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Kabel Eins mit neuem Webauftritt

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Kabel Eins Relaunch

Websites von Fernsehsendern sind nicht selten bunt, voll, verschachtelt und unübersichtlich. Die Website von RTL ist ein gutes Beispiel hierfür beziehungsweise ein schlechtes, je nachdem. Typisch für Webauftritte von Sendern ist zudem der Portalaufbau, bei dem in drei bis fünf Spalten die unterschiedlichsten Inhalte und Module Platz finden. Der frisch relaunchte Auftritt von KabelEins ist anders.

Auf der Startseite wird der Besucher von einem riesigen Hauptmotiv begrüßt. Auch die Überschriften der jeweiligen Themen-Teaser sind außergewöhnlich groß. Gesetzt in der NeoSans und eingebunden als Webfont kommen hier vor allem Freunde guter Typographie auf ihre Kosten. Aber nicht die Größe der Komponenten ist es, die den neuen Auftritt ausmachen. Das für Fernsehsender wirklich neuartige Bedien- und Navigationskonzept ist es, das, gepaart mit den großformatigen Elementen und dem schicken Screendesign, für eine besondere User Experience sorgt.

Mit der ersten Scrollbewegung fühlen wir uns an Zeiten erinnert, in denen Navigationsleisten noch in Frames steckten. Vorteil der damaligen wie auch der nun auf kabeleins.de reaktivierten Lösung, die freilich nicht mit Frames gelöst ist, sondern mit Hilfe von divs: Die Navigationsleiste bleibt stets im sichtbaren Bereich des Browserfensters., sodass der Nutzer zu jedem Zeitpunk in andere Bereiche der Site springen kann. Die Website wirkt wie eine Mischung aus Blog, bei dem in linearer Abfolge die Artikel aufgelistet sind, und Magazin, das man sich auch auf dem iPad einverleiben kann.

Übersichtsseiten, zu denen auch die Startseite gehört, sind zusätzlich mit einer Seitennavigation ausgestattet, die am rechten Rand platziert ist und die den Zugang zu den im unteren Bereich liegenden Inhalten erlaubt. Bei Aufruf einer Seite erscheint dieses Element in geöffnetem Zustand, um sich kurze Zeit später als Box zu verkleinern. Ein Ansatz, den man als Nutzer erst einmal erlernen muss. Dank ansprechender Optik und Haptik – gemeint ist mit diesem Begriff die visuelle Rückmeldung bei Interaktion durch den Nutzer – wird es Nutzern allerdings leicht gemacht, sich mit dem doch neuartigen Interface umzugehen.

Ein Schwachpunkt in der Usability ist die fehlende Kennzeichnung des angeklickten Navigationspunktes. Bei Klick auf „Auto“ sollte dieser auch nach Aufruf der entsprechenden Seite orange dargestellt sein (siehe Screenshot oben). Rollover- und Aktivzustand ließen sich hier zusammenführen.

Fazit

Kabeleins.de war bislang ein vollgestopftes Portal(monster), bei dem die Startseite überladen und das Interface eher gewöhnlich war. Mit dem Relaunch gelingt es dem Sender, sich von anderen Webangeboten deutscher TV-Sender abzuheben. Vielleicht erlebt die festsitzende Navigationsleiste ja eine Renaissance, denn auch Fork Unstable Media legte Anfang Juni einen Relaunch hin, bei dem ein fest sitzender Navigationsbalken Teil des Konzeptes ist. Der Ansatz ist ein ähnlicher. Der Kabel Eins-Auftritt schöpft die technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit voll aus. Eine gelungene Verbindung aus Information und Interaktion. Das Design ist smart, frech und dabei funktional. Kabeleins.de ist anders und anders ist in diesem Fall gut.

Realisiert wurde der Auftritt von der Abteilung Multimedia TV-Marken bei SevenOne Intermedia.

26 Kommentare

  1. @Achim: wenn es nur das wäre… In vielen Bereichen hätte mehr Freiraum der Seite ganz gut getan.

    Bezüglich der Werbung die das ganze dann ganz nach unten zieht wurde ja eigentlich schon alles gesagt. Ein Vergleich: Ein Sterne-Koch hat ein leckeres Essen zubereitet, und serviert dies dann auf einen Teller, der rundherum mit Fäkalien beschmiert ist. Da kann das Essen dann noch so köstlich sein… ich würde mal sagen, dass es dann auch keiner mehr anrührt… ;) Der Kontext macht es halt aus!

    Aus Programmiertechnischer Sicht wurde sich auch ein wenig zu sehr ausgetobt. Gut, ich mache das auch schonmal – das meiste fliegt aber dann vor der Veröffentlichung einer Seite raus, weil es einfach nicht dienlich ist, sondern eher nur behindert.

    BTW: Auf meinem iPad sieht die Seite da schon VIEL besser aus! Erstmal gibt es keinen Werberand rundherum, und zum anderen scrollt die Navigation mit. Also Notenmäßig würde ich der Seite für den Desktop eine 5+ geben, und auf dem iPad eine 2.

  2. Ich kann ja verstehen, dass man eine grundsätzliche Aversion gegenüber Werbung hat. Dass allerdings im Rahmen einer Beurteilung des Webauftritts eines privaten Fernsehsenders, der sich prinzipiell über Werbung finanziert, Werbung dämonisiert wird, ist doch schon verwunderlich. Werbung ist nun einmal essentieller Bestandteil ganz vieler Webangebote. Die Aufgabe von Screendesignern ist es, diesem Umstand Rechnung zu tragen und die bestmögliche Lösung anzustreben. Ich vermute einmal, dass diejenigen, die in den Kommentaren Werbebanner als störend bezeichnen, noch nie eine Weboberfläche INKLUSIVE Werbebannern gestaltet haben.

  3. Ich fand es eigentlich ganz gut, nicht mein Stil, aber professionell umgesetzt, so von der Optik und dem komischen Bilder-Scroll-Verhalten her. Habe mich nur über den ungenutzten Freiraum über der Navigation gewundert, jetzt aber beim Lesen der Kommentare bemerkt, dass da wohl Werbung hingehört, die mir mein Noscript ausgeblendet hat.

    Als nächstes hätte ich jetzt aber auch überprüft, inwieweit die Seite mit dem Ausgabemedium mitwächst oder -schrumpft. Offenbar tut sie das aber nicht, und das geht ja nun schlicht wirklich überhaupt gar nicht: fixe Positionierung auf kleinen Bildschirmen.

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