Wir sind Merck

Eine MERCK-würdige Gestaltung – Pharmakonzern Merck erhält neuen Markenauftritt

Wir sind Merck

Merck, das älteste Chemie- und Pharmaunternehmen der Welt, legt sich einen neuen Markenauftritt zu. Das Unternehmen habe sich in den letzten zehn Jahren vom klassischen Pharma- und Chemieanbieter in ein globales Technologieunternehmen entwickelt, so heißt es. Inspiriert von der „bunten und formenreichen Welt unter einem Mikroskop“ präsentiert sich das DAX-Unternehmen nunmehr mit einem von Grund auf veränderten Erscheinungsbild.

In der offiziellen Pressemeldungen heißt es zum neuenMarkenauftritt von Merck: „Merck hat sich in den vergangenen zehn Jahren fundamental verändert. Wir haben uns vom klassischen Pharma- und Chemieanbieter in ein globales Technologieunternehmen entwickelt. Mit unserer einzigartigen Kombination aus hoch spezialisierten Biopharma-, Life-Science- und Material-Geschäften sind wir heute in der Lage, Lösungen für globale Megatrends wie Gesundheit oder den digitalen Wandel anzubieten. Unsere runderneuerte Marke soll diese neue Ausrichtung gegenüber unseren Kunden, Partnern und Bewerbern dokumentieren. Wir wollen einheitlich und weithin sichtbar als Merck zu erkennen sein und so unseren bewährten Markennamen stärken. Dazu haben wir bewusst alte Zöpfe abgeschnitten und setzen künftig auf einen jungen und aufmerksamkeitsstarken Auftritt“, so Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO.

Passend zum kürzlich rezensierten Buch „Emotion gestalten“ heißt es seitens des Unternehmens weiter: „Eine umfassende externe und interne Analyse hatte gezeigt, dass wir unseren Marktauftritt deutlich emotionalisieren mussten, um im Markt und von Bewerbern als lebendiges Technologieunternehmen wahrgenommen zu werden“, so Walter Huber, Leiter der Konzernkommunikation.

Tatsächlich wirkt das neue Design ungleich dynamischer als das bisherige, 2001 eingeführte, von der Agentur Landor entwickelte, durchweg konservative Erscheinungsbild. Welch ein Kontrast! Aufmerksamkeit sollte dem neuen Markenauftritt gewiss sein. Derart bunt und formverspielt hat man bis dato noch kein DAX-Unternehmen gesehen. Verwechslungsgefahr mit anderen Pharmamarken scheint nunmehr ausgeschlossen. Ziel erreicht, könnte man sagen. Mein Eindruck ist allerdings ein ganz anderer, nämlich, dass man ein gutes Stück übers Ziel hinausgeschossen ist.

In der Tat hat man in Bezug auf die Gestaltung nahezu alle „alten Zöpfe“ abgeschnitten. Mutig wird das jedoch nur nennen, für den Markenwerte wie Vertrauen, Kontinuität und Zuverlässigkeit keine Rolle spielen. Offen gesagt halte ich die Entwicklung in dieser Form für einen folgenschweren Fehltritt. Ein insgesamt ziemlich MERCK-würdiger Schritt. Hier die Gründe:

1. Die Gestaltung wirkt wie übergestülpt – gut zu sehen am Webauftritt (Screenshot bisheriger Webauftritt). An einem technologisch veralteten Konstrukt festzuhalten, um an der Oberfläche ein wenig Kosmetik zu betreiben, wirkt nicht fortschrittlich, sondern gestrig. Was es braucht, ist nicht der Austausch von Bildchen, sondern eine von Grund auf neukonzipierte Website, Stichwort Responsivität, besser noch, es braucht die Neuaurichtung der gesamten digitalen Präsenz. Bei Merck ist man offenbar der Ansicht, der Austausch von Grafiken würde reichen, um als innovative, zeitgemäße Marke wahrgenommen zu werden. Das neue Merck-Logo repräsentiert nicht, es kaschiert lediglich.

2. Es fehlt der Bezug zur Geschichte. Eine Marke, die ihren Ursprung im Jahre 1668 hat, verfügt allein aufgrund dieser Historie über einen unglaublich hohen Wert. Das neue Erscheinungsbild knüpft daran in keiner Weise an. Problematisch ist dies schon allein deshalb, weil in der textlichen und sprachlichen Kommunikation nun nachgeholt werden muss, was in der visuellen Kommunikation fehlt. Kunden und Investoren könnten sich fragen, ob sie es tatsächlich noch mit dem gleichen Unternehmen zu tun haben. Das neue Erscheinungsbild, um es mal ganz hart zu formulieren, zerstört das bis dato aufgebaute Vertrauen und die bestehende unterstellte Markenreputation, einfach weil jegliche visuellen Bezugspunkte zur Geschichte der Marke fehlen.

3. Der Bogen wurde gestalterisch überspannt. Das bisherige Logo mag kleinteilig sein – der neue Schriftzug ist es allerdings nicht minder. Die Wortmarke ist trotz lediglich fünf Lettern sehr komplex. Das Zusammenspiel aus Kurven, Bögen und Geraden erzeugt zwar jede Menge Dynamik – ein einprägsames Zeichen ist dabei allerdings nicht entstanden. Das Farbkonzept, die auf sechseckigen Waben basierende Struktur, eine eigenwillige Typographie – es sind einfach zu viel Dinge, die miteinander konkurrieren. Jede Form schreit: schau mich an! Mit Design hat dies nichts zu tun. Design ist in der Lage, die Aufmerksamkeit zielgerichtet auf das Wesentliche zu lenken, in diesem Fall auf die Information bzw. die Botschaft. Weniger wäre in diesem Fall sicherlich mehr gewesen. In dieser Form passt das neue Design Styling eher zu einem Mobilfunkanbieter, der auch Musik-Flatrate-Tarife im Angebot hat, als zu einem traditionsreichen Pharma- bzw. Technologieunternehmen dieser Größe und mit dieser Tradition.

4. An Hässlichkeit kaum zu überbieten. Ästhetik wird gemein hin überschätzt, davon bin ich überzeugt, aber dieses Merck-Logo ist derart verbeult, unförmig und hässlich, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Integriert in den technologisch veralteten Rahmen des Webauftritts erzeugt das Logo fast schon eine Art Trash-Look. Gute Ansätze wie das variable Farbkonzept oder die Cover-Gestaltung werden von der überbordenden Formensprache und der viel zu stylisch geratenen Typographie überlagert. Den Anspruch eines „führenden Wissenschafts- und Technologieunternehmens“ vermittelt das neue Logo jedenfalls nicht.

Verantwortlich für die Kreation zeichnet FutureBrand.

Merck Logo

Merck Branding

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128 Kommentare zu “Eine MERCK-würdige Gestaltung – Pharmakonzern Merck erhält neuen Markenauftritt

  1. huiiii. Man kann alles diskutieren – aber die Headlines sind zum Teil so schwierig zu lesen, dass ich mich echt abmühen muss, das zu lesen. Mich würde mal interessieren, was der Grund war, das alte Logo zu verändern.

    • „Merck hat sich in den vergangenen zehn Jahren fundamental verändert. Wir haben uns vom klassischen Pharma- und Chemieanbieter in ein globales Technologieunternehmen entwickelt. […] Unsere runderneuerte Marke soll diese neue Ausrichtung gegenüber unseren Kunden, Partnern und Bewerbern dokumentieren.“

      ;-)

    • Einer der wichtigsten Gründe war auch (und das habe ich auch oben im Artikel vermisst), dass Merck Darmstadt überall auf der Welt Merck heißt – außer in Nordamerika. Dort hat „Merck & Co“ die Namensrechte, das deutsche Merck heißt dort „EMD“.
      Beide Unternehmen sind in der gleichen Branche tätig, an der Börse notiert, haben auch eine gemeinsame Geschichte, aber sind seit dem ersten Weltkrieg komplett voneinander unabhängige Unternehmen. Auch das Erscheinungsbild beider war gleich „konventionell“. Das hat schon zu bedeutenden Missverständnissen geführt.
      Das CI wurde also auch unter dem Gesichtspunkt kreiert, dass man sich abheben und distanzieren muss. Dies ist gelungen – hässlich finde ich es aber jedoch, wie Achim oben schreibt, auch.

      • Nun muss ich mir ehrlich gesagt eingestehen, dass ich die letzte Aussage von mir widerrufen möchte. Der anfängliche Schock über das neue CI hat mich glauben lassen, dass ich es hässlich fände. Inzwischen habe ich mich aber doch sehr daran gewöhnt und kann tatsächlich dem ganzen etwas abgewöhnen. Die Kritik, dass man durch das Erscheinungsbild nicht mehr zu dem Unternehmen verbunden fühlt, kann ich nach ca. einer Woche subjektiv zurückweisen. Grade dass darüber so kontrovers diskutiert wird, hat es wohl verstärkt, dass man sich zum Erscheinungsbild und Unternehmen bekennen muss. Interessant.
        An einer Kritik möchte ich aber festhalten, und da stimmen mir wohl hier alle Kollegen hier zu: Das CI ist gestalterisch handwerklich schlecht.

  2. Sehr verunglückt das Ganze. Einerseits lobe ich den Mut hier stark heraus zu stechen, andererseits kann ich mir kaum vorstellen, dass der Look viele Jahre überleben wird.

    Die Gestaltung der Titel und die kreierten Muster sind klasse; sie hätten in einer Kombination mit einer weniger „ungewöhnlichen” Typografie aber sicherlich auch funktioniert.

    Wie im Film zur Logo-Historie zu sehen, ist der Name oft in unterschiedlichen Weisen typografisch umgesetzt worden – eine moderne Wortmarke mit 1-2 Rückgriffen auf die Vergangenheit wäre meiner Meinung nach in diesem Kontext vernünftiger gewesen.

  3. Insgesamt find ichs super, dass so ein Unternehmen einen solchen Schritt wagt und so offen ist, sich von dem „üblichen“ Design abzuheben.

    Die Logo- und Headline-Schrift geht aber einfach gar nicht. Selten sowas furchtbares gesehen.

  4. sorry, aber wie neunziger ist das denn.
    ich glaube das die heutige gesellschaft ein wenig reifer und offener ist und somit auch ein anderes verständnis zum thema globales Technologieunternehmen hat. hätte nur noch gefehlt das man das design orange grau macht. dann wäre das bild perfekt. schade, aber ich finde, dieses design in keinster weise unternehmens- und zeitkonform. geschweige denn, dass es als cd überhaupt ein oder zwei jahre übersteht und dann schon wieder hinfällig ist. ein plattenlabel mit elektronischer musik aus den neunzigern hätten ihr spass daran.

  5. Hm.

    Gerade als Darmstädter, muss ich sagen dass mich das gestern, als ich es irgendwo auftauchte, doch sehr überrumpelt hat.

    Kurzzeitig war ich dann einfach nur geschockt und musste mir die ganzen Materialien erstmal durchschauen.

    Der strategische Schritt des Re-Brandings auch mit größerer Differenzierung ist auf jeden Fall ein guter und notwendiger denke ich (Auch in Anbetracht dessen, dass es in den USA zB einen Namens-Streit mit einem anderen Pharmaunternehmen namens Merck gibt).

    Mutig auch, ja. Aber ob die gestalterischen Schlußfolgerungen aus der formulierten Leitfrage wirklich die richtigen waren, bezweifle ich stark.
    „Science is so exciting, why does it look so dull?“ — viel mehr dull hätte man nicht machen können.

    Der Fokus auf die Leidenschaft und den Spaß und die Spannung der Wissenschaft lässt komplett jede Verknüpfung verpuffen, die ich jemals mit dieser Marke, die ich in meinem Umwelt erlebe.
    Wie im Artikel beschrieben, dachte ich auch zu allererst an einen Mobilfunk Anbieter oder Consumer Elektronik.

    Die gestalterischen Elemente reichen – individuell betrachtet – von gut durchdacht und wirklich interessant, zu handwerklich einfach mies und schlichtweg unsinnig…
    Die Kombination all dieses Potpourris, lässt bei mir einfach nur noch Verwirrung zurück. Und ein klein wenig Verzweiflung und Sorge über den Weg von Merck.

    Das Logo unter der Idee des Mikroskops könnte als Idee noch durchgehen, abgesehen davon dass es einfach schlecht gezeichnet ist. In Kombination mit den Mustern, auch noch gut. Dazu fehlt aber ein Gegenpol. Dass der Schriftzug dann noch als Unziale als Haupt Headline Schrift auszubauen finde ich schon grob fahrlässig. Schrift lebt in einer Geschichte und in einer Funktionsweise, die dieses überkonstruierte Etwas komplett ignoriert.

    Ich befürchte die Überladung an Bausteinen, die so sehr nach Aufmerksamkeit schreien wird in der Implementierung und Markenführung, ganz konkret im Alltagsgeschäft wirklich schwierig.
    Wenn sogar die Agentur die Headline – damit sie schön kompakt sitzt – so stark ineinanderlaufen lässt, dass bei mir am ehesten die Assoziation von Verklumpungen hervorgerufen wird, dann will ich mir garnicht ausmahlen, wie das im Tagesgeschäft läuft, wenn wieder einmal die Message eher 5 Zeilen, statt 5 Wörter hat.

    Und die Website, ist einfach nur ein Witz. (Da die Magazin-Seite sehr viel aufgeräumter und neuer wirkt, kann ich mir auch vorstellen, dass der Web-Relaunch noch aussteht)

  6. uiuiui … das haut rein. Ich gebe zu, zwischen Mut und Leichtsinn ist ein schmaler Grat … aber hier wird eindeutig eine Marke leichtsinnig kaputt„designt“ …

  7. Die Grundidee des „Vibrant M“ finde ich nicht schlecht und ich mag auch einige der Texturen, z.B. die auf den Heften in dem YouTube Video. Die Logo-Varianten, die zu kleinteilig sind oder auf Außenlinien basieren, funktionieren meiner Meinung nach aber überhaupt nicht, wegen der fehlenden Fernwirkung:
    Finde das M!

    Alles komplett in den Farbtopf zu tunken ist reichlich übertrieben. Etwas dezenter an Formatkanten oder -Ecken in Verbindung mit Weiß würden die Farben durch den Gegensatz eine stärkere Wirkung entfalten.

    Das Schlimmste ist leider die Schrift, die nicht einmal für kurze Überschriften geeignet ist. Wenn man schon ein „Vibrant M“ und tolle Texturen hat, muss die Schrift dann auch noch schreien (unmd gleichzeitig unlesbar sein)?

    • Als Ergänzung eine Skizze ohne die Techno-Schrift:

      (Nagelt mich nicht auf meine Schriftwahl fest, die ist austauschbar, sollte aber seriöser wirken als vorher.)

      • Mit „austauschbar“ hast du das richtige Wort gewählt! Könnte von jeder x beliebigen Marke sein. Seriös bringt gar nichts, wenn es nicht angeschaut oder gar gelesen wird. Mich stört eigentlich nur das Kerning „COL OURFUL“. Aber das Logo funktioniert, wenn in der Apotheke 20 Schachteln nebeneinander stehen, erkennt man sofort welche von Merck ist.

  8. Gerade bei der grün-blauen Variante, wie sie auf der Website zu finden ist, fühle ich mich stark an das Movistar-Logo erinnert. Telefónica nutzt zwar die Marke „Movistar“ in Deutschland nicht (man heißt hier „O2“), aber in Spanien und Lateinamerika ist das eine starke Marke und kann sicherlich zu Verwechslungen führen.

  9. Ach ja, zum Design selbst. Das kommt mir durch die Pastellfarben und die merkwürdige Schrift sehr psychodelisch vor. Mag ja sein, dass man bei Merck auf die baldige Freigabe von weichen Drogen spekuliert und das große Geschäft wittert – für ein seriöses, auf Vertrauen angewiesenes im Gesundheitsbereich tätiges Unternehmen ist diese Assoziation eher suboptimal.

  10. Ein sehr ungewöhnlicher, neuer Markenauftritt von Merck. Zunächst war ich schockiert, dann aber ziemlich positiv überrascht über den Mut zu solch einem Design. Allerdings werde ich den Gedanken nicht los, das man hier versucht hat, ganz gehöriges „Human Washing“ zu betreiben …

      • Ich unterstelle mal, Ralf meint damit eine Anspielung zu „Greenwashing“ – dem Unternehmen einen Öko-Anstrich zu verleihen. „Humanwashing“ wäre dann wohl sowas wie, einem Konzern eine besondere Empathie und einen Auftrag im Dienste des Menschen, jenseits von Unternehmenszielen und Gewinnmaximierung, durch den Markenauftritt anzudichten.

  11. … ach, der Begriff scheint nicht bekannt zu sein? Wir hatten eben darüber in der Agentur diskutiert und jeder konnte damit etwas anfangen.
    „Green Washing“ ist m.E. bekannt, „Human Washing“ soll die „Menschlicher-Machung“, eines Konzerns, bzw. einer Marke beschreiben, ähnlich, wie es McDonald derzeit mit „Green Washing“ versucht. Die ganze Handhabung mit den organischen Strukturen im Design lässt diesen Gedanken aufdrängen.

    • Danke. Im Gegensatz zu „Green Washing“ ist „Human Washing“ kein feststehender Begriff, daher die Nachfrage.

      Wenn Du den Begriff „Washing“ ins Spiel bringst, deckt sich das ja im Grunde auch mit meinem Eindruck, nämlich, dass das neue Erscheinungsbild nicht wie eine organisch gewachsene, natürliche Bewegung aus Innen heraus erscheint, die gewissermaßen von Vielen mitgetragen wird, sondern wie ein Entwicklungsschritt, bei dem, initiiert von Wenigen, mittels neuem Anstrich ein gewisser Eindruck suggeriert werden soll.

  12. Manchmal verschlägt es einem wirklich die Sprache und man muss gegen die Floskeln im Kopf regelrecht ankämpfen.
    Sehr unausgewogen. Sehr wild. Logo und Schrift: ganz schlimm. Auf mich wirkt das Ganze nicht nur überzogen, sondern auch einfach nicht fertig – nicht sauber zu Ende gebracht/gedacht. Dabei hätte es in Richtung „City of Melbourne“ (https://www.behance.net/gallery/276451/City-of-Melbourne) gehen können. Vielleicht war dass ja ursprünglich der Wunschgedanke.
    Und diese neuen, „extremen Komponenten“ dann auch mal so in die bestehende Website zu „werfen“ … also wirklich.

  13. Eine Gestaltung abseits des gewohnten.
    Handwerklich gut gemacht.
    Keine Variation von Bekanntem.
    Ich denke die Beurteilung auch hier im Blog wird in
    ein zwei Jahren anders ausfallen.

    • Da muss ich Dir aber vehement widersprechen!
      Handwerklich ist das eben nicht gut gemacht
      – aber immerhin konsequent und konsistent.

      Und natürlich ist es eine Variation von Bekanntem
      – ich musste sofort an das Melbourne Branding denken,
      Als ich die »M« Spielereien gesehen habe.

      Der Einsatz von Farbe, Kontrast und insbesondere von
      Typografie sucht allerdings seinesgleichen: Leider nicht
      im positiven Sinne.

  14. Ich teile die allgemeine Kritik hier nicht. Ich finde das neue Erscheinungsbild mutig, konsequent und provozierend.

    Inwieweit es zur Marke Merck passt, würde ich den Verantwortlichen bei Merck überlassen – denn dass sie die Marke neu positionieren wollen, ist ja die erklärte Absicht. Die Aussage ist: Merck hat sich geändert, ist nicht mehr das alte Merck, und das zeigen wir jetzt auch auch durch die Markengestaltung.

    Ich fand gerade das bis vorgestern noch aktuelle Logo extrem verstaubt und spießig.

    Ein Fragezeichen würde ich auch hinter die Frage machen, ob das neue Erscheinungsbild nicht bald seinerseits wieder überholt wirken wird? Erfahrungsgemäß ist es sehr schwer, so etwas vorher zu sagen. Coca Cola hat es mit seinem Logo durch ein paar Jahre geschafft, obwohl es erkennbar ein Kind seiner Zeit ist. Andere Logos gehen mit der Zeit. Das neue Merck-Logo folgt jedenfalls nicht einem aktuellen Trend (wenn auch vielleicht doch einem alten Trend aus den 90ern), was für seine Dauerhaftigkeit erst mal nciht die schlechteste Voraussetzung ist.

    Und noch eine Kritik, die ich teile: Der Webauftritt ist viel zu brav, spiegelt das neue Design kaum wider.

  15. Es wird hier vielfach über die neue Logo- bzw. Displaytypo gesprochen. Diese liefert sicherlich einiges an Diskussionsmaterial. „Geschmacksache“ in Ihrer Wirkung, aber sehr mutig. Persönlich finde ich nicht passend für ein global agierendes Unternehmen welches als einen Kernpunkt Seriosität ausdrücken sollte, zzgl. schlecht in der handwerklichen Ausführung und kurzlebig in der Wirkung.
    ABER was ist mit der neuen Textschrift? Sehe ich hier etwa die Verdana? Merck hat(te) eine customized Rotis Sans/Serif inklusive Global Font Varianten in Anwendung. Diese neue Auswahl ist mehr als fraglich.

  16. Hat denn keiner den i-Punkt von „sind“ gesehen, wie der in dem darüberliegenden „i“ verschwindet? Sorry, aber da sind Typo-Legastheniker unterwegs gewesen. Heutzutage wird scheinbar kein Wert mehr auf Spacing etc. gelegt. Die neue Unverbindlichkeit spiegelt sich mehr und mehr in der Designwelt wider – ein Jammer und Armutszeugnis für FutureBrand!

    • Heutzutage wird scheinbar kein Wert mehr auf Spacing etc. gelegt.

      Das kann man in dieser verallgemeinerten Formulierung sicherlich nicht sagen. Vielmehr scheint es so zu sein, dass sich in diesem Fall der Auftraggeber vom Farben- und Formenwerk und wohlmöglich auch vom Namen der Agentur hat blenden lassen, sodass derlei typographische Details kaum Beachtung finden. Eben die Details sind es, an denen Exzellenz erkennbar wird. Wer dies als Lapalie abtut, von dem darf man annehmen, dass ihm auch andere Details unwichtig sind. Abgesehen davon kann hier eigentlich nicht von einem Detail die Rede sein, wenn, wie Christian richtigerweise anmerkte, längere Überschriften nahezu unlesbar sind. Hier hat sich meines Erachtens die Form verselbstständigt und von der Funktion entledigt, womit das Erscheinungsbild mehr Styling ist denn Design.

  17. Jede Gestaltung sendet Botschaften. Ich assoziiere Rudolf Steiner, Veleda, Montessori, Faszien…, unruhig, laut, bunt. Wofür steht Merck?

  18. ich bin leider total sprachlos.
    slide 4 startseite der website sagt eigentlich alles.
    http://www.merck.de/de/index.html#4
    einfach ohne wort, da passt irgendwie absolut nichts zusammen. der bildstil wirkt wie aus einer anderen welt in kombination mit den neuen grafischen elementen.
    zumal der gute herr kley je nach bildschirmauflösung dann noch „hörnchen“ auf gesetzt bekommt.

    das ganze sieht für mich total unfertig aus.
    gut das „m“ kann funktionieren, von mir aus auch noch der schriftzug merck.
    aber der headline in dieser schrifttype gebe ich kein jahr.

      • Dieser Snapshot ist gut.
        Schilderbilder 3.0, sollte man an SPON schicken.

        Nur mal so: Was haben die geraucht?
        Das will ich auch.

        Aber nur für den Feierabend.
        Will ja noch Aufträge haben …, porce miseria …

      • ich habe heute morgen gleich noch mal die merck-seite geöffnet um zu sehen ob ich gestern vielleicht doch geträumt habe – aber nein „dr. evil“ war immer noch da.
        und sein ganzes arsenal an „lustigen“ gestaltungselementen auch noch.

        sicher ist – dieser auftritt ist äußerst „merckwürdig“. der ganze relaunch ist „merckwürdig“. die art und weise wie man mit einer etablierten marke umgeht ist „merckwürdig“. auch die herleitungen und argumentationen sind „merckwürdig“.

        einfach „merckwürdig“ …

  19. Danke Annette, ich musste auch sofort an Anthroposophie denken… Den Schritt zu gehen, den Grundgedanken und die Idee, das zu emotionalisieren finde ich gut. Ich arbeite überwiegend für die Pharma- und Healthcarebranche und weiß wie dröge das oft daher kommt (obwohl für Menschen gemacht). Kräftige Farben tun dabei gut, auch mal eine außergewöhnliche Formsprache so prägnant einzusetzen ist nicht verkehrt. Aber ich gebe der überwiegenden Meinung hier recht, dass das Finetuning und vor allem Feingefühl fehlt. An der Stelle war wohl kein Platz mehr für Gefühl, Sinn und Verstand. Bin gespannt, wie lange es hält…

  20. Schreckliches Design!
    Dieses Spielerei ist total deplatziert.
    Ein Pharma-/Chemie Unternehmen sollte seriös wirken, aber nicht verspielt.
    Es geht da nicht um Haribo-Gummibärchen, sondern um Wirkstoffe, die auch Nebenwirkungen haben und der Kunde möchte vertrauen zum Unternehmen haben.

  21. Neben den Gestalterischen Unzulänglichkeiten, die hier ja alle erwähnt wurden finde ich die Herleitung besonders interessant.

    Es hieß doch das Unternehmen habe sich von Chemie & Pharma wegentwickelt zu einem Technologie-Konzern. Warum basiert dann das komplette Redesign auf der »bunten Welt im Mikroskop«?

    Das empfinde ich eigentlich als dramatischere Fehlleistung. Über Gestaltung kann man toll streiten. Über einen derartigen Logikbruch wirklich nicht.

    Alles in allem sollten wir vielleicht den Mut des Kunden mehr bewundern, als die Gestaltungsfehler unserer Kollegen verdammen.

    • Sehe ich auch so.
      („Das empfinde ich eigentlich als dramatischere Fehlleistung. Über Gestaltung kann man toll streiten. Über einen derartigen Logikbruch wirklich nicht.“)

      Mut des Kunden, bewundern?
      Ich bewundere eher die Verkaufsleistung der Agentur. Deren Vertrieb muss höllisch gut sein.

  22. Vielleicht bin ich altmodisch, aber nur zu schocken ist mir als Kommunikationskonzept zu wenig. Warum sieht ein Technologiekonzern nicht technologisch aus? Und warum ist eine Gestaltung dermaßen abstoßend? Trägt dieses Konzept für die nächsten zehn Jahre? Tritt in Zukunft immer DJ Bobo bei den Weihnachtsfeiern auf? Bei dem Typografieunfall bin ich nur froh, dass Erik Spiekermann schon tot ist. Und das hier zum wiederholten Mal das Melbourne-Konzept geklaut wurde … unterirdisch.

  23. Auf den ersten Blick fand ich es ziemlich unschön, aber zumindest die Broschüren-Titel überzeugen. Ich hätte nur nicht die Schrift für die Headlines benutzt, da diese zu unleserlich sind.

    Zu einigen von Achims Punkten hier ein paar Gedanken:

    1. Die Gestaltung wirkt wie übergestülpt – gut zu sehen am Webauftritt (Screenshot bisheriger Webauftritt).

    Wenn der Webauftritt so bleibt gebe ich Dir Recht. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass der neue Webauftritt noch in Entwicklung ist und die derzeitige Website eine Zwischenlösung darstellt.

    2. Es fehlt der Bezug zur Geschichte.

    Das höre ich immer mal wieder und man liest auch oft hier im Blog, dass man Logos nicht komplett verändern sollte. Ich für meinen Teil denke aber, dass das wahnsinnig viel mit Gewöhnung zutun hat. Viele Designer sehen das Logo der Deutschen Bank als ein Aushängeschild guten Designs. Wenn man sich aber mal die Markenentwicklung anschaut, hätte man 1974 auch argumentieren können, dass das neue Logo keinen Bezug zur Geschichte hat, da es gänzlich anders war. Heute, 40 Jahr später, sind wir natürlich an das Logo gewöhnt.

    Siehe auch »Geschichte des Logos der deutsche Bank«:
    https://www.db.com/de/media/Logo_Geschichte.pdf

    3. Der Bogen wurde gestalterisch überspannt. […] … ein einprägsames Zeichen ist dabei allerdings nicht entstanden.

    Das alte Logo war auch nicht viel einprägsamer, da auch recht kleinteilig.

    • Dank Dir Peter für Deine Gedanken.

      Selbst wenn die Website, wie Du es nennst, eine Zwischenlösung darstellt, macht es die Sache nicht besser. Denn selbst, wenn eine zukünftige neue Website in jedweder Hinsicht überzeugt, was ich mir angesichts der angesprochenen gestalterischen und typographischen Unzulänglichkeiten allerdings schwer vorzustellen vermag, bleibt die Botschaft: wir sind auch mit Zwischenlösungen zufrieden. Das sagt viel über den eigenen Anspruch aus, denke ich. Wenn man nach fast 15 Jahren das Erscheinungsbild seines Unternehmens, zumal derart umwälzend, ändert, dann will man dies doch in der bestmöglichen Art und Weise in den Markt eingeführt sehen. Da warte ich doch lieber noch einmal 6–9 Monate, um das Design gemeinsam mit einem ausgereiften Webkonzept den Menschen zu präsentieren. Sorry, aber Zwischenlösung als Gegenargument überzeugt mich nicht.

      Im Gegensatz zu früher, beispielsweise den 1970er Jahren, haben wir heutzutage deutlich (!) mehr Berührungspunkt mit Markenzeichen, insbesondere mit Bildmarken. Das DB-Oval der Deutschen Bank hatte zu dieser Zeit zudem nicht die Bedeutung und vor allem nicht die Präsenz wie es heute der von Stankowski entworfene „Schrägstrich im Quadrat“ hat. Bankfilialen wie auch die Zentrale in Berlin waren früher von außen lediglich mit einem in Versalien gesetzten Schriftzug kenntlich gemacht. Was Stankowski gemacht hat, ist die Deutsche Bank von dem Staub der Nachkriegsjahre zu befreien. Ein notwendiger und dabei wegweisender Schritt. Nicht nur wurden hierbei erstmals die im Corporate Design definierten Leitlinien konsequent angewandt, die Deutsche Bank wurde darüber hinaus im Sinne eines Markenverständnis ausgerichtet. Deswegen hinkt der Vergleich zwischen DB und Merck. Die Umstände sind grundverschieden.

      • Dass wir heutzutage mehr „Berührungspunkte“ mit der Marke deutsche Bank haben (bzw durch Werbung stärker penetriert werden), wäre möglicherweise bloß ein Hinweis darauf, dass es länger dauert sich an eine neue Gestaltung zu gewöhnen. Weniger „erlaubt“, ist ein drastisches redesign ohne historische Umbrüche freilich nicht. Im Fall Merck mag das Ergebnis handwerklich und visuell nicht optimal sein, beweist aber nicht, dass unternehmen nur visuell tradiert “ vorankriechen“ sollten, sondern mit dem Anspruch in ihrem Geschäftsfeld Avantgarde zu sein das auch zeigen müssen, wenn sie sich selbst für voll nehmen.

        • Weniger „erlaubt“, ist ein drastisches redesign ohne historische Umbrüche freilich nicht.

          Das sehe ich anders. Heutzutage gilt es viel stärker zu berücksichtigen, dass Unternehmen den Menschen über das Erscheinungsbild vertraut sind. Über die Jahre hat sich diesbezüglich etwas aufgebaut, ein visueller Eindruck, der eng mit dem Produkt der Firma und auch mit der Erwartung(!) an das Produkt in Verbindung steht. Das gab es in den 1970er Jahren eben nicht in dieser Form, einfach weil es nur wenige Unternehmen gab, die über ein konsequentes Corporate Design verfügten. Früher gab es zudem weniger Wettbewerber. Heute wechseln Menschen schon eine Marke, wenn Ihnen der Werbespot auf die Nerven fällt oder wenn man auf der Website nicht die gewünschte Information findet. Das Angebot ist größer, auch was pharmazeutische Produkte betrifft. Vor diesem Hintergrund braucht es viel mehr Fingerspitzengefühl in Bezug auf das Redesign von Unternehmens- und Markenauftritten als noch vor 30, 40 Jahren, was nicht heißt, dass man nicht auch einschneidende Veränderungen vornehmen dürfte. Nur legitimiert sich ein solches Redesign nicht dadurch, dass man auf die Geschichte anderer Unternehmen verweist.

          Davon abgesehen ist das neue Merck-Design freilich alles, nur nicht avantgardistisch. Es ist, wie ich bereits schrieb, das genaue Gegenteil: gestrig.

          • Das sehe ich anders.

            … weiß ich, und ist ja auch in Ordnung… das Merck-Design ist in die Hose gegangen, denke ich auch. Es ist aber kein Kronzeuge für unkonventionelles Design im Allgemeinen.

  24. Respekt gebührt den Verantwortlichen auf jeden Fall dafür, dieses Konzept verkauft zu haben. Interessant wäre zu wissen, wie viel Überzeugungsarbeit beim Kunden nötig war. In jedem Fall aber leidtun dürfen einem die Kollegen in aller Welt, die auf Grundlage dieses Konzepts nun die reguläre Kommuniaktion gestalten düfen …

    Wenn man sich die Präsentation (respektive Begründung) des neuen Designs auf der Website anschaut, wird schnell klar, wie inkonsistent schon jetzt der Umgang mit den Gestaltungsmöglichkeiten ist. Wenn mehrzeilige Headlines mal mit genügend Durchschuss und mal mit zuwenig gesetzt werden, ist schnell klar, welche Probleme da künftig noch auftreten werden. Sich berührende Zeilen/Oberlängen können ja gerne ein Gestaltungsmittel sein … aber in diesem Fall schaut es einfach gruslig aus, wenn i-, ü- oder ä-Punke in der Zeile darüber verschwinden. Vor allem zum „Launch“ eines neues Designs sollten doch zumindest die ersten Medien perfekt umgesetzt sein – denn es gibt ja noch keinen Grund zum Kompromiss! Wenn dann aber selbst ein Design-Laie den Eindruck bekommt, es scheint in diesem Gestaltungsrahmen doch alles irgendwie in bisschen egal zu sein, dann stimmt da was nicht.

    Alles in allem wirkt es tatsächlich wie das rein dekorative Anhübschen von zu füllenden Flächen. Von der Idee her viel zu kontruiert, um irgendwie spannend zu sein. Nur um der Provokation oder Neuerfindung Willen ein solches Design?

    Und was noch viel wichtiger ist: Wie wird sich das neue Logo auf z.B den Arzneiverpackungen, also in Kombination mit anderen Marken, machen?

  25. Designdiskurs:

    Ging es bei dem Corporate Design von Merck nicht auch darum Neuland zu betreten?
    Der neue Look von Merck bricht mit etablierten Regeln und dem Gewohnten, zumindest für Unternehmen in dieser Größenordnung – und das macht es einzigartig, innovativ und besonders. Also passend zu einem forschenden Unternehmen mit innovativen Produkten?

    Ist diese Corporate Design in der Tradition von Wolfgang Weingart oder David Carson zu sehen und genial – oder einfach nur bedenklich hinsichtlich Ästhetik, Semantik und Funktion?

  26. Die Nachrichten über mein Ableben sind stark übertrieben. Allerdings sind in meinem Alter (68) solche Klopper schon sehr gefährlich.

    Ist alles gesagt, außer dass Merck immer schon anfällig war für Trends, deren Zeit schon vorbei war. Nicht sieht heute älter aus als eine Wortmarke aus der asthmatischen Rotis und jetzt kommen sie mit einem kreischenden Ungetüm, in dessen Nähe sich der Begriff Typografie verbietet. So sieht es aus, wenn ein ganz unbegabter Grafiker meint, einzelne Buchstaben seien witzige Formen, die man irgendwie in eine Reihe stellt und schon sei Schrift. Auch wenn die einzelnen Formen gut wären (wie selbst bei der Rotis), sieht sowas erst wie Schrift aus, wenn alle Zeichen sich einem gemeinsamen Rhythmus unterwerfen anstatt einzeln zu schreien und rumzuhüpfen wie bei einer Exorzismusveranstaltung.

    Ich sehe die Pharmaherren in ihren dunklen Anzügen vor mir, wie sie das alles überhaupt nicht verstehen und eigentlich ganz schrecklich finden. Aber alle meinen, dass sie besonders mutig und entscheidungsstark erscheinen, wenn sie mal gegen ihre persönlichen Vorbehalte aufbegehren. Und kein Kind ist da, das auf den nackten Kaiser zeigt.

    Mannomann.

  27. Falsch! Die Pharmaherren werden ihre dunklen Anzüge nun vielmehr in bunte Flanell-Trainingsanzüge tauschen und darunter in der kalten Jahreszeit vielleicht noch einen wildfarbigen Pollunder tragen. Das wird ulkig.

    • Wahnsinn! Kann es wirklich sein, dass eine internationale Designagentur nicht gemerkt hat, dass es in der deutschen Sprache Umlaute gibt und trotzdem eine TrueType-Schrift von dafont.com verwendet hat?

      • Man kann davon ausgehen, dass FutureBrand zwar für die Kreation verantwortlich ist, die Implementierung des Designs jedoch von – vermutlich – hiesigen Agenturen/Dienstleistern durchgeführt wird. Gesteuert wird all dies freilich aus Darmstadt.

        Bei der verwendeten Schriftart namens „MFont“ handelt es sich nicht um einen frei verfügbaren Font, sondern um einen Corporate Font, der selbstverständlich auch nicht über dafont.com zu beziehen ist.

  28. Vielleicht will Merck tatsächlich in einer Art gestalterischen Exorzismusveranstaltung Ihr Image umkrempeln (wie war/ist das Image?). Deutlich wird vor allem dabei, dass Merck Psycho-Pharmaka herstellt.

  29. Den Worten von Erik Spiekermann kann man sich nur anschließen.

    Mich hat das stark an den Musiksender VIVA in den frühen 90ern erinnert, bei dem auch alles marktschreierisch bunt und knallig war. Und an Rave-Flyer aus dieser Zeit, die versucht haben, sämtliche Regeln von Typografie und Farbgebung außer Kraft zu setzen. Was ja für eine innovative Musikrichtung, die viel mit künstlichen Substanzen in Form bunter Pillen zur Unterstützung des Endlos-Tanzens zu tun hat, auch ganz passend erscheint. Nicht aber für ein Unternehmen wie Merck.

    Wobei ich in dem Konzept auch Ansätze erkenne, die man, wenn man sie zu Ende denkt, durchaus zu einem guten Ergebnis hätten führen können.

    Mit einer passenden Typo, weniger brüllenden Farben und einem sanfter überarbeiteten Logo wäre das vielleicht immer noch außergewöhnlich für einen Pharmakonzern geworden, aber nicht so völlig durchgeknallt wie jetzt.

  30. Ein Irrsinniger Kracher. Mir fehlen die Worte. Experimente sind gut und erforderlich, aber die daraus gewonnenen Erkenntnisse dürfen erst ans Sonnenlicht, wenn sie ausgereift sind. Da ist nichts durchdacht, alles nur anders, um unbedingt anders zu sein.
    Wie begnadet muss die Agentur sein, wenn sie solche Dinge als gut „verkaufen“ kann. Und wie abgezockt: Ich gehe davon aus, dass die Agentur weiß, dass das ein ganz großer, nicht durchdachter Mist ist. Die Entscheidungsträger müssen vom eigenen Medikamentenvorrat genascht haben.
    Carson habe ich auch nie verstanden, aber das war zumindest ein neuer Stil, eine neue Ästhetik – von der man wusste, dass sie wieder verschwindet, weil sie nicht funktioniert. Bin gespannt auf die Halbwertzeit dieses anthroposophischen Spaghettimonsters.

  31. Fast wie eine Art „Trip“ :-) auf pharmazeutischer Basis. Ziemlich unseriös.

    Ist das alte Viva-90er-OnAir-Design wieder zurück?

    War doof „Merckste“ selbst, ne?

  32. Mein erster Eindruck war Waldorfschule, mein Zweiter die Erinnerung an die kläglichen Versuche meinerseits eine eigene Schrift zu entwickeln – nur alles in Bunt.

  33. Ich sage nur London 2012 oder REWE Rebranding. Es gibt viele Beispiele an Entwicklungen die zu seiner Zeit deutlich über das „Übliche“ hinausgingen. Die erstmal einen großen Aufschrei hervorrufen. Die Regel brechen, was bei „gestandenen“ Gestaltern, Markenktechnikern, Rebrandingmeistern, und wie sie sich nennen an Blasphemie, Ahnungslosigkeit, Unkentniss der Materie, Anfängerfehler, Medikamentenmissbrauch, oder was auch immer grenzt.

    Aber ganz ehrlich, gut so!
    Der erste Schritt um Aufmerksamkeit zu produzieren. Klar, Aufmerksamkeit die erstmal Mut braucht. Aber lieber das als weichgespülte und nach allen „Regeln“ bis ins kleinste Datail langweilig durchdachte Ralaunchs die man sich sparen könnte.

    Jetzt reden die Profis drüber, dann die breite Masse, dann ist es im Kopf.

    Und ja, glaube auch das die Website noch komplett überarbeitet wird.

    • Also „mutiges“ Un-Design wie dieses als „clevere“ PR-Aktion?
      Hm. Kann man so sehen.

      Oder das:
      Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Designmissbrauchs.
      Diesmal als Missbrauchs-Design von Miss-brauchs-Grafikern.
      (Früher bekannt als Ge-brauchs-Grafiker)

      Durchdacht = langweilig:
      So kann man das sehen. Muss man aber nicht.

    • Ich glaube du meinst RWE, oder? Rewe war doch absolut in Ordnung.

      Und hier geht es nicht darum, dass das Design unpassend oder zu provokativ ist – das hier ist handwerklich, geschmacklich und für das Image von Merck schlicht verheerend. Der neue CEO ist stolz auf das neue Design, fragt sich wie lange.

      Wobei die Farbigkeit nicht das problem ist, es ist diese – ich nenne es mal – Schrift. Das alte Logo war boring, kleinteilig und bieder, aber darauf mit etwas derartigem zu antworten … ich weiß nicht. Wirkt ein bisschen wie der graue Anzugträger, der auf Mallorca mal ganz schrill und mutig Hawaiihemd, Shorts und Sandalen anzieht um die Biederkeit abzuwerfen.

    • Das sehe ich anders. Das Brechen mit Tradition und Sehgewohnheiten ist hier das erklärte Ziel. Die Regeln kann ich aber nur aus Unkenntnis brechen – oder eben ganz bewusst, weil ich sie kenne. Das muss man dann aber auch können. Ein „Tabu“ brechen, nur um der Aufmerksamkeit willen, kann jeder.

      Ein durchdachtes Konzept hat nichts mit Langeweile zu tun, sondern zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass es im Detail auch funktioniert und auf andere Medien übertragbar ist.

      Das bunte Durcheinander kindlich ausgeprickelter Buchstabenformen passt schon hier nicht so recht ins technische Korsett der Website.

  34. Oh je gerade als Designer in Darmstadt ist das ein ziemlicher Hieb…schade. Der Mut zu den Farben und Schritt in eine vollkommen andere Welt muss man loben, aber die Umsetzung naja. Vielleicht kann man noch was retten, wenn sie die Schrift austauschen.

  35. Das einzig Positive: Es ist kein Beispiel für diese Logos, die nach dem Redesign einfach nur noch schlicht und unauffälig sind!
    Das hier ist allerding zu viel des Guten :D

  36. Ich muss ehrlich sagen, dass es durchaus Mut beweist, solch einen drastischen Imagewechsel zu vollziehen.

    Persönlich mag ich auch vibrante Farben sehr, doch auch ich finde, dass das Logo im Vergleich zum alten nicht sonderlich schön ist.

    Ich selbst bin Chemiker und deswegen gespannt, ob die Chemikalien von Merck dann auch entsprechend farbig eingekleidet werden – das würde zumindest etwas Abwechslung in die doch sehr trotzige Landschaft an Döschen in der Universität bringen :D

  37. Das Hauptproblem was ich sehe ist, das die Produkte von Merck Seriosität und Vertrauen erfordern und die Gestaltung wie ein verrücktes Huhn zu Fasching daherkommt — Mut hin oder her. Ich freue mich schon mal auf die Neuausrichtung in 2 Jahren …

  38. Das wird teuer. Ich bin ganz sicher, dass dieses unfertige Konzept nicht tragfähig ist und das Unternehmen aus dem Nachbessern nicht herauskommen wird. Jedes einzelne Umsetzungsbeispiel wirkt wie eine verstolperte Notfallmaßnahme.
    Das CI für einen Pharma- (sorry) Technologie-Konzern mit dem eines anthroposophischen Kindergartens zu verbinden wäre eine lustige Idee für eine Studienarbeit gewesen.
    Aber im richtigen Leben ist das Geldverschwendung im richtig großen Stil.

  39. Abgesehen vom Handwerklichen (s.o.) wird die Geschäftsführung von Merck große Probleme haben mit der Akzeptanz des Erscheinungsbildes. Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner werden bestenfalls verständnislos reagieren.
    Das ist so gut wie immer so, wenn ein altes Erscheinungsbild durch etwas Neues ersetzt wird. Deshalb ist es wichtig, dass man begründen kann, was man da tut. Ein belastbares Konzept ist lebenswichtig. Bunter Kreativkram ohne Bezug zum Unternehmen, durch nichts verknüpft und herleitbar, damit kann man sich als Geschäftsleitung nicht halten.
    Ich würde schon mal anfangen, über die Höhe der Abfidung nachzudenken :-)

  40. mit ein paar mal drueber schlafen wuerd ich auch sagen: Die Idee mal was anders zu machen verdient Respekt aber sollte man bei einem Redesign nicht trotzdem irgendwie ein Bezug zum Umfeld herstellen? Merck ist nunmal kein hippes Start-up oder eine Mediengalerie. Wie von anderen bereits angedeutet kann man sicherlich was retten wenn man auf die Schrift verzichtet. Interessant bei solchen corporate Designs ist aber immer auch was der „gemeine Mitarbeiter“ daraus macht und die werden demnaechst anfangen ihre eigenen Powerpointpraesentationen mit Variationen des Sechsecks und der Infografiken zu basteln – dabei so richtig in den Farbtopf greifen und dann wird es richtig „gefaehrlich“.

  41. Unglaublich was Hr. Kley da dem Hrn.Oschmann hinterlassen hat. Ganz nah dran an den „Freundschaftsbändchenträgern“ in der GL. Da haben alle Mitarbeiter Spass und endlich mal ein anders Thema als Personalabbau. Great place to work! Make things happen.
    Die Farben passen aber doch irgendwie zu dem heutigen Ponyhof.

  42. Nach dem ersten Schock finde ich das CI gut. Das wird die Minderheit aller Meinungen widerspiegeln, aber ich bin mir sicher, dass das neue Merck CI seinen Zweck erfüllen wird. Vielleicht gibt es in 10 Jahren etwas neues – wäre nicht schlecht für unsere Branche – bis dahin wird Merck aber zig tausende neuer Social Media Follower (im Monet ca 3500, für ein Dax Unternehmen…) haben.

    Das B2B Business läuft anders als B2C. Kein Big Player wird aufgrund des ungewöhnlichen Cis aufeinmal die 100 mio Aufträge fallen lassen. Die Consumer aber werden kommen.

    Merck betritt neues Terrain, sicher gibt es Fehler im handwerklichen, dennoch ist es mutig, neu, irgendwo passend und in einigen Monaten „normal“. Das Logo bietet mehr als ausreichend Alleinstellungsmerkmale, „Branchen-Bezug“ und Finesse um Merck’s Branding zu komplementieren.

    Ich denke 95% aller Kommentare würden in einigen Monaten ganz anders ausfallen und hier wird wie so oft zu vorschnell verurteilt. Schade ist es das Merck den Lokalbezug (bin selbst Darmstädter) vollends aufgibt, einen schlechten Job möchte ich der ausführenden Agentur aber nicht unterstellen. Den das ist wirklich ganz großes (neues) Kino und sehr mutig.

    Ich denke es wird sich auszahlen.

    • P.S.

      Da sich beim erneuten kurzen Überfliegen die Schrift als großer Kritikpunkt ergibt kurz mein Input dazu.

      Ich denke das die wirklich ungewöhnliche, auf den ersten Blick „hässliche“ Typo sich satt sieht (Merck ist groß genug um sowas medial durch zu ziehen). Was bleibt ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal mit Charakter welches irgendwann als typical merck abgetan wird. Und das ist gut so.

  43. So viel zu der Aussage von Geschäftsführung damals vor 10 Jahren : Wir brauchen ein Logo das Charakter, Wiedererkenungwert und Bestand hat wie Opel, VW, Mercedes.

  44. Sind wir in unserer Gesellschaft und unserer Zeit schon so eintönig und langweilig geworden dass wir Farben und Formen als gefährlich ansehen. Wenn ich den Grundtenor aus dem Blog richtig verstehe dann ist anders gleich schlecht und hässlich nur weil es nicht den heutigen Stereotyps unterliegt. Im privaten wie im geschäftlichen Umfeld gibt es nur 2 Kategorien, diejenigen die Akzente setzen und jene die diesen folgen (sogenannte „Follower“), die unentschlossenen mal außen vor gelassen. Als Mitarbeiter bin ich stolz darauf das Merck es sich zur zentralen Aufgabe gemacht hat kein „Follower“ zu sein sondern Akzente zu setzen und im Markt mit Innovationen zu glänzen. Dieses Streben kann sich natürlich nicht nur in den internen Leitlinien wiederspiegeln sondern muss von einer ebenso ambitionierten Außendarstellung getragen werden. Das Denken in Kategorien und Schubladen, was ist Pharma und was ist Chemie und was verleiht diesen das richtige Erscheinungsbild, ist viel zu eng und lässt keinen Raum für neues und innovatives. Wir sollten doch alle mittlerweile verstanden haben dass die Grenzen zw. Mensch, Natur, Wissenschaft und Technik immer fließender werden. Die Herausforderungen der Zukunft verlangen ein umdenken und eine Abkehr von festen Strukturen. Merck bringt das nicht nur mit seinem Markenauftritt zum Ausdruck, obgleich es mit diesem viel sichtbarer wird.

    • Wenn ich den Grundtenor aus dem Blog richtig verstehe dann ist anders gleich schlecht und hässlich nur weil es nicht den heutigen Stereotyps unterliegt.

      Der Grundtenor ist ein anderer. Aber erst einmal freut es mich, dass auch Mitarbeiter von Merck sich hier einbringen. Dafür herzlichen Dank!

      Richtig ist, dass der Mensch, um es mal verkürzt zu formulieren, Andersartigkeit tendenziell eher ablehnend gegenüber steht, einfach, weil die Umstellung auf etwas Neues mit Aufwand verbunden ist. Das Neue muss auch Vorteile bringen, um es als positiv zu begreifen. Sich an ein neues Zeichen, ein neues Erscheinungsbild zu gewöhnen, bedeutet Aufwand, zudem sehen die meisten Außenstehenden keinen Vorteil, kein Nutzen darin, wenn sich ein Unternehmen ein neues Erscheinungsbild zulegt. Das ist der Grund, weshalb es hier im dt und anderswo vorgestellte Redesigns grundsätzlich schwer haben. Hinzu kommt, dass viele der im dt Diskutierenden selbst gestalterisch tätig sind und das Gefühl haben, es besser hinzubekommen. Das darf man nicht als Ego-Trip missverstehen. Wir können nicht anders, als nach Möglichkeiten der Verbesserung Ausschau zu halten ;-)

      Soweit allgemeingesprochen. Nun konkret. Der Grundtenor ist vielmehr, so jedenfalls meine Wahrnehmung, dass das neue Erscheinungsbild zwar Aufmerksamkeit generiert, die gewählten Gestaltungsmittel jedoch vor dem Hintergrund der (Neu)Positionierung am Ziel vorbeiführen. Das Konzept zeigt gute Ansätze, etwa die Gestaltung der Cover, offenbart jedoch auch einen großen Mangel an Verständnis im Bereich der Typographie. Der Wortmarke gilt die Hauptkritik. Und zwar keinesfalls, weil sie anders ist, sondern weil sie im Grunde fernab geltender Typographieregeln kreiert worden ist.

      Dass Regeln auch gebrochen werden dürfen und zuweilen auch müssen, steht außer Frage. In diesem Fall überwiegt jedoch der Eindruck, zumindest bei mir persönlich, dass die Verantwortlichen auf beiden Seiten, im Unternehmen wie auch in der Agentur, die Regeln a) gar nicht kennen oder zumindest b) den Regelbruch des Regelbruchs Willen vollziehen wollten. Wenn ein solcher Regelbruch beispielsweise von einem Intendanten eines Schauspielhauses initiiert wird, dann erschließt sich dies noch. Dann nämlich, wenn Andersartigkeit Teil der Identität ist, der DNA, wie es so schön im besten Marketing-Sprech heißt. In diesem Fall wirkt die Andersartigkeit jedoch inszeniert und aufgesetzt. Ich bin nicht der Einzige, der die Gestaltung als unpassend für das im DAX gelistete Traditionsunternehmen empfindet, nicht, weil es nicht den Stereotypen entspricht – dieser Umstand wird auch von einigen Kommentierern hier ausdrücklich gelobt –, sondern weil die gestalterischen, handwerklichen, technischen wie auch ästhetischen Defizite so offensichtlich sind, dass man sich fragen muss, wie solch ein Konzept durchgewinkt werden konnte. Diese Fassungslosigkeit ist es, die in einer Vielzahl von Kommentaren hier Ausdruck findet.

    • Ein angepasstes oder überarbeitetes Erscheinungsbild sehe ich (meistens jedenfalls) als positiv. Auch ein „Rundumschlag“ – je nach Unternehmensposition – ist meiner Meinung durchaus erlaubt. Was hier allerdings geschah, ist auf allen Ebenen nicht nur Grenzen auszuloten oder zu diese brechen, sondern man hat eindeutig vergessen rechtzeitig anzuhalten, auch mal wieder einen Schritt zurück zu machen und die Gesamtwirkung zu betrachten.
      Schrift die aufs äußerste VERformt wurde – eben nicht charakteristisch GEformt. Dazu kommen Farben die in Verbindung mit der Schrift und dem Logo noch mal einen Schritt weiter gehen – auch hier zu weit, weil es einfach nur noch „wild und willkürlich“ wirkt. Die Farben selbst sind jedoch nicht das Problem. Die Menge machts. Nahezu egal wohin man schaut: alles „schreit“ einen an. Spätestens dann ist es zu viel des guten. Das mag auf ein zwei Doppelseiten in einer Broschüre funktionieren. Überall (und so wirkt wenigstens der gezeigte Teil der Medien) ist es „too much“.
      Und auch wenn oft viele (mich wahrscheinlich inbegriffen) zu schnell „blöd“ schreien, glaub ich nicht dass viele ihre Meinung ändern werden. Nicht in zwei Wochen und auch nicht in 5 Jahren. Außer es wird an zwei, drei entscheidenden Stellen Nachgefeilt.

  45. Vielleicht hängt meine Überzeugung damit zusammen dass ich das gesamte Spektrum der neuen Außendarstellung bereits intern gesehen habe und das überzeugt mich. Ich kenne die Produkte von Merck und weiß dass dieser farbintensive Auftritt der Industrie gut tut und eben klare Akzente setzt, sowohl in der Chemie als auch in der Pharma. Zudem IST Merck mit seiner Produktpalette einfach farbenfroh. Angefangen bei Pigmenten für Kosmetika, Elektronik und Automotive bis hin zu den bekannten Flüssigkristallen die unserer Unterhaltungselektronik alla Smartphones, Tablets und Fernseher diese faszinierende Farbbrillanz, und Tiefe verleiht. Merck macht das überhaupt erst möglich und will genau dass nun auch in seiner Außendarstellung vermitteln. Da ist der Name Programm und die Identität zweifelsfrei.

    • Ich bin Zellbiologe, Darmstädter und kenne Merck. Trotzdem war mein erster Gedanke als ich den neuen Schriftzug sah „Weleda“ oder „Demeter“, also irgendwas anthroposophisches und nicht was naturwissenschaftliches.

      Die Farbvarianten wirken nunmal eher bunt (sagt ja auch die Firma mit ‚inspiriert von der bunten Welt unterm Mikroskop‘) und bunt ist nunmal beliebig. (Und ich war mit dem Logo von 2001 schon nicht warm geworden. Das war mir zu kleinteilig und man musste zuviel über Analysemethoden wissen, um zu ahnen, was es zeigt. Abgesehen davon, verlor das M immer seinen Aufstrich. ;-)

  46. Ich pflichte Sebastian in allen Punkten bei. Auch ich arbeite seit 25 Jahren bei Merck und habe diverse Logowechsel mitgemacht, die eher so nebenher ohne großes Echo verlaufen sind.
    Doch diese Umstellung ist so drastisch und polarisiert dermaßen, dass man den Markenentwicklern einen gewissen Vorsatz unterstellen könnte. Es wird darüber diskutiert, viele Menschen beschäftigen sich intensiv mit der Marke, die Medien berichten, man diskutiert und spricht darüber. Gibt es einen besseren Weg, um eine Marke dauerhaft in die Köpfe zu bekommen? Ob im positiven oder negativen Sinne ist erstmal egal – sie ist aber im Kopf!

    Ich gebe zu, als ich morgens am Launchday (sagt man das so?) in die Firma kam, war ich erstmal überrascht, skeptisch, verunsichert. Das sollte das neue Logo bzw. das neue Markendesign von Merck sein? Doch je öfter ich das vibrant M und den Merck-Schriftzug im Zusammenhang mit den anderen gestalterischen Mitteln sah, desto mehr konnte ich ihm abgewinnen.
    Sebastian sagte bereits, dass wir als Mitarbeiter schon am ersten Tag Zugang zu Informationsmaterial über das komplette Design mit allen Bestandteilen, Farben etc. hatten. Darunter befanden sich auch Produktbeispiele, Autolackierungen Werbeplakate – wie es aussehen könnte. Das hat mich schlicht umgehauen. Ich stellte mir einen Merck-Tanklastzug lackiert im neuen Design auf der Autobahn vor. Einfach ein Hingucker! Und schon ist der Name Merck wieder im Kopf – Ziel erreicht!
    Das Problem von Merck war immer, dass wir tolle und innovative Produkte herstellen, nur niemand wußte davon. Kaum jemand weiß, dass in der Metallic-Lackierung seines Autos Pigmente von Merck stecken. Kaum einer weiß, dass im Duschgel von Marke XY Merck-Pigmente stecken. Kaum einer weiß, dass in seinem Fernseher von Samsung/Sharp/LG etc. Flüssigkristalle von Merck stecken. Das wird sich in Zukunft ändern. Und das wird der neue Markenauftritt von Merck bewirken, davon bin ich überzeugt.

    • Ehrlich gesagt wüsste ich gar nicht, weshalb Merck bei Privatkunden überhaupt bekannt sein will? Weder stellen die irgendwelche bekannten Generika her, nach welchen man in der Drogerie oder Apotheke verlangen könnte, noch frage ich im Mediamarkt nach einem LCD-Fernseher mit Flüssigkristallen der Firma Merck. Wozu müssen die also bei Privatkunden auffallen?
      Auch bei Gewerbekunden müssen die ihr Image nicht aufpolieren, benötigt man irgendein Produkt, welches nur Merck oder ein Tochterunternehmen herstellt, dann ist man eh alternativlos an die gefesselt. Da brauchen die keine Werbung zu machen, man hat eh keine Wahl, da sie zahllose Patente auf jedes ihrer Produkte und jede auch nur entfernt denkbare Verwendung von diesem haben.

      Meine Meinung zum neuen Design: Das neue Logo ist eine Verbesserung zum alten, aber die Farbgebung könnte insgesamt wesentlich dezenter, moderner und ästhetischer sein. Die Internetseite ist schlicht veraltet und benötigt dringend ein vollständiges Redesign. Und diese Logofont für Überschriften zu verwenden ist auch sehr ungeschickt.

  47. Ich arbeite bei Merck und liebe das neue Design ;-) … Ich bin davon überzeugt, dass wir damit den richtigen Schritt in die richtige Richtung getan haben! Die Botschaft passt zum Wandel und der Strategie unseres Unternehmens. … Um genial zu sein, muss man nicht mit dem Strom schwimmen!!

  48. Noch ein paar Worte zur angeblichen „schweren Lesbarkeit“ der Headlines in der neuen Merck-Schrift. Ich habe schon einige Plakate, die in der Firma ausgestellt sind gesehen. Ich bin weit jenseits der 40, brauche zum Glück noch keine Brille und habe keinerlei Schwierigkeiten, die Texte zu lesen. Vielleicht sollten sich diejenigen, die Probleme damit haben, oder zu haben glauben, über die Anschaffung einer geeigneten Lesehilfe nachdenken.

    • Ich denke es geht weniger grundsätzlich darum, ob die Headlines lesbar sind oder nicht, sondern vielmehr um die „Einfachkeit“ der Lesbarkeit, die bei schlichteren Schriften und weniger flimmernden Farbkombinationen um ein vielfaches höher ist. Ich kann auch alle Headlines die hier gezeigt sind lesen, allerdings deutlich holpriger als es bei anderen Schriften der Fall wäre – selbst bei den in Gemischtbuchstaben geschriebenen Texten merke ich deutlich, dass ich Zeichen für Zeichen entziffere (was eigentlich unbewusst bei VERSALSCHREIBWEISE passiert) anstelle der jeweiligen Wörter. Soweit nur meine Auffassung dazu.

  49. @Kay: gut gemeint ist manchmal trotzdem schlecht umgesetzt.
    Da hilft es auch nicht die Dinge schön zu reden. Firmen-PR-Gerede hin- oder her. Man kann auch auffallen und gleichzeitig seriös wirken. So ist das einfach mit dem Holzhammer umgesetzt. Da ging wohl das Geld aus …

  50. Solange ich den Quatsch nicht bezahlen oder damit arbeiten muss ist mir das alles reichlich egal :-)

    Ich rede diesem Unternehmen nicht in die Entwicklung ihrer Produkte rein und dafür halten sich deren Mitarbeiter auch nicht für Designkritiker – Deal?

    Wer in seinem Alltag einen größeren Bedarf an Farbvielfalt verspürt kann auch gerne zuerst das eigene Wohnzimmer streichen. Jeden Tag auf’s neue.

  51. Glücklicherweise leben wir in einem Land, in dem jeder seine Meinung haben und äußern darf.
    Und das die neue Marke polarisiert, hatte ich bereits erwähnt.
    Belassen wir es dabei und warten ab, wie lange sich das Design hält.
    Ich prophezeie eine sehr lange Haltbarkeit.

    @Jonas: Der war gut… :-)

  52. …hmm…räusper… kurzer Zwischenstand nach acht Monaten zum MERCKwürdigen Markenauftritt…
    Hierzu ein kurzer Artikel aus dem Horizont Brand Ticker:

    Im vergangenen Jahr verpasste sich der Darmstädter Pharmakonzern Merck einen neuen Markenauftritt. Das sorgte für kontroverse Diskussionen, führte aber in diesem Jahr zum „German Brand Award“. Viel entscheidender ist jedoch eine andere Entwicklung: Die Marke scheint beim Wandel zum „Wissenschafts- und Technologiekonzern“ auf die richtigen und glaubwürdigen Themen zu setzen. Nach einigen Jahren Flaute im innovationsgetriebenen Pharma-Geschäft meldet Merck einen „echten Durchbruch“ in der Hautkrebs-Therapie. „Eine Botschaft, die von allen verstanden wird“, sagt Rauch. Die Folge: „Fortschrittlich“, „innovativ“ und „neuartig“ zählen zu den Top-3 Assoziationen der Marke. Der Markenwert selbst klettert im Juni um 10,1 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro.

  53. Wir sind eine von zahlreichen Agenturen, die für Merck arbeiten. Ein etwas größeres und mehrere kleine Projekte wurden schon bei uns in Auftrag gegeben, wir sind als Designstudio aber ein vergleichsweise unbedeutender Dienstleister. Auch wir waren seinerzeit vom neuen Erscheinungsbild sehr überrascht und unsicher, ob das so funktionieren wird. Vor allem, weil das Corporate Design den Gestaltern im Umgang sehr freie Hand lässt – mit solchen Freiheiten kann nicht jeder etwas anfangen. Nach mehreren Monaten müssen wir sagen: Es funktioniert und macht großen Spaß! Man mag die Headlineschrift wurstig finden und die Farben grell, aber vom neuen Auftritt geht eine ungeheure positive Kraft aus. Die strahlt in alle Bereiche, intern wie extern. Das alte Logo und die alten Hausfarben sahen dagegen schon nach kürzester Zeit wahnsinnig alt aus. Was ich auch interessant fand: Wie die Merck-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter diese gestalterische Welt angenommen haben. Das muss gut kommuniziert worden sein. Und auch für die Agenturen gab es sehr aufschlussreiche Briefings, so dass auch uns die Umstellung leicht fiel. Fernab von geschmäcklerischen Diskussionen und schnellen, da anonymen Shitstorms im Netz: Ich bin froh, diese Wende miterlebt zu haben und habe dabei sehr viel gelernt. Unter anderem auch, dass sich Mut lohnen kann, man Regeln brechen darf und es auch als großer Konzern nicht allen recht machen muss.

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