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Logo Marathon an der FH Düsseldorf

Logo Marathon an der FH Düsseldorf

Ein Marathon geht über 42 Kilometer und der durchschnittliche Läufer braucht für die Strecke 4 Stunden. Auf der Basis dieser Parameter designen Studenten der FH Düsseldorf 42 Logos in 4 Stunden — alle 6 Minuten eins. Prof. Holger Jacobs, Inhaber der Agentur MindDesign, möchte mit seinen Studenten zeigen, dass Strategie und Prozess im kommerziellen Corporate Design oft überbewertet werden und dass man auch auf der Basis von Spontanität interessante und gute Ergebnisse erzielen kann.

Die Aktion richtet sich an potentielle Kunden, kleinere Unternehmen, die eventuell auf Crowdsourcing-Angebote zurückgreifen würden. Dementsprechend möchte ich den folgenden Aufruf weitergeben: „25 Studenten des Fachbereichs Design der FH Düsseldorf bieten Dir eine einmalige Gelegenheit. Komm am 25. Juni zum Logo Marathon in Düsseldorf und lass Dir gratis ein neues Logo gestalten!“

Gleichzeitig lade ich natürlich jeden dt-Leser ein, Stellung zu der von Jacobs aufgestellten These zu beziehen.

Wird Strategie und Prozess im kommerziellen Corporate Design oft überbewertet?

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dummy

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52 Kommentare

  1. Das ist ja der Hammer! Und dabei komme ich gerade von der Seite “why-logo-design-does-not-cost-5-dollars” und dann ein Klick weiter so etwas! Natürlich kann auch ein interessant gelegter Hundehaufen für Wiedererkennbarkeit sorgen. Aber es bleibt ein Hundehaufen und der wirbt vor Allem für den Hund.

    Natürlich ist auch mir schon einmal spontan ein gutes funktionierendes Logo eingefallen, aber dies nach eingehender Beschäftigung mit der Kommunikationsaufgabe.

  2. Da gibt es nur ein Problem, die Sache ist dann doch nicht so spontan wie man glaubt. Es ist wie beim Freestyle, eine gewissen Vorstellung hat man immer schon vornherein im Kopf… Dennoch zeugen spontane, undurchdachte Logos von wenig Qualität. Der erste Einfall muss nicht immer der beste sein.

  3. Alle 6 Minuten ein Logo … heisst das jetzt alle 6 Minuten für eine neue Marke, oder einfach mal frei rauslassen. Dann wäre das ja nach 4 Stunden alles andere als spontane Ideen, sondern entsprechend den Steifel durchgezogen und an den Stellrädchen gedreht, oder?

    Aber letztendlich geht es ja immer ums gleiche. Logo ist nicht gleich CorporateDesign, Corporate Design ist nicht gleich Logo. Da werden jetzt mit Paukenschlag-PR Äpfel mit Birnen verglichen.

  4. Witzige Aktion. Aber müsste da eigentlich nicht jeder der 25 Studenten 42 Logos in 4 Stunden basteln? DAS fände ich mal wirklich interessant. Bin trotzdem sehr gespannt, was dabei rum kommt.

    Zur Umfrage habe ich auch eine Meinung. Ein schlüssiges Corporate Design sollte in die Gesamtstrategie des Unternehmens eingebettet sein und ist daher mit Sicherheit nicht in Minuten zu entwickeln. Hier braucht es viel Verstand, Wissen, Feingefühl, Erfahrung und auch Zeit. Sicher kann einem gescheiten und routinierten Kopf auch mal ein Schnellschuss gelingen. Aber dann liegt die Herausforderung, das Erscheinungsbild über Jahre hinweg zu führen und zu entwickeln. Kreuzchen für Antwort 1.

    Allerdings ist ein Logo nur ein Logo und kein Corporate Design. Für sich alleine genommen ist es sogar: Nichts. Stellt euch mal einen angebissenen Apfel ohne Steve Jobs, ohne Mac, iPhone, iPod, iTunes & Co vor. Den will keiner essen. Meiner Ansicht nach ist ein Logo zwar zentraler Bestandteil eines Erscheinungsbildes, aber inzwischen längst nicht mehr der wichtigste. Und alleine kann es nicht existieren. Wenn ein Unternehmen Markenpotenzial hat, kann auch ein schlechtes Logo seinen Erfolg nicht verhindern. Und für eine neue Marke gibt es unzählige denkbare Logos, die passen könnten. Die eigentliche Markenarbeit fängt gerade erst an, wenn das Logo fertig ist. Ich glaube auch, dass in vielen Werbeagenturen hilflos an hunderten Versuchen herumgedoktert wird, die variiert, verfeinert und verworfen werden, bis den schlussendlichen Favoriten jeglicher Charakter, Mut, Kantigkeit fehlt. Und oftmals nimmt man am Schluss doch den ersten Entwurf, weil der am besten war. Bei Logos bringt Spontanität oft die besten Ergebnisse zustande. Und der ganze lange Prozess ist oftmals Verkaufsargumentation für hohe Honorare. Kreuzchen für Antwort 2.

    Und zu 3: Es geht nicht um die Zeit, die man braucht, sondern um den Wert der geschaffen wird. Bezahlt mich der Kunde für die Stunden, die ich vor dem Rechner sitze oder für das Ergebnis, das ich bringe? Was spricht dagegen, ein Logo für 4.000,- anzubieten und dann nur 4 Stunden zu brauchen? Ich biete Kreativleistungen längst nur noch pauschal an. Wenn ich schnell fertig bin, habe ich viel Geld verdient. Wenn ich länger brauche, eben weniger. Aber der Kunde bekommt eine Leistung zu einem festen Preis. Die größte Herausforderung liegt hier natürlich, gegen den eigenen inneren Schweinehund zu kämpfen, unzufrieden zu sein und das Beste herauszuholen. Auch wenn es den eigenen Profit mindert. Aber wer das schafft, schreibt unterm Strich nachher die höheren Rechnungen. Antwort 3, ich habe leider kein Kreuzchen für dich.

  5. Nette Aktion, um Aufmerksamkeit für die FH zu schaffen. Ansonsten kann ich der Aktion nicht viel abgewinnen.
    Letzlich wird das nur denen Argumente liefern, die Designleistungen nicht angemesen vergüten wollen. Die Fragestellung die der Aktion zu Grunde liegt, halte ich ebefalls für fragwürdig (bzw. eben gerade NICHT). Ein Logo als isoliertes Element zu betrachten ist doch aller Erfahrung nach gar nicht möglich. Es ist immer Bestandteil eines (Design-) Umfeldes und kann zumindest erst nach eingehender Beschäftigung mit den Nöten, Wünschen und Zielen des Auftraggebers gestaltet werden. Das ist schon mal ein Prozess. Das ein Logo, das ein Designer aus dem Bauch heraus gestaltet (nachdem er den Afangsprozess durchlaufen hat), genauso gut oder womöglich besser sein kann, als die Arbeitsergebnisse von immerwiederkehrenden Gruppentherapien, ist nichts Neues und ist keine Fragestellung, die noch ernsthaft untersucht werden müsste.

    Wenn man die Aktion schon durchführt hätte ich es besser gefunden, die Gruppe der potentiellen Auftraggeber auf den Non-Profit-Bereich einzuschränken. Wie sieht es überhaupt mit den rechten an den neuen Logos aus?

  6. Witzige Aktion. Aber müsste da eigentlich nicht jeder der 25 Studenten 42 Logos in 4 Stunden basteln? DAS fände ich mal wirklich interessant.

    Fände ich auch besser. Wie solle man denn mit 25 Personen in 6 Minuten ein Logo machen, wo alle gleichermassen dran beteiligt sind? Viel eher ist doch zu erwarten, dass in kurzer Zeit ein kleine Gruppe an Leute entsteht, die sich dominanter einbringen und die ganze Arbeit machen.

    Würde jeder Student 25 Logos machen, könnte man später auch vergleichen, was sehr interessant wäre. Man könnte gut erkennen, wo es Gemeinsamkeiten gibt, welche Formen spontan den meisten einfallen und wo es ungewöhnlichere Ansätze gibt.

    Ich finde die Aussage »dass man AUCH auf der Basis von Spontanität interessante und gute Ergebnisse erzielen kann« eigentlich richtig. Nur trotzdem hat man dann nicht in 6 Minuten ein tolles Logo, weil dieses nämlich (v.a. bei illustrativen Ansätzen) noch ausgearbeitet und reingezeichnet werden muss. Und das wird man wohl kaum in 6 Minuten schaffen.

  7. Nachtrag: Wenn ich mir die Website so anschaue, sieht es tatsächlich stark danach aus, dass jeder Student 42 Logos erstellt. Es sieht aber auch danach aus, dass die Logos nachträglich noch ausgearbeitet werden …

  8. In 6 Minuten könnte ich kein Logo entwickeln, mit dem ich selbst zufrieden wäre. Spontane Einfälle, die ich oft gleich als Skizzen zu Papier bringe und eine Grundlage für das spätere Logo bringen können, die gibt es in 6 Minuten genügend. Aber allein die Recherchearbeit um die Branche kennenzulernen und das Beschäftigen mit dem Auftraggeber und dessen Konkurrenz, die was ich von einem Grafiker einfach erwarte, damit er ein passendes Logo für den Kunden entwickeln kann, ist in 6 Minuten schlichtweg nicht möglich. Und die Reinzeichnung schaffe ich persönlich in 6 Minuten auch nicht. Wären also Recherche, Skizzen und Reinzeichnung, von denen drei maximal eines in 6 Minuten schaffbar ist. Logo geschaffen: Ja. Gute Logos geschaffen: Nie und nimmer.

    Und auch auf die Gefahr hin, in das Horn zu blasen, welches man ständig von Designern und Grafikern hört, wenn derartige Aktionen, Ausschreibungen zu kleinem Preis oder Crowdsourcing das Thema sind: Es ist oft sehr schwierig, Kunden zu erklären, warum Design seinen Preis hat. Logogestaltung steht dabei an allererster Stelle, denn der Kunde bekommt nichts fassbares (wie bspw. ein Plakat o.ä.). Dass ein Logo wesentlich überlegter sein muss als ein Plakat oder Flyer muss immer erst mühsam erläutert werden. Aktionen wie der Logo Marathon vermitteln ein völlig falsches Bild von der Arbeit von guten Grafikern!

  9. Auch ein Nachtrag: Egal wie der Marathon jetzt im Einzelnen ausgestaltet sein mag, man kommuniziert hiermit den potentiellen Kunden, dass man in sechs Minuten ein Logo erhalten kann. Die Studenten des Herrn Jacobs sägen an dem Ast auf dem sie sitzen und schaffen sich für die Zukunft einen enormen Akquisitionsdruck: alle sechs Minuten ein neuer Kunde ;-) Viel Spaß!

  10. Vor allem Sorgfalt (welche die verschiedensten Aspekte eines Designs mit einschließt)
    zeichnet ein gutes Logo aus. So wie bei Uhren auch. Hier resultiert aus mehr Sorgfalt mehr Qualität. Mehr Sorgfalt bedeutet IMMER mehr Zeit.

    Diese Aktion ist genauso spektakulär wie nichtssagend. Passt zum Zeitgeist.

    Gruß frankyy

  11. Die angeregte discussion in diesem forum freut mich.
    Ein paar klarstellungen an dieser stelle:
    – jeder einzelne student skizziert 42 einzelne logos in 4 stunden (wir arbeiten parallel)
    – natürlich macht ein einzelnes logo noch lange keine corporate identity (das wissen wir)
    – wir haben nach dem ersten marathon die besten logo skizzen ausgewählt und reingezeichnet (das hat länger als 6 minuten gedauert)
    – es geht sich hier garnicht um geld sondern allein um die frage ob spontane intuitive entwürfe ‘aus dem bauch heraus’ genauso gut sein können wie solche die aus einem langen entwicklungensprozess herrvorgegangen sind.
    – aber wo wir schon von geld reden: ich hätte auch gar kein problem damit 10.000 euro für ein logo zu verlangen das in 6 minuten entstanden ist. Solange es gut ist.

  12. Ich sehe diese Aktionin erster Linie als PR für die FH Düsseldorf. Es hat ein Hauch von CastingShow (Project Runway) und erst an zweiter Stelle als kreatives Experiment.

    Das Problem ist das dem potentiellen Kunden suggeriert wird das mann ein Logo oder gar ein CI/CD aus dem Ärmelschütteln kann. Außenstehende bekommt nicht mit das so ein “Spontaneität”-Marathon eben auch mit Strategien und Prozessen im Vorfeld arbeitet. Die Folgen können wir uns in weniger als 6 min. ausmalen.

    Das mann der Spontaneität im kreativen Prozess mehr Bedeutung schenk, finde ich sehr erstebenswert. Verkopften Hirnschmalz und eingefahrene Prozesse kennt mann auch in der Kreativbranche zu genüge. Aus pädagogischer Sicht ist so eine kreative Übung sicherlich Sinnvoll aber als PR-Aktion wird ein falsches Bild vermittelt. Beim potentiellen Kunden bleibt “Kreativität funktioniert auch im Akkord” satt “Kreative mit/durch Spontaneität”.

  13. Ich sehe die eigentliche Kritik darin, dass die Designerbranche viel zu unökonomisch arbeitet. Jeder beschwert sich, dass Grafikarbeiten unterbezahlt sind – ABER: wenn man mal in Agenturen reinschaut und die EIGENTLICHE Arbeitszeit betrachtet sind sie überbezahlt. Wie viel Zeit verbringen Designer und Grafiker damit Zeit totzuschlagen? Nicht umsonst haben die größten Agenturen in Deutschland grade zu lächerliche Umsätze im Vergleich zu anderen Brachen. Und da wir in der Regel von Firmen in anderen Branchen unsere Aufträge bekommen, erwarten diese eine höhere Effektivität.
    Meiner Meinung nach ist die ganze Aktion ein netter PR-Gag, der aber Unternehmen ansprechen würde. Sie verspricht nämlich genau das, was ökonomische Kunden wollen- eine Gestaltung die funktioniert und auch gut aussieht – Und nicht eine gutaussehende Gestaltung die auch funktioniert.
    Jetzt werde ich wahrscheinlich hier gesteinigt, aber was solls :P

  14. Ich finde die Aktion sehr interessant. Ich bin gespannt, wie die Logos bzw. die entstehende Logoreihe einzelner Studenten aussehen wird. Spontane Ideen sind oft sehr gut. In 6 Minuten kann man wirklich eine Logoskizze erstellen, was mit Sicherheit nicht heißt, dass es sich dann um ein fertiges, für eine C.I. passendes Logo handelt. Als Kreativprozess finde ich die Anregung nicht schlecht, da man sich bei einer klassischen Konzeption oftmals mit vielen Kleinigkeiten aufhält, die einen blockieren können. Wer aber bitte glaubt in 6 Minuten entsteht ein komplett fertiges Logo, was sämtliche Anforderungen an eine ordentliche C.I. erfüllt, der ist meiner Meinung nach auf dem Holzweg. Es kann immer ein Glücksgriff dabei sein, aber das zu verallgemeinern ist doch eher unangebracht.

  15. An interesting debate is developing here. However from the comments it seems to not be understood exactly. It is called a ‘Logo Marathon’ not a ‘Corporate Identity Marathon’.

    Anyway, it seems to me that too much emphasis is on money in measuring the value of a logo. Surely if it is a good design then it is a good design. Just because something was developed quickly does not mean it is of any less value or that you can charge less.

    Or perhaps if you disagree you can lobby to create some kind of logo legislation to enforce the amount of time that must be spent on a logo to make it legitimate. Furthermore an annual logo quota per person could be drawn up based on the amount of working time per year divided by the agreed time for creating a logo. The EU already have something similar for fishing controls.

  16. Eine spontane Idee, sogar ein funktionierendes Konzept ist in sechs Minuten fix auf die Beine gestellt, gar keine Frage, aber: eine sorgfältige qualitative Umsetzung dauert dann eben doch noch eine Weile länger.

    Aber ach, ich lese gerade die Kommentare und merke, wie obsolet mein Kommentar da schon wieder geworden ist. Schulljung.

  17. Das Projekt scheint den Beteiligten viel Spaß zu machen, insofern hat es bestimmt seine Berechtigung.

    ABER: Psychologisch ist es meinem Empfinden nach schon fragwürdig, denn Design-Studenten wird meist viel zu wenig zum monetären Wert ihrer Leistungen vermittelt. Ist ja auch durchaus verständlich, dass das Wirtschaftliche bei weitem nicht so spaßig und spannend ist, wie der kreative Part. Entsprechend kommen die Leute aber auch aus dem Studium: im besten Fall kreativ und handwerklich fit, aber meist völlig verunsichert und verschüchtert, was das Verkaufen ihrer Arbeit bzw. Arbeitskraft angeht. Man hat manchmal fast den Eindruck, dass da ein schlechtes Gewissen existiert, überhaupt etwas für seine Arbeit zu verlangen.

    Eins muss doch mal klar sein: So unterschiedliche Arten von Kunden es gibt, benötigen sie ein Logo und ein Corporate Design letztlich nur aus einem einzigen Grund: um auf deren Grundlage (mehr) Geld zu verdienen.

    Kreative Arbeit wird immer auf einer Mischkalkulation von Projekten, bei denen man recht schnell zu Ergebnissen kommt und Projekten, die länger als veranschlagt brauchen beruhen. Insofern ist die zeitliche Dimension, die in diesem Projekt hinterfragt wird, in meinen Augen annähernd irrelevant.

  18. @Jacobs: es soll nichts untersucht, sondern gezeigt werden: “ZWECK DES EXPERIMENTS IST ES ZU ZEIGEN, DASS AUF DER BASIS VON SPONTANITÄT UND INTUITION AUCH IN KURZER ZEIT HOCHWERTIGE ERGEBNISSE ENTSTEHEN KÖNNEN.” Zumal es sich ja um den zweiten Marathon handelt. Wem wollen Sie hiermit was beweisen? Jeder Designer kann Ihnen “aus dem Bauch raus” zustimmen, dass auch eine spontane erste Idee funktionieren kann.

    Vielleicht auch etwas untergegangen: “Komm am 25. Juni zum Logo Marathon in Düsseldorf und lass Dir gratis ein neues Logo gestalten!” Da wissen die Studenten doch gleich, was ihre Arbeit wert ist.

  19. genau darauf habe ich gewartet. gott sei dank ist es nur ein banales studi-projekt.
    und ja, ein haufen in 6 minuten ist toll für “designer” die logodesign mit einem jason pollock verwechseln.

    gerade ein prof. sollte seinen studenten sowas mal als übung geben, aber doch nur als eine übung und nicht zu einem event ausbreiten, das falsche signale in einer zeit setzt, in der die meisten design mit oberflächen dekoration verwechseln. gerade in deutschland gerät design immer mehr in diese kategorie. im gegensatz zu ländern wie holland, england und schweden.

    falsches signal. und geschäftsschädigend.

  20. Immer nur “wuwuwu” und “bäbäbä”… Nur am moppern!
    Wenn ich mir die Bilder vom letzten Marathon ansehe, dann sehe ich viele fleißige junge Leute, die auch trotz der Anstrengungen Spaß daran haben. Und das ist erstmal das wichtigste. Außerdem glaube ich, wird man trotz des kostenlosen Aspekts als “Kunde” mitverfolgen können, wie ein Logo entsteht, was innerhalb von 6 Minuten für Kreativität abgerufen werden kann, und wie viel “mehr” sie bekommen würden, hätten die Designer mehr Zeit dafür (und werden auch noch ordentlich bezahlt). Klar wird es auch “Kunden” geben, die denken werden “ja siehste, so schnell, was soll ich viel bezahlen…”, aber genau diese Menschen würden auch sonst nix dafür ausgeben wollen. Da macht der Marathon auch nichts mehr kaputt.
    Moppert lieber über die verkorkste Wettbewerbsselbstbeweiräucherungstodesspirale, als über eine witzige Aktion!

  21. Ich fordere unsere härtesten Kritiker auch gerne zum LOGO DUELL heraus.
    Freie Wahl der Waffen: Bleistift, Marker oder Kugelschreiber
    Austragungsort: Ein A4 Blatt
    Zeit: 6 Minuten
    3 Begriffe beim Startschuss. Das beste Logo gewinnt.

    Es möge schwarze Tinte fliessen.

  22. Ich hab da nen Vorschlag:

    Die Aktion wie geplant durchführen. Die entstandenen Logos dem “Kunden” nicht zeigen sondern am Ende alle gesammelt in einen Raum hängen. Die Kunden sollen dann “Ihr” Logo raus suchen. Der Student bei dem sich die meisten auch wirklich decken, hat die Nase schon mal ein Stück weiter vorn.

  23. den Vorschlag finde ich gut.
    mit nem kleinen twist: es gilt aufzuzeichnen wieviele “kunden” tatsächlich das Logo aussuchen, dass tatsächlich für sie gezeichnet wurde.

  24. Ach hört mir auf. Design ist keine Wissenschaft. Es wurde schon alles gesagt, ein Logo ist ein Logo, kein CD. Und ja ich habe auch schon Logos aus der Hüfte in 6 min geschossen, die gut waren. Wer nicht? Wer etwas von Design versteht braucht sich nicht 2 Monate im Keller einzuschließen um 5.000 Optionen durchzureiten. Die Idee an sich mag fix kommen und abgehakt sein im Idealfall. Dass bei dieser Aktion auch ein großer Haufen Mist produziert wird sollte auch klar sein. Keine Illusionen. Dass die Ausarbeitung der zeitzehrende Teil eines Projektes ist wird jeder unterschreiben, warum also mal nicht als Student eine Logosalve abfeuern. Und am Ende werden wohl immer noch ansprechendere Entwürfe rauskommen als es die vielen Logos da draußen in Deutschland momentan sind, so kriegt Uschis Friseursalon und Fiffis Haustierladen vielleicht auch mal ein Stückchen Design ab, auch wenns nur “6 min Häppchen” ist.

  25. @kunstbanause: Klasse geschrieben! :) Sehe ich genauso. Es werden vielleicht ein paar ‘schöne’ Logos dabei sein. Aber was nützt es wenn diese nichtsaussagend sind?!

    Btw: Nennen wir es lieber Logoentwürfe, anstatt Logo… Das wird dem schon eher gerecht.

  26. in unseren tagen wird viel geredet & geschrieben, aber leider zu wenig zugehört & gelesen. man möge den studierenden & holger jacobs zuhören, wie sie den passanten am schadowplatz den logo-marathon erklären. ich war dort. es ist viel spass & viel ernst im spiel. und: designunbedarfte menschen beginnen unsere arbeit zu verstehen. also, liebe designgemeindemitglieder: nehmt euch nicht so ernst, dann werdet ihr auch ernst genommen.

  27. ich bin leider auch am meckern und muss den negativ kommentaren meiner kollegen zustimmen, ich finde die übung auch klasse, nur wird der kunde ja nicht wie die studenten darüber aufgeklärt was zu ändern oder noch zu tun ist, er sagt sich gratis logo, geil und her damit, es würde ja auch keiner hingehen, wenn man einen langen logofindungsprozess zeigt, aber so eine aktion “versaut” tatsächlich den kunden.

    mich würde mal interessieren ob her jacobs denn auch seine eigenen kunden einläd und was die dazu sagen … das sind ja doch einige ; )

    http://minddesign.co.uk/show.php?id=197&pos=6&cat=2

  28. Schönes Experiment und auch eine schöne Aktion für die FH. Ich kann da nichts Verwerfliches dran entdecken. Den Lehrkräften wie den Teilnehmern wird bewußt sein, dass eine solche Arbeitsweise nie ausschließlich zum Einsatz kommt. Schnell ein paar Ideen visualisieren ist so alt wie die Materie an sich. Recherche, Analyse und Strategie bleiben trotzdem fester Bestandteil, denn am Ende möchte kein Kunde einfach nur ein Abziehbildchen kaufen.

  29. ich würde mal sagen, es ist wie bei einer operation:

    man kann zwar mit dem skalpell einen guten schnitt machen, aber ohne diagnose ist dieser (für große unternehmen) meist tödlich bzw. einfach nur überflüssig

    man kann auch in 4 stunden 42 operationen durchführen und dannach sehen wieviele leute man zufällig geheilt hat ;-)

    ein gutes logo heisst noch lange nicht, dass das logo auch sinnvoll und zielführend ist. (wo stehe ich in 10 jahren?, welche zielgruppe habe ich? etc.)

  30. >dass Strategie und Prozess im kommerziellen Corporate Design oft überbewertet werden
    Junge Junge Junge. Dass so etwas an einer Hochschule unterrichtet wird, ist ja auch ein wenig zum Heulen oder?
    Design sollte sich selbst nicht überbewerten und zu bierernst nehmen, aber sich schon in der Ausbildung als Bildchenmaler zu verstehen, die im Akkord Piktogramme mittlerer Qualität raushauen… das hat eine suizidale Note. Wer so etwas als Dozent vorantreibt, darf sich nicht wundern, wenn die Klienten das irgendwann eben auch so sehen und zu Crowdsourcing-Plattformen oder Stock-Anbietern gehen. Wenn es doch nur um Bildchen geht.

    Ein Logo ist eine zu einer Bildidee «geronnene» Vorstellung eines Unternehmens. Die kann am Ende unfassbar einfach sein und rein grafisch tatsächlich nur wenige Stunden (plus tagelanges Reinzeichnen und in zig Formate bringen) dauern. Aber zu dieser Einfachkeit muss man sich irgendwie schon hervorarbeiten. Studenten beizubringen, dass man es raus hauen kann – anstatt ihnen eben die Prozesse und Strategien zu vermitteln, mit denen man gemeinsam mit dem Auftraggeber eben mehr als Abziehbildchen am eigenen Mac generiert -, auf die Idee sollte bitte nur jemand kommen, der seit Jahren nicht mehr selbst in der Praxis arbeitet… was hier nicht der Fall zu sein scheint.

  31. Was ist es, was Designer vom Normalidioten unterscheidet?

    Es ist die Fähigkeit komplexe Informationen visuell so zu interpretieren, dass sie auf der emotionalen und rationalen Ebene mehr vermitteln als das was die Aussage an sich kommuniziert.

    Dabei geht es vor allem um Qualität. Einen Schuh für einen Schuhladen als Logo zu nehmen ist eben nicht unbedingt der sinnvolle Weg.

    In dieser Hinsicht ist die Aktion wahrscheinlich sogar sinngemäß…

    Persönlich finde ich es zum heulen, dass (wie jemand bereits sagte) dem Kunden suggeriert wird, dass die arbeit in 6 Minuten zu erledigen ist. Dass die Strategie eine untergeordnete Rolle spielt. Dass Quantität e.g. Fließband überhaupt im Studienrahmen angegangen wird. Das alles setzt einen Designer mit dem Strassenzeichner gleich, der in 10 Minuten ein Portrait zeichnet…

    Wenn jedoch am Ende eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Entwürfen statt finden sollte, die eben die Tiefe des Gedankens beurteilt und nicht die offensichtliche ästhetische Qualität und das dann auch dem Kunden oder Öffentlichkeit auf eingägnliche Art und Weise vermittelt wird, dann ist es für mich okay.

    Egal ob 1 oder 6 Minuten oder 3 Wochen der Auftraggeber muss verstehen, dass die eingentliche Leistung des Designers darin liegt, als kreativer Übersetzer zu fungieren. Dass eben nicht jeder die Fähigkeit besitzt aus dem Deutschen ins Visuelle zu übersetzen und dass eben diese Fähigkeit das ist, wofür man lezten Endes zahlt.

    Bitte Herr Prof. lassen Sie die Qualität der Idee zählen und nicht die der Dekoration…

  32. Was ja auch spannend ist – dieser Ansatz verengt «Logo» auf das Grafische. Ich mache seit 15 Jahren Corporate Design… und ich kann GAR NICHT zeichnen. Null. Am Ende ist das Zeichnerische meist das allerunwichtigste – entscheidend ist «Durchdringung», also Zuhören, Auseinandersetzen, viel Nachdenken, viel Verwerfen, etwas Spielen, viele Diskussionen und ein gemeinsames Herantasten von Klient und Designer an eine Lösung, die funktioniert. Meist ist das am Ende kein Bildchen, sondern ein System – Typographie, Farbklaviatur, Raster, Anwendungslogik, tektonische Elemente und so weiter. Das «Bildchen» ist das allerunwichtigste und ehrlich gesagt… alle besseren Büros lassen es nicht ohne Grund bei ganz vielen Anwendungen weg, weil es Gedöhns ist und eine Bildmarke sich schnell als piefig entpuppen kann, eine gute Wortmarke länger lebt usw. Wer Klienten auch nur ansatzweise durch solche Sachen suggeriert, Komunikationsdesign sei Bildchenmalen, der tut seinen Studenten einen Bärendienst, weil er ihnen den Markt versalzt und ihnen zudem ein komplett falsches Denken mit auf den Weg gibt. Ich finde nicht gut, wenn Designer sich überschätzen und alle künstlerisch-geleckt daherkommen, wir sind Dienstleister, keine Frage… aber es ist auch nicht zu gut, zu weit in die «1-Euro-Job»-Ecke zu steuern und Studenten vorzugeben, dass es Sinn macht, zu Akkordarbeitern zu verkümmern.

    Als Übung für eine bis vier SWS ist so eine Sache super, als Fingerlockerung und Art, visuelles Tempo zu erlernen. Aber das in der gegebenen Form als «Alternative» zu Strategie und Nachdenken zu verkaufen – das geht so grandios an dem Vorbei, was nicht nur ich, sondern nahezu alle Kollegen, die ich kenne, unter ihrem Job verstehen, das ist schon grandios. Wäre ich Student, ganz ehrlich gesagt – ich würde diese Übung boykottieren ;-D.

  33. Immer wieder schön zu lesen, wie sehr eine einzelne Aktion alles andere Überschattet. Da ist mal ein kleines Projekt was außer rand und band gerät, und dann gilt das direkt für die ganze FH. Die Studierenden bekämen nichts beigebracht, lieber schnell schnell… das ist doch nur ein provokatives Projekt! Allein wie sich die Projektteilnehmer anziehen, in Sportbekleidung passend zum Marathon. Nehmt doch nicht alles so Bierernst! Und wenn es dann den einen Kunden gibt, der tatsächlich den ganzen Spaß glaubt, dann ist ihm auch nicht mehr zu helfen. Oder gerade deshalb…

  34. Ich glaub sogar, das kleine Projekt steht nicht mal stellvertretend für Holger Jungs generell Ansatz – MindDesign macht ja exzellente Arbeit und ich denke mal, es steckt auch mehr hinter diesem Projekt, als man so «von außen» sieht – ist ja immer so.

    Und rein handwerklich mag ich die gezeigten Logos ja (größtenteils) – und die Form, das ganze zu hypen, dürfte sowohl den Studierenden Spaß als auch der FH nötige Aufmerksamkeit bringen. Aber wenn es eine Satire auf Crowdsource ist, wäre mehr Überzeichnung lustig – und wenn nicht… «Kreischheulaufregzetermordioweltuntergang» :D.

    Am Ende: Hauptsache, die Studenten haben Spaß daran, die Sache zu machen!!!

  35. Ich finde die diskussion hier interesant und spannend. Danke für die vielen Beiträge. Auch die negativen. Um das thema von unserer seite her abzuschliessen folgende bemerkungen.

    Es ging sich bei dem projekt um 2 punkte:
    Ersten wollten wir herausfinden ob man schnell, spontan, intuitiv, aus dem bauch heraus ein qualitativ interessantes logo (oder eine logo idee) skizzieren kann. Wir haben daher zur übung beim ersten Marathon die aufgabenstellungen (jeweils drei begriffe: name/eigenschaft/brange) von einem zufallsgenerator erstellen lassen. Es war ein experiment und die ergebnisse haben uns selbst positiv überrascht. Unserer ansicht nach ist dies also möglich. Natürlich ist es uns klar das eine logo skizze keine umfassende Identity ist.

    Zweitens glauben wir das es viele potentielle kunden gibt einfach keine komplexe logo entwicklung wollen, brauchen oder verstehen. Diese kunden fallen für uns designer als auftraggeber durchs raster, da sie entweder selbst etwas zusammenbasteln oder auf crouwdsoucing webseiten zurückgreifen (von denen ich nicht viel halte). Trotzdem bin ich der ansicht das sie ernstzunehmen sind und gutes design verdienen. Wir reden hier von einzelpersonen oder kleinunternehmern die warscheinlich niemals eine design agentur beauftragen würden. Am samstag waren menschen aus ganz unterschiedlichen bereichen da: Rechtanwalt, Internet TV, Hebamme, Koreanischer Kirchenchor, Mobile Fusspflege, Schmuckdesign, Spirituelle Kochgruppe, Psychotherapheut, Gartenbau, usw. Alles solide, bodenständige leute die uns ernst genommen haben und die wir auch ernst nehmen.

    Wir haben den aspekt geld und bezahlung ganz bewusst rausgehalten weil es sich um ein experiment handelt. Wir arbeiten 6 minuten umsonst und machen dann noch eine reinzeichnung der skizze. Wer danach wirklich interesse hat daraus eine umfassendere identity zu entwickeln kann mit uns über den umfang und die angemessene bezahlung reden. Wir haben die leute natürlich darüber aufgekluart das ein logo noch lange keine identity ist. Allerdings haben wir das recht unbezahlt zu pitchen wie jede agentur. Auch wenn unser pitch nur 6 minuten dauert und für eine döner bude ist. Immerhin haben wir jetzt 42 kontakte in nur 4 stunden aufgebaut. Wenn jeder dieser potentiellen kunden nur 500 Euro hat ist das trotzdem ein budget (solange es fair ist). Diese menschen haben freunde, andere kontakte, usw. Ich habe nach diesem prinzip meine agentur in London aufgebaut.

    Es ging mir auch darum den studenten zu zeigen das es für sie möglichkeiten gibt ausserhalb von grossen agenturen selbständig zu arbeiten und das für ihre arbeit ein bedarf besteht. Ein student kann nach dem studium als angestellter in einer agentur an einer komplexen identity entwicklung für 2000 Euro im monat arbeiten oder in der selben zeit 4 kleinere jobs für kleinunternehmer machen und dabei das selbe geld verdienen. Immerhin wissen sie jetzt das dies möglich ist und können sich entscheiden.

    Ich kann da nicht schlechtes dran finden und sehe auch keine nachteile für den berufsstand (eher im gegenteil). Leute in diesem forum mögen das anders sehen.

  36. Geht mir genauso. Auch ich finde die Diskussion sehr spannend. Kein Veranstaltungshinweis im dt hat in den letzten Jahren eine derartige Diskussion ausgelöst. Anders als der ein oder andere bin ich überhaupt nicht der Ansicht, dass hier „nur gemeckert“ wird. Schönen Dank Holger Jacobs für die Einblicke! Sicherlich werden seine Studenten hier mitlesen, die kritischen Kommentare ebenso verfolgen wie auch die positiven Reaktionen und sich aus der Summe an Stimmen, Eindrücken und Erfahrungen dann eine eigene Meinung bilden. Darauf kommt es ja schließlich an – Sensibilisierung, in Bezug auf Gestaltung ebenso wie in Sachen Honorare. Ist doch klar, dass man mit einer „Logo-für-lau-Aktion“ noch kein tragfähiges Geschäftsmodell hat. Das muss jeder für sich erarbeiten.

    Überraschend finde ich, lieber Holger Jacobs, dass Du Dich zwar GEGEN Crowdsourcing aussprichst, allerdings ähnliche Argumente heranziehst wie die Betreiber solcher Plattformen. Ich persönlich habe überhaupt kein Verlangen danach, jedes Startup und jede „Spirituelle Kochgruppe“ – um dieses Beispiel einmal aufzunehmen – mit einem professionellen Logo zu beglücken. Es ist gut und wichtig(!), dass nicht jedes Unternehmen und nicht jeder Rechtsanwalt über eine top-gestaltete Geschäftsausstattung und ein hochprofessionelles Erscheinungsbild verfügt. Genau dieser Umstand ermöglicht es, eine Auswahl zu treffen. Wer Wert auf „optische Details“ legt, hat wohlmöglich auch in Bezug auf seine Fachkompetenz die Nase vorne, gesprochen aus Kundensicht.

    Ich denke, wir Kreative schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir auch diejenigen mit einem hochwertigen Logo bedienen, denen ein visueller Auftritt nichts oder maximal 250 Euro Wert ist. Und natürlich kann hochwertig auch eine 6-Minuten-Arbeit sein. Wer kein Geld für Design in die Hand nehmen möchte oder sich kein Geld leisten kann, dem möge man diese bitte auch ansehen! Erst wenn ein Mangel sichtbar wird, entsteht ein echter Hand­lungs­druck. Ich wage zu bezweifeln, dass ein Kunde, der erst einmal die Erfahrung gemacht hat, dass sich auch mit einem Gratislogo wunderbar leben lässt, zu einem späteren Zeitpunkt „echte“ Designleistungen bucht, warum sollte er auch? Ausnahmen mag es sicherlich geben.

    Soweit meine Einschätzung. Wie gesagt, ich bin sehr dankbar über den Diskussionsverlauf. Vielleicht meldet sich ja noch der ein oder andere Student. Wie war denn die Veranstaltung?

  37. Lieber Herr Schaffrinna, sie schreiben: »Ich denke, wir Kreative schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir auch diejenigen mit einem hochwertigen Logo bedienen, denen ein visueller Auftritt nichts oder maximal 250 Euro Wert ist.«

    Was ist mit den Leuten, die es sich zum Anfang hin schlichtweg nicht leisten können, aber dennoch um die Wirkung einer guten visuellen Identität wissen? Denen würden Sie ja eine – und ich übertreibe jetzt bewußt – fachliche Inkompetenz vorwerfen. Sie schreiben nämlich auch: »Wer Wert auf „optische Details“ legt, hat wohlmöglich auch in Bezug auf seine Fachkompetenz die Nase vorne, gesprochen aus Kundensicht.«

    Ich selber hatte schon diesen Fall, dass jemand sein kleines Geschäft gegründet hat und recht bald gemerkt hat, sich visuell absetzen zu müssen. Leider fehlte das benötigte Geld. Wir einigten uns dann entsprechend auf ein Minimalziel. Aus diesem Minimalziel resultiert bis heute eine langfristige Geschäftsbeziehung mit deutlich mehr Honorar.

    Ich will sagen, auch dieser Weg funktioniert. Natürlich wird es auf Kundenseite immer schwarze Schafe geben die für wenig ein Top-Resultat erlangen wollen. Es wird auch die schwarzen Schafe unter Gestaltern geben, die uns die Honorare vermiesen. Aber unsere Pflicht als Designer ist es doch sicher auch, den Kunden gut zu beraten, was mit seinen Mitteln möglich oder unmöglich ist. Manchmal muss man eben mit einem Minimalziel beginnen.

  38. Lieber Achim Schaffrinna. Ich seh das etwas anders. Jeder der ein ernstes interesse an design hat, hat auch ein gutes design verdient. Die bezahlung muss nur fair und angemessen sein. Wenn jemand eben nicht viel geld hat kann er natürlich auch keine monatelange gross angelegte identity entwicklung erwarten (aber das ist dann auch oft wirklich nicht nötig). Solange beide, kunde und designer zufrieden sind ist die sache ok. Es ist illusorisch für absolventen die selbständig arbeiten wollen auf grosse hochbezahlte jobs zu warten. Kleine kunden können da einen guten einstieg liefern. Aus eigener erfahrung werden kleine kunden auch oft gross (vielleicht sogar mit der hilfe eines besseren designs was dann wiederum schön zu sehen ist) oder empfehlen dich weiter. Ich habe mal eine identity für einen kleinen Londoner frisör laden designed worauf mich der kunde an einen Indischen grossunternehmer weiter empfohlen hat und wir dort einen neuen energie konzern gestaltet haben. Ich versuche jeden job ernst zu nehmen, egal wie gross oder klein. Von crowdsourcing webseiten halte ich deshalb nichts weil da einfach kein direkter kontakt zum auftraggeber besteht. Gerade das was schön ist an kleinen kunden, nämlich das man eng zusammen arbeiten kann fällt dort völlig weg. Klar in 6 minuten kann man auch keinen kunden kennenlernen, aber das ist ja auch wirklich nur als experiment und möglichen einstieg zu verstehen. Zumindest waren die leute da, man kann spontan auf sie reagieren und die ergebnisse direkt vor ort mit ihnen besprechen. Allen beteiligten hat die sache spass gemacht. Natürlich ist auch viel in den müll gewandert aber es waren doch auch einige überaschend gute ergebnisse dabei.

  39. >Was ist mit den Leuten, die es sich zum Anfang hin schlichtweg nicht leisten können, aber >dennoch um die Wirkung einer guten visuellen Identität wissen?

    Au Mann :-D
    Der Preis spielt doch gar keine Rolle. Es gibt Designbüros, die machen eine kleine Identität im vierstelligen Bereich, völlig solide, ab 3000 geht das sauberst los und im Extremfall haben selbst wir – mit fünf Leuten keine Heimwerker-Struktur mehr – schon preiswerter machen können, weil man aufgrund der Erfahrung ja schnell sein KANN.
    Aber trotzdem macht man die Basics – reden, zuhören, analysieren und forschen und dann erst an die Grafik. Also – denken, dann malen :D.

    Ich weiß, du willst da das richtige – und das Experiment ist an sich im Rahmen einer FH ja mal nice, mal nicht 6 Monate rumfrickeln, sondern zackzack was zaubern müssen. Also bitte nicht falsch verstehen – die Sache im Kontext der Hochschule finde ich an sich super…

    Aber das Argument, «kleine» Kunden können/wollen sich kein Design leisten, ist völliger Mist. Völliger. So teuer ist es nicht – nicht jeder hat Meta- oder KMS-Preise. Und es ist halt auch einen gewissen Betrag WERT. Wenn das Logo billiger ist als die Gummiplanzen im Schaufenster, als die Löhne eines Monats oder als die Miete von zwei Monaten, dann denkt der Inhaber auch eines kleineren Ladens komplett falsch und sollte drauf verzichten.

    Ein Logo und mehr noch ein kleines CD-Paket sind Investitionen, die sich langfristig total auszeichnen — und das umso mehr, je mehr man eben drüber nachgedacht hat.
    Ich kann diese Crowdsource-Plattform-Aldi-Argumente nicht hören, weil sie FÜR DEN AUFTRAGGEBER SELBST falsch sind, weil sie zu schlechteren Ergebnissen, also geringeren wirtschaftlichen Erfolgen führen. Und dann ist es schon schmerzhaft, wenn die eigene Branche auch noch mit Argumenten kommt, die einfach nicht richtig sind :-D.

  40. @HD Schellnack

    jeder, der ein ernstzunehmendes unternehmen führt, muss geld aufbringen bzw. somit auch einen kredit aufnehmen!

    wenn sich jemand am markt positionieren will, braucht er einen finanzplan, eine marketingstrategie, einen brand und somit auch ein CD und in folge ein logo

    hier wird das pferd von hinten aufgezäumt! das logo ist nur die spitze des eisbergs

    eine kochgruppe, eine hebamme oder ein rechtsanwalt benötigt meiner meinung nach auch kein symbolhaftes logo, weil es sich dabei ja nicht um marken in dem sinn handelt

    btw: die website find ich auf jeden fall sauber gemacht! ;-)

  41. >hier wird das pferd von hinten aufgezäumt! das logo ist nur die spitze des eisbergs
    Sogar mehr noch – das Logo ist die Summe all der vorangegangenen Prozesse. Und wenn der Auftraggeber smart ist, zieht er den Designer so früh wie möglich mit ein – preiswerter kann man fundierte Unternehmensberatung doch gar nicht mehr kriegen als von uns Designern :-D.

    >eine kochgruppe, eine hebamme oder ein rechtsanwalt benötigt meiner meinung nach auch kein >symbolhaftes logo
    Ich rate in solchen Fällen auch immer davon ab – ein kleiner Juwelier braucht nicht unbedingt ein «Corporate» Design (mangels Corporation), sondern hat andere Erfolgsfaktoren – Ladendeko, persönlicher Service, Vernetzung usw -, die aber durch gutes Design natürlich verstärkt werden können. Da geht es aber nicht um Logodesign und CD-Manuals, sondern darum, individuelle Stärken zufinden und ein bisschen bodenständige Werbung zu machen. Die ist ja meist auch bezahlbar… und ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor, der aus dem «kleinen» Mittelständler einen «großen» macht :-D. Beim Rechtsanwalt schon wichtig, bei der Hebammengruppe natürlich wurscht – und die sollen doch auch gernstens den Spaß haben, sich ein eigenes Logo zu basteln, so etwas DIY-Charme darf da doch supergern sein. Nicht alles muss von Designerhand kommen.

  42. ob ein Rechtsanwalt ein Branding benötigt, ist auch so eine Frage …

    Was soll man für ein uniques Symbol kreieren? Eine Waage oder ein Paragraphenzeichen? Wozu? Kann man mit einer Kanzlei eine international unverwechselbare emotionale Bindung aufbauen?

    Es sei denn, es handelt sich um eine Rechtsanwalt-Kette oder sowas in der Art …

    Ein CD und eine Wortbildmarke ist hier wohl der beste Weg

    sonst geb ich Ihnen in allen Punkten recht :D

  43. >Was soll man für ein uniques Symbol kreieren? Eine Waage oder ein Paragraphenzeichen?
    Das wär ja nicht sehr «unique» :-D. Es gibt supergute Erscheinungsbilder für RAs, so ist nicht – das kann ganz simpel sein. Ein Branding ist ja nicht unbedingt eine Bildmarke oder ein Logo. Wie du sagst, eben ein systematisches CD mit Wortmarke (ohne Bild eventuell) und eine Idee in der Farblogik, tektonisches Zeug, Bildsprache, saubere Typographie – und ein bündiger strategischer Ansatz in der Ansprache, der zum RA passen würde.

    Oder anders gesagt: Würde Habitat die (tolle) Bildmarke des Herz-Hauses weglassen, Schriften und Gestaltung aber ansonsten beibehalten, es wäre immer noch der gleiche Auftritt. Ein Logo allein macht echt keine Marke, doch selbst bei Cola und NIke und Apple nicht wirklich.

  44. Egal ob Rechtsanwalt, Hebamme oder ähnliches. Ich finde es macht wohl was aus wenn da ein Designer handanlegt. Das ganz muss ja nicht überdesignt sein. Was bodenständiges tut da durchaus mal gut.
    Im Prinzip geht es doch vor allem darum die Zeichen, Schriften und Objekte in eine ordentliche Reihenfolge und Größenverhältnis zueinander zu bringen. Da kann es auch ein Waage, Justizia oder einfach nur das Paragrafenzeichen sein. Und das können nur wir Designer weil wir jahrelang ein Auge dafür entwickelt haben!

    Noch was zu den Kosten: Ich hab es schon hier und da mal gemacht das der Kunde den Betrag einfach abgestottert hat. Das ist doch auch okay. Wichtig ist nur feste Zahlungsziele zu vereinbaren. Mir ist es doch lieber der Kunde hat noch genügend Geld sein Business zu betreiben als das ich am Ende gar kein Geld bekommen weil er nach einem Monat pleite ist. Außerdem muss ich dann noch nicht mal mit dem Preis runter gehen.

    Frage: Wieviel von wievielen wollen sich nach der Aktion ihr Logo weiter ausarbeiten lassen?

  45. Danke Holger Jacobs.

    Naturgemäß gefällt einem “Logodiscounter” wie mir das Projekt. Die Motivation des Initiators ist letztlich auch die Grundlage unseres Angebots. Wir machen auch keine Marktpreise kaputt, denn ein Großteil der Designer und Agenturen lehnt unser Klientel sowieso ab. Die sinngemäß oben genannte Formel “Wer sich kein gutes Design leisten kann, hat auch keines verdient” bringt das auf den Punkt.

    “Gabis Bügelstube” braucht keine Analyse, Strategie und CD-Konzept, sondern ein Logo, das Sie selbst nutzen (Homepage, Ausdruck) und an andere Dienstleister (Verlage, Druckereien, Werbetechniker) weitergeben kann. Das Logo darf gerne die “banalen Bildchen” (Bügeleisen, Hemdenstapel etc.) enthalten – unser Anspruch dabei: die Grafiken kommen von uns und die Daten sind technisch einwandfrei.
    Wer solche Kunden links liegen lässt und einem selbstgebastelten Word-Logo aus geklautem Clipart und mit Comic-Sans auch noch Do-It-Yourself-Charme attestiert, überlässt den Kunden auch unnötigen Abmahnrisiken und Produktionsmehrkosten.

    Wir sehen unsere Aufgabe auch nicht darin, Anwälten vom Paragrafen-Zeichen und Ärzten vom Äskulab-Stab abzuraten, weil das nicht “unique” ist, sondern darin diese Klischeemotive originell umzusetzen. Und auch, wenn der Kunde das nicht wünscht und z.B. nur einen “normalen” Paragrafen möchte, setzen wir Ihnen nicht vor die Tür, nur weil unsere Designerehre gekränkt wurde. Selbstverständlich argumentieren und verteidigen wir unsere Konzepte und Gestaltungen, wir können aber auch damit leben, wenn letztlich nur unser Minimalziel erreicht wird: ein technisch und rechtlich problemlos nutzbares Logo.

  46. Es freut mich das die diskussion hier ein sachliches und konstruktives niveau erreicht hat.

    Aber, lieber Ralf, auch wenn ich dir in vielen punkten recht gebe, ich möchte mich mit unserer aktion wirklich nicht vor deinen karren spannen lassen. Ich habe mich immer gegen discount logos übers internet und crouwdsourcing ausgesprochen. Der Unterschied ist das wir 1. mit den ‘kunden’ direkt vor ort reden und einen kontakt aufbauen, und 2. wir zunächst umsonst arbeiten. Nicht ‘billig’ sondern ‘umsonst’, das ist ein unterschied. Wir wollen diese kleinen kunden gewinnen aber wir sagen ihnen natürlich auch das eine 6 minuten logo skizze noch lange keine identity ist sondern diese zeit, arbeit und faire bezahlung erfordern würde. ‘Fair’ wäre dabei entsprechend dem was der kunde sich leisten kann und was wir dafür tun können. Wir wollen sie nicht im schnelldurchgang abfertigen. Es handel sich also gewissermassen um eine investition und vertrauen in das geschäft des kunden. Grosse unternehmen arbeiten nicht mit design studenten, also nehmen wir eben kleine und machen sie gross. In meiner erfahrung zahlt sich dies langfristig aus. Es bildet eine gute basis um anspruchsvolles design in direkter zusammenarbeit von dem beide profitieren.

    Zweitens ging es sich um die analyse eines kreativen prozesses. Die frage war, kann intuition und sponatinät gute resultate liefern? Das heisst ja nicht das man die ganze langwierige entwicklung einer identity einfach über bord wirft. Wir drehen den prozess nur gewissermassen um. Anstatt ‘brainstorming’ machen wir ‘bauchstorming’ weil wir glauben das man beim schnellen zeichnen und entwerfen auch denkt, das die ergebnisse möglicherweise frischer und kreativer sind. Das ‘brain’ setzt dann wieder bei der analyse der ergebnisse ein und es wandern natürlich auch viele skizzen in den müll. Immerhin gibt es dann aber schon mal viele entwürfe denen man sich gegenüberstellen kann und die man mit dem ‘kunden’ besprechen kann. Komplexe ausarbeitung und implementierung kann dies nicht ersetzen aber es kann den nach meiner ansicht oft etwas aufgebauschten entwicklungsprozess beschleunigen. Es bringt auch designer wieder an den anfang des prozesses. Wenn wir da nicht aufpassen dürfen designer bald nur noch ausführen was marketing strategen, researcher, marktanalytiker und focusgruppen ihnen vorlegen. Otl Aicher hat gesagt: “Wir müsen vom denken zum machen übergehen und am machen neu denken lernen.” Dahin wollen wir wieder zurück, zu logos die von designer persönlichkeiten entwickelt werden, welche sowohl handwerkliche als auch intellektuelle fähigkeiten haben (und diese nicht trennen!), nicht von strategen, komitees und aparaten. Und auch nicht von anonymen internet agenturen.

  47. @ Holger Jacobs

    Mit Crowdsourcing habe ich auch meine Probleme, da es hier deutlich mehr Verlierer als Gewinner gibt und die Einflussnahme des Auftraggebers eher gering ist.

    Ich wollte auch niemand vor meinen Karren spannen, aber es hat mich einfach sehr gefreut, dass einige Ansätze sich mit unseren decken… und das sind nach Deinen Ausführungen noch mehr als bisher angenommen:
    Wir reden nämlich auch mit den Kunden direkt (nur nicht vor Ort) und auch unsere Erstentwürfe sind kostenlos – obwohl wir deutlich mehr als 6 Min. investieren. Die Bezahlung richtet sich dann allerdings nach unseren Festpreisen, die aber mit Sicherheit sehr fair sind. Da wir meistens am Rande der Kostendeckung arbeiten, ist auch unsere Leistung eine Investition. Nur durch gute Arbeit können wir 1. zufriedene Kunden und damit Folgeaufträge generieren und 2. auch zum Unternehmenserfolg und damit dem Erhalt des Kunden beitragen.

  48. Hui, hier loderts ja richtig!

    Aber ist ja auch gut so, wenn Gestaltung zu Diskussionen anregt und eine Plattform zum Austausch bietet, wirds ja immer erst spannend. Wir wissen ja mittlerweile alle, das »nett« der kleine Bruder von »scheiße« ist und »nett« is diese Aktion, wie es sich hier in der Diskussion zeigt, ja schon mal nicht.

    Denn so lange man die Möglichkeit besitzt unter Welpenschutz im Rahmen der Hochschule vielleicht auf den ersten Blick naiv-wirkende, und (sogar im besten Falle) provokative Aktionen zu veranstalten, so what? Nix wie hin! Wenn nicht jetzt, wann dann? Jeder der das als eine Marketingmaßnahme für eine Hochschule anprangert hat vermutlich am meisten mit dem eigenen Schmerz zu tun, diese Aktionen in der realen Berufswelt nicht mehr selbst durchführen zu können, bzw. es sich vielleicht auch einfach nicht zu trauen.

    Aus meiner bisher noch jungen Berufserfahrung in einer Stadt voller Hornbrillen- und Duttträger kann ich schon mal vorwegschicken, dass ich immer mehr den Eindruck gewinne, wer sich in unserem Beruf selbst zu ernst nimmt und morgens die meiste Zeit vor dem Spiegel verbringt um das marketingtauglichste Outfit zu entfuseln, hat leider meist keine Zeit mehr zum Gestalten. Irgendwie bekomme ich das Gefühl, dass sich ein paar von dieser Truppe an dieser Diskussion beteiligen. Anyways…

    Schon zu Studiumszeiten wurde man früh möglichst vor den Schirm verdonnert, in den wenigsten Kursen wurde aktiv und live gearbeitet und den Umgang mit Papier und Bleistift haben manche bis zum Ende nicht gelernt, sogar fast schon traumatische Erfahrungen damit gemacht. Ob man nun schöne Pferdchen mit Hörnern auf dem Kopf zeichnen kann oder nicht, spielt dabei keinerlei Rolle.
    Am Ende hat man im schlimmsten Fall in einem Kurs, der geschlagene 12 Wochen gedauert hat, ein kleines im Copyshop ausgespucktes Booklet in den Händen gehalten.

    Und man will es nicht glauben, da ist man schon 2 Jahre aus der Schule raus und steht selbst im Berufsleben, da gibt es noch immer diesen einen Mitstudenten, »der noch ein wenig Feinschliff an seinem Portfolio betreiben muss«, bevor er es nun endlich zum PDF exportiert und zur Hölle noch mal rausschickt! Man kann ihm nur wünschen, dass Acrobat Reader in seiner nächsten Version lernt Gold zu kacken.

    Da springt mein Herz schon höher, wenn man beim Durchstöbern der Kursfotos auf der Website des Projekts sieht, dass die Studenten im direkten Austausch miteinander arbeiten und zeichnen was das Zeuch hält, voneinander lernen, sich gegenseitig kritisieren und anfeuern können.
    Dass sie einfach »machen«, dass sie lernen, dass die besten Sachen aus dem »Machen« heraus entstehen und nicht aus der wochenlangen Wikipedia-Recherche und dass sie vor allem nicht allein in ihrem abgedunkelten Kämmerchen sitzen und Däumchen drehen. Fehlerproduktion und der Mut zum Versagen kann dabei nur hilfreich sein. Und das am Ende, nach viel Übung und Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit auch ab und an ein tolles Logo nach 6 Minuten entsteht ist nicht verwerflich, sondern eine logische Konsequenz aus genau solchen Kursen.

    Und ja, es wurde schon angesprochen und so ist es auch: Es wird unglaublich viel Zeit während der Arbeit vertrödelt, gewartet, gesurft… »Recherchieren« ist oft nur eine ausgeschmückte Version für »Facebook«. Der innere Schweinehund ist unser größter Feind und dem wird im Projekt dieser Klasse der Kampf angesagt.
    Ich will damit nicht sagen, dass man sich nicht intensiv mit seinem Kunden oder seiner Semesteraufgabe auseinandersetzen soll, (immerhin gibt es in unserem Beruf die genauen Zahlen über den pauschalen Zeitaufwand höchstens in Kostenvoranschlägen) sondern viel mehr, dass sich viele Gestalter zu oft hinter ihrer Google-Recherche verstecken, weil sie nie gelernt haben mit ihrem Gehirn zu denken und ihre Denkleistung ohne Verzögerung auf einem Blatt Papier festzuhalten.

    Vergleichsweise nur kurz zur »Ich-stell-mir-selbst-ein-Bein-Problematik«:
    Wenn Euch die Dame vom Käsestand im Kaufhof ein kostenloses Häppchen anbietet, bete ich für Euch, dass ihr darauf hin nicht ihre Theke ausräubert, sondern Euer gesunder Menschenverstand Euch vermittelt, dass es sich um ein sogenanntes »Kennenlern-Angebot« handelt (und alles weitere meiner Phantasie strafbar ist).

    Die meisten unserer Kunden haben leider keine Ahnung, was sich hinter unseren Agenturtüren verbirgt. Die Preis-Leistungsproblematik unseres Berufsstandes liegt nicht darin, dass Kunden denken unsere Arbeit wäre in 6 Minuten getan, sondern daran, dass wir ein Mysterium um unserem Beruf herum bauen und der Kunde viel zu wenig Einblick in unsere Arbeit erhält, ergo keinerlei Ahnung hat, was wir eigentlich tun und wieso überhaupt. Wir lieben nämlich dieses Zaubererimage, den nebligen geheimnisvollen Hauch um unsere »Kreativität« und das große Staunen in den Gesichtern unserer Geldgeber.

    Wenn wir in der Gesellschaft ernster genommen werden wollen, sollten wir anfangen ein paar Türen zu öffnen und den Blick auf unser Handwerk freizugeben. Es wird uns keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn wir zugeben, dass wir Kranke nicht heilen und den Welthunger nicht stillen können, dafür aber auch keine Ideenwundermaschine besitzen, die uns ab und an während der Espressopause mit einem Blitz segnet, sondern mit erlerneten/geübten Strategien Ideen finden, festhalten und entwickeln/evaluieren.

    Die Aktion der Düsseldorfer baut dadurch meiner Meinung nach in erster Linie Hürden ab. Die Studenten kommen mit ihren zukünftigen potentiellen Kunden in Kontakt, lernen mit ihnen umzugehen, ihnen zuzuhören, sie ernst zu nehmen und umgekehrt. Beide Seiten empfinden Spaß an der Sache. Der Metzgereibesitzer von um die Ecke lernt, dass er mit dem »Gstudierten« ja auch gut zusammenarbeiten kann, dass auch sein Logo von ihm mit Herzblut und Schweiß gestaltet wird, obwohl er nicht Siemens oder Mercedes heißt.

    Und am Ende findet eine Arbeitsstrategie (der vielen verschiedenen die es glücklicherweise in unserem Beruf gibt) ihre Anwendung in der Praxis und auf Euch das draußen warten frischgebackene Gestalter, die Hummeln im Popo und Feuer in den Fingerspitzen haben und nur darauf warten Ihre Energie an Eurem Laden auszulassen.

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