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Essen mit neuem Stadtportal

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Essen Relaunch

Die Stadt Essen hat letzte Woche ihren neuen Webauftritt scharf geschaltet. Ein Relaunch war lange überfällig. Im Vergleich der Portale der 25 größten Städte in Deutschland belegt Essen.de Platz 20. Und so dürfen sich die Bürger der neuntgrößten Stadt Deutschlands zunächst einmal über einen Onlineauftritt freuen, den wir uns heute einmal etwas genauer anschauen wollen.

Bei Aufruf von Essen.de fällt zunächst einmal positiv auf, dass etwas fehlt, und zwar die Tunnelseite. Gut, dass diese überflüssige und nervige Hürde entfernt wurde. Statt türkisgetüncht erscheint die neue Umgebung in einem neutralen Graublau. „Schlicht“, werden die Einen sagen, „langweilig“, die Anderen. Die großflächige Hauptbühne bringt etwas Farbe und Leben ins Spiel.

Die Hauptnavigation, weiterhin oben angeschlagen,  gestattet es dem Nutzer nicht, in die zweite Navigationsebene per Rollover hinzuschauen. Über einen zusätzlichen Einstieg, der sich in der rechten Spalte befindet, ist dies jedoch möglich. Hätte man mit dieser Aufklappfunktionalität die Hauptnavigationsleiste ausgestattet, wäre es möglich gewesen, von jeder beliebigen Position im Auftritt zu einem Navigationspunkt der zweiten Ebene zu springen, wodurch man einen Klick als Nutzer eingespart hätte. So allerdings bleibt nur der Weg über die Startseite, oder aber man setzt den zusätzlichen Klick auf einen der sechs Themenbereiche.

Auch der Einstieg über die Teaser könnte verbessert werden, denn den meisten Teaser-Bildern fehlt jeweils der Link. Nutzer steuern jedoch gerne Bildflächen mit ihrer Maus an, denn so kennen sie es etwa von nahezu allen Nachrichtenseiten, in der Erwartung, dass diese verlinkt sind, nicht so auf Essen.de. Wie inkonsequent die Verlinkung von Text- und Bildelementen ist, verdeutlicht die folgende Darstellung:

Inkonsistente Verlinkung der Teaser

Essen Relaunch

Häkchen = verlinkt, X = nicht verlinkt

Mal sind Überschriften verlinkt, und mal nicht. Mal sind Texte sensitiv, und mal nicht. Die einheitliche Verwendung der Textfarbe Blau verstärkt die Problematik zusätzlich. Das war vor dem Relaunch so und das ist leider auch nach dem Relaunch der Fall. Nutzer können anhand des Designs nicht ablesen, welches Element verlinkt ist und welches nicht. Aber genau dies sollte ein gutes Screendesign leisten. Auch die Kennzeichnung der Position eines Besuchers im Auftritt ist unzureichend, vor allem auf den Detailseiten fällt dies negativ auf. Ein Brotkrumenpfad würde hier die Orientierung verbessern. Es ist zudem auch nicht klar, weshalb auf der Artikelebene das linke Menü ausgeblendet wird. Damit nimmt man dem Nutzer ein wesentliches Werkzeug, um sich im Portal zu bewegen. Die Usability bietet also noch reichlich Luft nach oben.

Schön sind hingegen die auf den jeweiligen Themenseiten im Kopfbereich dargestellten Meldungen, die nach einem Akkordeon-Prinzip auf- und zufahren. Mag sein, dass die Bedienung nicht von jedem als „state of the art“ eingestuft wird, auf einem städtischen Portal erscheint mir die gezeigte Lösung sehr adäquat, wenngleich sie bei mir (Firefox/Mac) schon ein wenig ruckelt.

Im Footer fehlt die Verlinkung der unter „Kontakt“ subsumierten Begriffe, zudem variiert hier die Farbe. Hier ist die Footer-Navi grau und hier ist sie blau. Warum dies so ist, bleibt fraglich. Und wo wir schon beim Thema Dialog sind: Überrascht bin ich, dass die Besucher des neuen Portals über den Relaunch und den damit verbundenen Neuerungen nicht in Kenntnis gesetzt wurden, denn eine Pressemeldung konnte ich bei der ersten Sichtung nicht finden. Angesichts der doch erheblichen, hier angesprochenen Defizite im Bereich der Nutzerführung ist dies – wenn ich kurz einmal überlege –, eigentlich doch gar nicht mehr so überraschend. Nachsehen möge man mir, dass ich im Zuge dieser Besprechung nicht auf die inhaltliche Erweiterung eingegangen bin.

Realisiert wurde der Auftritt in Kooperation mit TWT Interactive aus Düsseldorf, die die Implementierung und technische Migration von mehreren Portalen der Stadt Essen auf ein neues Content Management System übernommen haben. Redaktion, Design, Frontend und HTMLing wurden von der Stadt Essen selbst realisiert. Das Projekt ist mit 175.000 Euro budgetiert (Quelle: der westen.de)

Fazit

Was bleibt, ist Ernüchterung. Beim Aufsetzen des neuen Stadtportal wurden in Bezug auf die Nutzerführung die gleichen Denk- und Gestaltungsfehler gemacht wie schon im Vorgänger (siehe Besprechung von Essen.de). Texte sind zwar besser lesbar als zuvor, aber das sollte auch im Zuge eines solchen Schrittes selbstverständlich sein. Der Gewinn auf Nutzerseite hätte deutlich größer sein können, dann nämlich, wenn wesentliche Elemente der Usability angewandt worden wäre und das Design die Bedienbarkeit unterstützen würde. Trotz einiger, sichtbarer Verbesserungen hält Essen.de einem Vergleich mit den Besten (Besprechung: Wiesbaden.de, Besprechung: Mannheim.de) nicht stand.

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dummy

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24 Kommentare

  1. Schon witzig, wie man sich ohne Weiterentwicklung weiterentwickeln kann. Mal von Usability und Funktionalität abgesehen (beides ist nach wie vor fürchterlich) – rein optisch präsentiert sich Essen weiterhin wie die hässliche Stiefschwester.

    Dabei scheint man bei TWT durchaus was von seiner Sache zu verstehen. Was darauf schließen lässt, dass man in Essen keine Ahnung hat von zeitgenössischem, modernem Design und lieber “auf Nummer sicher” gehen wollte, was zwangsläufig im Elend endet.

  2. Leider nicht wirklich gelungen… Das neue Design mutet wie eine alte IHK-Seite an und erweckt den Eindruck, im Briefing war die Vorgabe, so wenig Emotionen wie möglich rüberzubringen.

    Bei leipzig.de wird’s demnächst auch eine Überarbeitung geben. Da bin ich auch sehr gespannt, was dann dabei rauskommt. Wenn es so weit ist, sage ich euch Bescheid.

  3. eine schreckliche website! wie hat die agentur nur diesen auftrag erhalten und welche inkompetenten menschen haben diese arbeit abgenommen? wie kann man das nur absegnen? für mich immer und immer wieder unverständlich. könntest du, achim, mal stellung dazu nehmen, wie man so etwas abnehmen kann? ich bin erschüttert.

  4. Die Benutzerführung (Subnavigation) hat mich auch verstört – entsprechend kurz habe ich mich auf den Seiten aufgehalten. Zudem sind 80% der Links in den Bereichen, in denen ich unterwegs war (z.B. Stadtteile), kaputt. Ich war allerdings so fair und habe die entdeckten Fehler der Redaktion gemeldet mit dem Hinweis, dass ich keine Zeit (und Lust) hatte, die ganze Seite zu testen. Vielleicht tut sich da ja noch was.

  5. Wenn man nach dem Impressum geht, wurde das eher stadt-intern umgesetzt:

    Grafische Gestaltung / Webdesign; Umsetzung:

    Werner Ryschawy (Stadt Essen, Verwaltungsmarketing)
    Dennis Gaca (Essen Marketing GmbH)
    Stephan Plage (Stadt Essen, Online-Redakltion)

  6. Ich habe bezüglich der Verantwortlichkeiten noch einmal nachgehakt. Hier die Rückmeldung von TWT aus Düsseldorf: TWT hat die Implementierung und technische Migration von mehreren Portalen der Stadt Essen auf ein neues Content Management System übernommen. Redaktion, Design, Frontend und HTMLing wurden von der Stadt Essen selbst realisiert. So habe ich es nun auch im Artikel präzisiert.

  7. Wenn die Angaben stimmen, die im verlinkten Presseartikel von der-westen.de stehen, dann sind 175.000 € für die technische Realisierung inkl. Lizenzen, Schulungen und kompletter Migration von mehreren tausend Seiten in ein neues CMS garnicht so irrsinnig viel.

    Kein Wunder dass bei der Pleitekommune Essen da nichts mehr für ein Agentur-Screendesign übrig blieb. So haben dann wohl Verwaltungsmenschen versucht, durch ein paar neue Farben und Skriptelemente vom 10 Jahre alten Konzept abzulenken…

    Bleibt zu hoffen, dass “Michael Wolf, Leiter der Online-Redaktion” vielleicht auch zu den Lesern dieses Blogs gehört, denn einige der hier angesprochenen Probleme, wie z.B. die inkonsequente Verlinkung, lassen sich ja sicher noch beheben…

  8. Jenseits der Startseite wird die Seite leider auch sehr karg. Auf manch einer Seite sind die englische Flagge, die Suchlupe und das Stadtlogo offenbar fast die einzigen Grafikdateien, da ist man dankbar für jedes verlinkte PDF, denn das Icon bringt noch einen Farbtupfer hinein.
    In vielen Bereichen degeneriert die Seite eher zu einem besonders umständlichen Telefonverzeichnis der Stadtverwaltung – bedienbar oft nur über einen Klickmarathon. Es bleibt die Frage, welchen Nutzen meine Heimatstadt sich selbst von der Seite verspricht. Bei diesem Budget hätte er aber höher sein können.

  9. Musste auch sofort an die IHK denken. Na ja, das Relaunch geht irgendwie- kein so’n Overkill wie das Thema SCHLECKER”. Die neue Site wirkt irgendwie überladen- man ist schwer am suchen. Irgendwie stimmen die Proportionen nicht ganz- wirkt alles so gequetscht. Obere Hälfte geht, dann aber gehts los: Aus Platzmangel wurde dann alles reingestopft was nur geht. 175.000 EUR? Oh mein Gott, sag ich da bloß. Sowas bekommt man für 5.000 EUR- schlechter Witz, oder? Was mir immer und immer wieder ein Rätsel ist: Werden keine Pretest’s mehr gemacht? Einfach mal die Arbeiten im Freundes-und Bekanntenkreis zeigen- da bekommt man die ehrlichsten und kritischsten Rückmeldungen…oder sind Deutschlands Firmen und Agenturen in absoluter Selbstgefälligkeit und Selbstherrlichekit verfallen? Fast könnte man es meinen…

  10. Jeder jammert darüber, dass unsere Dienstleistung so schlecht bezahlt werden. Jetzt wurde ein Projekt mal vernünftig bezahlt und wieder jammern alle. Redaktion, Design, Frontend und HTMLing kommen von der Stadt Essen. Das die Implementierung und technische Migration von mehreren Portalen schnell mal ein paar tausender kostet sollte jedem klar sein, der sich in der Branche bewegt.

  11. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich grundsätzlich zustimme… aber…
    was habt Ihr nur alle für Vorstellungen? Schonmal ein Content Management System bei einem Großunternehmen eingeführt inkl. u.U. technischer Basis, Support, Lizenzen, Mandantenfähigkeit für 130(!) Redakteure (laut derwesten.de)…
    Bei einer großen Kommune werden dann noch verschiedenste Systeme damit vernetzt sein, von SAP bis hin zu Spezialdatenbanken im Einwohnerwesen. Da ist eine reine Webseite nur ein winziger Anteil.
    Am Ende ein Layout über die Webausgaben zu legen, ist wahrscheinlich der geringste Teil im Budget.
    Ich finde die Seite auch nicht schön und vor allem ist die Benutzerführung nicht durchdacht. Mir legt sich allerdings der Verdacht nahe, dass das Ziel der Aktion auch nicht “Relaunch der städtischen Webseite” war…
    Aber der Skandal sind nicht die 175.000€ – da habe ich auch bei namhaften Unternehmen schon IT-Projekte erlebt, wo weit mehr Geld mit weit weniger Wirkung versenkt wurde…

  12. Nun, wer aus Budgetgründen das JZE (Jugendzentrum Essen) schließt und dann für fast 200.000 Euro so einen Schund “bekommt” hat es irgendwie nicht anders verdient.

    Sowas lässt mich nur mit dem Kopf schütteln…

  13. In einigen Kommentaren redet ihr über das Budget und die umfangreiche Migration der alten Inhalte. Für mich gibt es jedoch einen Unterschied zwischen “Migration der Inhalte” und “inhaltliche Aufarbeitung”. Hier wurde anscheinend nur “migriert”, sprich, es gab ein Abgleich der alten und der neuen Datenbank. Für ein Layout, Aufbau des CMS inkl. MIgration der alten Daten und der Schnittstellen finde ich das Budget ziemlich hoch!

    Sollte sich die o.g. Agentur auch mal mit der Aufarbeitung der Inhalte (vernünftige Struktur, Navigationsstrategie, Aufarbeitung der Artikel, etc.) beschäftigt haben – was hier leider nicht so aussieht -, dann kann ich den Budgetrahmen nachvollziehen.

    Fakt ist, der Auftritt scheint lieblos. Warum klebt das Sprachicon oben am Rand? Warum ist das Logo so lieblos positioniert (speziell Abstand nach unten)? Und warum steht daneben einfach nur “Aktuell” (Google freut sich… für die anderen Städte)? Warum sind die Teaser nicht entsprechend den Gewohnheiten der meisten Leute verlinkt (» das Teaserbild)? Und warum steht die Suche so lieblos an der linken Seite? ISt die “Rüttenscheider Straße” so bekannt in Essen, dass sie die viel zu große Kopfzeile schmückt? Und warum sind die Seitentitel nicht optimiert (Bsp. Startseite: “Portal Aktuell”).

    Der Relaunch ist eine Katastrophe! Die Seite würde in sämtlichen Agenturen nicht mal eine erste Qualitätskontrolle überstehen.

    Schade.

  14. Ich finds gelungen. Verkörpert den Charakter der Stadt doch sehr gut. Man kann sich schon so im Netz mit der Stadt identifizieren und weiß, dass sich nicht nur ein Besuch auf der Website, sondern auch der Stadt nicht lohnt.

  15. Das ist so bei TWT – dickes Geld bekommen und den Misserfolg auf den Kunden schieben. TWT sollte sich evtl. mal über ihre Beratungsqualität gedanken machen – es ist deren Aufgabe den Kunden zu verstehen und ihn nicht “scheisse” aussehen zu lassen.

    Der Laden ist nicht “Grey” auch wenn die Preise die gleichen sind und die alten Räumlichkeiten auch schon bezogen wurden!

  16. Noch mal zum Thema Beratungsqualität: Nicht einmal die Meta-Daten wurden aufbereitet. Oder muss hier erst noch ein workshop für round about 5000,- Euro durchgeführt werden?!?!?

  17. @Christian: Ich finde , daß solche eher von Ressentiments geprägten Kommentare nicht in die Designdiskussion gehören. Aber zur Sache:

    Öffentliche Ausschreibungen von Städten, die nicht gerade über volle Kassen verfügen, sind sicherlich keine lukrativen Projekte. Bevor hier somit jemand meint, das beurteilen zu können, einfach mal informieren. Solche Ausschreibungen sind ja öffentliche Verfahren, aus dem ja offensichtlich auch die Budgetzahl entnommen wurde. Auch der Leistungsumfang ist hierüber festgelegt …Das Projekt das hier besprochen wird, war kein Relaunch-Projekt, sondern nur eine technische Migration. Design / HTML / Redaktion etc. verantworten die Betreiber selbst. Einfach mal ins Impressum gucken …..oder Designtagebuch richtig lesen.

    Was dürfte die Lizenz für ein CMS FirstSpirit in dem beschriebenen Umfang wohl kosten ? Ich kenn jetzt die Lizenzpreise nicht, aber definitv dürfte das schon den größten Teil des Gesamtbudgets ausgemacht haben und für den Rest wurden mehr als 10 (?) Websites von Pansite nach FirstSpirit migriert. Das würde einen durchschnittlichen Preis pro Website machen, der nicht mal 5-stellig ist. Wohlgemerkt, es ging in dem Projekt um ‘alle’ Websites der Stadt Essen.

    Mehr Sachlichkeit in der Diskussion ist hier angebracht.

  18. Wenn die Site läuft und gut zu bedienen ist, vielleicht besser als vorher-man weiss nicht, welches Schrott-CMS die Site vorher angetrieben hat, dann ist viel gewonnen.

    In großen Organisationen ist die Gestaltung zweitrangig und man kann froh sein, wenn Inhalte eingepflegt werden. Gute Struktur ist hier ein wichtiger Designfaktor.

    Allerdings sind die verwendeten Bilder viel zu groß, allein 180KB für das Kirschblütenfoto.

  19. Auf jeden Fall ein Schritt nach vorn. Aber was Usability und SEO angeht haben die Herren in der Umsetzung nicht berücksichtigt. Die großen Headlines kann man zum Beispiel nicht anklicken und die Url´s sind auch nicht einzigartig…

  20. Ich finde es immer interessant, wie extrem Kommentare formuliert werden, selbst wenn man keine Ahnung von den Interna hat. Sieht man hier an der Budget-Diskussion recht gut. Ich könnte mit euch wetten, dass bereits die FirstSpirit Lizenz + Initiale Systemmanagement mindestens die Hälfte des Budgets einnimmt. Und glaubt hier im Ernst Jemand, dass eine Agentur wie TWT nicht beratend beistand? Aber auch Beratung muss bezahlt werden und kann dann immer noch vom Kunden selbst “ignoriert” werden, also bitte ein bißchen Contenance wahren.
    Und NEIN, eine FirstSpirit-Integration in bestehende Infrastrukturen, gibt es nicht aus dem 1und1-Baukasten.

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