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Designkritik – Utopie oder Notwendigkeit?

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Ein Gastbeitrag von Jürgen Schwarz

Gerade als Student und junger Designer fällt es oft schwer, Werte und Qualitäten im Design auszumachen, vor allem in einer Zeit, in welcher der Begriff „Design“ inflationär verwendet wird. Woran kann man sich orientieren? Gibt es „gutes Design“ und wer definiert es als solches? Durch diese und ähnliche Fragen motiviert, setzte ich mich mit der Thematik in meiner Masterarbeit auseinander. Kurz gesagt, ich war auf der Suche nach Designkritik, meine Ergebnisse und Erkenntnisse möchte ich hier vorstellen.

Der Fokus dabei liegt auf dem deutschen Sprachraum, denn allein die Begriffe „Design“ wie auch „Kritik“ haben schon im Deutschen keine präzisen, sondern vielschichtige Bedeutungen und Verwendungen. So wird Design für den Prozess ebenso verwendet wie für das fertige Produkt oder sogar Dienstleistungen. In anderen Sprachen funktioniert Design und dessen Diskurs wohlmöglich gänzlich anders, eine Kritikkultur weist vermutlich länderspezifisch signifikante Unterschiede auf.
Designkritik meint in diesem Artikel nicht Critical Design, wenngleich Critical Design durchaus als Ausdrucksform von Designkritik dienen könnte. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Designkritik widmet sich in erster Linie der sprachlichen und schriftlichen Form.

Fantastische Utopie oder latentes Faktum? Die Frage deutet bereits an, dass es eine Designkritik gibt und zugleich nicht gibt. Sie findet zweifelsfrei statt, etwa in Gesprächen in Agenturen und Studios, sie wird aber gerne, z. B. wegen persönlicher Geschmacksempfindungen, vernachlässigt. Im öffentlichen Rahmen hat sie, etwa in Feuilletons der Zeitungen, gar keinen Platz. Man könnte fast meinen, Designkritik ist ein Luxusproblem und der Wunsch einiger weniger Designstudierender oder Designerinnen, bzw. Designer.

Wen interessiert’s?

Der Begriff „Design“ ist längst ein Alltagsbegriff geworden, diverse Auswüchse wie Naildesign oder Wurstdesign werden in Fachkreisen gerne diskutiert. Tatsächlich wird man sich als Mitteleuropäer kaum dem Begriff als auch der Materie entziehen können. Man könnte hier Design mit Politik vergleichen – selbst jene, die sich nicht dafür interessieren, sind ausnahmslos davon betroffen. An sich ist die potentielle Interessensgruppe daher enorm groß, aber viele hinterfragen nicht, nehmen es hin oder konsumieren Design gar wie Fast Food. Es sind einerseits Laien, die von einer Designkritik profitieren könnten. Ein anspruchvoller Diskurs könnte das Verständnis und die Wertschätzung der Laien, wie auch das Einfühlungsvermögen und ein besseres Erkennen von Bedürfnissen seitens der Designer fördern. Somit sind es andererseits Designer die davon profitieren, da sie besser in Diskussion mit Laien, Kollegen oder fachfremden Experten treten könnten. Mit einem solchen Austausch schulen diese nicht nur ihre Sprachgewandtheit, sie beginnen auch zu verstehen, auf welche Form der Argumentation es etwa innerhalb von Präsentationen oder ähnlichen Situationen ankommt. Der Gedanke einer Interdisziplinarität wäre somit umfassender erfüllt. Vielleicht fänden auch jene Gefallen daran, die sich Hierarchien oder persönlichen Geschmacksempfindungen unterordnen müssen.

Design auf eine Frage des Geschmacks zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Dem Argument, dass es sich nicht lohne über Geschmack zu streiten, gilt es entgegenzutreten. Geschmack ist verwurzelt mit Zeitgeist, Milieu und Kultur, er ist somit nicht allgemein gültig, schon alleine deswegen lohnt sich eine Diskussion. Designkritik könnte diese fördern, denn Kritik ist nicht ausschließlich negativ, sie befasst sich mit negativen, wie auch positiven Aspekten. Das muss erst gelernt werden, eventuell bieten sich daher die Hochschulen als Orte, an denen gelehrt und gelernt wird, auch hierfür an. Eine im Rahmen der Masterarbeit initiierte Umfrage für Designstudierende mit 522 Teilnehmenden unterstützt den Gedanken, dass ein Bedarf einer Kritikkultur im Design, speziell in der Ausbildung, durchaus existiert. So bejahen mehr als 85% die Frage, ob Kritik an den Designhochschulen gezielt gefördert werden muss. Mehr als Dreiviertel wünschen sich zudem mehr Kritik und Dialog in den Kursen. Weitere interessante Ergebnisse, unter anderem im Bereich Awards, Magazine und Blogs, zeigen die Grafiken.

Designkritik Umfragechart


Abbildung: Ergebnisse aus der Online-Umfrage für Designstudierende

Awards und Bewertung

Einer der wenigen Momente, in denen in öffentlichem Rahmen über Design gesprochen und es beurteilt wird, sind Berichte zu Design Awards. Man könnte fast meinen, hier existiert eine breit aufgestellte Bewertung von Design. Jedoch sind zum großen Teil wirtschaftliche Interessen der Grund für die Auslobung solcher Preise und Auszeichnungen. Zum einen handelt es sich bei den auslobenden Stellen um eigens gegründete Unternehmen, die einen wirtschaftlichen Zweck erfüllen müssen. Zum anderen sind teilnehmende Unternehmen daran interessiert ihr Produkt oder sich selbst mit dem Anstrich eines ausgezeichneten Designs zu rühmen. Zudem dienen Auszeichnungen einer besseren Präsenz, etwa in Rankings, für deren Kundenakquise und bieten so eine willkommene Aufmerksamkeit. Keinesfalls sollen an dieser Stelle Leistungen und Qualitäten der ausgezeichneten Projekte in Frage gestellt werden, sehr wohl aber muss eine Betitelung wie „Best of the Best“ hinterfragt werden.

Viele Awards sind nicht kostenlos, sondern erheben Teilnahmegebühren, die speziell für kleine Unternehmen eine Hürde sein können. Beim Gewinn einer der begehrten Trophäen, stehen häufig weitere Kosten für die Ausggezeichneten an – etwa in Form von Druckkosten für Kataloge oder Gebühren für die Verwendung des Labels. Gerade diese Labels sind aber ein wertvoller Werbeträger (siehe dt-Beitrag „Wer bezahlt siegt“). Dabei darf man nicht vergessen, dass das ausgezeichnete Design nicht das Beste überhaupt ist, sondern eben „nur“ das Beste aller teilnehmenden Projekte. Das ist eine kleine, aber grundlegende Tatsache des Auszeichnens. Dieses kann unter Umständen sehr umfangreich ausfallen – so lag etwa die Auszeichnungsquote 2012 beim Red Dot Design-Award im Bereich „Product Design“ bei zirka 22,9% (siehe dt-Statistik). Somit ist fast ein Viertel aller eingereichten Projekte auch ausgezeichnet worden, was selten deutlich kommuniziert wird. Dass es auch anders geht, zeigt der Bayerische Staatspreis für Nachwuchsdesigner, dort lag die Quote im Jahr 2012 bei 1,3%. Die Suche nach dem „Besten“ wird durchaus unterschiedlich ausgelegt und mutet unter Umständen etwas seltsam an. Ebenso mag es einen kuriosen Eindruck vermitteln, wenn die auszeichnende Institution gleichzeitig der Auftraggeber einer Gold-Auszeichnung ist, wie es 2012 beim ADC Award der Fall war (siehe Abb. unten). Vielleicht ist es aber auch nicht notwendig Design mittels Awards zu bewerten oder in Rankings zu pressen. Vielleicht wäre es schlauer in Fachmedien, aber auch der Tagespresse, darüber ausführlich zu kommunizieren. Dann könnten so auch überstrapazierte Begriffe wie Innovation, Originalität und Qualität durch ein adäquates Vokabular ersetzt, oder zumindest dadurch ergänzt werden.

ADC Todesanzeige für Vicco von Bülow Ausgezeichnet mit dem ADC-Award in Gold Agentur: Scholz & Friends Kunde: Art Directors Club für Deutschland (ADC) e.V.

ADC Todesanzeige für Vicco von Bülow – Ausgezeichnet mit dem ADC-Award in Gold
Agentur: Scholz & Friends – Kunde: Art Directors Club für Deutschland (ADC) e.V.

Kritisches in Magazinen & Blogs

Ein umfangreicher Blick in die Fachpresse könnte helfen Qualitäten auszumachen und Werte zu finden. Sie tun es aber nur bedingt. Eine Analyse von mehreren Ausgaben im Bereich der Printmedien, sowie mehrerer Monate im Bereich der Online-Publikationen brachten eine Ernüchterung. Die Print-Magazine haben zum Teil durchaus kritische Aspekte, nutzen aber ihr Potenzial nur wenig aus. Meist findet eine Berichterstattung statt, die relativ werteneutral agiert. Online bietet sich ein sehr gemischtes Bild, die Palette reicht von reiner Berichterstattung mit reicher Bebilderung, über umfangreiche Plattformen mit reichen Bildgalerien, sowie tief im Verborgenen liegender kritischer Inhalte. Wer Kritik finden will, muss sie intensiv suchen. Nur an wenigen Stellen findet ein intensiver Austausch etwa über die Kommentarfunktion statt (*1).

Und in der Tagespresse? Hier findet sich Designkritik noch wesentlich seltener, die Gründe dafür könnten vielfältige sein. Liegt es an dem vielschichtigen Begriff „Design“, fehlt dem Design eine Tradition oder ist es gar zu marktwirtschaftlich orientiert? Wohl kaum, denn Kritik kann ebenso vielschichtig sein, eine Tradition kann erst beginnen und andere Bereiche verfügen bereits über kommerzielle Aspekte, siehe Film- oder Kunstkritik. Viel mehr scheint es, als fehlten die Autoren, beziehungsweise Kritiker im Bereich Design. Ein Mangel, denn gerade durch die inflationäre Verwendung des Begriffs Design wäre eine Designkritik wünschenswert. Betrachtet man Design als Kulturgut, ist auf eine Begegnung mit der Meinungsfreiheit, in einer öffentlichen Diskussion, nur schwer verzichtbar.

Können bestehende Kritikkulturen als Vorbild dienen?

Ein prozesshafter Charakter, eine Auseinandersetzung mit Ästhetik und Fragen zur handwerklichen Ausführung weisen bei Architektur und Kunst Parallelen zum Design auf. Wie sieht das Kritikverständnis innerhalb dieser Sparten aus? Beide Disziplinen verfügen über eine Art „Kritiktradition“ und dennoch zeigen sich auch hier gewisse Bedenken von Branchenkennern. So existiert beispielsweise im Feuilleton durchaus eine Architekturkritik, hauptsächlich aber in der Fachpresse. Beide Stellen befassen sich fast ausschließlich mit Großprojekten im öffentlichen Raum, beliebt vor allem wenn Fehlplanungen und Mehrkosten entstehen. Fachexperten beklagen, dass sich die Architekturkritik zu wenig mit dem profanen Bereich auseinandersetzt und sich zudem kaum der Öffentlichkeit vermittelt. Dabei wüssten jene, die Architektur im Alltag gebrauchen, am Besten ob die Planung aufgeht und ob gedachte Funktionen tatsächlich ihre vorgesehene Anwendung finden. Doch der Gebrauchswert, also eine Art Nachbesprechung, scheint in der Architektur ein blinder Fleck zu sein. In der Kunst hingegen steht die Kritik vor ganz anderen Problemen. So ist die Kunst nicht, wie vielleicht vermutet, unkommerziell. Stattdessen wird die Qualität häufig durch den Preis eines Werkes bestimmt. Kunst kennen und verstehen tun vielleicht manche, Preis und Geldsummen kann jeder erfassen. Eines der wichtigsten Qualitätskriterien scheint zu sein, ob sich ein Werk verkaufen lässt. Die Beziehung zwischen Werk und Betrachter erlebt eine Vernachlässigung.

Ein anderer schwieriger Punkt ist die Unabhängigkeit der Kritiker, denn nicht jeder kann unabhängig schreiben. Vom Kritikersein alleine können nur wenige existieren, daher entschließen sich viele für ein zweites Standbein, etwa als Kurator. Das ergibt ein enges Zusammenarbeiten mit diversen Museen oder Galerien und kann zugleich die Unbefangenheit deutlich trüben. Dabei gilt Unabhängigkeit als „das wichtigste Gute des Kritikers.“ (H.Rauterberg) Dieser Blick über den Tellerrand kann einer Kritik im Design helfen, „Fehler“ zu vermeiden, soll aber ebenso zeigen, dass ein Diskurs seine Berechtigung und Wichtigkeit hat. Schließlich gibt es durchaus ähnliche Situationen, Vorgänge oder Szenen im Bereich des Designs. Etwa Auktionen wie die „Jony and Marc’s (RED) Auction“ bei Sotheby’s bei der ein besonders ausgestatteter MacPro als rotes Unikat $ 977.000 erzielte, dürfen und sollten hinterfragt werden. Nicht unbedingt die Auktion als solches mit ihrem Hintergrund, wohl aber ihre Bedeutung in Hinblick auf Designprodukte und ihre Wirkung.

Apple MacPro in rot, 2013, Unikat, $ 977.000 bei Sotheby’s

Apple MacPro in rot, 2013, Unikat, $ 977.000 bei Sotheby’s

Design & Kritik

Qualität im Design ist nicht messbar, ebenso wenig kann von ausschließlich subjektiver, aber auch rein objektiver Bewertung ausgegangen werden. Es lässt sich aber hinterfragen, ob Dinge erfüllt wurden, ob sie dem Ansatz gerecht werden oder dem Zweck tatsächlich allumfassend dienen. Eine Anleitung zu einer bestimmten Form der Designkritik kann es nicht geben, dafür sind die Einsatzgebiete des Designs häufig zu unterschiedlich. Es bedarf individueller Kriterien, die sich je nach Einsatz entwickeln müssen. Das ist aber die Aufgabe der Kritiker, somit jener Autoren, die sich auf die Materie einlassen und dennoch genügend Abstand aufbauen können, um verschiedene Blickwinkel zu betrachten. Design steht, wie der Kritiker auch, im Kontext zu seinem unmittelbaren Umfeld, und beeinflusst alles im Kontext stehende. Das alles gilt es bei einer Kritik zu berücksichtigen, ebenso das Medium (das ebenso eine Botschaft hat) wie auch die Rezipientengruppe, welche die Kritik konsumiert. Die Person eines Kritikers wägt ab, analysiert und kommuniziert, dabei bleibt sie fair, stellt sich selbst einer Kritik und korrigiert sich unter Umständen. Beim Bewerten und Schreiben einer Kritik haben auch journalistische Werte eine Bedeutung, so kann ein Pressekodex hierfür wichtige Impulse und Richtlinien geben.

Ein möglicher Schlüssel für ein gesundes Zusammenführen von Kritik und Design ist intensive Kommunikation. Denn auch der Prozess der Entstehung, verworfene Gedanken und sogar gescheiterte Ansätze, sind ein Teil des Designs. Darüber wird jedoch nur selten berichtet, dabei ist dieser vermeintliche „Makel“ der beste Beweis, dass die Tätigkeiten der Branche in die Tiefe gehen und nicht nur oberflächlich aufhübschen. Auch der Umgang mit Ressourcen oder eine soziale Verantwortung innerhalb der Branche sind Themen, die das Design prägen, doch wie häufig wird das tatsächlich zum Thema? Dass ein Bedarf an einer Designkritik existiert, beweisen nicht zuletzt Projekte wie die Plattform Designkritik.dk – hier wird sich seit einigen Jahren der Thematik gewidmet. Ebenso hatte der 2012 zuletzt ausgelobte Bf-Preis seinen Fokus darauf gerichtet. Dabei soll Designkritik nicht als Bedrohung gesehen, sondern als Chance wahrgenommen werden, Dinge zu verbessern und zu lernen.

Weil Design eine Kritikkultur verdient.

Design ist scheinbar für viele von hoher Bedeutung, es dient als Antriebsfeder für die Industrie und als Kreativitätsquelle einer Kulturgeneration. Doch trotz hoher Präsenz und vermeintlicher Wichtigkeit, öffentlich hinterfragt oder „überprüft“ wird es nur äußerst selten. Wenn Design zum Gesprächsthema wird, dann ist es gerne ein Austausch über das Gefallen und das Nichtgefallen, eine fundierte Auseinandersetzung ist die Ausnahme. Doch dies ist kein Wunder, denn das bedarf eines Lernprozesses und einer Übung. Diese Verantwortung liegt auch bei den Hochschulen, an denen an der Basis für eine anspruchsvolle Diskurskultur scheinbar zu wenig gearbeitet wird. Wir sind ständig mit Design konfrontiert – daher sollten wir uns über Design auch kritisch unterhalten. Dieser Diskurs braucht mehr Mut und eine Öffentlichkeit zugleich. Nur wer sich kritisch mit der Materie auseinandersetzt, wird letztlich die Belange und Ansprüche von Design umfassend fordern, fördern und weiterführen. Wir können es uns somit gar nicht leisten, nicht kritisch über Design zu sprechen.

Designkritik Masterarbeit

Jürgen Schwarz hat seine erste Ausbildung zum Kommunikationsdesigner an der Ortweinschule in Graz absolviert. Nach einigen Jahren der Festanstellung entschloss er sich für ein Studium an der FH Würzburg (Bachelor, 2012) und FH Potsdam (Master, 2014). Sein Interesse gilt neben der Kommunikation über Design, den Bereichen Corporate Identity und Schriftgestaltung. Künftig widmet er sich bei The Hamptons Bay in München neuen Aufgaben.

Quellen/Literatur (Auszug):

  • Designgeschichte, Perspektiven einer wissenschaftlichen Disziplin; 1992; Walker, J. A.; scaneg Verlag; München
  • Design auf dem Weg zu einer Disziplin; 2012; Bürdek, B. E.; Verlag Dr. Kovač; Hamburg
  • Wörterbuch Design; 2008; Erlhoff, M./Marshall, T. (Hrsg.); Birkhäuser Verlag AG;
  • Total Design; 2010; Kries, M.; Nicolaische Verlagsbuchhandlung GmbH; Berlin
  • Und das ist Kunst?! Eine Qualitätsprüfung; 2007; Rautenberg, H.; S. Fischer Verlag GmbH; Frankfurt am Main
  • Zur Sprache bringen, Kritik der Architekturkritik; 2003; Conrads/Führ/Gänshirt (Hrsg.) Waxmann Verlag; Münster
  • Autonome Kunstkritik; 2012; Lehmann, H. (Hrsg.); Kulturverlag Kadmos; Berlin

Weiterführende Literatur

  • Design als Wissenskultur; 2011; Mareis, C.; transcript Verlag; Berlin
  • Kunst der Kritik; 2010; Mennel, B./Nowotny, S./Raunig, G. (Hrsg.); Turia + Kant; Wien

*1 Im Rahmen der Masterarbeit wurden verstärkt die Fachmedien Form, Novum und Design Report, sowie slanted.de, designmadeingermany.de und designtagebuch.de analysiert. Diese Auswahl ergab sich aus den Ergebnissen der Umfrage und stellt die dort am häufigsten genannten Medien dar.

10 Kommentare zu “Designkritik – Utopie oder Notwendigkeit?

  1. Ich bedanke mich für diesen spannenden Beitrag. Habe ich mir per Instapaper gespeichert und werde mich später ausführlich damit auseinander setzen, aber was ich bisher gelesen habe hat Hand und Fuß. Danke, Jürgen Schwarz!

    Cheers,
    -marco

  2. Jürgen Schwarz legt den Finger auf den Punkt: Wenn hier z.B. in Buchbesprechungen nur mit Glück die Illustratoren namentlich genannt werden, wie soll da die Typografie und Ausstattung zu ihrem Recht kommen. Wenn für Ausschreibungen von Wegleitsystemen auch Werbeagenturen gefragt werden, ist vom Einkauf nicht viel zu erwarten.

    Ich sehe hier den gleichen Ansatzpunkt wie im Designeinkauf: Die Auftraggeber verschleudern Kapital, wenn Sie die Gestaltung nicht in professionelle Hände legen. Ich denke, der Designeinkauf wäre dankbar für eine fundierte Designkritik.

    • Ich denke, der Designeinkauf wäre dankbar für eine fundierte Designkritik.

      Ich glaubem, der Designeinkauf sollte in der Lage sein, fundiert Design zu bewerten. Sonst ist die Berufswahl verfehlt. Und falls es nicht der Hauptberuf ist, sollte sich der/die Einkaufende vielleicht die entsprechende Kompetenz dazuholen. (Eine wilde, Idee, ich weiß…)

      ;-)

      Schönen Abend noch!

      • na, du beschreibst den Idealzustand. Allzu oft wird der Designeinkauf vom Marketing oder von der Buchhaltung nebenbei erledigt, ohne dass Fachleute auf beiden Seiten sitzen. Da wird ein Geld vernichtet, wenn das die Aktionäre wüssten… :)

  3. Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Endlich spricht es mal einer aus, was mich schon lange beschäftigt hat.

    Zum Punkt: «Wer definiert gutes Design?», orientiere ich mich immer an den 10 Thesen von Dieter Rams.

    Und zum Thema Geschmack, zitiere ich immer wieder die Aussage von Jan Tschichold:
    «Es stimmt nicht, daß sich über den Geschmack streiten ließe, solange wir damit guten Geschmack meinen. Doch werden wir ebensowenig mit einem solchen geboren, wie wir wirkliches Kunstverständnis mit auf die Welt bringen.»

    Aber das hast du glücklicherweise auf eine Art schon selbst auf den Punkt gebracht.

  4. Wundervoll! Denn ja, natürlich braucht es eine Designkritik. Mich hat natürlich der Querverweis auf die Architekturkritik gefreut… Das war kein eigenes Fach, sondern einfach ein schlichter Teil unserer an der Hochschule kritisch(!) begleiteten Entwurfsprozesse. Die Architekturkritik ist also nichts, was nur in Veröffentlichungen stattfindet. Und sie beschränkt sich bestenfalls auch nicht auf die Mängel, sondern erklärt der oder dem geneigten Studierenden auch, worin die Qualitäten der Idee oder Skizze liegen, was beim weiteren Überarbeiten also besser nicht verloren gehen sollte.

    Ich kenne auch noch eine Form der kollegialen Kritik unter Autorinnen und Autoren. Das ging sogar ganz virtuell in Online-Foren (in der Welt ehe wir anfingen, unsere Zeit auf Facebook und Co zu verbraten, statt im designtagebuch oder anderen kommunikativeren, umfangreicheren Plattformen). Kritik mussten wir da um ein gutes Stück selbst erst lernen: da kannte eine sich besonders gut mit der Analyse aus, andere hatten ein Auge (oder inneres Ohr) für die Sprachmelodie, wieder andere fanden Unstimmigkeiten in Charakteren (die nicht automatisch ein toller „Bruch“ waren) oder in der Handlung.

    Ich bin jetzt einige Jahre im Designsektor unterwegs und erlebe leider, da muss ich der Ausgangsthese recht geben, deutlich weniger Kritik auf diesem Level / in dieser Form.

    Ich hab auch eine These dazu, die sich mir aufdrängte, als ich einmal eine Auszubildende zu Mediengestalterin (Konzeption und Visualisierung – also sowas wie „kreativ/entwerfend“) bat, mir ihre Idee zu erläutern. Oder worin die Stärken ihres Entwurf lagen. Der hatte welche, keine Frage.

    Visuell orientierte Menschen haben nicht alle auch ein Faible für Sprache. Und für meinen Fall gebe ich gerne zu, umgekehrt ist es auch immer noch ein bisschen eine Fremdsprache für mich, wenn ich mich selbst in z.B. Grafikdesign ausdrücken soll. Ich konnte es auch in Architektur nie so gut und flüssig, wie in Worten. Es bleibt immer ein ausgeprägter Akzent. Sozusagen.

    Was haltet Ihr, die Ihr von Anfang an auf der visuellen Schiene wart, von dieser These, liebe Mitlesende? Seid Ihr wortgewandt und sind die handwerklichen Qualitätskriterien und Herangehensweisen auch Euer verbales Vokabular? Wie erlebt Ihr die Kolleginnen und Kollegen? Und zu guter Letzt: habt Ihr eine Kultur des kollegialen und wohlwollenden Umgangs miteinander bei Kritik?

    In der Architektur fand ich das zum Beispiel in Deutschland deutlich seltener, als in den Niederlanden. Bissig und manchmal auch erbsenzählerisch werden da auch schonmal unlogische Entwurfsentscheidungen ausgebreitet. Und das Gute unter den Tisch fallen gelassen. Dann ist schon ein „Ha ja…“ ein schwäbisches „Nid g’schimpft isch g’lobt genug“.

    Einen schönen Abend wünscht
    liqui (schön, mal wieder nach langer Zeit hier zu sein und so einen schönen Gastbeitrag zu finden)

    • Hallo Liqui,

      das Gestalten und das darüber Reden sind freilich zwei paar Schuhe. Aber abhängig vom persönlichem Mitteilungsbedürfnis und beruflichen Zwängen wächst man eben auch als gelernter Gestalter zuweilen in die Rolle des Dozenten. Mit den Jahren habe ich mir angewöhnt meine Gestaltunsgarbeit konzeptioneller anzugehen, d.h. sofern es möglich und angebracht ist, immer erst die Theorie zu denken und anschliessend in die Praxis zu gehen – dadurch liegt eine leicht kommunizierbare Herleitung (hoffentlich) auf der Hand. Und sollte einem gar nichts substantielles einfallen, den allgemein akzeptierten Level an inhaltslosem Marketing-Gebrabbel oder ein buntes Potpourri aus Allgemeinplätzen bekommt man mit etwas Übung zu jedem Design-Entwurf gebacken…
      Bürointern können wir Gestalter uns meist relativ gut austauschen und auch sachlich kritisieren, allerdings neigen die Kritikrunden im Kollegenkreis dazu, schnell auszufern und in Brainstorm-Gefilde abzudriften – eine gewisse Disziplin bleibt wünschenswert um konkrete Probleme zu lösen (statt fortwährend neue zu schaffen).
      Eine über aktuelle Entwurfsaufgaben hinausgehende kritische Auseinandersetzung mit unserer Arbeit oder auch zeitgenössischem Design kommt im Arbeitsalltag nach meinem Dafürhalten etwas zu kurz – dafür bleibt einfach kaum Zeit und die nötige Muße.

  5. Vielen Dank für den interessanten Artikel! Das Bemühen, den Design-Diskurs zu fördern kann ich nur unterstützen.

    Ich habe mich schon oft über das Missverhältnis der Allgegenwärtigkeit und Unmittelbarkeit von Grafik-Design gegenüber der theoretischen und kritischen Auseinandersetzung damit gewundert. Letztere findet in einer breiten Öffentlichkeit schlicht nicht statt.
    Während einige Themen, wie z.B. Literatur, Theater, Automobil-Design und, sofern es um den öffentlichen Raum geht, auch Architektur auch in Massenmedien ausgiebig besprochen werden, werden andere wie z.B. Grafik-Design oder der ganze Film & TV-Bereich konsequent gemieden (bzw. an die Grenzen der Sinnfreiheit oberflächlich behandelt).

    Letztlich gibt das Internet den Raum dafür, allerdings mit der dem Medium eigenen Einschränkung, dass eine gewisse Tiefe nur schwer zu erreichen ist.

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