„Eine vernetzte Welt gestalten“ – Logo G20-Gipfel 2017

Logo G20-Gipfel 2017

Deutschland übernimmt 2017 den Vorsitz in der G20 (Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer) und ist damit Gastgeber des jährlichen Treffens der Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten, das im kommenden Jahr in Hamburg stattfinden wird. Bleibt zu hoffen, dass die während des Gipfels geknüpften Verbindungen dauerhafter sind als der im Logo dargestellte Kreuzknoten.

Auszug der Pressemeldung

Die Seefahrt, seit Menschengedenken sichtbares Zeichen von Handel, Wandel und Begegnung, kennt den Kreuzknoten als stabile und elastische Verbindung. Im digitalen Zeitalter und in der globalisierten Welt nehmen Vielfalt und Unübersichtlichkeit zu. Damit verbunden sind Sorgen und Hoffnungen. Die vernetzte Welt ist eine Welt der Gleichzeitigkeit und immer engeren Verbindung. Sie ist eine Herausforderung für die Politik, erweitert aber auch deren Handlungsmöglichkeiten. Deutschlands Präsidentschaft stellt sich das ambitionierte Ziel, im Miteinander aller G20-Partner diese Welt zu gestalten.

Über den G20-Gipfel: Die G20-Staaten vertreten zwei Drittel der Weltbevölkerung, die für 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Welt und 80 Prozent des Welthandels verantwortlich zeichnen, während bei den G7 nur die sieben reichsten Länder der Welt zusammenkommen, die lediglich zehn Prozent der Weltbevölkerung und weniger als die Hälfte der Weltwirtschaftsleistung vertreten.

Kommentar

Was die „stabile Verbindung“ anbelangt, so kommt der Seefahrer zu einem ganz anderen Urteil. Im Standard- und Referenzwerk zum Thema Knoten, dem „Ashley-Buch der Knoten“, bescheinigt Ashley dem Kreuzknoten ein unvergleichbar hohes Gefahrenpotenzial: „Einer der besten, aber am häufigsten missbrauchten Knoten ist der Kreuzknoten oder Reffknoten. Als Bändselknoten zum Reffen oder Bergen von Segeln oder um Pakete zu verschnüren ist er von unschätzbarem Wert. Aber als Verbindungsknoten (um zwei Enden zusammenzubinden) hat der Kreuzknoten wahrscheinlich mehr Tote und Verletzte auf dem Gewissen als alle anderen Knoten zusammen.“

Was für ein Symbolbild für die Politik! Metaphern können zuweilen zum Fallstrick werden, in der Politik und auch im Design. Wie bei keinem anderen Knoten ist eine mittels Kreuzknoten hergestellte Verbindung offenbar nicht sonderlich verlässlich. Insofern eignet sich dieser Knoten als Symbol für die Vernetzung, die technische wie auch die interkulturelle, und für das Zusammenkommen von Menschen nur bedingt. Verlässlicher und sicherer als ein Kreuzknoten ist beispielsweise ein Spierenstich. Der allerdings gibt ob seiner komplexeren Machart kein sonderlich prägnantes Bildzeichen ab.

Wobei im G20-Logo natürlich nicht der Knoten als solcher abgebildet ist, sondern lediglich, und hier wird die Konnotation wieder positiv, den noch offenen, formbaren Zustand der Seilwindungen kurz vor dem Zusammenziehen zeigt. In dieser Form ist es tatsächlich ein Zeichen, das für Vernetzung, Transparenz und Bewegung steht.

Logo G20-Gipfel 2017 (animiert)

Logo G20-Gipfel 2017

Weiterführende Links

Update 12.12.2016: Für die Kreation verantwortlich zeichnet die Agentur Scholz & Friends.

22 Kommentare zu “„Eine vernetzte Welt gestalten“ – Logo G20-Gipfel 2017

  1. Mal von der Stabilität des Knotens abgesehen, laufen die „Seile/Kabel” zum Sender zurück. Mit Vernetzung und Konnektivität hat das wenig zu tun. Jeder für sich sozusagen, aber immerhin treffen sie sich am Knotenpunkt… Die Farbwahl ist auch fragwürdig. Ein Symbol für Vernetzung in der digitalen Welt ist das sicher nicht. Das passt aber erstaunlich gut zur Politik, denn diese behandelt Digitalisierung immer noch so stiefmütterlich als wäre das eine Modeerscheinung die auch wieder verschwindet!

    In meinem Beruf habe ich sehr viel mit Digitalisierung, Connected Car, Big Data etc. zu tun und weiß, was bereits möglich wäre, wenn da nicht so mancher Stolperstein seitens der Regierungen im Weg läge (allem Voran das mangelnde technische Know-How der Politik).

  2. Ich finde, du gehst mit dem Logo zu hart ins Gericht. Vielleicht mag der Knoten bei Experten umstritten sein. Ich sehe in ihm durchaus große Stabilität. Dazu kommt, dass der Knoten den gewünschten Zusammenhalt und das Motto „Vernetzung“ sehr gut ausdrückt. Ebenso lässt sich im Knoten eine liegende 8 erkennen, die für Unendlichkeit steht. Der Knoten als solches assoziiert sich mit der Seefahrt und passt deswegen perfekt zum „Austragungsort“ Hamburg. Meiner Meinung nach ein geniales Logo!

    • Danke Philipp, genau meine Meinung.
      Im Forum fehlt mir in der letzten Zeit irgendwie der Respekt gegenüber der Leistung anderer. Machts doch erstmal besser.

  3. —hat der Kreuzknoten wahrscheinlich mehr Tote und Verletzte auf dem Gewissen als alle anderen Knoten zusammen.

    Also einer fällt mir ein der da noch ein bisschen „effizienter“ ist.

  4. Aber als Verbindungsknoten (um zwei Enden zusammenzubinden) hat der Kreuzknoten wahrscheinlich mehr Tote und Verletzte auf dem Gewissen als alle anderen Knoten zusammen.“

    Na dann passts doch! ;-)
    Sind die G-Gipfel nicht auch recht gern blahfusselig und erfolglos nur mäßig erfolgreich? Gefährliche lockere Weltlage, aber viele wohlfeile Worte der Festigkeit und wenig Ergebnisse?

    Dann kann ich mir keine bessere Symbolik vorstellen als so einen derart seefahrttechnisch ungenügenden Verbindungs-Knoten.

    (Hach, erinnert mich an den Segelkurs. Das Knotenüben an Land war schon ein mühsam Ding vorher, knurr, besonders der Reffknoten. Wollte ich doch nur dringend raus aufs Wasser … wie alle süddeutschen Landratten tun.)

  5. So, jetzt kommt Knotenphilosophie!

    Der hier verwendete/gezeigte Knoten hat eine ganz essentielle Eigenschaft, die ich für die Bedeutung des Logos nicht unerheblich finde: Er bedingt, das an allen vier Enden der Seile bzw. den zwei Seiten gleichermaßen gezogen wird, um eine stramme Verbindung einzugehen. Man zieht zwar in unterschiedliche Richtungen, aber mit gleicher Kraft, um ein gemeinsames Ziel zu erhalten und hält sich gegenseitig im Gleichgewicht.

    Finde ich jetzt grundlegend für einen Gipfel der kurzzeitig und auf Augenhöhe zu einem gemeinsamen Ziel abgehalten wird keinen schlechten Ansatz.

    Aber: Es gibt sicherlich andere Knoten die dauerhafter, fester oder „sicherer“ sind (welches Material hat eigentlich das Seil? Nur drei Fäden sieht mir eher nach Nähgarn aus ;-)

    Eine Verbindung die schwer bis garnicht zu lösen ist und eine dauerhafte Verbindung darstellt, unabhängig vom vitalen Zustand der beteiligten Partner/Seile wäre unter Umständen das falsche Signal.

    • Bester Walter Horcher,
      ich dachte, es sei ein bisschen spaßig, was ich schreibte. Arrogant sollte es nicht rüberkommen, eher sollte es Achim entlasten, dem gesagt wude, er solle das mit dem falschen Knoten nicht so eng sehen. So kann man sich täuschen. So ist das Leben.

      Und was ist Ihr werter inhaltsbezogener Beitrag? Zu dem „Seil“-Schaft-Logo?
      Außer einen Kommentaristen wegen Verdächtigung auf Arroganz persönlich anzugreifen?
      Manche lernens nie.

      Ihre Mappe möcht ich nicht sehen.

  6. Finde das Logo auch sehr gut.
    Ein Kreuzknoten war wahrscheinlich am einfachsten darzustellen und passt sehr sehr gut zum Austragungsort Hamburg. Darin jetzt eine schwäche zu sehen weil der Knoten ja so schlecht sei ist schon etwas korinthenkackerei.

    Das einzige was mir nicht gefällt ist die Farbgebung.
    Weinrot für die deutsche Fahne?
    Auch die Blau/Braun/hellblau Kombination finde ich nicht gerade die beste Wahl

  7. Das Logo an sich finde ich gelungen. Wie Martin bereits anmerkte, eignet sich der Knoten gut, wenn alle Enden gleich belastet sind (Und das sind, wenn man die negativen weissen Stränge mitzählt insgesamt 20 passend zu den G20).

    Bei der Farbgebung dacht ich zuerst, dass versucht wurde, jede G20-Nation mit mindestens einer Farbe der Flagge vertreten zu haben (So kommt Indien mit orange und Argentinien mit hellblau, Brasilien mit dunkelblau zu Zuge). Aber Saudi Arabien geht mit dem Fehlen von Grün leer aus.

  8. Also, ich sehe weniger die Verknüpfung von zwei Seilen, sondern mehr eine Doppelschlinge, die sich zuzieht ‒ wo bleiben da die Gestaltungsräume?! Verschiedenfarbige (Fischer-)Netze z. B., natürlich abstrahiert, würden ebenso zum Thema wie auch zum Veranstaltungsort passen.

  9. Farbgebung hin oder her… es sind nun mal die Farben vom CI der Bundesregierung.

    Was ich hier zu den Leute sagen muss die hier vor mir kommentiert haben:
    Oft wird vergessen, dass der Designer/ArtDirector nicht immer alles alleine entscheidet. Letztendlich hat der Kunde das letze Wort und in diesem Fall hat das sicher eine nicht unerhebliche Rolle gespielt.

  10. Also ich scheine der einzige zu sein, aber meine erste Assoziation war eine Bretzel.
    Auch wenn ich gebürtig aus dem Norden Deutschlands komme, kenne ich mich nicht mit Knoten aus, aber man sollte sich schon der Bedeutung des jeweiligen Knotens bewusst sein, wenn man ihn in einem Logo verwendet.

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