Design Tagebuch

Das neue Logo der Grünen

Wie könnte es auch anders sein. Die Kritik am neuen Logo der Grünen, von einigen Medien bereits “Wessi-Logo” genannt, findet auf der politischen Ebene statt. Gestalterische Kritik liest und hört man dagegen überhaupt nicht.

Worum geht’s?

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen stellt heute in Berlin ihr neues Parteilogo vor. Dieses wurde im Vorfeld schon stark, vor allem von ostdeutschen Mitgliedern der Partei, kritisiert. Sie sehen sich aufgrund der unterschiedlichen Schriftgröße weniger stark repräsentiert. Natürlich vermuten diese, das wäre der Beginn einer schleichenden Verabschiedung des ostdeutschen Parteiflügels aus dem Parteilogo. Hmmm, die Tatsache, dass „Bündnis 90“ jahrelang größer, als „Die Grünen“ im Logo geschrieben und zudem noch als erstes genannt wurde, haben die westdeutschen Parteifreunde hingegen toleriert. Aber ich will mich nicht einmischen. Oder vielleicht doch.

Das Logo wirkt im Vergleich zum alten etwas schwammig und wenig kontrastreich. Der Gelbton der Sonnenblume geht im eingefassten grünen Rahmen fast vollkommen unter. Die beiden Parteigruppen werden nun in einem Rechteck gemeinsam geführt statt vorher in zwei zudem farblich verschiedenen Flächen. Die Gemeinsamkeit wird also hervorgehoben. Die „DIN medium“ kommt als Schrift zum Einsatz. Der Buchstabe “e” wurde modifiziert und die i- und ü-Punkte entstammen in ihrer runden Form einer anderen Typo. In der Pressemeldung der Grünen wird daraus “Die Experten … entwarfen sogar eine eigene Schrift.” Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer aber lassen wir das.

Verantwortlich für das neue Logo ist die Agentur Zum goldenen Hirschen. Was sich mir nicht erschließt, ist das so genannte “Blaue Fundament”. Im “befüllten” Zustand, also mit einem Namenszusatz, mag es ja noch halbwegs sinnvoll erscheinen, ohne Schrift wirkt der blaue Balken aber eher banal und zufällig. Zudem hängt das Quadrat mit der Sonnenblume durch die Betonung der rechten grünen Fläche in der Luft.

Fazit

Wenn man sich schon an ein neues Logo traut, hätte man auch den Mut haben sollen die Sonnenblume zu überarbeiten. Ich könnte mir gut eine stärker stilisierte Form vorstellen, die man sich leichter merken kann. Etwas weniger wäre hier sicherlich mehr.

abgelegt in Logos, erstellt von Achim Schaffrinna am 27.11.2006 | 20:37
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8 Kommentare zu 'Das neue Logo der Grünen'

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  1. am 04. Dezember 2006 um 20:40 Uhr

    Die Gestalter des Logos wussten dies jedoch auch nicht, wenn dem EPS kann man entnehmen, dass die Punkte von Hand ersetzt wurden (sie weisen noch den Mittelpunkt des Kreiswerkzeuges auf). Übrigens wäre es typografisch korrekt (und elegant), den i_punkt etwas größer zu gestalten als die ü-Pünktchen, so wie es in der FF DIN auch der Fall ist.

  2. Anonym
    am 27. November 2006 um 20:39 Uhr

    Hallo, ich kann dir da nur halb zustimmen. Das neue Logo ist weniger kontraststark – ja. Aber ich finde das gut. Genauso, wie die Partei immer weniger Profil zeigt, verschwimmt auch das Logo. Dafür sieht es aber deutlich angenehmer und besser, als das alte aus – ähnlich ist mein Gefühl bei der Partei: Irgendwie gut, ohne richtigen Grund. Und eine abstrahiertere Version der Sonnenblume muss auch nicht sein, weil die da oben ganz wunderbar reinpasst. Bei der Diskussion zum Wessi-Logo stimme ich dir voll zu und ergänze: Im Volksmund sit “Bündnis 90 – Die Grünen” einfach nur “Die Grünen” und das muss dann im Logo auch so kommuniziert werden.

    Einzig die Modifikation am E macht für mich gar keinen Sinn und reißt hässliche Löcher rein.

    Im Grund ein schönes Web-2.0-Logo, dass sich dem Profil der Partei anpasst – ob nun positiv oder negativ, muss jeder selbst entscheiden. IMO passt das Logo sehr gut und tritt modern in 3. Jahrtausend.

  3. Ivo
    am 28. November 2006 um 20:39 Uhr

    Auch die i-/ü-Punkte gehören zur FF DIN. Sie sind als Alternates verfügbar (z.B. über die Glyphen-Palette).

  4. am 02. Dezember 2006 um 20:40 Uhr

    > Hmmm, die Tatsache, dass Bündnis 90 jahrelang größer, als Die Grünen im Logo geschrieben wurde [...]

    Fairerweise muß gesagt werden, daß die “optische Größe” von Bündnis 90 durch die viel dünnere Schrift kleiner als die von Die Grünen war. Und abgesehen vom Anfangsbuchstaben und den Zahlen hatten die Buchstaben die gleiche Höhe.

  5. pete
    am 06. Dezember 2006 um 20:40 Uhr

    tja sowas kommt halt dabei raus, wenn man eine werbeagentur als designbüro engagiert,…

  6. Julius
    am 07. Dezember 2006 um 20:40 Uhr

    finde, dass das logo zu ‘trendig’ ist. aber wie schon vorher erwaehnt passt es vielleicht zum momentanen charakter der partei…

    die din ist ne ziemlich ‘konstruierte’ / rigide schrift (die mir durchaus gefaellt und ja -noch- schwer im trend liegt, wenn ich das richtig sehe) aber finde ich nicht zum character einer umwelt / toleranx etc partei passt. genausowenig wie die ‘kaesten’.

    find’s zwar rein aesthetisch ganz gut aber nicht passend.

    ausserdem haben die ein prolbem wenn bald keiner die DIN mehr sehen kann – ausser auf verkehrsschildern.

    [wenn man dann noch bedenkt, dass die din 1936 oder so zum standard wurde... - ich weiss, sie wurde schon in den 20ern entwickelt] ;)

  7. am 21. Januar 2007 um 12:10 Uhr

    [...] Ich bin relativ begeistert. Sieht man sich den alten Internetauftritt von Alcatel an, so stellt das neue Erscheinungsbild vor allem für die Franzosen einen echten Quantensprung dar. Etwas schade ist hingegen, dass der handgemachte “Lucent’sche Kreis” nun verschwinden wird. Aber wenn man sich anschaut “was man dafür bekommt” hält sich der Verlust in Grenzen. Der neue Internetauftritt macht einen extrem guten, aufgeräumten und ansprechenden Eindruck. Aufbau, Interaktion, Kreation, Navigation und Usability sehen sehr durchdacht aus. Flash wird dezent (ähnlich schön wie z.B. bei Adobe) und nicht effekthascherisch eingesetzt. Chapeau. Der erste Eindruck beim Logo geht erst einmal in Richtung “Web 2.0-Stil”. Logos mit Verläufen sind schwer im Kommen, wie auch zuletzt die heiße Debatte um das Grünen-Wappen gezeigt hat. Als Typo kommt die Evo BQ-Regular zum Einsatz. Schlicht aber dennoch eine gewisse Eleganz ausstrahlend. Der Schriftzug wirkt so weder übertrieben technisch noch “großkopfert”, wie man es bei einem Konzern dieser Größenordnung eventuell erwarten könnte. Auf mich wirkt er sachlich, sympathisch und maßgeschneidert. Das echte Sahnestück ist aber die Verbindung der beiden Buchstaben A und L zur Unendlichkeitsschleife. Die Idee ist wunderbar und die Umsetzung ist perfekt. Auch in animierter Version schön anzuschauen. [...]

  8. christian
    am 21. Februar 2007 um 13:05 Uhr

    Mir gefile am alten Logo besonders, daß die Sonnenblume NICHT eingekastet, eingesperrt, eingegrenzt etc. war. Genau DAMIT haben sich die Grünen meiner Meinung nach abgehoben von den anderen Parteilogos.
    Ich hätte die Schriftgrößen angepasst, die Farbigkeit evtl. überarbeitet (weniger grell) und die Sonnenblume reduziert.
    Das neue Logo hat strahlt viel zu stark einen konformeren Kurs der Partei und wenig von den Grundidealen der Grünen aus.

    Naja, Politik eben…

    und diese Spielerei mit dem kleinen ‘e’: Keine bessere Idee gehabt?


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