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Handelsblatt – „auf allen Kanälen“

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Handelsblatt Relaunch

Nun wurde der neue Handelsblatt-Auftritt scharf geschaltet. Zeitgleich mit der Webpräsenz wurde das neue “Business-Format” im Print sowie das Mobilportal eingeführt. In der Vergangenheit wurden bei Redesigns erst die Zeitungen und dann der Webauftritt überarbeitet. Auch in umgekehrter Reihenfolge, etwa beim Hamburger Abendblatt, vollzieht sich der Prozess der Neugestaltung, der Anfang 2010 mit der Einführung der überarbeiteten Zeitung einen weiteren Meilenstein erlebt. Die zeitgleiche Bespielung der drei Medienkanäle mit neuer Handelsblatt-Marke ist schon ein bemerkenswerter Schritt. Nicht zuletzt ist dies auch ein kleiner Ritterschlag für die digitalen Medien.

Neue Werbemittel

Im neuen Auftritt fällt zunächst der Blick des Nutzers auf das prominente neue Werbemittel, das direkt unterhalb der Navigation und oberhalb des ersten Artikels in der Größe 775 x 200px platziert wurde. Der zweispaltige Aufbau des Vorgängers bleibt grundsätzlich erhalten. Auf der Artikelebene wird dieser Aufbau jedoch im oberen Bereich aufgelöst. Überschrift und Anreißer verlaufen (ebenso wie beim neuen stern.de) über die gesamte Breite. Während beim G+J-Schwergewicht nachfolgend der Artikeltext beginnt, folgt im neuen handelsblatt.de erneut erst die Werbung. Überraschend ist, dass sich nicht einmal die Abonnenten daran stören. Als ein am Artikel interessierter Leser sehe ich das etwas anders.

Nutzer führen

Gelungen ist das Schriftklassenkonzept. Die wichtigste Meldung wird auf der Startseite in einer Serife (Georgia) dargestellt. Weitere Schlagzeilen folgen in einer fett gesetzten Arial. Dieses Konzept findet sich auch in der Zeitung. Der Leser wird auf diese Weise geführt. Wichtiges unterscheidet sich von “weniger Wichtigem”. Die besonders große gesetzte Serife  zeigt dem Leser: “dieser Text ist aus unserer (die der Redaktion) wichtig. Du solltest ihn lesen”.

Paid Content wird neu aufgerollt

Das Thema “Paid Content” bekommt mit dem vollzogenen Relaunch, und angetrieben durch die Weltwirtschaftskrise, wieder neuen Aufwind. Handelsblatt möchte sich etwa den Zugang zum Archiv durch ein Premium-Modell versilbern lassen. Auch viele andere Inhalte werden wieder kostenpflichtig. Warum sollte nun funktionieren, was vor einigen Jahren branchenübergreifend gescheitert ist? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wenn man sich umschaut wird man aber feststellen, dass Keiner ein Patentrezept in Händen hält. Ich habe den Eindruck, zum zweiten Mal wird Neuland betreten, was natürlich paradox ist aber im immer stärker werdenden Wettbewerb, auch der Medien untereinander, will man offenbar keinen Versuch auslassen.

Kostenpflichtig werden zukünftig auch wieder die Apps für welt.de und bild.de, wie t3n schreibt. Nimmt G+J – andere werden wohl folgen – in Kauf den Leser wieder zu verlieren? Vermutlich. Solange kostenfreie ähnliche Angebote ausreichend verfügbar sind, solange wird es jede kostenpflichtige Alternative schwer haben. Da muss die “Marken-Stickiness” schon sehr ausgeprägt sein. Die letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass eben diese Bindung zum Leser/Abonennten aufgrund der Fülle an kostenlosen Angeboten und auch dem veränderten Medienkonsum eher schwächer wird.

Eine Marke in allen Medien

Festhalten kann man, dass das Handelsblatt in Sachen einheitliche Markenführung alles richtig gemacht hat. Die Handelsblatt-App steht nebenbei im iTunes-Store auf der Liste der kostenlosen Nachrichtenangebote auf Platz 1. Nicht nur das Ergebnis ist überzeugend, auch die Art und Weise der Einführung. Ein offener und ehrlicher Umgang mit den Lesern zahlt sich immer aus. Auch deshalb gibt es zum Markenrelaunch mehr positive denn negative Reaktionen.

Schick ist auch die eigens aufgesetzte Site zur Einführung der neuen Handelsblatt-Marke.

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7 Kommentare

  1. Hm, also ehrlich gesagt hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Es ist zwar sicherlich schicker als die bisherige Page geworden, allerdings gibt es einige Sachen, die mir nicht gefallen.
    1. Die Page ist für mich zu schmal, die Fokussierung auf die Werbung schränkt hier wirklich den Content ein. CNN.com finde ich aufgrund der größeren Fläche deutlich angenehmer vom Aufbau her. MIch persönlich nervt es, wenn die Werbung überall flackert und auch noch die Hintergrundfabre von Hellgrau zu Lila mutiert. Da geht die Information unter.
    2. Die Typografie der Headlines finde ich nicht gut – das Top-Thema wird ganz hübsch in “Georgia,serif” gesetzt, die weiteren Headline dann mit “Arial black” erschlagen – das angeblich dahinter stehende Konzept erschließt sich mir nicht, optisch ist das mißlungen.
    3. Die eingestreuten Anzeigen sehen aus wie redaktionelle Inhalte.
    4. Die angesprochene Seite zur Einführung der neuen Seite sieht deswegen gut aus, weil sie nicht mit Werbung zugemüllt ist. Diese Anmutung passt.

  2. Verstehe auch nicht so ganz, warum die Seite so schmal ist.

    Zumal die Breite auch keine 800 x 600 Optimierung ist (im Bezug auf die Breite), was eventuell noch Sinn gemacht hätte… Naja

  3. Der Relaunch gefällt mir wirklich sehr gut (vor allem mit eingeschaltetem Ad-Blocker :)
    Ich bin mal gespannt, was jetzt mit den anderen Handelsblatt Marken im Online-Bereich gemacht wird: wiwo.de fand ich nämlich vorher wesentlich besser als die jetzige Variante mit Doppelunterstreichungen bei den Headlines und anderer Misgeschicke.

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