Neuseeland auf dem Weg zu einer neuen Nationalflagge

Flagge Neuseeland Design

Vierzig Flaggen, vier Finalisten und zwei Referenden. Neuseeländer haben in diesem Jahr die Wahl zwischen vier Flaggendesigns, von denen womöglich eines Neuseelands aktuelle Nationalflagge mit Union Jack ablösen wird. Ein ungemein spannender, wenngleich kostspieliger Prozess, der sich im „Land der langen weißen Wolke“ mit dem Ziel um nationale Identität derzeit vollzieht.

Die „New Zealand National Party“ und ihr konservativer Premierminister John Key sinnt es nach größerer Unabhängigkeit vom Commonwealth, zumindest in Bezug auf die nationale Symbolik. Schon im Januar 2014 hatte Neuseelands Premierminister ein Referendum über eine neue Nationalflagge für den Fall seiner Wiederwahl angekündigt. Als er im darauf folgenden September mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt wurde, verstand er dies auch als Auftrag, die Bestrebungen um mehr nationale Eigenständigkeit anzugehen.

Eine speziell für dieses Projekt namens „Flag Consideration Project“ gegründete Kommission hat vor wenigen Tagen eine Auswahl von vierzig Flaggen veröffentlicht, in erster Linie wohl deshalb, um ein erstes Zwischenergebnis zu präsentieren und um das Thema noch weiter publik zu machen. Denn zur Wahl stehen diese vierzig Flaggen nicht. Erst nach erfolgter zweiten Selektierungsrunde dürfen Neuseelands Bürger Ende dieses Jahres in einem ersten, weltweit wohl einmaligen Referendum zwischen vier Entwürfen/Kandidaten ihren Favoriten benennen. Im März nächsten Jahres wird schließlich darüber abgestimmt, ob der von den Bürgern favorisierte Entwurf Neuseelands bisherige Nationalflagge ablösen soll.

Medienberichten zufolge soll das über den Zeitraum von zwei Jahren laufende Projekt umgerechnet 17 Millionen Euro kosten. Kritikern, die der Regierung Geldverschwendung vorwerfen entgegnet Key, eine neue, eigenständige Nationalflagge sei Milliarden wert.

Aus insgesamt 10.292 eingereichten Entwürfen wurden im ersten Schritt 40 Flaggendesigns ausgewählt. Mit Blick auf die Vorauswahl wird schnell klar, dass einmal mehr die Stunde des Silberfarns schlägt, Neuseelands Nationalsymbol, das bereits von Sportmannschaften wie der Rugby-Nationalmannschaft „All Blacks“ oder dem neuseeländischen America’s-Cup-Team genutzt wird. So wäre eine Nationalflagge mit Silberfarn gewissermaßen die logische Konsequenz. Im Frühjahr 2016 wird sich zeigen, wie es die Neuseeländer mit dem Union Jack halten, ob sie ihn gegen ein typisch neuseeländisches Symbol eintauschen wollen.

Einige Flaggenentwürfe im Detail

Entwurf Flagge Neuseeland

Entwurf Flagge Neuseeland

Entwurf Flagge Neuseeland

Entwurf Flagge Neuseeland

Alle Flaggenentwürfe finden sich unter: Flag design gallery | govt.nz

Mediengalerie

29 Kommentare zu “Neuseeland auf dem Weg zu einer neuen Nationalflagge

    • Hier geht es um eine NATIONALFLAGGE! Die Bürger sollen sich hiermit identifizieren können! Es geht nicht immer nur um schöne Formen und Designergeschwafel. Ich finds extrem wichtig, dass die Bürger hier miteinbezogen werden! Eine Nationalflagge soll Identität und Zusammenhalt erzeugen, da würde ich mich auch querstellen wenn irgendein dahergelaufener Designer meint, er müsse ein schönes Bildchen basteln, mit dem ich mich dann identifizieren soll/muss.
      Klar sollte man gewisse Gestaltungsgrundlagen beachten, aber das tun alle ausgewählten Entwürfe auf jeden Fall…

      • @kweamod: Vielleicht mäßigst du mal deinen Ton, wir sind hier nicht in irgendeinem Wutbürger-Forum. Wenn es um einen Designwettbewerb geht geht es NATÜRLICH um die formal-ästhetisch ansprechendste Umsetzung. Um was sonst?? Worte wie „Designergeschwafel“ etc. sind despektierlich – und dämlich!

        Es ist wie mit dem Bundestrainer – jeder meint mitreden zu können, jeder weiß alles besser, jeder kann das Formengeschiebe auch, und und und. Auf das Thema Design bezogen: Kannste nicht. Designer ist ein Beruf, den man erlernen muss. Design zu beurteilen ist schwierig und bei so einem wichtigen Objekt wie der Nationalflagge, die auf lange Zeit weltweit das eigene Land repräsentiert, sollte die Entscheidung m.E. von Leuten getroffen werden, die Ahnung haben. Wenn ein Gremium oder – noch schlimmer – ein ganzes Volk über Design abstimmt kommt (meistens) nur Geschwurbel raus, Christian hat vollkommen recht.

        • sehe ich im Grunde auch so. Die Aufgabe eines Designers ist ja eben diese, eine Lösung zu finden mit der sich die Bürger identifizieren können. Gerade darin liegt ja die Schwierigkeit und gleichzeitig der Reiz des Designs. Es geht ja nicht darum wahllos ästhetische Lösung zu finden. Auch wenn der Bürger am Ende der ist, der sich damit identifiziert, ist er nicht in der Lage dieses Gefühl zu erzeugen… nur weil er mal selbst ran darf.

        • Hey Jörg, ok vllt. waren einige Formulierungen falsch. Ich bin selbst (Interface-)Designer, es sollte also keineswegs ein „Designer-Bashing“ werden. Nur finde ich es schon immer wieder erstaunlich, wieviele KommentatorInnen hier alles besser wissen und auf einem sehr hohen Ross zu sitzen scheinen. Ich finde gutes Design und Miteinbeziehung der Bürger schließt sich nicht aus. Im Gegenteil, die Meinungen der Bürger können helfen, eine passende Gestaltung zu finden, die jeder versteht und akzeptiert.

        • Ach und noch zum eigentlichen Beitrag: Es wird bereits eine Auswahl von 4 Designs vorab getroffen. Diese hat sicher zum Ziel, unästhetische und problematische Designs auszusortieren. Bei der Wahl an sich werden sich die Bürger wohl nur für ein Motiv entscheiden müssen, dass ihnen zusagt. Und das ist bei einer neuen Nationalflagge mehr als gerechtfertigt meiner Meinung nach.

  1. Ich finde das auch sehr spannend, sowohl politisch als auch vom Design her. Und es sind ja auch viele gute Vorschläge dabei. Als jemand, der keinerlei persönliche Bezüge zu Neuseeland hat, kann ich natürlich nichts dazu sagen, welche Apperzeptionen dort mit den jeweiligen Symbolen verbunden wird, und daher nur meinen persönlichen Eindruck wiedergeben. Und da finde ich schwarz-dominierte Flaggen eher unschön, und die Kombination blau-weiß-rot einfach langweilig, weil das sowieso schon die mit Abstand häufigste Landesfarbenkombination ist (zumal man sich doch vom Vereinten Königreich absetzen möchte). Deshalb hätte ich unter den vierzig Flaggen in der Vorauswahl andere in die Endausscheidung genommen.

    Ich vermute mal, dass es unter den vieren die unterste am Ende das Rennen machen widr. Der Silberfarn ist wohl gegenüber Welle und Sternen das stärkste nationale Symbol, und der Farbbezug zu UK ist dann auch weg. Wenngleich ich den Raum zwischen Farn und linker oberer Ecke grün statt schwarz gemacht hätte, um das Schwarz auf die rechten zwei Drittel zu begrenzen (vgl. die anderen Entwürfe von Kyle Lockwood in der End-40-Auswahl).

  2. Hallo Achim,

    durch einen neuseeländischen Freund und Kollegen, Thomas Le Bas, bin ich mit den Ereignissen bestens vertraut – was dort passiert spottet jeder Beschreibung.

    Nicht nur aus inneren Beweggründen, sondern vielmehr Interesse und Hingabe zum Thema, ging Thomas Anfang diesen Jahres von Berlin zurück nach Neuseeland. Im Master-Studiengang »Design« an der »Massey University« in Wellington beschäftigt er sich mit der Frage ob und wie es möglich ist im Kollektiv eine Identität für Neuseeland zu entwickeln.

    Thomas rief Flagpost (flagpost.nz) ins Leben. Dazu schreibt er: »Flagpost was designed to offer New Zealanders a common place to explore, collaborate and respond to design submissions in a way the official process didn’t offer.«

    Hier habe ich einige interessante Links zu diesem Thema. Unter anderem ein Interview mit Thomas, welches im »Radio NZ« gesendet wurde.
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    http://www.theglue.co.nz/2015/06/25/have-your-say-with-flagpost/
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    http://www.radionz.co.nz/national/programmes/afternoons/audio/201758952/flag-feedback
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    https://twitter.com/flagpostnz/status/631303256401010688
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    Thomas ist zudem auf Twitter sehr aktiv:
    – – –
    @thomaslebas
    @flagpostnz
    – – –

    Beste Grüße
    Lars

  3. Sehr interessant. Ich bin gespannt, was am Ende dabei herauskommt und könnte mir durchaus vorstellen, dass ein Sieger gekürt wird, dieser dann aber letztendlich bei der entscheidenen Wahl doch wieder abgelehnt wird.

    Nach der Auswahl (long list, 40 Entwürfe) beinhaltet Neuseelands neue Flagge
    Farn: 30
    Sterne: 22
    Farn, aber keine Sterne: 16
    Farn und Sterne: 14
    Sterne, aber keinen Farn: 8
    ausschließlich Sterne: 2
    weder Farn noch Sterne: 2

    Aus Jux und Dollerei und um einen besseren Überblick zu bekommen habe ich die Flaggen mal anders angeordnet: the-long-list-rearranged.pdf (höchst inoffiziell und rein subjektiv).

  4. Ich hoffe es wird eins der ansprechenden Designs von Kyle Lockwood. Nur bitte nicht zu schwarz.
    Ich finde es koay wenn ein Sportteam schwarz geflaggt wird. Aber ein Staat mit Schwarzer Flagge ist mir doch zu sehr an IS und Piraten

  5. »Kritikern, die der Regierung Geldverschwendung vorwerfen entgegnet Key, eine neue, eigenständige Nationalflagge sei Milliarden wert.«
    So stellt man den Wert unserer Arbeit richtig dar!

  6. Wenn ich richtig gezählt habe, verstoßen übrigens 6 der 40 Vorschläge gegen die heraldische Farbregel, die besagt, dass Metalle (Silber/Weiß, Gold/Gelb) nicht an Metalle und Farben nicht an Farben grenzen dürfen. Man muss aber dazu sagen, dass es sehr viele Nationalflaggen gibt, die diese Regel missachten (z.B. auch die deutsche Flagge). Streng genommen auch die aktuelle Flagge Neuseelands, an den Kanten des Union Jacks.

  7. …bei der Gestaltung einer Flagge als staatlichem und international verwendetem Hoheitszeichen sollten Designer nur dann Verwendung finden, wenn sie entweder das System der Staatssymbolik, insbesondere der Heraldik, kennen und verstanden haben oder sich entsprechend beraten lassen. Mal eben – auch wenn es ein längerer Prozess ist – eine Staatsflagge komplett neu zu gestalten, ist in der Geschichte immer nur dann möglich gewesen, wenn es gewaltige Umbrüche gab: Krieg, Revolution, Umstürze.
    Wird eine Staatsflagge in ruhigen Zeiten auf Veranlassung der herrschenden Kreise (wie aktuell in Neuseland) in Frage gestellt, ist das meist ein Zeichen von allgemeiner Saturiertheit, vor deren Hintergrund sich manches Schelmenstück vollziehen lässt, das in anderen Zeiten als Sakrileg angesehen werden würde. Manchmal soll in solchen Fällen auch einfach nur – wie hier – von drängenden politischen Problemen abgelenkt werden, und die Presse macht freudig mit.
    Im übrigen gilt: Staatssymbole haben im allgemeinen eine lange Geschichte und starke Halte- und Identifikationskraftkraft. Daher: das Thema ist nicht geeignet, als reine Designfrage behandelt zu werden nach dem Motto: heute so und morgen anders und übermorgen noch mal anders.
    Herzliche Grüße, Dr. Fritz Baur.

    • Heraldik,

      wenn jemand eine gute Idee über eie Flagge kaputt machen will, muss er nur mit Heraldik ankommen.

      Damit kann an alles, was einem nicht gefällt, erschlagen.

      Heraldik ist eine vollkommen veraltete, unwichtige, aber überbewertete Kunst.
      Wie heißt es in der Wikipedia so schön:
      „Heraldry aficionados participate in the Society for Creative Anachronism“
      Kreativer Anachroismus.
      Das beschreibt den Sinn von Heraldik sehr gut.

      • …danke für die lichtvollen Ausführungen. –
        Wer sich nicht mit Argumenten auseinandersetzen kann, stellt – wie hier – aus der Luft gegriffene Behauptungen auf und zitiert zur Scheinbegründung (aus derselben Luft gegriffene) Wikipedia-Sätze als heilige Wahrheit. Das ist, mit Verlaub, ein bisschen dünn.
        Mit heraldischen und nationalflaggischen Grüßen,
        Dr. Fritz Baur

  8. Weiß jemand, warum in den Vorschlägen die Farbe Schwarz so dominant ist? Hat das einen Grund oder ist das nur Zufall? Die Flagge von Papua-Neuguinea ist schließlich auch ziemlich schwarz und liegt nicht weit von Neuseeland. Vielleicht hat es so einen ähnlichen Grund, wie dass arabische Staaten gerne Grün verwenden, weil sie wenig Grün in der Natur haben und die Farbe in ihrer Kultur daher wertvoll ist? Oder soll es der dunkle Sternenhimmel sein?

  9. So wie ich es verstanden habe, ist Schwarz eine traditionelle Māori-Farbe. Viele Sport-Teams aus Neuseeland tragen daher auch schwarze Trikots.

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