässt, obwohl sie gerade jetzt in ihrer frühen Entstehungsphase die Möglichkeit dazu hätte, die richtige Portion Mumm vermissen – Schade eigentlich.

  12. Mir ist im letzten Wahlkampf im Vergleich aufgefallen, dass die Linke – von der ich sonst nichts halte – als einzige der “großen” Parteien deutliche Worte gefunden hat.
    Während sich die anderen Parteien auf diffuse und parteiübergreifende Banalitäten versteifen à la “Mehr Arbeit” und “Gerechtigkeit für alle”, sagt die Linke deutlich “Leiharbeit verbieten”. Zwar ohne Lösungsansatz (der aber auch nicht auf ein Plakat gehört) aber zumindest konkret formuliert. Da weiß man, was man hat. Vielleicht ist das aber auch typisch für links- oder rechtsextreme Parteien …

    Insgesamt keine einfache Aufgabe. Die CDU lässt sich lieb, harmlos und handwerklich schlecht vor der Fototapete in Szene setzen, die SPD geht auf eine Mischung aus Bank, Versicherung und Energieversorger (Hauptsache: Vertrauen erwecken).
    Plakativ (da steckt das Wort Plakat ja schon drin) finde ich nur die Grünen- und Piratenplakate. Beide funktionieren aber nur beim zweiten Blick, was für ein Plakat wiederum zu spät ist.
    Was passiert wohl, wenn die Parteien auf die Eigenwerbung verzichten? Das wäre mal spannend zu beobachten.

  13. Die gute Wertung für die SPD kann ich nicht nachvollziehen. Maas wirkt sehr unsymphatisch auf den Bildern. Zudem wird in einem Slogan implizit gesagt, dass Sachlichkeit und Fairness bisher der SPD fremd waren.

  14. Für mich ist das ein Trojanisches Pferd im Plakat “Einmal mit Profis”. Das wirft dann aber auch jede Menge Fragen auf. Denn was wollen die Piraten damit sagen? dass eine kleine Gruppe in ihrem Innern die (saarländische) Regierung aufmischen wird? so wie es niemand erwartet hat?

    Und dann: ist das wirklich ein geeignetes Motiv? für PC-User – Hauptmerkmal der Piratenanhänger, oder? – ist der Trojaner doch ein noch roteres Tuch, als die zwielichtige Kriegslist der Griechen für alle anderen Bürger.
    Wie sich das alles mit dem Claim vereint, habe ich mir auch noch nicht beantworten können. Waren bis jetzt alle anderen Versuche kleiner Parteien in Regierungskreise aufzusteigen amateurhaft? Oder sieht sich die Partei selbst als Trojaner, allerdings im professionellen=Profession=Beruf=berufenen Status im Gegensatz zum sonst oft kriminellen Auftrag eines Trojaners? Das wäre zwar stimmig, aber meiner Meinung nach sehr weit hergeholt. Alles in allem ein interessantes Motiv – aber nicht sonderlich plakativ.

  15. Schön, dass es auch bei den selbstbewussten Kreativen Aussetzer gibt. Eine glimmende Lunte, die tick-tack macht? (Grüne) – Ein stillgelegtes Eisenwerk als Beispiel für gelungene Sanierung? (Linke) – Halbierte Gesichter von Menschen, die der Saarländer noch gar nicht kennt? (FDP) – Ein trojanisches Pferd, das für kriegerische Hinterhältigkeit steht? (Piraten)
    Die SPD-Kampagne hebt sich in der Tat positiv ab.

  16. Warum hat die SPD ihr Logo mit dem Teaser verschmolzen?
    Das gehört da m.M. nach nicht hin und dann auch noch zentriert …

    Merkwürdig! Bin gespannt wie lange sich dieses neue CD hält. Eine Legislaturperiode lang?

  17. Die Piraten möchten mit dem trojanischen Pferd und dem Slogan sicher auf die Problematik von IT Sicherheit (Stichwort Staatstrojaner) und Netzpolitik in Verbindung mit der vermuteten Inkompetenz der in diesem Bereich handelnden Personen/Regierung hinweisen und deutlich machen dass sie genau hier ihre Kernkompetenz, bzw. sich eben als “Profis” sehen.
    Ich fand das Plakat in seiner Aussage recht eindeutig (sofern ich richtig liege ;-)

  18. @Johanna:

    Das Trojanische Pferd auf den Piratenplakaten bezieht sich auf den sog. “Bundestrojaner” der Landeskriminalämter und dewssen IT-technisch gesehen unglaublich schlechte Ausführung. Damit wollen wir (Ja, ich bin Pirat) sagen: Wenn Behörden oder Landeseregierungen IT-Projekte angehen, dann sollten sie die dafür nötige Kompetenz haben oder entwickeln. Im Hinblick auf IT wäre das z. B. bei den Piraten gegeben. Auf anderen Feldern nicht – aber den Piraten ist das zumindest bewusst. Den anderen offenbar nicht immer, wenn ich mir politische Entscheidungen in Deutschland so ansehe.

  19. @MatthiasBS

    Es gibt viele Beispiele, die die von Dir formulierte Aussage in Bezug auf eine farbpsychologische Wirkung widerlegen. Mir erscheint sie sehr einseitig. Im Umfeld Interior- und Textildesign findet man recht häufig Kombinationen verschiedener Rotausprägungen, die im Gegenteil zu Deiner Aussage, eine sehr positive Wirkung auf (viele) Menschen haben. Ich denke bei der Farbkombination Rot/Lila/Purpur etwa an das indische Holifest, an textiles Design, an eine Marke wie Bassetti, an Joga, an Wohlfühlatmosphäre, auch an Geburtszimmer, in denen gerne auch viele unterschiedliche Rottöne zum Einsatz kommen, weil sie eben eine positive, stimmulierende Wirkung auf (viele) Menschen haben. Mag sein, dass ich etwas übertreibe, aber grundsätzlich gehen die Assoziationen bei mir in diese Richtung. Endzeitliche Bilder wollen sich bei mir da nicht einstellen.

    Eine derartige Negativbesetzung von Violett und Weinrot, wie Du sie vornimmst, gibt es meines Erachtens nicht. Ja, Lila/Violett hat zuweilen auch etwas Strickpullover-Ökohaftes und Muffiges an sich, auf keinen Fall ist es nur „seicht, halbseiden, phlegmatisch, depessiv, schlüpfrig und unverbindlich“. Wäre es so, müsste man Evonik für ihre Farbwahl bedauern, was man jedoch nicht braucht, da der Farbton in Konzernen nahezu unbesetzt ist und man sich deshalb wunderbar abhebt. Ebenso erscheint mir die Aussage, Weinrot sei „traurig, müde, depressiv, endzeitlich und schwermütig“ sehr fraglich, zumindest in dieser einseitig negativen Ausprägung. So einfach und einseitig lassen sich Farben in ihrer Wirkung nicht definieren. Es kommt immer auch auf die Beziehung an, die Farben zueinander haben.

    In der SPD-Kampagne kommt eine Farbkombination zum Einsatz, die tatsächlich eine Art Wohlfühlatmosphäre verbreitet. Dass dies auf Wahlplakaten möglich ist, verwundert mich selbst. Wohlfühlen und Politik sind ja doch eher zwei sich abstoßende Pole. Das ist schon eine überraschend neue Farbnote, die keinesfalls eine depressive, endzeitliche Stimmung verbreitet, sondern im Gegenteil, eine sehr frische ja modische Qualität aufweist. Jetzt kann man natürlich wieder vortrefflich darüber streiten, ob gestalterische Moden denn etwas in der Wahlwerbung zu suchen haben, in der es doch um harte Fakten geht respektive gehen sollte. Ja bitte, unbedingt!

    @YesNoCancel
    Sieht auf alle Fälle schick aus, aber… wie genau passen Collage, Zitat und die SPD-Kampagne jetzt zusammen?

  20. @Achim: Berufspolitiker haben ein Authentizitätsproblem. Ein “neuer Politikstil” klingt auf dem Papier gut, als Bürger ist man in dieser Hinsicht aber zunehmend abgestumpft. Handeln durch Taten und nicht durch Versprechungen – hier beisst sich aber die Katze in den Schwanz: Einen Abraham Lincoln würde heute niemand mehr wählen, weil dieser Typus Mensch in unserem politischen Machtsystem nicht überlebensfähig wäre. Wir haben ein politisches System des “survival of the fittest” geschaffen, in der Tagespolitik davon geprägt ist, nicht abgesägt zu werden.

  21. Ganz unabhängig von den Formulierungen des Wahlprogramms/der Thesen, muss man sagen das die Plakate der SPD als einzige Zeitgeist ausstrahlen. (Unabhängig davon ob die CDU das eventuell auch versucht hat, sind sie zumindestens daran gescheitert) Man mag darüber diskutieren können, ob dies nun für den Wähler ansprechend ist, oder ob dieser unter Umständen viel mehr auf die zur Wahl gestellten Persönlichkeiten, (wobei die SPD ihren Spitzenkandidaten auch wieder gekonnt und stilvoll in das rechte Licht rückt, ganz abgesehen von der Linkspartei, welche mit ihrem überdimensionierten Oskar Lafontaine anscheinend getreu dem Motto ‘nicht kleckern, sondern klotzen’ handelt) oder unter Umständen gar nicht weiter auf die Plakate achtet.
    Ich vermute mal, dass die CDU im Saarland hauptsächlich von Stammwählern lebt, somit ist es vielleicht recht intelligent auf Bewährtes zu setzen. Jung- und Neuwählern, welche eher zu den großen Parteien neigen, werden allerdings sowohl das Design als auch die jeweiligen Motive als zu fortschrittsfeindlich missfallen.
    Doch genau die gerade angesprochene jüngere Wählerschaft, welche im häufigsten Fall vermutlich eher zu Grünen oder Piraten tendieren wird, braucht keine ‘Hauptsache bunt’ Plakate, wie sie die genannten beiden Parteien verwenden. Überhaupt bin ich der Meinung, dass diese Zielgruppe sich hauptsächlich im Internet, gerade in sozialen Netzwerken, ein Bild macht, weshalb es nur im Interesse aller Parteien sein kann, ihre (Social-) Webauftritte zu pflegen und ggf. zu modernisieren. Vielmehr also sollten sich Grüne und Piraten bei ihren Plakaten trotz ihrer Hauptzielgruppen auf ein Souveränität ausstrahlendes Design einlassen, was sich dann vor allem auf ältere (und konservativere) Wähler stimmenfangend auswirken könnte.

  22. Ich kann die Bewertung weitgehend teilen. Die SPD-Kampagne finde ich zumindest optisch ansprechend. Ein seltsames Gefühl habe ich bei der dritten gezeigten Großfläche (Maas steht). Da steht der Maas sehr steif herum. Sein Kopf wirkt, als hätte man ihn im Nachhinein aufgeklebt. Aber geht vielleicht nur mir so.

  23. Die Plakate der SPD sind sicherlich herausragend. Die freundliche Wirkung will bei mir aber nicht ankommen, ehern das Gegenteil. Die Farbgebung des Fotos (sowohl er als auch der Hintergrund) wirken auf mich ehern kalt.
    Mit der Farbkombination “SPD-Rot” und “weinrot” kann ich mich auch nicht anfreunden. Manchmal habe ich das Gefühl “interessante Kombination”, dann wiederum finde ich das sehr irritieren.

    Interpretiert man es politisch, halte ich das SPD-Plakat für nicht gelungen. Das größte Wählerpotential sehe ich immer noch bei den – vereinfacht ausgedrückt – einfachen Arbeiter. Glaube kaum, dass bei dieser gestylten / geleckten Darstellung ankommt (falls denn überhaupt ein Wahlplakat zur Wahlentscheidung beiträgt).

  24. Also für mich wirken die SPD plakate am ansprechendsten, wobei sie schon sehr nach Werbung aussehen. Irgendwie muß ich bei den Plakaten an Kaffeewerbung denken. Geht Euch das nicht so?

    Die Serie der Grünen finde ich im ersten Moment ganz witzig, aber meiner Meinung nach für eine politische Kampagne unpassend. Was wollen die Grünen uns damit sagen? Die Welt ist ein bunter Comic oder wie?

    Die Piratenplakate (schönes Wort…) passen zur Partei und finde ich sehr ansprechend. Modern, freundlich und vor allem nicht nervig. So wie die Versuche von der Linken, klassischer Fall von geht gar nicht! Und laut Plakate sind die Kandidaten der FDP wohl nur zur Hälfte für den Wähler da…

    Tja und CDU…ich weiß nicht, irgendwie wie mal wieder absolut nichts sagend. Weder positiv noch negativ, ehre neutral unauffällig.

  25. SPD: Ich finde die Farbkombination geil, deutlich frischer und moderner als die Sandstein-Himmel-Monumentenfarben. Interessant wie sich da die SPD neu positioniert. Da mir Herr Maas jetzt nicht so bekannt ist, gelingt das auch personell. Maas ist zudem schlank genug, um ihn zum Anzugmodel zu machen. Wie auf allen Wahlplakaten fällt mein Augenmerk auch immer auf die Fotografie und Retusche. Hier finde ich den entsättigten Hautton von Herrn Maas wie auch seine konturierte Ausleuchtung passend und sehr business-mäßig – hier kommt der Strukturwandel auch gestalterisch an. Die Retusche finde ich jedoch leider etwas überdeutlich, das sieht schon sehr künstlich und roboterhaft aus. Das ist leider eine echte Schwäche dieser Motive.

    CDU: Der senfgelbe Hintergrund soll wohl eher ein Goldton sein, der passt wirklich gut zu den Strähnchen von Frau KK. Die inszenierten Bilder sind vor allem farblich sehr unzusammenhängend, da fällt die Kampagne grafisch schon sehr auseinander. Auch wären echte Bilder natürlich besser gewesen. Natürlich wird eine Landespolitikerin nicht so von Fotografen umschwärmt wie ein Bundesminister, trotzdem wären authentische Bilder aus der Amtszeit viel besser. Dass es solche Fotos nur aus dem Studio gibt, spricht für eine schlechte Planung.

    Linke: Die Kampagne soll vermutlich bewusst analog sein, Frau Spaniol wurde anscheinend mittels Kopierfehler retuschiert. Da kann man auch nicht behaupten, die Farbe Rot wäre sparsam eingesetzt. Schön auch der Kontrast zwischen Herrn Linslers Zombie-Augen und seinen gelben Zähnen. Und der riesige Oskar trifft genau die inhaltliche Aufstellung der Linken im Saarland. Wenigstens weiß man da, was man bekommt.

    Grüne: Handwerklich wirklich schön gemacht und herzerfrischend anders. Ich finde auch, dass das Logo etwas dominanter sein dürfte. Die Abkehr von Personen und der Blick auf die Inhalte tut einerseits gut, andererseits weiß man nicht wen man wählt. Keine Ahnung, wieviel das ausmacht. Der “Alte Mief” und “… verhindern” ist irgendwie frisch vom Demospruchband. Erstwähler spricht das meiner Meinung nicht an, eher so die Elterngeneration. Ich weiß nicht, warum mir das inzwischen altmodisch erscheint. Liegt wohl am digitalen Zeitalter und den …

    Piraten: Inhaltlich (bis auf das Trojaner-Rätsel) schön klar, Note 1 für die inhaltliche Positionierung. Die Farbgebung jedoch für meinen Geschmack viel zu unfrisch und düster. Die Fotos sind miese Schnappschüsse. Die sw-Gesichter auf bunten Farbflächen in der Berliner Kampagne waren dagegen klasse. Die Typo der Plakate ist geil. Warum der “Piraten”-Schriftzug allerdings Arial sein muss – bäh!

    FDP: Ich finde es angenehm selbstironisch und auch gestalterisch ok. Die Farben sind einfach so schön plakativ. Allerdings habe ich diese einfallslosen reinen Textplakate schon immer gehasst, vor allem weil die Sprüche meistens eher Insider-Jokes sind. Leider erwartet die FDP vom Wähler, dass man sie eh schon kennt und weiß wofür genau die Partei steht. Mit Protestpartei-Slogans wie “anders sein” und “gerade jetzt” gewinnt man doch keine neue Wählerstimme, könnte man auch auf NPD-Plakaten so finden (ohne die Parteien zu vergleichen). Finde ich persönlich strategisch sehr schwach. Was mir bei aller Abgeschnittenheit auffällt: die Bilder sind einfach gut fotografiert und perfekt bearbeitet. Da könnte sich sogar Heiko Maas noch ne Scheibe abschneiden.

  26. Ich sage es – wie auch schon bei der letzten Umfrage – gerne erneut:

    Die Entscheidung eines Wählers für einen politischen Kandidaten oder eine Partei wird, entgegen der Meinung vieler Politiker und deren kreativer, meist wissenschaftsgesteuerter Berater, nicht oder nur minimal weder durch analoge noch digitale Kommunikationsmittel wie Anzeigen oder Plakate beinflußt. Auch wenn gebetsmühlenartig – vor allem von den Verfechtern des sog. Neuromarketings – gerne das Gegenteil behauptet wird: sie entscheidet sich zu allermeist in den Herzen der Menschen und weniger in ihren Köpfen. Sich dorthin zu wagen und im Sinne einer steuernden Beeinflussung dort erfolgreich zu arbeiten, haben schon viele, begabte Kreative versucht – und mußten grandios scheitern. Besteht doch das menschliche Herz nicht – wie fälschlicherweise angenommen – nur aus durchanalysiertem Markengewebe und multimedial vernetzten Nervenbahnen, sondern wird auch stetig, rhythmisch und kräftig von der Unwägbarkeit und Unkontrollierbarkeit menschlicher Emotionen sowie von einer wohl niemals zu bändigenden Urkraft des „doch“ oder des „doch nicht“ durchflossen. Durch die holzschnittartige Grobheit der Wahlplakat-Kommunikation im Sinne handwerklichen und kreativen Untermögens (oder ist es Lustlosigkeit?) – auch wieder in diesem Jahr – und die ungebremst hilflose Umgangsweise unserer politischen Vertreter mit modernen Anforderungen an effektive, authentische (aber kreative!) Kommunikation werden Wähler in diesem Land, sowie auch anderswo, diesbezüglich immer noch eher als „totes Empfänger-Fleisch“ denn als komplexer, lebendiger, mündiger Organismus wahrgenommen. Schade – ist das Wort „Herz“ doch laut Statistik eines der bei Politikern und Medienschaffenden beliebtesten und meistgebrauchten Wörter – pardon – sprachlichen Versatzstücke bei der Formulierung Ihrer intimsten Herzensangelegenheiten. Politik und Kommunikation – sowohl in effektiver als auch gestalterischer Hinsicht immer noch eine ziemlich herzlose Angelegenheit. Egal auf welchem Plakat welcher Partei auch immer…

    Herzlichst, Roland Plank

  27. Bei den “linken” Plakaten fehlt eigentlich nur noch der freche Wortwitz: “Saarnieren muss man können!”

    Ich gebe den bisherigen Kritikern dahingehend recht, dass man an die Bildretusche wohl jemand völlig fachfremdes gesetzt hat. Oder niemanden. Schrecklich!

  28. Mich würde dann interessieren wie es um die Plakate in Schleswig-Holstein steht. Was ich bereits gesehen habe, war nicht immer sehr erbaulich …

  29. @ Achim Schaffrinna

    Ich widerspreche Dir ungern, aber dafür umso heftiger. Es gibt seit den späten 50er Jahren regelmäßige Untersuchungen zu Farbtönen und deren psychologische/assoziative Wahrnehmungen. Im Prinzip haben die sich nicht wesentlich verändert. Selbst in der Farbenlehre von Goethe in der assoziativen Interpretation seines Farbkreises finden wir nach 200 Jahren noch immer richtige Grundaussagen, die bis heute Bestand haben. Irrte er noch in der physikalischen Interpretation von Farbmischungen und Wirkungen, so lag er hervorragend in der Farbenpsychologie.

    Zu Deinen konkreten Beispielen:
    Textil-Design und graphisches Design im Sinne von Werbung sind im Grunde genauso wenig verwandt, wie Fisch und Schwein auch wenn beide unter Fleisch laufen.
    Konkret geht es beim Farb-Design in der Textilbranche um Muster und Farbeffekte. Bei der Werbegraphik geht es um Aussagen. Knapp, klar, überzeugend, einleuchtend, möglichst in einer Sekunde zu erfassen. Auf einem Stoff kann das Auge ruhen auf einem Wahlplakat an der Straße nicht. Ein gravierender Unterschied! Besonders gravierend tritt der Unterschied bei Wahlwerbung und verbindlichen Kernaussagen zutage, etwas was ein Textil-Design zu keinem Zeitpunkt leisten muss.
    Eins ist aber klar:
    Spricht man von einfarbigen Textilien sind die Grundaussagen in der Farbenpsychologie wie von mir oben beschrieben. Schon mal einen gelben Smoking gesehen? Schon mal zu einer Beerdigung im freundlichen Rosa erschienen? Schon mal einen Koch in kakifarbiger Arbeitskleidung auftauchen sehen? Nein? Das hat einen Grund. ;)

    Dein Vergleich zwischen einem tradierten, kulturellen Fest aus dem asiatischen Kontext zu einem Wahlplakat in europäischen Zusammenhängen, halte ich schon mal überhaupt nicht für zulässig. Sorry. Einmal unabhängig davon, dass es sich bei dem Fest um die Farbigkeit als solche und damit dem gesamten Farbenkreis dreht und der Lust in Farbe einzutauchen, so geht es bei der Politik im Prinzip um seriöse Themen und nicht um Lust, es sei denn man heißt Clinton oder Kennedy. Da geht es vielmehr um klare Botschaften, die in Europa zünden müssen. Dazu kommt die Tatsache, dass es eine komplett andere Farbkultur in Asien gibt, die dort mit rundweg anderen Inhalten und Bedeutungen belegt ist als in Europa. Nur ein Beispiel:
    Bleiben wir bei der Farbe Rot. Rot ist im europäischen Kulturraum seit dem beginnenden 20 Jhd. weiblich tradiert. In Asien steht das Rot für die männliche Zuordnung. Die Gegensätze sind somit diametral. Daher ist ein Worlddesign, was man sich in manchen Marketingetagen in den 90er Jahren so zwischen zwei Gläsern Bordeaux, als unheimlich schlaue Kosteneinsparung ausdachte, nicht nur sehr verwegen, sondern geradezu von kultureller Ahnungslosigkeit beseelt. In der Regel komplett gescheitert. Ford war darin Spitzenreiter und hat mit dem Unsinn Milliarden versenkt.

    Das Beispiel Evonik hingegen ist ein gutes Beispiel.
    Chemieindustrie mit extrem weiter Palette. Die aktuelle Magentafarbigkeit finde ich nicht überzeugend. Ich habe zumindest in gedruckten Handouts eine Farbigkeit zwischen Purpur und tiefem Weinrot in Erinnerung. Die Farbigkeit ist zwar aktuell (ähnlich Telekom) aber so ziemlich das Schlechteste was man dem Kosten-Management antun kann.
    Man kann die Jahre runterzählen, die bleiben bis dieses Magenta out ist. Dann darf der Graphiker einen neuen Versuch starten und sich im Relaunch am offenen Herzen des CI üben. Bis dahin ist festzustellen, dass Evonik permanent Schwierigkeiten haben wird seine Farben lichtecht zu halten. Da hätten sie mal bei der Telekom fragen sollen, was die alleine an Geldern für ihre Telefonzellen und Außengestaltungen in den 90ern versenkt haben, weil die Farben nur 2-3 Jahr hielten. Deren Agentur gehörte vom Markt genommen, wegen Unfähigkeit! Blutige Anfänger in Fragen Farb-Design.
    Für ein Kosmetikunternehmen, evtl. einen Energielieferanten, eine Modeboutiquen-Kette oder Softdrink Marke akzeptabel. Für einen Chemiegiganten langfristig nicht überzeugend, sondern auf Effekt setzend, was im Logo immer problematisch ist. Siehe Datsun!

    Auch die persönliche Empfindung von Wohlfühlfarbigkeit kann ich nicht teilen. Für das Weinrot im Hintergrund der SPD Wahlplakate mag das noch stimmen. Erinnert es doch an Toskana, Wein und Kamin. Eine Suggestion, die gerade bei der SPD ungute Erinnerungen weckt. Bei mir zumindest. Nun sei jedem zugestanden, dass er/sie persönlich eigene Vorlieben hat. Dafür sind aber Wahlplakate nicht da. Dort geht es um verkürzte klare Aussagen, die im Prinzip für alle gelten. Nicht mehr.
    Ich bin mir sicher, dass die SPD schlecht abschneiden wird im Saarland, obwohl sie sich bundesweit im gewissen Hoch bewegt. Die Farbigkeit wird einen Anteil daran haben. Lafontaine und die Linke wird der SPD schwer zusetzen. Die SPD kann nur froh sein, dass die CDU mit hausbackenem, fadem Einerlei daher kommt.

    Eine frische Farbigkeit wäre zwischen Blau, Grün und Gelb zu finden. Das würde auch hervorragend zum roten Logo der SPD passen. Nicht umsonst wählen Waschmittel und Weichspüler usw. gerne diese Farbigkeit.

  30. Wie sicherlich alle hier den Nachrichten entnommen haben, ist die Wahl entschieden. Und so wie es aussieht, vermag wohl doch kein Wahlplakat (bzw. eine Wahlkampagne) eine Wahl zu entscheiden… Somit bleibt wieder einmal viel Spekulationsfreiraum oder sagen wir Angriffsfläche für Kritiker der Werbebranche…

    Ich warte schon auf Kommentare wie “siehst Du, Werbung ist doch nur Schall und Rauch” oder “unnötige Geldverschwendung”. Man sieht wiedermal: wenn das Produkt nicht gut ist, tut sich auch beste Werbung schwer. Oder: ist das Produkt gut genug, ist Werbung (im Speziellen das Design) nicht unbedingt notwendig oder gar ausschlaggebend…

  31. Ron, ich denke, dass Werbung im klassischen Sinne in der Politik nicht funktioniert. Es wäre naiv zu glauben, Wahlplakate hätten einen, wenn schon nicht signifikanten, dann doch wenigstens geringen Anteil an einem Wahlerfolg (oder eben Misserfolg). Wie wäre diese Wahl ausgegangen, hätte man auf jegliche Form der visuellen Werbung verzichtet? Wahrscheinlich wäre sie nicht anders verlaufen.

    Wir Designer neigen dazu, Design generell einen großen Stellenwert einzuräumen. Den hat es in ganz vielen Bereichen unseres Lebens auch. In der politischen Landschaft greifen die Marketing-Instrumente, wenn überhaupt, nur bedingt. Design spielt hier kaum eine Rolle. Warum ist das so? Weil der Wahlentscheid bei ganz vielen Menschen eine Herzensangelegenheit ist, so glaube ich jedenfalls, mal abgesehen von der Gruppe der Unentschlossenen. Das wäre, als wolle man mit Hilfe einer Kampagne einen Schalke-Fan dazu bringen, nun die Mannschaft aus Dortmund anzufeuern, um es mal etwas platt zu formulieren. Es gibt Bereiche, in der auch die beste Werbung und das ausgefeilteste Design wirkungslos verpuffen. Glaubt denn jemand, eine clevere Kampagne hätte die FDP vor dieser Niederlage bewahrt? Nicht wirklich.

    Werbung für eine Partei sind in erster Linie die Themen selbst, für die die Parteien einstehen. Und natürlich spielt auch ein Rolle, welche Repräsentanten, welches Personal mal vorzuweisen hat. „Die mag ich“ oder „den mag ich“ hört man des öfteren, wenn Menschen in Fußgängerzonen befragt werden. Sympathie spielt eine große Rolle, Sprache und Auftreten der Kandidaten ebenso. Welcher Kandidat erscheint einem als Landesvater respektive -mutter geeigneter? Wem traue ich zu, das Land, in dem ich lebe, zu repräsentieren? Das sind die Fragen, mit denen sich Wähler beschäftigen.

    Wenn Gestaltung in diesem Kontext irrelevant ist, oder sagen wir lieber irrelevant erscheint, denn bis heute gibt es keine Studie, die solch eine Einschätzung bestätigt, warum beschäftige ich mich dann immer wieder aufs Neue mit der Gestaltung von Wahlplakaten? Wahlwerbung ist, wie auch Werbung allgemein, Spiegel unserer Gesellschaft. Faszinierend dabei ist, dass sich die Themen über die Jahrzehnte hinweg kaum verändern (Arbeit, Bildung, Sicherheit, Umwelt…), die Gestaltung jedoch sehr wohl. Wenn man so will, werden die Themen immer wieder neu interpretiert, visuell wie auch sprachlich. Dabei ist Wahlwerbung ebenso schönfärbend wie Werbung für ein Waschmittel. Wenigstens eine Gemeinsamkeit gibt es also. “(Nur) wir schaffen Arbeitsplätze und (nur) mit uns haben Ihre Kinder aufgrund idealer Bildungsangebote eine erfolgversprechende Zukunft.” Die Parteien werden auch in den nächsten Jahrzehnten auf diese Art der Inszenierung nicht freiwillig verzichten. Wir dürfen uns also auch weiterhin zu Wahlkampfzeiten auf plakat-beschmückte Straßenzüge “freuen”… und auf Diskussionen hier im dt auch :-)

Kommentieren

Folgende HTML-Elemente können verwendet werden: <b> <i> <img src="meineurl"> <a> <blockquote>