Start Relaunch

Der MDR entdeckt das Thema Personalisierung der Startseite

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MDR Relaunch

Der Mitteldeutsche Rundfunk führte heute für die MDR-Startseite einen kleinen Relaunch durch. „Sie können diese Homepage nach Ihren Wünschen verändern“, so heißt es in der begleitenden Meldung. Die Frage ist nur, ob die Nutzer dies überhaupt möchten.

MDR Redesign

Auch die neue Startseite wirkt zunächst einmal sehr globig und verschachelt. Zahlreiche Fenster, sogenannte „Widgets“, verteilen sich über die gesamte Startseite, die aufgrund der unterschiedlichen Größe ziemlich unsortiert erscheint. Die beim MDR genutzte Farbcodierung verstärkt diesen Eindruck sogar noch, als dass sie dazu beitragen könnte, den Inhalt leichter erfassbar zu machen.

Personalisierbare Inhalte sind wahrlich kein Novum. „MeinYahoo!” etwa gibt es seit über 10 Jahren, Ähnliches bieten andere Internetdienste wie iGoogle und Netvibes. BILD hat einen eigenen „Widget-Generator“, die Startseite des diesjährigen Grimme Online Preisträgers DRadio.Wissen ist personalisierbar und auch auf der BBC-Homepage (Screenshot) konnten Nutzer den Inhalt nach eigenen Vorstellungen und Interessen konfigurieren. Seit Mitte April nun erscheint die Startseite der BBC wieder widget-frei. „Look an Feel entsprachen nicht mehr dem neuen BBC-Design“, so eine mir vorliegende Stellungnahme von Seiten der BBC. Offensichtlich wurde die Widget-Funktionalität nicht in dem Maße angenommen, wie man sich das erhofft hatte.

Nun entdeckt der MDR also das Thema Personalisierung. Die Bedienung der auf der neuen Startseite vorgehaltenen Fenster ist zwar unkompliziert, allerdings ist der treppenartige Aufbau, bedingt durch die unterschiedliche Höhe der Fenster, wenig lesefreundlich. Um den Inhalt der Seite zu erfassen, muss das Auge zwischen dem dreispaltigen Konstrukt in Donkey-Kong-Manier hin und her springen. Anders als in diesem Spielklassiker sollte das Interface eines Nachrichtenangebotes allerdings den Nutzer bei der Suche nach einer relevanten Information führen. Wilde Sprünge gilt es hier zu vermeiden. Gerade die Ausrichtung von Elementen an horizontalen Achsen liefert einen wesentlichen Beitrag hierzu, weil dies unseren natürlichen Sehgewohnheiten entgegen kommt. Ein hoher Lesekomfort ist zudem unerlässlich, will man den Leser möglichst lange auf der Website halten, aber genau dieser Komfort geht mit dem nun praktizierten, vielstufigen Aufbau der MDR-Startseite verloren.

Mich würde interessieren, ob und welche personalisierbaren Dienste, Startseiten und Angebote von den dt-Lesern genutzt werden. Wie immer ist hierfür Platz in den Kommentaren.

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12 Kommentare

  1. Ich verfolge als Screendesignerin (und teils Informationsarchitektin) jeden Tag etliche Blogs zum Thema Usability, UX, Design etc. …
    Wenn ich mir diese Seite nun ansehe, stellt sich mir die Frage, ob ich zu wenig aufpasse? Ist denn eine solche “Personalisierung” noch “in”? Ich habe schon länger keine neue “Widget”-Gestaltung mehr gesehen und würde es zur Zeit nicht mal mehr anwenden. Würde gern Meinungen von anderen Gestaltern/Designern lesen.

    Zur Seite selbst: Nun ja, um Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten…
    Mir gefällt es nicht, vor allem wegen den Sprüngen der einzelnen Boxen.

  2. Als ich die Überschrift gelesen habe, dachte ich spontan: „Wozu ?”
    Als ich die Frage von Herrn Schaffrinna las, musste ich schmunzeln.

    Bei einem Suchportal mach Personalisierung Sinn da mannes als “Werkzeug” nutz.

  3. Meine Erfahrung ist, dass >95% der Nutzer so eine Option nicht annehmen. Breite Nutzung gibt es da eigentlich nur, wenn die Oberflächen-Personalisierung Kern der Dienstleistung ist (iGoogle etc.) oder eine sehr stark professionelle Nutzung des Dienstes statt findet. Beides ist für die MDR-Seite nicht gegeben… meiner Meinung wiegen die Vorteile für die 5% der Nutzer, die das aktiv einstellen, nicht die Nachteile durch die (für die restlichen 95% unnötige) visuelle Unruhe des Konzeptes auf.

  4. Die MDR Präsenz macht einen relativ guten Eindruck.
    Die Abstufungen bzw. die unterschiedliche Größe gefällt mir persönlich ebenfalls nicht. Der Punkt betrifft ebenso die NDR Webseite.

  5. Schöne Spielerei. Allerdings wird die Personalisierung über Cookies oder sessionbasiert gespeichert. Da ich aus verschiedenen Gründen den Cache und Cookies beim Beenden des Browsers löschen lasse, ist auch die Personalisierung wieder dahin.

    Im Prinzip sind solche Personalisierungen ganz nett, denn ich kann mir hochschieben, was ich zuerst sehen möchte. Eine permanente Personalisierung (die mir auch für morgen noch erhalten bleibt) lässt sich eben nur über ein User-Profil mit Login erreichen.

    Technisch hat man da wohl nicht weit genug gedacht.

  6. Der Mehrwert hält sich ja ziemlich in Grenzen. Spezifische Dienstleistungen wie die Bahn mit einer Voreinstellung für eine bestimmte Verbindung nutzen dem Kunden sicherlich mehr.

    Wenn schon TV-Programm, dann möchte ich mir z. B. meine Lieblingssendungen personalisiert anzeigen lassen. Nur Verschieben und Ausblenden ist zu wenig.

  7. Generell ist es sicherlich nicht schlecht als Nutzer die Möglichkeit zu haben die Masse an Inhalt nach seinen Interessen zu filtern und die Dinge nach oben zu ziehen die einem am meistern interessieren. Das kann durchaus zu einer verbesserten Übersichtlichkeit führen. Ob diese Funktion dann genutzt wird ist wieder eine andere Frage.

    Auf die richtige Umsetzung kommt es an. Die „Widgets“ beim MDR haben allerdings leider die gegenteilige Wirkung da sie die Übersichtlichkeit eher verschlechtern.
    Ich verstehe nicht warum die „Widgets“ alle unterschiedlich Hoch sind. Und warum bringt ein Klick auf „-“ diese nicht wenigstens auf eine einheitliche Höhe wie man das eigentlich erwartet?
    Die Farbgebung erinnert mich an einen Teller bunte Knete.

    Die Speicherung der Einstellungen stellen ein weiteres Problem dar. Natürlich löschen die meisten Anwender ihre Cookies nicht ständig aber ohne Login lässt sich das nicht dauerhaft speichern.

  8. Solch eine aktive Personalisierung, die ich persönlich nicht bräuchte, ist mir allemal lieber als die geisterhafte der Cyberport-Anzeige oben rechts in diesem Blog, die genau die drei Artikel anzeigt, die ich mir dort zuletzt angesehen habe. Gespenstisch …

  9. Nur eine Spielerei, ohne wirklichen Mehrwert … drückt man sich davor, sich eingehend Gedanken um eine logische und übersichtliche Anordnung der Inhalte zu machen? Eine logische Struktur ist doch allemal besser zu “bedienen”, als eine Individualisierung, von der ich beim nächsten Besuch schon gar nicht mehr weiss, wo ich was hingeschoben haben, geschweige denn warum. Ich ertappe mich selbst beim rumspielen, aber lesen tu ich da weniger …

    Darüber hinaus fände ich es als Informationsportal bedenklich, wenn User die Möglichkeit haben, Content auszublenden und damit aus meinem Angebot zu “löschen”. Denn wie sollte der dann jemals wieder an die User kommen, sollte sich da mal eine interessante und wichtige Nachricht finden, wenn es nicht der User sich selbst wieder holt? Beispiel: ist der MDR-Shop einmal ausgeblendet, ist er vergessen. Wieso sollte sich der User den erst wieder einblenden?

    Muss das Wetter so riesig sein, wenn es dann doch fast keine Informationen enthält? Über die Balken und Kästen geht meiner Meinung nach sehr viel wichtiger Platz verloren, der für eine statische aber übersichtlichere Gliederung der Contents gebraucht werden könnte …

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