NRW EFRE Programm

NRW-Wirtschaftsministerium verschickt fragwürdige Logo-Ausschreibung

NRW EFRE Programm

Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen schreibt derzeit ein Logo aus und erwartet von allen Bietern, dass sie mit Abgabe des Angebots auch gleich die entsprechenden Entwürfe einreicht. In der Ausschreibung heißt es: „Der Zuschlag wird auf das wirtschaftlichste Angebot erteilt.“

Es ist ärgerlich genug, dass Agenturen sich in Pitchs immer dreisteren Anforderungen seitens Auftrag vergebender Unternehmen ausgesetzt sehen. Dass öffentliche Auftraggeber diese Entwicklung zudem noch verstärken, macht die Situation umso schlimmer. Wer am meisten im voraus leistet und dabei den geringsten Preis abgibt, der gewinnt. Auch in diesem Fall scheint dieses Motto zu gelten. Das NRW-Wirtschaftsministerium schreibt im Rahmen des sogenannten EFRE-Wirtschaftsförderungsprogramms die Kreation eines Logos sowie die damit in Verbindung stehende Bezeichnung aus. Das oben abgebildete „Ziel2“-Logo soll im Rahmen der nun anstehenden Förderperiode, die bis 2020 geht, durch ein neues Zeichen abgelöst werden.

In den Ausschreibungsunterlagen werden alle Bieter zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Allerdings sollen nicht nur der veranschlagte Arbeitsaufwand in Stunden sowie ein Preis für die Kreation eingereicht werden, auch der oder die entsprechenden Entwürfe sollen gleich mit in den Umschlag. Während in fairen Pitch-Verfahren auch diejenigen Agenturen ein „finanzielles Trostpflaster“ erhalten, die bei der Vergabe des Auftrags leer ausgehen, ist in diesem Fall, wie mir auf Nachfrage von Seiten der zentralen Vergabestelle im Ministerium bestätigt wurde, eine solche Aufwandsentschädigung nicht vorgesehen. De facto arbeiten also alle Bieter, bis auf den Sieger, für lau.

Ausschreibungen, bei denen die Gestaltung einiger weniger Elemente (z.B. Logo, Anzeige) im voraus „angefragt“ wird, und die, so man denn den Zuschlag erhält, die Beauftragung weiterer Leistungen nach sich ziehen (z.B. komplettes Corporate Design, Kampagne), sind weit verbreitet. Jede Agentur wägt in einem solch Pitch ab, ob sie sich auf diesen Pakt einlässt. Im Fall der Ausschreibung um das EFRE-Programmlogo ist allerdings mit Abgabe des Angebotes bereits die Hauptleistung erbracht! Im Bedarfsfall folgt lediglich noch die Reinzeichnung des Logos. Logoeinreichung mit Preisetikett. „Der Zuschlag wird auf das wirtschaftlichste Angebot erteilt“, wie es in der Ausschreibung heißt. Streiche „wirtschaftlichste“ setzte „billigste“. Die Zuschlagskriterien sehen im Detail wie folgt aus: „Kreativität und Originalität der einzureichenden Entwürfe“ = 40%, „Erfüllungsgrad der unter dem Punkten 2.1 beschriebenen Anforderungen an das zu entwickelnde Logo“ = 30% (hier werden allgemeine Vorgaben definiert, etwa auch, dass das Logo in schwarzweiß druckfähig sein muss), Preis = 30%.

Gerade weil die Ausschreibung ausschließlich im Ausschreibungsportal des Wirtschaftsministeriums und lediglich den dort registrierten Nutzern einsehbar ist – ich habe über eine vom Ministerium angeschriebene Agentur davon erfahren –, darf ein solches Verfahren nicht stillschweigend hingenommen werden. Wenn Unternehmen und Behörden nach dem Motto verfahren: „Legt erst mal alles auf den Tisch, liebe Agenturen, und wir schauen dann später, wer von Euch Geld erhält“, dann kann die Empfehlung nur lauten, auf die Teilnahme am Bieterverfahren zu verzichten. Die Ausschreibung läuft noch wenige Tage und endet am 14.03.2014.

Das EFRE-Programm wird durch EU-Fördermittel realisiert. Es zielt insbesondere auf die regionale Entwicklung in den Bereichen Wirtschafts-, Struktur- und Beschäftigungspolitik ab. Im Ausschreibungstext wird die Landespolitik vollmundig angepriesen: „Die Politik der Landesregierung Nordrhein-Westfalens zielt auf ein ökonomisch leistungsfähiges, sozial gerechtes und ökologisch verträgliches Wirtschaften und auf wettbewerbsfähige und attraktive Standorte. Damit will sie gute und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze schaffen und sichern helfen, die den Menschen ein Leben in Würde ohne staatliche Zuschüsse ermöglichen.“ Die Ausschreibung verdeutlicht: zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine gewaltige Lücke.

Wettbewerbsfähige Arbeitsplätze schaffen, indem man von kreativen Dienstleistern verlangt, Arbeiten unentgeltlich zu verrichten!? Aha. Auf diesen Widerspruch hin angesprochen, ließ man bei der zentralen Vergabestelle des Ministeriums durchblicken, dass man diesen Missstand anerkenne. Mir wurde telefonisch mitgeteilt, dass die Ausschreibung überprüft würde. Wie man mir allerdings auch gleich zu Verstehen gab, sähe man keine andere Möglichkeit, als so zu verfahren. Begründung: weil es ansonsten keine Chance gäbe, die Entwürfe vorab zu sichten. Eine Logik, die sich nur vor dem Hintergrund einem durch zunehmend unfaire Pitchs und inakzeptablen Crowdsourcing-Wettbewerben verdorbenen Markt erklärt. Das ist, als würde man bei 100 Bringdiensten bestellen und nur die Pizza bezahlen, die einem schmeckt. 99 Bestellungen landen in der Tonne.

Immer wieder erschreckend, wie wenig sensibilisiert (nicht nur) öffentliche Auftraggeber augenscheinlich sind, wenn es darum geht Kreativleistungen fair auszuschreiben. Indem das NRW-Wirtschaftsministerium von Designagenturen verlangt, ohne jegliche Entlohnung Entwürfe einzureichen, fordert sie diese indirekt dazu auf, gegen ihre Interessen und unwirtschaftlich zu handeln. Ein absurde Vorstellung von Wirtschaftsförderung, die die NRW-Landesregierung verfolgt. Offensichtlich wurde beim Aufsetzen der Ausschreibung in der Fülle an Vorgaben, Richtlinien und im Befolgen von Paragraphen aus den Augen verloren, wer eigentlich Ziel einer regionalen Wirtschaftsförderung ist.

83 Kommentare zu “NRW-Wirtschaftsministerium verschickt fragwürdige Logo-Ausschreibung

  1. lieber Achim, danke für den Bericht. Ich sehe hier die Defizite im Design-Einkauf, der Design als Dekoration, nicht als Problemlösung einkauft. Wir beobachten aber in der letzten Zeit, dass derartige Ausschreibungen immer weniger qualifizierte Einreichungen bekommen. Trotzdem fordern wir im BDG weiter energisch faire Wettbewerbe und professionelle Design-Einkäufer und rufen alle Kollegen dazu auf, an unfairen Wettbewerben nicht teilzunehmen.

  2. Das ist total daneben! „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ – haben die sich ihren eigenen Claim mal durchgelesen? Sollte eine Institution wie diese nicht ein Vorbild für den Mittelstand sein? Bzw. sollten sie nicht genug im Thema drin sein und merken, dass sie mit so einer Aktion eben nicht den Mittelstand (große, namhafte Agenturen werden hier wohl aus gutem Grund nicht teilnehmen) fördern sondern genau das Gegenteil bewirken?

    Leider ist das aber die vorherrschende Mentalität in deutschen Unternehmen. Deshalb findet man auch im Gegensatz zu anderen Ländern wie England, Schweden usw. nur wenig schönes Design in deutschen Firmen und Regalen. Fragt sich, wie lang sie brauchen um zu merken, dass gutes Design eine erhebliche Bereicherung sein kann.

  3. Ich arbeite seit über 15 Jahre für ein Ministerium, und kann nur berichten das den kompetenten Referaten die Handlungsfähigkeit entzogen wurde. Der Einkauf findet zentral über Ausschreibungen statt, in denen min. 60% der Vergabeentscheidung von der Wirtschaftlichkeit abhängt (über die Niedrigstpreise der Kollegen äußer ich mich an dieser Stelle nicht). Das hat zur Folge, das eine kontinuierliche, profilgebende Arbeit nicht möglich ist – der Frust auf meiner und Kundenseite ist sehr groß.

  4. Meiner Erfahrung nach ist die Vergabepraxis nach Wirtschaftlichkeit auch nicht immer nachvollziehbar. Bei zwei öffentlichen Ausschreibung im letzten Jahr war das einzige Kriterium für die Wirtschaftlichkeit die Angabe des Stundensatzes – eine Prognose des Zeitaufwandes wurde nicht verlangt, was die Angabe des Stundensatzes letztlich völlig sinnfrei und willkürlich macht. Nichtsdestotrotz ist genau diese das Top Kriterium für die Vergabe eines größeren Design-Budgets – Geradezu Kafkaesk!

    Man darf schon ins Zweifeln kommen, ob die sicher in bester Absicht erstellten Regeln für Ausschreibungen immer zielführend angewendet werden.

  5. Eine Branche, die keine Stimme hat, kann sich nicht bemerkbar machen.
    Der Protest gegen solche Fehlentwicklungen braucht eine starke Stimme und diese Stimme ist der Berufsverband. Der Verband kann allerdings nur so laut rufen, wie er auch von Designern unterstützt wird. Das Unterstützen geht ganz einfach, kostet aber etwas Geld: 19 € im Monat. Von nix kommt nix :)

    http://www.bdg-designer.de/geben-sie-ihre-stimme-den-kommunikationsdesignern-werden-sie-mitglied-im-berufsverband

  6. Unabhängig davon hat natürlich JEDER Gestalter einer Stimme, der man hier in Form eines Kommentars, via Twitter, Facebook oder per E-Mail/Brief direkt an das NRW-Wirtschaftsministerium und/oder an dessen zentrale Vergabestelle Ausdruck verleihen kann. Wer diese Möglichkeiten ungenutzt lässt, kann nicht erwarten, dass sich die Dinge verändern.

  7. Tja, wenn alle Gestalter sich weigern würden bei solchen Aktionen mitzumachen, wird sich vielleicht langsam wieder der Gedanke etablieren, dass Gestaltung etwas wert ist. Aber leider werden sich wieder genügend Einzelkämpfer und Agenturen finden, die auch unter solchen Bedingungen bei dem Pitch teilnehmen. Und so zerstört sich die Branche langsam selbst.

  8. Ich verstehe bis heute nicht, warum der Begriff »Designer, Diplom-Designer, Design etc. pp« nicht endlich als schützenswerter Begriff etabliert wird. Ist doch klar, dass eine Wertschätzung unserer Arbeit nicht stattfindet, wenn sich jedes Nagelstudio um die Ecke »Nail-Design« auf die Fahne schreibt oder Friseure sich zu Art Direktoren oder Hair-Designern titulieren.

    Heutzutage ist alles Design und alles nichts. Die inflationäre Abnutzung des Begriffs führt dazu, dass alles in einen Topf geschmissen wird.

    Meiner Meinung nach benötigt die Branche zunächst eine klare Definition des Begriffs »Design«, um sich dann entsprechend neu zu formieren und zu festigen.

  9. Hallo Herr Büning,

    ich schätze Ihre Arbeit und Engagement für den Berufsstand, vorab also eine ehrliches „Danke“ für ihre Arbeit. Als Designer wäre ich allerdings froh, wenn die Designer Deutschlands mit einer Stimme sprechen würden. Das nebeneinanderher von zwei Verbänden (AGD und BDG) erscheint mir intransparent und ineffektiv – schon die Frage, welcher der Verbände meine Belange besser vertritt, ist von Aussen für mich nicht zu beantworten. Angesichts der Rahmenbedingungen des Designberufs in Deutschland erscheint es mir geradezu irrwitzig dass sich die Branche zwei letztlich konkurrierende Verbände leistet.
    Gibt es denn Entwicklungen die auf eine Zusammenführung der Verbände hindeuten?

    Dies nur als sehr themenfremder Einwurf und Antwort auf ihren Aufruf zum Engagement im BDG.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Jürgen Gawron

  10. »Das wirtschaftlichste Angebot« ist in diesem Fall nicht das mit dem niedrigsten Preis: wie zitiert, zählen auch »Kreativität und Originalität der eingereichten Entwürfe« sowie »Erfüllungsgrad der unter dem Punkten 2.1 beschriebenen Anforderungen an das zu entwickelnde Logo« zur Wirtschaftlichkeit, und zwar mit mehr als Zweidritteln in der Bewertung. Soviel Genauigkeit muss sein.
    Wer von uns will denn nicht, dass unsere Steuern gut ausgegeben werden, also dass die Öffentliche Hand günstig einkauft, um mehr Leistungen anbieten zu können? Sie muss auf niedrige Preise achten — ob das allerdings mit einfach niedrigen Stundensätzen geht, da habe ich mehr als Zweifel. Aber die sind so schön einfach zu vergleichen. Und oft genug haben wir es ja auch nicht mit regelmäßigen Auftraggebern zu tun.
    Abgesehen davon: selbstverständlich ist es entgegen allen guten Regeln, ohne Vergütung einen Entwurf abgeben zu müssen — hier wie so oft ja auch noch ohne ordentliches Briefing.
    *
    Organisation: ja, die ist ein großer, großer, großer Mangel bei allen in der Kreativwirtschaft Tätigen, ob angestellt oder selbständig. Neben der AGD, dem einzigen Verband für alle Designer, gibt es ja noch jede Menge Spartenverbände (Mode/Textil, Industrie …), die alle ihr eigenes kleines wässriges Süppchen kochen und durchaus mal den eigenen Interessen einen Bärendiesnt erweisen. So zum Beispiel der BDG, der veröffentlicht, dass es Grafikdesign überall für’n Appel und ’n Ei gibt mit seinem Gehaltsreport. Nein, uns gute Leute und unsere gute Arbeit gibt’s nur für gutes Geld (das war jetzt nach ver.di, der Gewerkschaft für Selbständige, zitiert)!

  11. Das ist wirklich Designlimbo – irgendein Blöder quält sich immer unter der Stange durch, egal wie tief sie hängt. Genauso wie es verzweifelte Designer gibt, die sich für (fast) jeden Lohn und für unmenschliche Arbeitsbelastung ausbeuten lassen, gibt es offenbar auch Agenturen, die unter solchen lausigen Voraussetzungen teilnehmen.

    Aber wer will sich beschweren – solange Leistung ohne faire Entlohnung nicht branchenweit boykottiert wird, werden Auftraggeber solche Späßchen versuchen. Dabei sollte inzwischen hinreichend bekannt sein, was der Tanz um das billigste Angebot bewirkt – siehe Elbphilharmonie, Stuttgart 21 etc. Folgekosten? Völlig egal, solange man bei der Auftragsvergabe ein Schnäppchen schießt.

    Und hey, immerhin ist es kein Studentenwettbewerb …

  12. Ich finde den Hinweis von Johannes auch nicht ganz unbedeutend: das wirtschaftlichste Angebot wird zu lediglich 30 % vom Preis bestimmt. Und mit der Problematik, einen Entwurf für lau liefern zu müssen, schlagen sich auch viele andere Berufsgruppen durch den Tag. In einer Goldschmiede zum Beispiel werden jeden Tag mehrere Beratungsgespräche mit individuellen Entwürfen zu Schmuck geführt, denen auch nie ein Auftrag folgt. So ist das im Leben nunmal. Und im Gegensatz zu einer Ausschreibung, bei der man die Wahl hat, ob man daran teilnehmen möchte, ist das in der Goldschmiede schon schwerer, einen potentiellen Kunden vor die Tür zu setzen … :-)

  13. Sehe wie Büning auch das Problem generell im Design-Einkauf.
    Kein Bewusstsein vorhanden.

    Wo soll es auch herkommen.

    Wenn man nicht weiß, wie man Design einzuschätzen und einzukaufen hat, dann nimmt man eben den im Beginn schon schiefen Strohhalm „Stundensatz“ und den Ausbeuter-Strohhalm „vorab eingereichter Entwurf“.

    D: Design einkaufen wie man Schrauben einkauft.
    Maschinenbauerland Deutschland. Wir können nur Autos.

    (Eigenartigerweise haben unsere Autos alle ein professionelles Design. Seltsam …, da muss jemand den pekuniären und wettbewerbsvorteilhaften Wert des Designs von Autos entdeckt haben … Man darf also die Hoffnung nie verlieren ;- . außer bei Ministerien und kommunalen Behörden, da regiert der Buchhalterbleistift und der Filz gleichermaßen. Wer Sarkasmus entdeckt, darf ihn behalten.)

  14. Rein virtuell:
    Ich stelle mir gerade geistig vor, wie die Autoindustrie anfängt, am Design zu sparen und Ausschreibungen und solche merkwürdigen Pitches zu ihrem Autodesign macht, wie es viele anderen Firmen leichtsinnigerweise zu ihrem schäbigen Kommunikationsauftritt machen.

    Hübscher kleiner Albtraum über die Autos, die das ergeben wird: nageldesign-mäßig aufdekorierte Schrott-Kartätschen. Was ein Spaß … infinite jest.

    Aber bei Kommunikation kann man das ja machen. ;- )

    Nun bin ich aber wieder ernst, wie es sich gehört.
    Ein Ministerium muss, um seiner Verantwortung dem Steuerzahler gegenüber gerecht zu werden, sorgfältig und wirtschaftlich einkaufen. Ist in Ordnung. Solange dies Designbüros oberhalb des Mindestlohns machen, wird sich auch kein ernsthaft legitimierter Streiter dagegen finden. Ist halt freie Wirtschaft you stupid, wenn der Designmarkt so ein überlaufener Haufen ist, dann ist das eben so: günstig für den Anfragenden. Kann man nicht mehr so leicht ändern.
    (Außer langfristig: den Ausbildungslevel deutlich anheben, die Studenten auf verkäuferische und betriebswirtschaftliche Mindeststandards trimmen, endlich die Berufsbezeichnung schützen, endlich alle Designverbände spürbar zu einem richtigen schlagkräftigen zusammenfassen und nicht nur ein Dachverbändchen als Häubchen oben drauf kleben als Deko^^-Maßnahme etc. pp)
    Ist aber nur meine unmaßgebliche Meinung.

    Es wird sich alles wie gehabt im Kreis drehen. Ein Shit-Störmchen und dann wars das wieder. Bis zum nächsten Shit-Störmchen durchs Designerdörfchen. Ich bin langsam zu alt für diese Dinge ;- )

    Liebe Ministerien:
    Auch hätte ich aber gerne gewusst, wie es zu dem Einkauf dieser überteuerten und völlig nutzlosen Drohne kam. Ein Mysterium im Ministerium? Aber ich bin schon still.

  15. Und mit der Problematik, einen Entwurf für lau liefern zu müssen, schlagen sich auch viele andere Berufsgruppen durch den Tag. In einer Goldschmiede zum Beispiel werden jeden Tag mehrere Beratungsgespräche mit individuellen Entwürfen zu Schmuck geführt, denen auch nie ein Auftrag folgt.

    Dieser Vergleich hinkt hier leider gewaltig: Der Goldschmied skizziert evtl. auf einem Blatt einen Schmuck-Entwurf – vielleicht gefällt er dem Kunden, vielleicht nicht – wenn er dem Kunden gefällt, erfolgt die Auftragsvergabe und es beginnt erst JETZT der Großteil der Handwerkskunst und er fängt an zu schmieden. Wenn der Papier-Entwurf nicht gefällt, kann er ihn vielleicht dem nächsten Kunden zeigen und verkaufen. Soweit so normal.

    In dem geschilderten Fall ist es aber so, dass im Prinzip erwartet wird, dass der Großteil der ausgeschriebenen Leistung schon vor der Auftragsvergabe erbracht wird. Denn hier ist die Hauptleistung: Ideenfindung, Konzeption, Kreation – die Umsetzung am Rechner ist keine besonders aufwändige Leistung mehr. Ein Schmuckstück kann auch einem anderen Kunden gefallen, ein solch spezielles Logo kann ich keinem anderen Kunden verkaufen. Die komplette Zeitinvestition ist nutzlos wenn man den Auftrag nicht bekommt.

    Wenn wenigstens das Logo nur der erste Teil einer umfangreichen Corporate Design Umsetzung wäre, könnte man evtl. das Risiko eingehen. Aber hier ist wirklich nur dieses eine Logo ausgeschrieben! Und das ich grundsätzlich ein Logo gestalten kann, kann man in meinem Portfolio sehen, dass brauche ich nicht mehr beweisen.

  16. Alle Adressaten der Ausschreibung haben soeben von der zentralen Vergabestelle eine E-Mail erhalten, in der der Versuch unternommen wird, die Aufgabenstellung zu präzisieren:

    „Aufgrund aktueller Berichte im Internet möchten wir Sie bitten, sofern Unklarheiten oder Fragen zur Ausschreibung, insbesondere zu dem mit dem Angebot vorzulegenden Unterlagen bestehen, diese umgehend an uns zu richten.

    In jedem Fall möchten wir klarstellen, dass mit dem Angebot keine endfertigen Entwürfe erwartet werden, sondern Vorentwürfe bzw. Skizzen, die die Ideen und Farbgestaltung wiedergeben.“

    Wir leben in einer von digitalen Medien/Diensten/Produkten/… geprägten Welt. Viele von uns realisieren Entwürfe nicht mit dem Bleistift, einem Pinsel oder dem Filzstift, sondern nutzen als Werkzeug einen Computer. Solche Entwürfe sind, sofern in einem Vektorenprogramm wie Illustrator erstellt, quasi-endfertig, zumindest jedoch druckfähig. Die letzten 20 Jahre habe das Berufsbild des Designers so umfassend verändert, wie kaum eine andere Tätigkeit. Eine Entwicklung, die außerhalb der Kreativbranche kaum wahrgenommen wird. Auch das verdeutlicht die Ausschreibung wie auch die an die Bieter gerichtete E-Mail.

    Der eigentlichen Gestaltung geht in der Regel eine Konzeptionsphase voraus, die sich zuweilen über mehrere Tage hinzieht. Wir lassen uns inspirieren, betreiben Recherche, sichten den Mitbewerb und grenzen die Lösungsmöglichkeiten ein. Erst im Anschluss werden erste Ideen umgesetzt. In vielen Fällen ist die Umsetzung der Idee eine reine Fingerübung. Die Idee zu entwickeln, ist der eigentliche, arbeitsintensive Aufwand!

    Das an die Bieter gerichtete Schreiben verdeutlicht, wie gering die Kenntnisse auf Seiten der zentralen Vergabestelle in Bezug auf Kreativleistungen sind, was mehr als bedauerlich ist, was allerdings auch kein Dauerzustand bleiben muss.

    Und noch ein Satz zum Arbeitsaufwand: Ich selbst habe eineinhalb Stunden damit verbracht, alle der Ausschreibung beiliegenden Unterlagen, Formulare und Richtlinien durchzulesen. Der Satz „Der Zuschlag wird auf das wirtschaftlichste Angebot erteilt“ dürfte dafür sorgen, dass auch dieser Aufwand bei der Kalkulation unberücksichtigt bleibt. Man will ja ein möglichst schlankes Angebot abgeben.

  17. @ Jürgen Gawron: vielen Dank für die Blumen, gebe ich gerne an die Kollegen weiter. Auf xing führen Oliver Schuh, Ex-AGD-Vorstand und ich gerade ein Lagerfeuergespräch über die Rolle der Dachverbände, was vielleicht Ihre Frage beantworten könnte, welcher Verband der richtige ist.

    https://www.xing.com/net/pri4f62a2x/diegebrauchsgrafiker/das-lagerfeuer-381376/am-lagerfeuer-bdg-prasident-christian-buning-ex-agd-vorstand-oliver-schuh-46175789/

    Generell zur Unterscheidung:
    BDG: nur für Kommunikationsdesigner, Qualifikationsnachweis erforderlich*
    AGD: für alle, kein Qualifikationsnachweis erforderlich.

    *Studium reicht, für Quereinsteiger ein paar Arbeitsproben.

    @ Ralle: Der Begriff Designer kann und wird wohl nicht geschützt werden, ähnlich wie der Begriff Musiker oder Bildhauer. Das finden wir im BDG auch gut so, weil sonst eine Kammer mit Beamten entscheiden müsste, ob Sie kreativ genug sind für den Beruf. Abgesehen davon haben die Architekten einen geschützten Begriff und einen ähnlichen harten Preiskampf wie wir Designer.

    @ Achim: natürlich hast du Recht, jeder Designer kann seine Stimme erheben, das ist auch gut so. Aber gebündeltes Licht brennt schärfer :)

  18. Wirtschaftlich kann doch eigentlich nicht mit „am billigsten“ gleich gesetzt werden. Oder mit dem günstigsten Stundensatz. Das ärgert mich bei den Ausschreibungen immer am meisten. Wirtschaftlich bedeutet:
    „Wirtschaftlichkeit ist ein allgemeines Maß für die Effizienz im Sinne der Kosten-Nutzen-Relation, bzw. für den rationalen Umgang mit knappen Ressourcen. Sie wird allgemein als das Verhältnis zwischen erreichtem Erfolg und dafür benötigten Mitteleinsatz definiert. Das Ziel ist, mit einem möglichst geringen Aufwand einen gegebenen Ertrag zu erreichen oder mit einem gegebenen Aufwand einen möglichst großen Ertrag zu erreichen.“ (Wikipedia)

    Das bedeutet dich das ein hoher Stundensatz bei besserem Kommunikationserfolg die bessere Wirtschaftlichkeit darstellt. Aber wie soll der Wert der Wirtschaftlichkeit vorab anhand eines Angebotes gemessen werden?

    Es müsste ein grundsätzlich anderer Umgang der öffentlichen Stellen mit dem Thema Ausschreibungen geben. Oder wundert Ihr Euch nicht das es ein paar wenige Agenturen gibt, die unendlich viele Jobs für Land und Bund realisiert haben? Haben die immer das wirtschaftlichste Angebot abgegeben? Oder riecht das nicht auch nach klüngeln…

  19. @ Christian Büning
    ich bin ja grundsätzlich dafür sich in Verbänden zu engagieren um eine starke Stimme zu haben. Aber das Thema kostenloser Pitches ist ja nun wirklich seit so vielen Jahren (ich verfolge es seit 20 Jahren) eines der Haupt-Ärger-Themen der Branche. Und alle Verbände haben bisher nichts erreicht – das zeigt sich ja erneut in dieser Ausschreibung (und viele Weitere, die aktuell laufen).
    Ich weiß nicht mehr was die beiden großen Verbände machen (weil ich seit eta 8 Jahren nirgendwo mehr Mitglied bin) – aber Entwicklung/Verbesserung sehe ich da so gut wie keine.

  20. @ Jörg: du legst den Finger auf die wunde Stelle, unsere Ergebnisse haben wir nicht gut kommuniziert. Nicht, weil wir nicht wollen, sondern eher, weil wir alle noch unsere eigenen Design-Büros haben, die neben dem Ehrenamt Aufmerksamkeit verlangen.

    Achim hat ja schon unsere vier einfachen Kriterien für faire Wettbewerbe verlinkt, wir machen noch einiges mehr, offenbar schlecht sichtbar von außen.

    Nur, um mit einem positiven Gedanken aufzuhören: Die Mitarbeiter in den Minsterien sind in der Tat häufig guten Willens, aber die Struktur ist nicht auf Designprozesse eingestellt. Und Strukturarbeit ist Langstrecke, wir haben die Schuhe schon lange an…

  21. Oder wundert Ihr Euch nicht das es ein paar wenige Agenturen gibt, die unendlich viele Jobs für Land und Bund realisiert haben? Haben die immer das wirtschaftlichste Angebot abgegeben? Oder riecht das nicht auch nach klüngeln…

    Doch. Riecht.
    Hab solche Sachen eine Zeitlang aktiv recherchiert. Zumindest bei freihändigen Vergaben kann man klüngeln bis der Arzt kommt.

  22. Leider übersieht der Artikel den wahren schlimmen Trend, denn nicht die Annahme des preisgünstigsten Angebots ist der Skandal, sondern dass direkt auch alle Entwürfe eingereicht werden müssen. Denn so kann das Ministerium den besten Entwurf mit dem billigsten Angebot kombinieren. Und ich wette, bei der Einreichung des Entwurfes gibt der Designer dann natüüürlich alle Nutzungsrechte an das Ministerium ab. So kann sich nämlich keiner beschweren wenn dann doch auf einmal die eigene Idee auftaucht, obwohl man nicht selber den Zuschlag bekommen hat. Ein Schelm wer nicht Böses dabei denkt…

  23. @Christian: Warum sollte dies eine Kammer von Beamten entscheiden? Der Zugang zum Gestaltungsstudium wird ja schließlich auch von einer »Jury« vorgenommen, wobei mir der ein oder andere Professor mittlerweile tatsächlich eher als Beamter, im Elfenbeinturm sitzend, vorkommt.

    Ich bin auch für viel härtere Aufnahmemodalitäten. Der Markt ist viel zu übersättigt. Es ist meiner Meinung nach unverantwortlich immer noch weiter auszubilden. Ca. 90% der Studenten sind nicht motiviert und das sind letztendlich auch die 90%, die am Ende für Dumping-Preise zuständig sind.

    Design (Kommunikationsdesign wohl noch mehr) in seinem Ausmaß wird in der Öffentlichkeit nie Wertschätzung erfahren, wenn der Begriff einhergeht mit Tapetengestaltung, Nageldesign und Friseurhandwerk.

    Ich glaube niemand würde sich zu Dumping-Preisen ein Haus bauen lassen und schon gar nicht damit werben. Dieser Preiskampf kommt nur daher, weil der Begriff »Design« keine klare Ausrichtung (mehr) hat.

  24. @Patrick Dahm Hier noch einmal die sehr wohl im Artikel genannten zentralen Aspekte:

    Allerdings sollen nicht nur der veranschlagte Arbeitsaufwand in Stunden sowie ein Preis für die Kreation eingereicht werden, auch der oder die entsprechenden Entwürfe sollen gleich mit in den Umschlag.

    Im Fall der Ausschreibung um das EFRE-Programmlogo ist allerdings mit Abgabe des Angebotes bereits die Hauptleistung erbracht!

  25. Und dann gibt es da noch die „Alternative“, dass gar keine Ausschreibung statt findet, weil ein Designbüro ein Corporate Design kostenlos macht. Die Umsetzung des CDs kostet dann aber natürlich nicht wenig…

    Horst

  26. @ Patrick Dahm
    Arbeiten nicht auch Architekten bei Architektur-Wettbewerben erst mal für lau? CAD, perfekte aufwändige 3D-Modelle für nichts? Der Wurm steckt in vielen Systemen, Kommunikationsdesign ist nicht das Einzige.

    -/-
    Wer sich mal schlau macht, wie das historisch mit Werbung und Anzeigen angefangen hat, dann wird man sehen, dass angewandtes Design & Gestaltung von Anfang an nur die kostenlose Zutat zur: schnöden aber teueren Medienschaltung war. Lediglich das künstlerische Bildgrafiken Herstellen (Radierungen, Lithografien, Gouache) war davon ausgenommen.

    Daher nannte man ja die Werbegestaltung unterscheidend Gebrauchs-Grafik. Im Unterschied zum Graphicdesign. Gebrauchsgrafik wird nie den Stellenwert von Graphicdesign kriegen in der Bevölkerung. Das ist historisch vergurkt worden. Werbeagenturen hatten bis weit in die 70er die Praxis, die Gestaltung gratis da_zu zu geben, das Hauptgeschäft war Media-Schaltung. Das hat sich nie mehr erholt, die Aufwertung zu Kommunikationsdesign war ein logisch richtiger Versuch. Draußen verstanden wurde er anscheinend nicht, sonst hätten unzählige Kollegen bis heute nicht solche Probleme, ihren Kunden zu vermitteln, was sie eigentlich machen und was es Tolles nachvollziehbar bewirkt. Produktdesigner haben zumindest von der Wirkung ihres Tuns nette brauchbare Studien, Kommunikationsdesigner haben nichts zur Hand.

    Hatte vor einiger Zeit den Fall, da hat sich ein Kunde, bevor er mich kannte, ein Logo explizit von einem Künstler anfertigen lassen. Der Kunde hielt das für richtig. (Ich natürlich nicht, das Logo war, sagen wir mal, verschmockt, nein! verrätselt, unzugänglich wie Kunst oft ist …, man muss deutliche, aber nicht verletzende Worte wählen …)

    Achim wird das jetzt nicht groß helfen beim Aufzeigen der aktuellen Misslichkeit.
    Vielleicht hilft es aber dem Verständnis, in welchem Kontext man sich bewegt.

    Alore, das Ding ist schon länger im Brunnen, als junge Leute, die hier lesen, ahnen.

  27. @ Ralle: ich gehe davon aus, dass der Schutz des Begriffs »Designer« mit dem Wunsch nach einer Art Kammer einher geht – irgendwer muss ja die Schutzregeln formulieren. Eine Kammer werden wir nie bekommen und ich würde auch nie eine empfehlen. Design ist kein hoheitliches Gut wie die Justiz, die Qualität der Bauten oder Gesundheit. Ein geschützter Begriff schützt übrigens auch nicht vor unprofessionellen Teilnehmern, siehe Anwälte, Architekten oder Ärzte. Natürlich hat eine Kammer hier mehr Durchgriffsmöglichkeiten, aber ich möchte mir keine Designlandschaft vorstellen, wo die Serifenpolizei patroulliert. :)

    Wen kann denn die Politik fragen, ob die Märkte zu voll sind?

    Wer sagt denn den Hochschulen, dass sie die kaufmännische Ausbildung nicht unterschlagen sollen?

    Wer bündelt denn die Interessen einer Branche?

    Andere Branchen haben deutlich weniger Berührungsangst vor einer Interessenvertretung und weniger Scheu, diese auch mit einer Mitgliedschaft zu unterstützen.

  28. @Veronika Gräbel
    Ja, auch in der Architektur gibt es Wettbewerbspräsentationen. Dann geht es aber um größere Bauprojekte und es stehen ganz andere Summen in Aussicht, die dann nach festgelegten Regeln abgerechnet werden (Stichwort HOAI). Und auch für die Wettbewerbspräsentationen werden (hoffentlich) Antrittshonorare vergütet wenn umfangreiche Präsentationen zu erbringen sind. Und nach dem Gewinn geht es dann erst richtig ans Eingemachte, d.h. an die Planung und Umsetzung. Der Hauptteil der Arbeit kommt also nach der Präsentation

    Wenn es viel zu gewinnen gibt, kann man sich reinhängen und in Vorleistung gehen. Auch wir als Designagentur machen das, wenn umfangreiche Projekte ordentlich ausgeschrieben werden, eine begrenzte Agenturauswahl eingeladen ist und wenigstens ein anerkennendes Teilnahmehonorar für die Präsentation gezahlt wird.

    Bei der Ausschreibung des Landes geht es um ein Kleinprojekt, dass mit der Abgabe der Entwürfe quasi schon fertig ist. Da stehen Aufwand und Risiko also in keinem Verhältnis. Man weiß ja noch nicht einmal wie viele Agenturen eingeladen sind.

  29. @ Just
    Weiß ich doch, war eher eine rethorische Frage. Man hört im Architekturbereich von Generalunternehmungen, die Architekturhonorare und sonstige Leistungsentgelte trickreich aushebeln …

    -/-
    Ja richtig, hier ist ein – im Verhältnis – ganz kleiner Pups zur Ausschreibung gekommen.

    Bin gespannt, wie viele Designbüros das Ding von Aufwand und Ertrag kapieren. Befürchte, nicht allzu viele. Sie werden sich in die Tasche lügen, dass das zumindest eine tolle Referenz sei, was für dieses Ministerium gemacht zu haben und betrachtet einen in der Ferne stehenden Zuschlag als Dooropener für Weiteres. Immer das Gleiche: Prinzip Hoffnung ohne jegliches Prinzip Betriebswirtschaft.
    Außer man hat hust Freunde, Bekannte drin sitzen im Minsterium. Kungeln erhöht die Chancen um einiges. Da ich in Bayern, Amigoland, wohne, ist mir schon einiges zu Ohren gekommen. Was solls.

    Schade um die Zeit, die man sich damit beschäftigt.

  30. http://mvi.baden-wuerttemberg.de/de/service/ausschreibungen/
    http://mvi.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mvi/intern/dateien/PDF/Anl_1_TNW_Kreativleistung_Kampagne_Nachhaltige_Mobilit%C3%A4t.pdf

    Hier was ähnliches, es winken zwar 5000 EUR (brutto!), aber die winken wirklich nur am Ende der Fahnenstange. Entwürfe mit Logo/Claim, mit CD mit Manual. Inklusive Nutzungsrechte. Aber nur wenn man in die nächste Runde kommt und dann auch nur der Gewinner.

    Wer bei Ausschreibungen mitmacht, weiß, dass selbst das konzentrierte Durcharbeiten dieser gerne mal einen Tag dauert. Wenn dann das Frage & Antwort-Spiel vorbei ist, muss man sich noch mal durcharbeiten und für die Abgabe (zur Sicherheit) nochmals. Ich gehe davon aus, dass größere Firmen oder auch Verlage dafür extra jemanden abgestellt haben.

  31. @Andreas: verstehe ich die Ausschreibung richtig? Ich bekomme also 5000.- wenn ich am Ende der Gewinner bin. Bei der Bewerbung wird der Angebotspreis mit 20% gesichtet – obwohl das Budget vorgegeben ist. Das bedeutet es wird erwartet unter dem Budget anzubieten?
    Und ich werde anhand der Entwürfe ausgewählt um dann erst gebrieft zu werden?

    Hoffentlich habe ich das falsch gelesen…

  32. @Andreas:
    Danke für das Beispiel. Ich hatte nicht gewusst dass selbst für derlei marginale Summen/Budgets Ausschreibungen veranstaltet werden.Die Kosten/Nutzen Rechnung dieser Ausschreibung würde ich gerne mal sehen.
    Wie lange sitzt so ein Beamter an den Unterlagen, an der Abwicklung, an der Entscheidung und Kommunikation? Wie viele Manntage kommen da nur für die Findung eines passenden Dienstleisters auf die 5000 EUR oben drauf?
    Wenn man nun noch die für die Teilnahme nötigen Zeitaufwände der Bewerber addiert, ist da schon ein vielfaches an Geldwert im Orkus verschwunden, bevor die eigentliche Arbeit auch nur angefasst wurde.

    Sorry, aber wer sich an sowas beteiligt hat keinen Verstand, egal auf welcher Seite des Schreibtisches er sitzt.

  33. … für derlei marginale Summen/Budgets

    Kommt darauf an.
    Was für den einen marginal ist, ist für den anderen schon ein Geld.
    Eine aristokratische Grundhaltung muss man sich erstmal leisten können.

    Auch diese scheint eine freihändige Vergabe zu sein. Solche sind eben unter dem Radar bis max. 5.000,00 EUR zu vergeben. Sonst sind es einfach keinen freihändige Vergabe mehr. Man muss sich die so vorstellen, dass man dabei als Bieter eigentlich kaum Transparenz hat; möglicherweise nehmen sie einen Bekannten. Freihändig Ausschreibende müssen sich an nichts halten, außer dass sie eine solche Ausschreibung machen müssen. (Ähnlich den Vorschriften für große Firmen, eine Stelle öffentlich ausschreiben zu müssen, obwohl längst ein interner Kandidat gefunden ist …)

    Leider stelle ich immer wieder fest, dass eine wie auch immer geartete Grafikdesign“szene“ entweder in aristokratisches Grundgehabe zerfällt („5.000,00 sind marginal“: sorry, für Naming und Logoentwicklung wird von mittelständischem B2B effektiv selten mehr als die Hälfte dieser Summe gezahlt … und die Akquiseaufwände mit ihnen sind ordentlich; bis zur zierlichen Weigerung gewisser Aristokraten, vor Kunden überhaupt über irgendwelche Honorierung zu reden).

    Oder zu großen Teilen in unkritisches Dabeiseinwollen um jeden Preis. (Als „sportliche“ Herausforderung oder Spiel begriffen)

    Es muss doch möglich sein, grundsätzlich gegenüber schiachen, grenzwertigen Ausschreibungen, die Vorab-Entwürfe ohne jegliches Briefing verlangen, eine klare Haltung zu entwickeln. Ohne sich argumentativ zu verstricken, ob sich das vielleicht doch lohnen könne, wenn die Budgetsumme nur „hoch“ genug wäre.

    Das wäre doch schon mal was.

  34. Hallo Veronika,

    ich nenne das Budget von 5000,– EUR nur marginal, wenn ich es in Relation zu den Bedingungen des Auftrages setze. Ganz konkret: Aus Bewerbersicht: Das Studium mehrseitiger Ausschreibungsunterlagen, die Erstellung der entsprechenden Bewerbungsunterlagen, das Risiko keinen Auftrag zu erhalten. Ich denke dass man zwischen 4 und 8 Stunden daran sitzen kann diese Bewerbung zu versenden. Das ist, angesichts der eigentlichen Auftragsarbeit, vergeudete Zeit die bezahlt sein will, bwz., sogar gut bezahlt sein will, da man sie ja quasi als Lotterieeinsatz aufs Spiel setzt. Mehr Aufwand aber dürfte bei der Behörde anfallen, die Erstellung und Kommunikation so einer Ausschreibung verursachte Arbeit. Und jetzt frage ich mich ob dieser Aufwand die potentielle Ersparnis für die Behörde, also die Differenz zwischen dem günstigsten und einem willkürlichen (nicht ausgeschriebenen) Angebot rechtfertigt. Da habe ich große Zweifel.

    Eine „aristokratische“ Gundhaltung weise ich strikt von mir. Ich versuche nur zu rechnen…

  35. Im Ausschreibungstext unter Abschnitt VI.3 gibt es noch weitere „Untiefen“.
    Der „Teilnahmeantrag“ soll neben anderem auch folgendes beinhalten:

    Eine Erklärung des Bieters, dass er mit Erhalt der vereinbarten Vergütung alle Urheberrechte (…) an das MVI überträgt.

    Wer schreibt so einen Unfug?

  36. Ich finde das Vorgehen der Landesregierung total korrekt. So ein Logo kritzeln die „Kreativen“ doch abends beim Bier so nebenher. Und mit dem Computer ist der Entwurf dann ruckzuck fertig umgesetzt. Wirtschaftsförderung ist, davon abgesehen, übrigens etwas für Leute, die richtig arbeiten. Alles klar?

  37. @Jörg, wenn die in die erste Runde kommst, winken schon mal 1000 EUR brutto.

    @Jürgen is ja egal, ein Angestellter kostet Summe X/Monat, was der dann macht ist egal. Außerdem hast Du mit Ausschreibungen (mehrere Teilnehmer) schon 10 Logo-Entwürfe auf dem Tisch. Kannst dann wählen. Nimmt allerdings den Auftraggeber aus der Pflicht, ein ordentliches Briefing abzugeben und sich mit dem Thema und Auftragnehmer auseinander zu setzen. Im Sinne von Konzept einer Kampagne, Bestandteile, Sinnhaftigkeit, was auch zur Leistung einer Agentur gehört (also diese zu Überprüfen und den AG darüber zu informieren oder Alternativlösungen anzubieten)

    @Christoph türlich, Dicker. Meine Steuererklärung paßt ja auch auf einen Bierdeckel ;)

  38. @ Jürgen
    Diese Zweifel habe ich natürlich auch. Da bin ich einig.
    Wirtschaftlich von Seiten des Ausschreibers ist das aus unserer Sicht nicht. Doch die rechnen wohl anders: Dieses mühselige Sichten und Auswerten erledigen Angestellte/Beamte, deren Gehalt eh zu zahlen ist.

    Von Seiten des Bieters: Muss man schauen und seine Betriebskalkulation abwägen.
    Wenn man diese Bürokratiemonster der Ausschreibungen häufiger bedient, wird sich ein gewisser Erfahrungsschatz und eine gewisse Routine ergeben.

    Notabene:
    Sitze seit 3 Stunden an Auftragsbestätigungskram.
    Am Angebot zuvor war ich auch nicht allzu knapp zugange.
    Ich hasse wie die meisten Kreativen jeglichen Bürokratiekram, muss da aber durch, denn gute Verträge schützen den Job, den Auftragnehmer und mich. Diesen mindestens halben Tagesatz, den man oft für halbjuristischen und prozessualen Denkschmalz verbraucht, kann man nirgendwo als Position direkt in Rechnung stellen. ;- )
    Aber natürlich in die Betriebs- und Stundenkalkulation einfließen lassen. Wenn der Markt es zulässt …

    Ich möchte nur daruf hinweisen, dass das größte Ärgernis behördlich veranlasstes speculative work ohne jedes Briefing ist.

    Wie unprofessionell ist das denn.

    Dieses Andere, dieses zusätzliche Bürokratie-Monster wiehert doch eh immer mehr oder weniger biestig.

  39. @ tbc

    Haha, gut hingeschaut: „Urheberrechte-Übertragung“.
    Das ist ein echter Knaller!

    Oder ein grausiger Fund, je nachdem …

    // Kann man eigentlich heutzutage noch irgendetwas unterschreiben, ohne ein ständig wachsames Anwalts-Schoßtier auf dem Schoß zu haben^^. Was man alles übersehen kann, tss.

  40. Das Gute daran ist ja, dass man nicht mitmachen muss.

    Ich mag Achims Vergleich mit den Pizzen.
    Wir werden dies heute Abend ausprobieren und dann sehen ob Pizzalieferanten ähnlich belämmert sind wie die Agenturen, die sich auf diesen Deal einlassen. ;-)

  41. @Veronika und Andreas: Das ist jetzt völlig offtopic, aber ich staune mit welcher Selbstverständlichkeit die Beschäftigungstherapie von Angestellten/Beamten der öffentlichen Hand hingenommen wird.
    „Ist je egal was die in ihrer Arbeitszeit tun“
    Nein, ist es nicht! Das ist mein Steuergeld, ich will das das effektiv eingesetzt wird. Mangels fachlicher-Expertise kann ich mich über Stuttgart 21 kaum dezidiert aufregen, aber wie und zu welchem Preis man ein Logo machen könnte, weiss ich zufällig!

    Einmal am Tag Idealist sein …………………………..check!

  42. @ Jürgen
    Da bin ich ganz deiner Meinung.

    (Oftopic 2: Deswegen bin ich auch bewusst keine Beamtin geworden, so wie das Muttern vorschwebte. Beschäftigungstherapie wie solche halte ich keine 3 Tage aus, sondern überlege höchstens, welchen Irrenhauswärter ich mit wie viel Wodka zuerst ausschalte, bevor ich aus dem Kuckucksnest fliehe…)
    Was meine Nichte, Jung-Lehrerin zur Zeit konkret durchmacht an sinnlosem Zeug und gleichzeitig stressigem Einsatz, würde euch – mir sowieso – die Haare zu Berge stellen.)

  43. Listige Zusatzüberlegung:

    Aber wissen wir das so genau mit dieser Beschäftigungstherapie?
    Möglicherweise hauen die den Stapel von Anfang an einfach in die runde Ablage. Weil bei freihändigen Sachen häufig schon lange klar ist, wer das machen wird. (Per Mufti-Anweisung von oben.)

  44. Lieber Achim,

    wieder einmal ein guter Hinweis inklusive Recherche hinter die Kulissen/Logins der Ausschreibungsplattformen. Aus der Architektur kommend, sehe ich in vielen Ausschreibungen oft auch die dort typischen Gepflogenheiten, von der finanziellen Selbstauskunft und Kontaktdatenlieferung von 3 Kunden zwecks Nachfrage, ob alles gut gelaufen ist. Das passiert, wenn Baumenschen eine Ausschreibungsabteilung führen. (Ab und zu werden sogar die VOBs (Vergabe- und Vertraunsordnung für BAUleistungen) angeführt ;-) Dass die Regelungen, die für Bauvorhaben und die darin vergebenen Auftragssummen angemessen sind, ganz und gar nicht auf die Auftragsvolumina der Kreativbranche passen ist hier der System-/Denkfehler.

    Manchmal gibt es absurd lange Buy-out-Klauseln inklsuve Übertragung aller Rechte am eingesetzten Bildmaterial, was faktisch nur durch ein eigenes Shooting zu realisieren ist – und kostet. Das dann im Studienbeitragsflyer-Briefing für den doppelten Abijahrgang 2012/2013 zu finden, ist weit ab vom tatsächlichen Bedarf des Landes/der Uni usw. Aber nach den Erfahrungen, dass Fotos, einmal abgeliefert, durch die Abteilungen wandern und wahllos und z.T. ohne korrekte Urhebernennung eingesetzt werden, ist das Anliegen hinter der Ausschreibung schon (finde ich) verständlich. Diese Ausschreibungen findet man vor allem, wenn Juristinnen und Juristen im Ausschreibungswesen beteiligt sind, die vielleicht schon an anderer Stelle z.B. in der Rechtsabteilung mit Entschädigungs- oder sogar Auflage-Einstampfen-Forderungen zu tun hatten.

    In der Praxis bewähren sich aktuell folgende Vorgehensweisen:

    Ausschreibungen mit Vorleistungen ggf. bei den Zuständigen hinterfragen (wenn echtes Interesse an der Teilnahme besteht) und ggf. ein gegen die Regeln gehendes Angebot abgeben. Referenzprojekte, Prosa zum Projektablauf und den Vorteilen der gemeinsamen Entwicklung und des darin notwendigen Austauschs u.ä. – in der Architektur gewinnen immer wieder Entwürfe Wettbewerbe, die sich aus gutem Grund nicht an die Regeln halten, inklsuive der geforderten Abgabeleistungen. Das dürfen Designerinnen und Designer gerne als mutmachende Realität in angrenzenden Feldern wahrnehmen. (Es tät mich sehr freuen!)

    Ausschreibungen mit irrwitzigen Vertragsbedingungen mit den Projektverantwortlichen ansprechen. Zwischen der Fachabteilung und der Rechts-/Ausschreibungsabteilung haben sich oft längst Gräben aufgetan. Die Projektbeteiligten wissen oft, dass ihnen eine schlechte Ausschreibung auch die falschen Angebote oder Anbieter ins Haus holt. Wenn sie sich dafür einsetzen, einen Anbieter in Erwägung zu ziehen, der z.B. keine Steuerbescheide der letzten 3 Jahre einreicht, dann sind formale „Fehler“ kein Ausschlusskriterium mehr.

    Bei unannehmbaren/zu unwirtschaftlichen Bedingungen: Nicht teilnehmen und bestenfalls 10 Minuten in eine Mail oder einen Brief investieren, um die Verantwortlichen über diese Tatsache und die Gründe zu informieren.

    Es ist sehr zu wünschen, dass unsere Steuergelder mit Maß und Kompetenz ausgegeben werden. Und es mutet angesichts desaströs laufender Großprojekte und dem Ent-Wettbewerben via Öffentlich-Privater-Partnerschaften nahezu absurd an, dass mittlerweile Aufträge ab 500 Euro mit überfrachteten und realitätsfernen Ausschreibungsschemata und viel Aufwand betrieben werden.

    Ich bin da gerne Optimistin und denke, dass es sich zur Zeit um eine Umbruchphase handelt, in der Sensibilisierung stattfindet und zunächst zur Übersensibilisierung geführt hat. Als Realistin weiß ich, dass es Teil meines Jobs in der AGD ist, zur Verbesserung beizutragen. Das passiert dann aber nicht hier im designtagebuch ;-) darum kein weiteres Abschweifen in den Verbandsalltag meinerseits.

    Allen Mit-Kommentierenden weiterhin eine gute und konstruktive Auseinandersetzung. Tobias Kolesnyk (#33) – you made my day…

    Internette Grüße
    Friederike

  45. Liebe @Friederike Sobiech

    vielen Dank für deine Ausführungen.

    Sollte es nicht auch die Aufgabe eines Design-Verbands sein, Lobbyarbeit zu betreiben?
    Die Gesellschaft über die Sinn und Zweck von einem Einsatz professioneller Designer zu informieren und zu überzeugen? Und von »fairen« Honoraren/Modalitäten.

    Das wünsche ich mir von einem Designverband.
    Und deshalb bin ich nach 10 Jahren aus dem AGD ausgetreten.

    PS: auch das Thema KSK bekommt ihr, aus meiner Sicht, echt nicht gebacken.

  46. Die Pitch Mentalität ist teilweise unter aller Würde. Hole ich mir Handwerker zum Probearbeiten? Muss man mich nach 14 Jahren Agenturerfahrung fragen ob ich ein Corporate Design hinbekomme? Wenn Pitch, dann nur mit einer angemessenen Kostenerstattung.

  47. Der Vergleich mit den Pizzen hinkt: Weil einfach kein Pizzalieferdienst sich darauf einlassen würde, sich aber etliche Agenturen auf diese Sache einlassen werden.

    Das nenn ich Marktwirtschaft. Wenn eine Leistung nicht einzigartig genug und nicht wichtig genug ist, dann bekommt man wenig Geld. Und dass Gestalter meist weniger verdienen als die, die deren Büros putzen, ist einfach nur schön. Ich gönn’s euch.

  48. Achtung: offtopic

    Lieber Andreas,

    wenn ich Dich richtig verstanden habe, wünschst Du Dir von einem Beruffsverband, dass er alle Menschen zu Designliebhaber/innen, Ausschreibende zu gut ausgebildeten Designmanager/innen und Auftraggeber/innen zu gerne angemessen vergütenden Geschäftspartner/innen entwickelt? Durch Lobbyarbeit inkl. dem „Backen des KSK-Themas“.

    Du hast recht: diesen Wunsch erfüllt kein Verband, auszutreten nur konsequent.

    ( ;-) )

    Dass ich in meinem von Dir beantworteten Beitrag am Ende anriss, dass wir die Verbesserung der Ausschreibungspraxis auf dem Tisch haben, hast Du wahrgenommen? Dass angemessene Vergütung (und das Stärken der Verhandlungskompetenzen) oder Kundenkommunikation z.B. zum „KSK-Thema“ hier täglich Brot sind, müsstest Du als langjähriger AGDler ohnehin wissen. Darum von mir hier ungefragt auch nicht mehr dazu. Auch wenn die rethorische Frage eine nette Einladung zur Eigenwerbung wäre. Ich möchte den guten Kommentarstrang hier und Achims designtagebuch nicht dafür kapern. Falls Du es nicht rethorisch meintest, kontaktiere mich und meine Kolleginnen und Kollegen gerne.

    Internette Grüße
    Friederike

  49. Hallo,
    auch als Außenstehender finde ich es eine Unsitte wie mit Ausschreibungen verfahren wird.
    Kann hier die Verbände nur ermutigen weiter darauf aufmerksam zu machen.
    Aber Friederike, ich verstehe kein Wort von dem was du vermitteln willst.
    Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch.
    Danke und ein schönes WE
    Marc

  50. @Friederike
    Das habe ich nicht geschrieben.
    Durch deine überspitzt-formulierte Retourkutsche versuchst Du nur von zwei grundlegenden Problemen des AGDs abzulenken – die AGD schafft es seit 20 Jahren nicht, das KSK-Thema in die Gesellschaft zu bringen. Und zwar in einem Rahmen, dass die Gesellschaft sagt, ah, KSK, gute Sache.
    Zweites Thema ist die Position der »Designer« – solche Ausschreibungen zeigen das ja. Die Wertschätzung der Leistung muss besser werden. Siehe zum Beispiel NL und CH.

    Viele Grüße Andreas
    (ich werde hier nichts mehr zu dem Thema schreiben, in diesem Punkt hast Du recht, wir sind zu Gast bei AS)

  51. Erschreckend was NRW unter Wirtschaftsförderung versteht, aber anscheinend legen die Beamten lieber ein Subventionsprogramm mit Unterstützung der EU auf, als darüber nachzudenken, wie mit weniger Geld die heimischen Unternehmen unterstützt werden können. Leider wird Kreativität nicht sehr hoch bewertet und dabei spiegelt diese Ausschreibung nur einen an verschiedenen Stellen erkennbaren Trend wieder.

    Hoffe es beteiligen sich möglichst wenige.

  52. Wer keine Haltung hat, muß sich nach der Decke strecken.

    Früher oder später.
    Dies gilt für Designer und ihre »Berufs«-Verbände gleichermaßen.

    Der Ruf nach Schutz des Design»berufes« mit all seinen Facetten, klingt nachvollziehbar.
    Einfacher wäre es vermutlich erhöhte Anforderungen und Vorraussetzungen an die Bezeichnung Berufsverband zu knüpfen.

    Ich unterstreiche gern den Hinweis von BDG Präsident Christian Büning auf unser Lagerfeuergespräch. https://www.xing.com/net/pri1cd929x/diegebrauchsgrafiker/das-lagerfeuer-381376/am-lagerfeuer-bdg-prasident-christian-buning-ex-agd-vorstand-oliver-schuh-46175789/
    Es zeichnet ihn aus, daß er sich offen an einem kontroversen und konstruktiven Austausch beteiligt.

    Ich wünschte, dies könnte man von anderen kompetenten Führungskräften anderer Designverbände auch behaupten.

    Je länger die etablierten Verbände die Füsse still halten, desto mehr Selbsthilfegruppen, -blogs, -foren, – communities werden aufpoppen und ihre Stimme ungebündelt erheben. Den ebenfalls geäußerten Wunsch nach einer Neuordnung oder Konzentration der Verbände (ich füge Dachverbände hinzu), kann ich deshalb auch sehr gut nachvollziehen.

    Ich nehme hier einige Anregungen mit und werde sie am Lagerfeuer besprechen.

    Vielen Dank für den guten Bericht und vor allem auch für das persönliche Nachfassen. Denn es ist eine Sache per Copy & Paste von einem Missstand zu berichten und eine andere sich aktiv ins Gespräch mit den Verfassern dieser Ausschreibung zu begeben. Dies wäre nach meiner Auffassung Aufgabe der Designverbände.

    Tschüssing vom Elbstrand
    Oliver Schuh | die gebrauchsgrafiker

  53. Lieber Andreas,

    Du schriebst letzte Woche:
    „Durch deine überspitzt-formulierte Retourkutsche versuchst Du nur von zwei grundlegenden Problemen des AGDs abzulenken“

    Nur der Ordnung halber die Klarstellung, dass dem keinesfalls so ist. „Dem“ meint vor allem, dass ich kein Interesse an irgendwelchen Ablenkungsmanövern habe. Schon gar nicht von Deiner Meinung zu den letzten 20 Jahren AGD-Arbeit. Da lass ich Dir natürlich und ganz gelassen Dein freiheitliches Grundrecht. Da wir uns in der Grundannahme, was Aufgabe und (realistisches) Ziel der Verbandsarbeit ist/zu sein hätte, auf unterschiedlichen Ausgangspunkten und wohl auch in unterschiedlichen Zeiten (Vergangenheit/Gegenwart) befinden, kann ich Deine Wahrnehmung und Wertung aber ganz gut nachvollziehen. Wie gesagt: Ablenkung is not my job…

    Friederike

  54. Im Vorfeld zu Veröffentlichung des Artikels hatte ich eine E-Mail-Anfrage an das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen gerichtet. Hier nun die Antworten des zuständigen Pressereferats auf meine Fragen.

    Frage 1: Die Ausschreibung sieht vor, dass mit Abgabe des Angebots gleichzeitig ein oder mehrere Entwürfe des Logos eingereicht werden. Wurde ein solches Ausschreibungsverfahren bereits in der Vergangenheit angewandt? Etwa auch beim jetzigen Ziel2-Logo?

    Antwort: Ausschreibungsverfahren dieser Art gab es bereits in der Vergangenheit.

    Frage 2: Wie viele Unternehmen wurden im Zuge dieser Ausschreibung vom Ministerium angeschrieben?

    Antwort: Nach dem Haushaltsrecht des Landes NRW dürfen bei Vergaben, deren geschätzter Auftragswert 15.000 Euro nicht überschreitet, mindestens drei Unternehmen direkt angeschrieben werden. Dementsprechend sind in dem Vergabeverfahren drei Büros angefragt worden, da der Wert des Auftrages auf unter 15.000 Euro geschätzt worden ist.

    ******* Anmerkung hierzu meinerseits: Da ich von einer der angeschriebenen Agenturen weiß, dass diese nicht an der Ausschreibung teilgenommen hat, bedeutet dies, das gerade einmal höchstens zwei Agenturen an der Ausschreibung teilgenommen haben! ************

    Frage 3: Ist für die Teilnehmer eine Aufwandsentschädigung vorgesehen, für den Fall, dass ihr Entwurf nicht ausgewählt wird, also ähnlich wie bei einem fairen Pitch? Falls nicht: Warum nicht?

    Antwort: Es ist keine Aufwandsentschädigung vorgesehen, weil in den vergaberechtlichen Regelungen eine Aufwandsentschädigung nicht vorgesehen ist. Richtig ist, dass mit der Angebotserstellung nicht die spätere Leistung gefordert werden kann. Dementsprechend können bei Ausschreibungen nur erste Entwürfe im Rahmen der Angebotsabgabe verlangt werden. Sofern diesbezüglich bei den zur Angebotsabgabe aufgeforderten Unternehmen Unklarheiten bestehen, können diese über die Rückfragemöglichkeit geklärt werden.

    Frage 4: Mit dem EFRE-Programm möchte das Ministerium insbesondere die Existenzgründerszene fördern, so wird das Programm jedenfalls beschrieben. Halten Sie die Ausschreibung vor dem Hintergrund eines solchen Anspruchs für fair?

    Antwort: Die Ausschreibung entspricht dem geltenden Regelwerk. Eine Beteiligung von Existenzgründern wird positiv gesehen.

    Frage 5: Im Ausschreibungstext heißt es: „Die Politik der Landesregierung Nordrhein-Westfalens zielt auf ein ökonomisch leistungsfähiges, sozial gerechtes und ökologisch verträgliches Wirtschaften und auf wettbewerbsfähige und attraktive Standorte. Damit will sie gute und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze schaffen und sichern helfen, die den Menschen ein Leben in Würde ohne staatliche Zuschüsse ermöglichen.“ Sehen Sie den Widerspruch, der eine solche Ausschreibung, bei der alle Teilnehmer bis auf den Sieger leer ausgehen, birgt?

    Antwort: Es liegt in der Natur der Sache, dass als Ergebnis einer Ausschreibung nur ein Bieter den Zuschlag erhalten kann. Es ist im Rahmen von Ausschreibungsverfahren in jeder Kategorie und zu jeder Leistungs- oder Lieferart vorgesehen, dass Bieter, auf deren Angebot kein Zuschlag erteilt wird, keine Aufwandsentschädigung erhalten. Gerade bei kreativen Leistungen wäre es nicht gerecht, nur einen reinen Preiswettbewerb durchzuführen, weil dann kein Wettbewerb um die beste Konzeptidee stattfinden würde. Dies würde gerade kreative junge Unternehmen benachteiligen.

    Nachfrage zu Antwort 4: Dass das Vorgehen dem Regelwerk entspricht – davon ist auszugehen. Die Frage ist, ob das Ministerium, auch vor dem Hintergrund einer kritischen Beurteilung durch betroffene Kreative beziehungsweise durch der Kreativbranche Zugehörige, das Vorgehen auch jetzt noch für fair und angemessen erachtet? Es stellt sich in diesem Fall zudem die Frage der Verhältnismäßigkeit. Das Aufsetzen einer solchen Ausschreibung dürfte den Umfang der angefragten Kreativleistungen um ein Vielfaches übersteigen.
    Wird das Ministerium auch zukünftig an den aktuellen Ausschreibungsregelungen festhalten? Gab oder gibt es Überlegungen, das Regelwerk zu hinterfragen oder zu überarbeiten? Etwa hinsichtlich der Frage, ob Kreativleistungen bereits ZEITGLEICH MIT ABGABE des Angebots vom Ministerium angefragt werden, ohne dass hierfür ein finanzieller Ausgleich erfolgt?

    Antwort: Öffentliche Auftraggeber sind rechtlich verpflichtet, ihre benötigten Waren und Dienstleistungen im Wege eines Vergabeverfahrens auszuschreiben. Damit dies bei kleineren Auftragswerten nicht einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordert, gibt es gerade die Möglichkeit einer freihändigen Vergabe im Wettbewerb. Damit aber auch hier Chancengleichheit und Transparenz gewährleistet sind, ist ein Mindestmaß an Verfahrensstrukturen und Dokumentation unumgänglich.

    Änderungen im Vergaberecht bedürfen immer einer Anpassung der rechtlichen Vorgaben und können daher nicht singulär oder ad hoc umgesetzt werden. Unabhängig davon nehmen wir die Kritikpunkte an der Logo-Ausschreibung ernst und werden Lösungsmöglichkeiten diskutieren. Hierbei werden wir auch die Kompetenzen des Clusters Kultur- und Kreativwirtschaft mit einbeziehen. Zielstellung muss es sein, Missbrauchsmöglichkeiten entgegenzuwirken, aber auch den Wettbewerb um die beste Idee zu ermöglichen.

  55. Tja Achim,
    andere Antworten als solche ausweichend-drögen wie von einem Verwaltungsfachwirt geschrieben – habe ich nicht erwartet. Du etwa?

    Es ist Zeit, dass solche Ausschreibungsregelungen überarbeitet werden.

    1. Für die Kreativbranche sind sie – an die Architektenausschreibungen angelehnt – eher merkwürdig fehlgeleitet und funktionieren nur suboptimal.

    2. Auch bekommt ein Ausschreiber so nicht die richtige Auswahl für die Werksleistung, die er braucht. (Hauptpunkt: die „ersten Entwürfe“, die notgedrungenermaßen ohne irgendein Briefing entstehen müssen.)

    Ein einzelner kleiner Dienstleister kann da nicht viel machen. Außer bei soviel Quark und Krampf einfach nicht mitmachen.

    Die Designverbände üben sich zwar in edler und kluger Analyse – und machen anscheinend: auch nix. Ist jetzt keine Wertung, aber eine Zustandsbeschreibung.

    Meine eigene Haltung ist: Ich mache nach 2 seltsamen bis saublöden Erfahrungen an solchen freihändigen Vergaben nicht mehr mit, mich regen die auf. Kategorisch. Hab die Faxen dicke. Und hab den heftigen Nichtmitmachwunsch auch in die Website geschrieben. Falls ein Ausschreiber wieder mal meint, er brauche eine naive Mitmach-Agentur zum Wegwerfen. Das mit diesem „Chancengleichheit und Transparenz“ ist dummes Gewaaf (bayr. für Gelaber.) Wo ist an einer freihändigen Ausschreibung irgendetwas gleichberechtigt und transparent?

    Denn mein persönlicher Eindruck ist zusätzlich: Das Ganze ist meist eh schon vor-ausgekartelt. Vor diesem stark von mir vermuteten Hintergrund nimmt sich leider unsere, sicher voll berechtigte Kritik am bescheuerten brieflinglosen Vorab-Entwurf – reichlich naiv und als ehrpusseliges Gewinsel aus. Ohne es zu sein. Sie ist hundertprozentig berechtigt und richtig. Over and out. ; -)

  56. Unser Ablehnungstext gegen solche Ausschreibungen auf unserer Website hier:
    http://www.the-missinglink.de/ablauf-auftrag-designagentur-muenchen/
    (Gleich ganz oben. Gegen weitere und noch dümmere Unfüge gehts im Text dann sauber weiter; mecker,nörgel. ;-( )

    Wir tun ja auch nicht gern Kunden vertreiben, Kunden braucht jeder.

    Aber anscheinend brauchts des als deutlicher Filter. Also piddee keine Ausschreibungen mehr (gleich nach grottengefährlicher, sehr Design-inkompetenter Kundschaft, der es nach Copycaterey gelüstet, die piddee auch nicht mehr.)

  57. Ich schließe mich da meiner Vorrednerin Veronika Gräbel an. Die Antworten berufen sich immer wieder auf das Regelwerk für Ausschreibungen, welches aber wohl keine branchenspezifischen Unterschiede macht. Und genau das ist das Problem. Wenn es um andere Projekte / Branchen geht wird in so einer Ausschreibung von den beteiligten Unternehmen meist lediglich ein Kostenvoranschlag gemacht, und vllt. noch ein Konzept. Das verursacht den Unternehmen zwar auch Kosten, die sind aber verhältnissmäßig gering im Vergleich zu dem kompletten Auftragsvolumen wenn dann der Zuschlag erteilt wird. In der Kreativbranche wird dann aber der Hauptteil der Arbeit in Vorleistung verlangt, ohne das man weiß ob man den Zuschlag bekommt. Und ohne Aufwandentschädigung.

    Dieses Vorgehen sollte man auch mal bei anderen Branchen machen, ich wette nicht ein einziges Unternehmen würde sich beteiligen…
    Man stelle sich vor ein Straßenbauprojekt wird auf diese Weise ausgeschrieben: Die beteiligten Unternehmen müssen alle erstmal die komplette Straße bauen. Auf die Fahrbahnmarkierungen und Straßenrandbegrünung kann großzügigerweise verzichtet werden, schließlich geht es „nur“ um einen ersten Entwurf. Ein Unternehmen bekommt dann den Zuschlag, die anderen können ihre Straßen wieder abreissen. Auf eigene Kosten natürlich.

    Eine amüsante Vorstellung, wenn es nicht so traurig wäre…

  58. @ Aaron Schaarschmidt

    Mich regt ja die Briefing-Losigkeit mehr auf.
    Hat man je einen Straßenbauer gesehen, der loslegt ohne Zeichnungen, Karten, Leitungspläne?
    Das wäre ein schöner Mist.

    Das Kosten-Vergleichsargument mit Handwerkern (oft die Bäcker mit ihren Brötchen – hier der Straßenbau mit Bagger und Presslufthammer) hinkt bekanntlich ein wenig bis zur Rollstuhl-Tauglichkeit. Denn der Normalo sagt aus seiner Sicht da ganz berechtigt: Kein Vergleich! Ein Tag Maschineneinsatz und 4 Arbeiter dran kosten deutlich mehr versus 1 Grafikerchen in seinem Stübchen, welcher zwei hässliche Cliparts zu einem noch hässlicheren Clipunart zusammenschustert, gleichzeitig während er in Twitter chattet oder sich ein barockes Kammerkonzert bei Youtube reinzieht. ;- )
    Wo er Recht hat, da hat er Recht. Der Normalo (der Nicht-Designer jetzt ; -) ).

    Das mit den hässlichen Cliparts ist gar nicht so überzogen. Hab diese Verfahrensweise bei Kollegen schon gesehen. Fremdschäm. Wobei sie es „nur“ bei ungeliebten Anfragen machen, die eh kaum was bringen … Oder anders gesagt: Wer Peanuts einkauft, muss sich nicht wundern, dass der moralisch flexiblere Grafiker dann zum Affen mutiert.

  59. Das mag in der Tat alles ärgerlich sein, aber zu einem solchen Verfahren gehören auch immer noch zwei. Wenn sich niemand auf diese Deals einließe, fände auf der anderen Seite zwangsläufig ein Umdenken statt. Bis dahin hilft es wohl nur durch solche Berichte uns alle zu sensibilisieren.

  60. Sascha,
    das ist sehr ehrsam, aber auch ein wenig idealistisch. Zu viel wenn.

    Sie lassen sich aber auf diese asymmetrischen Deals ein.
    Nicht aus Gaudi, sondern weil sie glauben, dass sie am Ende der Nahrungskette seien und müssen.
    Es ist ja immer wichtig, an welchem Ende der Nahrungskette man ist, nicht wahr.

    Weil sie Geld/Auftraggeber brauchen und ein Auftraggeber nicht auf der Straße herumliegt.

    Also wird gegriffen, was dahergeht. Meinereiner ist sicher eine Ausnahme (habe aus meinem weiteren Umfeld seit ich selbständig bin die Dauer-Kritik im Ohr, ich stelle mich zu sehr an, sei zu akademisch orientiert, zu dogmatisch, moralisch zu wenig flexibel, und hätte nicht begriffen, dass man im Geschäftsleben Kröten fressen und lügen müsse). Seis drum: Auf einen sturen Bock wie mich kommen zehn lockere lustige Gesellen, die mitmachen und kein Problem damit haben. Ob da Sensibilisieren hilft? Schau mer mal. Mei, ich wohn in Minga. In Bussibussi-City ist das so eine Sache mit idealistisch und korrekt sein. Anderswo sicherlich auch.

  61. @ Achim: herzlichen Dank für deinen Einsatz.
    Ich sehe hier, dass die Behörde sich regelkonform verhalten hat. Das ist erstmal positiv. Wenn wir als Designer die Regeln für mehr Fairness ändern wollen, müssen wir die Kanäle zur politischen Einflussnahme nutzen, die wir bereits haben: im Berufsverband. Solange wir diese Kanäle nicht nutzen, werden in trauriger Regelmäßigkeit immer wieder solche fatalen Ausschreibungen in die Welt gesetzt. Wir können als Designer die Regeln beeinflussen – wenn wir nur wollen.

  62. …im Berufsverband. Solange wir diese Kanäle nicht nutzen, werden in trauriger Regelmäßigkeit immer wieder solche fatalen Ausschreibungen in die Welt gesetzt.

    Tatsächlich ist es doch so, dass es nach wie vor zu solch fatalen Ausschreibungen kommt, obwohl sich Berufsverbände seit vielen Jahren redlich engagieren und um Fairness bemühen.

    Wenn der Fall eine Botschaft vermittelt, dann die, dass Regelkonformität kein Garant für faire Ausschreibungen ist. Das Befolgen von Regeln mag zwar den Ausschreibenden vor Anschuldigen und Ansprüchen Anderer schützen, wie wenig allerdings das System hinterfragt wird, sowohl von Ausschreibenden, wie auch von Designern, sollte beide Seiten nachdenklich stimmen, denn auch dem NRW-Ministerium kann nicht daran gelegen sein, auf eine Ausschreibung hin nur zwei Entwürfe präsentiert zu bekommen. Ein Regelwerk, das zu einem solchen Ergebnis führt, gehört angepasst.

    Es ist wichtig, Missstände öffentlich zu machen beziehungsweise offen anzusprechen. Haltung ist keine Frage von Verbandszugehörigkeit.

  63. @ Achim: bitte versteh mich nicht falsch, ich finde es sehr wertvoll, dass du deine Stimme hier gegen unfaire Ausschreibungen erhebst und hartnäckig Fragen stellst. Die Wirkung bleibt ja auch nicht aus, wie man sieht. Die Mitarbeiter in den Behörden werden allerdings niemals die Regeln zu Gunsten der Designer interpretieren, wenn es für sie a) ein erheblicher argumentativer Mehraufwand ist und b) disziplinarische Folgen haben kann.

    Will man Einfluss auf die Vergaberichtlinien nehmen, braucht man die richtigen politischen Kanäle. Der BDG ist über den Designertag im Kulturrat. Dort werden Apsekte wie Vergaberichtlinien permanent verhandelt und als Empfehlung oder Leitlinie an die Ministerien gegeben. So sehr der einzelne Mitarbeiter im Landesministerium auf der Seite der Designer stehen mag – erst wenn die Richtlinien ihm den Rücken stärken, kann er aktiv werden. Dicke Bretter zu bohren.

  64. Christian, eben weil, wie Du sagst, der BDG über den Designertag im Kulturrat mit am Tisch sitzt, und das ja nicht erst seit gestern, wie ich annehme, könnte man erwarten, dass nur solche Vergaberichtlinien verabschiedet werden, die auch das Einverständnis von Verbänden einschließt.

  65. Warum ist es eigentlich ein argumentativer Mehraufwand, zu argumentieren, dass die Regeln sinnvoller gestaltet werden sollen? Sinnvoller im Sinn von: zugunsten besserer Design-Ergebnisse.
    Wie viel Schilda sitzt denn bitte in solchen verschnarchten Gremien?

    Es kann doch nicht sein, dass man brieflinglose Einsendungen für die Wurzel fachlich guter Ergebnisse hält? Welcher Designrat hat diesen gravierenden Regel-Unsinn verabschiedet? //kopfschüttel

    Um herauszufinden, welches Potenzial ein Designbüro hat, schaue man sich seine bisherigen Werkleistungen und auch freien Arbeiten an. Das Einfordern von Vorableistung ohne jedes Briefing zeigt doch nur Eines auf: komplette Unfähigkeit, fachliches Können im Designbereich zu beurteilen. Wann versteht man endlich, dass auf der Ausschreiberseite dafür kompetente Person(en) zu sitzen haben? Dann hört zumindest mal auf Seiten der ehrbaren, angeblich stockregelkonformen Behörden der auf dem freien Markt wegen genau diesen Fehlens von Designkompetenz verbreitete und blühende spec-work-Unsinn auf.

    Für Unsinn fallen mir noch andere Wörter ein, die leider unveröffentlichbar sind.

  66. Änderungen im Vergaberecht bedürfen immer einer Anpassung der rechtlichen Vorgaben und können daher nicht singulär oder ad hoc umgesetzt werden. Unabhängig davon nehmen wir die Kritikpunkte an der Logo-Ausschreibung ernst und werden Lösungsmöglichkeiten diskutieren. Hierbei werden wir auch die Kompetenzen des Clusters Kultur- und Kreativwirtschaft mit einbeziehen. Zielstellung muss es sein, Missbrauchsmöglichkeiten entgegenzuwirken, aber auch den Wettbewerb um die beste Idee zu ermöglichen.

    Richtig, Änderungen brauchen einen geordneten Prozess, bestenfalls sogar Mitsprache. Es freut mich, dass die Mitarbeiter im Ministerium die geäußerte Kritik ernst nehmen und auf die Kompetenzen des Clusters Kultur- und Kreativwirtschaft zurückgreifen möchten. Ich möchte darüber hinaus anregen, nicht nur staatlich initiierte Strukturen zu konsultieren, sondern auch die Strukturen, die aus der Designbranche selbst heraus entstanden sind, zum Beispiel den Berufsverband, gerne auch in Kooperation mit anderen Engagierten. Ich denke, dass die Designer selbst ihre Interessen am besten vertreten können und dann von den staatlich bestellten Vertretern des Clusters bei den Verhandlungen unterstützt werden. Das Angebot steht.

    Es geht übrigens nicht um Missbrauch, sei es durch die Behörde oder durch die Designer. Es geht darum, den Designeinkauf professionell zu handhaben. Der Einkauf von Design ist signifikant anders als der von Architektur und braucht Profis auf beiden Seiten.

  67. Nachtrag: Die Ausschreibung ist jetzt auf dem offiziellen Vergabemarktplatz NRW zu finden. Vermutlich ist es die veränderte Version. Es wird nämlich ausdrücklich darauf hingewiesen, das der Logo-Entwurf als bewertbare Skizze abgegeben werden soll … was immer das jetzt heisst. Warum die Referenzen eines Bieters zur Beurteilung seiner Qualität nicht ausreichen soll, bleibt mir unverständlich. Auch die Qualität einer Lösung, die ohne Feedbackgespräche und Auswahlprozesse mit dem Auftraggeber vorab im „stillen Kämmerlein“ entstanden ist, bleibt fragwürdig.

  68. Sehr richtig ist die Aussage, dass der Einkauf von Designleistungen Profis auf beiden Seiten braucht. Bei dieser Ausschreibung ist das sicher nicht der Fall. Es sollte ein Logo entwickelt werden, ohne dass überhaupt der Name des Projekts benannt wurde, für das das Logos entwickelt werden sollte. Ein Bieter hatte richtigerweise danach gefragt. Daraufhin wurde eine recht unverständliche Antwort veröffentlicht. Eigentlich hätte also (quasi nebenbei) noch ein Name (neben dem abgefragten Claim) entwickelt werden müssen, um eine sinnvolle Logoskizze zu entwerfen. Eine Namensentwicklung wurde aber gar nicht ausgeschrieben und kam auch im Preisblatt nicht vor. Wir hatten uns daraufhin entschieden, an diesem Pitch gar nicht zu teilzunehmen. Das ganze Verfahren teilt Designern mit, dass ihre Arbeit nicht wert geschätzt bzw. nicht einmal im Ansatz verstanden wird. Das ist keine Basis für eine Zusammenarbeit. Sehr traurig, dass so viel Unverständnis in einem Bereich zu finden ist, der eigentlich Wirtschaft fördern möchte. Langsam sind wir ratlos, wie hier mehr aufgeklärt oder sensibilisiert werden kann. Sicher ist, dass für solche Ausschreibungen Steuergelder vergeudet werden. Und um einen Wettbewerb der besten Idee kann es hier gar nicht mehr gehen. Dazu müsste dem Kunden erst einmal klar sein, was er überhaupt braucht.

  69. @ Silke
    So ist es. Gute Zusammenfassung.
    Der letzte Satz hat eine besondere Wahrheit.
    Manchmal verbringt man gefühlt mehr Zeit mit Auftragsklärung als mit der Kreation selbst.
    Bei einer solchen Ausschreibung ist nicht einmal vernünftige Auftragsklärung möglich, da das Verfahren das gar nicht zulässt.

    -/-
    Da ich weiß, dass auch viele Nichtgrafiker mitlesen: „Auftrag Logo!“ ist noch keine ausreichende, stichhaltige Auftragsformulierung. Da muss noch ordentlich Butter bei die Fisch, damit ein gutes Ergebnis erzielt werden kann. Wer das als Grafiker ignoriert, bewegt sich in der Clipart-Pennystock-Fraktion und gehört auch als solcher bezahlt.

  70. Willkommen in Deutschland! Ich kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen, weil diese Praxis bei Ausschreibungen in anderen Branchen gängige Praxis ist. Den Zuschlag erhält, wer vorher mal ein wenig in den bereits eingereichten Angeboten geschnuppert und schließlich knapp unterboten hat.

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