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Jetzt twitter ich

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*** Update 26. Februar 2014: Mittlerweile lautet der Nutzername, unter dem ich auf Twitter schreibe @aschaffrinna und nicht mehr @designtagebuch ***

Vor drei Jahren gab ich lang und breit bekannt, erklärte 15-fach begründet, dass ich nicht twitter. Fünf Monate später bekräftigte ich diese Absicht und schrieb: Nein, ich twitter immer noch nicht. Und jetzt das!

Ich hab mir vorgenommen, den oben verlinkten dt-Twitter-Account nun mit Leben zu erfüllen. Bevor ich die Dagegen-Twitter-Argumente, die ich vor drei Jahren ins Feld geführt hatte, selbst relativiere und ein zwei Sätze schreibe, wie es zu diesem Sinneswandel gekommen ist, würde ich gerne die gleiche Umfrage durchführen, wie ich sie seinerzeit in besagtem Ich-twitter-nicht-Artikel eingestellt hatte. Ich bin neugierig, in wie weit sich die beiden Umfrageergebnisse ähneln oder eben unterscheiden.

Welche Rolle spielt Twitter bei Dir?

  • Kenn ich, nutz ich aber nicht. Ich benötige keinen weiteren Informationskanal bzw. kein weiteres Netzwerk (45%, 977 Stimmen)
  • Das Thema Twitter interessiert mich nicht (24%, 527 Stimmen)
  • Ich twitter selbst und halte es für eine echte Bereicherung (23%, 500 Stimmen)
  • Ich beginne mich dafür zu interessieren (8%, 168 Stimmen)

Abgegebene Stimmen: 2.172

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Seit Februar 2011 bin ich selbstständig. Neben meiner kreativen, beratenden Tätigkeit als Designer kann ich das Design Tagebuch seitdem Vollzeit bespielen. Fehlende Zeit war der Hauptgrund, der mich bislang vom twittern abgehalten hat, was wohlgemerkt nicht heißt, dass ich mich momentan über zu viel Freizeit beschwerte.

Das Internet ändert sich, Menschen ändern sich und natürlich ändert sich auch – fortlaufend – die Art und Weise wie wir Medien konsumieren. Wir alle sind digitale Fähnchen im Wind. Na ja, wohl die meisten, die das Internet ausgiebig und gerne nutzen. Ausprobieren ist eine wesentliche Konstante. 15 Argumente GEGEN Twitter hatte ich vor drei Jahren genannt (nachfolgend in kursiv gesetzt). Aus heutiger Sicht denke ich, dass sich viele dieser Argumente mittlerweile entkräften lassen und das übernehme ich gerne selbst.

Ich twitter nicht, weil
…ich es es schon immer als schwierig empfand SMS-Nachrichten zu verfassen.

Um ehrlich zu sein, lag das meist an den mit winzigen Tasten ausgestatteten Mobiltelefonen älterer Generation. Mittlerweile spreche ich Kurznachrichten in mein Android-betriebenes Smartphone. Das spart Zeit.

…ich die Begrenzung auf 140 Zeichen eher als Einengung empfinde, denn als Chance “kreative Kurztexte” zu schreiben.

Die Einengung empfinde ich nach wie vor als störend. Ich nehme sie billigend in Kauf. Ich schreibe lieber ausführlich.

…es mit dem RSS-Feed bereits ein Konzentrat des Blogs gibt.

RSS ist eine der großartigsten Erfindungen, die es gibt. Per RSS schauen die neuesten Artikel auf der dt-Fanpage automatisiert heraus. Ein Jahr nach Erscheinen des 15-Punkte-Anti-Twitter-Bekenntnises sprach ich mich, indem ich die dt-Fanpage anlegte, bereits gegen dieses Argument aus. Die Erfahrungen mit Facebook haben mir gezeigt, dass es sich lohnt den RSS-Feed und die Meldungen zu streuen, nicht unkontrolliert, sondern auf Facebook und nun eben auf Twitter, wo alle neuen dt-Meldungen automatisch einlaufen werden.

…ich die Kommunikation mit den Lesern per E-Mail und Kommentarfunktion bereits jetzt als ausgezeichnet erachte.

E-Mails sind und bleiben die von mir bevorzugte Kommunikationsform. Der Austausch über die Kommentarfunktion ist nach wie vor ausgezeichnet. Wenn ich auf Facebook- oder Skype-Nachrichten nicht reagiere, liegt das einfach daran, dass ich sie dort übersehe. Ähnlich wird es sich wohl auch auf Twitter verhalten. Ich bitte um Nachsicht.

…es mir schwer fällt in der Fülle der Tweets relevante und vor allem wahrheitsgemäße Informationen auszumachen Stichwort: Fakes

Mit Hilfe der richtigen Suchparameter lassen sich durchaus hilfreiche und relevante Ergebnisse generieren. Mittlerweile nutze ich Twitter gerne. Und das mit dem Folgen werde ich in den nächsten Wochen und Monaten ausbauen. Auch damit wird sich die Relevanz der Informationen verbessern.

…es einen guten Grund gibt, weshalb Banalitäten wenig Aufmerksamkeit zufällt. Wenn der Kaffee umkippt hole ich lieber einen Lappen und schreibe nicht darüber.

Jooaah… ich denke, der umkippende Kaffee gehört zu Twitter, wie das Katzenvideo zu YouTube. Hier Twitter in die Schuld zu nehmen, erscheint im Zusammenhang einer grundsätzlichen Abwehrhaltung nachvollziehbar, ist im Nachhinein jedoch wenig stichhaltig. Miese Tweets sprechen nicht zwingend gegen Twitter, sondern in erster Linie gegen miese Tweets. Ich glaube, der Herr mit dem roten Irokesenkamm, der schon mal Werbung für Vodafone gemacht hat, hat kürzlich etwas ähnliches im Zusammenhang mit Blogs gesagt.

…die Twitter-Absurditäten in letzter Zeit nicht abreißen wollen Stichwort: Pöbeljournalismus oder Bundespräsidentenwahl.

In Sachen Absurditäten tun sich Facebook und Twitter nicht viel. Würde man sein Tun und Handeln davon abhängig machen, wieviele Absurditäten einem jeweils begegnen, dann dürfte man zum Beispiel bei Wahlen auch nicht seine Stimme abgeben. Ich werde versuchen, für Kreative relevante Tweets zu veröffentlichen. Dann gibt es nämlich insgesamt auch weniger absurdes Zeug, zumindest prozentual.

…der Missbrauch u.a. auch zum Zwecke des Marketings – auch wenn gerade hier Einige den Nutzen sehen – zukünftig verstärkt ein Thema werden dürfte.

Das ist so, dass Twitter auch vor Marketing-Bohei nicht halt macht. Keiner wird jedoch gezwungen, Pril, Starbucks oder der Deutschen Bahn zu folgen.

…Twitter auf lange Sicht (hierzulande) nur von einer sehr kleinen Gruppe von Menschen genutzt werden wird Stichwort: hoch vernetzte Informationselite.

Ich werde jetzt keine Statistik bemühen, die belegen soll, dass immer mehr Menschen auch in Deutschland Twitter nutzen. Ich selbst habe fünf Accounts, die jedoch, mit Ausnahme des oben verlinkten, allesamt Server-Leichen darstellen, und die dennoch in jede Twitter-Unternehmens-Statistik einfließen. Ich stelle fest (anhand von Medienveröffentlichungen, Bekannten- und Freundeskreis, eigenem Nutzungsverhalten), dass Twitter in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugenommen hat. Es ist eine Nachrichten-Quelle, ein Recherche-Instrument, ein Kommunikations-Tool ja sogar eine Art Unterhaltungssender. Dass der Begriff „Informationselite“ nicht mehr ganz so passend ist, bemerkt man spätestens beim Anlegen eines neuen Accounts, wenn einem dann SIDO und Lukas Podolski empfohlen werden. Auch Hastags wie #GnTM belegen, dass Twitter mittlerweile etwas weniger „Digitale Bohème“ ist als noch vor drei Jahren.

…ein zusätzlicher Vertriebskanal für diesen Blog Zeit veranschlagen würde, die ich lieber mit der Recherche oder aber mit gänzlich anderen Dingen verbringe.

Dank entsprechender Plugins und Tools lassen sich Abläufe automatisieren, wodurch sich der Aufwand verringert. Hier im dt nutze ich WP to Twitter. Aber natürlich werden in dem Twitter-dt-Stream mehr einlaufen als nur automatisierte Tweets. Ich stelle mir das in etwa wie auf der dt-Fanpage auf Facebook vor, wo zu Anfang auch erst Statusmeldungen per RSS-Feed eingelaufen sind, mittlerweile allerdings eine ziemlich sinnvolle und bereichernde Plattform entstanden ist, auf der sich auch originäre Inhalte finden.

…Bilder elementarer Bestandteil fast jedes dt-Artikels sind, das Hochladen zu twitpic aber mit zusätzlichem Mehraufwand verbunden wäre.

Ich werde das wie folgt halten: Meldungen gibts zukünftig auch via Twitter, Bilder und die ganze Geschichte gibts hier im Blog.

…man TinyURLs nie ansieht, wohin die Reise geht. In Bezug auf die Nutzerführung ein echter Dorn im Auge.

Klingt ja fast wie Jakob Nielsen. Da der Kurz-URL jeweils der Titel vorgestellt ist, ist die URL durchaus sprechend. Das Thema Nutzerführung sollte hier also weniger von Bedeutung sein.

…twitter.com auch ohne einen einzigen eigenen Tweet bereits einige Hundert Zugriffe im dt generiert. Danke dafür!

Ich hoffe, dass es nun noch viele Hundert mehr werden.

…wir heute, mehr denn je, in der Fülle der Informationen Angebote brauchen, bei denen eine Themenauswahl und eine Filterung erfolgt. Twitter ist das genaue Gegenteil.

Wie bereits geschrieben, ist die Relevanz der Nachrichten je höher, umso besser man filtert. Gewusst wie. Und überhaupt… nur weil es schon viele Tausend Logos im Netz gibt, werde ich ja nicht das dt dicht machen ;-)

…ich nicht auf jeder Hochzeit tanzen möchte und weil es schlicht und ergreifend nicht meiner Natur entspricht.

Puh, das ist ein ziemlich dickes Brett. Twitter hat sich in den letzten Jahren, allen Unkenrufen zum Trotz, als wichtiges Medium etabliert. Um auf dieser Hochzeit nicht zu tanzen, braucht es schon einer verdammt guten Ausrede. Die Frage nach meinem Naturell stellt sich hier eigentlich nicht. Der oben verlinkte dt-Account wird höchstpersönlich von mir gepflegt und mit Leben erfüllt, ohne dass ich dabei jedoch ins Persönliche schweife. Relevanz ist und bleibt für mich das entscheidende Maß. Da bleibe ich mir und dem dt treu.


 

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23 Kommentare

  1. Das Ergebnis der Umfrage erstaunt mich dann aber doch ein bisschen.

    Immerhin halten nun 25% der Nutzer twittern für eine echte Bereicherung. Das sind 7% mehr als noch vor drei Jahren, was sicherlich weniger überraschend ist. Dass es bei dieser Umfrage nicht mehr sind, liegt wohl auch daran, dass ich selbst in den letzten Jahren auf Twitter nicht gewesen bin

  2. Ich habe ebenfalls lange einen Bogen um Twitter gemacht, nutze diesen Dienst seit kurzem aber für eines meiner Projekte. Für das gleiche Projekt läuft parallel dazu auch FB – beide Kanäle sind bei mir jedoch nicht verknüpft, um der Dopplung vorzubeugen.

    Im übrigen war ich eben vom Ergebnis der Abstimmung überrascht. Hab damit gerechnet das es mehr aktiv nutzen.

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