DerWesten.de Relaunch

DerWesten.de bezieht für Relaunch harsche Kritik von Stammlesern

DerWesten.de Relaunch

Das hat man sich beim Nachrichtenportal der WAZ-Mediengruppe „DerWesten.de“ aber sicher etwas anders vorgestellt. Der vorgestern vollzogene Relaunch kommt bei den eigenen Stammlesern alles andere als gut an. Es ist ja bekannt, dass die Kritik seitens der Stammleserschaft stets am stärksten ist. Die Art und Weise jedoch, wie auf die Ankündigung zum Wechsel reagiert wird, muss den Verantwortlichen zu denken geben. Von den bislang gut 160 Kommentaren, lassen sich die Befürworter an einer Hand abzählen. „Totales Chaos“, „scheußlich“ und „graufenhaft“, so einige Kommentare. Eine unzureichende Moderation der Kommentare steigert zudem den Unmut der Leser. Was ist an dem neuen Auftritt so schlimm?

Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue Auftritt um ca. 150 Pixel auf 1.000 Pixel in der Breite angewachsen. Aber nicht immer profitiert der Nutzer von diesem großzügigeren Aufbau. Es zeigt sich zum Beispiel, dass die Darstellung von 8 Teasern, wie etwa bei „Fotos und Videos“, wo sie über die gesamte Breite verlaufen, nur bedingt empfehlenswert ist. Das Auge muss quer über den Bildschirm wandern, um den Inhalt zu erfassen. Bei einer Begrenzung auf z.B. nur 5 Teaser ließen sich das Modul auf einen Blick erfassen.

Stark kritisiert wird von Seiten der eigenen Leserschaft vor allem auch die noch stärkere Verzahnung von Werbung und Content. Das ist nichts neues. Werbung, auch in den digitalen Medien, wird halt gerne als Störfaktor eingestuft, ungeachtet der Tatsache, dass sie es ist, die es überhaupt ermöglicht, als Besucher das jeweilige Informationsangebot zu nutzen. Neun, quer über die auf der Startseite verteilte Werbeflächen zählt man, was sicherlich keine geringe Anzahl ist, aber viel mehr Optimierungspotenzial als bei diesen offensichtlichen „Unruhestiftern“ sehe ich im Bereich der Typographie und auch in Bezug auf die unterschiedlichsten Abstände.

DerWesten.de Relaunch

Das Schriftbild ist nicht optimal. Auf drei Spalten verteilt wirkt das Zusammenspiel von Überschriften, Teasern und Links unharmonisch. Mit ein paar Handgriffen ließen sich Zeilenabstände, Schriftgrößen und auch Farben harmonisieren. Im Prinzip ist an einem Interface, das weitestgehend auf Trennlinien und -Flächen verzichtet nichts einzuwenden, wenn denn die Abstände optimal gesetzt sind, was sie in diesem Fall nicht sind.

Dass der Auftritt von der eigenen Leserschaft oftmals als „unübersichtlich“ eingestuft wird, liegt an mehreren Faktoren. Spaltenanzahl, hellgraue horizontale Trennlinien, fehlende vertikale Trennlinien bzw. Flächen, Verquickung von Content und Werbung und die bereits angesprochenen Punkte Typographie und Abstände zahlen auf dieses Konto ein. Zu viele Spalten bei gleichzeitig sehr sparsamen Einsatz von visuellen Trennelementen lassen den Inhalt zusammenhanglos erscheinen. Ich denke, dass das Spaltenkonzept in diesem Fall der größte Knackpunkt ist.

Kinderkrankheiten wie etwa Zertifikatsprobleme, die beim Login auftreten, dürfte man schnell in den Griff bekommen. Die von vielen Nutzern angesprochenen, im Vergleich zum Vorgänger längeren Ladezeiten, lassen sich nicht so ohne weiteres überprüfen. Derzeit ist die Seite (laut Ladezeit-Check) rund 1.4 MB groß, was tatsächlich ein ziemlicher Datenbatzen ist. Zum Vergleich: rp-online.de 598 KB, express.de 780 KB und ruhrnachrichten.de 905 KB.

Optimierungsbedarf gibt es auch hinsichtlich der Kommentare. Im relaunch-begleitenden Artikel ist die Diskussion etwas aus dem Ruder gelaufen. Allzu kritische Kommentare wurden gelöscht, offenbar darunter auch einer von „kielleuchtturm“, der den Löschvorgang in der Folge mit zahlreichen Positivkommentaren (Screenshot) konterkariert, die wiederum nicht entfernt wurden. Auf die harsche, aber zum Teil berechtigte Kritik, war man wohl nicht vorbereitet.

Fazit

Der neue Auftritt ist nicht so schlecht, wie ihn die eigenen Stammleser machen, aber auch nicht so gut wie er sein könnte. Abstände, das Schriftbild sowie die Bestückung und die Anzahl der Spalten ließen sich durchaus optimieren, um im Ergebnis für mehr Ordnung und Übersicht zu sorgen.

14 Kommentare zu “DerWesten.de bezieht für Relaunch harsche Kritik von Stammlesern

  1. … ohnehin scheint es so, als sei man bei WAZens nicht nur designtechnisch, sondern vielmehr bezüglich der übergeordneten Online-Gesamt-Strategie nicht ganz auf Kurs:

    http://www.ruhrbarone.de/waz-gibt-portal-der-westen-auf/ (ich glaube den Ruhrbaronen trotz aller Dementis; die lagen bisher schon oft richtig, weil sie nachweislich und zu großem Anteil aus ehemaligen WAZlern bestehen).

    Ist erstaunlich, wie so ein starker, regional und lokal verwurzelter Konzern ein Online-Millionengrab nach dem anderen schaufelt, zuschüttet – und dann mit ein paar weiteren Hunderttausend das Loch verlegt.

    Ich habe als ehemaliger WAZ-Volontär immer die Stärke und Stimme vor Ort bewundert, die „wir“ da herstellten. Inzwischen ist beim immerhin zweitgrößten Print-Haus der Republik scheinbar nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern ein zunehmend auch journalistischer Totalschaden zu befürchten. Ich kenne kaum ein Zeitungshaus, das online so hilflos agiert. Und das will ja bekanntlich schon etwas heißen.

    Übrigens: Ich finde den Relaunch gar nicht so übel. Meckereien sind doch normal nach Umstellungen; das wird sich legen. Und beim nächsten Launch maulen wieder alle, sie wollten die „alte“ Seite zurück ;-) …

  2. War beim Relaunch der FAZ vor einigen Wochen auch so. Da wurde auch viel gemeckert. Im Grunde ist es so – wie hier auch schon gesagt wurde – dass Neues grundsätzlich erst einmal befremdlich und verwirrend wirkt. Nach diesem ersten Eindruck sollte man innehalten, und nach einem gewissen Zeitraum der Sache nochmals eine Chance geben. (is ja auch nich gesagt: Neu = automatisch besser),

  3. Ich finde das Design recht übersichtlich und auch nicht schlecht gestaltet. Da finde ich das neue GoogleNews doch viel eher einen Verriss wert.

  4. Nun wurde auch das Layout der beiden Flaggschiffe der WAZ-Mediengruppe, der WAZ und der NRZ, umgestaltet, was dank entsprechender „Verbesserung“ ebenfalls scharfe Kritik von Seiten der Leserschaft nach sich gezogen hat.

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