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Petition: Prüfung der Abgabepflicht zur Künstlersozialversicherung durch Rentenversicherung

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Da die Deutsche Rentenversicherung Unternehmen, die freischaffende Künstler und/oder freischaffende lehrende Künstler beschäftigen, nicht ausreichend kontrolliert, entgehen der Künstlersozialkasse (KSK) jährlich rund 40–50 Millionen Euro*, was die Künstlersozialversicherung als solche in Gefahr bringt. Als jemand, der als KSK-Mitglied von der Künstlersozialversicherung profitiert, kann ich die unten aufgeführte Petition nur unterstützen.

Gleichzeitig möchte ich auf Seiten auftraggebender Unternehmen, den Verwertern, dafür werben, die Künstlersozialabgabe zu zahlen, weil diese einen zentralen Beitrag im Leben von derzeit 177.143 bei der KSK versicherten Selbstständigen darstellt und weil die Künstlersozialabgabe zudem insgesamt für eine größtmögliche Vielfalt innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft sorgt. Ohne die Leistungen der Künstlersozialkasse wären tausende Kreative und Publizisten in ihrer Existenz bedroht.

Ich habe soeben, angeregt durch einen Kommentar, die folgende Petition unterzeichnet und lade alle Kreativen, Designer, Künstler und Autoren dazu ein, sich der Petition anzuschließen.

Hier gehts zur Petition:
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_06/_10/Petition_43188.html

* siehe Künstlersozialkasse – Aus Mangel an Kontrolle | journalist.de

126 Kommentare zu “Petition: Prüfung der Abgabepflicht zur Künstlersozialversicherung durch Rentenversicherung

  1. Naja, ich finde die KSK sollte erstmal ihre Strukturen ändern bevor ich hier irgendetwas unterzeichne. Ich finde dieses System mehr als fragwürdig.

    Beispiel: Als ich mich als Webdesigner/Grafiker selbstständig gemacht habe, musste ich, hätte ich Mitglied in der KSK werden wollen, mein Geschäftsfeld so umformulieren, dass es eigentlich nichts mehr mit meiner Tätigkeit zu tun hat. Und selbst dann kann ich nur hoffen aufgenommen zu werden. Ergo: Ich bin kein KSK Mitglied und trage meine Vorsorge zu 100% selbst.

    Gleichzeitig müssen aber meine Auftraggeber KSK-Beitrag zahlen, NUR weil sie eine kreative Leistung in Anspruch nehmen. Unabhängig der Tatsache, ob ich selbst überhaupt Mitglied in der KSK bin. Wie soll man das denn einem Auftraggeber überzeugend vermitteln???

  2. Boris, die zum Teil nicht-nachvollziehbare Struktur – da gebe ich Dir Recht – stellt meines Erachtens nicht das dahinter stehende, und grundsätzlich unterstützenswerte Prinzip der Solidarität und der sozialen Absicherung von Selbstständigen in Abrede.

  3. Ja, eine Petition für klare Strukturen wäre super. Wir haben als GmbH & Co. KG schon hunderte Euro an Steuerberater gezahlt um klare Aussagen zu bekommen was unsere Leistungen angeht. Dürften sich GF oder Angestellte dort versichern, müssen unsere Kunden etwas abführen, etc.
    Die größte Farce ist ja, dass man für angebliche Künstler zahlen muss, die sich definitiv nicht bei der KöSo versichern dürfen. Ein Fotografenteam mit dem wir arbeiten, sind eingetragene Handwerker. Spielt gar keine Rolle – wir müssen zusätzlich KüSo abdrücken. Und wer sich nicht damit beschäftigt, den kanns übel erwischen. Ich kenne eine kleine 3-Mann-Agentur die es um ein Haar nicht überlebt hätte. Dicke 5-stellige Nachforderung…

  4. Ich trage meine Vorsorge ebenfalls selbst und sehe nicht ein meine Kunden zusätzlich mit KSK Abgaben zu belasten. Das Prinzip finde ich fragwürdig.
    Das Prinzip der KSK und der Solidarität finde ich generell ebenfalls schützenswert, sollte aber nur für die gelten, die sich innerhalb des Systems bewegen. Ich sehe absolut, dass es für sehr viele Selbstständige enorm wichtig ist. Wenn ich mich dazu entschließe nicht Teil des Systems zu sein also nicht davon zu profitieren, möchte ich auch nicht dafür belangt werden (bzw meine Kunden).

  5. Warum sollte sich ein Designer nicht wie alle anderen Selbständigen versichern? Was macht ihn besonders? Kommunikation und Werbung zu machen ist nichts, was man mit solch einem Konstrukt wie der KSK fördern sollte.
    Künstler und Kunst zu fördern mag ehrenvoll und gesellschaftlich gewollt sein. Dann sollen es aber auch alle über Steuern zahlen und nicht nur ein kleiner Kreis über die KüSoAbgabe.

  6. Ich finde es auch nicht in Ordnung unsere Kunden mit einer KSK-Abgabe zu belasten, übrigens wissen die meisten Kunden nicht, dass Sie diese Abgaben leisten müssen und das bei Beauftragung einer GmbH die Abgabe entfällt, da kommt es oftmals zu unfreundlichen Anrufen. Ebenso werden doppelt Abgaben fällig wenn ich z.B. einen Fotografen beauftrage für eine Broschüre, muss ich an den Fotografen KSK-Abgaben leisten und mein Kunde muss dann nochmal auf meine Rechnung Abgaben leisten, obwohl zumindest für die Fotos nur eine künstlerische Leistung erbracht wurde. Kunden von Personen die nicht in die KSK aufgenommen wurden und nicht von der KSK profitieren, müssen trotzdem KSK-Abgaben leisten. Alles sehr undurchsichtlich, selbst die Steuerbüros wissen nicht Bescheid. Reform erwünscht.

  7. Ich bin Designer und kein Künstler.

    Das gedachte Prinzip ist gut, aber es sollte wirklich nur den Kunstbereich betreffen. Design, Werbung, etc. sind doch keine Branchen die einer sozialen Förderung bedürfen. Ganz großer Quatsch. Ich möchte mit dem Gedankenkonstrukt „Der ist kreativ und muß deshalb sozial unterstützt werden“ nichts zu tun haben. Wenn man die richtige Haltung hat, kann man genug Geld in diesem Bereich verdienen.

  8. Ich bin KSK-Versicherter. Die KSK ist längst nicht mehr der sichere Existenzhafen für den kleinen Designer o.ä.

    a)
    Ich bin als Mitglied letztes Jahr einer Prüfung unterzogen worden und mir wurde grob fahrlässige und vorsätzliche Fehleinschätzung meines voraussichtlich zu versteuernden Einkommens vorgeworfen – mit Strafandrohung. Mit viel Hin-und-her und immer bis zu 5 Seiten, vollgespickt mit Paragraphen-Kauderwelsch und diversen anderen Drohungen, bei denen einem ganz Angst und Bange wird, hat man sich auf eine Geldbuße von über 1300,- € „geeinigt“, die ich heute noch in Raten abzahle. Geldbuße wohlgemerkt. Mein Geld landet also in irgendeinem Säckel, wie beim Falschparken und ich bekomme die nachgezahlten Beträge nicht meiner Rentenversicherung gutgeschrieben. Wie das Bußgeld letztendlich genau errechnet wurde, blieb unklar. Jede Politesse hat da einen geregelten Katalog zum Nachschlagen. Die KSK macht’s nach Gutdünken.

    b)
    Ich bin schon langjährige Kunden losgeworden, die glaubten, bei Beauftragung einer Design-GmbH würden sie nicht von der KSK belangt werden. Das stimmt so nicht. Ich kann und darf aber über das System keine Rechtsaufklärung leisten und es ist auch nicht mein Job. Wenn die KSK sich wie eine Behörde benimmt (die sie definitiv nicht ist), dann bitte richtig. Aber es wird nur hier und da mal rumgekratzt und die meisten Verwerter haben von einer KSK namentlich noch nie etwas gehört. In manchen Rechnungen wird mittlerweile gewünscht, keine gestalterischen Leistungen mehr anzugeben, sondern irgendetwas Anderes, damit die KSK nicht komme. Ich verkaufe also professionell hergestellte Designer-Brötchen und schreibe auf die Rechnung ein Päckchen Zahnstocher…solange, bis sich dann endlich das Finanzamt meldet und mich als Gewerbetreibenden einstuft…

    Tolles System.

  9. Noch ein Nachtrag…

    Ich kann unmöglich Kunden den Vergütungstarifvertrag vom AGD vorlegen und darauf hinweisen, dass darauf noch die KSK Abgabe kommt. Das ist mehr als lächerlich.

  10. Ich kannte den Politiker, der die Künstlersozialkasse „erfand“ noch persönlich. Eppler.

    Eine Bitte an die Kritiker:
    Bitte nicht nach dem „Alles oder nichts“ in Grund und Boden zerstückeln, denn das Prinzip ist gut. Ohne dieses wären viele Designer in der Armutsfalle (komplette happige Krankenkassenbeiträge bezahlen, später keine Rentenanwartschaften).

    Dass sie es schlecht ausführen, dass es Denkfehler gibt, stattgegeben. Das haben heutzutage fast alle neuzeitigen Regelwerke dieser Bundesbude ähm -regierung in sich. Auch richtig: Diese selbstherrliche bürokratische Art.
    Ich rufe da immer an, wenn mir etwas nicht klar ist, ich bestehe freundlich beharrlich drauf, dass es geklärt wird. Seitenlange Drohbrief-Kommunikation mit Paragrafen bis jetzt Gottseidank noch nicht.

  11. Gruß in die Runde!
    Ich stimme zu – allerdings den Kommentatoren #1 und #4 bis #9 über mir, weil ich diese Aussagen von Kunden und KSK-Mitarbeitern selbst hier niederschreiben könnte. („Wieso Nachzahlung auf Ihre Rechnungen?“ und „Sie können wir nicht aufnehmen, weil Ihr Dienstleistungsangebot nicht passt!“). Kunden zahlen für Leistungen, die ich nicht in Anspruch nehme(n kann)! Mittlerweile ist dieser „Verein“ so verkrustet wie die gute alte GEZ und dieses erkläre ich meinen Kunden auch genau so.

    Auch bin ich der Meinung, wer seine Hausaufgaben zur Berechnung eines notwendigen Stundensatzes macht, kann zu 100% seine Aufwendungen für KV, RV, etc. selbst tragen. Macht der Bäcker am Eck ja auch. Und dessen Waren verwerte ich ja auch weiter, wenn die bei einer Besprechung an meine (potentiellen) Kunden gereicht werden.

    Bevor ich dieses – aus zweifelsfrei guten Absichten stammende System – unterstütze, muss da grundlegend was reformiert und anschließend transparent kommuniziert werden. So wie es jetzt ist geht’s nicht – sorry.

  12. @Vroni: Es geht, zumindest mir, nicht um ein „Alles oder nichts“. Aber das System wird sich auch nicht ändern, wenn man immer nur laut sagt, dass die KSK an und für sich ein gute Sache ist. So lange sich keine Anstrengung erkennen lässt, das Prinzip KSK gerechter zu machen, werde ich es auch nicht unterstützen.

    Es bringt mir – und vielen anderen scheinbar auch – nicht nur gefühlte Nachteile, sondern reele. Da reicht der bloße ehrenwerte Grundgedanke einfach nicht aus.

  13. @Vroni. Das Prinzip ist für die Künstler unseres Landes gut. Das würde ich sogar freiwillig unterstützen. Aber eben nicht für Designer.
    Ich verstehe nicht warum viele Designer in die Armutsfalle tappen. In der unseren „Informationsgesellschaft“ gibt es unübersehbar viel Arbeit. Wer angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten Geld zu verdienen nicht klarkommt, sollte sich definitiv nicht selbstständig machen. Das ist zwar hart, aber fehlendes unternehmerisches Geschick sollte nicht belohnt werden. Dann eben anstellen lassen.

  14. CL
    Das mit dem fehlenden unternehmerischen Geschick als Totschlagsargument:

    Es liegt in der Natur vieler guter Kreativer und auch der Kreation selbst, dass sie sich nicht ganz so gut verkaufen können wie ein Thomas Haffa oder ein Windhurst.

    Wenn man diese Kreativen alle zwingt, ihr Geschäft aufzugeben und stattdessen Gebäudereiniger zu werden. Ist auch o. k.. Von mir aus.

    Doch man tut der Sache nichts Gutes: Übrige werden bleiben vorwiegend die Marktschreier-Kreativen. Und da sind nicht nur gute dabei. Gerade da nicht. Viel Blödsinn, viel Gschrei.

    Zudem zum Mitschreiben, an alle, die dauernd vom Grafiker als Unternehmer blubbern:
    Der Grafiker ist ein Freiberufler und als solcher nie Unternehmer (der ist ganz anders definiert), sondern geht einer Arbeitnehmer-ähnlichen Tätigkeit nach. Host mi. Ist überall nachzulesen.
    Also pidde erst Pildung, dann Herumkrähen, danke.

    Servus!

  15. Ich fände es gut, wenn die KSK nur für »echte« Künstler zuständig wäre. Im Gegenzug sollte dann aber bei sonstigen Selbständigen die Krankenkasse so wie bei Angestellten funktionieren und nur einen Prozentbetrag des Gewinns (!) einfordern. Das dieser dann, aufgrund des fehlenden Arbeitsgebers, 30% statt 15% beträgt, fände ich okay. Was ich aber nicht okay finde, ist, dass ein Selbständiger, und zwar egal in welchem Bereich er selbständig ist, immer mindestens 330 € Krankenkasse zahlen muss, egal ob er Gewinn gemacht hat oder nicht. Und dazu kommt dann natürlich noch die Rentenversicherung. Diese Regelung bricht vielen Menschen schon das finanzielle Genick bevor sie die Chance haben in ihrere Selbständigkeit Gewinn zu machen. Und das das normalerweise nicht ab Tag 1 der Fall ist, sollte eigentlich jedem klar sein.

  16. @ Boris
    Woran machst du das fest:
    „So lange sich keine Anstrengung erkennen lässt, das Prinzip KSK gerechter zu machen.“

    … dass keine Anstrengungen stattfinden?

    Diese Petition wäre eine gewesen. (Vielleicht mal lesen, was drinsteht?)
    Und du lehnst sie aber gerade ab.
    Verstehe das, wer will.

  17. Ich würde auch lieber unterschreiben, dass das Ganze abgeschafft wird.

    Die Rentenversicherung macht schon genug Probleme wegen angeblicher Scheinselbständigkeit. So mussten schon Kunden Sozialabgaben nachzahlen, weil der Freiberufler angeblich scheinselbständig ist. Beim Freiberufler hatten sie aber auch schon Sozialbeiträge kassiert.

  18. @Vroni: Das Kreative von Natur aus sich nicht gut verkaufen können ist klarer blödsinn. Architekten sind auch kreativ, strahlen aber eine ganz andere Haltung aus. Im Bereich der Werbung geht es darum mehr zu verkaufen, den Umsatz zu steigern. Mit gutem Design wollen Unternehmen auch mehr Geld verdienen. Wir als Designer müßten dieses Prinzip gerade gut verstehen. Wer sonst? Ich halte dieses „von Natur aus am liebsten kostenlos“ für romantisches, suizidales Denken – bitte einstellen!!!

    Eines ist doch ganz klar, wenn ich die guten Tarife des AGDs durchsetzen will, dann kann ich die KSK nicht gebrauchen. Das ist total konträr. Aus meiner Sicht steht da für Designer eine Entscheidung an.
    Will ich gut verdienen oder will ich für weniger arbeiten und dafür etwas aus dem Almosentopf bekommen. Beides paßt halt nicht.

  19. Ich habe mich vor Jahren schon mit dem Thema auseinandergesetzt. Die aktuelle Diskussion lässt meinen großen Unmut gegenüber der KSK wieder hochkommen. Ich hoffe sehr, dass diese Petition KEINEN großen Anklang findet. Dieses verkorkste Konstrukt aus den 80ern gehört meiner Meinung nach ersatzlos gestrichen. Gründe hierfür gibt es einige:

    KSK ist wettbewerbsverzerrend:
    Auf Rechnungen von GMBHs entfallen keine KSK-Abgaben, bei GBRs und Einzelfirmen jedoch sehr wohl.

    KSK ist unlogisch:
    GBR 1 berechnet Kreativ-Leistung an GBR 2 > KSK Abgabe ist zu entrichten
    GBR 2 berechnet diese Kreativ-Leistung weiter an Endkunde > KSK Abgabe ist (ERNEUT!) zu entrichten

    KSK ist ungerecht:
    Als Einzelfirma mit Gewerbeanmeldung kommt man nicht in den Genuss einer KSK-Versicherung. Warum sollte also im Gegenzug auf meine Kreativleistung die KSK-Abgabe fällig sein?

    KSK ist kompliziert:
    – 1. wegen dem bürokratischen Aufwand
    – 2. wer legt genau fest, welcher Posten in einer Rechnung nun „kreativ“ ist – auch ein Programmierer muss häufig sehr kreativ in seiner Arbeit sein.

    Sehr interessant und erhellend: http://www.kskontra.de
    Wer sich die Website durchsieht und danach immer noch allen Ernstes die KSK als „ne gute Sache“ ansieht, sollte Politiker werden ;-)

  20. @Vroni
    Naja ganz einfach: Ich habe noch keinen Beitrag irgendwo gelesen, dass im Bezug auf Neuordnung und gerechterer Handhabung irgendwas geplant ist. Du kannst dies aber gerne mit Links dazu ändern.

    Und gelesen habe ich sie. Bei mir kommt aber trotzdem nur an, dass ein Kontrollorgan geschaffen werden soll, welches es bislang nicht gab. Da steht nichts von einer Forderung nach Strukturänderung.

  21. Das einige das System KSK gut finden, weil sie – auf Kosten anderer – persönlich wirtschaftlich davon profitieren, ist nachvollziehbar. Aber die ganze KSK-Konstruktion ist völlig kaputt.

    Typische Konstellation:
    Webdesigner A ist nicht Mitglied bei der KSK und hat null Anspruch auf Leistungen der KSK.
    Webdesigner A erstellt für Unternehmen X eine Website im Wert von 10.000 EUR.
    Unternehmen X darf bei der nächsten Betriebsprüfung durch die Rentenkasse ca. 400 EUR an die KSK nachzahlen, obwohl Webdesigner A weder Mitglied noch anspruchsberechtigt bei der KSK ist.
    KSK sagt: Ein Webdesigner ist definitiv ein Künstler. KSK-Abgabe ist zu bezahlen.
    Finanzamt sagt: Ein Webdesigner ist definitiv KEIN Künstler. Gewerbesteuer ist auch zu bezahlen.

    Das sind unerträgliche Widersprüche.

    Noch ein für mich wichtiger Punkt: Die Künstler treten jetzt mit einer Petition dafür ein, dass beitragspflichtige Unternehmen schärfer (durch die Rentenkasse) geprüft werden. Der Beitragsanteil der Künstler wird dadurch festgelegt, dass die Künstler ihr eigenes Einkommen für das nächste Jahr selbst schätzen. Auf dieses selbst geschätzte Einkommen wird dann der Beitragssatz angewendet. Kontrolliert wird nur wenig und bekannterweise wird da massenweise betrogen (siehe auch Kommentar #9 hier). Lieber Achim, ich vermisse bei Dir und anderen Künstlern eine Petition dafür, dass sie selbst auch stärker kontrolliert werden und der Beitragsbetrug auch auf der Künstlerseite eingedämmt wird. Nur bei den anderen mehr einzufordern, ist moralisch fragwürdig.

  22. @Thomas: »Auf Rechnungen von GMBHs entfallen keine KSK-Abgaben«

    Tatsächlich? Du meinst jetzt wenn die GmbH der Selbständige wäre? Aber kann man überhaupt gleichzeitig in der KSK sein UND eine GmbH haben? Oder verstehe ich Dich gerade falsch?

  23. Auf dieses selbst geschätzte Einkommen wird dann der Beitragssatz angewendet. Kontrolliert wird nur wenig und bekannterweise wird da massenweise betrogen.

    Und der Hauptgrund für diesen Betrug ist meiner Meinung nach, dass die KSK überzahlte Beiträge nicht zurück erstattet. Da ist es ja klar, dass man so niedrig schätzt, wie es irgendwie möglich ist.

  24. @ Pete Köller
    Zum GmbH-Geschäftsführer:

    Wer als solcher nicht in der Lage ist, Fixkosten, Betriebskosten, Strom, Abgaben in seine betriebswirtschaftliche Kalkulation hineinzurechen, ähm, da kann ich jetzt aber auch nicht mehr helfen …

    Zu den Unternehmern, die vollkommen überrascht sich gegen KSK-Abgabeforderungen der KSK geben: Wer unternehmerisch tätig ist oder sich andersweitig auf dem Markt bewegt mit Kauf und Einkauf, hat die Pflicht, sich kundig zu machen, was alles an Abgaben anfällt. Über die GEMA, Gewerbesteuer und ab wann und wie hoch sie fällig ist, weiß man doch auch erstaunlich gut Bescheid.

  25. In der derzeitigen Konstruktion und Konzeption, dass einerseits Leistungen KSK-Abgabepflichtig sind, andererseits die Betroffenen keinen Zutritt zur KSK haben, gehört die KSK abgeschafft. Denn derzeit profitiert eben nur ein kleiner Sumpft auf Kosten aller von dieser Abgabe.

  26. @ Vroni

    Um das Konstrukt der KSK nur annähernd dahingehend zu ändern, dass alle Beteiligten gerecht behandelt werden (sowohl Künstler als auch Verwerter), wäre das Ganze höchstwahrscheinlich nicht mehr rentabel. – Ist es ohnehin jetzt schon nicht mehr…

    Zufriedenstellende (und nötige!) Änderungen der KSK wären:

    – nur auf Rechnungen von KSK-Versicherten fällt die KSK-Abgabe beim Verwerter an
    – es darf kein Unterschied gemacht werden in der Rechtsform (GMBH etc.) des Rechnungstellers
    – „Kunst“ oder „kreative Tätigkeit“ darf nicht mit zweierlei Maß definiert werden (wenns darum geht, versichert zu werden, ist die KSK bekanntermaßen sehr streng – im Gegenteil hierzu, wenn es um die Abgaben des Verwerters geht)
    – um der Kulturförderung im eigentlichen Sinne Rechnung zu tragen: ausschließlich „kreative Werke“, die zu ihrem Selbstzweck (nicht für Marketing etc.) erschaffen wurden, sollten unter die KSK fallen

    Mal angenommen, diese – aus meiner Sicht absolut logischen – Änderungen würden umgesetzt; wie würde die KSK-Landschaft dann aussehen?

    Antwort: sehr mager!
    Ausser, die KSK lässt jeden kleinkreativen Hoidoidl mit oder ohne Gewerbe in die Versicherung, was niemals passieren wird, weil nicht finanzierbar.

    Konsequenz: ganz einfach – abschaffen.

  27. Die KSK ist so überflüssig wie die Handwerkskammer und andere pseudo-sozialistischen Zwangsmitgliedschaften in Deutschland…

  28. Nachtrag:

    Gesetzt den Fall, die Aufnahme in die KSK-Versicherung wäre in allen betroffenen Branchen für alle Rechtsformen PLUS „gerechte“ Definition von „kreativer Tätigkeit“ (vice versa: Versicherung / Verwerter-Abgabe) möglich: ich wäre sofort dafür – nur immer her damit – ich habe freilich nichts gegen eine günstige Versicherung!

    Aber genau dies ist der Pferdefuß bei der Geschichte, weil es sich eben für Vater Staat nicht rechnet. Beispiel:

    – die KSK würde monatlich für meine Versicherung (geschätzt) 200,- € blechen müssen

    – bei momentan 3,9% (richtig?) Abgabe auf meine kreativen Ergüsse bräuchte ich rund 62.000,- € Netto-Gewinn jährlich, damit die KSK die Versicherungskosten durch Verwerter-Abgaben-Erhebung wieder reinholen könnte (vorausgesetzt dieser Gewinn setzt sich NUR AUS KREATIV-ARBEIT zusammen – was natürlich nicht der Fall ist…)

    Nun, wäre jetzt interessant zu wissen, wieviel Prozent freiberuflicher Webdesigner, Redakteure etc. auf soviel Umsatz kommen, damit die KSK nicht ausblutet.

    Gegen-Argument: der ursprüngliche Subventions-Charakter der KSK rechtfertigt auch eine negative Bilanz.

    Soll mir recht sein, solange es nicht auf meine Kosten geht – ODER wenn ich als Kreativer auch davon profitieren kann (oh, ich vergaß: dann bricht ja das System komplett zusammen… ;-)

  29. Ich wette die Petition zur Abschaffung der KSK würde mehr Unterzeichner finden. Hier haben fast alle nur schlechte Erfahrungen damit gemacht. Entweder simpel and stupid nur für Künstler oder eben gar nicht.

  30. @ Pierre

    „Ich wette die Petition zur Abschaffung der KSK würde mehr Unterzeichner finden.“

    Das vermute ich auch.

    Der Kontext ist entscheidend für das zu erwartende Feedback.

    Wenn der Pro-KSK-Petitions-Aufruf auf Seiten, wie z.B.

    http://www.brotlose-musikanten.de
    http://www.kunst-fuer-die-welt.org
    http://www.freies-geschreibsel-online.com
    http://www.kultur-kontra-kommerz.de
    (alles frei erfunden)

    erschienen wäre, gäbe es eine ganz andere Resonanz!

    Auf „designtagebuch.de“ wurde mit Achims Artikel/Aufruf zwar offensichtlich die (rechtlich notgedrungene) Zielgruppe getroffen, jedoch schmerzlich mitten ins Herz: HELP ME! – KILL ME! – *F* YOU!

  31. Hallo allerseits,

    wie meistens reicht es, irgendwo KSK zu erwähnen, schon läuft die Grundsatzdiskussion und 80 Millionen Bundeskanzlerinnen oder Bundestrainer tauchen auf. ;-)

    Ich gehe jetzt nur kurz auf ein paar Fakten ein, die nicht allen bekannt zu sein scheinen:

    (A sagt) Ich fände es gut, wenn die KSK nur für »echte« Künstler zuständig wäre.

    (B sagt „ungerecht“, weil:) Auf Rechnungen von GMBHs entfallen keine KSK-Abgaben, bei GBRs und Einzelfirmen jedoch sehr wohl.

    Dass nur künstlerisch Selbständige versicherungspflichtig sind ist Grundprinzip der KSK. Deswegen sind Arbeitsproben, Rechnungen oder Verlags- oder Galerieverträge einzureichen. Sich Wurstdesigner zu nennen bringt den Fleischer nicht in die KSK. (Eventuell gibt es unterschiedliche Kunstbegriffe bei den Diskussionsteilnehmern?) Und deswegen sind GmbHs und andere „juristische Personen“ nicht Teil des Solidarprinzips, das zwischen Auftraggebern und Künstler/innen im Fall der KSK greift. GmbHs müssen dafür z.B. bilanzieren, bei Freischaffenden reicht normalerweise eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Kapitalgesellschaften und Personen(gesellschaften) werden in ganz vielen Punkten unterschieden und unterscheidbar. Die KSA ist einer von vielen, Haftung, Offenlegung der Bilanzen u.ä. sind andere. Äpfel und Birnen sind beides Obst, werden aber nie dieselbe genormte EU-Banane sein (die Bananen-Norm ist ja auch wieder abgeschafft, wird aber immer wieder gern genommen ;-) ).

    Im Gegenzug sollte dann aber bei sonstigen Selbständigen die Krankenkasse so wie bei Angestellten funktionieren und nur einen Prozentbetrag des Gewinns (!) einfordern.
    (…) Was ich aber nicht okay finde, ist, dass ein Selbständiger, und zwar egal in welchem Bereich er selbständig ist, immer mindestens 330 € Krankenkasse zahlen muss, egal ob er Gewinn gemacht hat oder nicht. Das dieser dann, aufgrund des fehlenden Arbeitsgebers, 30% statt 15% beträgt, fände ich okay.

    Hier geraten die freiwillige gesetzliche Versicherung und die KSK durcheinander: Der KSK-Beitrag hängt vom Gewinn ab. „Dabei kommt es auf den aus seder selbständigen küsntlerischen oder publizistischen Tätigkeit voraussichtlich erzielten Gewinn an.“ (KSK-Broschüre S. 36, 2011). Die Versicherten zahlen rund 18,5% ein (variiert leicht z.B. wenn man Kinder hat), darin enthalten sind rund 9,8%-Punkte für die Rentenversicherung und ca. 7,5%-Punkte für Krankenversicherung plus der etwas variablere Teil des Pflegeversicherungsbeitrags. Also insgesamt jene Hälfte, die bei Arbeitnehmern vom Lohn abgezogen wird.

    Die andere Hälfte wird von Auftraggebern und dem Staat (=allen) getragen. Man kann ja schlecht eine komplette Leistung zum halben Preis abliefern – solche Anfragen von Auftraggebern bringen regelmäßig Designer in Rage ;-)

    Und dazu kommt dann natürlich noch die Rentenversicherung. Diese Regelung bricht vielen Menschen schon das finanzielle Genick bevor sie die Chance haben in ihrere Selbständigkeit Gewinn zu machen. Und das das normalerweise nicht ab Tag 1 der Fall ist, sollte eigentlich jedem klar sein.

    Wie beschrieben ist es einem Missverständnis geschuldet, dass die KSK „mindestens 300 Euro plus Rentenversicherungsbeitrag“ sei. Und die KSK hat eine Sonderregelung für die ersten drei Jahre nach Berufsstart im Programm, damit selbst diejenigen, die da noch nicht den Mindestgewinn von 3.900 Euro im Jahr schaffen, der zur Versicherungspflicht führt, schon abgesichert arbeiten können. Außerdem besteht die KSK-Versicherungspflicht auch fort, wenn bis zu 2 der letzten 6 Jahre unterhalb der 3.900 Euro lagen. Harte Jahre, wie sie zwischen 2009 und 2011 viele trafen, führen also nicht zu Verlust der Krankenversicherung.

    Als Einzelfirma mit Gewerbeanmeldung kommt man nicht in den Genuss einer KSK-Versicherung. Warum sollte also im Gegenzug auf meine Kreativleistung die KSK-Abgabe fällig sein?

    Die Pauschalaussage „Gewerbe bedeutet, nicht versichert werden zu können“ ist nicht korrekt. Wer ein Gewerbe angemeldet hat, wird aufgefordert, das Einkommen aufzuschlüsseln nach den gewerblichen/nicht-künstlerischen Tätigkeiten (Drucksachen verticken, Provisionen kassieren, Coachings und Beratung, Softwareentwicklung, Taxifahren) und den künstlerischen (entwerfen, gestalten, konzipieren). Der nicht-künstlerische Anteil ist begrenzt – womit der Kreis sich schließt – weil die KSK eine Versicherung ist, die nur für freischaffende Künstler/innen und Publizist/innen und ihre spezifische Situation gilt, die sich stark von der von Anwälten, Friseuren und Webentwicklern unterscheidet.

    Randnotiz: Es gibt auch eine Sozialkasse für Bauern, in der zum Beispiel der Anspruch besteht, dass bei Krankheit qualifizierte Erntehelfer einspringen, weil Krankentagegeld da nicht das ist, was der Bauer/die Bäuerin an und für sich in dieser Situation braucht. Vielleicht weitet das den Horizont dahingehend, dass es in unterschiedlichen Branchen unterschiedliche Lösungen und Sozialleistungen gibt.

    An dieser Stelle empfehle ich auch die kostenfrei zu beziehende Broschüre des Bundesarbeitsministeriums „Künstlersozialversicherung“, die in verständlicher Sprache sowohl Fragen auf der Künstler- als auch auf der Verwerterseite behandelt und beantwortet.

    Grundsatzdiskussionen finde ich persönlich immer wieder spannend, hier im designtagebuch wurde auch schon heftig von Kommentierenden gefordert, es solle Mindestpreise oder feste Vergütungen geben, weil Auftraggeber sich ihrer Macht bewusst seien und die Preise drückten und dass die Kreativleistungen doch bitte gefälligst in ihrem Stellenwert für den Kunden und die Gesamtgesellschaft angemessen gewertschätzt werden sollten.

    Ich vermute mal, dass das der Vielfalt der hier Mitlesenden geschuldet ist und nicht jemand auf der einen Seite angemessene Vergütungen und auf der anderen Seite Abschaffung des Solidarprinzips, das die soziale Verantwortung des Auftraggebers berücksichtigt und einfordert, gleichzeitig wünscht ;-) Und selbst wenn, dürfen wir alle ja auch unsere Widersprüche pflegen und hegen, die GEMA-Hinweise auf youtube verfluchen und der VG Bild-Kunst höchstpersönlich den Auftrag erteilen, Weiterverwertungen solcher Natur pauschal zu verkaufen und das Geld unter allen VG-Mitgliedern zu verteilen.

    Eine gute Zeit weiterhin, bei der lebhaften Diskussion. Vielleicht konnte ich dazu beitragen konnte, einige Missverständnisse zu klären. Bestenfalls tut es der Grundsatzdiskussion ja gut, wenn sie bei den Grundsätzen bleben kann und nicht um Details feilscht. Die Grundsatzfrage der KSK, ob die berufliche Alltagssituation freischaffender Künstler/innen und Publizist/innen immer noch eine Mitverantwortung der Auftraggeber begründet, ist meines Wissens zuletzt 2010 beim Landes(?)Sozialgericht in Stuttgart richterlich überprüft worden.

    Friederike

  32. Ich habe die Petition gezeichnet. Ich erkennen zwar viel Wahres an angeführten Kritikpunkten bzgl. der KSK, trotzdem ist diese grundsätzlich eine gute Sache (Die freilich besser geregelt und organisiert gehört).

  33. @ Friederike:
    Vielen Dank für deinen Beitrag, allerdings bleibt danach trotzdem meine Meinung bestehen, dass die KSK grundsätzlich reformiert gehört. Ich bin nicht der Meinung, dass sie abgeschafft werden soll. Im Grundgedanken ist sie je tatsächlich eine gute Sache. Aber die Durchführung ist einfach nur daneben, ungerecht und schlicht nicht zeitgemäß.

  34. Lieber Boris,

    wir sind ähnlicher Meinung: es gibt auch an anderen Details Reformbedarf, als nur der flächendeckenden und regelmäßigen Überprüfung der Verwerter-KSA-Pflicht. Um diesen Punkt geht es zur Zeit bei der Petition, die ja auch nur aufgreift, was die Bundesregierung eigentlich hatte beschließen wollen. Dann aber hatte der Wirtschaftsausschuss – wohl getrieben von der FDP – noch kurz vor Abstimmung diesen einen Passus aus einem ganzen Paket verschiedener Gesetzesergänzungen herausnehmen lassen.

    Mir persönlich wäre zum Beispiel die Möglichkeit für Auftraggeber, schon im Kalenderjahr der Rechnugnsstellung auch die KSA abzuführen, also eine Art „Drive-In-Schalter“ wichtig. Grund: gerade gesellschaftliche wichtige Projekte, die über bestimmte Fördermittel und deren Richtlinien finanziert werden, sehen oft einen „Cut“ am 31.12. vor. Was nicht ausgegeben wurde, muss zurückgegeben werden, Rückstellungen sind nicht möglich. Natürlich wäre ggf. auch eine Anpassung der Förderrichtlinien die womöglich sogar einfachere Lösung. Das müsste mal ordentlich diskutiert werden – und wenn ich die langen Protokolle z.B. des KSK-Beirats sehe, dann weiß ich, dass da auch kein genereller Stillstand herrscht. Vielleicht nicht das Tempo, das sich manche wünschen ;-) – allerdings in beide Richtungen, den einen ist’s zu schnell, den anderen zu langsam.

    Die DRV-Prüfung der KSA wäre ein wichtiger Meilenstein, der einen der schwierigsten Punkte bei der Umsetzung des KSVGs endlich entschärfen würde. Zwar entlastet der Staat mit seinem 20%-Anteil an den Gesamtkosten die zahlenden Verwerter von der Ungerechtigkeit, für die nicht-erfassten Verwerter mit-aufkommen zu müssen. Aber mit einer flächendeckenden Pflichterfüllung wäre größtmögliche Gerechtigkeit binnen 4 Jahren hergestellt. Schwarze Schafe – 3 Euro ins Phrasenschwein – wird’s weiterhin geben, aber keine, die versehentlich die falsche Farbe tragen und auch zu Unrecht als Hinterzieher und Geizgeile diskreditiert werden.

    In diesem Sinne, happy Mittagspause demnächst
    Friederike grüßt

  35. @Friederike: Haben Sie meinen Beitrag wirklich gelesen? Ich verstehe das Prinzip der KSK genau, denn ich war selbst 7 Jahre als selbständiger Webdesigner in der KSK. Ich finde aber, dass die KSK entlastet werden könnte, wenn nur »echte« Künstler drin sein könnten (und das wären ja deutlich weniger). Im Gegenzug habe ich vorgeschlagen, dass andere Selbständige (und darunter dann natürlich auch die jetzt nicht mehr in der KSK befindlichen Designer) Entlastung bei den Krankenkassen-Beiträgen erfahren, und wie Angestellte ihre Beiträge (allerdings natürlich die Doppelten) nur auf ihren tatsächlichen Gewinn zahlen sollen. Denn im Moment wird einfach angenommen, dass sie mindesten 2000 € im Monat verdienen. Und darauf muss man dann 310 € Krankenversicherung zahlen. Diese Ausführung hat aber gar nichts mit der KSK zu tun.

    Allerdings habe ich in meinen obigen Ausführungen tatsächlich einen Fehler. Denn man zahlt natürlich als Selbständiger nicht 30% Krankenkasse, sondern 15,5 %. Als Angestellter zahlt man davon dann in etwa die Hälfte, und zwar 8,2 %. Aber das Prinzip bleibt.

  36. Meiner Meinung nach ist die KSK für viele kleine Firmen und Einzelselbständigen gerade im Webbereich ein kaum kalkulierbares Risiko:

    Das liegt in erster Linie daran, dass die Erhebung der KÜNSTLERSOZIALABGABE von den Leistungen der Nutznießer der KÜNSTLERSOZIALVERSICHERUNG entkoppelt ist. Was dazu führt, dass die KSK versucht, auf der Einnahmenseite für möglichst viele Leistungen abzukassieren, während sie bestrebt ist, auf der Ausgabenseite möglichst wenige Versicherten aufzunehmen.

    Es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass die KSK die Künstlersozialabgabe auf die Rechnungen von Leuten erhebt, die überhaupt nicht über sie versichert sind (und es auch niemals sein könnten).

    Und dass führt zu der paradoxen Situation, dass viele Freiberufler, die nicht in der KSK sind und all ihre Sozialversicherungsbeiträge selbst tragen, plötzlich von Ihren Kunden mit der Rückforderung der unkalkulierten Kosten konfrontiert werden, die diese für Ihre Leistung an die KSK abführen mussten. Im schlimmsten Fall zahlen also die Freiberufler, die absolut nichts von der KSK haben und deshalb eh schon höher Fixkosten haben, auch noch für Ihre dort versicherten Kollegen mit – was IMHO gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstößt.

    Und das ist kein an den Haaren herbeigezogenes Beispiel, sondern in meinem Bekanntenkreis mehrfach so aufgetreten. Freelancer arbeiten eben nicht nur für Agenturen, die vom drohenden Damoklesschwert KSK wissen sollten, sondern auch für Endkunden, die davon noch nie etwas gehört haben und dann versuchen sich an ihren Dienstleistern schadlos zu halten.

    Ich lehne diese Petition daher ab und betrachte die gerade laufende KSA-Nachforderungswelle der Rentenversicherung als existenzielles Risiko für viele Gbrs und Einzelfreelancer an. Die KSK muss, sollte sie weiterbestehen dringend reformiert werden:

    – Abgabe nur auf die Leistungen von KSK-Mitgliedern
    – Einnahme der Abgabe (wie bei der MwSt) direkt über die Rechnungen der Versicherten
    – Umwandlung in eine freiwillige Versicherung

  37. Das perfide an der Situation:

    Wer könnte die bodenlose und wettbewerbsverzerrende Ungerechtigkeit der KSK an die große Glocke hängen und evtl. durch eine breite öffentliche Wahrnehmung den Druck erhöhen, die KSK drastisch zu ändern?

    Richtig: der freie Redakteur! – ein typischer KSK-Profiteur, der sich freilich hüten wird, negativ zu berichten.

  38. @ Martin

    „… sondern auch für Endkunden, die davon noch nie etwas gehört haben und dann versuchen sich an ihren Dienstleistern schadlos zu halten.“

    Ich glaube Ihnen durchaus, dass das so passiert ist und passiert.
    Nur darf man dann auch diesen Endkunden die Frage stellen, weshalb sie sich wegen einer staatlichen Abgabe rückwirkend an ihrem Dienstleister schadlos halten, also das rückvergütet bekommen wollen.

    Da mangelt es bei diesen Endkunden schon gewaltig an Einsicht. Herrje.

    Ich nehme an, es handelt sich vorwiegend um diese 3/3er Kundschaft (1/3 wenig Ahnung vom Gewerk, gepaart mit 2/3 hohem Beratungsaufwand, und 3/3 alles beide gebündelt mit der Absicht, grundsätzlich zu wenig zu zahlen).

    Mit denen hat man eh schon „viel Freude“ und wird man noch viel mehr „KSK-Freude“ haben, aber das ist kein Grund, das der KSK anzukreiden.

    Was ich der KSK ankreide, ist ihre ungenügende Kommunikation darüber, wozu die Abgabe nütze ist und ihre grottenschlechte Öffentlichkeitsarbeit für die Kreativen.

    Aber alles noch kein Grund, diese Petition nicht zu unterzeichnen. Ich habe unterzeichnet.

    [Derzeit entwickelt sich das Aufkommen der Zeichnungen sehr schön, und wenn es so weiter geht, könnte das nötige 50.000-er Quorum geschafft werden. Könnte.]

  39. Lieber Peter Köller,

    da ist sie dann, die Diskussion darüber, was unter Kunst fällt und was nicht. ;-) „Gebrauchsgrafik“, die heute Grafik-, Web- und insgesamt Kommunikationsdesign heißt/beinhaltet, hat sich meines Wissens Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst bewusst von der Kunst (l’Art pour l’Art) abgrenzen wollen (bitte korrigiere mich gerne, wer’s besser weiß, ich hab Architektur und Städtebau studiert…). Meiner Wahrnehmung nach wird die Konsequenz dessen, zum Beispiel im Urheberrecht nicht so schnell / einfach die nötige Schöpfungshöhe für Urheberschutz zu erreichen, wie bei Texten, Fotos, Illustrationen, als Manko und Nachteil bis hin zur Ungerechtigkeit eingestuft und bewertet. Wie sehen Sie es? Konsequent keine Kunst oder konsequent Kunst – und ist die Designdiskussion nicht eine, die am Kern der KSVG-Idee vorbeigeht, denn bei Schauspielern und Schriftstellerinnen, Musikern und Tänzerinnen scheint die Sache ja klarer. Oder Cover-Band-Gitarrist „nein“, aber der klassische Gitarrist (der auch nach Noten spielt, aber älteren) „ja“ oder nur der Jazz-Gitarrist, wenn er ausreichende Virtouosität an den Tag legt – also nicht unter Django Reinhardt?

    Ihr Modellvorschlag, Selbständige zum halben Preis sozialzuversichern fand ich so gewagt, dass ich ihn nicht so verstehen wollte, wie Sie ihn offenbar dann doch gemeint haben. Ich spiele Ihr Modeel kurz durch:

    Eine angestellte Journalistin kostet den Verlag also Lohn plus Arbeitgeberanteil der Sozialbgaben. Sagen wir der Einfachheit halber: 3000 Euro Gehalt, sie zahlt 500 Euro und der Verlag 500 Euro für KV, PV und RV; sie hat dann 2.500 Euro bekommen, der Verlag 3.500 Euro ausgegeben.

    Wenn der Verlag sie als „feste Freie“ beschäftigt und könnte er ihr den Lohn als Vergütung anbieten: 3.000 Ocken, sie zahlt wieder „ihre“ 500 Euro dann an die KSK und hätte dieselbe Absicherung, aber der Verlag spart sich 500 Euro? Wer kommt in Ihrem Beispiel für diese andere Hälfte des Beitrags auf?

    Ich hab es noch nicht ganz verstanden. Das gebe ich gerne zu. Deswegen frage ich nach, bei beiden Themen. Keine Frage ist rethorisch gemeint.

    Herzlich
    Friederike

  40. Natürlich darf die KSA nicht nur dann eingefordert werden, wenn der beauftragte Künstler/Designer über die KSK versichert ist. Denn dann würde den KSK-Versicherten ein unermesslicher Wettbewerbsnachteil entstehen, Kunden würden sie nicht mehr buchen.
    Das ist eben das Solidarprinzip, dass wir auch in der gesetzlichen Krankenkasse haben: es zahlt nicht jeder für sich selber ein sondern alle leisten einen Beitrag zum großen Ganzen.
    Ich kreide es den ganzen Scheissrauchern auch nicht an, dass sie auf meine Kosten erst zigtausende Euro in der Chemotherapie verbraten und dann doch an Krebs sterben.

    Es gibt im Designbereich viele Mischtätigkeiten an der Grenze zur Kunst, die heute eher schlechte Chancen auf eine Festanstellung haben. Als Illustrator oder Redakteur oder Fotograf wird man outgesourced und muss gezwungenermaßen selbstständig arbeiten. Für die Aufwendungen, die sich die Unternehmen damit liebend gerne sparen (monatliches Festgehalt, Urlaubstage, Krankheitstage, Lohnnebenkosten, Weihnachtsgeld, ganz zu schweigen von Kündigungsfristen, Arbeitsrecht und was nicht alles…) und in deren Genuss kein freier Illustrator jemals kommen wird, dürfen sie herzlich gerne wenigstens einen kleinen Teil Abgaben leisten. Ich würde meine Selbstständigkeit auch lieber heute als morgen aufgeben für 3500 netto, 13. Monatsgehalt, Urlaub, betriebliche Altersvorsorge und 35-Stunden-Woche. Aber darauf kann ich warten bis zum Sankt Nimmerleinstag.

    Von daher: mehr prüfen, mehr prüfen! Und wenn irgendwann alle brav zahlen, sinkt der Beitrag sicher ein bißchen.

  41. @ Vroni:

    sehr verklärt, Ihr Blick.

    Ich tippe mal ins Blaue: wenn der Endkunde gut aufgeklärt wäre, würde es die Situation evtl. sogar noch verschlimmern, weil:

    Wenn er von vorneherein weiß (und nicht wie meist erst später als unverhofftes Schmankerl), was auf ihn zukommt, wenn er einen Freien oder eine GBR beauftragt (schicke Formulare, Mehrkosten, ungemütliche Recherche-Arbeit >>> ist der Posten jetzt auch kreativ oder nicht!?), nimmt er vielleicht anstatt dessen die Dienstleistung einer GMBH in Anspruch und lässt die Einzel-Firma links liegen.

    Sollte man das wirklich unterstützen? – Nicht wirklich, gelle!

  42. Das ist kein verklärter Blick,
    und das mit der GmbH weiß ich schon lange.

    Aber ich weiß auch, dass ich höchst unverklärt und knallhart rechnen könnend
    eben gerne auf solche 3/3er Kunden verzichte.

    Verzichten kann.
    Das erspart mir das alles, diese Geizhalserei, diese Uneinsichtigkeit, dass Kreative nicht nur dazu da sind, „schnell mal“ und „vorgestern“ für sie einen kurzen Sommer zu tanzen bzw. im Dreieck zu hüpfen. Sondern finanzielle Wertschätzung und später auch Rente brauchen.
    Oft trifft es sich merkwürdig häufig, dass es gerade sehr un-nachhaltige Firmen und Produkte, die sowieso nichts taugen oder in ihrem Konstrukt ethisch fragwürdig sind. Herrlich, wie sich das alles immer fügt.
    Kurz, ich kann gut auf diese SUV-Fahrer und Plasmafernseherbesitzer-Klientel (dafür haben sie Geld) mitsamt ihrem ganzen sich-das-dann-am-Künstler-abspar-Käs verzichten.
    Sie sollten besser der Marktbereinigung anheimfallen.

  43. @ Thomas Starke

    dann machen Sie bitte eine Petition auf, dass das für GmbHs auch genauso ist.
    Aber erschlagen Sie bitte nicht einen nützlichen Gedanken wegen einer anderen noch nicht ganz ausgereiften Sache.

    Absage an die
    Weil-mir-der-Salat-nicht-schmeckt-hau-ich-das-ganze-Menü-in-den-Abfalleimer-Fraktion.

    Auf der Petitionsseite ist denen der Hahn schon zugedreht worden, wegen nicht themenbezogener und teilweise unsachlicher Postings. Thema ist eindeutig die 4 jährige Kontrolle.

  44. @Vroni:

    Wenn die KSA so normal und vom Kunden vorhersehbar ist, nenn uns doch mal irgendeine andere staatliche Gebühr oder Steuer, die rückwirkend und völlig unabhängig von der Leistung erhoben wird, auf die sie sich bezieht?!

    Wie würdest Du’s denn finden, wenn Du Deine Stromrechnung schon bezahlt und bilanziert hättest und dann mit bis zu zwei Jahren Verspätung Rechnungen über die EEG-Umlage, die KWK-Umlage, die Offshore-Umlage, die Stromsteuer, usw. zahlen müsstest? …wohlgemerkt ohne das Dir vorher irgendjemand etwas dazu gesagt hat. Würdest Du nicht auch aus allen Wolken fallen und Dich tierisch darüber aufregen, dass Dein Stromanbieter Dich nicht vorgewarnt hat?

    Von daher kann ich an dieser Stelle das Kundenbasching auch nicht nachvollziehen: Weshalb und woher soll eine mittelständischer Maschinenbauer, ein Gastronom, ein Anwalt oder Arzt von dieser abstrußen Versorgungsregel aus dem Kreativbereich wissen?

    Und auf der anderen Seite schneide ich mich als Freiberufler, der nicht in der KSK ist, doch selbst ins Bein, wenn ich meinen Kunden (am besten schon vor Auftragserteilung) erzähle, dass es da eine seltsame Institution gibt mit der weder er noch ich etwas zu tun habe, die aber irgendwann auftauchen könnten um 5% auf meine Leistungen zu kassieren.

    Ich fänd es ehrlich gesagt schon ziemlich egoistisch, wenn man als KSK-Mitglied diese Probleme gänzlich ausblenden und/oder sogar noch den eigenen Kunden die auf sie zukommenden Ausgaben verschweigen würde.

    Und wenn man diese Ausgaben eh dem Kunden kommunizieren muss, verstehe ich nicht, warum man sie nicht (genauso wie die MwSt.) über die Rechnung des in der KSK-Versicherten einziehenlässt. Das würde sämtliche Zuordnungsprobleme lösen, die Bürokratie reduzieren und wieder „Waffengleichheit“ mit all denen herstellen, die für Ihre Sozialasugaben komplett selbst gerade stehen müssen.

  45. @Jan-Hendrik

    Wäre mir neu, dass es in der gesetzlichen Krankenkasse Beitragszahler gibt, die selbst kein Anrecht auf Leistungen haben?? Das Solidaritätsprinzip beinhaltet, dass sich jeder daran Teilnehmende im Falle eines Falles auch etwas davon hat. Zahlen ohne irgendeine Chance auf Leistung ist damit nicht vereinbar.

    Außerdem zieht das Solidaritäts-Argument hier schon allein deshalb nicht, weil die KSA sich eben nicht auf Kapitalgesellschaften (wie GmbHs) erstreckt. Die Gelackmeierten sind also einzigen und allein die anderen Freiberufler, die genauso wie die in der KSK Versicherten nicht in den Genuss der ganzen von Dir aufgezählten betrieblichen Leistungen kommen..

    Andersrum wird ein Schuh draus: Die über die KSK Versicherten sparen gegenüber einem nicht in der KSK gesetzlichversicherten Selbständigen den kompletten Arbeitgeberanteil von 9,45% RV + 7,3% KV = 16,75%. Und das ist selbst wenn man die 5% KSA abziehen würde, immer noch ein erheblicher Kostenvorteil!

  46. @ Vroni:

    Hoppala, Blick sogar noch verklärter als gedacht ;-)

    Finde ich sehr kurzsichtig von Ihnen, der Kundschaft den schwarzen Peter zuzuspielen.

    Die wenigsten meiner Kunden sind – zum Glück – von der Sorte, die Sie erwähnt haben. Man weiß meine Arbeit zu schätzen und dementsprechend zu entlohnen.

    Als nicht KSK-Versicherter habe ich höhere laufende Kosten in der PKV und könnte dementsprechend mit meinen Preisen nicht so sehr dumpen wie ein KSK-Versicherter im Vergleich (abgesehen davon will und mache ich kein Preisdumping).

    Das ist neben der GMBH-Geschichte ein weiterer wettbewerbsverzerrender Aspekt. Wenn Sie das alles schon wissen, wundert mich umso mehr, dass Sie so lauthals pro KSK sind. Verbuchen Sie meinetwegen meine strikte kontra KSK-Haltung als blanken Neid: Warum sollten anderen diese Vergünstigungen vergönnt sein, wenn ich selbst nicht davon profitieren kann und meine Kundschaft noch draufzahlt?

    (wie ich gelernt habe: auch Gewerbetreibende können in die KSK – danke @ Friederike) Trotzdem brauche ich mit Arbeitsproben komplett below the line – Schweinebauch – Werbemittel – etc. gar nicht erst bei der KSK aufkreuzen. Zudem ist der Kreativ-Anteil zu gering. Ich vermute, das geht den allermeisten auch so – ist eben doch ne Menge Reinzeichnung, Retuschearbeit etc. im Spiel – aber natürlich nicht nur…

    Um dem Treiben nicht hilflos ausgeliefert zu sein, kann man sich schließlich auch gut selbst helfen: Natürlich nur nach vorheriger Absprache mit dem Kunden bzw. auf dessen Wunsch hin könnte man seiner Kreativität bei der Rechnungstellung freien Lauf lassen. Dann taucht eben ausschließlich Reinzeichnung auf oder Programming oder was auch immer.

    So einfach ist das – ich wollte das Kind nur mal beim Namen nennen. Bin mir sicher, dass wird seeeeehr oft genau so praktiziert (würde ich selbst natürlich niemals nie nicht).

    Nun, es gibt einige triftige Gründe kontra (siehe Kommentare oben zur Genüge).

    Der einzige Grund PRO geht in die Richtung „wir haben uns alle lieb“ Solidarität.

    Solidarität sieht für mein Empfinden anders aus und geht nicht so dermaßen ungerecht auf die Kosten vieler.

    Den Kino-Eintritt hab ich (bzw. meine Kunden) bezahlt, den Film darf ich leider nicht gucken.

    Hallo! Aufwachen! Wosimmerdennhier? Blickwinkel bitte scharfstellen!

  47. Es hat doch keinen allzugroßen Sinn, herumzurabulisieren und anderen Leuten Persönlichkeitseigenschaften anzudichten, die sie einfach nicht haben. Finden Sie nicht auch?
    Anscheinend ein Standard bei Eiferern.
    Nicht dass Godwins Law …

    Die Petition wird es schaffen.
    Ich muss jetzt an den See.
    125000 Mücken gefällt das.

  48. “ Weshalb und woher soll eine mittelständischer Maschinenbauer, ein Gastronom, ein Anwalt oder Arzt von dieser abstrußen Versorgungsregel aus dem Kreativbereich wissen?“

    Ich wiederhol mich einfach nur:
    Sie können wissen. Die meisten sind bei einem Steuerberater und der weiß. Wenn der nicht gewusst hat: feuern. Der war dann zu teuer für das was er kann. Es gibt genug andere.

    Über Gewerbesteuer und jeden anderen Abschreibungs- und Nichtabschreibungs-Klickerkram weiß diese Klientel aber auch ohne Steuerberater oft staunenswert viel Bescheid. Das eine.
    Und: Als Unternehmer/ e.K. muss man Abgaben- und Steuerdinge einfach wissen und nicht überrascht tun. Sonst Job verfehlt, dann besser angestellt bleiben.

  49. Mich beschleicht die Vermutung, dass gerade die, die hier mit „muss man halt einkalkulieren“ die Probleme anderer wegwischen, selbst am lautesten schreien würden, wenn sie von so einer Abgabe überrascht würden und es plötzlich um ihr Geld ginge…

    Man kann nun mal nicht alles wissen. Und gerade dieses Thema, das mit Steuern übrigens wenig zu tun hat, dürfte außerhalb der Kreativszene auch unter Steuerberatern weitgehend unbekannt gewesen sein, bevor die Rentenversicherung anfing die KSA konsequent einzutreiben. Ein System das so auf Intransparenz ausgelegt ist wie die KSK und an seinen Ränden zu solch eklatanten Problemen führt gehört einfach reformiert. Rechtssicherheit und der Gleichheitsgrundsatz sind nunmal hohe Güter, die auch in unserer Branche gelten sollten.

    Wenn wir alle so erwachsen und unternehmerisch abgebrüht sind, dürfte es ja für die KSK-Versicherten kein Problem sein in Zukunft neben der Mehrwersteuer einfach noch die KSA auf ihre Rechnung zu schreiben, oder?

  50. „selbst am lautesten schreien würden, wenn sie von so einer Abgabe überrascht würden und es plötzlich um ihr Geld ginge…“

    Unsinn, der, großer.
    Hab schon Abgaben geleistet (habe Illustrator eingekauft)
    Für Künstler tu ich das gerne.
    Sollte jeder gerne tun, versteh das Geschrei wirklich nicht.

  51. „Wenn wir alle so erwachsen und unternehmerisch abgebrüht sind, dürfte es ja für die KSK-Versicherten kein Problem sein in Zukunft neben der Mehrwersteuer einfach noch die KSA auf ihre Rechnung zu schreiben, oder?“

    Hier kapiert mal wieder einer nicht, dass freiberufliche Künstler eine arbeitnehmerähnliche Situation haben und gerechterweise ebenso wie Arbeitnehmer für die Rente herangezogen werden: Hälfte eigener Anteil, Hälfte Arbeitgeber-Anteil
    In diesem Fall sind die Arbeitgeber die Unternehmer, die den Künstler (meist zu Billigpreisen) „nutzen“!.

    So einfach ist das.

    Ein Künstler IST kein Unternehmer, eat it endlich!
    Ein Künstler verkauft wie ein Arbeitnehmer seine Arbeitszeit – ein Unternehmer verkauft das, was eingestellte und zugekaufte Externe für ihn er-arbeiten (Produkte, Diensleistungen). Muss echt schwer sein. Noch mehr Nachhilfe?

  52. Bitte was?

    Also die freiberuflichen Designer die ich kenne sind Unternehmer, schreiben Angebote und Rechnungen, betreiben Akquise, arbeiten nach Werkverträgen und treffen unternehmerische Entscheidungen. Wenn sie das nämlich nicht täten, würden sie am Markt keine zwei Jahre überleben.

    Ich kann da keinen nennenswerten Unterschied zu Architekten, Notaren oder Unternehmensberatern erkennen.

    Das was Du da beschreibst sind Scheinselbstständige.
    Wer nicht bereit ist eigenverantwortlich zu handeln, seine Kosten den Kunden gegenüber zu vertreten und in Rechnung zu stellen, sollte sich anstellen lassen – für den ist das mit der Selbstständigleit nichts und „Nachhilfe“ darin erteilen sollte er auch nicht ;)

  53. @Frederike:

    Ihr Modellvorschlag, Selbständige zum halben Preis sozialzuversichern fand ich so gewagt

    Wo in aller Welt habe ich das vorgeschlagen? Ich habe nur gesagt, und sage es gerne noch mal, dass Selbständige prozentual auf ihren Gewinn (!) Krankenkassenbeiträge entrichten sollen, so wie das bei Angestellten auch der Fall ist. Nur wird anstelle davon von den Krankenkassen generell festgesetzt, dass Selbständige von Tag 1 an 2000 € verdienen und diese müssen in Folge daraus 310 € Krankenkassenbeitrag zahlen. Was ich fairer fände, wären 15,5% auf den tatsächlichen Gewinn, den sie erwirtschaften. Damit sie das Geld auch haben, um es zu zahlen. Das ist alles, was ich meinte, nicht mehr, nicht weniger.

  54. @ Martin

    Bitte sich informieren. Wer Aufträge akquiriert, ist noch lange deswegen ein Unternehmer.
    Auch Architekten sind in der Regel Freiberufler, keine Unternehmer.

    Scheinselbständigkeit ist nochmal etwas anderes (ausschließlich für einen arbeiten).

    Das blanke Unwissen ist hier und es ist müßig, hier noch was zu posten.

    Kein Wunder, dass die Kreativbranche nichts gebacken kriegt, hat man doch den Eindruck, einige müssten noch in die Klippschule.

  55. Dieses tolle Gutachten, angeblich verfassungswidrig:
    Der Herr Arndt ist bei der INSM. Neoliberales Lobbyisten-Gedöns.
    Keine weiteren Fragen.

  56. @ Vroni:

    Ich mag Ihre plakative Argumentation. Allerdings mag ich nicht Ihre Ignoranz bezgl. der KSK-Benachteiligten.
    Bisher habe ich von Ihnen nur recht kräftige Aussagen lesen dürfen, die sich lediglich um eine heile KSK-Versicherten-Welt drehen. Wer sich nicht mitdrehen will, ist in Ihren Augen offensichtlich von Grund auf schon mal bitterböse und total unsolidarisch.

    Ich vermisse eine ehrliche Stellungnahme zu essentiellen Details.

    Nehmen Sie doch bitte einmal konkret Stellung zum allerwichtigsten und vielfach geforderten Aspekt bei der ganzen Diskussion:

    KSA nur auf Rechnungen von KSK-Versicherten!

    Wenn Sie jetzt antworten: „Ja, das will ich – das ist nur gerecht!“ würden Sie mich sehr positiv überraschen. Ich halte es aber für eher unwahrscheinlich, weil Sie (und ich und vermutlich jeder hier) weiß, dass dann das komplette KSK-System zusammenbrechen und unter seiner Bürokratie ersticken würde.

  57. Das ist doch alles Blödsinn, auch das mit der heile-Welt-Arroganz, gehts noch.

    Ich weiß nicht, manche sind wohl nicht lesekompetent, habe sehr wohl gesagt, dass einiges verbesserungsfähig ist. Buchstabenblind?

    Und jetzt bitte an alle Kind-mit-dem-Bade-Ausschütter:
    Ich kann auch noch einen Gang raufschalten, habe nur keine Lust zu. Denn es lohnt nicht:
    Diese Petition läuft wie geschnitten Brot.

    *siegergrinsen*

  58. @Vroni: Vielleicht solltest Du Dich selbst mal damit auseindersetzen, was man in Deutschland unter einem „Unternehmer“ versteht, bevor Du hier weitere Unwahrheiten in den Raum stellst, um eine ziemlich rücksichtslose Poisition zu rechtfertigen. Und dieser überhebliche Ton ist hier alles andere als angebracht.

  59. @Peter Köller

    Nun hab ich Ihren Vorschlag (glaube ich ;-) ) verstanden: das KSK-Beitragsbemessungsprinzip „prozentual vom Gewinn“ für alle freiwillig gesetzlich versicherten Selbständigen, nicht nur die Kreativen, richtig? Und als Unterschied zur KSK sahlen Nicht-Künstler (wie gehabt) den vollen Beitrag selbst, korrekt?

    Dazu dann eine Kunstbegriffsdiskussion, weil Sie offenbar Designer (und andere?) nicht so sehr zu den Künstlern zählen.

    Danke für die geduldige Erklärung :-) Und ich fand die Mindestbeiträge der freiwilligen Gesetzlichen bei meinem Berufsstart auch sehr belastend bei noch unregelmäßigem Geldfluss. Insofern +1 dafür von mir (alternativ: Senken des Mindestbeitrags in den ersten 3 Jahren o.ä.). Bei der Grundsatzdiskussion des Künstlers bin ich aber erstmal raus, als Ingenieurin, deren Berufsstand für sich Urheberrechte und künstlerische Qualitäten in Anspruch nimmt und das sehr gut mit Technik-Knowhow und Management-Aufgaben in Einklang bringt, statt es als entweder-oder zu definieren (dogmatisieren?).

    Internette Grüße
    Friederike

  60. Dank eurer Beiträge hier (insbesondere Vroni und Thomas), kann ich nun meinen Unmut über die KSK (wie sie momentan „wuchert“) noch besser beim Kunden „verkaufen“. Leider! Denn ich hätte gerne glasklare PROargumente mitgenommen außer „Soll_eigentlich_solidarisch_sein“.
    Es gibt einfach keine PRO, die ich den Kunden nennen werde, ohne dass diese zu Wutkunden werden. Grund: Ich komme bei der KSK nicht rein. Der Rest wurde oben vortrefflich dargelegt.

    Thomas, ausgezeichnet argumentiert!

    Schönes WE allerseits!

  61. @Vroni und andere Pro-Petitions-Unterzeichner

    Es geht ganz einfach darum soviel zu verdienen, dass man gut – und auch in ferner Zukunft gut – leben kann. Wenn sich alle an den Tarifvertrag des AGD halten, ist das jetzt sehr realistisch und gut möglich. Diesen kann ich aber nicht durchsetzen, wenn der Kunde von der KSK zur Kasse gebeten wird. Der sagt dann logischerweise: „Leute geht’s noch, ich soll für ein Logo bei mittlerer Nutzung (1,5) mit einem Arbeitseinsatz von 20 Stunden 3.900 € bezahlen und zusätzlich eure Rente mitfinanzieren?“

    Was soll ich dann sagen? Wer in der Stunde 195,00 € und deutlich mehr verdienen kann (maximaler Nutzungsfaktor ist 6,0 !!!), bedarf keiner weiteren Unterstützung. Definitiv nicht!!! Nicht, wenn die Gestaltung als Design verkauft wird. Deshalb: Design hat in der KSK nichts zu suchen.

    Diese Petition schadet uns allen. Ich vermisse auch eine Antwort vom AGD.

  62. Ich bin KSK-Nutznießer, habe ein sehr bescheidenes Auskommen, behaupte von mir dass meine Arbeit durchaus viele Schnittstellen mit einem (wie auch immer umschriebenen) Kunstbegriff hat und ich mich darum auch in der KSK rechtmäßig aufgehoben fühle. Meine Arbeit (die in außerordentlich vielen Fällen) auch nur symbolisch bezahlt wird und eher einem Ehrenamt zugeordnet werden könnte, wäre finanziell für mich und meine Familie wahrscheinlich nicht tragbar wenn ich nicht diese Konditionen bei den verschiedenen Versicherungen hätte. Ich glaube auch, dass meine Arbeit gut und wichtig ist und sich die eine oder andere Schule/Verein etc. nicht angemessen präsentieren könnte, wenn ich nicht am Markt wäre. Deren Arbeit halte ich aber zum Teil für so wichtig, dass ich an der Stelle aber gerne Unterstützung mit meinen Fähigkeiten gebe.

    Das kann ich in der Form nur mit Hilfe der KSK-Regelung machen. Sonst würde ich eben Pizzaflyer und Imagefiguren für Kleinstädte entwickeln, da ist für mich persönlich der kreative, kulturelle und ästhetische Mehrwert aber oft so gering, dass ich mir mittelfristig doch eher etwas zum Geldverdienen suchen würde als „Gebrauchsgrafik“.

    Die Trennung, und da beziehe ich mich jetzt auf den Vorredner CL, von Kunst und Grafik macht aus meiner Sicht jedenfalls keinen Sinn, da die beiden Bereiche für mich einfach zu viele Überschneidungen haben. Auch lässt sich die Trennung auch schwerlich nur über die Einkünfte vornehmen, denn man hört ja doch dann und wann von gut verdienenden Künstlern dieser Tage. Sind ja nicht durchweg alle der arme Poet http://de.wikipedia.org/wiki/Der_arme_Poet

    Reform, ja bestimmt, wie wüsste ich nicht (habe die Petition auch noch nicht angeschaut), aber die grundsätzliche Ausnahme von Grafikern, wie CL das wünschte, hielte ich für einen schweren Fehler, da sich Kommunikationsdesign in den letzten 15–20 Jahren doch teilweise sehr deutlich von der reinen Gebrauchsgrafik wegentwickelt hat. Man schaue sich nur einmal ein wenig um …

  63. @gernleser

    „Meine Arbeit (die in außerordentlich vielen Fällen) auch nur symbolisch bezahlt wird und eher einem Ehrenamt zugeordnet werden könnte“

    Wir unterstützen in der Agentur viele Kunstprojekte, (durch Bücher, Plakate, etc), Musikvereine, Musikschulen, und so weiter…. Aber das geht nur, wenn diese in einem gesunden Verhältnis zu Projekten aus der Industrie stehen. Wenn ich alles oder den Großteil ehrenamtlich mache, kann ich mir das Ehrenamt nicht leisten.

  64. @gernleser

    Noch einen Gedanken zur Differenzierung von Kunst & Design. Die deutsche Industrie ist in sehr vielen Bereichen Weltmarktführer. Wir schmücken uns als Exportweltmeister (..oder Vize). Da gehen große Summen durch die Wirtschaftskanäle. Als Designer kann ich meinen Anteil daran geltend machen, als Künstler nicht. Es ist doch bei einer angewandten Arbeit im Sinne eines Designs viel cleverer sich als Designer und nicht als Künstler zu positionieren. Schau mal in den Tarifvertrag des AGD, damit können wir wunderbar partizipieren.

  65. Natürlich ist es wichtig und richtig, das wir als Gesellschaft den Kunst- und Kulturbereich fördern und unterstützen und auch für die dort arbeitetend Künstler, die häufig wirklich unter prekären Bedingungen arbeiten, sorgen sollten.

    Aber zum einen darf so eine Unterstützung nicht Preisdumpig durch die Kunst- und Kulturverwerter subvensionieren und zum anderen ist muss diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe auch von der gesamten Gesellschaft finanziert werden sollte.

    Es ist einfach nicht fair, dass für diese Kosten vor allem auf die Design- und Medienbranche den Kopf hinhalten soll, die zwar ein verwandter aber gänzlich anders strukturierter Wirtschaftszweig ist. Und machen wir uns doch nichts vor: Der wesentliche Grund, warum Designer von der KSK überhaupt zu Künstlern erklärt werden, ist, dass man bei denen regelmäßigere und höhere Einnahmen abzuschöpfen kann als im echten Kunstbereich. Im Endeffekt subventioniert hier die angewandte Kunst also die freie. Und das ist angesichts der auch in unserer Branche nicht gerade üppigen Vergütungen kaum mit dem Gleichheitsgrundsatz vereinbar.

    Ich denke, man kann ganz gut zwischen Design und Kunst unterscheiden (Stichwort: Interesseloses Wohlgefallen). Als Kommunikationsdesigner ist dieser Unterschied mit das erste was man im Studium lernt. Natürlich sind die beiden Bereiche verwandt und ich kenne viele, die sowohl als Designer als auch als Künstler tätig sind. Meistens achten die jedoch darauf diese beiden Tätigkeitsfelder sauber zu trennen, weil die Tätigkeit im Designbereich dem Renommee im Kunstbereich nicht unbedingt zuträglich ist. Warum soll das auf der Abrechnungsseite nicht auch möglich sein?!

    Designer sind Dienstleister und sollte von seinem Einnahmen leben und ihre Sozialversicherungsbeiträge bezahlen können. Wenn das nicht der Fall ist, wird es Zeit diese Einnahmen neuzuverhandeln. Es gibt nämlich keinen Grund weshalb wir als Gesellschaft irgendwelchen Firmen ihre Erscheinungsbilder subventionieren sollten. Zumal eine solche Subvention den Markt auch für all jene verdirbt, die davon nicht profitieren wollen oder können.

  66. nun, Schulen und zahlreiche Vereine sind eben nicht „irgendwelche Firmen“, deren „Markt“ ist eben nicht deckungsgleich mit dem dieser Firmen, der entsprechend auch nicht verdorben wird.
    Ob Künstler sich aus „Markenpflege“ nicht mit Design in Verbindung bringen lassen wollen oder nicht, ist gar nicht entscheidend für die Arbeit von Designern mit, ich nenne es mal, künstlerischer Ausprägung – das ist deren Entscheidung, sagt aber nichts über die Arbeit von manchem Designer aus.

    Ein bisschen vom Thema weg: interesseloses Wohlgefallen bringe ich mit Kunst doch recht wenig überein, klingt wie: braucht keiner – aber solange es niemanden stört …

  67. @ Martin
    Danke, für den letzten langen Eintrag, den ich sehr gut finde.
    So kommen wir der Sache schon näher.

    Ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft ist es allemal, wenn sie ihre Künstler (ich meine jetzt nicht Designer), nicht unterstützt. Dass die Designer die Künstler subventionieren, stört mich gar nicht. Ich bin als Designer sogar stolz darauf.

  68. @ CL

    “ Ich vermisse auch eine Antwort vom AGD.“

    Von den Brüdern habe ich mich innerlich schon lange verabschiedet. War mal drin.
    Grund: aristokratisches Gehabe, Realitätsfremdheit.

    Der BDG erscheint mir etwas fitter. Man hört von dem aber auch nichts. Vielleicht muss er sich erst von seinem letzten Gehaltsreport erholen. :-)
    (Jaja, ich weiß, sie arbeiten alle ehrenamtlich und da darf man keine Mordsforderungen stellen …)

  69. @gernleser
    „nun, Schulen und zahlreiche Vereine sind eben nicht “irgendwelche Firmen”, deren “Markt” ist eben nicht deckungsgleich mit dem dieser Firmen, der entsprechend auch nicht verdorben wird.“

    Und was möchtest du uns damit sagen? Ist deine Aussage, dass Geld grundsätzlich verdirbt? Ist dir Geld unheimlich?
    Wie gesagt, Ehrenarbeit muß man sich leisten können. Ich finde es klasse, dass du Schulen & Kultureinrichtungen unterstützt und da Zeit investierst. Aber wenn du dann wiederum selbst Unterstützung brauchst, hat doch keiner was davon!? Da wird das Defizit doch nur verschoben. >

  70. Die Schulen haben etwas davon -> die Einwohner haben etwas davon -> die Stadt hat etwas davon …

    mmh, ja geld umheimlich, klingt nach einem ernsthaftem gespräch. gut!
    Das verderben bezog sich auf Martins letzten Satz.

  71. @ Axel
    Der „Unmut“ dieser Kunden:
    Um welchen Betrag geht es denn wirklich.

    Bei einer Logoentwicklung, die sich normalerweise aufgliedert in reine Entwurfsarbeit (1.) und technische Umsetzungsarbeit, dürfte sich das doch sehr in Grenzen halten.
    Auch wenn der Designer das alles in einen Betrag zusammenklöppelt, sind die 5 % lächerlich.

    Ein herumjammernder Zahnarzt wegen seinem Lögelchen: KSA, das sind um die 10 EURO.
    Mehr als 200 EURO geben doch diese Kaufleute im weißen Kittel nicht aus …
    :-)

    Einen Prospekt kann man aufteilen in Entwurfsvergütung und technische Umsetzung. Sollte man eh (verschiedene Mehrwertsteuer) .
    Bei fast allen Gewerken geht das. Die KSA-Beträge sind MINIMAL!! Da kostet deren SUV-Sprit am Tag mehr.

    Und wenn einer dahergeklappert kommt, er geht deswegen zu einer GmbH: nur zu. :-)
    Wenn sie was taugt, sind deren Rechnungen aber um einiges höher als die des Einzelkämpfers.

    Also dieses Zahnarzt/Fitnessstudio/B2B-Jammerklientel: Auf gehts! Zur GmbH.
    Ich mag Jammerkunden eh nicht. Meist eh 3/3er-Kunden. Allen ist gedient.

    Aber bitte, jammern Sie mit Ihren Kunden mit.
    Etwas mehr Haltung und etwas weniger Jammer hätten mir persönlich zwar besser gefallen, aber man kann nicht alles haben.

  72. @ Chris Rosmanitz
    Stattgegeben.

    Zu Friederike

    Dann bitte Transparenz
    Wer in seiner Eigenschaft als Mitglied eines Verbands spricht und nicht persönlich privat, möge das doch bitte journalistisch in einer Disclosure kennzeichnen, danke.

    [Jetzt weiß ich halt nicht, als was Sie hier gesprochen haben: privat oder als Verbandsmitglied. Ich denke, ein Link auf deren Website reicht nicht. Erfahrungsgemäß verlinken einige Poster auf irgendwas, das muss nichts heißen. Ich könnte z.B. auch auf eine Verbandssite verlinken, IHK, harhar, der muss ich noch lange nicht angehören.]

  73. @vroni:

    §25 Abs. 2 KSVG besagt zur Bemessungsgrundlage: „Entgelt [für künstlerische oder publizistische Werke oder Leistungen, Anm.] im Sinne des Absatzes 1 ist alles, was der zur Abgabe Verpflichtete aufwendet, um das Werk oder die Leistung zu erhalten oder zu nutzen, abzüglich der in einer Rechnung oder Gutschrift gesondert ausgewiesenen Umsatzsteuer. …“

    Dem Wortlaut nach kann Dein Kunde hinterher noch auf den Druck des Prospekts die KSA zahlen. Von wegen Leistungen aufteilen …

  74. Vroni, es ist aber doch so, dass Kunden nicht zwingend nur einen Dienstleister aus unserer Branche haben (+ mögl. Doppelverwertung) und dann kommt deutlich mehr als Ihre genannte „Tankfüllung für SUV“ zusammen.

    Und, ich bewahre durchaus Haltung, nur nicht auf Ihrer Seite ;-) Denn eins bleibt für mich bestehen: Das Verfahren, so wie es momentan ist, ist einfach nicht fair und absolut undurchsichtig. Wie oben beschrieben, mir fehlen wirklich klare PROargumente. Da hilft (mir) auch Ihre Kundenkritik nicht weiter! Meine Kunden, egal ob A-, B-, oder C-Kunde, werden von mir bestmöglich Beraten und das ziehe ich bei diesem leidigen KSK-Thema auch durch – Kommunikation eben.

  75. @ Axel
    Dann mögen sich diese Kunden doch bitte statt bei Einzelkämpfern bei einer GmbH bedienen. Sparns die 5%. :-)
    Und dann schau mer preislich mal. Wie Beckenbauer immer schön zu sagen pflegte :-)

    Meinereiner hält daher das Gejammer dieser Kunden für ziemlich übertrieben.
    Von meiner Oma habe ich gelernt: Klappern gehört zum Handwerk. Und: Die Reichen jammern am meisten.

    Oma war eine sehr kluge Frau.

  76. @ Lukas
    Ach, die Druckerei-Kosten generieren jetzt auch KSA-Abgaben?
    Jetzt wirds kryptisch.

    -/-

    Schleichts euch ihr Abschaffer, ich hab jetzt Wochenend und bin am See.
    fb-likes:
    121.00 Mücken gefällt das.

  77. +1 zu Lukas: Die KSA wird eben leider nicht nur auf die kreative Kernleistung erhoben, sondern auch auf die damit zusammenhängende Nebenleistungen. Die KSK selbst schreibt dazu:

    „Die Künstlersozialabgabe ist auf alle Entgelte ( z. B. Gagen, Honorare, Tantiemen ) zu zahlen, die an selbständige Künstler oder Publizisten gezahlt werden. Dazu gehören auch alle Nebenkosten, z. B. Telefon- und Materialkosten.“

    Und ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass das Verhältnis von Haupt- zu Nebenleistung geradezu absurde Züge annehmen kann: Ein befreundeter Programmierer hatte vor etlichen Jahren für einen mittelständischen Kunden eine Website entworfen und umgesetzt. Nachdem er diese über Jahre technisch und inhaltlich betreut hatte, trat plötzlich die KSK auf den Plan, identifizierte den damaligen Entwurf als Kreativleistung und wollte für alle seither für diese Website angefallenen Kosten (ein 5stelliger Betrag) die KSA kasieren. Sowas nimmt man dann nicht mehr ganz so gelassen hin. Wenn ich mich richtig erinnere, ist der Kunde damals sogar vor Gericht gezogen.

    @Vroni: Für jemanden, der die KSK mit gefletschten Zähnen verteidigt, bist Du erstaunlich schlecht über sie informiert?! Ich würde Dich bitten, einfach mal zu googlen, bevor Du die nächste Behauptung vom Schlag „Designer sind keine Unternehmer“ oder „Man zahlt doch eh nur für den Kreativanteil“ hier einstellst.

    @gernleser: „Interesseloses Wohlgefallen“ ist ein Zitat aus Kants Kritik der Urteilskraft – einem Werk, dass (so hat man es uns im Designstudium vermittelt) auch heute noch das Fundament für die philosphische Beschäftigung mit Kunst und Ästhetik ist. Und meiner Meinung nach beschreibt es sehr gut der Unterschied zwischen Kunst und Design. Während letzteres immer einen Zweck (z.B. ein Kommunikationsziel) verfolgt, besteht die Kunst allein um ihrer Selbst willen. Ihre Erschaffung und Wahrnehmen ist also (idealisiert betracht) nicht von irgendeinem anderen Interesse geleitet.

  78. Viele gute Kommentare wurden hier abgegeben! Denn die KSK-Abgabe ist in der jetzigen Form und Auslegung einfach realitätsfern, unpraktisch und ungerecht.

  79. Manch Kommentar hier zeigt ein doch eher merkwürdiges Verständnis von Solidarität. Fast schon durchgängiger Tenor ist: „Solidarität ist, wenn ich aus einem System mindestens das wieder herausziehen kann, was ich auch investiert habe.“ Solidarität ist aber eben, daß diejenigen, die etwas mehr Glück im Leben (gehabt) haben (und „Glück“ ist in dem Zusammenhang u. a. auch, wenn ich so gestrickt bin, daß ich unter den gerade herrschenden Verhältnissen mich gut arrangieren kann) daß diejenigen eben herangezogen werden, einen -eh kaum merkbaren- Anteil zu leisten um einen gesellschaftlichen Ausgleich zu schaffen zu Gunsten derer, die eben weniger Glück im Leben (gehabt) haben.
    Jetzt da aber die Menschen auseinanderzudividieren in „Kreative“, „Bauern“ oder weißderKuckuck was ist im Endeffekt Vergeudung von Ressourcen. Eine Gesellschaft hat sch so zu organisieren, daß sie jenseits von solcherlei Schubladierungen jedem ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht. Kkleinkarierte Rumdoktorei in branchenspezifischen Insellösungen gebiert dann eben noch kleinkariertere Reaktionen die dann auch darin münden, daß mancher sein Geschäftsmodell gefährdet sieht, weil seine Kunden einen ihre Lebensqualität nicht tangierenden Beitrag zu einem Versuch leisten müßten, der da einen gesellschaftlichen Ausgleich eben schaffen möcht.
    Für mich ist die KSK aber eben auch deshalb ein Fehlkonstrukt, weil ein „Kreativer“ eben ein Mitglied dieser gesellschaft ist wie jedes andere auch und deshalb eine -wenn auch sicher gut gemeinte- Privilegierung fehl am Platze ist. Es muß eben auf höherer Ebene dafür gesorgt werden, daß jeder seine auch ökonomische Existenzberechtigungt hat. Dann kann der Künstler Künstelr sein, die Mutter Mutter unf der Mensch Mensch.

  80. @ Martin
    Bitte Belege liefern, dass das Finanzamt Freiberufler als Unternehmer führe.
    Bitte Belege liefern, dass Druckkosten KSA-fällig seien
    Sonst bitte ganz schnell Füßchen ruhig halten.

    Ich glaubs ja nicht:
    [@Vroni: Für jemanden, der die KSK mit gefletschten Zähnen verteidigt, bist Du erstaunlich schlecht über sie informiert?! Ich würde Dich bitten, einfach mal zu googlen, bevor Du die nächste Behauptung vom Schlag „Designer sind keine Unternehmer“ oder „Man zahlt doch eh nur für den Kreativanteil“ hier einstellst.]

  81. @ Koni
    Zu jemandem, der Leuten komische Vorstellungen von Solidarität vorwirft, möcht ich fast sagen: Selber, und du?

    Künstler und Kreative sind und waren nie privilegiert, sondern das Gegenteil ist gesellschaftliche Realität: Man – User und Verlage alle die gleichen – will sogar neuerdings zuzeiten des Interblöds alles kostenlos von ihnen, die Musik, die Gestaltung, die Texte. Ich sehe da keinerlei Privilegierung. Die KSK versucht lediglich, Ungleichheiten (die bereits vor dem Interblöd da waren) zu glätten.

    Aber das versteht heutzutage sowieo keiner, der von INSM-Neoliberalallalismus infiltriert ist und es nicht einmal merkt. Also fast alle.

  82. @Vroni:
    Kann es sein, dass Du die „Unternehmer“ und „Gewerbetreibende“ durcheinander wirfst?! Zwischen letzteren und Freiberuflern gibt es steuerlich nämlich tatsächlich einen Unterschied, der aber nichts daran ändert, dass beide unternehmerisch tätig sind und eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen (sollten):

    „Unternehmer ist eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt.“ § 14 Abs.1 BGB

    Die Behauptung mit den Druckkosten stammte zwar nicht von mir, aber ich kann mir gut vorstellen, dass die KSK auch das mit einbezieht, wenn der Designer „blöd genug“ war, den Posten durchzuschleifen und nicht gesondert abzurechnen.

    Ich verweise in diesem Zusammenhang aber gerne nochmal auf das oben geschilderte Beispiel. Dieses belegt ja anschaulich, dass die KSK hier nicht nur der Kreativanteil abschöpft sondern versucht auch für die Umsetzungskosten (in diesem Fall Programmierung und Wartung) die KSA einzutreiben. Und das ist leider kein Einzelfall.

    Wie gesagt: Erst informieren, dann schwadronieren. Die Welt ist selten so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheint ;)

  83. @Vroni:

    „Man – User und Verlage alle die gleichen – will sogar neuerdings zuzeiten des Interblöds alles kostenlos von ihnen, die Musik, die Gestaltung, die Texte.“

    Wohl wahr – ein weltweites Problem. Glauben SIe ernsthaft, Deutschland hat mit der KSK die Lösung dafür gefunden? Es wird keiner dazu gezwungen, seine Contents gratis zur Verfügung zu stellen.

    @koni:

    „Manch Kommentar hier zeigt ein doch eher merkwürdiges Verständnis von Solidarität.“

    Ein System, das durch seine Restriktionen den Solidaritäts-Gedanken geradezu pervertiert, ist nicht zu unterstützen. Jeder Gebende sollte auch die Chance bekommen, im Bedarfsfall ein Nehmender zu werden. Dies ist bei der KSK nicht gegeben.

    @Vroni:

    „Die KSK versucht lediglich, Ungleichheiten … zu glätten.“

    Eine Farce! Setzen: 6! Sie wissen doch nur zu genau, dass die KSK nicht Ungleichheiten glättet, sondern im Gegenteil, diese erst erschafft!

    @Vroni:

    „Aber das versteht heutzutage sowieo keiner, der von INSM-Neoliberalallalismus infiltriert ist und es nicht einmal merkt. Also fast alle.“

    Bitte ERST Beitrag posten und DANACH die Drogen einschmeissen, OK?

    @Vroni:

    „Ein herumjammernder Zahnarzt wegen seinem Lögelchen: KSA, das sind um die 10 EURO.“

    Ich gebe Ihnen Recht: es geht oft gar nicht um den KSA-Betrag an sich. Es geht aber sehr wohl um die Erklärungs-Not und das GESCHISS *pardon*, was unsereiner damit hat: „tut mir leid – ja ich weiß, komisches Gesetz – nein, Sie müssen das Formular schon ausfüllen – ja, geht auch online, gehen Sie doch mal auf…, dann unter…, genau – da ist auch ne anleitung… – nein, ich selbst bin da nicht versichert – oh doch, trotzdem müssen Sie – auf alles, was künstlerisch ist… – ja, auch wenns nur 10 euro sind – dann aber auf Ihr eigenes Risiko, wenn Sie mal geprüft werden – die von der Rentenversicherung – ja, auch rückwirkend – können wir gerne auch machen… – OK, ich schreib halt dann „Reinzeichnung“ oder so was – vielen Dank – und beehrens mich bald wieder – gehts so, oder brauchens ne Tüte?…“

    Sie merken: GERADE bei solch Kleckerbeträgen kommt man sich als Nicht-KSK-Versicherter ziemlich bescheuert vor:
    >>> 3 Std. verbraten fürs Logo bauen
    >>> 1/2 Std. verbraten zur KSK-Aufklärung
    ziemlich unverhältnismäßig, finden Sie nicht?
    Vermutlich sollte ich – Ihrer Empfehlung folgend – erst mal fragen, ob der Zahnarzt nen SUV fährt und ggfl. den Auftrag dann absagen. ;-)

    @gernleser:

    „Das kann ich in der Form nur mit Hilfe der KSK-Regelung machen. Sonst würde ich eben Pizzaflyer und Imagefiguren für Kleinstädte entwickeln“

    So so. Einerseits Preis-Dumping mit Hilfe günstiger Lebenshaltungskosten dank KSK, andererseits sich die Hände nicht schmutzig machen wollen. (sorry, ist etwas krass ausgedrückt – aber Ihr Kommentar hat leider genauso bei mir eingeschlagen…)

    Übrigens sprachen Sie genau die Kundschaft an, die (meiner Erfahrung nach) ohnehin kein Problem mit der KSK hat und bestens informiert ist: Schulen, Städte/Gemeinden, öffentlicher Nahverkehr etc…

    @friederike:

    ich schließe mich Vroni (und anderen) an und hätte gerne ein Statement des AGD zum Thema. Der AGD wäre doch genau der richtige Verein, mal eine „vernünftige“ offizielle KSK Petition zu starten, die alle bestehenden Probleme bezgl. Ungerechtigkeit, Komplexität etc. berücksichtigt.

    @Vroni:

    „Dass die Designer die Künstler subventionieren, stört mich gar nicht. Ich bin als Designer sogar stolz darauf.“

    Ihre selbstherrliche Positionierung als Gutmensch ist (natürlich nur im gegebenen Kontext) unvereinbar mit mit der Diskriminierung von KSK-Nichtversicherten. Seien Sie bitte stolz worauf auch immer, jedoch nicht darauf, unter Benachteiligung anderer eine bestimmte Personengruppe zu fördern. Spenden Sie meinetwegen Ihr letztes Hemd, rechtfertigen Sie damit aber nicht eine assoziale (jaaaa!) Institution.

    Im Übrigen möchte ich selbst bestimmen, wen oder was ich subventioniere – und nicht unter Zwang. Es gibt genug Spendentöpfe (nicht unbedingt Kunst-Gedöns)…

    Man muss Vroni zumindest zu Gute halten, dass sie sich als Pro-KSK-Vertreterin nach wie vor tapfer der Diskussion stellt. Wenn auch mit eher amüsanten als ernstzunehmenden Argumenten. Alle anderen KSK-Versicherten halten hier offensichtlich mal schön die Klappe, harren der Dinge, die da kommen und hoffen noch möglichst lange auf KSK-Rosen gebettet zu bleiben.

    Time will tell…

  84. Vroni: „Selber, und du?“ Bin nicht KSK versichert und für den der des lesens willig ist, hab ich versucht zu schildern, wie ich Solidarität organisiert haben möcht.

    Vroni: „Künstler und Kreative sind und waren nie privilegiert“ Die KSK ist ein Privileg. Von diesem war die Rede.

  85. Simple Frage noch an die KSK-Verfechter: Warum jetzt soll ein „Kreativer“ in den Genuß eben eines Privilegs wie der der KSK kommen und der selbständige Paketdienstsubunternehmer z. B. nicht obwohl aus dem aus seiner Selbständigkeit zu erzielenden Gewinn Kranken- und Alterversorgung auch nicht wirklich finanzierbar sind. Ist der „Kreative“ ein höheres Wesen? Warum der und nicht jener?

  86. Koni
    Das sogenannte „Privileg KSK“ (Zitat Koni) ist weit vorher entstanden, bevor es seit Schröder diese Jobs gibt, die niemanden mehr ernähren.

    Müsste es nicht – statt das wenige Halbgute als Kind mit dem Bade auszuschütten – nicht besser so heißen: Wir wollen das bisschen KSK erhalten, aber wir wollen auch, dass es anderen, den Logistik-Selbständigen etc. besser geht.
    ? Nur mal so. Der Kopf ist rund, damit das Denken eine neue Richtung einnehmen kann.

    Mir fällt halt auf, dass immer nur niedergemäht, niedergerissen statt aufgebaut wird. Bis alles unten krebst. Bis es allen gleich schlecht geht. Eine sehr destruktive Sichtweise, über die nur den Kopf schütteln kann.

  87. Und mir fällt auf, dass sämtlich Rufe nach Subventions- und Bürokratieabbau und einen einfacheren und gerechteren Steuer- und Sozialsystem, immer dann schlagartig verstummen sobalds an die eigenen Pfründe geht.

    Das provoziert einen Kuhhandel nach dem anderen, erzeugt immer wieder neue sich z.T. widersprechende Subventionen und hält verkorkste Systeme am leben. Ein ineffizienter Staat der sich selbst zu Tode verwaltet und intransparente Strukuren pflegt kann überhaupt nicht solidarisch sein, weil so niemals das Geld wirklich dort landet, wo es eine positive Wirkung entfalten könnte.

    Und genau da liegt der Denkfehler von denen, die jetzt eine Petition auf den Weg beracht haben, die darauf abzielt durch eine Steigerung der Kontroll- und Verwaltungsaufwänden ein verkorkstes System künstlich länger am Leben zu erhalten. Wäre es nicht sinnvoller, dieses System so zu reformieren, dass es transparent wird und auch ohne diesen ganzen Verwaltungs-over-head funktioniert?!.

  88. Ich glaube, das Thema KSK ist jetzt schon das meist diskutierte hier. Und auch ich kann mich dem nicht entziehen. Meine Erfahrungen mit der KSK nicht auch eher negativer Natur. Der versuchten Zwangsmitgliedschaft bin ich um haaresbreite entronnen. Denn für mich war es günstiger sich privat zu versichern und nach stundenlanger Recherche im Regelwerk der KSK habe ich auch irgendwann den passenden Paragrafen gefunden, der besagt, dass die Mitgliedschaft freiwillig ist. Wenn man ein gutes Einkommen hat, ist eine PKV deutlich günstiger, man muss nicht jährlich deinen Umsatz melden, man bekommt keine bösen Briefe usw.

    Dass allerdings meine Kunden eine Abgabe zahlen müssen, obwohl ich nicht Mitglied bin erfuhr ich vor 3 Jahren von einem Kunden, der ähnlich wie bei anderen wollte, dass ich die Leistungen nicht kreativ formuliere. Aber da kommt dann natürlich das Finanzamt, dass meine Selbständigkeit auch ohne Gewerbeanmeldung nur akzeptiert, wenn ich als „Künstler“ gelte.

    Es ist ein krudes System, welches schlecht kommuniziert wird und wie viele bereits festgestellt haben selbst Steuerberatern nicht geläufig ist. Das ist gefährlich, denn Nachforderungen scheinen enorm auszufallen.

    Mittlerweile bin ich dazu übergangen auf meinen Rechnungen einen Hinweis auf die evtl. anfallende Abgabe aufzudrucken. So erfülle ich hoffentlich hinreichend meine Aufklärungspflicht.

  89. Hallo allerseits,

    Der AGD wäre doch genau der richtige Verein, mal eine “vernünftige” offizielle KSK Petition zu starten, die alle bestehenden Probleme bezgl. Ungerechtigkeit, Komplexität etc. berücksichtigt.

    Vielen Dank erstmal für solche Blumen. :-) Die erste Grundsatzdiskussion, ob Design zur Kunst gehört oder in welchem Maß und die zweite Grundsatzdiskussion, ob die KSK eine Subventionierung von kreativer Arbeit oder schlicht eine Beteiligung der Auftraggeber an den Sozialleistungen von Freiberuflern in arbeitnehmerähnlichen Verhältnissen ist, sind ausgesprochen spannende Reflektionen und Diskussionen.

    Ich reflektiere und diskutiere gerne für einen Moment und die AGD mit:
    Beim Kommunikationsdesign-Studium wird zu allererst über die Abgrenzung zur Kunst gesprochen. Kunst wird dabei oft als eine auf sich selbst bezogene oder aus sich selbst heraus entstehende Form des Ausdrucks definiert, die Designsparten im Gegensatz dazu als ästhetische Gestaltung mit Zwecken und Zielen, die meist auf den Auftraggeber und bestenfalls auch den späteren Anwendenden (eines Gegenstands, eines Bekleidungsstücks, einer Straßenbahn) zugeschnitten sind. Vielleicht vergleichbar mit den Auftragsmalereien großer Künstler früherer Epochen, in denen Könige eben nicht als die schwindsüchtigen Pickelgesichter erschienen, die sie vielleicht waren. Der Pinsel ist gütiger und manipulierbarer, als der digitale Schnappschuss, der auf Facebook oder in der Rubrik „wunderbar / sonderbar“ einiger Frauenzeitschriften landet.

    Angewandte Kunst, kommunikative Kunst, freie Kunst – eine Kunst ist eine Kunst ist eine Kunst.

    Während ich in der Architektur arbeitete und zu Beginn meines dazugehörigen Studiums lernte ich eine offenbar gegenteilige Haltung kennen, als sie in (einigen) Designkreisen vertreten wird: trotz Ingenieurs-Titel müssen Architekt/inn/en über eine künstlerische Befähigung und Ausbildung verfügen: Analysen auf den Metaebenen, konzeptionelles Denken, Grundlagen und Feinheiten der Ästhetik bis hin zur „Infografik“ von Plänen und Entwurfsdarstellungen oder auch Darstellungen komplexer Analyseinhalte waren unser lehrreiches Training. „Form follows function“ oder „genius loci“ sind für „uns“ kein Widerspruch, dass einem wirklich guten Entwurf auch ein gerüttelt Maß „Kunst“ gehört. Kunst als das Unlogische, Unerklärbare, das Nicht-Berechenbare.

    Computer können nicht komponieren. Komponieren ist trotz aller logischen Zusammenhänge (Tonika, Dominante, Subdominante, Paralleltonart…) eine komplexe Kultur und Kunst, dass es einen Unterschied macht, ob ein Stück von Mozart, McCartney oder Bohlen komponiert wurde. Angewandte Kunst ist die Kombination von handwerklichen Grundregeln und künstlerischem Ausdruck. Was auf diesem Abstraktionsgrad aber auch für freie Kunst gilt, denn Tänzer.innen, Bildhauer.innen und Maler.innen bedienen sich ebenfalls kompositorischer Regeln, handwerklichen/trainierten Fähigkeiten und – wohl in stärkerem Maß – der eigenen Schöpfungskraft.

    In dieser Grundsatzdiskussion bewegt sich Design bei mir in der Sphäre der Architektur und Baukunst: die Werke erfüllen ihren Zweck und bedienen sich dabei eines ästhetischen Regelwerks, das sie durch befolgen und brechen, neu kombinieren und erfinden über diese Zweckerfüllung hinaus aufladen können.

    Ich möchte die KSVG-Einteilung der versicherungspflichten „Künste“ keinesfalls nur anhand dieser einen Begriffsklärung diskutieren. Die KSK ist nicht ins Leben gerufen worden, weil man Kunst subventionieren oder Künstler/innen ob ihrer guten Tat an der gesellschaftlichen Kultivierung unauffällig alimentieren wollte oder gar weil man damit einen Ausgleich zur ständigen Unterfinanzierung von vielen öffentlichen Kultureinrichtungen schaffen wollte.

    Wenn ich in den zweieinhalb Jahren, in denen ich mich intensiver als je zuvor mit den Hintergründen und Funktionsweisen der KSK beschäftigt habe, als ich es als freiberufliche Texterin und Designerin je hätte tun wollen ;-) (das Wissen ist für jenen Berufsalltag unerheblich gewesen)… wenn ich also etwas in den letzten 30 Monaten kennengelernt habe, dann sind das folgende drei Grundsätze für die Einführung des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG):

    1_Die Kultur- und Kreativwirtschaften sind zwei recht unterschiedliche Wirtschaftszweige, beiden gemein ist die Tatsache, dass ein Großteil der Jobs dort nicht in Angestelltenverhältnissen vergeben wird oder werden kann. Dies trifft auch in der Designbranche zu, in der z.B. Verlage und Agenturen das Modell der „festen Freie“ etabliert haben.

    2_Das Wesen dieser Geschäftspartnerschaften sind denen einer Anstellung aber ähnlich: die Auftraggeber bestimmen die Rahmenbedingungen sehr viel stärker, als die Auftragnehmer. Das beginnt bei der Gage/Vergütung bis hin zur Zeiteinteilung. Wenn der Kunde Texte und Bilder später liefert, wird nicht der Drucktermin verschoben, sondern eine Nacht- oder Wochenendschicht eingelegt. Andernfalls wird der nächste Katalog mit anderen Gestaltern gemacht – die meisten freiberuflichen Designer erwirtschaften drei Viertel ihres Umsatzes mit drei oder weniger Hauptkunden. Es sind durch die wirtschaftliche Abhängigkeit arbeitnehmerähnliche Formen der Zusammenarbeit, wobei die persönliche Abhängigkeit geringer ist, als bei Angestellten.

    3_Arbeitnehmerähnliche Geschäftsverhältnisse bedingen eine Mitverantwortung der Auftraggeber, die soziale Marktwirtschaft ist hier anders, als freie Marktwirtschaft, wie z.B. in den USA, in denen nicht einmal Angestellte pflichtkrankenversichert sind. In den Kultur- und Kreativwirtschaften werden deshalb für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung die Auftraggeber in die Pflicht genommen. Arbeitslosenversicherung gibt es keine, auch Kündigungsschutz, Anspruch auf bezahlten Urlaub oder Bildungsurlaub, Elternzeit, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und ähnliche Leistungen/Pflichten von Arbeitgebern gibt es nicht.

    Ist diese KSK nun eine Subventionierung von bestimmten freien Berufen? Nein, denn es sind die konkreten Auftraggeber, die die Sozialleistungen bezahlen. Die 20% Anteil durch den Staat (=alle) werden gerne als ein Zuschuss für Kunst und Kultur verstanden und manchmal auch so verkauft. Meines Erachtens ist es der notwendige Ausgleich für die Ungenauigkeit bei der Erfassung aller vom KSVG Verpflichteten, Kreative wie Verwerter gleichermaßen.

    Wenn Ihr Euch die AGD-Studie aus dem vergangenen Jahr, die designtagebuch-Umfragen oder die Auswertung der BDG-Umfrage anschaut, werdet Ihr überall feststellen, dass ein gutes Drittel der Designer mit einer sehr knappen Finanzierung durchs Berufsleben gehen. Diese Tatsache ist nicht durch An- oder Abschaffung der Sozialversicherung à la KSK zu beheben oder zu ändern. Es sei denn, man ist sehr sozialdarwinistisch und sagt „dann fallen wenigsten die 10% aus dem Markt, die bei vollständiger Finanzierung ihrer Versicherungen in die Insolvenz müssten“. Diese Tatsache ist auch nicht durch den Druck und Verkauf des Vergütungstarifvertrags Design zu beheben, sondern nur durch seine Anwendung oder das Anbieten von guten Designleistungen zu guten Preisen, die durch andere Kalkulationen auf den Tisch kommen.

    Die Vergütungsbeispiele und Berechnungsgrundlagen des VTV sind natürlich auch unter Berücksichtigung der Künstlersozialabgabe für die Auftraggeber entstanden. Wir verstehen die KSK und die KSA aber auch nicht als Entlastung nur für die „armen“ unter den Designern oder Künstlern, sondern als klassisches Sozialversicherungsmodell bei der die „besser“ Verdienenden mehr einzahlen, damit die weniger Verdienenden weniger einzahlen können und alle erhalten dieselbe Leistung. Des machen wir ja auch so: Rund 3.000 AGD-Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag, der auch die anwaltliche Beratung finanziert, aber nicht jede/r hat in jedem Jahr diesen Beratungsbedarf – so können wir zum Preis einer üblichen Erstberatung beim Anwalt (ab 180,- Euro netto) Rechtsberatung für die Kolleginnen und Kollegen finanzieren, die sie benötigen und darüber hinaus ein umfangreiches Portfolio an Serviceleistungen. Das war kein Werbeblock, sondern ein einfaches Beispiel für dasselbe Prinzip an anderer Stelle.

    Bei der KSK gibt es sicherlich Erneuerungsbedarf an einigen Stellen über den derzeit in der Petition thematisierten Handlungsbedarf hinaus. Zum Beispiel verändert sich das Geschäftsmodell von Kreativen durch #diesesinternet / #Neuland hin zu einer Kombi aus Urheber/Schöpfer und Verwerter/Verleger/Verkäufer. Book on Demand im Selbstverlag, Crowdsourcing für eine Möbelstück-Kleinserie oder die eigene Kollektionen im Online-Shop – gerade die Modedesigner/innen entwickeln sich durch den Wegfall vieler mittelständischer Hersteller wegen der global player-Marktdominanz in diese Richtung. Aber sie können für diesen Teil ihrer Einnahmen aus ihrer künstlerischen Tätigkeit (gerade die kleinen, eigenen Kollektionen sind freier und selbstbestimmter, als die Auftragsarbeiten!) nicht „einfach“ den Verwerteranteil KSA zahlen, sondern fallen für beide Tätigkeitsfelder aus der KSK. Das ist nicht zeitgemäß, braucht aber noch eine Weile der Diskussion und Bewertung.

    Wir sind da an den entscheidenden Stellen dabei, AGD-Geschäftsführerin Victoria Ringleb ist zum Beispiel im KSK-Beirat. Wer also eine Petition von uns erwartet, wird sich gedulden müssen. Als flankierende Maßnahme zu einem laufenden politischen Gestaltungsprozess sind sie geeignete Mittel. Als Berufsverband können wir allerdings auch ganz andere Wege gehen und Werkzeuge wählen, als es einzelnen Bürger/innen oder gemeinschaftlichen Bürgerinitiativen möglich ist.

    Wir unterstützen die aktuelle Petition, weil der entsprechende Gesetzentwurf der Bundesregierung von uns über den KSK-Beirat begleitet wurde. Die Petition sorgt dafür, dass der Gesetzentwurf nach der Bundestagswahl wieder zügig auf den Tisch der Entscheider kommt. Er ist sinnvoll, um die aktuelle Systematik und Umsetzung der KSV stark zu verbessern. Das ersetzt nicht Anpassungsbedarf durch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Umgekehrt aber auch nicht: ein neues Denk-Modell für die Kultur- und Kreativbranchen in der sozialen Marktwirtschaft unseres Landes darf nicht zu einem Stillstand am aktuellen Zustand führen.

    Das ist auch wichtig, wenn man sich die Reformen der letzten 20 Jahre anschaut: viele sind in kleinen Schritten sukzessive erfolgt, nur wenige (Hartz-Reformen oder das Aussetzen der Wehrpflicht) auf einen Schlag. Und das waren sehr viel grundsätzlichere Themen und Belange, als es die KSV ist. Insofern würde ich persönlich vergleichbar der Annäherung von eingetragenen Lebenspartnerschaften und Ehe mit vielen kleinen Schritten rechnen und auch in solchen Stufen denken und arbeiten.

    Wer bis zum Ende durchgehalten und gelsen hat: danke sehr! Und wer sich konstruktiv-kritisch damit auseinandersetzen mag ist herzlich willkommen.

    Ich werde aber auch ein wenig Maß halten müssen, mit meiner Zeit hier. Die KSK zu reformieren ist nicht unser Kernthema und die Designbranche ist umgekehrt auch nicht Schwerpunkt oder Mehrheit in der KSK. Wir arbeiten hier in der AGD ehrlich gesagt vor allem die Lücken in der Designerausbildung zu, die zum „prekären Drittel“ führen: wirtschaftlich kalkulieren, Kundenbeziehungen aufbauen und pflegen, Umgang mit arbeitsintensiven Änderungen in Projekten.

    Im Berufsalltag von Designerinnen und Designern spielt die KSK an zwei Punkten ein Rolle: bin ich pflichtversichert und wie kann ich meine Kunden angemessen informieren? Für diese beiden Punkte spielen die Grundsatzdiskussionen überhaupt keine Rolle, sie gehören in die Selbstreflektion (Kunst und angewandte Kunst?) oder in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs (Solidarprinzip – wo, weshalb, für wen und wie?). Und es ist schön, sie immer mal wieder zu führen – aber sie lösen (meiner Erfahrung nach) das größte KSK-Praxisproblem nicht: (wie) erklär ich’s meinem Kunden? Und schon gar nicht lösen sie ein Grundproblem unserer Branche: zu viele Angebote für zu wenig Geld.

    In diesem Sinne, herzliche Grüße aus der Steinstraße.
    Friederike

  90. @ Posting 7, 20 und vielleicht noch andere:

    „KSK ist wettbewerbsverzerrend:
    Auf Rechnungen von GMBHs entfallen keine KSK-Abgaben, bei GBRs und Einzelfirmen jedoch sehr wohl.“

    Dies stimmt so nicht: Ist der Leistungserbringer eine juristische Person (GmbH, AG), so sind die Bruttogehälter der Angestellten abgabepflichtig, sofern diese mehr als 50% ihrer Zeit „künstlerisch“ tätig sind. Zu den künstlerischen Tätigkeiten wird dabei auch gerechnet, wenn die Kreativchefin abends Ablage macht, denn diese Tätigkeit ist an die künstlerische Tätigkeit „gebunden“ (dieses irrsinnige Prinzip findet sich auch in der so genannten „Abfärberegel“ bei Einzelunternehmern). D.h., die klassische Werbeagentur zahlt die Verwerterabgabe auf ihre Gehälter und muss diese Kosten selbstverständlich einpreisen.

    Ich bin in der KSK versichert und ganz froh drum, obwohl ich den ganzen Mist bereits durchhabe (Nachforderungen Verwerterabgabe in großer Höhe, Vorwurf der Fehleinschätzung mit Schätzung meines Einkommens „von Amts wegen“ etc.). Ich glaube, bei der Honorarstruktur unserer Branche ist die KSK schon ganz nützlich, da sie den „Arbeitgeberanteil“ an der Sozialversicherung trägt. Andernfalls müssten die Honorare steigen.

    Mir kommt jedoch die Galle hoch bei der ganzen wirklichkeitsfernen Bürokratie der KSK. Ich schließe mich den Forderungen nach einer Strukturreform an. Die Details müsste man aber mal getrennt diskutieren.

  91. @ Christoph
    danke!

    @ Friederike
    auch danke!
    Obwohl fast tl;dr

    @ Thomas Skarke
    Da ist es wieder das tolle Wort der Nuller-Jahre.
    Welches selbst bei heise.de und in den SPON-Foren zu Recht allmählich ausstirbt. Wie konnte ich es nur vergessen,
    Danke auch Ihnen.

    Und jetzt zur Petition: „Rettet aussterbende Schimpfwörter.“

  92. Das Durchschnittseinkommen der KSK-Versicherten liegt bis zum 01.01.2013 bei 14.557€, sprich 1.213€ pro Monat. Statistik KSK

    Da hilft auch keine Abgabe von in vielen Fällen an den Haaren herbeigezogenen „künstlerischen Leistungen“, um mehr Geld von Unternehmen abzugreifen. Da wird die Selbstständigkeit einfach im Grundsatz falsch angegangen, was ökonomisch eindrucksvoll belegt wird. Hilfreicher sind z.B. Pflichtkurse zum Thema: Wie man einen Tagessatz vernünftig anlegt und ob das eigene Vorhaben grundsätzlich sinnvoll/erfolgreich sein kann.

    Zudem sollten die gefühlt 1% erfolgreichen Künstler mehr zur Unterstützung der 99% nicht erfolgreichen Künstler herangezogen werden. Aber das ist vermutlich zu viel verlangt, dann lieber erstmal unbeteiligte Unternehmen abgreifen. Ich glaube ohnehin, dass weniger der Künstler im Interesse steht, sondern das Geld, das mit der Kulturindustrie in vielen Fällen zu holen ist. Hier sollte man stärker zulangen, wenn man das System für Künstler gerechter machen will.

    Im Grundsatz gilt ohnehin, dass der Staat oder Stiftungen bei eigenen Unternehmungen nur eine kleine – möglichst nicht benötigte – „Unterstützung“ sein sollten, und nicht der Faktor, der über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Und als Künstler ist man zu 99% arm, das sollte einem vorher klar sein ;-)

  93. @ Till
    Auch danke an Sie, dass Sie mit Ihren Grundsatzüberlegungen das Thema ebenfalls mit brav schön hochholen.

    Die Petition läuft zur Zeit ganz nett. Halbzeit: 32.890 Unterzeichner haben in der Hälfte der Zeit schon unterzeichnet. Stand 19:00 Uhr, 22.07.2013.

  94. Um mal ein paar von Friederikes Gedanken aufzugreifen…

    1 Was Arbeitsweise, Berufsethos und Beschäftigungsverhältnisse angeht, gibt es offensichtlich wesentlich mehr Gemeinsamkeiten zwischen Designern und Architekten, als zwischen Designern und freien Künstlern. Warum werden Designer von der KSK erfasst und Architekten nicht? Nominell gehören sie ja beide zu den „Bildenden Künsten“.

    2 Während ein freier Künstler meistens allein für sein Werk verantwortlich ist, arbeiten Designer (und Architekten) heute hochgradig arbeitsteilig (der eine macht das CD, ein anderer das konkrete Layout, wieder andere Photos und Illustrationen) und sind häufig auf weitere Dienstleister wie Drucker und Programmierer (oder eben die Bauwirtschaft angewiesen), um überhaupt ein fertiges Werk abliefern zu können. Verträgt sich das mit der Grundidee der KSK?

    3 Es wurde ja verschiedentlich behauptet, dass viele Designer so wenig verdienen würden, dass sie ohne den Zuschuss der KSK überhaupt nicht in der Lage wären, ihre Kosten zu decken?! Mal abgesehen davon, dass ich jemanden, der sich so billig verkauft, dringend dazu raten würde, das mit der Selbstständigkeit zu lassen, muss man sich schon fragen, ob hier nicht (zu mindestens teilweise) Ursache und Wirkung verwechselt werden? Sollte man nicht eher davon ausgehen, dass hier (ähnlich wie bei 400€-Jobs und Hartz4-Aufstockern) auch durch diesen Markteingriff ein Preisdumping zum Nachteil der Mitbewerber und der Allgemeinheit etabliert wurde?

    …und um ein paar Fehleinschätzungen gradezurücken:

    4 Die freiberufliche Designer arbeiten längst nicht alle exklusiv für eine oder wenige Agenturen. Es gibt genügend Selbstständige (insbesondere Gbrs) die auch direkt für Endkunden arbeiten und/oder einem größeren Kundenstamm haben.

    5 Das man auf die Wünsche und Timings des Kudnen reagieren muss, ist doch kein Zeichen für ein Angestelltenverhältnis?! Das ist doch vollkommen normal im Dienstleistungsbereich und bei Anwälten, Notaren, Unternehmensberatern und Architekten auch nicht anders.

    6 Längst nicht jeder freiberufliche Designer ist KSK-Mitglied. Auch wenn ich keine repräsentativen Zahlen dazu habe (habt ihr beim AGD welche?) würde ich auf so max. 50% tippen – Tendenz abnehmend, je weiter man Richtung Web-, Games- und Motiondesign geht.

    7 Es ist nun mal die Grundidee der Selbstständigkeit, dass man auf eigenes finanzielles und soziales Risiko tätig ist. Wer das nicht will, sollte sich anstellen lassen und nicht versuchen zu duschen ohne nass zu werden. Die Selbständigkeit bringt neben viele Freiheiten eben auch Pflichten mit sich. Und warum sollten Designer das nicht genauso bewältigen, wie Architekten, Programmierer, Ärzte, Anwälte, Steuer- und Unternehmensberater oder der Handwerker von nebenan?

    Warum sollen/müssen ausgerechnet wir Kreativen uns so bemuttern lassen? Warum sollen/müssen ausgrechnet wir, die wir uns so gerne als die Schaumkrone auf der Welle des Fortschritts betrachten, uns an eine der Art unflexible und in Ihren Strukturen antiquierte Institution ketten, die überhaupt nicht in der Lage ist mit unsere vielfälltigen und häufig wechselnden Beschäftigungsverhältnissen Schritt zu halten?!

  95. Wie gesagt, jeder darf gerne seine eigene Petition dort aufmachen:
    https://epetitionen.bundestag.de/epet/peteinreichen.html
    Zum Beispiel: „KSK endgültig abschaffen“, „Architekten hinein in die KSK!“
    Inwieweit man sich lächerlich macht, Kammerberufe mit dazu zu nehmen: mir egal. Macht.
    Unterzeichne halt nicht. Vermutlich aber mit weniger Geschrei.

    Petitionen, die einem nicht passen, fortwährend und mit Gschraa in die Suppe zu spucken, darf man natürlich auch gerne machen, wir haben eine demokratische Verfassung: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_06/_10/Petition_43188.html

    Dickfellige Grüße

  96. @ Martin #101:
    Du musst dich weder „bemuttern“ lassen noch an eine Institution „ketten“. Keiner zwingt dich, der KSK beizutreten.

    Zu deinem Geraderücken der angeblichen Fehleinschätzungen von Friederike – du musst genauer lesen. Sie hat nicht geschrieben, dass freiberufliche Designer exklusiv für eine Agentur arbeiten, sondern dass drei Viertel des Umsatzes durch drei oder weniger Auftraggeber generiert werden. Das heißt auch nicht, dass sie nur drei Auftraggeber haben, sondern der Hauptumsatz in der Regel durch einige wenige gemacht wird.

  97. @Christoph
    „Ich glaube, bei der Honorarstruktur unserer Branche ist die KSK schon ganz nützlich, da sie den “Arbeitgeberanteil” an der Sozialversicherung trägt. Andernfalls müssten die Honorare steigen.“

    1. Kennst du den Tarifvertrag des AGD?
    2. Arbeitest du konsequent damit?
    3. Falls ja, du hast eine sehr gute Honorarstruktur: 78,00 Stundensatz + das maximal 6-fache der Stunde! Eine höhere Honorarstruktur wäre dreist.
    4. Falls nein, kauf dir bitte, bitte, dieses Buch und arbeite damit.

    Ich habe es oben schon mehrfach gesagt. Vor dem Hintergrund des VTV des AGDs ist es peinlich eine höhere Honorarstruktur zu fordern.

    @AGD und Frau Sobiech
    1. Der VTV ist ein wunderbares Werkzeug, der es sehr gut ermöglicht, sehr gute Honorare durchzusetzen. Danke für dieses Werk!!!

    2. Der VTV plus KSK ist irrwitzig!!! Das nimmt keiner mehr ernst, kein Unternehmer, kein Auftraggeber, kein A-Kunde, B, C, D,… .

  98. Hallo allerseits,

    lieber Martin, danke für die schöne, vielschichtige Antwort. Ich hab heute noch eine volle ToDo-Liste, deswegen nur zu einem (Doppel)Punkt, weil der missverständlich bzw. in die Irre führend ist: das Künstlersozialversicherungsgesetz wurde nicht auf Grundlage von Arbeitsweisen (alleine, in Kooperation) entwickelt – und btw. keine Sängerin, die ich kenne, kommt auf der Bühne ohne Tontechniker- und Beleuchter- aus, PR-Praktiker/-innen und und und ;-)

    Entscheidend für die Mitverantwortung der Auftraggeber/Verwerter ist allein die wirtschaftliche Abhängigkeit, die auch von Firmenkunden, die keine Agentur sind, entstehen kann.

    Ein paar Zahlen aus unserer Studie vom letzten Jahr: 2 von 3 AGD-Designern sagen, dass ihre drei größten Kunden 61% oder mehr von ihrem Jahresumsatz ausmachen, 45% sagen 3/4 oder mehr Ihres Umsatzes kommt von den bis zu drei Hauptkunden. Übrigens sind 90% mit der Zusammenarbeit mit diesen Kunden sehr zufrieden oder zufrieden – man kann von einem guten Verhältnis sprechen. „Trotz“ der Tatsache, dass 65% unserer Mitglieder in der KSK krankenversichert sind – da wir ein designspartenübergreifender Berufsverband sind (der einzige meines Wissens) und nicht alle Sparten/Fachbereiche automatisch eine Pflichtversicherung in der KSK bedeuten, ist das ein erwartbares Ergebnis gewesen. Wobei vielleicht einige vorher auch eher 50% gefühlt geschätzt hätten…

    Sodele, für heute und morgen erstmal herzliche Grüße aus der Steinstraße.
    Friederike

  99. @Hendrik:

    Natürlich gibt es einen Zwang: Es besteht (zumindest auf dem Papier) eine gesetzliche KSK-Pflicht für aller künstlerisch und publizistisch tätigen Freiberufler. Dass ich persönlich nicht darunter Falle, liegt nur daran, dass ich als Interaktionsdesigner in erheblichem Maße auch als Entwickler tätig bin. Wie gesagt: die KSK ist inkompatibel zu vielen aktuellen Berufsbildern im Medienbereich.

    Trotzdem müssen ich und viele andere nicht über die KSK-versicherte Kollegen hinnehmen, dass die DRV versucht, auch bei unseren Kunden die KSA einzutreiben. Und wer, glaubst Du, muss das dann ausbaden?!

    @Friederike

    Was das Argument „geringe Kundenanzah rechtfertigt Schutzl“ angeht:
    Es gibt nicht nur etliche andere Freiberufler (z.B. Informatiker, Wirtschaftsprüfer, Ingenieure oder Pädagogen) sondern auch Firmen (z.B. Automobilzulieferer, Landwirte) die den größten Teil ihres Umsatzes mit einigen wenigen Kunden machen. Ich kann da beim besten Willen nicht erkennen, warum es ausgerechnet für Designer eine Art Welpenschutz geben soll? Was macht uns so besonders? Sind wir etwas zu doof für uns selbst zu sorgen?

    Zumal sich sowas kaum mit den Stundensätze vereinbaren lässt, die z.B. der VTV des AGB fordert. Man macht sich doch lächerlich, wenn man auf der einen Seite versucht, als Unternehmer ernstgenommen zu werden und eine angemessene Vergütung durchzusetzen, und auf der anderen Seite ein Hilfsprogramm wie die KSK mit den Argumenten Bedürftigkeit und Fürsorgepflicht des Auftraggebers rechtfertigt?! Den Angestellten, der in unsere Branche mit einer gestalterischen Tätigkeit 78€/h (das sind grob überschlagen >130.000€ im Jahr) verdient, will ich erstmal sehn.

    Der Deal ist doch ganz einfach: Entweder man ist selbständig und rechtfertigt seinen Stundensatz mit dem höheren unternehmerischen Risiko, oder man lässt sich anstellen und nimmt für die Sicherheit und Fürsorge ein deutlich geringeres Gehalt in Kauf. Sich da (z.B. mit Hilfe von VTV und KSK) nur die Rosinen rauszupicken, lässt sich wirklich niemandem vermitteln.

    Was wahrscheinlich auch dazu führt, dass es viel zu viele freiberufliche Designer gibt, die u.a. Dank der KSK bereit und in der Lage sind, Ihre Arbeit viel zu billig zu verkaufen und so den seriös kalkulierdenden den Markt kaputt machen. Die KSK ist also eher ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung.

  100. @Martin

    Ich bin deiner Meinung. Das der VTV-Design nicht im Einklang zur KSK steht scheint den AGD aber nicht zu stören, ran an die Rosinen! Ich vermisse jedenfalls dazu nach wie vor eine Antwort, die genau diesen Punkt erläutert. Vielleicht fehlt diese Antwort, weil es schlichtweg nicht vermittelbar ist. Vergiss nicht, dass auf die Stunden noch die Berechnung der Nutzungsvergütung kommt! ;-)

  101. RENTABILITÄT:

    Ich finde es extrem witzig, dass sich bei der Diskussion total konträre Auffassungen / Wünsche / Interpretationen finden:

    A.: Der eine hätte nichts gegen eine KSK-Versicherung, weil er sich einen finanziellen Vorteil davon verspricht – kommt aber nicht rein.

    B.: Ein anderer wird zur KSK-Versicherung genötigt und kämpft dagegen an, weil es sich für ihn nicht finanziell rentiert.

    Kommt vermutlich auf 2 Faktoren an: das durchschnittliche Einkommen und das Alter. Je ärmer und älter, desto rentabler ist die KSK – richtig?

    NUTZUNGSVERGÜTUNG:

    Ist meiner Erfahrung nach bei typischen Brot-und-Butter Kunden nicht anwendbar – aber sowas von gar arg überhaupt nie nicht. Betrifft das eher HighEnd Jobs, wie z.B. bei Entwicklung von TV-Spots mit weltweiter Reichweite? Mir widerstrebt ehrlich gesagt das Geschäftsmodell, darum kaufe ich z.B. ausschließlich RoyaltyFree Stockmaterial. Andererseits wäre ich freilich schön blöd, wenn ich dem Zahnarzt fürs Logo genau das gleich berechne, wie dem international agierenden Konzern mit intermedialem Marketing.

    KUNST/DESIGN/BEGRIFFLICHKEITEN:

    Die von Friederike dargelegte Grund-Intention der KSK, nämlich die „Freien“ ohne Gewerbe (wegen eines statistisch relevanten Aufkommens!?) und deren häufig auftretende einseitige Beziehung zu Kunden / Verlagen / Agenturen zu unterstützen, trifft heutzutage zwar auch den Designer, aber natürlich nicht nur:

    Einfach mal die KSK komplett loslösen vom Begriff Kunst/Design (und deren Förderung): Unterstützung aller frei Schaffenden ohne Gewerbe unerheblich welcher Branche. Aus der KSK würde dann vielleicht die FSK (FreieSozialKasse oder so ähnlich). *ups, nicht: freiwillige Selbstkontrolle*

    Hierbei kann ich mir 3 Dinge nicht verkneifen:

    A.: warum? – dann evtl. lieber konsequenterweise den steuerrechtlichen Status „freiberuflich“ abschaffen? (schon allein das mit den 7% Steuern – oder hat sich das mittlerweile geändert? – ist doch historischer Humbug…)

    B.: Fast scheinselbständig – aber nicht wirklich – YEAH! – solange keiner mault, warum nicht? ;-)

    C.: Agenturen, die dieses Konstrukt ausnutzen, stärker in die Pflicht nehmen!

    RECHTFERTIGUNG:

    Das Heranziehen der Design-Kundschaft von Non-KSK-Members zur KSA wäre dann eben wegen der oben genannten (total tollen Gründe – isn´t it!?) überhaupt nicht mehr gerechtfertigt, weil sowohl die Versicherung als auch die Verwerter-Abgaben eigentlich gar nichts mit der Branche (sondern mit der Rechtsform „Freischaffender“) zu tun haben sollten. Dann ginge die KSA den Webdesigner genauso viel oder wenig an, wie den Bäcker von nebenan.

    STATISTIK:

    Ein solidarisches System legitimiert sich mMn. nur dann, wenn die Profiteure und diejenigen, die durchs Raster fallen in einem gesunden (nicht unbedingt rentablen aber bitteschön dann doch plausiblen) Verhältnis stehen.

    Darum wage ich folgende Zielgruppen-Splittung mit entsprechender Hinterfragung:

    1. Zielgruppe: der arme Künstler/Musiker/Redakteur
    Umfeld: eher wenige Kunden/Aufträge, Arbeiten eher idealistisch (lieber in Schönheit sterben, als kommerzielle Absichten zu bedienen)
    Frage: wieviel % davon KSK, wieviel % davon KSA (vom Gesamt-KSA-Aufkommen)?

    2. Zielgruppe: der durchschnittliche Grafiker
    Umfeld: ne Hand voll Kunden/Agenturen mit typischen Jobs (hier mal ne Website, da mal ein Logo – eher regional…)
    Frage: wieviel % davon KSK, wieviel % davon KSA (vom Gesamt-KSA-Aufkommen)?

    3. Zielgruppe: Art Directors, Creative Directors
    Umfeld: eher Agenturen, Jobs auch mal im gehobenen Bereich, besser bezahlt
    Frage: wieviel % davon KSK, wieviel % davon KSA (vom Gesamt-KSA-Aufkommen)?

    Erst wenn solche Zahlen (nicht nur der KSK) vorliegen, könnte man beurteilen, ob die ganze Sache HOP oder TOP ist.

    TRICKSEREIEN VS. BÜROKRATIE:

    Die einen sind kreativ bei der „nichtkreativen“ Formulierung auf Rechnungen, die andern sind genauso kreativ bei der Vertuschung von Scheinselbständigkeiten, nochmal ganz andere haben ihre kreative Ader entdeckt, um einer Gewerbe-Anmeldung zu entgehen. Die einen machens, um die Bürokratie zu hintergehen, die anderen nutzen dabei das Bürokratie-Konstrukt aus.

    Prima! – Dann haben eigentlich alle, was sie wollen, oder?

    TIME FOR A CHANGE – NUR NIX ÜBERSTÜRZEN:

    Friederike nimmt leider jeden Wind aus Segeln, was eine kurz- oder mittelfristige Änderung der KSK betrifft. Ich glaube ihr – mit Bedauern – aufs Wort. Vermutlich zuviele Interessens-Gemeinschaften, Lobbys, Sachverständige, politisches Tiefwasser auf nem Haufen. Und 2 Hauptgründe, die ich aus meinem gefährlichen Halbwissen heraus mal frech behaupte:

    1. nicht relevant genug (dann doch eher politische Peanuts – es gibt Wichtigeres)

    2. nicht öffentlich genug (die freien KSK-versicherten Redakteure schaufeln sich doch nicht ihr eigenes Grab)

    ——

    Weitermachen…

  102. @CL

    1. Kennst du den Tarifvertrag des AGD?

    Ja, kenne ich. Was ich aber nicht kenne, sind Auftraggeber die sich im Angesicht der dort skizzierten Vergütungsmodelle nicht totlachen. Der AGD-Vertrag ist vollkommen marktfern in seinen Preismodellen. Schlicht nicht durchsetzbar, bei groß nicht und bei klein erst recht nicht.

    Machen wir uns nichts vor: Wer in unserer Branche übers Jahr gerechnet einen durchschnittlichen Stundensatz von 80,- Euro erwirtschaftet ist extrem gut im Rennen. Kalkulieren wir mal mit 100 bis 120 abrechenfähigen Tagen, kommen wir auf etwa 75.000,- Umsatz p.a. Nach Kosten (wir machen ja nicht alles alleine und haben vielleicht sogar ein Büro) sind wir bei 50k bis 60k Gewinn vor Steuer. Mit diesem Gewinn über private Versicherungen ein Absicherungsniveau zu erreichen, das dem eines vergleichbaren Angestellten entspricht, ist wesentlich teurer als in der KSK zu sein.

    Im Übrigen ist die KSK eine Pflichtversicherung. Es besteht keine Wahlfreiheit. Personen, bei denen die KSK Versicherungspflicht feststellt (üblicherweise auf Antrag), haben nicht die Wahl.

  103. @friederike

    2 von 3 AGD-Designern sagen, dass ihre drei größten Kunden 61% oder mehr von ihrem Jahresumsatz ausmachen, 45% sagen 3/4 oder mehr Ihres Umsatzes kommt von den bis zu drei Hauptkunden.

    Dieses statistische Phänomen nennt man Pareto-Verteilung und es sagt zunächst mal nichts über die Besonderheiten unserer Branche aus.

  104. @christoph

    „Was ich aber nicht kenne, sind Auftraggeber die sich im Angesicht der dort skizzierten Vergütungsmodelle nicht totlachen. Der AGD-Vertrag ist vollkommen marktfern in seinen Preismodellen.“

    Ich komme gerade aus einer Logopräsentation für ein kleines mittelständisches Unternehmen. Es wurde unter anderem über die Anbringung des Logos an der Fassade diskutiert. Im Nebensatz wurden dafür Kosten von 20.000 EUR völlig unaufgeregt erwähnt. Das Logo liegt laut AGD bei dieser Unternehmensgröße, je nach Aufwand, zwischen 7.020 bis 16.848 EUR (Erstellung + Faktor 3,5). Unterm Strich verdient der Schildhersteller deutlich mehr als ich, der es entworfen hat – er darf das Logo sogar zweimal anbringen. Wer lacht in diesem Fall wohl am meisten??? Der Kunde jedenfalls lebt noch.

    Designer geben gerne an in einem großen, umfassenden Rahmen zu denken, zu entwerfen („Design kann die Welt verändern“, etc.) und gönnen sich sogar wie Vroni eine Unterteilung in „Kundenklassen“. Mir fehlt die Konsequenz diese „Größe“ auch wirtschaftlich zu kommunizieren und eine entsprechende Haltung einzunehmen. Wir schwächen uns enorm, wenn wir die gestalterische Sicherheit nicht auch finanziell klar und überzeugend darstellen.

    Ich halte die Tarifmodelle des AGD für sehr gut durchdacht, da durch die Nutzungsparameter jeder Kunde in seinem Rahmen sehr gut bedient werden kann.
    Also Leute: „HALTUNG BEWAHREN“

  105. CL: „Unterm Strich verdient der Schildhersteller deutlich mehr als ich …“

    Der Werbetechniker, der mit 78.-/Stde glaubt kalkulieren zu können, der ist am Markt schlichtweg nicht wettbewerbsfähig.
    Für mich ist der VTV-Design auch unbrauchbar weil mit den x-Varianten und Faktoren so viele Resultate generierbar sind, daß ich dann gleich selber „schätzen“ kann.

  106. @koni

    Der Werbetechniker macht bei diesem Auftrag einen Umsatz von 40.000 EUR für die Anbringung von zwei 10 Meter langen Logos. Dieses Beispiel soll einfach mal einen Einblick in die Zahlen geben, mit denen Unternehmer täglich umgehen. Es zeigt, dass die Tarife des AGDs sich in einem sehr gesunden Rahmen bewegen.

  107. Ist eh müssig darüber zu diskutieren eigentlich. Im Endeffekt muß halt jeder nehmen was der Markt hergibt. Egal ob Designer, Werbetechniker oder Schnürsenkelverkäufer. Und darauf gründet ja auch der VTV-Design mit seinem Faktorsystem: Der renommierte Gestalter kann von einem Multi mehr an Kohle rausholen wie der arbeitsamtsumgeschulte Mediendesigner für das Logo des Rohrreinigers um die Ecke. Daß Lobbyisten für ihr Klientel bei Ihren Vorschlägen für deren Vergütung eher höher greifen liegt in der Natur der Sache. Ein hilfreiches Werkzeug ist der VTV-Design für mich aber eben nicht.

  108. @CL: Auch wenn ich grundsätzlich Deine Einschätzung teile, dass die Kosten, die wir so in Rechnung stellen, verglichen mit vielen anderen Ausgaben unserer Kunden geradezu marginal sind, sollte man im konkreten Beispiel nicht den Fehler machen, Umsatz und Gewinn zu verwechseln:

    Während bei einem Designer die Personalkosten (also unser eigener Lohn) den bei weitem größten Teil der Rechnung ausmachen, dürften z.B. bei diesem Schilderherstellerfabrikanten ein Großteil der Kosten für das Material und die Technik draufgehen (allein die Einrüsten einer Fassade zum Anbringen eines so großen Schildes kann einige tausend Euro kosten).

    Allerdings dürfte es dem Schilderfabrikanten wesentlich einfacher fallen, einen Preis mit eben diesen fixen Kosten zu begründen, als einem Designer, der einen erheblichen Teil seiner Zeit mit etwas verbringt, was der Kunde oft nicht mal als Arbeit ansieht: Beratung und Konzeption.

    Wenn man ehrlich ist, sieht man auch einem guten Design selten die Arbeit an, die dahinter steckt. Die Presseaufreger „Warum hat das Logo XY Z-tausend Euro gekostet?!“ kommen ja nicht von ungefähr…

    Und gerade deshalb dürfen wir erst garnicht das Missverständnis aufkommen lassen, man könne uns wie einen Angestellten mal eben dazuabstellen weisungsgebunden ein Logo zu zeichen. Ein guter Designer ist eben kein Umsetzungsgehilfe, sondern ein Berater seines Kunden.

  109. @koni

    „Im Endeffekt muß halt jeder nehmen was der Markt hergibt“

    Nein!!! Wir müssen gemeinsam eine Linie fahren, dann ist es für den Kunden transparent und verständlich.

    „Und darauf gründet ja auch der VTV-Design mit seinem Faktorsystem: Der renommierte Gestalter kann von einem Multi mehr an Kohle rausholen wie der arbeitsamtsumgeschulte Mediendesigner für das Logo des Rohrreinigers um die Ecke.“

    Nein!!! Der VTV trifft keine Aussage zur beruflichen Herkunft und Erfahrung eines Designers oder zur Qualität der Arbeit. Wie oben schon oft gesagt, werden nicht professionell arbeitende Gestalter durch die KSK leider subventioniert.

  110. @koni
    „Ist eh müssig darüber zu diskutieren „

    Genau darum geht es! Wir dürfen die Diskussion nicht scheuen. Wer „zu faul“ ist sich für sein Honorar einzusetzen, der hat es auch nicht verdient.

  111. CL: „Der VTV trifft keine Aussage zur beruflichen Herkunft und Erfahrung eines Designers“

    AGD VTV Design 7.3: „ Der Stundensatz eines fachlich qualifizierten Designers {bestimmt durch Ausbildung, Rang und Ruf sowie Berufserfahrung) wird …“

  112. Lieber Christoph,

    das Pareto-Prinzip scheint dann nicht für Friseure, Anwälte, Ärzte uva zu gelten. ;-) #110

    Lieber Thomas,

    7% USt haben nix mit „Freiberuflichkeit“ zu tun #108 (ein A.) – sondern es gibt einen langen Katalog an Leistungen und Waren, die für den Endverbraucher mit einer geringeren Umsatzsteuer belastet werden sollen. Das reicht von Lebensmitteln über Bücher bis hin zu (neuerdings) Hotelübernachtungen und (schon lange) „die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben“ (UStG §12 (2) 7. c.). Die USt-Höhe ist für den B2B-Bereich, in dem ein Großteil der Designaufträge abläuft irrelevant. Und die Anwendbarkeit (Anwendungspflicht) dieses Steuersatzes nimmt von Illustration, Fotografie und Text (häufig) über Produkt- und Grafikdesign (ab und zu) bis Webdesign (seltenst) stark ab, ist also für einen Großteil der Kommunikationsdesigner ohnehin ohne Belang.

    Gibt noch einige andere Unschärfen und auch schiefliegende Argumentationsketten in dem Beitrag. Ich vermute aber mal, dass sich die zu Grunde liegende Gefühlslage „egal wie man’s macht, es wird nie was Richtiges“ ohnehin nicht durch weitere Austausch bewegen ließe? ;-) Da ich Dich/Sie nicht – und schon gar nicht zu den Bürozeiten – zu einer optimistischeren Sicht auf Welt, Gesellschaft, Rechtslage diskutieren werde, verbleibe ich mit internetten Grüßen

    Friederike

    PS: Sehr cool finde ich die Aussagekombi „Nutzungsrechte sind nix für den Designeralltag*“ gefolgt von „natürlich unterschiedliche Vergütungshöhen für ein Logo, wenn es vom Bäcker nebenan oder dem international tätigen Maschinenbauer sein soll“. Nichts anderes meint der VTV Design: die Vergütung ist abhängig vom Nutzwert des Gestalteten für den Kunden. Ein regionaler Backwarenhersteller hat weniger Nutzen/Gewinnerwartung, als ein global bekannter Limonadenproduzent.

    *meint meist: „Ich kann mit bestimmten Kunden darüber nicht reden, das werden immer komplizierte und unbefriedigende Gespräche.“

  113. Ohne die KSK-Subventionen würden die ganzen Unfähigen zur freien künstlerischen Berufsausübung endlich aus dem Markt purzeln und das wäre für den Markt als ganzes nur von Vorteil.

  114. Nochmals zur KSK: Aufgrund der hier schon mehrfach vorbesprochenen Ungereimtheiten, Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG) sind wir (Werbeagentur) schon vor einem Jahr dazu übergegangen, unsere Kunden auf allen unseren Rechnungen darüber zu informieren, dass der Gesetzgeber auf künstlerische Leistungen Abgaben nach dem KSVG fordert. Anlass hierfür war u.a., dass mehrere Steuerberater auf Kundenseite das Gesetz einfach ignorieren oder nicht verstehen oder falsch anwenden; dass weiterhin ein ungutes Wettbewerbsverhältnis entsteht, wenn auf identische Leistungen (z.B. ausbelichtungsfertiger Aufbau eines Kataloges) bei Bearbeitung in Agenturen eine Abgabe gefordert wird, bei Bearbeitung in einer Druckerei keine Abgabe gefordert wird.

    Unser O-Text hierfür:
    „Aus gegebenem Anlass möchten wir Sie darüber informieren, dass der Gesetzgeber auf künstlerische Leistungen Abgaben nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) fordert.

    Das KSVG stellt für viele Kunstschaffende die einzige Form der sozialen Absicherung dar und ermöglicht freischaffenden Künstlern und Publizisten Zugang zu den gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen. Das ist auch gut so.

    Wir sind als gewerbliche Werbeagentur jedoch nicht Nutznießer dieser Gesetzgebung und besitzen keine Ansprüche gegen die Künstlersozialkasse. Wir zahlen für alle unsere Mitarbeiter Beiträge in die gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherungen und sind gewerbesteuerpflichtig.

    Trotzdem (und für uns nicht verständlich) müssen laut Gesetz auf unsere gewerblichen Kreativleistungen Abgaben gezahlt werden. Sie sind demnach als unser Auftraggeber nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz verpflichtet, eine Künstlersozialabgabe an die Künstlersozialkasse zu leisten. Dies sind derzeit 4,1%.

    Deshalb haben wir nach den Inhalten des KSVG §2 und nach unserer Auffassung zur Vereinfachung für Ihren Steuerberater nebenstehende Rechnung in Kreativleistungen (abgabepflichtig) und handwerkliche Leistungen (nicht abgabepflichtig) unterteilt. Bitte besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrem Steuerberater.

    Hinweis: Künstlerische Leistungen von juristischen Personen (z.B. von einer „Werbeagentur GmbH“) sind nicht abgabepflichtig, jedoch ist auch in deren Rechnungen diese Abgabe enthalten, da die „Werbeagentur GmbH“ selbst für künstlerische Leistungen abgabepflichtig ist und diese Abgaben natürlich weiterreicht und in ihre Abrechnungen mit einkalkuliert.“

  115. Hallo allerseits,

    nach der Petition ist vor der Wiederaufnahme des Themas „KSK und ihre bestmögliche Durchführung“ bei unseren Volksvertreterinnen und -vertretern. Dieses Anliegen bekommt zusätzlichen Anschub durch die aktuelle Entscheidung des KSK-Beirats erstmals nicht für die Anpassung des Anteils, der seitens der Verwerter eingezahlt wird, zu stimmen, sondern stattdessen den Bund (und damit uns alle über unsere gezahlten Steuern) in die Pflicht zu nehmen. Denn schließlich sei die Entwicklung absehbar gewesen und mit der fehlenden Klärung/Klarstellung der Aufgabenverteilung (und ihrer Finanzierung), vom Bund selbst zu vertreten – insbesondere durch die unterschiedlichen Empfehlungen von Sozial- und Wirtschaftsausschuss zu einer entsprechenden Gesetzesergänzung, die auch in der hier besprochenen Petition thematisiert wird.

    Wer sich weiter in die Tiefen des gar nicht sooo komplizierten Streits zwischen DRV und Bund und Hintergründen der Beirats-Entscheidung einlesen will, kann das gerne hier tun: http://www.agd.de/1047.html.

    Aber Achtung: eine grundsätzliche Freude am Durchdringen komplexerer Zusammenhänge ist von Vorteil, außerdem geht es dabei nicht um die Grundsatzideologie, ob KSK und wenn ja, wie vielleicht mal ganz anders. ;-) Weil es nur noch mittelbar mit dem hiesigen Petitionsthema zu tun hat, bin ich im Rahmen meiner Möglichkeiten kurz angebunden geblieben.

    Allen einen schönen Tag noch! Internette Grüße
    Friederike

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