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Piratenpartei Niedersachsen kopiert Werbeideen

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Bildquelle: Piratenpartei

8 Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar 2013 präsentierte die Piratenpartei Niedersachsen gestern ihre Wahlkampagne, mit der erstmalig der Einzug in den Niedersächsischen Landtag gelingen soll. Auf Plakaten und in Wahlwerbespots wirbt die Partei dafür, Werbung zu hinterfragen, da diese ihrer Ansicht nach keine Inhalte vermittele. Dabei bedient sich die Kampagne gestalterischer Mittel, die nun die Rechtsabteilungen der in der Kampagne plagiierten Unternehmen beschäftigen werden dürfte.

Auf (unter anderem) das Urheberrecht aufmerksam machen, indem man dasselbige mit Füßen tritt. Aha. Ein interessanter Ansatz. „Visuelle Raubkopien“ als Vorgeschmack darauf, was Bürger zu erwarten haben, sobald die Piratenpartei an der Macht ist, oder wie darf man das verstehen? Tausche in Heimarbeit gebauten Volkswagen gegen liebevoll kopierten Apple Rechner. Wo kann ich eben noch auf Markenanwalt umschulen?

Aber mal im Ernst. Was ist das für eine seltsame Kampagne! Geht es darum, aufzufallen? Sicherlich auch. Möchte man witzig und kreativ sein? Vielleicht. Offenkundig geht es auch darum, große Unternehmen und Konzerne zu provozieren, was die Initiatoren der Kampagne allerdings ganz anders sehen, sind sie doch der Ansicht, die Aktion würde unisono mit Humor aufgenommen werden. Ich bin mir da nicht ganz so sicher.

Der Umstand, dass die Platzhirsche der Unterhaltungsindustrie Warner, Universal und Sony nicht als Motiv auftauchen, liegt allein daran, dass sie in der Endkunden-Werbung nicht stattfinden. So müssen halt Telekom, Milka, Saturn und andere aus der TV-Werbung bekannte Namen in die Bresche springen. Worum geht es der Partei? Die Piratenpartei fordert bekanntermaßen eine Liberalisierung bzw. Reform des Urheberrechts. Ihre zentrale Forderung diesbezüglich ist die Freigabe der nichtkommerziellen Vervielfältigung kultureller Werke (Texte, Musik, Videos, etc.).

Die Partei erklärt die Idee hinter der Kampagne wie folgt: „Wahlwerbung ist auch nur ganz normale Werbung. Es werden keine Inhalte vermittelt, politische Aussagen werden auf eingängige Slogans reduziert. Also machen wir Piraten diesmal auch Werbung. Wir werben für das Nachdenken über Politik und das Hinterfragen der Werbeslogans. Wir wollen, dass Sie, die Menschen unseres Bundeslandes, nicht irgendwelchen Plakaten vertrauen. Informieren Sie sich; lesen Sie die Wahlprogramme; vergleichen Sie! Ja, wir wollen, dass Sie auch die Programme der anderen lesen. Nur dann haben Sie wirklich eine Wahl.“

Wie die Hannoversche Allgemeine berichtet, ist man etwa bei IKEA von der Idee, das Firmenlogo in dieser Form zu missbrauchen, wenig angetan. Nach Ansicht eines Firmensprechers sei damit eine Grenze überschritten. Innerhalb der Vorstellung der Urheberrechtspositionen der Piratenpartei ist die Partei zwar bemüht, den Eindruck auszuräumen, die Piraten seien für Plagiatentum. Mit der nun vorgestellten Kampagne, in der Werbebotschaften umgewandelt und Markenauftritte plagiiert werden, bestätigt sich jedoch genau dieses Bild, das man in diesem Zusammenhang von den Piraten hat.

Man darf gespannt sein, ob sich die Kampagnenmotive in dieser Form tatsächlich bis zum Tag der Landtagswahl in Niedersachsen halten werden.

Entscheide selbst: Marketing-Desaster oder geniale Wahlkampagne?

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Der vollständigkeithalber : hier noch der zugehörige Wahlwerbespot, der ohne „Logoklau“ auskommt.

Piratenpartei TV-Spot 2013

96 Kommentare

  1. Merkwürdiger Ansatz das ganze, man vermittelt also keine Positionen sondern der Wähler soll sich gefälligst selbst informieren wofür die Piraten eigentlich stehen. Das irgendjemand tatsächlich die hunderten Seiten an Wahlprogrammen liest die allein die großen Parteien veröffentlichen ist völlig unrealistisch.

    Natürlich braucht man griffige Slogans und das Wahlprogramm der Piraten ist noch dazu so dünn das man daraus locker einige Formeln hätte herausgreifen können:
    http://wiki.piratenpartei.de/NDS:Wahlprogramm
    Aber wahrscheinlich scheitert es daran das man Wahlplakate nicht nachträglich editieren kann..

  2. Die Piraten sind auch nicht meine Partei, aber ich war dann doch erstaunt, diesen Blogpost zu lesen, da Achim hier ja doch recht gereizt bis aggressiv gegen diese Kampagne wettert.

    Ein ähnlich Kampagne hatte damals der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger mit „Print wirkt“ auch: https://www.google.com/search?q=print+wirkt&hl=de&tbm=isch
    Dies war damals origineller und auch handwerklich besser, in Umsetzungsidee aber ähnlich. Und ich denke dies wäre hier nicht so in der Luft zerissen worden.

  3. Ob Marketing-Desaster oder Rechte-Desaster oder nicht – das könnte einem formal ausschließlich aufs Logo fixierten Auftraggeber prima zeigen, wie “unzerstörbar” ein ursprünglich ordentlich gemachtes Corporate Design wirkt:
    Auch mit “gefälschtem” Logo, allein durch Farbwelt und Typografie erkennt man auf Anhieb das gemeinte jeweilige Unternehmen. :-)

    Hintergrund (?)
    Der Werbe-Ansatz scheint mir: die hohe Zahl der potenziellen Nichtwähler zu aktivieren. Nichtwähler generell in die Wahlkabine zu bringen. Viele Nichtwähler sind junge, darunter Markenkritische, Konsumkritische, aber auch vermutet die Gratis-Downloader, die zwar (“Marken”)-Qualität wollen, aber bitte kostenlos, weil sie arm und sexy sind. Könnte für eine “junge” Partei, die zur Zeit um die 6% oder gar weniger herumkrebst, strategisch entscheidend sein.

    Mimikri reicht nicht:
    Aus meiner unmaßgeblichen politischen Sicht unterstreicht dieser unterhaltsame, werblich freche schick wirkende Mimikri-Werbeansatz – obwohl man eigentlich froh sein kann, wenn eine Partei mal keine DRÖGE FURZLANGWEILIGE Werbung macht – im Subtext schmerzhaft unfreiwillig das Beliebige, Bunte, chamäleonhaft Unentschiedene dieser Partei. Welches in den letzten Monaten deutlich zutage getreten ist. Alles für alle, das machen doch schon die anderen.
    Da muss von den Piraten noch was Eigenes kommen.

    Noch keine klaren Piraten-Positionen also außer das freche Segeln unter fremden Flaggen, außer der Protest zu bezahlen und die Dinge umsonst kriegen zu wollen. Ob das reicht? Nur, wenn andere Parteien noch schlechter sind. Was zu befürchten ist.

  4. Ein Sympathieträger wie der Mediamarkt könnte sich ja mal die Webeplakate der Piraten vornehmen und umschreiben, um im schönsten Piratenorange für sich Werbung zu machen. “Piratenmarkt – So billig, dass es fast schon geklaut ist.”
    Es sollte mal getestet werden, wo bei den Piraten die Schmerzgrenze liegt.

    Interessanterweise sind es hauptsächlich die, die selber keine Werte schaffen, die gerne den “Ich-nehme-mir-kostenlos-von-anderen”-Ideologien anhängen. Wer hart arbeitet, möchte auch gerne die Früchte seiner Arbeit ernten.

  5. Die Piratenpartei zeigt was uns als Gesellschaft erwartet, wenn ihre Ideen im Bereich immaterieller Werte umgesetzt werden: Die Abschaffung von Schutzrechten wie dem Marken- oder Geschmacksmusterrecht* wird dazu führen, dass sich jede/r jeder Gestaltung zu jedem Zweck bedienen darf. Es kann keine starken Corporate Designs mehr geben, die auch in einer solchen Abwandlung erkennbar wären, denn jede Körperschaft (von Firmen über Vereine bis Parteien) dürfte nachbauen, was im Fenster der Konkurrenz nebenan hängt.

    *hier geht es mitnichten um urheberrechtlich geschützte Werke, ein Missverständnis, dass den Piraten häufig unterläuft und bei dem sie auch nach der Lektüre von 100 Seiten Gesetzbuch noch nicht schlauer geworden zu sein scheinen

    Ich bin geneigt, den Piraten zu raten: Trau keiner Schwarmmeinung, ohne Dich zusätzlich über die konkrete Rechtslage zu informieren. Die Mehrheitsmeinung steht nicht über dem Gesetz und das ist auch gut so, sonst würden Koalitionen wöchentlich anhand der Sonntagsfrage wechseln und politische Arbeit endgültig nicht mehr stattfinden; sonst würde der Samstagabend nur noch aus Dieter Bohlens Sendungen bestehen (oder wer sonst an anderer Stelle die höchste Quote fährt); sonst würde Vielfalt, Auswahlmöglichkeiten und Kultur abgestellt zugunsten von Uniformität und Gleichmacherei.

    Und dazu gab es hierzulande schon zwei unterschiedliche Ansätze im vergangenen Jahrhundert, die zeigten, dass das nicht erstrebenswert und sogar lebensgefährlich/tödlich ist.

  6. Wer hart arbeitet, möchte auch gerne die Früchte seiner Arbeit ernten.

    Grundsätzlich richtig, lieber Flötenschlumpf.
    Wie wir alle wissen, übertreibt mancher Big Player aber das Ding mit dem Ernten.
    Ich kann schon verstehen, warum das aufstößt.

  7. Ich sehe das ähnlich wie Achim: Wenn man wenigstens auf Anhieb verstünde, was das Ansinnen der Kampagne ist, könnte man über die handwerklichen Schwächen hinwegsehen. Und sind wir ehrlich, so ganz neu und spektakulär ist die Idee, sich mit dem CD bekannter Marken zu schmücken wirklich nicht mehr.

    So hinterlässt die Kampagne zumindest bei mir ausschließlich Fragezeichen und den Eindruck, dass die Partei die eigene Orientierungslosigkeit galant verpacken möchte und mit frei assoziierbaren Motiven alle – vom Markenfetischist bis zum No-Logo-Vertreter erreichen will. Mir ist das zu schwammig. Die Plakate mit der recht eigenständigen Linie, die hier im Blog schon zu sehen waren, hatten da deutlich mehr Schneid.

  8. Liebe Friederike,
    wer sich immer nur brav-beamtig an die jeweiligen geltenden Gesetze & Verordnungen (wovon manche wirklich nur Lobbyisten-Unfug sind) der jeweiligen Gesellschaft hält, bewirkt aber leider auch keine gesellschaftlichen Änderungen.

    Hinterfragen von industrie-freundlichen Gesetzen (und Konsum-Idiotie) und Regeln brechen gefällt mir eigentlich schon. Nur muss man dafür gut Geld in der Kriegskasse haben. Was die Piraten nicht haben, wie es scheint.

    Dann isses a bissi unkluch.

  9. Die Kampagne spiegelt den kreativgeistigen Horizont der Parteimitglieder wider: copy&paste.
    Party Flyer und illustre T-Shirts der 90er Jahre waren mit dem selben Ansatz sicher wesentlich fortschrittlicher und auch passender unterwegs.

  10. Liebe gebildete und kritisch denkende Wertschaffende, die hier mitlesen und kommentieren!

    Die Piraten fordern bzw. setzen nun mal voraus, daß der oft beschworene sogenannte politikverdrossene und Politikerverdrossene Wähler sich selbst mal ein “Bild” macht und ins Wahlprogramm schaut. Politik lebt und entwickelt sich vom Mitmachen, nicht vom Konsumieren! Das leben die Piraten vor. Und wenn man keinen Einheitsbrei und Betonköpfe will, sollte man sich auch mal selbst bewegen und genauer hinschauen.

    Diese Partei ist noch keine 30-40 Jahre am “Markt” sondern sie tritt neu in Niedersachsen an und hat politisch sehr differenzierte Positionen und Forderungen. Zudem will die Piratenpartei nicht die Kostenlos-Kultur (die ein blöder Pressestempel ist und aus Richtung der Verwertungsindustrie kommt), sondern Reformen des Urheberrechtes und neue innovative Verwertungsmodelle, wie z.B. Creative Commons (und ja, das ist eigentlich Bundespolitik und gehört nicht in die Landespolitik).

    Vielleicht suchen die Urheber, die hier mitlesen einfach mal im Programm nach:

    http://www.piraten-nds.de/programm/kultur-und-medien-2/
    http://www.piratenpartei.de/politik/wissensgesellschaft/urheberrecht/

    Was die negative Kritik an der Plakatkampagne betrifft, kann ich vieles hier nicht nachvollziehen. Ich bin selbst Screendesigner, seit 10 Jahren international aktiv und selbständig. In der politischen Kampagnenlandschaft hat es so etwas noch nicht gegeben. Was die “Print wirkt.” Kampagne betrifft. Hm, ich fand die sehr “Achtziger” und eher langweilig, da nicht so mutig.

    Lieber unentschieden und frisch als festgefahren und hölzern. Dann klappt’s auch mit der Wahlwerbung. Sorry für die Lobhudelei, aber ich find die Kampagne einfach mal genial :-)

  11. Zum einen versteht der geneigte Betrachter sicherlich nicht, was diese Plakate eigentlich aussagen sollen – schließlich fehlt die Aussage auf dem Plakat selbst. Zum anderen sind Plakate im Wahlkampfeinsatz extrem flüchtig betrachtete Werbemittel. Durch die Kopie von Coporate Designs bekannter Marken verspielt sich die Partei aus meiner Sicht das Potential, auch bei kurzem Blick auf das Plakat wirklich erkannt zu werden. Wer nur auf Farben und Formen reagiert, weil er oder sie nur kurz geschaut haben, wird das Plakat eben nicht mit den Piraten in Verbindung bringen… Vom Handwerklichen mal ganz abgesehen und von der Kreativleistung. “Print wirkt” war dagegen weit besser gemacht.

    Ich denke auch, das die Hauptaufgabe dieser Plakate nicht der Straßeneinsatz ist, sondern die bewusste Provokation, eventuell auch das kalkulierte Risiko der Abmahnung, was wiederrum zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit durch Berichterstattung führt… so zumindest habe ich das “oh, really” verstanden auf die Nachfrage eines Twitterusers, ob den Piraten denn bewusst sei, dass sie ne Abmahnung riskieren… ;)

  12. @ YNC

    Und finde dennoch, das Urheber- und Patentrecht aus dem Ruder gelaufen sind.

    Jepp.

    Das Problem ist, weil es große Firmen und große Rechteinhaber in der Vergangenheit mächtig bis zur Abzocke übertrieben haben, trifft der dazu negative Zeitgeist die Kleinen am schlimmsten: Auch und gerade die kleine Designbude hat auf dem Markt immer größere Schwierigkeiten, auch nur die mickrigsten Nutzungsrechtshonorare durchzusetzen.

    Wahr ist: Es wird modern, die Nutzungsrechte nicht bezahlen zu wollen. Unwahr ist: dass solche Auftraggeber die Piraten wählen. Für piratiges Verhalten braucht es keine extra Piratenwahl. Es ist – als neoliberal bekannt – bevor es die Piraten gab schon längst zugange und schick.

    Designer sollten sich überlegen, ob sie weiterhin das Schutzsystem, das doch nur die Rechte der Großen schützt, sie aber längst im Regen stehen lässt, weiterhin verteidigen wollen.

  13. Geht es Ihnen wirklich in der Kampagne um das Urheberrecht? Ich glaube selbst die Piraten haben langsam verstanden, dass dies eher ein Bundesthema ist und die Plakate haben ja eigentlich gar nichts damit zu tun. Ich empfinde die Plakate gerade eher als ein “Guckt mal, wir können auch ohne Corporate Design und Bürger sind nicht dumm, sondern kritisch genug um sich mit den Parteien auseinanderzusetzen.”

    Die Plakate sehen selbst gesetzt aus, sind farblich nicht ganz wie die Firmen und auch die Fonts scheinen ähnlich aber nicht gleich. Glaube die Big Player sollen eher in eine Art Mausefalle gelockt werden, da hier kein Recht verletzt wird.

    Geschmacksmuster greift doch nur bei der selben Marke, oder?

    Alles in allem trauen die sich etwas, was andere Parteien nicht mehr machen. Inhaltslos auf Inhalte hinweisen und darauf vertrauen, dass der Bürger sich erkundigt und nachdenkt. Ich fühle mich positiv angesprochen, obwohl ich eigentlich aus einer ganz anderen Richtung komme. Werde aufjedenfall mal in deren Programm reinschauen.

  14. Lustig finde ich, dass man bei den Piraten nur Bücher veröffentlich darf, mit denen man kein Geld verdient. Siehe Fall “Julia Schramm”. Das ist für mich total bizarr.

    So eine Partei ist für mich als Kreativer unwählbar.

    Deswegen kann ich auch zu dieser Kampagne nur sagen: Nicht lustig, nicht krativ. Langweilig.

  15. Ob die Kampagne, wie von den Piraten ausgewiesen, tatsächlich zum Nachdenken oder gar dem Lesen von Parteiprogrammen anregt, mag ich eher bezweifeln.

    In erster Linie ist sie vor allem unterhaltsam und bestimmt ein Fall für diverse Comedysendungen im Abendprogramm. Die potenzielle Zielgruppe der Piraten dürfte sich in jedem Fall gut angesprochen fühlen.

    Sehr ungünstig finde ich eher, dass nicht die Piratenpartei Absender ist, sondern Ideenkopierer. Das verwirrt nun wirklich. Lieber konsequent plagiieren und Strafen in Kauf nehmen. Die Medienaufmerksamkeit ist das wert.

    Sixt hat eine vergleichbare Strategie um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Hier müssen eben Gesichter der Öffentlichkeit herhalten und nicht Marken der Öffentlichkeit. Andere Beispiele wurden schon in vorangegangen Kommentaren erwähnt.

  16. Egal was man von der PP halten kann, ich finds gut dass sie es gibt, denn solange sie genug Prozente bekommt müssen die anderen Parteien auch hier und da umdenken und verhandeln. Und keine Partei hats bisher geschafft, dass sich auf einmal junge Leute so sehr für Politik interessieren.

    Mit alten Menschen, die die Gegenwart nicht begreifen und nur an sich und ihre Lobbyspenden denken wird sich sicherlich nichts ändern. Mit denen würden wir auch in 100 Jahren noch dasselbe Urheberrecht haben. Bzw. eins das noch stärker auf die Lobby zugeschnitten ist.

    Zu den Plakaten:
    Die Idee ist zwar ganz gut und wird sich von den anderen Plakaten sicherlich abheben, aber ich denke dass kaum jemand die Botschaft darin verstehen wird. Ausser dass er Wählen gehen soll.

  17. Ich bin da geteilter Meinung:
    Einerseits finde ich es erfrischend dass diese Kampagne von der ganz und gar unpolitischen Idee des Wiedererkennungseffekts in Verbindung mit den Slogans lebt und dabei wirklich witzig ist (in meinen Augen). Das dabei weder politische Fragen oder Visionen im Fokus stehen , finde ich, angesichts der Inhaltssleere die im Wahlkampf, besonders den Plakaten, allerorten vorherrrscht, wenig schlimm.

    Und obwohl ich ein großer Verfechter des Urheberrechts (und damit den Piraten eher kritisch gegenüber stehe) bin, bin ich mir nicht sicher ob der Einsatz dieser eindeutigen Stilmittel urheberrechtlich gefährlich ist? Aus Gestalter Sicht ist es, wie Vroni schon schreibt, natürlich toll wenn allen vor Augen geführt wird, das die Identität von der Gestaltung herrührt und weniger von Namen oder Textinhalt abhängen muss. Gerade das wäre ja ein starkes Argument dafür dass hier urheberrechtlich geschützte Mittel genutzt werden. Ob das so ist muss aber ein anderer beurteilen.

    Ich glaube allerdings das es zu dieser Entscheidung kommen wird, weil, Urheberrecht hin oder her, hier die Identität von Unternehmen den Aufhänger für politische Werbung darstellt – und das würde ich als Unternehmen nicht mit mir machen lassen wollen. Ich denke (hoffe) das wird für die Piraten noch Folgen haben…

  18. Lustig ist, wenn eine Kampagne die zum Reflektieren auffordert, unreflektiert kommentiert wird.

    Erst hat die PP gar kein Wahlprogramm, dann isses irgendwie kopiert (hab ich gehört), dann ist der Hinweis darauf sinnlos, weil die andern ja schon so dicke Wahlprogramme hatten (die sie Dank Koalitionszwang aber nie umsetzten).

    Oh Du arme Vernunft.

  19. “Die Piraten fordern bzw. setzen nun mal voraus, daß der oft beschworene sogenannte politikverdrossene und Politikerverdrossene Wähler sich selbst mal ein “Bild” macht und ins Wahlprogramm schaut.”
    Ich habe mir mal den Spaß gemacht und die Wahlprogramme der großen Parteien zur Niedersachsen Wahl gegoogelt. Da hätten wir:
    CDU: 85 Seiten
    SPD: 97 Seiten
    Bündnis 90/Die Grünen: 92 Seiten
    Die Linke: 75 Seiten
    Piraten: In ein PDF gedruckt ~14 Seiten

    Da hat der geneigte Wähler ja einiges vor sich, wenn er das alles lesen und vergleichen will..

  20. Hallo Vroni,

    sorry, wenn ich Dir gerade noch nicht folgen kann. Du schreibst zu einen, dass gesellschaftliche Veränderungen nicht möglich seien, wenn man sich an die geltenden Gesetze hielte. Das kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen, denn Gesellschaft ist das, was sich ständig verändert, Gesetze hingegen sind nur eine Grundlage, auf der die Gesellschaft lebt und in deren “Rahmen” viel “Raum” ist für das, was die Gesellschaft drin tut. Wie sieht Dein Modell vom Verhältnis von Gesellschaft und Gesetzen aus, dass Du zu Deinem Postulat kommst? (Es interessiert mich ehrlich, weil ich Deine Reflektionen interessiert und gerne lese, die so andere Perspektive empfinde ich bereichernd.)

    Im Zusammenhang mit den Gesetzen, die dazu beitragen, dass immaterielle Werte und Güter (geht das semantisch überhaupt… “immaterielle Güter”? Ich hoffe, es wird trotzdem deutlich, was ich meine) die Industriefreundlichkeit pauschal zu kritisieren, finde ich gewagt bis ebenfalls unverständlich. Gestaltung soll seinen Teil dazu beitragen, dass etwas (meist industriell) produziert und anschließend verkauft wird. Konsum für sich genommen ist ebenso unkritisierbar, wie “atmen” oder “gucken” oder “hören” oder “Stoffwechsel betreiben”. Ich verstehe (vielleicht) schon und bin da gern dabei, das derzeitige Konsumverhalten und auch die Konsumbeförderung zu kritisieren. Das berührt aber (in meinen Augen) nicht so sehr die Frage, ob und in welchem Umfang und von wem Gestaltung geschützt werden kann, sondern mit welcher Haltung die Gestaltenden an sich an ihre Aufgabe gehen, ob sie sich z.B. für den Verkauf unnützer Güter oder zur Etablierung verdummenden Medienkonsums instrumentalisieren lassen. Messer und Sägen zu verbieten, weil damit Menschen verletzt werden können, macht es der Fleischereifachverkäuferin schwer, mir 100g Wurst zu verkaufen.

    Hallo Patrick,

    Creative Commons gibt es in Deutschland längst und seit es CC gibt (oder bald nach der Einführung). Creative Commons ist mitnichten ein Verwertungmodell, sondern eine Veröffentlichungslizenz unter bestimmten Voraussetzungen. Naja, weiterverbreiten kann man vielleicht auch als eine Form von Verwertung begreifen, ich ziehe diese Haarspalterei also zurück ;-) Wer ihre oder seine Werke mittels CC zur Verfügung stellen möchte, kann und darf das längst machen. Wer freiwillige Entlohnung darüber hinaus möchte, lässt flattrn oder fragt nach einem Obulus via paypal, einem Geschenk via amazon-Wunschliste oder oder oder… Hier fehlt es nicht an vielfältigen Möglichkeiten. Möchtest Du aus den Möglichkeiten nun eine Pflicht machen? Welche Verwertungsmodelle fehlen noch, was konkret verbirgt sich hinter der “Innovation des Urheberrechts”? Und warum diskutieren wir bei Marken, die bei Zeitablauf und/oder Nicht-Nutzung erlöschen, und Geschmacksmustern, die in Europa auf 3 uneingetragene Jahre oder bei Eintragung auf maximal 5×5=25 Jahre begrenzt sind, trotzdem noch darüber? Sag mal konkret, was Dir fehlt oder was Du als Wunsch an die Zukunft meinst. Es interessiert mich.

    Beste Grüße an Euch und alle Mitlesenden.
    Friederike

  21. “Ich sehe das ähnlich wie Achim: Wenn man wenigstens auf Anhieb verstünde, was das Ansinnen der Kampagne ist,”

    Die Leute sollen sich informieren und nicht auf Wahlplakate hereinfallen.
    Ist das zu simpel um es zu verstehen?
    Wird doch mehrfach gesagt und dafür gibt es in der Kampagne eben auch die zwei Plakate die genau dies unterstreichen.

  22. Eine Partei, die sich hartnäckig weigert, sich auf politische Inhalte festzulegen (außer, dass man irgendwie für mehr Transparenz ist und irgendwie dafür, dass jeder alles kopieren darf), macht komplett inhaltsfreie Wahlwerbung.

    Das ist dann in gewisser Weise konsequent – wer sowas wählt, selbst schuld.

  23. @Pat-Design: ich wollte an dieser Stelle keine Abhandlung über die jeweiligen Auffassungen zum Urheberrecht schreiben. Nur soviel: Ich bin Urheber und denke auch dass es gewisse Teile des Urheberrechts gibt die der Veränderung bedürfen (Hauptsächlich das Thema der mangelhaften Durchsetzung des rechts aufgrund der unterschiedlich starken Positionen von von Urheber und Verwerter).
    Allerdings habe ich bisher KEINEN Veränderungsvorschlag der Piraten gehört dem ich zugestimmt hätte: deren Vorschläge gehen ausschliesslich (!) zu lasten der Urheber – es sollte nachvollziehbar sein dass ich das als Urheber nicht gut finden muss, ja?
    (Und bevor nun die übliche Replik kommt: Ja, ich habe verstanden was die Piraten meinen, (sofern das aufgrund einiger widersprüchlicher Aussagen möglich ist), und bin trotzdem der Meinung dass ich besser weiss was für mich gut ist…)

  24. @pat-design: Modernisieren = konkret? Was entspricht am UrhG (und den anderen Schutzrechten) nicht der Gegenwart?

    Die Gegenwart ist, dass sich viele nicht von der Gewohnheit trennen möchten, Inhalte aller Art im Internet kostenfrei zur Verfügung gestellt zu bekommen und dass diese vielen sich auch nicht dafür interessieren möchten, woher das Geld für Infrastruktur und Inhalte kommt und geht, wer viel davon bekommt und wer wenig oder nichts? Weil das in klassischen Medien etwas weniger komplex war, wer hier Schaffende/r, wer Veröffentliche/r und wer Rezipient/in war und außerdem die Körperlichkeit eines Tonträger, Buchs, einer Zeitung oder Plakats auch sehr leicht begreifbar und zählbar ist, waren die Verwertungsregelungen, die sich aus dem Urheberrecht und(!) anderen Schutzrechten abgeleitet haben, bislang recht gut zu bewerkstelligen.

    Dass das bei digitalen = nicht-stofflichen Werken und dem Medium Internet, in dem die Rollen weniger klar verteilt sind und neue hinzukommen – und die Begrenzungen der klassischen Rechtsräume mit einem Klick und ein paar Kilometer Glasfaserkabel gesprengt sind, anders laufen kann und vor allem anders laufen muss – steht außer Frage. Die Abschaffung des Modells “geistiges Eigentum” kann es nicht sein, denn jedes Produkt, jedes Werkzeug, jede Software, jeder Rechner ist die Materialisierung und Umsetzung solcher Ideen, Vorstellungen oder Konzepte.

    @Vroni:

    Designer sollten sich überlegen, ob sie weiterhin das Schutzsystem, das doch nur die Rechte der Großen schützt, sie aber längst im Regen stehen lässt, weiterhin verteidigen wollen.

    Wodurch unterscheidet sich Deiner Meinung nach der Schutz für Designleistungen “Großer” (=wer genau? Agenturen, Konzerne, Verlage?) vom Designschutz “kleiner” (Designer wie Du und ich – falls wir beide welche sind ;-) )?

    Grüßkens
    Friederike

  25. Für eine Volkspartei (falls es eine solche im Sinne der Interessenvertretung des Volkes noch gibt) wäre die Kampagne nicht geeignet. Für die Piraten die aktuell nur ein Potenzial von max. 5 oder 10% haben, finde ich es originell. Denn von Plakaten mit Schlagwörtern wie Gerechtigkeit, Zukunft, usw. ist man wirklich müde.

    Interessant sind einige Kommentare hier. Da klingt von den kreativ Schaffenden einiges an Konservativität und den Wunsch nach Lobbypolitik durch. Wenn die Piraten in den Bundestag bzw. in den niedersächsischen Landtag kommen, brechen offenbar Anarchie und Raubrittertum aus. Wählen wir also brav weiter die vereinigte CDU-SPD-Grüne-FDP Alternativlospolitik.

  26. [...] 8 Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar 2013 präsentierte die Piratenpartei Niedersachsen gestern ihre Wahlkampagne, mit der erstmalig der Einzug in den Niedersächsischen Landtag gelingen soll. Auf Plakaten und in Wahlwerbespots wirbt die Partei dafür, Werbung zu hinterfragen, da diese ihrer Ansicht nach keine Inhalte vermittele. Dabei bedient sich die Kampagne gestalterischer Mittel, die nun die Rechtsabteilungen der in der Kampagne plagiierten Unternehmen beschäftigen werden dürfte.  [...]

  27. @ Friedericke,
    falsche Fragestellung in die falsche Richtung.
    Es geht um das Durchsetzen des Nutzungsrechtshonorars.

    Ich glaube, die meisten hier wissen, was ich meine. Zum Beispiel die Nutzungsrechtsfaktorentabellen z.B. vom AGD. Wer um Himmels willen als kleine Designbude kann solche Forderungen bei kleinen mittelständischen Kunden einfordern, ohne Gelächter zu ernten. Utopische Höhen, von keiner Realität gebissen.
    Urheberrecht, an gewissen Stellen der gleiche Schmarrn: Wer bitte als kleine Designbude entwirft Dinge die noch 70 Jahre dermaßen Bestand haben, dass die Nachkommenschaft davon zu zehren hat.

    (Das Gleiche bei den sonstigen Stundensätzen, die mancher Verband empfiehlt. Realitätsfremd, wie alle diese Vereine. Sorry.)

    /offtopic Ende. Will den Thread nicht gänzlich entführen.

    Ich gebe zurück zur Diskussion der Kampagne der Piraten.

  28. @Flibbo Tatsächlich. Wie im Text bereits darauf hingewiesen, ist dies hier nachzulesen. Wohlgemerkt bezogen auf die Urheberrechtsproblematik. Im Artikel habe ich nachträglich ein „diesbezüglich“ nachgeschoben, um den Zusammenhang zu unterstreichen. Mag sein, dass dies etwas ungenau war.

  29. Ich verstehe die Konfusion nicht.

    Die Plakate bewerben doch ganz offensichtlich vordinglich “das Wählen” an sich (“Wählen ist geil”,”Rettet die Wahlen”), in zweiter Linie die Piratenpartei selbst (“Ich wähle es”, “Think different”). Extra zur Erläuterung gibt es noch zwei klassische Piraten-Plakate in Orange dazu, auf dem die Message schwarz auf Weiss steht …

    Benutzt wurden Mitteln des Remix/Mashup, was ja durchaus Thema der Partei ist. Dazu ein leichter Troll-Faktor, und wenn die Unternehmen mitspielen, sogar noch mit Streisand-Effekt. Das ist alles nicht sonderlich tiefsinnig, aber als aufmerksamkeitsstarke Plakataktion geht das durchaus in Ordung, finde ich.

  30. @Uli
    “Auf jeden Fall ein sportlicher Anspruch an die tl;dr Generation.”

    Dass die jetztige Generation politische Inhalte in vereinfachter Form benoetigt, ist ein Mythos. Seit den 1950er Jahren haben Politikwissenschaftler immer wieder feststellen muessen dass die Waehler uninformiert und uninteressiert sind.

  31. @PPP:
    Ui, “Konservativität” und “Lobbypolitik” hört sich ja gleich schrecklich verurteilenswert an! Allerdings kannst du dir die Äusserungen der Kreativen hier auch als “Interessenvertretung” vorstellen. Ist es illegitim meine ureignenen Interessen zu vertreten und sie vor den Zugriffen anderer zu schützen? Darf ich kein Lobbyist meiner eigenen Wünsche sein?

    @Vroni:
    Deine beschreibung de s IST-Zustands ist sicherlich zutreffend. Nur beantworte mir warum ausgerechnet du als Kreative die Rolle derjenigen übernimmst der die Gesetze, die dich schützen sollen und die Honorarempfehlungen die zu deinen Gunsten formulierst sind, wortreich diskreditierst? Kannst du das nicht die “Anderen” machen lassen und selbst dafür streiten dass die AGD Empfehlungen real durchsetzbar sind? Wäre so ein ganz klein bisschen Egoismus nicht gesund?

  32. Jürgen,
    hab ich das richtig gehört, dass ich das Diskreditieren die “anderen” machen lassen soll…
    Ohne Worte.
    .
    Nur soviel:
    Ich wünsch den Piraten den Erfolg, den sie brauchen.
    Figuren wie Schramm, die bis jetzt wenig Substanz aufwiesen, sollten halt eher weniger dabei sein.

    Und ja, warum soll man nicht hohle Werbung und substanzlose Politwerbung aufmischen.
    Es wird Zeit.

  33. Hm, hier wird in über 40 Kommentaren darüber diskutiert, ob die Kampagne gut oder schlecht oder was auch immer ist.
    Es gibt bisher einige Presseartikel, von FAZ und SPIEGEL bis zu kleinen Kostenlosblättern.
    Wie viel Aufmerksamkeit erregt sonst eine (üblicherweise inhaltsleere) politische Plakatkampagne? Eben. Hint: sucht mal nach Berichten über die Kampagne der Linken, vorgestellt am letzten Donnerstag. Merkt ihr was?
    Ich würd sagen, allein schon deshalb ein Erfolg.

  34. Warum haben hier einige “Kreative” solch Probleme die Mässätsch zu erkennen?
    Ist es wirklich zu viel verlangt 5 bzw. 6 Wörter auf den zwei erklärenden Plakaten zu lesen und zu verstehen?
    Noch deutlicher kann man die Aussage kaum formulieren.
    Die Aktion selber finde ich ganz ok aber auch nicht (werbe-)weltbewegend.

  35. @Vroni:
    Wahrscheinlich habe ich dich völlig falsch verstanden, aber bist du nicht auch eine sog. Kreativschaffende? Und hast du nicht oben die Vergütungsbeispiele des AGD als lächerlich und utopisch entlarvt? Und dem Urheberrecht, bzw. Teilen davon mit dem netten Wort “Schmarrn” bedacht?
    Mir geht es eher darum zu verstehen wieso du dich in der Rolle siehst Dinge, die primär darauf abzielen dich in deiner Rolle, deinem Beruf, zu bevorteilen, zu kritisieren?
    Es wirkt so als würdest du gegen höhere Honorare streiten, und gegen das Urheberrecht, das in Teilen die Grundlage deiner Profession ausmacht. Verdienst du zuviel? Hast du ein schlechtes Gewissen oder was treibt dich um?

  36. @ Jürgen
    was soll diese jetzt recht persönliche Polemik. Muss das sein.
    Aus meiner Sicht ist einfach das Urheberrecht verbesserbar, aus meiner Sicht muss man neue Vergütungsmodelle austesten.
    Und jetzt ist gut.

  37. @Jürgen #41
    Interessenvertretung ist erlaubt. Kritisch ist es, wenn Leute sich leichtfertig für Maximalforderungen, die mit Tunnelblick die Beschneidung von Freiheit und Demokratie in Kauf nehmen, vor den Karren spannen lassen. Meine persönliche Meinung ist, dass wir das Urheberrecht nicht komplett abschaffen müssen – aber auch keinerlei Verschärfung brauchen.

    Die große Contentindustrie (Film, Musik, Verlage) stellt Forderungen, die den Verbraucher nach Gutsherrenart unter Generalverdacht stellt und am besten noch selber verurteilen möchte. Dessen sollte sich die Designbranche nicht anschließen, denn die Nachteile für alle Bürger überwiegen die Vorteile für einige Gegebenheiten bei weitem.

  38. Ich finde die Grundidee eigentlich ganz lustig, finde nur die Umsetzung teilweise eher halbherzig. Zum Beispiel beim Milka-Plakat wurde nicht versucht die Milka-Schrift zu simulieren, sondern es wurde einfach die »Brush Script« eingesetzt.

    Aber was ich hauptsächlich recht unklug finde ist, dass das Piratenpartei-Logo sich auch dem Style jedes Plakates unterwirft. Hier hätte ich eine durchgängige Gestaltung gewählt und nur den oberen Teil des Plakates in der jeweilig parodierten Markenwelt gestaltet. So ist es zu befürchten, dass die Werbeplakate, welchen meistens höchstens ein paar Sekunden Aufmerksamkeit zu Teil werden, nicht alle der Piratenpartei zugeordnet werden und somit keine Einheit bilden.

  39. @PPP: Ach Freiheit und Demokratie jetzt? Und die böse Contentindustrie? Gute Güte!
    Wenns um meine Freiheit und mein täglich Brot geht sind mir die Bürger, allen voran die, die alles umsonst haben wollen und sich dafür hanebüchene Argumente ausdenken, erstmal ziemlich wurscht, weisst du?

    @Vroni: Ich wollte weder polemisch noch persönlich werden, Verzeihung!
    Allerdings frage ich mich wie es mit den Kreativen jemals was werden soll wenn selbst eloquente Wortführer wie du (ja, ich schätze deine Beiträge hier wie dort sehr!), am eigenen Stuhlbein sägen?
    Ist aber völlig OT und ich belasse es jetzt auch dabei.
    Nochmal meine Bitte um Verzeihung für evtl. auftretende Missstimmungen!
    Beste Grüße!

  40. Einmal losgelöst von dem Inhalt den diese Plakate transportieren bzw. nicht transportieren.

    Die Umsetzung ist einfach über weite Strecken nicht gut gemacht. Bei dem McD-Imitat hatte ich erst KaiserTengelmann im Kopf, die Schriftart bei dem Milka-Plakat sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt, der Schriftzug im IKEA Logo ist komisch positioniert und hat mich insgesamt auf Anhieb eher an die Lufthansa erinnert etc. das zieht sich so über alle Plakate, dass doch auf mich alles maximal halbherzig umgesetzt wirkt.

    Das Ziel der Wiedererkennungswert der Marken direkt zu treffen wird in meinen Augen zu oft verfehlt. Und warum man sich auf ein Apple Logo von vor zig Jahren beruft will sich mir auch nicht erschließen.

    Manche funktionieren wiederrum ganz gut, wie VW und Telekom beispielsweise, aber viele andere liegen meiner Meinung nach einfach komplett daneben. Ohne den Slogan würden sich einige dieser Plakate einfach nicht erschließen. Ohne “Ich wähle es” hätte ich diese McD Anspielung jedenfalls nicht mitbekommen. Whiskas finde ich als Marke jetzt zum Beispiel auch nicht so (Aufmerksamkeits-) stark, dass diese Verwendung nahe liegen würde.

    Für mein Gefühl hätten die Marken insgesamt sorgfältiger ausgewählt und im Plakat prägnanter und sauberer gestaltet werden müssen um wirklich auf das Ziel hinzuarbeiten.

  41. Ich finde man sollte da jetzt nicht so ein großes Ding raus machen. Die Kampagnenidee ist aus meiner Sicht sehr gelungen. Handwerklich kann man vielleicht streiten. Wenn das keine Parteienwerbung wäre, wäre es hier bestimmt gefeiert worden…

  42. 1. Die Piraten haben mit der Kampagne – zumindest hier im DT schon mal etwas erreicht: Sie werden wahrgenommen!
    2. Die Plakate regen zum Nachdenken an, was aber fehlt ist:
    3. Die jeweiligen Hintergründe zu den Plakaten – die gehören auch auf’s Plakat (wenn auch nur in untergeordneter Rolle, würden Sie helfen zu verstehen).
    Nachzulesen hier .

    z.B. bei “du wählst/du darfst”: “Wir verkaufen zwar keine Lebensmittel, aber wir möchten trotzdem, dass jeder Mensch im Einklang mit Anderen so leben kann, wie er will.” – Schon ist ein Kritikpunkt weniger

  43. @Jürgen:
    Was mich extrem abstösst, ist der vergiftete Ton, in dem Du Deine Argumente vorträgst.
    Seit dem unglücklichen “Interview” mit Sven Regener gehört es in der Debatte anscheinend zum guten Ton, selbigen mit Füssen zu treten.
    Gern in Kombination mit blankem Un- und gefährlichem Halb-Wissen.
    BTW: Ich bin GEMA-, VGWort, GVL- und KSK-Mitglied und trotzdem (oder gerade deshalb) auch Piraten-Mitglied.

  44. Lieber Hans,

    ich würde mich freuen wenn du mir sagst welche meiner Äusserungen auf dich “vergiftet” wirken. Ich habs grad nochmal quergelesen und finde nicht das sich irgendwo ausfallend geworden wäre.
    Zumindest habe ich bisher noch niemanden “Un- oder Halbwissen” unterstellt…

  45. Ich habe hier bislang glaube ich noch keine Parteiplakate gelobt oder kritisiert, dennoch nehme versuche ich mich jetzt mal an dieser doch zumindest auffälligen Kampagne (erst einmal egal ob nun positiv oder negativ).

    Ich empfinde die Kampagne als zweischneidig. Die Kampagne des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger war mir schon vorher bekannt und beide liegen ja gar nicht soweit auseinander. Es erscheint mir jedoch schon ein gewaltiger Unterschied. Beim ersten handelt es sich schlicht um eine politische Partei, die die Design unabgesprochen verwendet. Ich weiß nicht, inwieweit der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger das damals im Vorfeld abgesprochen hat, kann es mir jedoch gut vorstellen (dann sieht alleine die rechtliche Situation schon einmal völlig anders aus), der zudem noch dafür wirbt Werbung zu schalten und letztlich auch nicht die Unternehmen kritisiert, sondern deren Design lobt (und zum Schluss schlicht keine politische Partei ist). Ich verstehe es durchaus, wenn Unternehmen die Kampagne kritisieren, weil sie sich ansonsten weniger stark politisch hervortun (eine Wahlempfehlung von McDonald’s, Apple, Volkswagen oder der Deutschen Telekom habe ich hierzulande noch nicht gehört). Davon mag man ja halten was man will und ob die jeweiligen Unternehmen für sich gesehen immer alles richtig machen ist auch noch eine, aber eine ganz andere Frage. In der Regel verhalten sich die meisten Unternehmen – zumindest nach außen – neutral gegenüber der Politik, versuchen diese nicht wie Marktschreier zu vertreten, sondern begrüßen allenfalls Einzelfallentscheidungen (beispielsweise war die Autoindustrie über die Abwrackprämie erfreut). Hier werden jedoch schlicht die Designs genutzt, um für eine politische Partei zu werben, was durchaus auch den Eindruck beim Wähler hinterlassen könnte, dass diese Unternehmen die Piratenpartei unterstützen und sich für eine Wahl dieser aussprechen. Hier ginge es dann am Ende nicht einmal um die Frage des Kopieren eines Designs selbst, sondern eine entgegengesetzte Unternehmenspolitik.

    Dass einige Unternehmen generell darauf kritisch reagieren, wenn ihre Logos verfremdet werden, dürfte gerade vielen Abiturienten bekannt sein. Gerade IKEA ist hier das bekannteste Beispiel dafür, dass es Schülerinnen und Schüler untersagt wird das Logo in abgewandelter Form zu nutzen. Gerade dort finde ich es ja noch weniger kritisch, gehe somit auch von einem entsprechenden Vorgehen gegen die niedersächsische Piratenpartei aus (was sich zum einen andeutet und ansonsten auch der bisherigen Haltung konträr entgegenstehen würde). Bei der Telekom sieht es hinsichtlich der Farbe Magenta recht ähnlich aus.

    Mal abgesehen von den handwerklichen Fehler: Das McDonald’s-Plakat erinnert mich übrigens, den Spruch nun außen vor, sogar in erster Linie an Kaiser’s Tengelmann.

    Was man durchaus bekommen wird, das schnitt ich an, ist die Aufmerksamkeit. Vielleicht erhält die liebe, kleine Piratenpartei sogar Sympathiepunkte dafür, wenn Unternehmen sie verklagen und sie damit auch noch an die Öffentlichkeit gehen. Paradoxerweise schafft die Piratenpartei damit gerade das, was sie doch eigentlich kritisiert: Gewählt zu werden ohne politischen Inhalt dahinter. Auf den Plakaten steht zumindest nichts davon, dass ich Wahlprogramme lesen soll, dazu müsste ich mich erst einmal ausgiebiger mit der Partei beschäftigen, um das zu erfahren, aber ob das auf Grund dieser Kampagne wirklich passiert, wage ich mal zu bezweifeln. Dass Plakate nur punktuell Inhalte aus dem Wahlprogramm liefern, ist völlig richtig. Dafür ist diese Werbeform auch schlicht nicht gemacht (ich erfahre aber auch auf einem Plakat von Vodafone nicht alle Vor- und Nachteile eines Handys, dazu muss ich schon im Netz suchen oder in den Vodafone-Laden gehen). Plakate dienen dazu Aufmerksamkeit zu erregen und im Fall von Wahlwerbung speziell auch zu signalisieren, dass Wahlen sind und dass auch diese Partei antritt. Wer es doch lieber inhaltlich mag, muss es so machen wie die Linkspartei, das ganze Plakat mit Text zuklatschen bis man es nur noch im Stehen lesen kann oder schlicht ganz auf Wahlplakate verzichten, dann bliebe man sich zumindest in seiner Haltung auch treu.

    P.S:: Über Safari (Mountain Lion) war es mir übrigens nicht möglich, diesen Artikel abzuschicken, da ich angeblich eine falsche CAPTCHA-Phrase eingegeben habe (bei mehrmaligen wiederholen trat das Problem immer wieder auf). An meinen Rechenkünsten lag es nicht ;-)

  46. Das ist natürlich ganz schlimm, wenn die existierende Ordnung per Plakat einmal nicht bierernst genommen wird, da kommt schnell Unmut auf. Gerade die Designschaffenden, wissen zwar immer alles, große Kommunikatoren, aber sind doch letztlich nur mehr oder weniger bedeutungslose, austauschbare Verkaufsknechte. (Ja, es gibt natürlich auch sinnvolles Design.)

    Eine Frechheit, und dann noch so unprofessionell, konzeptlos, billig, also wirklich, gaaanz schlimm.

  47. Ich finde, die Plakate sind einfach schlecht gemacht. Man erkennt zwar sofort, was die Idee ist, aber richtig echt sieht’s nicht aus. Vor allem erinnert hier kaum etwas an die Piraten – erst recht nicht die ständig umgefärbte Logoflagge! Die Kunst hätte darin bestanden, all den unterschiedlichen „Raubkopien“ eine subtile gemeinsame Komponente zu geben (und damit ist nicht diese unglückliche Logo-Ecke unten links gemeint). Eine gekonnte Neuinterpretation ist eben etwas anderes als eine nur fast gute Kopie. Statt mit einer witzigen Wahlwerbung präsentieren sich die Piraten wie ein mäßig kreativer Abi-Jahrgang („Abi 2013 – Die zarteste Versuchung seit es Schule gibt“) …

  48. Halbwissen:
    “Allerdings habe ich bisher KEINEN Veränderungsvorschlag der Piraten gehört dem ich zugestimmt hätte: deren Vorschläge gehen ausschliesslich (!) zu lasten der Urheber”

    Schlechter Stil / emotionale, verbissene, vergiftete Nicht-Argumente:
    “Ui, “Konservativität” und “Lobbypolitik” hört sich ja gleich schrecklich verurteilenswert an! ”

    “Es wirkt so als würdest du gegen höhere Honorare streiten, und gegen das Urheberrecht, das in Teilen die Grundlage deiner Profession ausmacht. Verdienst du zuviel? Hast du ein schlechtes Gewissen oder was treibt dich um?”

    “@PPP: Ach Freiheit und Demokratie jetzt? Und die böse Contentindustrie? Gute Güte!”

    “Wenns um meine Freiheit und mein täglich Brot geht sind mir die Bürger, …, erstmal ziemlich wurscht, weisst du?”

    Was mich vor allem anderen stört, ist, dass es bei Dir (und vielen anderen) nur immer um eines geht: ICH, ICH, ICH.
    Nur nie um die Gesellschaft, der Du es verdankst, hier als Kreativer arbeiten zu können.

  49. @ Flötenschlumpf

    schon nach der Berlinwahl wurden die Piraten von L’tur Werbung, auch in der Berliner Ubahn, verwendet. https://lh4.googleusercontent.com/–Xd2USBva_Y/Todm_kIvoiI/AAAAAAAAC38/s8uEI0tRxBc/ltur-piraten.jpg

    Die Antwort der Partei war:”Finden wir gut”.

    Auch das man in letzter Zeit viel von Streitereien hört, zeigt das die Piraten absolut integer sind und es ernst meinen mit der Politischen Transparenz.

    Solche streitereien gibt es in jeder Partei, vermutlich gibts bei den anderen noch viel schlimmeres. Dort kiregts eben nur keiner mit!

  50. Hallo Hans,
    Danke für das Feedback. Auf die in deinen Augen “giftigen” Formulierungen mag ich nicht eingehen, an einer stelle hab ich mich entschuldigt und die anderen Dinge find ich persönlich wenig schlimm.
    Allerdings möchte ich ein Wort zum großen “ICH” verlieren. Ich weiß nicht ob ich eine Gesellschaft erstrebenswert finde, die ihren Künstlern die Lebensgrundlage aberkennt. Und ja, die Verteidigung meiner rechte ist wohl naturgemäß egoistisch – was aber ist an den Forderungen der Piraten bzgl. Des UrhG nicht egoistisch motiviert? Da bin ich aber mal gespannt!
    Grüßle und gute Nacht!

  51. ich werde der politischen diskussion hier mal bewusst aus dem weg gehen.

    meine einschätzung:
    schon millionen mal dagewesen, ABER eben auch noch nie für einen so ernsthaften, politischen fall genutzt worden. darum find ich die idee gut. die idee…

    was mir nicht gefällt ist die positionierung dahinter. zu austauschbar und willkürlich.
    einfach look-a-like poster berühmter marken zu machen und drunter zu schreiben “werbung ist doof” ist mir zu flach. da hätte man mehr draus machen können find ich.

    fazit:
    mir zu unausgereifte umsetzung der aussage hinter der aktion, wenngleich die idee in der politik einzusetzen gut ist. andere “standard-wahlplakate” halte ich da für weitaus schlimmer!

  52. @ cf

    Es geht nicht darum Werbung oder die Werbeindustrie zu kritisieren. Sondern darum klar zu machen, dass Wahlwerbung auch schlichtweg Werbung ist. Wir haben alle ein empirisches Misstrauen gegenüber Werbeversprechen und das sollten wir auch auf “Werbe”versprechen von politischen Parteien anwenden.Das ist die Botschaft

    Schön zu erkennen an den orangenen Plakaten wo es heisst: Lest das Wahlprogramm, alles andere ist nur Werbung.

  53. Idee: gut.
    Umsetzung: mäßig.

    Was ich im Besonderen nicht verstehe:
    Warum hat man die Plakate nicht dazu genutzt, um die (vielen Menschen / Wählern noch unbekannten) Positionen der Partei zu kommunizieren?

    Man darf ja nicht vergessen: die Partei ist jung, neu, unbekannt und muss sich folglich Profil geben und ihre Inhalte kommunizieren.

    Auf der dazugehörigen Internetseite http://ideenkopierer.de/index.php?id=28 wurde das ja gemacht. So steht z.B. beim IKEA-Plakat: “Wir bauen zwar keine schwedischen Möbel, aber wir möchten trotzdem von den skandinavischen Ländern für unsere Sozialpolitik lernen.” Daraus lässt sich doch schon mal etwas Profil der Partei ablesen, was deren Ziele und Schwerpunkte sind.

    Hier wurde viel Potential verschenkt. Gute Idee, aber auf halbem Weg stehen gebleiben.

  54. @ Sascha,
    sie sind von der Idee her als reine Teaserplakate gedacht.
    Teaser sind Teaser^^, mehr nicht, es wird angeteasert, dass man bitte die Inhalte (das Wahlprogramm) lesen möge. Da sind die Inhalte nicht auch noch auf dem Plakat. So weit so gut. Grundsätzliche Idee der Piraten verstanden.

    Der Fehler ist nur:
    – man hätte z. B. (falls es Printplakate sind) einen QR-Code platzieren können, der auf die entsprechende Landing Page weist. Das wäre mal richtig onlinerig-digital-piratig gewesen^^^. Aber hey.

    Bedingung:
    – Die jeweilige Landing Page muss zwingend genau die Antwort auf die eine Frage geben, die das jeweilige Plakat aufwirft.

    – Und: das jeweilige Plakat muss tatsächlich auch teasern (anreizen, neugierig machen). Das tun diese Plakate, die das VW-Logo persiflieren und einfach nur DER SLOGAN. drunterschreiben deutlich nicht. Sie werfen leider nur Fragen auf, was das soll…, da hätts eine frechere Zeile drunter gebraucht.
    Auch “Bürger würden wählen gehen” ist viel zu schwach. Das zeigt, dass man nicht jeden Unternehmensslogan so persiflieren kann, dass er a) noch als ehemaliger Unternehmensslogan oder Claim erkennbar ist aber gleichzeitig b) voll piratig reinhaut. Das ist die textliche, konzeptuelle Schwäche dieser etwas zu braven Persiflage-Idee generell. Die Titanic hätte sich nur auf die Unternehmen konzentiert, wo das wirklich astrein geht. Also weniger Serie, nur max. 3-4 Motive.

    Lösung für die Piraten:
    einen ordentlichen Texter engagieren. Dann wär’ das nicht passiert.
    Die Piraten hatten “großes Glück”, dass ihre Kampagne in einem Designerblog kritisiert wird. Designer schauen oft nur auf Formales, respektive können schwerer artikulieren, was sie denn an Inhalten/Aussagen denn besser gemacht kriegen wollten.
    In einem Blog aber, in dem professionelle Texter unterwegs sind, wären sie deutlich mehr zerrissen worden. Und zwar in der Luft :-)
    Nicht zu Segel, nicht zu Wasser …

    Grüße
    eine Designerin, die einen Texter zum Mann hat. Ein echter pöser Titanic-Mann^^, den ich geheiratet habe, weil er mich zum Lachen bringt. Jeden Tag.

    Der hätt mir diese brave Serie so auch nicht durchgehen lassen.
    Und dafür habe ich vollstes Verständnis. Nix Ehestreit, sondern folgend: Geplänkel, Gewitzel und dann dann nach dem Streichkonzert: besser sitzende Textlösungen nach dem Motto: weniger (Plakate) ist mehr.

  55. @ Sasch
    das “auf den Punkt kommen” ist aber genau der Punkt:
    Muss gar nicht.

    Ein Plakat darf gerne nur anreißen, der Rest ist dann woanders zu lesen.

    Aber raffinierter anreißen, das muss es.

  56. Ich denke, dass das nach der ganzen negativen Presse, die es schon gab (Nazi-Vorwürfe, unklare Parteiziele, unausgesprochenes “Ja” zur uneingeschränkten Urheberrechtsverletzung, Legalisierung harter Drogen etc.) den Piraten das Genick bricht.

    Klar, launig, lustig, aber so was von daneben, dass man ich fragt, was dieser unorganisierte Haufen Cyber-Intellektueller damit eigentlich bezwecken will. Statt seriöser zu werden und das angeknackste Image zu retten, nein! Es wird noch mehr Richtung Chaotenhaufen tendiert und kommuniziert, dass es einem schlecht wird. Anscheinend merken die Jungs und Mädels nicht, dass sie nach ihrem Höhenflug dermaßen abgekackt sind. Und dass selbst die “Digital Natives” langsam nur noch den Kopf schütteln.

    Es genügt nicht, mit dem Tablet twitternd irgendwo rumzusitzen, sondern man sollte strukturiert arbeiten und endlich mal den eigenen Laden im Griff haben und versuchen, sowas wie nachvollziehbare Politik zu machen. Und nicht denken, dass eine Partei etwas Hippes, Lockeres ist, was man so nebenbei beim Webworken erledigen kann!

    In meinen Augen einfach nur eine peinliche, nicht durchdachte Kampagne einer immer peinlicher werdenden Partei.

    Und ja, ich habe die Piraten auch mal eine Zeitlang sehr gemocht und sie auch gewählt…

    (übrigens sind die Plakate eigentlich sehr gut gemacht, nur bei dem VW-Plagiat hätten sie unten vielleicht schreiben sollen: “Piraten. Die Partei.” Wenn schon, dann richtig.)

  57. Bis hierhin gab es in kürzester Zeit 71 Kommentare zu diesem Beitrag und darin eine sehr angeregte Diskussion. Scheint als würden die Piraten mit der Kampagne (- halte sie sich bis zur Landtagswahl oder auch nicht -) schon jetzt für Aufsehen sorgen. Damit hätte das Ganze – wie man auch dazu stehen mag – sein Ziel absolut erfüllt.

  58. Soll nur eine Haltung kommunizieren und bestätigen: “Wir scheißen auf euer geistiges Eigentum” Und womit verdienen die meisten hier ihr Geld? Wie kann man das nur für gut empfinden oder als geniale Wahlkampagne sehen.

    Ich kann Achim da voll und ganz verstehen, wenn sein Artikel in einer gereizten Sprache erscheint. Auch mein Puls stieg nach Sichtung der Plakate deutlich an.

    Was soll das denn bitte?! VW-Logo unerlaubt verändern und “Der Slogan” darunter setzen.
    Wo ist hier die Aussage?

  59. was mich interessiert ist, wie die Piraten reagieren würden, wenn man ihr eigenes Logo nähme und T-Shirts drucken würde mit Slogans wie “Wählt Berlusconi” oder “Atomstrom ist Wind in unseren Segeln” oder so irgendwas.

  60. Felix, das Ziel der Kampagne sollte ja nicht sein, im Umfeld von Designblogs für Aufsehen zu sorgen. Es geht ja viel mehr darum, wie man die über 6 Mio. Wahlberechtigten Niedersachsens erreicht, um sie, angelockt über politische Inhalte, dazu zu bewegen, am 20. Januar das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen. Dass Menschen sich mit der Werbung-ist-inhaltslos-Kampagne solidarisieren – sofern sie das Motiv hinter der Kampagne denn erkennen, was ich bezweifle –, darauf hin das Wahlprogramm studieren, um schließlich zu dem Entschluss zu kommen, die Piratenpartei zu wählen, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Der Ansatz ist grundsätzlich lobenswert, zum Lesen des Wahlprogramms zu animieren, in der Praxis wird er jedoch scheitern, weil Menschen, die in der Stadt an einem Plakat vorbeifahren, nicht zuhause angekommen ins Internet gehen, um zu recherchieren, was genau einem denn dieses meinetwegen „Entdecke Dein Wahllokal“-Plakat zu verstehen geben wollte. Denn, wie wünschedesign richtigerweise bemerkte, haben die Plakate zum Teil keinen eindeutigen Absender. Hier schwingt schon eine ganze Menge Naivität mit und auch Unverständnis in Bezug auf die Wirkungsweise von (Wahl)Werbung.

    Wahlplakate sind nichts anderes als Wecker, die visuell klingen und einem sagen müssen, dass die auf dem Plakat genannte Partei bei der demnächst anstehenden Wahl antritt. 60% Weckfunktion, 30% Branding, 10% Inhalt. Schon allein, weil die Motive der Piratenpartei, abgesehen von den beiden orangfarbenen, ohne eigenes Branding auskommen, können sie ihrer Aufgabe nicht nachkommen. Andersartigkeit, ein Kriterium, das Designer in der Regel sehr hoch einschätzen, ist in diesem Fall kein Vorteil, sondern ein eklatanter Nachteil, weil sie die Chance verwehrt, als erkennbare Partei wahrgenommen zu werden. Hier wird sehr viel Geld auf der Straße verpuffen, so die Plakate denn tatsächlich zum Einsatz kommen.

    Der Umstand, dass die Kampagne hier so stark diskutiert wird, liegt daran, dass sie von Designinteressierten ganz anders wahrgenommen wird als von Anderen. Das gute Abschneiden in der Umfrage wiederum dürfte vor allem daran liegen, und das beantwortet vielleicht auch Deine Frage lieber Schiffeversenker, dass der Artikel vor allem in Kreisen der Piratenpartei via Twitter und Facebook weitergereicht wurde. So eindeutig, wie sich das Ergebnis darstellt, es es wohl nicht, lieber Tim.

    Ich würde das Umfrageergebnis weniger dahingehend interpretieren, dass „die Designer die Kampagne gelungen finden“. Wer die Kommentare aufmerksam verfolgt, wird feststellen, dass die Plakate gerade bei Menschen mit geschultem Blick nicht sonderlich gut abschneiden. Insofern ist das Umfrageergebnis nur eine Realität. Die Netzaffinität der Piraten ist eine andere.

  61. für mich sieht das nach der typischen kreativstudium-herangehensweise aus:

    man macht irgendwas, was man schon mal irgendwo gesehen hat (dieses verfremdungsdings is ja eine bekannte spielerei im internet) und lässt sich dann im nachhinein eine aussage/strategie dazu einfallen

  62. Ich find die Plakate super! Und ja, auch als Urheberin kann ich mit den Piraten gut leben. Und ich kann auch mit der Vorstellung gut leben, dass in einer Gesellschaft “Marken” nicht als unantastbar gelten. Wenn es wirklich zu Prozessen kommt, dann bin ich gespannt auf die Argumentation. Also in welchem Punkt genau schaden die Piraten hier Mc Donalds oder Milka?

  63. als laie sollte man bei juristischen urteilen vorsichtig sein. ob die wahlplakate eine urheberrechtsverletzung sind, ist meiner laienhafen vermutung nach nicht so eindeutig. ich bin selbst nicht qualifiziert, aber im juristischen sinn sind “satire” und “schöpfungshöhe” vermutlich relevante begriffe bei dieser frage.

  64. Die Idee, der Ideenkopierer ist gut, leider die Umsetzung nicht! Teilweise werden die Plakate in 3 m Höhe von Fahrern und Passanten nicht so wirklich wahrgenommen, weil nicht auffällig genug Schrift sowie Logo zu klein!

  65. handwerklich sauschlecht gemacht. Das Stichwort Abizeitung trifft da zu.

    einfach die Schriften reingeklatscht – alle bekommen da ne Helvetica verpasst, egal obs passt oder nicht – das Design von Apple wird um 15 Jahre zurückversetzt … Logo einfach unten links und rechts in die Ecke geknallt, dazu stören die sich noch gegenseitig (das rechte hätte man grundsätzlich immer weglassen können) …

  66. Zugegeben, die Idee ist weder neu noch besonders originell. Und über die handwerkliche Qualität lässt sich auch streiten.

    Aber auch der Tenor dieses Blogposts ist weder neu noch besonders originell. Und über die handwerkliche Qualität einer Analyse wie “Ihre zentrale Forderung diesbezüglich ist die Freigabe der nichtkommerziellen Vervielfältigung kultureller Werke (Texte, Musik, Videos, etc.)” muss man nicht mal streiten – diese Aussage ist einfach unprofessionell und oberflächlich.

    Piraten-Bashing ist gerade allerorten angesagt. Da braucht man keine eigene Meinung zu zu haben. Da muss man sich auch nicht mit den Themen auseinandersetzen, die die Piraten haben. Dass das größte Thema der Piraten “Teilhabe & Mitbestimmung” heißt, ist am Autoren des Posts vorübergegangen. Aber hey, das ist ja ein Designblog, da muss man sich ja mit Politik nicht so gründlich beschäftigen.

    Das Designtagebuch täte gut daran, bei seinen Leisten zu bleiben und bei Aussagen außerhalb der eigenen Kernkompetenz wenigstens inhaltlich zu recherchieren.

  67. ICH VERSTEHE ZWAR ECHT NICHTS VON POLITIK, ABER NACH MEINEM STUDIUM ALS KOMMUNIKATIONSDESIGNER HABE ICH DOCH NE GEWISSE AHNUNG VON DER WERBUNG.

    ICH FINDE DIESE KAPAGNE GROßARTIG!!!*

    DIE PARATEN WERDEN ENDLICH MAL AUFFÄLLIG.
    KEINER VON UNS SCHAUT MEHR AUF DIE GESICHTER DER POLITIKER DIE UM DIE STRAßENLATERNE GEBUNDEN SIND. UND DIE PIRATEN HABEN ES GESCHAFT DEN WEG ZUM BUS LUSTIG ZU GESTALTEN, DER VORTEIL DES GANZEM IST AUCH EIN GESPRÄCHSTOFF UNTER FREUNDEN, WER WÜRDE DENN NICHT GERN SAGEN WAS ER TOTAL LUSTIGES HEUT MORGEN ENTDECKT HAT?
    DAS FÜHRT ZU DEM GESPRÄCH ÜBER DIE PARTEI, UND VIELLEICHT ENTSCHEIDET SICH DANN JA DER EINE ODER ANDERE DIE PIRATEN ZU WÄHLEN!

    DIESE KAPAGNE HAT 10 VON 10 STERNEN VERDIENT.

  68. @ Christoph (90)

    Das BGE, eine Postwachstums-Wirtschaft, uneingeschränkter lebenslanger Zugang zu Bildung, tranzparente politische Prozesse und neue formen der Bürgerbeteiligung mit Liquid Democracy sind für dich also Inhaltsleer. Interessant.

  69. Naja, da sieht man mal wieder wo die Piraten eigentlich herkommen. Sie sind eben keine Marketingstrategen, sondern eher ein paar Studenten die mal im AstA saßen und vielleicht mal ein paar Flugblätter gestaltet haben (ja ich weiß, dass das jetzt stark verallgemeinert ist). Das ist ja auch das Schöne an ihnen, nämlich dass sie nicht aus der politischen Kaste kommen sondern aus der Durchschnittsbevölkerung. Dass die Probleme damit haben sich zu präsentieren, ist völlig klar. Ich finde, das sollte man ihnen nicht zu übel nehmen.

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