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Ergebnisse der Umfrage „Design Lotse – Anker werfen in der Kreativwirtschaft“

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Im Juni dieses Jahres hatte ich auf eine Umfrage hingewiesen, die die Situation der Studierenden und den Anforderungen der Kreativwirtschaft zum Thema hatte. Nun hat Laurids Wiemer, der sich im Rahmen einer Semesterarbeit an der HAWK Hildesheim mit der Thematik auseinandergesetzt hat, das Ergebnis veröffentlicht.

Das Studienergebnis ist unter der folgenden URL als PDF abrufbar:
http://db.orangedox.com/zoie5PQIgkKDUPSyu6/umfrage_designlotse_2014.pdf

    Zwei Auszüge/Feststellungen, die deutlich machen, dass Bachelor-Studenten seitens der Wirtschaft keineswegs der rote Teppich ausgerollt wird:

  • Pro angebotenen Praktikumsplatz erhalten Agenturen durchschnittlich 14 Bewerbungen
  • Von 73% der Personalverantwortlichen in Agenturen wird der Bachelor als nicht ausreichend für die berufliche Praxis angesehen

11 Kommentare zu “Ergebnisse der Umfrage „Design Lotse – Anker werfen in der Kreativwirtschaft“

  1. Da stellt sich die Frage: Was wollen die Personalverantwortlichen, wenn sie Bachelor-Absolventen als nicht ausreichend vorbereitet sehen. An fehlenden Studieninhalten kann es nicht liegen, wie eine Agentur in der Erhebung meint (S. 13):

    Die Verkürzung der Studienzeit hat stattgefunden, eine Umorganisation bzw. Komprimierung der Lehrinhalte hat nicht stattgefunden.

    Die weiteren Kommentare der Agenturen geben da einen Einblick. Mehr berufliche Praxis im Studium, mehr unternehmerisch-kommunikatives Denken oder mehr Orientierungspunkte zur Entwicklung des eigenen Profils. Statt immer nur auf die verkürzte Studienzeit zu zeigen, sind doch hier echte Ansatzpunkte.

    Die Studienzeit liegt außerdem auch in den Händen der Studierenden. Keiner von ihnen ist gezwungen in Regelstudienzeit abzuschließen oder ein Urlaubssemester für zusätzliche Praxiserfahrungen oder einen Auslandsaufenthalt einzulegen.

  2. Es gibt einfach zu viele Gestaltungshochschulen. Die Aufnahmeprüfungen sollten verschärft werden, um wirkliche Talente zu fördern. Pro Semester drängen jede Menge Studenten auf den Arbeitsmarkt. 80% davon sind nicht nur untalentiert, sondern haben auch noch ein unterirdisches Portfolio.

    Die guten werden einen Platz finden, aber die Schlechten müssen wohl oder übel die Branche wechseln oder fangen zwangsläufig auch noch an sich als Gestalter selbstständig zu machen. Was zur Folge hat, dass diese für unterirdische Preise noch unterirdischere Gestaltung betreiben. Der Gestaltungsmarkt ist futsch, das Ansehen schon lange …

    Wenn wir nicht bald umdenken, sehen wir einer kreativen Arbeitslosigkeit entgegen.

  3. Wenn ich einen Blick in die mittelbare Zukunft werfen darf: Es wird dann noch diejenigen Design-Hochschulen geben, die Design-Unternehmer in den Markt entlassen. Die Hochschulen, die sich dem unternehmerischen Aspekt des Designberufs entziehen, werden massive Rechtfertigungsprobleme bekommen.

    Übrigens: wer jetzt schon seine eigene Haltung zum Designberuf dokumentieren möchte, kann das einfach und deutlich durch die Mitgliedschaft in einem qualifizierten Berufsverband tun. :)

    • Ja, Christian, Du hast völlig Recht! Auch Designer sollten sich mehr organisieren. Aber nicht nur die Kommunikationsdesigner, sollen alle, und am besten nicht in Sparten, sondern in einem alle Designbereiche vertretenden Verband.

      • hi Johannes,
        ich weiß nicht, wie genau du im Thema bist, aber genau das bauen die Verbände ja gerade mit vereinten Kräften, auch mit denen der AGD. Das finde ich sehr gut und es wird zu einem starken Dachverband führen, in dem die Einzeldisziplinen profund vertreten sind. Das ist genau die Struktur, die Politiker von anderen Verbänden gewohnt sind und unsere Forderungen hörbar macht.

    • Hallo Christian,
      zu deinem Übrigens: neben dem BDG gibt es ja, meines Wissens, nur die AGD. Wenn Du schreibst »…deutlich durch die Mitgliedschaft in einem qualifizierten Berufsverband tun. :)« finde ich das sehr lustig*, weil man a) vom der AGD nichts in der Öffentlichkeit mitbekommt, b) sie das Thema KSK null in der Öffentlichkeit kommunizieren und c) die junge Generation völlig verpaßt hat.

      * AGD kenn ich ein bisschen, BDG gar nicht, und das ist nur meine Meinung, Frau Sobich taucht ja sicher wieder auf…

      • hi Andreas,
        für Kommunikationsdesigner gibt es derzeit als qualifizierten Verband nur den BDG. Die Kollegen von der AGD nehmen alle Designer auf, also auch Kommunikationsdesigner, verlangen aber keinen Qualifikationsnachweis.

        Der BDG liefert seit Jahren belastbare Zahlen für die Politik über den Zustand der Branche. Unsere Forderungen nach mehr ökonomischer Ausbildung und mehr Schutz der Designer finden dadurch in der Politik so langsam das notwendige Gehör. Wir bohren da dicke Bretter und freuen uns über jeden, der mit bohren will.

  4. Ich bin zwar selbst nicht in der Branche tätig, aber mache momentan ein Studium welches Informatik und Psychologie vereint und es anschließend auf Design überträgt. Und genau aus diesen Gründen, die im Bericht genannt werden habe ich mich gegen eine Ausbildung als Kommunikationsdesigner oder vergleichbarem entschieden.
    Die Agenturen fordern mehr, aber ich hab eher das Gefühl, dass die Studenten das Studium irgendwie zu hart finden und mehr Freiraum haben wollen. Meiner Meinung nach ist es ein Dienstleistungsberuf und kein „ich kann mich künstlerisch total entfalten“ Beruf. Kein Wunder, dass so viele Leute nach dem Bachelor schwer an einem Job kommen, wenn dieses Geträume irgendwie auch noch von den Hochschulen gefördert wird…

  5. Einfach beispielhaft für das Grundproblem …

    Student/in:
    »Einmal (oder am besten mehrmals) jährlich ein Besuch von Agenturleuten in der Hochschule, die in gemütlichem Ambiente Vorträge über sich, ihre Laufbahn, Design, Werbung etc. halten.«

    vs.

    Agentur:
    » (…) Eigeninitative zu zeigen, muss gesteigert werden; Gerade in der Kreativbranche ist
    die praktische Umsetzung unerlässlich, um Erfahrung zu sammeln.

    Ohne ein Praktikum (und wenn es nur ein paar Tage ist) vor dem Studium oder schon während der Schulzeit geht’s doch nicht. Es muss den jungen Menschen klar gemacht werden, dass es ein knallhartes Geschäft ist und nicht wie im „Kunstunterricht“ eine „verkappte Freistunde“ … Ich habe die gute Erfahrung machen dürfen, dass sich ein enormer Einsatz als Praktikant am Ende des langen Tages auszahlt – vorerst zwar nicht monetär, aber immerhin in Form von Erfahrungschätzen.

    Den Vorschlag, weiß jetzt nicht von Student/in oder Agentur, eine Real-Agentur zu gründen, finde ich einen guten Ansatz.

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