Audi-Ringe

Die neuen Audi-Ringe – Vorsprung durch Flat Design

Audi-Ringe

Audi bekommt ein neues Logo. Erstmals seit sieben Jahren erfährt das Markenzeichen von Audi eine signifikante Änderung. Komplexität reduzieren, lautet das Motto. Derzeit stellt der Ingolstädter Automobilhersteller sein Logo von einem chromfarbenen Look auf eine einfarbige Version um. Audi ist nicht die erste Automarke, die diesen Schritt in Richtung Flat-Design-Anmutung vollzieht. Ein Trend innerhalb der Mobilbranche könnte bevorstehen.

Die Zeit scheint nun reif zu sein für Automarkenzeichen in zweidimensionaler Darstellung. Als 2007 ein chrombefreiter Mercedes-Stern eingeführt wurde, schlug dies zumindest in der Designszene hohe Wellen. Mehrheitlich war man sich einig, dass dies ein, gerade für die (wertekonservative) Marke Mercedes, mutiger Schritt gewesen sei. Im Logodesign ist es wie im Automobildesign – mache Entwürfe scheinen ihrer Zeit voraus zu sein. Und so währte der minimalistische Mercedes-Stern gerade einmal drei Jahre, eh dieser von einer chromfunkelnden Version wieder abgelöst wurde.

Während in den letzten Jahren allenthalben der Trend hin zu minimalistischen Logos und Wortmarken zu beobachten ist, vollzog sich innerhalb der Automobilbranche nahezu eine entgegengesetzte Entwicklung. Beispiele wie Jaguar, Peugeot und insbesondere Citroën dokumentieren, dass in jüngerer Vergangenheit Logos von Automarken, in Anlehnung an die Anmutung der Embleme auf den Fahrzeugen, in Richtung Chrom-Look redesignt wurden, Stichwort Harmonisierung.

Seit vergangenen Sommer präsentiert sich MINI mit einem Logo, das die Abkehr von einer dreidimensionalen Darstellung beschreibt. Nun ist es die Marke Audi, die ihre visuelle Identität in Richtung Flat Design bewegt. An verschiedenen Stellen ist das neue Signet bereits zu sehen, so zum Beispiel unter audi.de/de/brand.

Wie wird sich der Markenauftritt von Audi verändern? Dazu schrieb mir Simone Labonte, Leiterin Brand Identity bei Audi:

Wir haben die Audi CI evolutionär weiterentwickelt um den Anforderungen, die mit aktuellen digitalen Entwicklungen einhergehen, gerecht zu werden. Grundsätzlich unterscheiden wir nun nicht mehr zwischen digitalen und analogen Kanälen. Dies gibt uns vor allem die Möglichkeit, Komplexität zu reduzieren und Ideen und Projekte schneller und flexibler umzusetzen. In der Praxis bedeutet das: Wir stellen die Audi Ringe für Print und digital auf 2D um, lösen uns von der starren Positionierung von Markenzeichen und Claim, passen den Umgang mit den Audi Primärfarben an, entwickeln einen neuen Bildstil und einen digitalen Schriftschnitt für die Audi Type. Darüber hinaus gibt es zwei zusätzliche Basiselemente: Ikons und Animationsdesign. Die Umsetzung der neuen CI erfolgt sukzessive und marktindividuell je nach Kommunikationsanlass.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich das Gesicht der Marke Audi vor diesem Hintergrund verändern wird. Ein Logo macht bekanntlich noch kein Erscheinungsbild, eine Zäsur markiert ein solches Redesign dennoch. Ich bin gespannt wie die dt-Leser die Veränderung kommentieren.

[Update 18.04.2016: Wie in den Kommentaren angekündigt, hier die Stellungnahme von Audi hinsichtlich der Frage der Verantwortlichkeit: „Das neue Erscheinungsbild ist in Zusammenarbeit mit den Agenturen KMS Team / KMS Blackspace und Strichpunkt entstanden. Hierbei war es uns wichtig, ein interdisziplinäres Team aus internen und externen Experten zusammenzustellen, die die Umsetzung der digitalen und analogen Anwendungen entwickelt haben. Die Arbeitsform der Co-Kreation hat sich als zukunftsweisend erwiesen.“ Simone Labonte, Leiterin Brand Identity Audi]

[Update 28.04.2016: Von der Agentur Strichpunkt gibt es folgendes Statement: „Im Zuge der digitalen Transformation der Automobilbranche, wird das Interface zum zentralen Träger der Marke. Wir freuen uns sehr, für und mit Audi an der umfassenden Gestaltung des Markenauftritts für alle digitalen Medien von Audi-Apps bis zur Smartwatch, von Displays bis zum Dashboard, arbeiten zu dürfen.“ Philipp Brune, Geschäftsführer Strichpunkt]

Die Audi-Ringe – vorher und nachher

Audi-Ringe – vorher und nachher

Audi Logo Historie

Audi Logo Historie

64 Kommentare zu “Die neuen Audi-Ringe – Vorsprung durch Flat Design

  1. Mir war nicht bewusst, wie gut dieses neue Logo in der Logo-Historie passt. Vor diesem Hintergrund wirkt es – ohne das es das wahrscheinlich ist – ein wenig so, als wäre es mehr als nur ein „wir machen es platt“.

  2. Puh, das muss man erstmal verdauen. Erst dachte ich, der Postillon haut die Meldung raus… Nach dem ersten Schreck und den Aussagen von Frau Simone Labonte kann es aber ein durchaus spannender Prozeß der Umstellung werden. Zumal es 1949 bei der Auto Union auch schon ein Flat-Design gab.

  3. Beim schnellen Blick auf die Headline habe ich „Die neuen Audi-Ringe – im … Fiat Design“ gelesen. Das musste ich erstmal verdauen.

    Ansonsten, keine Überraschung, war alles schon mal da und werden wohl auch alle Autohersteller in Ihrer Logoentwicklung mal machen. Gestern Chrome, heute Flat, morgen ganz transparent?

    In schwarz wirken die Ringe auf mich bedrohlich, die Leichtigkeit der reflektierenden Chrome-Ringe geht verloren. Wenn Audi es aber wie Mercedes invertiert auf Ihre Werbemotive einbindet wird es gut aussehen.

  4. Hmmm.. das mit der „Komplexität“ ist in der Tat eine Baustelle gewesen.
    Ich hatte bei der letzten Umstellung des CI ausführlich Gelegenheit mich damit zu beschäftigen und staunte damals schon über die Geschäftstüchtigkeit der Agentur (Meta) die das CI gestaltet hatte : Der erste Schwung an Markenzeichen war ein Ordner mit 180 (!) verschiedenen Dateiversionen des Markenzeichens. Die vier Ringe und gefühlt 50 Varianten von Wortmarke und Claim (Bündigkeit und Positionierung zu den Ringen).
    Die Hoffnung, dass für jeden Anwendungsfall das korrekte Logo zur Verfügung stand und so der neue Look immer und überall konsistent erschien, erfüllte sich damals nach meiner Beobachtung nicht – viele viele Agenturen und die Kreativen darin waren von der Logo-Flut entweder überfordert oder hatten schlicht keine Muße um sich mit dem „Jahrhundertwerk“ der Markenzeichen-Dokumentation auseinanderzusetzen.

    In meinen Augen sah das alles großartig aus, war aber aufgrund der der Tatsache dass die Anwendung zutiefst unpraktisch ausfiel und der ganze Katalog + Dokumentation vermutlich extrem teuer für den Auftraggeber waren, einfach dysfunktionales Design.
    Und das lag nicht an der Gestaltung der Ringe (Auch wenn die Chromausführung und deren simplifizierte Versionen zur Variantenvielfalt beigetragen habe) sondern eher an den ausufernden Variationen der Unterzeilen.
    Ob sie das auch vereinheitlicht haben? Das wär ein großer Sprung in den Anwendungsfällen.

  5. Das heißt nicht Flat-Design, dass ist normal. Was in den letzten 25 Jahren unterstützt durch die Technik an Kitsch entwickelt wurde ist sehr lustig. Früher mußte man Logos mit einem glühenden Eisen in Transportkisten brennen können – dass ist heute einer 4c Darstellung auf allen Medien gewichen – das bedeutet aber auch, dass der Grundsatz: Man kann alles machen, es muß nur gut sein, bestehen bleibet. Also liebe designenden Leute macht es einfach und gut. Audis Schritt ist schon richtig gut. Kein Firlefanz, kein modisches Gefummel. keine Wellen, kein… das führt jetzt zu weit. Die Form zählt und mehr nicht. Noch schöner machen geht nicht, noch ein Schatten, noch ein Licht und schon ist die Form verschlimmbessert.

    • Besser ausdrücken kann man es nicht.

      Eine Reduktion in dem Fall, auch wenn die Lösung super einfach aussieht, bedarf immer sehr viel Selbstvertrauen vom Designer.

      Viele Designer haben dies nicht. Darum haben viele Gestaltungen immer „Verlegenheitsschatten“ oder dergleichen im Design. Selbstbewusst ein selbstbewusstes Design zu präsentieren ist nicht so einfach.

  6. Rein von der Farbigkeit fand ich die Chromvariante auch wesentlich freundlicher als einfach schwarze Ringe, wobei die letzte Variante auch einen sehr schön anzusehenden Chromeffekt hatte. Da sind andere Chromlogos wesentlich billiger.

  7. Nach meiner Auffassung sollte jedes Logo eine „Flat“-Version haben. Sei es für Stempel, Fax (ja, das wird vereinzelt noch benutzt), Plot-Aufkleber, Schablonen etc. Man hätte beide Versionen koexistieren lassen können, wie es ja wohl vorher auch schon war.

    • Gute Logos haben doch alle eine Flatversion, bzw. ist die dann auch das eigentliche Logo. Auf die kann man dann eben die gewünschten Effekte draufklatschen, wenn man sie denn haben will. VW hat auch seit Ewigkeiten dasselbe Logo, nur eben mal mit dem einen Effekt drauf, mal mit nem anderen. Trotzdem bleibts immer dasselbe einfarbige Flatlogo, auf dem das basiert. ;)

    • Das war ja auch so. Im CI-Portal von Audi waren die flachen schwarzen Ringe schon seit Jahren. Aber sie wurden wohl nur für ,Nebentätigkeiten‘ benutzt, wie vielleicht für die erwähnten Kisten…
      Als mir jetzt das neue Logo auf dem Audi LinkedIn-Kanal auffiel, dachte ich erst mal dass hier jemand aus Versehen dieses ‚Nebenlogo‘ hochgeladen hat…

  8. Dieses Logo sieht aus, wie die Variante, die man in den 80ern, ca. 4 mal so groß wie ästhetisch vertretbar, in die Mitte des Lenkrad-Pralltopfs geschnitzt hat (ja Pralltopf, weil es noch keine Airbags gab) und damals war Audi sicherlich keine sexy Marke mit Singleframe-Grill, sondern die Marke mit überteuerte Rostlauben, in Maronenbraun und Moosgrün, für Senioren mit Hut.

    Nun ja, der ganze pompöse Chrom-Schnickschnack, der letzten Jahre, ist und war sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss in der Fahrzeugbranche, dennoch ist mir die neue Variante zu platt und plump und wirkt überhaupt nicht modern, sondern 40 Jahre alt. Mercedes-Benz hat bereits erfolgreich bewiesen, dass einfarbige 2D-Logos bei der automobilen Kundschaft von Premium-Marken nicht sonderlich gut ankommen, aber manche Entscheider müssen immer erst höchstpersönlich auf die Herdplatte fassen, um zu bemerken, dass das rote Lämpchen nicht lügt. Ich würde mich eher an BMW halten, die verändern ihr Logo äußerst behutsam und dann auch nur alle 30 Jahre und schaffen so einen echten Bezug zur Unternehmens-Tradition, ohne flat und ohne Chrom.

  9. Dass der Schriftzug „Audi“ nun wieder aus dem Logo verschwunden ist, finde ich eine gute Entwicklung. Wer weiß denn heute nicht, dass die 4 Ringe Audi sind?! Ich empfand diesen immer als Fremdkörper.

    Dass der 3D-Effekt nun einmal wieder abgelöst wurde, mag zeitgemäß sein und ansich auch ganz in Ordnung. Nur mit dem schwarz mag ich mich hier noch nicht so ganz anfreunden. Wie oben schon geschrieben wurde ist eine invertierte Variante in weiß auf farbigen Flächen sicher ansehnlicher. Ein wenig stimme ich hier aber auch Joe zu.

    Eine Frage habe ich noch: Wird das Logo auf den neuen Kühlergrillen in Zukunft auch weniger chromig und dafür flacher ausfallen?

  10. Hai
    Im großen Logokoffer des Audi Markenzeichens gibt es diesen Logo schon lange und heißt
    Rings_Solid-bl.eps.

    Also keine Neuerfindung.

  11. …da hat Hesse Design Mitte der 90iger schon x eine interessantere Version gezeichnet, einfach x googeln. Trotzdem gibt es nun künftig grafisch sicherlich einen anspruchsvollerer Umgang mit dem Logo, bin x gespannt…

    • (Zitat aus obiger URL) ….. Das neue Erscheinungsbild ist in Zusammenarbeit mit den beiden Agenturen KMS Team und Strichpunkt entstanden. Hierbei war es uns wichtig ein interdisziplinäres Team aus internen und externen Experten zusammenzustellen, die die Umsetzung der digitalen und analogen Anwendungen entwickelt haben …

      Was ein Aufwand für eine Logo, dass schon vohanden war.
      Hauptsache, Audi zahlt viel und pünktlich!

  12. Flat-Design, man könnte auch sagen, Langeweile Punr, fehlt nur noch Helvetica 😏 so langsam nervt diese Trend, der mit iOS und dem Flatdesign in Bobon-Farben begann, noch nie war Apple iOS so häßlich. Und irgendwie passt Paralax und 2D bei iOS nicht zusammen. da lobe ich mir das alte 911-Logo und Porsche-Design. Das neue Audi-Design entspricht dem langweiligen Auto-Design der Marke.

  13. Es hat sich nichts geändert, wie schon oben erwähnt eine schwarz-weiss Variante gehört nunmal dazu und wird heute zum Leben erweckt, nicht zuletzt für die Responsivität, denke ich.

    • Es hat sich nichts geändert

      Wenn auch die einfarbige Version seit je her Bestandteil des Logosets ist, wie es sie im übrigen auch bei anderen Autoherstellern und Unternehmen gibt, wird sich sehr wohl etwas grundsätzliches ändern: In der Außendarstellung wird sich die Marke Audi vom Chrom-Look wegbewegen. Hierfür braucht es eine strategische Entscheidung von oberster Instanz, um diese Neuausrichtung über alle Bereiche hinweg zu einem konsistenten Markenauftritt zu führen. Diese Entscheidung ist offensichtlich in den letzten Wochen/Monaten im Austausch mit mehreren Agenturen gefallen. Sobald mir alle Reaktionen von Seiten Audi, KMC Blackspace und Strichpunkt vorliegen, werde ich diese im Artikel nachträglich einpflegen.

  14. Das Logo aus den 70ern hat es so nie gegeben: Da war die Typo einheitlich „AUDI NSU“, und zwar in Grossbuchstaben. Galt auch nur fuer den Konzern, in Publikationen gab es vier Ringe. Aehnliches gilt fuer die Audi-Pflaube. Die kam 1977 – eine invertierte Darstellung waere hier korrekt, hier hat wohl jemand nachgeholfen. Ausserdem war diese braunrot, ab 1991 dann erdbeerrot. Hat wohl einfach besser gepasst, in der „Historie“…

  15. Noch was zur Logo-Historie:
    Ich hätte nicht gedacht, dass der Audi-Schriftzug bis 2009 original schon 1909 geschaffen wurde. Mit den diagonalen „Strichfähnchen“ und ohne i-Punkt wirkt er auf mich neben den großbuchstabigen, „geradlinigen“ Typografien der späteren Schwestermarken sehr fortschrittlich und individuell. Schade, dass er nicht mehr weiterverwendet wird (wäre medientechnisch sicherlich auch kein Problem gewesen).

  16. War lange überfällig.
    Der Trend der 3D-Anmutungen und Verläufe widersprechen in der Regel dem eigentlichem Sinn des Logos und gehen vom inhaltlichen zur reinen Dekoration.
    Gut so, Audi!

  17. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass eine Vereinfachung im Design immer zu begrüßen ist.
    Aber: Ich bin auch der Meinung, Gutes Design setzt sich von der Masse ab und ist zeitlos. Und Flat Design ist momentan ein Trend. Ihn nun anzuwenden verschafft eigentlich weniger Alleinstellung als Gleichmacherei mit anderen Marken. Außerdem finde ich ,dass dem Logo durchaus ein paar Weißdurchbrüche gut getan hätten, damit man die Ringe auch als solche erkennt. Im ersten Auto-Union-Logo, in dem die Einzelfragen noch in den Ringen gezeigt wurden, war dies angelegt und meiner Meinung nach gut. Es gibt allerdings eine Mengenguter Ansätze im neuen CD-Manual. Was aber wirklich ein Witz ist, ist die Bildsprache: Gähn. Das was da beschrieben ist sind Allgemeinplätze von „Emotionalisierung“ etc., das steht heute wirklich in jedem Handbuch für die kleinste Bäckerei drin. Wirklich kein großer Wurf. Überhaupt: Das gesamte Manual ist so flach formuliert, dass es sich liest wie eine schnell zusammengehackte Werberpräse und nicht wie ein professionelles CD-Manual. Mein Fazit: Gute Ansätze, relativ durchschnittliche Umsetzung, flapsiges Manual, aber insgesamt OK.

    • Die Tendenz bei „modernen“ Manuals geht ja immer mehr zu Emotionalisierung und weg von der starren Regellehre. Soweit ich weiß, soll es im neuen Audi Auftritt wenige Regeln geben, sondern viel Templates und Vorlagen. Du scheinst das neue Manual schon vorliegen zu haben, wäre interessant dies einmal zu sehen. Das dazugehörige Brand Portal wird ja in Zukunft anscheinend auch komplett öffentlich zugänglich sein.

      • Nach einem Tag Arbeit mit dem Manual muss ich mein vorschnelles Urteil revidieren.
        Es ist ein wirklicher Fortschritt zu allen Manuals, mit denen ich bisher gearbeitet habe.
        Der etwas „seichte“ Tonfall ist besser als der belehrend-akademische den man sonst so aus Designagenturen kennt. Die Herleitungen sind absolut nachvollziehbar und praktikabel.
        Es macht Spass und ich hoffe, es wird sich wirklich im Konzern durchsetzen, denn es reduziert wirklich ganz hervorragend. Bei der Bildsprache ist es so eine Sache. Natürlich verordne ich meinen Kunden ein natürliche, authentische Bildsprache. Aber in manchen Fällen ist ein „Heroisieren“, oder Zitieren anderer Bildsprachen nötig, um einen gewissen Effekt zu erzielen.

        Und die Bildsprache für einen A1 sieht sicher ganz anders aus als für einen A8, allein weil die Zielgruppen unterschiedlich sind. Ein A8 Fahrer steht auf Status, sonst würde er ja kein Statussymbol fahren, ein A1 kann da näher am Durchschnittsbürger bleiben.

  18. In den vergangenen Tagen wurde das einfarbige Audi-Logo konsequent in den digitalen Medien implementiert – auf Facebook und Twitter ist es mittlerweile ebenso zu sehen wie auf Audi.de, wo es durchgängig die Chrom-Version ersetzt hat.

    Audi Deutschland Website

  19. Am interessantesten ist nicht das Re-Design des Logos sondern das Thema „Co-Create“, das in der Ergänzung des Beitrags von Simone Labonte erwähnt wird. Da bin ich gespalten, weil es hier sicherlich nicht ohne Reibung geht und wenn man die beiden beteiligten Agenturen kennt, treffen auch entsprechend große Egos aufeinander: Von Außen, also Kundenseite, betrachtet, sicherlich spannend und amüsant. Ob es für die Kreativen aber auch der große Wurf ist, mag ich mal dahingestellt lassen – aus 20 Jahren Erfahrung und mehreren sehr angespannten Co-Create Projekten denke ich mal: eher nicht.

    Betrachtet man das Ergebnis drängt sich der Vergleich auf, dass die Betriebskantine demnächst Johann Lafer und Jamie Oliver co-cook-mäßig Butterbrote schmieren lässt. Vielleicht ein wenig Verschwendung von Talent …

  20. Déjà vu all over again.
    Als wir (MetaDesign) Ende 1994 als CD-Leitagentur bei Audi (und VW) einstiegen, war gerade aus dem einfachen Logo ein erstes in Pseudo-3D gebastelt worden, so gut, wie es damals in Photoshop et al ging. Im Laufe der Jahre wurden die Rendering-Programme besser und die Ringe chromiger, obwohl Audi ja eher für Alu als für Chrom stehen sollte. In der historischen Übersicht wurden die Ringe wohl vergessen, weil sonst klar würde, dass man schon mal so weit war. Aber Gestaltung für Automarken muss immer von den Ingenieuren und Produktdesignern gutgeheißen werden und die stehen auf 3D und glänzende Renderings.
    Übrigens war das auch 1994 schon Co-Creation. Audi (mit Thomas Giuliani als Leiter) suchte sich die passenden Partner (JungvonMatt in Deutschland innerhalb eine internationalen Netzwerks von 5 Agenturen; Schmidhuber für die Architektur und MetaDesign für CD) auch unter dem Aspekt, dass alle miteinander ohne Eitelkeiten und Konkurrenzdenken auskämen. Und das hat jahrelang gut geklappt. Vor allem auch, weil bei Audi selbst nur ganz wenige Mitarbeiter involviert waren, die alle voller Begeisterung an der neuen Marke arbeiteten. Bei der Arbeit wussten wir mitunter nicht mehr, wer Auftraggeber und wer Agentur war, weil alle so gut miteinander auskamen.

    Immerhin hat sich die Marke Audi durch diesen Prozess zwischen 1994 und 1997 sehr erfolgreich neu aufgestellt. Das alte Image vom Sofakissen auf der Heckablage war weg. Daran waren natürlich vor allem die neuen Modelle schuld (A4, A6, A8, TT) aber die Kommunikation entsprach auch dem neuen Anspruch. Ich habe zumindest nie wieder so angenehm und erfolgreich an einem Auftrag gearbeitet und bin bis heute mit vielen Kollegen aus den Agenturen und von Audi befreundet. Lediglich das Modewort der Co-Creation ist uns nicht eingefallen.

  21. Minimalst-Flatauftritt als Wegbereiter für Kostenersparnis des real verbauten, bisherigen Chromsignets als Einzelbauteil. Da lohnet sich der massive (und wie gewohnt wortreich aufgepumpte) „Entwicklungsaufwand“, wenn man die wilden Kämpfe um Cents zwischen Kostenwächter und Design bei audi betrachtet.
    Das Ganze hat gut verpackten, reinen Einsparhintergrund.

  22. Lieber Achim,

    dieser Beitrag ist zwar schon älter, allerdings gibt es bzgl. des Markenauftritts von Audi neues zu berichten, da ich bei WuV einen Beitrag gelesen habe.

    Der Wegfall von starren Gestaltungsrichtlinien und die Reduktion auf einige wenige, dafür aber sehr prägnante, Gestaltungselemente zugunsten größtmöglicher Flexibilität und Kreativität (vor allem im digitalen Bereich) ist ein Trend, der sich bei vielen Agenturen abzeichnet. Audi ist meines Wissens nach aber das erste Unternehmen dieser Größenordnung, welches dieses Konzept so konsequent umsetzt.

    Insofern würde mich ein Bericht, der stärker in die Tiefe geht, sehr interessieren. Und mit dem Designtagebuch hast du sicherlich eine sehr gute Ausgangslage, um an spannende Infos zu kommen.

    Es würde mich freuen, wenn du hierzu eine Rückmeldung geben könntest.

    LG

Pingbacks

Kommentar verfassen

Folgende HTML-Elemente können verwendet werden: <b> <i> <img src="meineurl"> <a> <blockquote>