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Nach Print nun Online-Relaunch der FAZ

FAZ Relaunch

Nachdem kürzlich die Print-Ausgabe der Frankfurter Allgemeine einer Neugestaltung unterzogen wurde (siehe fontblog), folgte letzte Woche nach zahlreichen Ankündigungen im Netz nun auch der Relaunch der Online-Ausgabe.

Aufbau

Die Gesamtbreite ist von 770 auf 925 Pixel angewachsen. Statt der stets überfrachteten „Minispalten“(110px) links und rechts, gibt es nur noch eine rechte Spalte, die mit einer Breite von 300 Pixel viel besser befüllt werden kann.

Der Header

Der Header erscheint nicht nur optisch ansprechender sondern auch inhaltlich aufgeräumter. Die Suche, der Login, die E-Paper-Ausgabe und andere Bereiche wurden elegant oberhalb des abgegrenzten Headers gesetzt. Das Logo erhält eine Schutzzone.

Der Absender

Das FAZ.NET-Logo bekam nun, deutlicher als in seinem Vorgänger, den Hut „Frankfurter Allgemeine“ auf. Die Kennzeichnung der Dachmarke geht mir persönlich allerdings noch nicht weit genug. Wozu sind Anhängsel wie „Online“ und „NET“ heutzutage noch gut? Zu nichts. Auch wenn firmenpolitisch eine Abgrenzung zwischen den Medien hilfreich sein mag, den Lesern dürfte dies wohl kaum interessieren. FAZ.NET, FOCUS Online oder auch SPIEGEL ONLINE sind die digitalen Ableger der Print-Ausgabe und werden jeweils als EINE Marke wahrgenommen, selbst wenn im Hintergrund andere Redaktionen tätig sind. Die Bezeichnung „Online“ wird oftmals von den Nutzern gar nicht bemerkt und auch nicht mitgesprochen. Das Anhängsel aus den ersten Tagen des Internets ist meiner Meinung nach heutzutage abkömmlich. Ich hätte mir im Relaunch gewünscht, dass man die Marke „Frankfurter Allgemeine“ als alleinigen Absender der Site positioniert. Der Tagesspiegel und DIE ZEIT machen es genau auf diese Weise. Aus meiner Sicht ist dies der einzig konsequente Weg, will man einen ganzheitlichen, crossmedialen Markenauftritt gewährleisten. Online-, de- und NET-Ableger verwässern nur die Strahlkraft der Marke. Mal abgesehen von der Markenführung ist das neu gesetzte FAZ.NET-Logo einfach zu klein. Die Frankfurter Allgemeine steckt zumindest visuell in der linken Ecke. Warum nicht etwas größer, selbstbewußter und zentriert gesetzt?

Die Wiedererkennbarkeit

Auch sonst sind Branding und Design der Site eher bescheiden. Blau als Akzentfarbe wurde deutlich zurückgefahren. Weiß ist die alles dominierende Farbe. Hier und da sind Schatteneffekte hinzugekommen. Ist der 75px hohe Header erst einmal durch Scrollen ausgeblendet, kommt man bezüglich des Absenders der Site ins Schwimmen. Ein Tipp. Einfach mal FOCUS Online in einem weiteren Tab öffnen und vergleichen. Es gibt wenig Originäres, an dem sich das Auge halten kann. Der Aufbau ist klar, die Navigation ist zielführend und die Inhalte sind ansprechend aufbereitet. Das schon. Das darf man auch erwarten. Aber reicht das heutzutage noch aus, um aus der Masse aufzufallen, ja herauszuragen? Pfeil-Icons, Trennlinien, Reiteroptik, Navigation, und die Aufbereitung des Inhalts sind ohne großen Makel, sie wirken aber wie von der Stange. Gerade in Zeiten da die Inhalte der zahlreichen Nachrichtenportale immer austauschbarer sind und die Funktionalitäten der Website nahezu deckungsgleich, hat vor allem das Design die Aufgabe etwas Unverwechselbares zu schaffen. Einen Farbklang, einen Stil oder eine Anordnung, die in Erinnerung bleiben. Das wurde beim Relaunch offenkundig versäumt. Das ist nicht die übelste Kritik, die man einstecken kann aber auch keine positive, wenn man das Ziel verfolgt den digitalen Ableger auszubauen.

Fazit

Der längst überfällige Relaunch zeigt nun einen soliden Auftritt, mit solide aufbereiteten Inhalten und branchenweit üblichen Funktionalitäten. Vor allem der Verzicht der linken Spalte macht sich positiv im Aufbau bemerkbar. Das Design ist zweckmäßig aber alles andere als originär. Bei der Neugestaltung des Headers hat man versäumt ein starke Marke, wie es die Frankfurter Allgemeine ist, konsequent zu platzieren. Den Mut, den man bei der Neugestaltung der Tagezeitung z.B. mit dem Verzicht auf die Fraktur bewiesen hat, vermisst man im digitalen Umfeld gänzlich.

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15 Kommentare zu “Nach Print nun Online-Relaunch der FAZ

  1. Nebenbei sollte bemerkt werden, das dieser Relaunch aus technischer Sicht der schlechteste der letzten Jahre ist. Allein die Startseite weist 2279! Fehler im XHTML-Quelltext auf. Es ist ein Wunder, dass die Browser überhaupt noch etwas darstellen können.

  2. Also optisch fehlen mir da einfach die Akzente. Etwas mehr Farbe, dezent eingesetzt zur Trennung von Themenblöcken, außerdem mal ein anderer Aufbau vom Standard-Spiegel-Layout hätte hier sicherlich gut getan. Focus, Zeit, FAZ, FR und der Spiegel erscheinen alle wie Klone, da sticht keiner aus dem Einheitsbrei heraus. Und alle arbeiten mit diesem grässlichen Tandem-Ads die dermaßen vom Content ablenken, das man im ersten Augenblick nicht weiß auf welcher Seite man ist. Bestes Beispiel ist die FR (fr-online.de) heute, da überstrahlt ein leuchtendes Rot der Aktion-Mensch-Werbung dermaßen das FR-CD das es schon wehtut…

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    Und alle arbeiten mit diesem grässlichen Tandem-Ads die dermaßen vom Content ablenken, das man im ersten Augenblick nicht weiß auf welcher Seite man ist.
    ——————-
    => Schau dir die Seiten mal mit Firefox und Adblock Plus an. Eine reine Wohltat. Ich könnte nicht mehr ohne.

  4. Ich bin auf der Seite viel unterwegs wegen der Börsensimulation, und ich kann nur sagen dass die Page total unübersichtlich ist und man ewig braucht bis man das richtige findet, der Relaunch hat auch in der Hinsicht überhaupt nichts verbessert.

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