real Ohne teuer – Glühlampen

Ohne teuer. Die neue Marke von real

real Ohne teuer – Glühlampen

Die Handelskette real hat Anfang des Monats eine neue Discountmarke eingeführt, die sogleich in den Medien für starke Resonanz sorgte. Einige Medien, unter anderem Stern.de, stufen die Einführung der Discountmarke als Kampfansage gegen Aldi ein. Schlagzeilen, über die man bei der Metro-Tochter real sicherlich nicht unglücklich sein dürfte, ist doch genau dies einer der Hauptgründe, eine weitere eigene Billigmarke zu lancieren.

Die neue real-Discountmarke ist, anders etwa als die ebenfalls von real vertriebenen TiP-Produkte, namenlos, nicht ohne Grund. Der Verzicht ist Teil der Markenstrategie, die die Positionierung als Billigmarke zusätzlich befeuern soll. „Ohne Like-Button. Ohne Schnickschnack. Ohne teuer“ ist das Motto. Es wird der Eindruck suggeriert, dass an allen Ecken und Kanten gespart wurde, um den Preis der ganz in gelb gehaltenen Billigprodukte so niedrig wie möglich zu halten. Peer Schader stellt im Supermarktblog fest, dass die Preise gar nicht mal so niedrig sind, zum Teil sogar über denen der TiP-Produkte liegen. Wozu also der ganze Aufwand, fragt man sich.

Ohne teuer – Marke

Mit den Verpackungen der „Ohne teuer“-Serie – es gibt also doch einen Namen – vollzieht real einen Bruch mit dem vertrauten Corporate Design. Statt rot-blau-weißer Farbgebung dominiert ein schrilles Gelb. Gelb ist im Kontext von Billigmarken kein unbeschriebenes Blatt. Die Loblaw Companies Limited, Kanadas größter Lebensmittelhändler, führte bereits Ende der 1970er Jahre das „no name“-Label ein. Seitdem lenkt nicht nur in Nordamerika ein schrilles Gelb die Aufmerksamkeit preisorientierter Verbraucher auf günstige Handelsprodukte. Was sich auf der anderen Seite des Atlantiks seit Jahrzehnten bewährt hat, muss doch auch hier funktionieren, könnte man sich gedacht haben.

real Ohne teuer

Während etwa Edeka in jüngster Vergangenheit dazu übergegangen ist, Eigenmarken stärker an das eigene Corporate Design zu binden, was alles andere als risikolos ist, wie auch bei Handelsblatt.de nachzulesen ist, koppelt real die neue Discountmarke gänzlich von der eigenen visuellen Identität ab. Es ist die risikoärmere Strategie, könnte man doch die Marke im Falle eines Scheiterns wieder sang und klanglos von der Bildfläche verschwinden lassen. So würde man größeres Weh vom Supermarkt selbst fern halten. Im Worst-Case-Szenario blieben die Medienberichte erhalten, wonach real Aldi den Preiskampf angesagt habe. Nicht das schlechteste Konzept. Es ist sicherlich kein Zufall, dass man die neue Marke auf der Facebook-Fanpage von real und auf Google+ vergeblich sucht. Nun versteht man auch „Ohne Like-Button“.

In den real-Märkten ragt die neue Discountmarke dank gelber Farbgebung aus dem übrigen Sortiment heraus. Eigenmarken wie „ja!“ war früher anzusehen, dass sie vorbei am Tisch von Kreativen entwickelt worden sind. Heutzutage ist mit der Entwicklung und Pflege von Eigenmarken wesentlich mehr Aufwand im Bereich der Kreation verbunden, auch die Gestaltung der „Ohne teuer“-Verpackungen ist Beleg für diese Entwicklung.

Natürlich möchte man bei real den Eindruck erwecken, es sei auf jeglichen „Schnickschnack“, auf jegliche, überflüssige Gestaltung verzichtet worden. Durchkonzipiert und -gestaltet ist die Marke gleichwohl. Das Ergebnis ist eine aufwendige Markeninszenierung, die die Illusion vermitteln soll, es handele sich bei „Ohne teuer“ gar nicht um eine Marke im herkömmlichen Sinn. Auch auf Nachfrage wollte man mir nicht mitteilen, welche Agentur für die Gestaltung der Verpackungen verantwortlich zeichnet. Verständlich, denn es wäre der Illusion wenig zuträglich. Nichts soll von dem mutmaßlich kleinen Preis ablenken, schon gar nicht ein Budget für kreativen „Schnickschnack“.

Sicher, bei der Auswahl der Schrift wurde gespart. Hier fiel die Wahl auf den Freefont „Hollywood Starfire“.

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45 Kommentare zu “Ohne teuer. Die neue Marke von real

  1. Ich denke nicht, dass bei der Schriftart gespart wurde. Wie auf dafont.com vermerkt ist, ist sie nur zum „Nicht- Kommerziellen- Gebrauch“ kostenlos. Man wird sich mit dem Gestalter ausgesprochen haben, und dieser wird auch genügend Honorar bekommen haben. Es sei denn, Real legt es auf einen Rechtstreit an, was ich bezweifle.

  2. Da gibt es doch auch diese 0,5 Dosenbiere, gener für festivals gekauft. Die funktionieren nach dem selben Prinzip:
    Klick mich, ich bin ein Pils ohne Schnickschnack

    Ich bezweifle aber, dass die auffällig gelbe Packung gegen die anderen, liebevoll und nach psychologischen Richtlinien gestalteten Packungen ankommt.

    Stellt euch das ganz einfach mal mit einem Fertig-Pastagericht vor: Nehme ich lieber die gelbe, fade Packung, oder doch lieber die mit dem schön angerichtetem Teller Nudeln drauf? Lieber das gelbe Klopapier, oder ein Klopapier mit einem flauschig-weichem Welpen drauf? Nimmt ein Kind lieber die Gelbe Schokolade, oder eher die bunt-gestaltete mit Kindermotiven drauf?

    Jemand, der sparen möchte, dem ist klar, dass er hier zu „gelb“ greifen muss, aber ein Kind, ein hungriger Konsument oder eine Mutter im Stress denk da nicht dran ;-)

  3. Aus Verbrauchersicht mag ich das Packungsdesign mal so gar nicht. Im Kühlschrank sieht alles gleich aus und man muss schon immer explizit die Produktbeschreibung lesen. Speziell bei den Säften ist das sehr „unschön“.

  4. @NInni: Freilich wirken aufwändig gearbeitete Verpackungen attraktiver.- Allerdings kann ich mir vorstellen, dass das Bewusstsein über die werbliche Realität beim Konsumenten heute sehr stark ausgeprägt ist. Wenn sogar Aldi Produkte immer schicker verpackt werden, verschwimmen die Grenzen, eine Beurteilung wird schwierig, die Produkte fallen einer allgemeinen Beliebigkeit anheim. Es ist nur allzu offensichtlich dass der schöne Schein keinerlei Schlüsse auf den Inhalt zulässt (Oftmals nicht mal der Preis, besonders bei den großen Ketten)

    Die bewusste Reduktion der Verpackungen, insbesondere bei der Namensgebung, kann da wieder als ein echter Bonus wirken. Mir persönlich ist eine Packung auf der „Schokolade“ steht, anstatt „Princess Deluxe Sahnetraum“ deutlich sympathischer, etwas paradox, aber die schnörkellose, wahrhaftige Betitelung wirkt auch mich (subjektiv!) fast hochwertiger.

    Die Wahl der Typ und Farbkombination zielen allerdings eindeutig auf „billigst“ – für meine Geschmack mit der absurden Schreibmaschinen/Grunge Type etwas zu gewollt… Aber es funktioniert.

  5. Für mich funktioniert diese Kampagne überhaupt nicht. Ich begrüße es durchaus, dass „echte“ Markengestalter am Werk waren; doch jeder der ein bisschen Ahnung von Multisensualem Branding hat u die Wirkung von Farben kennt, bemerkt schnell, dass diese Farbe mehr als abturnt. Ich möchte keinen Multivitaminsaft trinken, der mich so grell anschreit u auf meiner Zunge schon beim Anschauen nach künstlichem Aroma schmeckt.

  6. @Jürgen:
    Klar, wer es darauf abgesehen hat, der findet die gelbe Packung super. Anfassen wird sie auch jeder, gerade weil, wie du schon sagtest, sie einfach heraussticht. Bei der Namensgebung muss ich Dir zustimmen. „Vollmilchschokolade“ klingt deutlich ansprechender als die…ehm, “Princess Deluxe Sahnetraum” (you made my day ^-^)
    Aber schauen wir mal rüber zu den Senioren oder den Kindern, die in Mamas Auftrag kurz zum Regal springen sollen und „Nudeln mit roter Soße“ holen sollen. Klar, die greifen zur Packung mit den Nudeln mit roter Soße drauf. Die lesen nicht erst überall nach, ob da jetzt „Carbonara“ oder „Napoli“ draufsteht…die greifen rein, weil die DAS gesucht haben.

    Oder Inhaltsstoffe. Ich möhte Spaghetti Carbonara kaufen, aber ich hasse Pilze. Manchmal sind da Pilze drin…meist erkennt man das auf dem Bild vorne drauf. Bei der gelben Packung muss ich erstmal herausfinden, WELCHES den Carbonara ist, und hinten nachlesen, ob Pilze drin sind.

    Mindestens ein Produktbild könnte da helfen, das kriegt sogar TIP hin.

  7. Es ist doch irgendwie komisch … Nix teuer und ohne schnickschnack … Aber dann doch exklusiv sein wollen bei real?! Hmmm vielleicht hätte es ein nur auch getan?

  8. Nunja nunja, lieber kein Bild als ein Bild von saftigen Wiesen und glücklichen Tieren (welche es kaum erwarten können, endlich als Wurst verarbeitet zu werden)…inzwischen müsste ja Jeder mitbekommen haben das die Lebensmittel-Branche kein „Ponnyhof“ ist… von daher Konsequent ;-p

  9. So stellt man sich die Lebensmittel-Rationen nach einem Atom-Krieg vor. Erinnert mich auch ungewollt an die Verpackungen der Lebensmittel in der TV-Serie LOST.

    Der Verzicht auf Schnickschack ist ja sehr löblich aber wenn dies so weit getrieben wird, dass die Verpackungen alle gleich aussehen und somit der praktische Nutzen leidet, ist dies auch nur eine Schnickschnack-Gestaltung.

    Hätten sie darauf verzichtet den Claim auf jede einzelne Packung zu drucken und sich stattdessen mehr auf das eigentliche Produkt konzentriert (darum geht’s ja schließlich), dann wäre das in der Tat eine moderne und willkommene Idee gewesen.

    Anstatt also „Ohne Schnickschnack. Ohne teuer. Exklusiv bei real.“ hätte man doch auch mal die Glühbirne aufdrucken können! Von mir aus auch als einfarbige Silhouette oder ein Fenster im Karton gelassen.

    Fehlt eigentlich nur noch ein TV-Spot in dem auf gelb geschrieben steht: „Ohne Werbung.“

    ;)

  10. Ich mag es auch nicht. Wenn ich so ein liebloses, gelbes Lebensmittel kaufen müsste, würde mich das eher an Soylent Green erinnern als an leckeres Essen. Ähnlich bei den Non-Food-Sachen: die sehen schon so aus, als würden sie nicht lange halten oder nichts taugen. Da sprechen mich die Eigenmarken von Aldi Süd wesentlich mehr an; die sind preiswert und hübsch gestaltet (komischerweise wurden da auch Verpackungsdesigner bezahlt und trotzdem sind die meisten Artikel sehr preiswert). Hier bei dem gelben Zeug denke ich an unmotivierte Kassierer in neonbeleuchteten Geschäften, wo irgendwelche Randgruppen mit dauerverschnupften Kindern und stinkige Typen in zerknuddelten Plastiktüten ihre Billig-Billig-Einkäufe ‚reinraffen.

    Ich finde, diese Masche zieht überhaupt nicht, und wenn ich mir irgendwelche Artikel überlegen müsste, wo das Konzept für mich aufgehen könnte, fällt mir ehrlich gesagt kein einziger ein. Küchenrollen vielleicht…mit viel Wohlwollen.

  11. Die Idee ist nicht neu, die Umsetzung allerdings mehr als lieblos. Man versucht zu vermitteln, dass die bunt bedruckte Verpackung soviel mehr kostet. Denn der einzige Unterschied bei vielen Produkten ist nur die Verpackung.

    So ganz verstehe ich es allerdings nicht:
    in unserem Real ist der Hauptgang rechts und links mit dieser Marke zugepflastert. Im Regal selbst sind die Produkte noch nicht angekommen, sondern befinden sich aktuell nur auf Premiumflächen.

    Neben TIP und Real Quality launcht man hier eine dritte Marke, die aber nicht günstiger ist. So kosten bei uns TIP Hartweizen Spaghetti 0,39 EUR, Real Qualität 0,89 EUR und die „ICH BIN DOCH KEINE MARKE“ ebenfalls 0,89 EUR. Somit liegt es auf dem Preisniveau der Quality-Marke. Und die hat ein angenehmes und ansprechendes Design.

    Das Gelb springt einem natürlich ins Auge. Passend mit der natur/gelb/beigen Hausfarbe in den Real-Märkten eine ziemlich gewagte Zusammenstellung.

    Und die Verweildauer am Produkt ist durch die fehlenden Abbildungen natürlich massiv länger. Wenn ich die Verpackung vom Orangensaft nehme und 100% Frucht möchte, muss ich die „ICH BIN DOCH KEINE MARKE“ zuerst einmal in der Sorte Orange finden, weil sie ja alle gleich aussehen, dann nehmen, umdrehen und siehe da: der Orangensaft ist ja keiner, sondern ein Nektar, weil mehr Zucker und Wasser als Orange drin ist.

    Was bringt es dem Verbraucher? Nichts. In vielen „GELBEN“ Produkten steckt eine minderwertigere Qualität, im Toilettenpapier sogar eine ganze fehlende Lage.

    Erwarten würde ich diese Produkte in der Farbe eher in der Postfiliale, sollte es noch irgendwo eine geben.

  12. Bin wirklich gespannt auf die Möglichkeit der Unterscheidbarkeit innerhalb von Produktgruppen. Ansonsten mag ich solch Konzepte eigentlich sehr gern. Dieses erscheint aber eher lieblos – da hat Penny bzw. die Peter Schmidt Group die Latte schon recht hoch gelegt. Ehrlich – man kann es besser machen!

  13. Ich verstehe diese zusätzliche „Marke“ nicht wirklich, zumal sie ja von der Preisgestaltung z.T. teurer ist als die Discount-Marke und sich z.T. gar nicht von der „Premium“-Marke des Marktes unterscheidet allerdings minderer Qualität ist. Wofür also? Die Gestaltung lädt auch nicht wirklich dazu ein, zuzugreifen. Ein Blickfang sicherlich…

  14. Das Ganze ist wirklich keineswegs neu, sondern fast 1:1 abgeschaut von den „No Frills“-Produkten in Nordamerika, die quasi mit demselben Design und v.a. auch mit dem selben Motto arbeiten („Kein Schnickschnack“ ist ja quasi die direkte Übersetzung von „No Frills“):
    http://forkingtasty.com/no-frills

    In Nordamerika gibt es sogar eine Supermarktkette, die „No Frills“ heißt und sich mit dem entsprechenden, gelben Design vermarktet: http://dev-nofrills.cyzap.net/Locations/DENISON/NF05/
    Siehe dazu auch folgender Blog-Beitrag: http://www.cheapcouver.com/no-frills

    Fehlt bei real also eigentlich nur noch das „Won’t be beat“-Versprechen von „No Frills“:
    http://smartcanucks.ca/no-frills-now-price-matches/

  15. „Tolle“ Idee. Besonders die Getränkepackungen, denen man nicht ansieht, was drin ist. Für Menschen, die mit dem Lesen Schwierigkeiten haben, weil sie die Sprache nicht beherrschen oder weil sie einfach noch nicht lesen gelernt haben, ist das doch mal richtig innovativ. Auf diese Weise kann sich ein Kind ja nichtmal ohne elterliche Hilfe den richtigen Saft aus dem (Kühl-)Schrank holen.

    Ich habe vor ein paar Jahren gern den Großeinkauf bei real erledigt und bin inzwischen vollständig davon abgekommen – Edeka, ALDI und LIDL liegen nicht nur näher, sondern wirken (zumindest hier) tatsächlich sympathischer. Wenn ich heute mal zu real komme, finde ich es unübersichtlich und irgendwie schmuddelig. Diese neue Marke trägt ganz sicher nicht zur Aufwertung des Images bei.

  16. Kritik und Qualität hin oder her, aber ich finde es mutig und bin beeindruckt, dass REAL das macht.

    Ich bin sehr neugierig drauf, was daraus wird.

  17. Ich kann mir vorstellen, dass das bei non-food (Glühbirnen, Toilettenpapier etc.) ganz gut funktioniert, aber bei Lebensmitteln bin ich mir nicht so sicher, denn die Packungen sehen im Kühlschrank oder auf dem Küchentisch wirklich nicht schön aus – wer will schon beim sonntäglichen Frühstück daran erinnert werden, dass er sich nur die billigste Butter kaufen konnte. Ich kann mir erinnern, dass vor ca. 15 Jahren noch die meisten Eigenmarken (Tip, A&P, …) so nüchtern daherkamen, inzwischen sehen die alle etwas „gestalteter“ aus – wird schon einen Grund haben.

  18. Unabhängig von Geschmacksfragen: Ich bin mir nicht so sicher, ob diese Strategie tatsächlich so viel risikoärmer ist als der Weg, den Edeka beschreitet. Das grelle Gelb der neuen Produktlinie wird in den Läden sicher auffallen und die Produkte werden schon deshalb ganz praktisch mit der real Marke verbunden sein, jedenfalls in der Wahrnehmung der Kunden.
    Umgekehrt glaube ich kaum, dass es bei Edeka so gefährlich wäre, die schicken Eigenmarken irgendwann einmal wieder „auszuschleichen“. (Wäre aber schade, sie sind m.E. eine Bereicherung im Sortiment.)

    Wie dem auch sei, die Frage ist ja, ob das Ziel erreicht wird. Ich bin gespannt. Denn in den Köpfen der meisten Kunden ist die Hierarchie noch sehr klar: Aldi ist billig, real hat viele Marken und ist teuer. Auch wenn das schon länger nicht mehr ganz der Realität entspricht.

  19. Denn in den Köpfen der meisten Kunden ist die Hierarchie noch sehr klar: Aldi ist billig, real hat viele Marken und ist teuer.

    Vielleicht ist dass ja der einzige Lebenszweck dieser Submarke: Dieses Real Image etwas zu entschärfen und zu suggerieren, dass es dort, wie bei der Konkurrenz ebenfalls Billigst-Artikel zu kaufen gibt? Von daher evtl., auch die unausgegorene Preisgestaltung – es geht nur um die Botschaft, „wir können auch billig“, nicht um das reale Produkt, oder die Linie…

  20. Mich hat es zuerst an die „Home-Brand“ von Woolworth in Australien erinnert – auch da scheint das Missen eines richtigen Markennamens zum Konzept zu gehören („Hausmarke“). Wobei der einheitliche Auftritt der Verpackungen auch hier ganz klar eine Markenidentität vorweist.

    http://1.bp.blogspot.com/_6PbDs8G3dZs/TEQJ3gZEMyI/AAAAAAAADgU/KU29hnI0LpI/s1600/home-brand-products.jpg

    Ich finde das Verpackungsdesign bei real aber sehr gelungen; anders als andere Verpackungen mit vielen Bildchen und teils buntem oder schiefem Text wirkt die Reduzierung auf das Wesentliche angenehm.
    Und das auffällige Gelb macht das Einkaufen einfacher – „was dir da so gelb in’s Auge springt, ist das Günstigste“ – besser, als Preisschildchen vergleichen.
    Wie auch bei „Ja!“ finde ich nur dieses One-for-all etwas skuril – Meine Socken sind von der gleichen Marke wie meine Milch…

  21. Vertrackt? Eine veritable Marketing-Mogelpackung.

    Und dazu noch eine mit kommunikatorischen Kunstfehlern, weil es an deutlichen Unterscheidungsmerkmalen typografischer und bildlicher Art fehlt, rasch Wäscheleine 50m von Spaghetti 500g zu unterscheiden.

    Wohl nur für Adressaten, die eine Anti-Werbung-Haltung haben und puristische Konsumrausch- oder gar System-Hasser sind? (Vermutlich auch Linux-Rechner zuhause … ?). Beißt sich dann aber damit, das Leute, die über eine ausgewiesene Anti-Werbung-Haltung verfügen, in der Regel – und zumindest in D (USA weiß ich nicht) – deutlich besser rechnen können. Für welche Zielgruppe ist also dieser gelbe Angriff? Was sagt die Marketingabteilung von REAL? Wie war das Briefing genau?

  22. Vroni, die Spaghetti werden wohl bei den Nudeln liegen und die Wäscheleine bei den Haushaltswaren. Schon haben wir uns wieder gespart worin Du einen „kommunikatorischen Kunstfehler“ vermutest.

  23. Real versucht mit ALDI und Konsorten zu konkurieren und scheitert schon auf der Startlinie
    indem sie versuchen eine neue Billig-Marke einzuführen, die, wie tas schon richtig anmerkte,
    in Wahrheit gar nicht billiger ist.
    Das Design ist auffällig, aber in heutigen Zeiten, wird jeder Euro in der angestrebten Zielgruppe
    zweimal umgedreht und auf jeden Preis geachtet, so daß der Käufer weiterhin zum billigeren TIP
    greifen wird (und die Milchmädchenrechnung beim 2lagigen Toilettenpapier überlasse ich jedem
    selbst).
    Wenn die Preise für diese „Ohne Teuer“-Produkte nicht alsbald ihrem Namen Ehre machen,
    wird diese Kampagne ein Rohrkrepierer sondergleichen.

  24. Tja, wozu der ganze Aufwand fragt man sich. Das ist einfach erklärt, man nennt das Werbung, denn solange die Leute über einen sprechen ist man interessant, oder? Hat doch funktioniert :)

  25. Zugegeben, eine Wilde Spekulation von mir: Aber könnte es nicht sein, dass alleine die Ausstellung dieses extrem billig wirkenden (!) Produktes im Laden dazu führt, dass sich die Konsumenten besser fühlen? Besser weil ihnen suggeriert wird, ein günstiger Einkauf ist auch im Real möglich (vs. der allgemeinen Auffassung vorher, wer günstig will muss zu Aldi/Lidl/etc) und auch besser, weil es doppelt Spass macht sich bewusst eben nicht für das (vermeintlich) günstigste Produkt, sondern „etwas besseres“ zu entscheiden?
    Wie schon erwähnt könnte diese Marke einzig und alleine als Imageaufbesserung dienen, quasi nur als eine Kulisse eines echten Billig-Angebotes?

  26. Die Analphabeten werden sich (gerade bei den komplett geschlossenen Packungen) gar nicht freuen. Bei rund 7 Millionen in Deutschland ein mehr oder weniger „problematische“ Entscheidung.

  27. So ein ähnliches Design gibt es schon seit Jahrzehnten „ohne Namen“ und „exklusiv“ bei der Bundeswehr. Auch bei den Tütchen und Beutelchen der Einmannpackung (EPa) muss man aufpassen, daß man sich nicht Salz oder Erfrischungstücher anstelle von Zucker in den Kaffee kippt, weil die Beutelchen und Päckchen alle gleich aussehen.

  28. Erinnert mich an einen cartoon … zwei leute beim frühstück, auf dem tisch 20 produkte der marke „ja!“. „Gibst du mir mal bitte das Ja?“ „Ja!“
    („ja!“ ist allerdings eine handelsmarke von Rewe; in Deutschland generische no-name-billigmarke, in Österreich als „ja! natürlich“ die biomarke des konzerns …)

    Eine rauhe schreibmaschinenschrift (wenn auch nicht ganz so zerfranst) als unternehmensschrift hatte auch schon die handelskette Wertkauf in den 1980er/90er jahren (1997 an Wal*mart, inzwischen real,-). Die unternehmensfarben waren blau und weiß (und manche mögen sich an die „Wertkaufbusse“ erinnern, auf denen in dieser schrift stand „Wir alle fahren zu WERTKAUF*“ – teils waren dies linienbusse, teils unternehmenseigene shuttlebusse).

  29. @tbk:
    Kurz zu JA! die Marke ja!-Natürlich ist seit 1994 auf dem Markt und Österreich Biomarke Nr. 1 (laut Selbstdefinition). Damals beim Supermarkt Billa erschienen, der erst seit 1996 zu Rewe gehört. Daher konnte man schlecht die deutsche JA! Marke im Land der Berge etablieren – tat es aber dennoch, allerdings nur die Produkte und die Verpackung. Es sieht 1:1 gleich aus heißt dann aber „clever“. Siehe auch: http://www.cleverkaufen.at/Homepage/Homepage/cl_Portal.aspx

    Das Beste an der neuen „Marke“ von real,– ist der Hinweis auf „Die neue Marke bei real,–“ – wenn man denn schon so alles „ohne“ sein will, warum denn dann eine Marke? Der Begriff „Marke“ verbindet doch automatisch eine gewisse Haltung vgl. „Markenjeans“, „Markenschuhe“ etc. Das ganze hätte man besser als „Nicht-Marke“ verkauft, dann könnte man sie wenigstens von all den anderen abheben.

    Gestaltet wurde aber trotzdem und man fragt sich, wenn die Ohne-Marke nicht billiger als z. B. Tip ist, wozu das Ganze? Ich halte nicht viel davon, weder inhaltlich noch optisch, zu mal es auch Billigmarken gibt, die auch „ohne Schnickschnack“ gut aussehen können wie etwa die 5,0-Bier http://5-0-original.de/home/ oder auch die MediaMarkt OK-Produkte(-Verpackung) http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=0we_5Q1whw0

    Und ich denke letzteres trifft den Zahn der Zeit einfach mehr als real,–
    Basic ist das neue Billig.

  30. Billig soll es sein, billig sieht es aus. Da weiß man, was man kauft. Ansich ist das Konzept des Minimalismus nicht mal sooo schlecht. „ja!“ hieß früher „die Weißen“ und das hier sind dann eben „die Gelben“ Produkte von real. Hat zumindest Wiedererkennungswert.

    Ich würde allerdings noch mit Produktbezogenen Piktogrammen arbeiten, also auch ne Frucht auf die Safttüte packen, um zumindest aus ner gewissen Distanz nen Unterschied zu sehen. Ohne Schatten, ohne Verlauf, gleichermaßen minimalistisch. Es würde das Ganze etwas aufpeppen.

    Nicht neue und eigentlich auch gute Idee, nur leider etwas lieblos umgesetzt.

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